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2. Blatt.

itni »et tuibott Scitentructrti in 5o!»a.

** Zuldaer Leitung.

6 48.

Donnerstag 27. Februar 1915.

kleines FenitteLon

— Die Erhaltung alter Stratzrnb-unnen. Eine soeben ergangene Verfügung des Düsseldorfer Regie- rungsprösidentcn an die Landräte und Oberbürger­meister behandelt die Erhaltung alter Straßenbrunnen und die Anlage neuer Brunnen. Die hier gegebenen Anregungen sind so wertvoll, daß sie auch anderwärts Nachahmung finden sollten. So heißt es zum Bei­spiel in dem Erlaß: Ungefähr von der Mitte des vorigen Jahrhunderts ab läßt sich verfolgen, wie in der Brunnenkunst mit allen Ueberliefcrungen gebro­chen wird. Hier werden alte Brunnen als Verkehrs­hindernisse beseitigt, dort hält man sie nach Einfüh­rung der Hauswasierleitungen für entbehrlich, ja man geht sogar dazu über, durch ihre Entfernung die Ver­zinsung der letzteren zu erzwingen. Allmählich wird so der OÖffentlichkeit jede freie Trinkgelegenheit ent­zogen. Tausende zwingt ihr Beruf zum Leben auf der Straße; diesen, dem spielenden Kindervolk, den Wanderern, nicht zu vergessen der Tierwelt, sollte man die Möglichkeit eines Labetrunkes nicht versagen. Auch sprechen geschichtliche und künstlerische Gründe gegen die Beseitigung schöner alter Trinkbrunnen, die oft dem ganzen Stadtbilde den Charakter gaben und deren Einfluß auf die Gestaltung der Platzanlage man noch heute in süddeutschen und schweizerischen Städten be­wundern kann. Wenn gesundheitliche Gründe nicht dagegen sprechen, kann daher die Erhaltung dieser Denkmäler aus vergangener Zeit nicht warm genug empfohlen werden. Ter Regierungspräsident beschäf­tigt sich dann des weiteren mit den Monumental­brunnen des 19. Jahrhunderts, die als Nupbrunnen wenig Zweck haben, und so dert dazu auf, wie dies schon an mehreren Stellen geschehen ist, neue Brunnen zu schassen, die allen Anforderungen der Gesundheits­pflege entsprechen, keine unnötige Wasserverschwen­dung treiben, das Straßenbild beleben und vor allem wieder Gelegenheit zum Trinken bieten. Dem Städter, dem immer mehr von der Natur entzogen wird, wird damit ost wieder ein Stück Natur mitten

