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Zuldaer Zeitung

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Illustrierte Sonntagszeitung | Zuldaer SeschichtrblLtler

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Hr. 46. Erftes Blatt Donnerstag den 27. Februar 1913.

40. Zahrgang.

Deutscher Reichstag. .

Sitzung vom 26. Febr. 1913.

«rlter Punkt der Tagesordnung ist die Beratung des nationaliideralen Antrags auf Vorlegung eines Ge­setzentwurfes zur

Regelung des Submissionswesens im Deutschen Reiche.

Ein von der Reichspartei gestellter Jnitiativ-Antrag, der Richtlinien für die Festsetzung eines angemessenen Preises verlangt, wird mit zur Diskussion gestellt.

Abg. Frhr. v. Richthofen (natl.): Bei der künftigen Regelung des Submissionswesens müßte als Grundregel festgesetzt werden, daß eS den Behörden freigestellt wird, bei kleineren Werken den Weg der freihändigen Ver­gebung zu wählen, bei Objekten von 5000 Mk. an aber sollte unbedingt der Weg der Submission geboten sein. Die Annahme der billigsten Preise führt, wenn sie auch cm bequemsten ist, zu den übelsten Konsequenzen. Wir verlangen deshalb reichsgesetzliche Regelung dieser Sache und die Einsetzung eines Reichssubmissionsamtes als Kontrollstelle. Landesgesetzliche Regelung ist nicht em­pfehlenswert.

Abg. Warmuth (Hosp. d. Reichsp.): Wir bitten, auch unseren Antrag in der Kommission zu beraten. Mit der gesetzlichen Regelung des Submissionswesens ist dem Handwerkerstand keineswegs gedient. Den Verordnungs- weg halten wir für genügend, jedoch muß bald etwas geschaffen Werben.

Abg. -Lüttmann (Soz.): Die ungeheuren Mißstände zu beseitigen sind wir gern bereit, aber auch die Jnterei» sen der Arbeiterschaft sind zu berücksichtigen. Ihnen ist ein Mindestlohn zu garantieren, dadurch wird die Schmutztonturrenz unmöglich gemacht.

Es wird noch ein Antrag Carmer-Ziserwitz (kons.) mit zur Beratung gestellt, der außer dem Zuschlag be­stimmte Tarife fordert, deren Festsetzung nach Anhörung von Sachverständigen zu erfolgen hat, und die Sachver­ständigen bei der Ueberwachung und Abnahme als gut­achtliche Berichterstatter verwendet wissen will.

Abg. Irl (Ztr.): Es ist sehr bedauerlich, daß die Bundesratsestrade nach alter Gepflogenheit bei Beratung der Initiativanträge leer bleibt. Mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der Verhältnisse halten wir eine reichs­gesetzliche Regelung des Submisfionswesens nicht für wünschenswert. DaS Reichsgesetz würde sehr verschieden gehandhabt werden und mfolgedessen keine Besserung bringen. Dagegen sind wir entschieden dagegen, daß die staatlichen Arbeiten in Regie vergeben werden. Der kleine Handwerker würde keinen Vorteil davon haben. Die Schwierigkeiten der reichsgesetzlichen Regelung erhellen aus dem Beschlüsse der Gewerbe- und Handwerkskammertage. Sollte auf Grund von deren Vorschlägen ein Gesetz eingebracht werden, so würden wir einer Prüfung gern zustimmen. Die Behörden haben diese Schwierigkeiten durchaus nicht verkannt, sie haben, tote noch das Reichsjustizamt erklärt hat, noch keine Stellung genommen. In Preußen hat die Kom­mission des Abgeordnetenhauses die Frage, ob eine reichS- gesetzliche Regelung möglich ist, mit Mehrheit verneint. Wunderbar ist eS, daß die Nationalliberalen jetzt mit einem solchen Anträge kommen. Selbst die Fortschritt­ler haben sich dafür ausgesprochen, daß man abroarten müsse. Man müsse sonst die Verfassung ändern, und das hat doch z. B. der Abg. Gyßling als nicht wünschens- wert bezeichnet. Dieselben Bedenken haben wir im Bundesrat und auch hier im Reichstage gehört. Ebenso haben sich die bayerischen Handwerkskammern geäußert; es würde sehr schwer sein, passende Bestimmungen zu finden. Es bleibt nur die landesgesetzliche Regelung übrig. Die reichsgesetzliche Regelung fuhrt, tote ein in Osnabrück passierter Fall ergibt, zu unabseh­baren Beschwerden wegen Unregelmäßigkeiten. Ebenso haben sich in Württemberg allerhand Mißstände ergeben. Wohin sollen wir kommen, wenn wir diese hier alle be­sprechen sollen? Auch der Berliner Handwerker Rahardt hat sich dahin geäußert, daß der Unterschied der Interes­sen der Groh- und der Kleinmeister nicht genügend be­rücksichtigt werde. Wir in Bayern haben über den jetzigen Zustand nicht zu klagen. Mit einem Reichsgesetz wären wir viel schlechter dran. (Sehr richtig!) Die Sozial- demokraten wollen den Arbeitern einen bestimmten Lohn garantieren. Gewiß wollen die Handwerker die Lohn- Verhältnisse der Arbeiter gern richtig stellen. Unser Antrag trägt dem Rechnung. Umgekehrt aber, wenn die Meister die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen, dann leistet die Linke keine Hilfe. Dann heißt es, dem

