2. Blatt.
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Zuldaer Leitung.
M -<6.
Vkenstag 25. Zebruar 1915.
T. Ein Notschrei unserer Diaspora- kindcr.
Der Opfersinn der deutschen Katholiken hat für un. fcre Diasporadiözese Fulda schon Großes geleistet; er hat dielen Orten ein Gotteshaus und einen Priester geschenkt, für viele Städte, in welche die moderne In- dustrie in den letzten zehn Jahren Hunderte von armen Katholiken geführt. Zentralen der Gnade und eines echt . katholischen Glaubenslebens geschaffen. Was St. Bo- nifatius einst sich zur Aufgabe gestellt auf dem damals so großen Diasporagebiet von Thüringen und Hessen, dieses Werk hat der Bonifatiusverein weiter gefördert.
Doch eine Generation ist noch in vielen Städten, vor allem in unserer Thüringer Diaspora, in größter religiöser Not und Gefahr, es ist die Generation der Id-nmenden, es sind unsere Schulkinder.
Set ist ärmer als ein Kind?
An dem Scheideweg geboren, Ohne Führer gehts verloren.
Dieses Wort gilt vor allem unseren katholischen Diasporakindern. Der moderne Unglaube führt einen planmäßigen Feldzug gegen die Kinder. Es ist ein wohldurchdachter Schlachtplan, wenn der Atheismus die Schulkinder aus den katholischen Schulen herausuehmen und sie so frühzeitig auf das Feld religiöser Verflachung führen will. Wenn es dem Unglauben glückt, die katholischen Volksschulen unserer Diaspora niederzureißen, dann sind die schützenden Mauern entfernt, innerhalb beten Schule und Kirche bisher die Kindesseelen gehegt und herangezogen für das religiöse Leben.
Das katholische Deutschland mutz deshalb seinen oft bewährten Opfersinn daransetzen, um die katholischen Schulen der Diaspora zu erhalten. W> eine heilige Elisabeth ihr ganzes Vermögen geopfert, um armen Kindern, die in den Straßen thü» - ringischer Städte hungernd und darbend umherlagen, Obdach zu gewähren, so zeigt sich ein ähnliches Bild der Jammers in unseren thüringischen Städten, wenn einmal unser katholischen Schulen unseren Kindern genommen werden. Diese armen Kinder, die dann zerstreut werden in Schulen, die nicht katholischen Geist atmen, sie gleichen den armen verwaisten Schäflein, die auseinander gesprengt sind, sie gleichen den armen Kindern zur Zeit der heiligen Elisabeth, denen das tägliche Brot des von katholischem Geist durchdrungenen Unterrichtes fehlt, die kein Obdach haben und verwaist in fremdem Hause erzogen werden.
Im Namen dieser Kindesseelen klopfen wir an euer katholisches Herz und bitten euch, opfert alles, daß keine katholische Schule unserer Diaspora eingeht. Ihr habt schon Millionen Mark geopfert, um Gotteshäuser von Holz und Stein in der Diaspora zu erbauen. Hier gilt eS, lebendige Tempel Gottes zu bauen, zu erhalten und auszuschmücken. Gewiß können die katholischen Diasporaschulen nicht ein jedes Kind retten. Wie dem großen göttlichen Lehrer der Völker von zwölfen ein Apostel untreu geworden, wie dem eifrigsten Seelen. Hirten manches Schäflein verloren geht, wie mancher Christ der Diaspora dem schönsten katholischen Gotteshaus den Rücken kehrt, so werden unsere katholischen Diasporaschulen auch manches Kind heranziehen, das unserem Glauben wird entfremdet. Wollte man aus diesen traurigen Mißerfolgen den Schluß ziehen, daß die Geldopfer zur Erhaltung der katholischen Diasporaschulen ihren Erfolgen nicht entsprächen, so fragen wir, welch grausame Folgen hätte die Verwirklichung eines solchen Schlusses für die anderen Hunderten von Kindern, die durch die katholische Schule gerettet werden?