-t. Ein Bedürfnis der Zeit

$ ohne Zweifel der AlbertuS-Magnus-Verein. Al­bertus Magnus, jene Leuchte des 13. Jahrhunderts, »er zur Zeit, als man den herrlichen steinernen Dom am deutschen Rhein erbaute, mit seinem großen Schü­ler Thomas von Aguin den Dom mittelalterlicher Wissenschaft, den Piachttempel der philosophia et theologia perennis, errichtete, hatte mit weittragen­dem Scharfblick erkannt, daß die Kirche auch das Rüst- .eug menschlicher Wissenschaft führen muß, wenn sie die Menschen, namentlich die Gebildeten, für Reli­gion und Christentum gewinnen will. An der Lö- ■ hing dieser wichtigen Ausgabe will der nach dem Seligen benannte Verein m i tw ir len, in­dem er fähigen, würdigen und bedürfti­gen deutschen Katholiken, welche ein zum Besuch der Hochschule berechtigendes Reifezeug- n i s haben und sich einem höheren Laienberuf widmen, Unter ft Übungen in der Form von zinsfreien Darlehen gewährt. Geboren aus der Not der Zeit (1898), hat sich der junge Verein nnter dem Segen der Kirche rasch über alle deutschen Diözesen verbreitet und bildet heute schon ein Ruh­mesblatt in der Geschichte der deutschen Katholiken. Wie manchem gediegenen Talente, das sonst ver­kümmert wäre, hat er die Möglichkeit geboten, sich auszubilden und Tüchtiges für Kirche und Staat zu leisten. Auch in der Diözese Fulda hat der Verein Eingang gefunden und sich im allgemeinen recht erfreulich entwickelt; leider ist aber in den letzten Jahren ein gewisser S t i l l st a n d eingctreten, ja hier und da mach: sich sogar ein Rückgang be­merkbar Das ist bei der großen Bedeutung des Albertus Magnusvrreins für die Zukunft der'deut­schen Katholiken sehr bedauerlich. Gewiß sind zur Z t saft alle a k a d e m i s ch e n B e r u f e ü b e r- füllt. Tie Katholiken sind aber immer noch im Verhältnis zu den Andersgläubi­gen zurück. Im Wintersemester 1911 z. B. wa­ren von den studierenden Laren der deutschen Hoch­schulen nur 27 Prozent katholisch, während es nach der Bevolkerungszahl etwa 36 Prozent hätten sein müssen. Wollten nun die Katholiken dem vielleicht nur vorübergehenden Uebelstande der Ueberfüllung dadurch stetiern, daß sie begabte junge Leute vorn Studium abhielten, indem sie ihnen die notwendige Unterstützung verjagten, so kämen sie offenbar erst recht ins Hintertreffen, das konfessionelle Verhältnis der akademisch Gebildeten würde sich nur weiter zu ihrem Nachteile verschieben. Auch heute noch gilt, was 1901 Prof. W. Lossen (Der Anteil der Katho­liken am akademischen Lehramt S. 58) bezüglich der ernsten Frage der Ueberfüllung der akademischen Be­rufe geschrieben hat: „Tiefe Frage kann meiner An­sicht nach nur dann eine richtige Lösung finden, wenn die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen die­selbe gemeinsam in Angriff nehmen. Wenn eine Verminderung der Studierenden angezeigt erscheint, darf diese sich nicht so vollziehen, daß die Angehörigen einer Konfession denjenigen der anderen das Feld, allein überlassen. Augenblicklich .aber steht die Zahl der katholischen Studierenden noch so sehr hinter^der- jenigen der nichtkatholischen zurück, daß die Katholi­ken die Zahl vermehren müssen, selbst auf die Gefahr hin, daß dadurck die Gesamtzahl aller Studierenden noch mehr steigt." Allerdings wollen wir kein minder­wertiges katholisches akademisches Proletariat züch­ten. tüchtige Jünglinge sollen gefördert werden. Teshalb^sollen nach den Satzungen "des Vereins nur solchen Studierenden Beihilfen gewährt werden, die auf Grund ihres Charakters, ihres Betragens, ihrer Anlagen und ihrer Zeugnisse die Gewähr bieten, daß sie Tüchtiges leisten, sich auch bereits zwei Semester auf der Universität bewährt haben. Gewiß, mancher tüchtige Jüngling wird auch ohne dm Albertus. Magnus-Verein fein Ziel erreichen. Mommsen hat einmal gesagt: „Jedes Talent ersten Ran­ges bricht sich Bah n." Sehr verkehrt wäre cs aber, wenn ein Katholik dieses Wort als Vorwand seiner Interesselosigkeit, seiner Gleich­gültigkeit gegenüber dem Albertus-Magnus- Berein benutzen würde. Denn wie manch herrliches Talent gelangte nicht zur Entwicklung, blieb ver­graben, weil die armen häuslichen Verhältnisse eine Ausbildung unmöglich machten! Mer die Scharen katholischer Akademiker vergrößern hilft, der übt ein Apostolat der Tat, der verhilft dem Katholi­zismus mit seinen Quellen des Segens und seinen Kräften dm Liebe und Bildung zur Beachtung im öffentlichen Leben Darum ergeht an alle K atho- l i k e n der Diözese Fulda die erneute Bitte, sich gern und opferbereit um das Banner des ge­lehrten und frommen Bischofs Albertus Mag­nus zu scharen. Vieles bleibt noch zu tuen. Gar manche, und gerade solche, die mit

Glücksgütern reich gesegnet sind, stehen noch abseits oder glauben mit der Zahlung des Mindestbeitrags von 1 Mark genug getan zu haben. Biel Unkenntnis und Interesselosigkeit muß da noch schwinden. „Was Bedürfnis der Zeit ist, das sst Gottes Stimme", das ist auch unsere Pflicht. (Beiträge sende man an den Kassierer des Vereins, Herrn Bankdirektor Otto Gö­bel in Fulda.)

totales.

