Suldaer Zelfun
n Eieljungslifttn der preutzisch-stiddeittschrn Kla|Ttn-£otttrie. — tzaldjShrlich Taschensahrplan. s
Dienstag Den 25. Februar 1913
40. Jahrgang
Crstes Blatt.
Nr. 46
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SB
bin ich gebunden an ein
Renner die Sporen und
hübsches junges Mädchen, das den Strauß geworfen und sich, da er nun hinaufschaute, errötend und verwirrt zurückziehen wollte, aber von etlichen Gefährtinnen zurückachalten wurde.
Augenblicklich sandte der Vicomte der Spenderin unter tiefer Verbeugung eine Kußhand zu, währe 'd er mit der anderen Hand den Blumenstrauß aus
dustriellen huren, den Sozialisten, mit denen sie schon sowie so viel zu schaffen haben, Vorschub zu leisten.
Die Führer der Sozialisten machen Anstrengungen um Ausschreitungen während des Streikes zu verhindern. Sie behaupten, der Streik solle ein friedlicher sein. Eine Garantie dafür können sie natürlich nicht übernehmen. Die Ausständigen werden versuchen, die Arbeitswilligen zu belästigen, und sofort sind Unruhen da. Die Negierung wird die notwendigen Maßregeln treffen, und wenn es zu blutigen Kämvfen kommt, tragen die Sozialistenführer .allein die Verantwortung dafür. Aber was flimmert sie der Ruin des Landes und das Elend der Arbeiter, wenn sie nur weiter auf Kosten des armen Volkes ihr Dasein fristen können!
Mer, man denke ja nicht, daß die Sozialdemokraten schuld sind an dem Streik. Ach nein, das sind unschuldige Lämmer! Schuld hat allein die Regie» rung und die katholische Mehrheit, weil sie den Vorschlag des liberalen Furers Hyman4 nicht gutheißeü wollte. Im Laufe der Debatte in der Kammer hatte letzterer vorgeschlagen, man solle die Wahlfrage einem Sonderausschuß überweisen und von diesem eine Formel auZarbeiten lasten. Der Sozialisten- Häuptling Vandervelde svrang Hymans, zur weite und versprach, der Streik würde ausbleiben, wenn die Mehrheit den Vorschlag annehmen würde, und kurzsichtige Politiker fragen sich naiv, warum die Regierung nicht mittue. Die Antwort gibt das sicher nicht klerikale Pariser Journal des Döbats, wenn es schreibt: .
Hätte man nach dem Verlangen der Sozialdemo, traten den Sonderausschuß eingesetzt, so wäre das die sofortige Unterwerfung unter den Willen derer gewesen, die mit dem General st reik drohten . ., es war jedenfalls eine Verschiebung der Autorität . . ., die sich die Regierung nicht gefallen lassen konnte.
Derselben Ansicht war die parlamentarische Mehr- heit, die den Vorschlag verwarf. — Nunmehr saßen die Politikaster, die, indem sie vor dem 2. Juni das gleiche Stimmrecht versprachen, die Bärenhaut zu früh verkauften, zwisch-n zwei Stühlen. Um sich vor ihren Druvven nicht bloßzustellen, sagten die Sozialisten den Ausstand an, und um sich dabei Mut em- zureden und das Land einzuschüchtern, versuchen sie, der Welt weis zu machen, die liberale Bourgeoisie stehe hinter ihnen.
frutinnf Ma IM) mu tiuanuomt oei sonn- anO $eurtagt. Otertek Mhrtifter Bezugspreis oijnt Brtngerlobn und Bestellgeld In $ulho foött auswärts 1.50 Mark. —• RolationsDru» und Verla, der , . juibar MenbrudKrd toi Zu Ida. Zernlprrcho Nr ». S -
ich fürchte, wir werden flüsterte er „Wie zuvor sündhaftes Weib."
~ s iLodjen-ßeilage: z 3
Illustrierte Sonntagszclhmg
Der Graf von Tarent.
51] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Kaisertochter, ist der Schwarze Adlerorden ver heben wcuden. — Das Muglied des Henenaauies. Frecherr v. Senden, ift in Ratz taff in Pommern gestorben. — Der Entwurf eines Ausgradungs- gesetzes ist dem preußiichen Abgeorvneienbauie zu» gegangen. Er enthält Bestimmungen zum Schutze vorgefebichtlicher Ausgiabungeu, die namentlich gegen unbefugte Eingriffe und gegen Raubbau gefchützt werden 'ollen.
«. Die Budgctkommisslon des Abgeordnetenhauses begann Monlag vvrnnuag .re Bcr.uuog des Kuiiuseiais. Zur Frage der Feilleoung des Oneriesles ei! ä>te der Minister, daß in Rom t» ine Geneiglhett für eine ’jlenberung bestehe. Längere ßuötietungen wurden über die Frankfurter Unrver liläl gestchrt. S on der 6laai5teg’ctung wurde mitgeutll, daß die Uniuetii'dt iowohl durch d e bereit« vorbantenen wissenichailUcheir Jnüitute und Kranlenhäuier. als auch finanziell gut aus- gestailei fei.
* Zur-neuen Militä vo läge wird der ,Köln. Zgt/ angeblich oifiuös aus Berlin gemeldet:
Än bei Mllilärvorlage wird (m KriegS- Ministerium mu Hochcruck gearbeitet, jedoch wird wohl noch einige it ve-gehen, bis sie an den Bundesrat gelingt, wo oie Frage der Koitendeclung gleich mit zur Beratung gebracht wird. Dem Reichstag wird die Boilage noch vor den Osterferien zugeiteUt werden, und es gewinnt an Wahiicheinlichkeit, daß sie dann mit dem Etat für die Berwaltung oes Reichsheeres auf das Rechnungsjahr 1913 niemichait» lrch behandelt w-rd. E ne derart ge fjufammeiiziehung beider Bortagen hat aber einen erheblichen Nachteil, da die für den i. April 1913 beabsichtigten Neuiornratronen nicht mehr rechtzeitig zur Durchführung gebracht werden lönnen, wenn sich die Berablchiedung des Etats übet diesen Zeitpunkt hinaus verzögert. E» ist setbiloeritänd» lich, daß die Militärvorlage bei Uederweisung an den Bunde at gleichzeitig die Angabe der er» forderlichen Kosten enthält, übet Die sich genaue Angaben zurzeit nicht machen lassen.
a. Regelung der Sonmagsiutze im yaubrUgcrocrbe. Dem Bundesrat liegt bekanntlich ein Gesetzentwurf betr. bte Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe vor, der grundsätzlich die dreistündige Verkaufs- und Besckältigungszeit am Sonntag ein» sichren w.rd. Für diejenigen Orte, an denen ins» besondere die Landbevölkerung ihre Bevür'nisse im sonntäglichen Einkauf zu decken pflegt, ist jedoch, wie dte .Textilwoche" erfährt, eine Ausdehnung der Ver» kau szett aus vier Stunden vorgesehen.
♦ Wahlurnen. Der Bundesrat beschönigt sich zurzeit mH dem Reichstagsantrag auf Einführung em« he tlicher Wahlurnen. Er beabsichtigt laut /tag' anzuordnen, daß als Wahlurnen hinfort viereckig« Kisten zu dienen haben, tte mindestens eine Höhe von 90 Am. u d eine Spannweite von mindestens 35 Zim. besitzen. Tte Wahllisten sollen die giünoliche Mischung der Kuverts mit den Stimmzetteln ermöglichen und den noch immer auftauchenden Klagen, daß bet dem jetzigen Verfahren das Wahlgeheimnis vielfach nicht genügend gesichert fei, den Boden entziehen.
)( Ein Rückgang in der Einfuhr von ausländischem Fleisch und Vieh wird für den Monat Januar jefU gestellt. An irischem Rindfleisch wurden im November 42000 Doppelzentner emgeführt, im Januai nur noch 30853 Doppelzentner. Beim Schweinefleisch lauten die Ziffern 48000 : 43000. Eie Einfuhr von lebendem Rindvieh nahm gegen den Vormonat um' 2000 Stück ad 17346 : 19323.