Die Seelsorger unserer Städte mit Simultanschul- fktrieb werden einmütig bestätigen, daß ihnen durch die Simulwnisierung der Schule in der religiösen Er- giehung der Kinder jegliches feste Fundament unter- spült wird, daß in Simultanschulstädten trotz tüchtiger Religionslehrer und Geistlichen fast immer schon in den Kindern eine große, folgenschwere religiöse Verflachung herrscht, die dann dem Unglauben eine reiche Ernte etnbringt. Die Kindesseelen sterben allmählig den religiösen Hungertod, weil ihnen in der Schule der Geist her Religion nicht weht. Trauriger noch sind die Folgen für die armen Kinder, wenn sie aus dem Unterricht und den Lehrbüchern einen -religionsfeindlichen Geist einatmen. Wer gibt die Gewähr, daß unsere katholischen Schulkinder von diesem Geist verschont bleiben, wenn sie in andere Schulen zersprengt werden? In wievielen Simultanschulen ist nicht schon katholischen
[] Erinnerungen an Vie Freiheitskriege.
1L
„Was glanzt dort im Walde im Sonnenschein?"
Theodor Korner, der begeisterte Freihcits- (änger, der so viel versprach und schon so jung, kaum 22jahrig, bei ©abebufai in Mecklenburg am 26 August 1813 dcn Heldentod für das Vaterland starb, Hal mit seinem lecken Reiterlied von „Lützows wilder verwegener Jagd", dieser Freischar, ein Denkmal gesetzt, das nie vergessen tov-b, so lange es eine deutsche Jugend gibt, die sich an den Großtaten der Vä- ter begeistert
„Die schwarzen Jäger", wie sie sich selbst nannten, verdanken ihr- Entstehung dem Ausruf-, den König Frvdrich Wilhelm III- von Breslau ans auf Anregung des za eine», energischen Entscheidung drängenden Generals v. E 6- a r n h o r st erließ, indem er die Jueeno aussorderte, als Freiwillige in sogen. Jäge-detachements zu dienen.
Wie uns v. d. Marwitz in den „Nachrichten aus meinem Leben versichert, glaubte der König nicht an einen Erfolg „Freiwillige aufrufen", sagte er, „ganz gute Idee, aber keiner kommen!" In dieser Annahme sollte sich der Herrscher Preußens, der noch immer sein leidiges Zandern nicht abgelegt, gründlich täuschen.
Ter Geschichtsschreiber und Augenzeuge von Niebuhr schrieb über die Bewegung in Berlin unter dem 13. Februar an Tora Heusler u. a.:
„Das Gedränge der Freiwilligen, die sich einschreiben lassen, ist heute so groß auf dem Rathause wie bei Teuerung vor einem -Bäckerladen. Um Dir eine Vorstellung von dem Eifer zu geben, mit welchem alles sich hier zu dem Einschreiben in die freiwilligen Jiigcrd.'cachements drängt, muß ich Dir doch aoch einiges sagen. Erft seit drei Tagen ist dw.Be- klnntmachun [ oeebalb erschienen, und heute fährt sie Post schon mit neun •' .'.wagen voll derselben ab, außer denen, bi? zu Fuß gehen, oder mit ändern Gelegenheiten reisen. Natürlich ist dies überall nur em sehr kleiner Test' die meisten haben noch Gc-
Kindern Darwinismus und Atheismus vorgetragen worden und welches Zerrbild gibt der Geschichtsunterricht oft unseren Kindern von unserer hl. Kirche, der sie anhangen sollen bis zum letzten Atemzuge.
Glauben wir nicht, daß der Religionsunterricht das Unkraut all ausreißen kann, welches oft in der Simultanschule in die Kindesseeke hineingesäet wird; das Unkraut wird bald den Weizen überwuchern und ersticken.