Der Graf von Tarent.

63] Roman in 8 Bänden von F. Steinkirchner.

„Ich wünschte fast, ich hätte Dich nie kennen ge­lernt, Du grausamer Mann."

„Darum? Die Reue kommt spät,"

„Weil Du versuchst, mich tiefer und tiefer zu ziehen, und trotzdem kann ich nicht lassen von Dir."

Die Straße 'machte eine Biegung. Weder der Kutscher auf dem Bocke des Wagens, noch der zu Pferde nachfolgende Diener konnten in diesem Augen­blicke das Paar sehen.

Er schlang plötzlich den Arm um die junge Witwe und blickte ihr tief in die Augen.

Sie umschlang seinen Nacken, und er preßte seine Lippen auf die ihren. Sie dachte nicht mehr des Knaben, sie dachte nicht mehr ihrer Furcht.

Als sic wieder nebeneinander gingen, da glühte sein Gesicht und die Augen blitzten. Er war sich bewußt, daß sie keinen anderen Willen hatte, als feinen Willen.

Tie Straße senkte sich jetzt, unten im Tale zeigte sich ein Dorf, die Glocke vom Turme rief die Arbei­ter zum Mahle.

„Die Sonne stehl hoch, es mutz die Mittagsstunde sein", sagte er. „Wir wollen unten anhalten und Erfrischungen einnehmen."

Sie war es zufrieden, denn die Reise hatte hmte bereits viele Stunden gedauert. Die beiden nahmen wieder Platz im Rcisewagen, und wiehernd trabten die Pferde dem Torfe zu.

Vor dem Dorfe lagerte mitten im Grase eine Gruppe halbnackter Menschen, Männer, Frauen und Kinder. Gegen den Sonnenbrand diente ein zer­fetztes Tuch, das über quergelegte Stangen gebreitet war. Im Hintergründe zeigten sich zwei elende Karren und mehrere abgetriebene Pferde.

„Was sind das für Leute?" fragte die Gräfin.

„Zigeuner, meine Schöne", antwortete er. „Hast Tu nie solches Volk gesehen?"

Handwerk könne nicht mehr geholfen werden. Niemand und niemand kümmert sich darum. Wie kann uns da ein NeichSgesetz helfen? Die Diskussion hat nichts Neues gebracht. Die einzigen Sachverständigen sind die Hand­werkskammern. Der Antrag der Reichspanei läßt sich diskutieren. Wir werden nach wie vor dafür eintreten, daß die berechtigten Wünsche der Handwerker erfüllt werden. Wenn eine reichsgesetzljche Regelung nicht be­schlossen wird, so wird es möglich fein, auf Grund un­seres Antrages und desjenigen der Reichspartei ent- scheidend vorzugehen und das Mögliche zu erreichen. (Beifall im Zentrum.)