Fulda, 27. Februar 1913.

E Reifeprüfung. Heute früh um 8 Uhr begann an der diesigen Oberrealschule die mündliche Reikeprü'ung. Herr Direktor Machens führte den Vorsitz als König!. Kommissar, doS Kuratorium war vertreten durch den 1. Beigeordneten L. M. Halbleib. Von der mündlichen Prüfung wurden vier Schüler befreit und zwar Gustav Berg-Kleinendorf t Wests., Leopold Fritz.Fulda, Samuel Hest-Lauterbach und W'.lh. Jodn-Fulda. Der mündlichen Prüfung, die voraussichtlich heute abend zu Ende geht, unterziehen sich 10 Abi'urienten.

X Am hiesigen kgl. Lehrerseminar begann gestern morgen die schriftliche Abiturienten-Prü- f u n g des 1. Nebenkursus. Es ist das der Kursus, welcher vor 6 Jahren als außerordentlicher Präpa- randen-Kurfus in Fulda eröffnet wurde. Die münd- liche Reifeprüfung nimmt am Mittwoch nächster Woche unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschul­rats L e i st aus Kassel ihren Anfang.

Tte Teyernfeer Bauern Theatergesellfchaft batte gestern mit ihrem Gastwiele im Bürgervereinsfaale einen vollen Erfolg. Man staunt, welches Talent »um „ffumebiefpielen" den frififherben, urwüchsigen 'Naturtindern innewohnt. Der Bihelbauer des Heini Sachs, die Sennerin Evi (Fanni Mayerhofcr), die Bichelbäuerin (Luise Wiedl) u. a. waren Bühnen« Figuren, die so naturwahr und lebendig dargestellt mürben, daß sie hoch befriedigten. Das Zusammen, spiel war flott und ungezwungen. Der unverfälschte oberbay-rische Dialelt der Darsteller, der für Berufs- fchauipieler bei derartigen Stücken stets zu einer die Illusion störenden Klippe wird, gab dem Ganzen den eigenartigen Reiz bodenständiger Volkskunst. Das Stück .Almen rausch und Edelwetvon Hans Dienert hat mit dem bekannten Roman von Berthold Auerbach nur den Nomen gemein. Es ist ein echtes, rechtes Volksstück mit derb gezeichneten Khara?« teten uns getränkt mit Rührseligkeit. Großen Beifall fanden die Lieder und Tanze "zur Zitherbegleitung. Lie ungekünstelten krochen Naturstimmen, welche die Gestanzeln und Jodler so mühelos und jauchzend herairischmetterten, berührten den Zu örer wie ein Hauch köstlimer herber Gedtrgslvst. Auch der Schuh­plattler der drei Pacue im ersten Akt und der Fignren- tanz von Hühler List und Beer Marti mit feinen mannigfaltigen, fast nner;ch,öm sichen Wendungm und Drehungen boten fesselnde Bilder natürlicher Grazte und Anmut.

V Im Verein für Naturkunde hielt gestern abend Herr Entomologe L o m b aus Fulda einen Vortrag über die Geheimnisse der Jnsektenwelt. Ausgehend vom Bau der Gliedertiere gab der Vor­tragende ein anschauliches Bild über die 4 Entwicke- lunqsstufen des Jnsektenlebens. An der Hand eines reichen Materials wurden insbesondere die Schutzvor­richtungen der Kerbtiere während der Metamorphose besprochen. Herr Lomb ist auf diesem Gebiete der Insektenkunde ein dürch dreijährige Beobachtung ge­schulter Praktiker; er konnte deshalb die Zuhörer durch zahlreiche Einzelbeobachtungen erfreuen. Der Vor­sitzende, Herr Dr. Laudenbach, gab dem Danke der Versammlung noch besonderen Ausdruck. Am 11. März findet die Generalversammlung und daran anschließend ein Demonstrationsabend statt.