Darum muß eS die moderne Aufgabe für unser ka- tholisches Deutschland sein, die Diasporaschulen zu erhalten. So notwendig in unseren Diasporastädten das Gotteshaus, so notwendig ist auf der anderen Seite die Erhaltung einer katholischen Schule. Wenn von den 3000 Kindern unserer thüringischen Diaspora auch 1000 nach der Schulentlassung uns verloren gehen, die anderen 2000 wollen wir schützen vor der feindlichen Hand des Unglaubens. Diese sind unsere Hoffnung, sie sind das kommende Geschlecht, das berufen ist, den 'Gottesbau unserer heiligen Religion zu erhalten und weiter zu führen.
Katholiken Deutschlands, gebt darum euer Scherflein in die zitternden Händchen dieser gefährdeten Kinder. Wenn Gottes Vorsehung euch an ihre Stelle gesetzt hätte, wie dankbar wäret ihr für das schützende Obdach und die göttliche Pflanzstätte einer katholischen Schule. Nehmet diese Kinder auf, durch Unterhaltung unserer katholischen Diasporaschulen. Der grotze göttliche Lehrer wird es euch reichlich lohnen; denn fein Lohn he itzt: Wer eineI von diesen Kleinen in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.
Lokales.
Fulda, 25. Februar 1913.
Nu das Fernsprechnetz wurde unter Nr. 556 die Brot- und Feinbäckerei Karl Heuser, Peters- bergerftraße 48 angescklossen.
-y- Unglückssall. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in der Mittelstrabe. Der Fuhrknecht Karl Schäfer, der bei der Firma Jos. Feuerstein in Diensten steht, war dort mit Abladen beschäftigt. Plötzlich scheute das Pferd unv ging durch. Schäfer kam hierbei so unglücklich zu Fall, daß er außer einem starken Kieferbiuch auch noch sonstiae innere Verletzungen erlitt.
X Besitzwechsrl. Das F r o e s e'sche Kurz-, Weiß-, Woll- und Modewarengeschäft, Friedrichstraße 12, wird in den nächsten Tagen von seinem jetzigen Eigentümer R. M e ch o l d in den Besitz eines aus- wärsigen Herrn übergehen.
a. Schuhmach-rzwangslnnuug. Einer Verordnung des Regierungspräsidenten gemäß wird vom 1. April 1913 ab eine Zwangsinnung für das Schuhmacher- Handwerk in dem Bezirke der Stadt Fulda mit dem Sitze tn Fulda und dem Namen .Zwangsinnung für das Schuhmacherhandwerk im Bezirke der Stadt Fulda" errichtet. Von dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerdelreibende des vorbezeichneten Bezirks, welche das Schuhmacherhandwerk betreiben, gleichviel, ob sie Gesellen und Lehrlinge beschäftigen oder nicht, dieser Innung an.