Es gelangt noch ein Antrag Werner- Gießen (wirtsch. Vgg.) mit zur Beratung, der tr. a. verlangt: zeitgemäße Ausdehnung des gewerblichen Befähigungs­nachweises; Volljährigkeit bei der Ausübung eines Ge- roerbeS; Ausbau der Bekämpfung de- unlauteren Wett- betoerbs; aufsteigende Reichsumsatzsteuer für Großmüh­len und Warenhäuser; Verschärfung deS Gesetzes über die Abzahlungsgeschäfte; Beschränkung der Handwerks- arbeiten in 2?i i li tärtoerfftätten und Gefängnissen usw. usw.

Abg. Graf Carmer-Zieserwitz begründet den konser­vativen Antrag. Der Redner ist gegen eine reichSgesetz- liche Regelung, aber für Hebertoeifung des national- liberalen Antrags an die Kommission.

Abg. Vartschat (Vp.) bittet den s. Zt. vom Hansa- bund ausgearbeiteten Gesetzentwurf zur Grundlage zu nehmen.

Abg. Dmnbcck (Pole) ist für reichsgesetzliche Regelung und führt Beschwerde, daß die Ansiedler in den Ostmarken veranlaßt wurden, nur bet deutschen Handwerkern zu kaufen.

Abg. Werner-Gießen (wirtsch. Vgg.) fordert Dub- Missionsämter.

Sämtliche Anträge gehen an eine Kommission.

Abg. Sperlich (Ztr.) vertritt die Wünsche der Zünd­holzhilfsindustrie. Die Schachtelsabriken haben einen großen Schaden erlitten, da die Zündholzfabriken jetzt selbst Schachteln anfertigen. Man sollte die mechanischen Feuerzeuge besteuern.

Abg. .Hafenzahl (Soz.): Die „nationale Kat' der Finanzreform hat die Arbeiter schwer geschädigt. Sie müssen schadlos gehalten werden.

Die Petitionen werden nach den Vorschlägen der Kommission erledigt.

Eine Petition von Angehörigen des kaufmännischen unb gewerblichen Mittelstandes auS Rheinland und West­falen verlangt eine Aenderung deS Genossenschaftsgesetzes dahin, daß den eingetragenen Genossenschaften der Ver­kauf von SWabattmarlen an Gewerbetreibende verboten wird. Die Kommission beantragt die liebertoeifung als Material.

Abg. Feuerstein (Soz.) verlangt Uebergang zur Tagesordnung. — Nach weiteren Reden der Abgg. Chrysanth (Ztr.) und Sachse (Soz.) wird abge­stimmt. Da die Sozialdemokraten sehr stark, Zentrum und Rechte sehr schwach vertreten sind, beteiligen sich diese Parteien fast gar nicht an dem notwendig gewordenen Hammelsprung, und baS Haus ist mit 90 gegen 42 Stimmen beschlußunfähig.

Donnerstag: Reichseisenbahn.

Preußischer Landtag«

Abgeordnetenha«?. s

Sitzung vom 26. Febr. 1913.

Die zweite Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung wird beim Titel Arbeitsvermittlung fortgesetzr.

Abg. v. d. Osten (kons.): Zwischen Arbeitgebern und Arbeitern hat sich hinsichtlich der Arbeitsvermittelung ein latenter Kampfzustand entwickelt. Die Sozialdemo, traten üben den rücksichtslosesten Terrorismus au», um die Arbeiter in die Gewerkschaften hineinzuzwingen. Bei der Regelung des Arbeitsmarktes sollen parteipolitische Bestrebungen ausgeschlossen werden.

ArbeitSminister Sydow: Der Arbeitsnachweis soll den Zweck haben, den geeigneten Arbeiter an die geeig­nete Stelle zu bringen. Er soll vor allen Trugen kein Kampfmittel darstellen. Es gibt Arbeitgeberverbände, die vollkommen unparteiisch vorgehen. Der paritätische Arbeitsnachweis darf nicht dazu dienen, die Arbeiter in eine Organisation yineinzubrmgen. Dem ungesunden

Die junge Gräsin blickte verwundert auf das braune, in Fetzen gekleidete Volk. „Nein, gesehen habe ich solches Gesindel noch nicht; in welchem Elend leben doch solch arme Leute."