)( Für die Landtags wählen in Baden, die im Herbst stattfinden, gab das Zentrum dte Paiole aus: „Unter allen Umständen gegen die Soztalvemokralrel^ Gemäß dieser Parole wird das Zentrum die Kandt«, datenaufstellung m jenen Kreisen unterlassen, in Denin es seine Stimmen gleich im ersten Wahlgang Dem (Segnet der Sozialdemokratie, der Die meijien Aus- fii tm auf Den Sieg hat, Mähren w ll, einerlei, ob Dieser konservativ oder irelsinntg ist. Man erwartet, daß aus Diese Weise der badische Großblock ge» sprengt werden kann.
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Zuldaer 6eschichlsblLller
Er zog ein goldenes Kreuz unter dem seidenen Wamse hervor und küßte es. „Maria, Du Holde, einander nie angehören,"
Dann gab er seinem
schnell wie der Wind brauste das edle Tier den Abhang hinunter und brachte seinen Reiter zu den Toren der Vaterstadt.
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„Schande über einen Mann, der am Hellen Vormittag schon halb betrunken ist", geiferte sie. „Habe ich es Dir nicht tausendmal gesagt, der Wein in unserem Keller ist für die Gäste da und nicht zu Deiner Schlemmerei, Du Saufaus! Schäme Dich, grauhaariger Mann, daß Du vormittags um die neunte Stunde schon einen echten Prinzen, der geprägte Silbertaler unter das Volk streuen läßt, für einen Hausierer ansiehst? Du wirst mich und die Kinder ruinieren durch Deinen Leichtsinn, ehe Du ein Paa' Jahre älter geworden bist. Das Dach über dem Kopse wirst Du versaufen, lasterhafter Mann, und man wird uns von Haus und Hof treiben, wenn Du nicht zur rechten Zeit Deinen liederlichen Lebenswandel änderst. Großer Gott im Himmel oben, steh mir bei — warum habe ich arme Frau in meinen jungen Jahren einen solchen Ludrian geheiratet, der vom Morgen bis Abend in das Weinglas schaut, daß ihn Tag für Tag die Beine nicht mehr zu tragen vermögen, wenn es zur Vesper läutet. Schau Deine Nase an, Du Weinschlauch, sie glüht rot wie Zinnober und —"
Nun entdeckte die Frau Plötzlich, daß der Gatte gar nicht mehr an ihrer Seite stand. Er hatte nach den ersten Worten der Philippika seiner besseren Ehehälfte bereits die Flucht in das Innere des Hauses angetreten. Augenblicklich folgte sie ihm nach, da der Zug draußen nun auch fein Ende erreichte.
Das Volk fing an sich zu verlaufen. Das große Schauspiel war vorbei. In der Nähe des Gasthauses, woselbst eben zwischen den beiden Eheleuten Zwistigkeiten ausgebrochen waren, standen zwei Männer, der eine trug priesterliches Gewand, der andere die bescheidene einfache Kleidung der unteren Volksmassen.
Der letztere berührte leise den Arm o's Geist, lichen. „Hochwürden, Gott zum Gruße! Es freut meine alten Augen, Sie wieder zu sehen. Haben Sie an diesem indischen Prinzen keine Aehnlichkert bemerkt?"
Der Geistliche hatte sich überrascht umgedreht. Sobald er dem Manne, der ihn angeredet, ins Gfficht 1 geschaut, streckte er ihm die Hand entgegen. (F. s.)
Je? Entspannung.
So lautet das Stichwort für die neue Woche, das die offiziöse „Norddeutsche" ausgegeben und die Börse gern ausgenommen hat. Da wir stets die Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang festgehalten haben, freut uns alles, was zur Beruhigung beiträgt. Nur möchten wir die Leser vor überspannten Erwartungen warnen und sie bitten, sich nach wie vor mit Geduld zu wappnen.
" Wenn auch Bulgarien sich bewegen läßt, die Vermittlung der sechs Großmächte in seinem Sili- striastreit mit Rumänien anzunehmen, so ist das ein Fortschritt, aber noch keineswegs die Erreichung des Zieles. Erstens müssen die Gegensätze unter den Großmächten noch ausgeglichen werden, und zweitens handelt es sich nicht um einen bindenden Schiedsspruch, sondern nur um eine Vermittelung; d. h. die Machte machen einen Vorschlag zur Güte, und die beiden Staaten haben die Freiheit, ihn anzunehmen oder abzulehnen. Ob Bulgarien schließlich zustinimt, wird von der Haltung Rußlands abhängen d. h. weniger von der offiziellen und öffentlichen Haltung Rußlands, als von seiner stillen Einwirkung in Sofia.