•x» Teurer Hühner diäten. In der Nacht zum Mittwoch drang der Hund eines hiesigen Zimmer- meisters in den beim tianbtranfenbaufe gelegenen Garten des Herrn Rentners Jchn und erwürgte dort neun Hühner und einen Hahn. Der Besitzer des Gartens nahm am folgenden Morgen den Hühner« marder, der sich noch im Garten umbeitr eb, in Empfang und stellte ihn samt feit er Bente und — einer Rechnung auf Schadenersatz dem Eigentümer des Hundes zu.

-y- ZwatnMetsteige,ung. Bei der gestern erfolgten gerichtlichen Zwan isversteigerung einer 10/12 a greifen Wiese in der Gemarkung (Sieiel blieb der Handels­mann Moses Strauß I in Fulda mit 630 Mark Höchstbietender.

-X- Vor Gericht. Das Gerichlsgebäude ist für viele Leute, die noch selten ober gar nicht vor das Forum der Juftttta geladen wurden, ein Ort des Schreckens. Andere roieöetum, tue durch Umstände gezwungen werden, häufiger an Gerichtsstelle zu er«

in der Stadt gegeben, dem Kinde wieder ein Stück Heimatgefühl, wie es der alte Brunnen in so reichem Maße erzog. Stiftungen für viele einfache Trink- brunnen sind jedenfalls Stiftungen für oft zwecklose Monumentalbrunnen vorzuziehen.

— lieber „Moderne Automobilfabrikation" sprach in Berlin Oberingenieur Urtel in der A. E. G. Er führte etwa folgendes aus: Aus dem Stadium des Versuchens und Probierens sei die Automobilindustrie in die Periode vorwärtsstrebender, zielbewußter Ent­wicklung getreten; es habe sich heute eine Art Stan­dardtyp herausgebildet. Angeregt durch das Beispiel Amerikas, fei auch unsere Industrie zur Massenpro- duktiou übergegangen, deren Grundlage das soge­nannte Austauschsystem bilde. Es komme hierbei dar. auf an, die Einzelteile auf besonderen Maschinen der­art genau herzustellen, daß ihre Einfügung in den Wagen möglichst ohne Nacharbeit mit der Hand er­folgen könne. Durch besonders schärfe Meß- und ver­besserte Arbeitsmethoden habe man dieses Ziel fast erreicht. Während früher jeder Zylinder einzeln müh­sam und doch wenig genau bearbeitet wurde, wird jetzt der ganze Block von der Maschine auf einmal aus- gebohrt und dabei selbst die minimalste Abweichung in den Abmessungen vermieden. An die Stelle des mangelhaften Bearbeitens der Getriebezahnräder mit der Hand ist die haargenaue maschinelle Ausführung dieser wichtigen Teile getreten. Durch besondere Härte- verfahren sei es auch möglich, den stark beanspruchten Teilen eine glasharte Haut zu geben und ihnen dabei den zähen inneren Kern zu erhalten.

— Brot aus Erbsenmehl und Fichtenrinde. Heber vorgeschichtliches aus einem SBintingetgrab aufgefun­denes Brot wird in dem neuesten Band der Prä- historcschen Zeitschrift folgendes berichtet: Das Brot bildete eine verkohlte, dichte Masse und hatte die Ge­stalt eines Kuchens von der Größe einer Hand. Die chemische Analyse ergab als Bestandteile Ackererbsen­mehl uuo Fichtenrinde, dazwischen Quarzkörnchen, welche jedenfalls Spuren der Mahlsteine darstellen. Interessant ist es nun, daß sich bereits im alten Troja ebenfalls Spuren rfinben, die auf die Zucht der Ackererbse Hinweisen, während in den alten Kul-