„Nimm Dich in acht vor solchem Bolle, to stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist, dabei wird geweissagt und Hokuspokus getrieben; der Teufel traue denselben."

„Ah, die Leute können weissagend

,^a. sie lügen das Blaue vom Himmel herunter, um eine Kupfermünze zu erlangen."

Die Equipage hielt vor dem Tore des DorfwirtS- hauses, und der Baron half der jungen Witwe beim Aussteigen.

Der Besitzer 8eS Haukes, seine Frau und eine Schar Kinder kamen den Gästen entgegen und grüß­ten demütig. Solch vornehme Fremde hielten sehr selten vor dem Tore.

Kaum hatten die Gäste das Zimmer betreten und ihre Anordnungen gegeben, da tauchte ein grund­häßliches altes Weib unter der Türe auf und ging auf die Gräfin zu. Die Haare desselben hingen ungekämmt über da? runzelige Gesicht bis zu den Hüften herab. Buschige Brauen überschatteten zwei funkelnde graue Augen, die Haut war gelb wie Per­gament.

Die Alte ging direkt auf die Gräfin zu und stellte ein kleines Fläschchen vor sie hin, das mit einer blaßroten Flüssigkeit gefüllt war. ,^Jhr seid schon, wie der Morgen beim Sonnenaufgang, junge Frau", begann sie, „aber Jugend und Schönheit vergeht. Kauft, kauft, Schönste der Schönen. Wenn Ihr drei­mal im Jahre siebm Tropfen nehmt, wenn der Mond am höchsten steht, werdet Ihr jung bleiben und schön trotz der Zeit. Die Männer werden zu Euren Füßen liegen, wenn Ihr auch anfangt, die Jahre zu zählen, die Ihr gelebt. Das Haar wird die Farbe des Goldes behalten, die Haut bleibt weich wie Samt, der Schritt elastisch, das Blut wird nicht träge." '

Der Baron brach in ein unbändiges Gelächter aus. „Alte Hexe, warum hast Du das Elixier nicht an Dir selbst angewendet?" fragte er belustigt, „Du

Zuströmen der Arbeiter in die Großstädte entgegenzu- wirken, sollten die Arbeitsnachweise als wichtige soziale Aufgabe betrachten. Die Arbeitsnachweise unter kom­munaler Leitung werden von der Regierung unterstützt. In Hannover sind wir gegen den Tarifvertrag für das Maurergewerbe vorgegangen, weil wir nicht dulden konnten, daß auf die Unorganisierten ein unzulässiger Druck astsgeübt wurde.

Abg. Flesch IDp.): Staatliche Unterstützung sollten nur die öffentlichen Arbeitsnachweise erhalten, die auf paritätischer Grundlage beruhen.

Abg. Dr. König (Ztr.): Nur die neutralen Arbeits­nachweisstellen, wie sie von Gemeindeverwaltung und gemeinnützigen Veranstaltungen eingerichtet sind, können wirksam helfen. Da sie eine ganz unparteiische Stellung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einnehmen, müssen sie seitens der Staatsregierung gefördert und unterstützt werden, besonders im Interesse der ungelernt« ten Arbeiter, der Arbeiter in den Mittel- und Klein­betrieben und der hausgewerblichen Arbeiter. Redner bedauert, daß der neue Etat nicht' mehr MittelJür die unentgeltlichen Rechtsauskunftstellen für die Minder­bemittelten Bevqlkerungkreife vorgesehen habe, die au» wirtschaftlichen und sozialen Gründen immer notwen­diger würden.

Abg. Seiner! (Soz.) wirst dem Minister einseitige Bevorzugung der Ärbeitgeberinteressen vor.

Abg. Krause-Waldenburg (freikons.): Im Interesse der Arbeiter liegt es. sie von dem Zwange sich nur an paritätische Nachweise zu wenden, für immer zu be­freien. Meine Voraussage, der Nachweis des Zecheuoer- bandes werde einwandfrei verwaltet werden, hat sich erfüllt.