(*) Der Familienabend des NaturheilvereinS fand Sonntag in den Giesel'ichen Sälen unter Beteiligung von etwa 500 Personen statt. Nach einleitendem Musikstück, Festgedicht, Begrüßungsansprache und dem gemeinschaitlich gesungenen Bundeslied trug Fräulein A. Heusinger mit wohlklingender Summe einige Lieder vor. Die Künstlerin wurde wirksam unterstützt von Fräulein H. Hebestreit, Lehrerin an der Leber'schen Musikschule, welche ihren Vortrag auf dem Klavier begleitete. In etwa 40 Lichtbildern wurde dann das „Seren und Wirken von Prießnitz" veranschaulicht. Herr C. E u ck e r erläuterte die Bilder und führte dann auch einige von ihm und einem andern Herrn aufgenommene Bilder aus den Marburger und Fuldaer Luftbädern und solche von Ver» einsausfiügen vor. Dreimal trat im Saufe des Abends der Männerchor des eocmgcl. Arbeitervereins auf. Es ist schwer zu sagen, was an den Leistungen dieses Chores mehr Bewunderung und Anerkennung verdient: die meisterhafte, vollendete Wiedergabe der Kompositio.nen, die in Tönen vortrefflich zum Ausdruck kommende Jnhaltsschilderung, oder aber die Geschicklichkeit und Gestaltungskrast des Dirigenten, der die stattliche Schar seiner Sänger leicht und sicher beherrscht und das gesamte Slimmenmaterial harmonisch zu formen verficht. Aber auch die Damen, die das Märchen-Singspiel „Der Jungd unncn" ganz reizend zur Ausführung brachten, bewiesen ihr Können auf dem ®eb!ct der Gesangs- unv Darstellungskunst. Eine gute Leistung auf letzterem Gebiet war auch der lustige Einakter „Das Hemdenknöpfchen", daS ebenso
schäfte und wollen sich noch equipiereu. Es gehen junge Leute aus allen Ständen: Studenten, Gymnasiasten, Primaner, Handlungskommis, Apotheker, Handwerker aus allen Zünften; gereifte Männer von Amt und Stand, Familienväter usw."
Wer selbst nicht mitziehen konnte, steuerte nach Kräften bei, unb nie hat wohl edler Patriotischer Opfermut schönere Triumphe gefeiert, als in jenen Tagen. Welche Sprache reden nicht allein die 15 0 0 0 0 goldenen Trauringe, welche bei der Berliner Münze eingeliefert und gegen eiserne umgetauscht wurden mit der Inschrift: „Gold gab ich für Eisen!" Die Mädchen und Frauen, die ihr Haar abschniten und verkauften, um für das Vaterland beizusteuern, werden dem deutschen Volke stets unvergessene Vorbilder bleiben.
Für Schlesien erging die Bildung eines Freikorps an den Major Ludwig Frhr. v. Lützow, der schon im Korbs des Majors v. Schill gedient und mehrfach verwundet worden war. Unter seiner Führung sammelten sich die edelsten jungen Männer Deutschlands und zogen, auf ihre Kosten ausgerüstet, zum Treffpunkte nach Breslau. Schon die Name« I ahn, des Turnvaters, und Throd. Körner, die dem Korps beitraten, genügen, den Geist, der in dieser Schar lebte, zu kennzeichnen, lieber die Bildung des Korps erzählt uns der Universitätsprofessor Steffens in seiner Schrift „Was ich erlebte":
„Tas Lützowsche Korps bildete sich in Breslau und ganz tn meiner Nähe. Jahn bewohnte den goldenen Zepter, einen Gasthof in der nämlichen Straße, wo ich wohnte: wenige Häufe" von mir entfernt, war das Jahusche Wcrbehaus, sowie meine Wohnung das für die Detachements. Es war na- tiirlich, das ein solches Freikorps etwa? sehr Angehendes für die Jugend hatte; das dichterisch Kühne konnte sich, wie man voranssetzte, hier entschiedener äußern; cs wa- bi: feurige Lyrik des Krieges, wie sie auch später in Körners Gedichten erschien unb in allen Gegenden Demschlands die Ge- npiter erregte. Gewiß, cs war seine herrliche, hur* seine sittliche Freiheit den aav--»
wie die erwähnten Vorträge und Aufführungen und der noch folgenden Gesangstücke und Gedichte von den Zuhörern mit großem Beifall aufgenommen wurde. Alles in allem: Festausschuß und Festteil- nehm« werden vorn Verlauf der Veranstaltung vollkommen befriedigt sein.