Es ist auch gewiß erfreulich, wenn die Türkei Sehnsucht nach neuen Friedensverhandlungen in London kund gibt: doch ist man über die ersten Tastversuche noch nicht hinausgekommen, sodaß sich der voraussichtliche Erfolg noch nicht abschätzen läßt.
Vie! wichtiger und erfreulicher erscheint unz die mitgeteilte große Rede des italienischen Ministers des Auswärtigen, Marquis di San Giuliano. Eine wahre Programmrede, welche die Festigkeit des D r e ib u n d e s bestens beleuchtet. Ihr Wert liegt vor allem darin, daß sie die Befürchtung, Italien könne wieder einmal den Lockungen Der französischen „Schwesternation" obliegen, für die nächste Zeit ausräumt. Offenbar haben Oie Staatsmänner von Paris einen Fehler gemacht, als sie in blindem Entente-Eifer die Vorherrschaft im Mittelmeer nicht nur in Worten, sondern auch in der Verlegung ihrer Flotte öffentlich beanspruchten. Durch diese Nichtachtung seiner Würde und Gefährdung seiner Interessen ist Italien in die Arme Oesterreichs getrieben worden. Der italienische Minister proklamierte eine intime Gemeinschaft mit Oesterreich für die Adria und die Balkanpolitik, wie man sie vor Jahr und Tag nicht zu träumen wagte.
Ein Seitenstück zu diesem regen Verhältnis kann man auch auf der Gegenseite finden, nämlich die rngeve Anschmiegung Frankreichs an Rutz» .and, die durch die Entsendung Delcassss nach Petersburg neuerdings beleuchtet wird. Nun darf aber ein gewaltiger Unterschied nicht übersehen werden. Je inniger 'Italien und Oesterreich zusammengrhen, desto mehr freut sich Deutschland und Defto besser gedeiht die Eintracht im Dreibunde. Aber wenn auf der anderen Seite sich Frankreich ganz in die Arme Rußlands wirst, so lockert sich Die Verbindung zwischen London und Parts; das Bündnis wächst auf Kosten des Dreiverbandes. Das ist auch ganz natürlich; denn Rußland und England haben bei der gegenwärtigen Weltlage, namentlich in Hinsicht auf Konstantinopel, gegensätzliche Interessen und Bestrebungen. Deutschland aber steht mit den Interessen Italiens und Oesterreichs in der vollsten Harmonie.
Demgemäß geht die „Logik der Tatsachen" in den letzten Monaten dahin, daß Der ®r 11 v u n b f e ft e r, dagegen der Dreiverband lockerer getootven ift Im Einklang damit steht die Befferung der deutsch-englischen Beziehungen.
Einige von unsere» „nationalen Eiferern waren s. Zt. verdroffe» darüber, daß der Sitz der Botschaster-
kleidet, und um die Hüfte trug er das berühmt gewordene Gehänge, das schon in Madrid, Paris und anderen Hauptstädten so viel Aufsehen erregt hatte. Die überaus zahlreichen Edelsteine daran schimmerten und strahlten im Lichte der Sonne.
Das Gesicht des stolz Einherreitenden war ernst, würdig und gemeßen dankte er den Grüßen des Volkes, und als die Menge in diese trauernden, ernst blickenden Augen schaute, da begriff jeder, daß dieser geheimnisvolle Fremde das Leben auch von der düsteren Seite bereits kennen gelernt. Jeder entblößte das Haupt, die Zurufe, welche Bixio, den man zuerst irrtümlich für den Prinzen gehalten, erhalten hatte, unterblieben. Das ernste, männlich schöne Gesicht mit den ergrauten Haaren flößte Ehrfurcht ein.
Vor und hinter dem einziehenden Gaste ritt je ein Mohr, und wie beim Einzüge in Rom, streute jeder derselben klingende Gcldmünzen unter die Menge.
Vor dem Tore des Gasthauses standen der Be- scher und seine Ehefrau. Beide starrten mit offenem Munde auf den sagenhaften Mann, der eben vor- beirrtt.