Abg. Haarmann (natl.): Der Zechenverband ist zu einer.Wohltat für die Arbeiter geworden. (Lachen im Zentrum und bei den Soz. — Zuruf: Schwarze Listen!) Tie Zechen können doch nicht jeden Strolch einstellen und müssen Herren im Hause bleiben. (Große Unruhe..— Sehr richtig! rechts.) Die Sozialdemokratie mäkelt im­mer, wenn eine Maßregel geeignet ist, Frieden zu stiften. ES muß Krieg sein, wenn ihre Sterne strahlen sollen. (Abg. Hoffmann (Soz.) ruft: Haarmann ass Frie- denSengel! — Heiterkeit.)

Abg. Tr. Krüger-Hagen (Vp.) bemängelt die Unter- stütznng des Hauptverbandes der gewerblichen Genossen­schaften mit 30 000 Mark und verlangt Aufnahme deS Genossenschaftswesens in die Prüfungsordnung für Handelslehrer.

Ein Regierungsvertreter erklärt, daß daS Genossen- schaftswesen in die Prüfungsordnung aufgenommen werde, sobald ein Bedürfnis vorliege.

Damit ist der Etat der Handels- unb Gewerbever- waltung erledigt.

ES folgt der Etat der Bergverwaltung.

Abg. v. Hassel (kons.) begrüßt daS erfreuliche Bild deS Etats. ■ Der Einfluß des Staates auf die Syndikate sei leider gering und der Minister müsse versuchen, mit allen Mitteln ein Stillegen der Zechen namentlich im südlichen Westfalen zu verhindern.

Abg. Brust (Z.): Aus dem Etat läßt sich eine er- sreuliche Entwicklung der westfälischen fiskalischen Berg­werke erhoffen. Selbst bei einer Krisis in der wirt­schaftlichen Entwicklung kann mit einem nur langsamen Zurückgehen gerechnet werden, was zweifellos eine Folge der guten Organisation der Produktion und des Ab­satzes, wie sie das Syndikat hat, ist. In Bezug zum Rücktritt deS Bergfiskus stehen meine politischen Freunde noch auf dem Standpunkt, daß der BergsiSkus beim Kohlensyndikat eine freiere Stellung sich sichern muß, um vom Kohlenshndikat zurückzutreten, wenn die In­teressen der Allgemeinbeit bei Preisfestsetzung nicht ge­bührend berücksichtigt werden. Im vorliegenden Falle halte ich eine Erhöhung des. Preises der HauSbrand- kohle um 2,5 Pfg. für keine ausreichende Begründung für den Rücktritt des BergfiskuS. Eine Teilnahme des Ministers an weiteren Verhandlungen über den Wieder­eintritt halte ich für dringend notwendig, pflichte »hm jedoch bei, daß er sich in der Frage der Versorgung der staatlichen Anstalten mit Kohlen völlig freie Hand behalten müsse und die Interessen der Kohlenkonsumen­ten gebührend zu wahren habe. Ich bin der Ansicht, weitere Mittel zur Erschließung der staatlichen Berg­werksfelder in Westfalen zur Verfügung zu stellen, da- mit er durch vermehrte Förderung größeren Einfluß auf die Preispolitik des Kohlensyndikats gewinnen kann. Selbstverständlich, ist eine Vermehrung der Schachtau-

siehst aus, wie die Urgroßmutter des Teufels, und einem müden Maultiere würde der Appetit zum Heu in der Krippe vergehen, wenn es Dir in die Augen schaute!"

Die junge Gräfin nahm das Fläschchen in die Hand und betrachtete es mit sinnenden Blicken.

„Sieben Tropfen beim Vollmonde?" fragte sie.

„Ja, das Blut bleibt heiß, die Augen behalten das Feuer der Jugend. Wir Zingoras sind arm, ein irrendes, fahrendes Volk, der Himmel ist unser Dach, die Erde unser Bett. Wir ziehen von Land zu Land und den Weibern unseres Stammes liegt nichts an der Schönheit des Gesichtes und der Ge­stalt. Ihr aber wohnt in einem Schlosse."