f*.einen, haben die „bei ige Scheu" abgelegt. Für alle ober ist die Genchisstelle eine Schule d s Ledens. Denn gar mancher muß die Erfahrung machen, daß dort ganz anders über eine Angelegenheit geurteilt wird, als er selbst vermutet hätte. Wohl jeder, bei m zivi'rechilichen D ngen das Gericht betritt, glaubt das Recht „faustdick' auf feiner Seite zu haben, muß sich aber doch belebten lassen, daß e< noch andere Ansichten gibt, die lebt wohl „begründet" sind. Em magere' Vergleich ist ja zu allen Zeiten besser gewesen, als ein jettet Proietz. Dreie Lebte wird ja den Parteten m zivilrechtlichen P.oteßsast en, die kaum deS Haders wert sind. Io olt angedeutet, das man sich wundern muß, daß dennoch so viele Prozesse zustandekommen. Auch gestern standen vor dem Königl. Amtsgericht Fulda nicht weniger als 71 zivilrechtliche Klagefachen an.

— Der Fuldaer Spar- und Bauverein e. G. m. b. H., hält am 8. Mär; seine Hauptversammlung ab. Tas abgelaufene 19. Geschästsiahr kann als ein er­folgreiches Jahr in der Entwickelung der Genossen­schaft bezeichnet werden. Eine größer« Summe er­forderte die Instandhaltung der Wohnungen, obwohl nur die notwendigsten und zweckmäßigsten Ausbesse­rungen erledigt wurden Der Vorstand richtet an die Mieter der Vereinswohnungen die Bitte, in ihren Ansprüchen auf Vornahme von Verbesserungen usw. mäßig zu fein; er will fernerhin von den Mietern verlangen, daß sie die durch ihre Nachlässigkett er­forderlich gewordenen Jnstandsetzungs- und Unter« baltunasarbeiten aus eigenen Mitteln ausführen las­sen. Mit dem zu Anfang des Geschäftsjahres be­schlossenen Bau eines größeren Wohnhauses in der Wörthstraße wird nach Bewilligung eines Bau-Dar- lehns von 24 000 Mk. seitens der Arbeiterpensions- Kasse in Berlin im kommenden Mär; begonnen wer­den, sodaß die Wohnungen voraussichtlich am 1. Ok­tober bezogen werden können. Der Bauwert der vor­handenen Gebäude beträgt z. Zt. 215 139,22 Mk., worauf bereits 8439,98 Mk. abgeschrieben sind. Die 52 Vereinswohnungen nebst einem Laden bringen ausschließlich Wasse.geld eine Miete von 11 574 Mk jährlich. Die Mieter setzen sich zusammen aus 39 Eisenbahnern und 13 sonstigen Bewohnern. Der Verein zählt 218 Mitglieder mit 478 Geschäftsan­teilen. Der Hauptversammlung wird wieder die Ver­teilung einer Dividende von 4 Prozent vorgeschlagen. Die Bilanz schließt in Aktiven und Passiven mit 232 808,06 Mark ab, die Gewinn- und Verlustbe­rechnung für das Jahr 1912 balanziert in Einnah­men und Ausgaben mit 12 483 Mark.