□ Die Versammlung ehemaliger 143er, welche am Sonntag bei dem Kame.aven Stark, Inhaber des Gasthauses „Znm Hirsck", stattfand, war van vielen Kameraden betucht, und es herrschte allaemeine patriotische Gesinnung. Nach Darlegung des Zweckes den die Vereinigung ehemaliger 143er verfolgen will, wurde durch Zuruf ein Vorstand gewählt, der weitere Schritte veranlassen soll. Er setzt sich zusammen aus Den Herren Albert Wittig als 1. Vorsitzender, Wilh. Hammer al» 2. Vorsitzender, Vincenz W.e>ßmüller als Schriftführer, Albert Stark als Kaffierer und Jakob Meinem als Kaffenkontrolleur. Zum Schluffe wurden noch einige Lieder ehemaliger 143er gesungen. Tic nächste Versammlung soll am 6. April, nachmittags 4 Uhr, in demselben Lokal stattfinven.
— Vorsicht bei Zustellung von Rechnungen. Ein für die gesamte GetchänSwelt wichtiges Urteil fällte dieser Tage die Limburger Straikammer. Ein Mühlenbesiher in Diez hatte durch seinen Fuhrknecht mit jer-er Fuhre gleichzeitig auch die Rechnungen in teils verschlossenem, teils offenem Brietumschlag zu- gestellt. Jetz' hatten sich beide wegen Vergehens gegen daS Reichspostgesctz zu verantworten, weil sie in den Jahren 1904 bis 1912 verschlossene Briese auf andere Weise als durch die Post von Diez nach anderen Postorten gegen Bezahlung befördert hatten. Geschloffene Briefe nach anderen Poftorten darf man bekanntlich im allgemeinen nur durch die Post befördern, es müßte denn fein, daß sie kostenlos mitgenommen werden. Da nach dem Gesetz auf den vierfachen Betrag deS hinterzogenen Portos erkannt w.rden muß, lautete das Urteil auf eine Geldstrafe von je 401.20 Mark.
a. Tie Alterszulagekaffe für Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen des Reg.-Bez. Kaffe! hat ihren Ausgabebedarf für das Rechnungsjahr 1913 mit 2247110,21 Mk., eingeschätzt und zwar mit 2155 707,78 Mk. für Lehrer und mit 91 402,43 Mk., für Lehrerinnen. Bei insgesamt 2793 Leyrer- stellen und 447 Lehrerinnenstellen entfällt ein Bei- tragsiatz von 772 Mk. auf je eine Lehrerstelle und von 204 Mk. auf je eine Lehrerinnenstelle. Für die Stadt Fulda ergibt sich ein Gesamtbeitrag von 30212 Mark. Hieraus kommen an staatlichen Zuschüssen au8 der Alterszulagenkasse 6396 'Mk. m Betracht, so daß die Schulverbände noch 30212 Mt. aufzubringen haben.
W Krankenkasse für Postunterbeamte. 1 Im Reichspostaebiet treten vom 1. März ab im Bezirk jeder Ober-Postdirektion besondere Krankenkassen für Unterbeamte in Wirksamkeit. Diese Einrichtung entspricht einem langjährigen Wunsche der Post- unterbeamten. Tie neuen Krankenkassen gewähren in Erkrankungsfällen den Unterbeamten, soweit sie nicht krankenversicherungspflichtige Mitglieder der Postkrankenkasse sind, gegen mäßige Beitrage unb mit Hilfe eines Reichszuschusses ärztliche Hilfe, Arznei unb Heilmittel für ihre eigene Person uttb bie Angehörigen ihres Hausstanbes. Beigetreten sinb bet neuen Einrichtung schon jetzt 54 000 Unterbeamte unb mit Einschluß ihrer Familienmitglieder nahezu 200 000 Personen.