„Woher wißt Ihr daS?"

„Ich bin die Mutter meines Stammes, wenige Dinge sind es, die ich nicht kenne. Einst war ich schön und begehrt, aber ich lebe hundert Jahre schon, und Azrael, der Schattenfürst, wartet meiner. Kauft, schöne Frau, kauft!"

Die junge Gräfin legte ein Geldstück in die knö­cherne, braune Hand der Alten.

„Könnt Ihr in die Zukunft sehen?" fragte sie.

Die Zigeunermutter ließ das Geldstück in den Taschen ihrer zerfetzten Kleidung verschwinden. „Soll ich Euch weissagen?"

Die Gräfin nickte.

Die Alte griff nach der kleine«, schneeig weißen Hand und betrachtete die Linien der inneren Hand­fläche forschend. Tann neigte sie ihren Mund an das Ohr der jungen Witwe.

„Kehre um, schone Frau, kehre um, Unheil war­tet Deiner, wenn Du dem folaft, den Du liebst! Führt sein Weg nach West, dann gehe nach Ost, einer, den Tu betrogen, wartet Deiner!"

Die Gräfin wurde totenbleich.

„Hat Dich die Hexe genug belogen?" fragte der Baron, „dann bitte, mach der Szene ein Ende. Ich fühle mich gelangweilt!"

' Die Zigeunerin empfing ein zweites Geldstück, nun wandte sie sich an Meneville.

„Wollt Ihr die Zukunft wissen?"

lagen nur borjunebmen, wenn ein Bedürfnis vor liegt., Dabei muß der private Bergbau berücksichtigt werden.

Donnerstag: Fortsetzung..

Je* Ein liberaler Professor über den Wert deS Zentrums.

Prof. v. Below (Freiburg) untersuchte im „Tag" (Nr. 47) die Vorteile des preußischen Land­tagswahlrechts für den Liberalismus und kommt zu dem Schlüsse, daß die Uebertragung des Reichs- Wahlrechtes auf Preußen, Sachsen, Hamburg, auf die rheinisch-westfälischen Städte usw. die dringende Gefahr der Zerstörung des Liberalismus mit sich bringen würde. Die Einzelheiten dirses War­nungsartikels interessieren uns weniger, als die Sei­tenblicke, die. der liberale Verfasser auf die Bedeu­tung der Zentrumspartei wirft. Er schreibt unter anderem:

„Denken wir baS Reichstagswahlrecht herrschend in allen Bundesstaaten und in allen Gemeindeoe.-Wallun­gen; wieviel Domänen des Liberalismus blieben dann noch übrig ? Es klingt paradox, aber es ist nun einmal so: Kräftige Stützen des Liberalismus sind heute das preußische Landtagswahlrecht und daneben — das Zentrum. Das Reichstagswahlrecht hat sich nur in solchen Bundesstaaten als möglich erwiesen, die eine starke Z e n t r u m S p a r t e i haben. Man spricht. heute so viel von der milden Art der badischen Sozial­demokratie. Die Sache ist einfach die, daß sie sich den Liberalen entgegenkommend erweisen müssen, weil sie auf ihre Bundesgenossenschaft im Kampf gegen das Zentrum angewiesen sind. Der Zentrum sturm bewahrt die Liberalen davor, das vornehmste An. griffsvbjekt der Sozialdemokratie zu sein. Es ist eilt Dienst, den das Zentrum wider Willen leistet. Und vor allem kommt auch in Betracht, daß das Zentrum breite Wähler massen stramm bei seiner Fahne hält und davor bewahrt, zur Sozial- demokratie zu fließen, so daß diese nicht über­mächtig wird und also der Liberalismus als mittleres Element feinen Platz behalten kann. Denken wir uns dagegen z. D. im Königreich Sachsen und in den Hansa- ftäbten, wo es keine Zentrumspartei gibt, das Reichs­tagswahlrecht geltend: Die Unmöglichkeit des Reichstags- Wahlrechts haben hier auch liberale Kreise erkannt und die Hand zur Einführung eines abgestuften Wahlrechtes geboten."