U. Was soll der Junge werden? Aus kauf­männischen Kreisen schreibt man uns: Die Zeit der Schulentlassung rückt heran und damit für viele Eltern die bange Frage, was soll der Junge werden. Nicht unsere Aufgabe soll es an dieser Stelle sein, diese Frage unter Berücksichtigung der jeweiligen Ver­hältnisse nach verschiedenen Richtungen zu behandeln, vielmehr möchten wir einen Beruf herausnehmen, dem für gewöhnlich viele (brauchbare und nichtbrauch­bare) junge Leute zustreben, es ist der Kauf- m a n n s st a n d. Wie oft hören wir die Meinung, der Junge hat eine schöne Handschrift und ist auch nicht auf den Mund gefallen, deshalb kann gar kein anderer Beruf mehr in Frage kommen und dte Sache ist gelöst. Man bespricht sein Vorhaben allenfalls auch noch mit dem Lehrer oder mit einem Freunde, aber das ist meistenteils mehr Formsache. Dort hört man wohl auf die guten Eigenschaften des Knaben, aber etwa geäußerte Bedenken von dieser Seite wer­den leider nur zu oft in den Wind geschlagen. Bevor man man sich aber zum Kaufmannsstand entgiltig entschließt, sollte man reiflich prüfen und erwägen, ob der Junge auch die nötige Befähigung zu diesem Berus hat. Es ist noch lange nicht gesagt, daß ein Junge, der schön schreiben kann, den Mund (nach Ansicht der Eltern) recht voll zu nehmen versteht, auch wirklich zum Kaufmann taugt. Vor allem kommt es darauf an, daß das Kind eine vorzügliche Auf­fassungsgabe besitzt und ihm inbezug auf Gedächtnis­stärke auch der 1. Platz gebührt. Ferner prüfe man, ob es im Deutschen und Rechnen nicht etwa hapert. Ist man überzeugt, daß diese, für einen Kaufmann unerläßlichen Eigenschaften, in besonders hohem Grade vorhanden sind, dann mag man sein Vorhaben aus- sühren, wobei aber auf den zweiten Punkt: wohin nicht minder großen Wert zu legen ist. Auch hier werden gar oft die unsinnigsten Fehler gemacht, man nimmt das erste Beste, das gerade geboten wird, ohne sich darum zu kümmern, ob die Ausbildung auch so gehalten wird, wie es sein sollte. Es ist eine ganz irrige Ansicht, wenn man glaubt, je größer das Ge­schäft oder Fabrikbetrieb, desto besser. Gerade um­gekehrt, in einem kleineren Betriebe wird die Aus­bildung meistetts auf eine — übrigens unbedingt nötige — viel breitere Basis gestellt. Wie ganz an»

turgebieten von Aegypten und Palästina keinerlei Zeugnisse über Erbsenbau zu finden sind. Ob frei» sich die alten Trojaer „Erbsenbrot" genossen habe», ist bis jetzt nicht nachgewiesen. Daß Rinde unter den Brotteig gemengt wurde, ist bekannt, einmal wohl um einen herben Geschmack zu erzielen, ander­seits um die Haltbarkeit des Gebäcks zu erhöhen. So ist es denn erklärlich, daß das den Toten ins Grab mitgegebene Brot einen besonders hohe» Rindenzu- satz erhielt. kc-

— „Zwei Fuder Schneider." Ein Göttinger Sammt ler hat ein jetzt gerade 80 Jahre alles Manufkrip« erworben, das fetzt Anlaß zu einem vielbelach'en Miß­verständnis gab. Bei den hannoverschen Kavallerie- Regimentern war man zu jener Zeit noch in großer Verlegenheit um aeichickte Häckselschneider. Der Werbe- Kommissar zu Göitinqen erhielt daher eines Tages den schriftlichen Befehl, für die Garnison Hannover iwei Futterschneidec anzuwerben. Wer bet reibt das Erstaunen des Garnison - Kommandos in Hannover, als dort, eskortiert von einem Landjäger, zwei Leiter­wagen angeraffelt tarnen, die dicht mit Schneide'- gesellen aus Göttingen und der Umgegend besetzt waren. Wie sich herausstellte, hatte der Schreiber mit der Orthographie auf dem Kriegsfüße gestanden; er halte nämlich statt „zwei Fuiterichnerder" geschrie­ben ,,-wei Fuder Schneider", und der Werbe-Kom­missar hotte dann den Befthl wörtlich ansae fthrt. f.

— Straß,eupflaster aus Leder. Was hat man nicht alles schon versucht, um ein „ideales" Straßen- Pflaster zu gewinnen! Ein ganz eigenartiges Ver­fahren wurde vor etwa Jahresfrist für die Befesti­gung einer Landstraße bei Birmingham angewendet. Man zerkleinerte Lederabfälle zu einer breiartigen Masse und vermischte sie mit Teer und Asphalt. Diese Masse wurde in einer ziemlich dünnen Schicht auf- getragen, die man bann erhärten ließ. Bis jetzt zeigt die Straße trotz regsten Verkehrs auch mit schwer bc» labenen Wagen noch nicht die geringste Abnutzung, sie bietet bei Regenwetter keinerlei Gefahr durch die z. B. bei Asphalt so gefürchtete Glätte, die Pferde gehen leicht und geräuschlos auf der fast elastischen Unterlage, und eine eigene S dtbenttoidlung ist