X Die Tegernseer itt Fulda.. Das genannte oberbayerische Bauernlheaterensemble, das in allen Großstädten Deutschlands und auf seiner Tournee durch Amerika die größten Erfolge erzielte, wird auch bei unS einziehen. Die aus 26 Personen bestehende Gesellschaft hat ihre eigene Musik, prima Jodler und Jodlerinnen und leistet auf dem Gebiet« der darstellenden Kunst Hervorragendes. Eine auswärtige äeirung urteilt darüber etwa folgendermaßen: olkspofsen unb Volksstücke sind das literarische Material, da» die Tegernseer zu unvergleichlich meisterhafter Darstellung bringen. Das süddeutsche, oberösterreichische Volksstück ist das spezifische Bolksnück geblieben; dort liegen seine Wurzeln, dort feine Stärke; heimatbegeistert, bodenständig, aus Volksgeist geboren, ist es dazu angetan immer wieder und überall, im In- und Ausland, freudigen Widerhall zu finden. Die Oberbayern, tn erste - Linie mit die Tegernseer, sind ihre unvergleichlichen Vermittler geworden. Es sind keine psychologisch- vertieften Meisterwerke, sondern aus der Deutlet)en Volksseele, aus bewegenden Zeitsragen, aus Sitten und Gebräuchen entstanden, auS Berg und Tal, aus ihren Liedern, ihrem trotzig-freien Leden b rinnen Die Heimat Hänge unb Tänze tuen ein weiteres; die Zither lebt in ihrer Hand. Unb last not least ist der Ausstattung zu gedenken. Der irisch-freie Geist, Freud und Leid, die von diesem Völllein verkörpert werden, sichern ihm auch hier einen Ehrenplatz unb die Dankbarkeit eines begeisterten Publikums. Bergleiche auch die Inserate und Tagesplakate.
51 Eine kopstose Btiestanbe wurde an de- Haim-. bacherftraße gesunden. Der Füßling ist mit W S 60 14 gestempelt.
Aus dem Nachbaraebiete.
△ G'vßrnlüber, 24. Febr. 1913. Die Eheleute Adam Joseph Becker und Sophia geb. Hendler feiern am 3. März ihre goldene Hochzeit. Da das Jubelpaar feit Jahren arbeitsunfähig ist, wohnen dieselben im Schwesterndaule. Unter der liebevolle» Pflege der Barmh. Schwesiern genießen Die alten Leute einen heiteren Lebensabend. Zur Feier der goldenen Hochzeit ist denselben das Gnadengeschenk Sr. Majestät mit 50 Mark bewilligt worden.
* Hünfeld, 24. Fed-. 1913 Der Alstllent Schmitt wurde vom Magistrat einstimmig als Stadtsek- retär ang stellt und vom Bürgermeister Beutliug m Eid und Pflicht genommen.
* Luchfchlag, 24 Febr. 1913. Jetzt hat man ent. deckt, 6ob in die Villa Gottschalk, deren Bisttzcun verreist war, eingebrochen und eine Anraht wertvoller Pelze, Silberfactien und sonstiger Wertgegenstände gestohlen wurden.
* Büdingen, 24. Febr. 1913. Nachdem die Stadt Hanau 20000 Mark für den 58ahn bau Hanau- Büdmgen bewilligt, hat sich and) unsere Gemeindevertretung ,u Opiein bereit erklärt.
* Paderborn, 24. Febr. 1913. Die Arbeiten für bie im Sommer ftattfinbenbe Gewerbe- I n- dustrie- unb Kunstausstellung machen bie besten Fortschritte. Tie Melbungen sinb so zahlreich eingelaufen, daß die Ausstellung in Wirklichkeit eine lückenlose Schau übet das ostwestfäliffche Gewerbe werben wirb. Daneben hat bie Jnbustrie, besonders soweit sie die Landwirtschaft verfolgt, gewaltige Anstrengungen gemacht und wirb mit einer musterhaften Auswahl lanbwirtschaftlicher Maschinen ver- treten sein, betten sich eine landwirtschaftliche Ver« juchsabteilung anschließen wirb. Kunst unb Kunstgewerbe haben mit lebhafter Freude bie alte Bt- fchofsstabt aufgesucht. Ganz hervorragend wird der Freund heimatlicher und kirchlicher Altertumskunde auf seine Rechnung kommen.
Ami Gei?a und Umgebung.