In der Tat, die Zentrumspartei darf ihren Stolz darein setzen, daß sie von der Umsturzpartei als das „vornehmste Angriffsobjekt" betrachtet "und behan­delt wird! Eine solche „unübertreffliche Feindschaft bringt viel Ehr". Was Prof. Below über die Wider- -standsfähigkeit der Zentrumswahlkreise gegen die so­zialdemokratische Agitation sagt, ist bekanntlich nicht neu, da statistisch da! stärkere Verhältnis der roten Stimmen zu der Gesamtzahl der Wähler in den vorwiegend Protest antischen Wahlkreisen wie­derholt nachgewicsen ist. Allerdings haben manche Liberale diese Wahrheit zu leugnen und zu verdun­keln gesucht, und darum weisen wir gern auf das Zeugnis des Prof. v. Below hin, daß gerade das Zentrum breite Wählermassen stramm auf der Seite der Ordnung hält.

Nützlich zu lesen ist dieser Artikel-auch für all' die Klopffechter, die noch mit der alten Phrase ar­beiten, das Zentrum sei als konfessionelle oder gar internationale Partei ein schädlicher Fremdkörper im deutschen Parteiwesen. Prof. v. Below ist offenbar der Ansicht, daß die Zentrumspartei dort, wo sie stark ist, nützlich wirkt, und er läßt sogar durchblicken, daß es auch in Sachsen und Hamburg besser ginge, wenn dort eine Zentrumspartei mitwirkte. Dieser Wunsch könnte erfüllt werden, wenn nur die dortigen posi­tiven Kräfte im evangelischen Bolksteile sich von den Vorurteilen gegen den Katholizismus soweit frei machten, daß sie sich deren Programm und der Or- ganisafton des Zentrums anschließen könnten ohne an dem katholischen Bekenntnis der meisten bisherigen Zentrumsglieder überflüssigen Anstoß zu nehmen.

„Schere Dich zum Teufel Hexe!"

Die Gräfin war recht still geworden, nun lehnte sie sich über den Tisch und ihre Augen blickten bittend auf den Geliebten.

„Anatole, tue eS mir zuliebe, gib ihr Deine Hand, ich möchte hören, was sie Dir kündet."

„Torheit! In Rom hat mir schon eine solche Teuselsbrartt dre Laune für Tage verdorben bei ähnlicher Gelegenheit."

,/Eue es mir zuliebe."

„Meinetwegen, wenn Dir damit ein Gefallen geschieht."

Widerwillig reichte Herr von Meneville der Al. ten die Hand. „Nimm Dich in acht, Alte", sagte er, „eine andere, ebenfalls in naher Verwandtschaft zum Satan stehende Geschlechtsgenossin hat diese Hand ge­prüft, und ihr Unkenruf gellt mir heute noch in den Ohren. Soll ich Dir sagen, was sie prophezeit hat, damit Du nicht in Widerspruch mit ihr gerätst?"

„Gebt mir erst Geld, Herr, was ich zu sagen habe, wird Eurem Ohre nicht angenehm sein zu hören."

Unwillig schleuderte er ihr eine Münze zu.

Sie ließ seine Hand los. „Wenn jene andere meine Kunst versteht", sagte sie, „dann kündete sie Euch dasselbe, was ich tun werde."

„Und das ist? Heraus mit der Sprache!"

„Euch erwavtct ein früher Tod."

Lautws ging die Zigeunerin aus dem Raume. Der Baron hatte doch die Farbe ein wenig gewechselt. Er wollte lachen, aber er vermochte es nicht.

3.

Das Kind verschwunden!

In den Gärten der Burg, Tarent saß ein Knabe von etwa vier Jahren und spielte auf dem Boden mit Kieselsteinen. Neben dem Kinde lag eine Pup- pcnfigur im Sande, Bibi, der seit jener Zeit, da wir ihn zuerst kennen gelernt, ein Auge und die rote flanelle Zunge verloren hatte.

(Fortsetzung folgt.)