Plötzlich packte der Wirt seine schwächere Hälfte am Arm, daß sie laut vor Schmerzen aufschrie.
„Tölpel, was ist mit Dir? Warum drückst Du mir den Arm, wie in einem Schraubstocke?" kreischte ihn das Weib an.
„Warum? Erkennst Tu ihn nicht? Er war hier vor etwa neun Monaten — der Mensch mit dem Felleisen!"
„Wer, Du närrischer Mensch?"
„Wer anders, als der Prinz, schau ihn an, eS
In Erwartung des Generalstreiks.
, Brüssel, 22. Febr. 1913.
Infolge des Beschlusses der belgischen Sozialisten vom 12. Februar, am 14. April in den politischen Generalstreik einzutreten, war in bürgerlichen Kreisen eine gewisse Unruhe entstanden, aber man fängt an, dem Streik mit Ruhe entgegenzufehen. Es wird immer klarer, daß der Streik weit davon entfernt fein wird, ein Generalstreik zu fein. Es gibt in Belgien etwa 600 000 Arbeiter; nur 125 000 sind sozialistisch organisiert; die christlichen Gewerkschaften zählen 80 000 Mitglieder, die nicht streiken werden. Jedenfalls dürste also der Ausstand kein allgemeiner sein; mithin wird er erfolglos bleiben. Die Delegier- ten der christlich-demokratischen Gruppen, die das Zentralkomitee der demokratischen Liga bilden, haben am Sonntag in Brüssel eine Versammlung abgehalten, um zu dem Beschluß der Sozialisten Stellung zu nehmen. Einige Mitglieder, unter denen sich auch eine der bekanntesten Persönlichkeiten bet katholischen Partei befindet, befürworteten in erster Linie, daß man eine Kommission bilden möge, die sich mit der Frage der Wahlreform beschäftigen solle. Dieser Vorschlag fand aber bei der überwiegenden Mehrheit der Delegierten keine Zustimmung. Man fürchtet, daß eS scheinen könnte, als ob dieser Entschluß von der Angst vor dem General- st r e i k diktiert wäre. Die Arbeiterdelegierten waren ebenfalls sehr gegen diesen Vorschlag. Die meisten sind für das allgemeine Wahlrecht, aber sie wollen auf keinen Fall, daß man einem ungesetzliche» Verfahren der Streikdrohung gegenüber nachgibt, ganz abgesehen davon, würden die Sozialisten, wenn sie mit ihrer Drohung Erfolg hätten, den nicht sozialistischen Arbeitern gegenüber anmaßender denn je auftreten. Die in den christlichen Verbänden organisierten Arbeiter, deren Zahl etwa 80 000 beträgt, find mehr denn je entfchloffen, nicht in den Generalstreik einzutreten. Sie werden eine in diesem Sinne abgefatzte Kundgebung veröffentlichen. Trotz- dem werden viele christliche Arbeiter doch feiern müssen, weil die Arbeit in den Fabriken ruhen wird. Die demokrattsch-christliche Liga hat den Be- fchluß gefaßt, eine Sammlung zu ihren Gunsten zu veranstalten. Auch in der liberalen Bürgerschaft macht sich eine Bewegung gegen den Generalstreik bemerkbar. Die Sozialdemokraten geben zu, daß sie namentlich von dieser Seite her materielle Hülfe erwarten. Aber mehrere gemäßigte liberale Blätter veröffentlichen Artikel gegen den Streik. Dian meldet jetzt, die Vertreter der Großindustrie, der Banken usw. würden eine Verfammlung abhalten, um zwi- fchen dem Umsturz und der Ordnungspartei zu vermitteln. Auch an die Krone soll appelliert werden. Sodann wird weiter erzählt, die Großindustriellen würden den Ausstand finanziell unterstützen. DaS sind selbstverständlich nur Unkenrufe. In einer Periode industrieller Hochkunjunktur werden sich die In
Vereinigung und der Friedensverhandlungen nach London verlegt wurde. ES zeigt sich immer deutlicher, daß die Wahl dieses Ortes nach allen Regeln der Psychologie und Taktik richtig war. Die englische Regierung ist nicht mehr der Prokurist des Dreiverbandes, sondern fungierte als Inhaber deS eigenen Geschäfts, und weil sie dem russischen Panslawismus und deffen Schleppträger Frankreich wieder selbständig gegenübersteht, bildet sie die geeignete Vermittlerin zwischen den beiden großen Mächtegruppen und kann als solche, wie die Erfahrung zeigt, dem europäischen Frieden die wertvollsten Dienste leisten.