ders im Großbetrieb, wo der Lehrling oft mit aller» Hand nebensächlichen Dingen beschäftigt wird, die ein schlechtes Vorwärtskommen versprechen. Es ist eine nicht zu bestreitende Tatsache, daß aus einem kleineren Betrieb verhältnismäßig viel mehr brauchbare Kräfte hervorgehen wie aus dem Großbetrieb, und diese Tat» fache sollte man sich in besonderer Weise vor Augen halten. Wird nach diesen Darlegungen die Sache ge­handhabt, hat der Junge wirklich Lust und Liebe, was wir eigentlich ja als ganz selbstverständlich voraus- setzen, dann werden den Beteiligten später manche kummervolle Stunden erspart bleiben. Gewiß ist nicht zu verkennen, daß auch heute bei der zunehmen­den Jttdustriealisierung Deutschlands einem talent­vollen gut ausgebildeten Kaufmann gute Aussichten sich eröffnen. Anderseits wird aber auch durch das unaufhörliche Vordringen der weiblichen Hilfskräfte und jener faufmännifrficn Hilfskräfte, die so üppig hinter den Kulissen der Hondelsinstitute wie Pilze aus der Erde schießen, der minder gut veranlagte und ans- gebildete Kaufmann einen schweren Stand haben und diese sind es denn auch meistens, die im Verein mit den aus den Handelsinstituten hervorgegangenen „Kaufleuten" als stellenlose Wanderer auf den Land­straßen in großer Zahl anzutreffen sind.

* Mittwoches. Eine Kager icbe Verordnung be­stimmt , daß die Samtätsmannschatt n bei den Truppen die Uniform ihres Truppenteils zu tragen haben, jedoch ohne Bcmdener und Karlu'che. Tie Zanitätsfeldwebel bei den Garntton-Lazaretten tragen das Jnianterie-Umsorm der Armee-Korp-, zu dem mit Lazarett gehört, dazu brandenburgische Anschläge die ponceauroten Aermelplalien, Knöp'e von Tvmoak, auf den Schulterklappen die Nummer des Armee- Korps in römischen Zahlen, schwarzes Lederzeug. Auf dem rechten Oberärmel der Wafsemöcke uiro., Der Drilltchröcke und Drillichjacken ist der Äeskulab- ftab zu tr-orn.

* Die Mauk- und Klauenseuche herrscht nach den neuesten Ermittelungen zur Zeit im Regierungsbe­zirk Kassel nur im Kreise Hofgeismar, wo eine 63c» meinbe mit einem Gehöft davon befallen ist. Der Regierungsbezirk Wiesbaden ist völlig seuchenfrei. Wie aus der Statistik hervorgeht, ist die Seuche im ganzen Reiche im Abnehmen begriffen.

♦ Ruhezeiten für die Eisenbahner. Voraussicht, sich werden am 1. Mai d. I. neue Bestimmungen über die Dienst- und Ruhezeiten des Eisendahn-Be- triebspersonals in Kraft treten. Von besonderer Be­deutung ist die Bestimmung, daß allen Betriebsbe­amten mindestens zweimal monatlich eine ununter­brochene Ruhezeit von 32 fbisher 24) Stund m ;u gewähren ist, dem Zug- und Stationspersonal mit regelmäßigem Nachtdienst mindestens dreimal. Das monatliche Höchstleistungsmaß des Zrig- und Sta­tionspersonals ist auf 240 bis 260 Stunden festge­setzt, das Tnrchschnittsleistnngsmaß des Fahrperso­nals auf 300 bis 330, des Lokomotivverfonals auf 270 bis 300 Stunden. Die Höchstdauer einer Dienst­schicht ist auf 14 Stunden herabgesetzt; nur in weni­gen Ausnahmefällen darf sie auf 15 Stunden aus­gedehnt werden. Bemerkenswert ist die Bestimmung, daß Heimfahrten vom Dienst auf die monatliche Dienststundensnmme abgerechnet werden.