* Vacha, 24. Febr. 1913. In der letzten Sitzung des Aussichtsrates des Kalisyndikates bezeichnete der Vorstand die Entwickelung des Absatzes in den Monaten Januar und Februar als lebhaft, wies aber gleichzeitig daraus bin, daß der gute Abruf vornehmlich der günstigen Witterung und der außerordentlich frühzeitigen Lage des Osterfestes zuzuschreiben fei. Der Aufsichtsrat befcbäftigte ich mit der Mitteilung der Regierung im Reichstage, daß demnächst eine Novelle zum Kaligeietz vorgelegt werden solle. Er betraute eine Kommission mit Der Ausgabe, tatsächliche Unrichtigkeiten, die in der Budgetkommisswn und in den Reichstagsverhandlungen über die Kaliindustrie vorgebracht worden feien, zu widerlegen und die Schäden darzutvn, die die Ausfuhrungsdestimmungen und Auslegungen des Kaligesetzes zur Folge hatten.
* Dönges, 24. Febr. 1913. Die Jugend unseres Dorfes huldigt noch einer allen Sitte, die sich vielleicht aus unserer Väter Tagen erhalten hat, nämlich dem „Werfen" am Peters tage (22. Februar). T ie junge Schar, die schon lange Zeit vorher allerlei außer Gebrauch gesetztes Geschirr gesammelt hat, zieht vor die Häuser und unter dem „Peterstag" werden die Scherben krachend zu Boden geschleudert. Unter lautem Jauchzen eilt die luftige Schar davon; Denn der durch das Wersen „Beehrte" tonnte etr. Kind fangen unb zum Gelächter der anderen schwarz machen. Dieses „Wersen" am Peterstage währt den ganzen Tag dis jeder Einwohner, mag er wollen oder nicht, „seine Sach" bekommen hat.
* Philippsthal, 24, Febr. 1913. Auch unsere Ge- meinde beabsichtigt als Ehrengabe zum Regieruugs- jubiläum des Kaisers eine Stiftung zu Wohl- fabrlszw den zu machen. Durch eine jährliche Beihilfe ermöglicht sie die Erbauung eines Gemeindehauses, das der Kinder-, Jugend- und Gemeinde- pflege dienen soll. Auch die S?a iroetfe Hattorf haben zur "Erhaltung dieses „Viktorienheimtz" eine ansehnliche lausende Beihilfe zugesagt.
Aus Gberheffeu u- den Hess. Aemtern.
/X Marburg, 24. Febr. 1913. In der gestern im Hotel Freidbof abgehaltenen Vertreter-Versammlung des Kreiskrieger-VerbandcS Marburg wurde anstelle des seitherigen Voisihenden, Sandrat non Söwenstein, der sein Amt niedcrgelegt hat, Geh.Rat
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unb stärkenbe Gesinnung, welche burch bie Bildung dieses Korps unb seine späteren Taten laut würbe."
Gerade Universitätsprofessor Steffens war auch einer der eifrigsten Förderer b'er Idee des Freiheits- kampfes unter Der studierenden Jugend. Er hatte am ersten Tage auf morgens 11 Uhr die Studenten bestellt, auf eigene Faust hin, ohne auch nur der U niversitäisbehörde davon Mitteilung zu machen. Der edle Mann selbst erzählt uns von jenen Stunden in seinem schon angezogenen Werke:
„Ich hatte diese zwei Stunden in einem seltsamen Zustande zugebracht; was ich sagen wollte, regte mein ganzes innerstes Dasein auf; ich sollte jetzt und unter solchen Verhältnissen aussprechen, was fünf Jahre hindurch zentnerschwer auf meinem Gemüte gelastet hatte; ick sollte der erste sein, der nun öffentlich laut aussprach, tote jetzt bet Rettungs- tag von Deutschland, ja von ganz Europa, ba war; die innere Bewegung war grenzenlos. Vergebens suchte ich Ordnung in meine Gedanken zu bringen, aber Geister schienen mir zuzuflüstern, mir Beistand zu versprechen, ich sehnte mich nach dem Ende dieser quälenden Einsamkeit; nur ein Gedanke trat vorherrschend hervor: „Wie oft hast du dich beklagt", sagte ich mir, „baß bu hier in diese Ecke von Deutfch- lanb hingcschleudert würbest: unb sie ist jetzt der alles ergreifenbe, begeifternbe Mittelpunkt geworben; hier fängt eine neue Evoche in bet Geschichte an, unb was diese wogende Menschenmenge bewegt, barfft bu oussprecben." Tränen stürzten mir aus den Augen, ich fiel auf bie Knie, ein Gebet beruhigte mich. So trat ich unter bie Menge unb bestieg meinen Kathcbcr. Was ich sprach, ich weiß es nicht, selbst wenn man mich nach bem Schlüsse ber Rebe gefragt hätte, ich würbe feine Rechenschaft davon ab« lenen können. Es war da? drückende Gefühl unglücklich verlebter Jahre, welches jetzt Worte fand; cs war das warme Gefühl der zufammengepreszten Menge, welches auf meiner Zunge ruhte. Nichts Fremdes verkündete ich. Was ich sagte, war die stille Rebe als--,-, n,,b sie r-*A*' eben de"' "'en, wie »in Echo ans ber eigene-' " '• eine? jeden, einen nefr-nt Einbruch Taß ich. u..an ick die ?luqenb io
aufforberte, zugleich meinen Entschluß erklärte, mit ihnen ben Kampf zu teilen, versteht sich von selbst."
Der Ruf war nicht vergeblich ergangen. Lützotos Freifchar zählte schon Enbc März 900 Fußtruppen unb 260 Reiter, bie später auf 2800 Mann zu Fuß unb 480 Reiter anwuchs. Die Uniform trug ihr den Namen ber „schwarzen Schar" ein. Es war ihr bie Aufgabe zugcwieseu, im Rücken des Feindes zu operieren unb bertoeilen in Thüringen, Hessen unb Westfalen das Volk zum Aufftanbe zu bewegen.
Manch keckes Reiterstückchen würbe vollführt und namentlich in bem Treffen bei Goehrde, am 16. September zeichneten sie sich burch tollkühne Verwegen, heft aus.
Zu einer entscheidenden Bedeutung für bie Freiheitskämpfe ist „Lützow's toilbe verwegene Jagd" allerdings nie geworben, meist in mehrere Teile aus« einanber gerissen, kam sie nur selten zu einheitlichem Wirken. Als man bie Freischar im Januar 1814, unter Hehmenscheit an ben Rhein führte, kam sie zu spät, um mit einzugreifen. Das Ende bes Krieges brachte bann auch bie Auflösung bei jugendlichen Schar.
Hat sie auch nicht vermocht, Großes zu vollbringen, so wirb sie boch stets ein glänzenbes Beispiel Patrio-, tischer Begeisterung unb "Opferfreudigkeit ber deutschen Jugend bleiben. Jedenfalls war sie auch eine Schule großer Männer, die für ihr Vaterland im späteren Leben Großes leisteten. Möge der Geist, der einst die Schar Lützow's beseelte, unserer Jugend nie verloren gehen! —
— Undankbar. Frau (Pikiert, zum Gatten): . Einem immer vorwerfen, daß man arm gewesen ilt! — Habe ich dir nicht schon genug einge« bracht, seitdem mir verheiratet sind, du Undankbarer!
Wer hat dirs Rauchen abqcwöhnt und 's Biev trinken unb 's Kartenspielen?"
— Ein höflicher Gatte. Ehemann beim Mittag- cflcn: „Enischuidige, mein liebes Kind; es ist ja nur eine Vermutung aber wäre es immerhin wog sich, daß dein Kochbuch ciniae Druckfehler enthält.