Aus dem Nachbargedieie

~ Biounzell, 26. Febr. 1913. lln re Gemeinde läßt zurzeit ihre Waldung an der Ziegeler Grenze abtreiben, um anläßlich der Jahrhundert'eier der Befreiungskriege eine Neuanpflanzung vorcuneh-nen. Dieser neuer Wald soll alsdann den Namen „Frei- heitSwald* führen. Auf dem höchsten Punkte jenes Waldes toll zur Erinnerung an das 25jährige Regierungsjubiläum Kcnser Wilhelms II. eine Eiche gepflanzt werden, die den Namen „KaijerWilhelms- Eiche" erhalten soll.

X EllerS, 27. Fehr. 1913. (Tel.) Heute morgen 8Ve Uhr brach tu der Scheune des Müllers Krämer ein Brand aus, bei auch auf das Wohnhaus des Valentin Ihrig überertff. Die Scheune wurde voll­ständig eingeäfchert. An den Lö ^arbeiten beteiligten sich die Feuerwehren von Rmnmerz, des hi si en Berg­werkes, sowie die beiden Feuerwehren von 'Jieuhot.

* Hofgeismar, 26. Febr. 1913. Ende vori gen Jahres wollte eine größere Zigarrensa'rtk hier eine Filiale errichten, wenn si h zirka 100 Arbeiter und Arbeiterinnen meldeten. Das scheint nun nicht der Fall gewesen zu sein, denn aus der Zgarren- fabrik ist auch diesmal wieder nichts geworden.

n. Gelnhansen, 26. Fedr. 1913. Durch einen Brand wurde geftetn im Stadtwald am N ckerstall eine größere Fläche zerstört. Der Feuerwehr gelang es schließlich, den Brand zu lokattsieren und des Feuers Herr zu werden.

gänzlich ausgeschlossen. Bedenkt man, daß auch die Kosten sehr gering waren im Verhältnis zu anderen Befestigungsarien, so dürfte man nun wohl in dem Lederpflaster ein ideales Verfahren gesunden haben. Fraglich ist nur, wo man die Menge Lederabfälle hernehmen soll, die bei allgemeiner Einführung des Lederpflasters erforderlich wären. Vielleicht stellt man Versuche mit Benutzung von Kunstleder an. vs-

— Allerlei Weisheit. Einer neuen Zählung zu­folge gibt es auf der ganzen Erde 672 Vulkane, aber nur 270 derselben sind noch tätig. — Die Fahrzeit durch den Suezkanal beträgt durchschnittlich 16 Stun­den 54 Minuten. — Die Produktion der in Peru lebenden, den wertvollen Guano liefernden Vögel: Koromane, Pelikane, Möwen usw., beträgt jährlich 20- bis 30 000 Tonnen. An einzelnen Stellen er­reichen die Guanolager eine Höhe von 30 Meter. —1 Aus der Insel Island wird das Brot aus gettock- netem und bann gemahlenem Stockfisch hergestellt. — lieber die Kaiserin Katharina II. von Rußland sind über 1300 Werke erschienen, die in allen Kultur­sprachen der Welt abgefaßt sind. — Ans den Stein­kohlen werden auf chemische Weise gegen 70 vw- f (Heben e Produkte gewonnen. Die bekanntesten sind Teer, Benzol, Anilin, Parafin. Naphtalin. — Bei den Berbern in Afrika ist die Feier eines Geburts­tages gänzlich unbekannt. Es ist besonders für Frauen sogar ehrenhaft, wenn sie ihr Alter nicht kennen. tno-

— Eine Gartrnankaae ans der Zeit Ka'fer Karls des Großen. In der Klosterbibliotbek zu St. Gallen befindet sich auch der Plan eines Gartens aus dem Jahre 803. In diesem Jahre wird in Breslau eine Gartenanlage geschaffen, die nach dem >" St. Hallen vorhandenen Plane konstruiert werden soll. Be­kanntlich findet anläßlich der Jahrhundertfeier in Breslau eine Gartenbauausstellung statt, in be~ctt Rahmen dieser älteste Beweis deutscher ©artenbau» fünft gezeigt werden soll. a-

— Ohne Mitgift. A.: „Mo du willst bte ude» graphifttn doch nicht heiraten— B.: „Ich habe es mir gründlich überlegt 1 Ich fürchte, daß es eine drahtlose Telegraphistin ift"