Deutschland kann mit der Entwicklung der hohen Polittk zufrieden fein.
Zuerst kam eine Schar Berittener, schwer bewaffnet, bann folgte eine Menge Lakaien in prachtvollen dunkelroten Livreen, dann rollten prächtige Equipagen eine hinter der anderen. Solch herrliche Fuhrwerke hatte man in dem Lande nie gesehen. In einem der Wagen, der von vier schwarzen Pferden gezogen war, saß ein junger Mann und grüßte gnä- big 'herablassend nach allen Seiten. Den Schnurrbart hatte er kühn aufgedreht, im weißsamtenen Wamse mit der Goldverbrämung sah et mit dem jugendlich frischen Gesichte überaus vorteilhaft aus. Von den Fenstern grüßten ihn die Frauen mit Evvi- öaz und dem Schwenken der Battisttücher, er erhob sich von den famtnen Polstern und dankte, die Hand aufs Hetz gedrückt, nach allen Richtungen. Als die Beisalls-zrüße immer stärker wurden infolge seiner Pantomime, da fing er an, Kußhände nach rechts und links auszuteilen.
„Wie lieb von ihm," sagte ein junges Mädchen |Ur Mutter, die mit ihr aus dem Fenster eines Der Bürgerhäuser schaute.
Vicomte Bixio fuhr mit blitzenden Augen und gerötetem Gesicht fort, die Huldigungen der Damenwelt in Empfang zu nehmen, während er für das luf den Fußsteigen aufgestellte Männervolk keine ober wch nur vorübergehende Aufmerksamkeit zeigte. Von rinem der vornehmsten Häuser, das überaus groß und stattlich gebaut war, fiel ein Blumenstrauß in feinen Schoß, und aufschauend. ^wahrte er ein bild
VeuNcdez Reith.
♦ Das dänische Könlakpaar in Berlin.
Ter König und die Königin von Dänemark tragen nm Montag nachmittag zu in Beiuch des Deutschen Kaiserpaares in Berlin ein. Um 3 11 br lief Der Zug in Den Lehrter Bahnhof ein, wo rum Empfange au-h der Kaiser und die Kaiferm erschienen und Die Gäste auf baS herzlichste begrüßten. Im Für'ten. zimmer Des Bahnhofs begrüßten Obetbürgermelfter Wermuth, Bürgermeister Dr. Reicke und Stadtver- orbnetenootfteher Mickelet das dänische So igspaar. In einem glänzenden Zuae ging es dann durch die Moltkeffraße, Dem Königsplatz, Die Siexesallee, das Brandenburger Tor und Die Linden entlang nach dem Königlichen Schlöffe. Auf dem Wege bildeten Truppen,' Innungen und Kriegervereme Spalier, lieber Dem Lustgarten kreuzte das Zer pelinlustschiff „Hansa". Der Einzug fand seinen Abschluß mit einem Vorbeimarsch der gesamten Berliner Garnison im Lustgarten, welchem Der Kaiser und der König vor Dem Königlichen Schlöffe beiwohnten.
; Berlin, 24. Febr. 1913. Ter Kaiser besuchte Montag vormiüag Den Reichskanzler. — Das Kgl. Staatsministerium trat zu einer Sitzung zusammen. — Dem Pr nzen Ernst Auguit, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, Dem Bräutigam Der
Herz hielt.
„Bei den Gebeinen meiner Urväter", murmelte er, als der Wagen ihn aus dem Gesichtskreis der Schönen brachte, „sagte ichS nicht prophetisch im voraus, in dieser gesegneten Stadt würden heirats- lufeige Frauenzimmer so zahlreich vorhanden sein, wie die Stechmücken vor dem Gewitter auf freiem Felde? Man reißt sich um Dich, Bixio, Du flotter Junge. Wenn ich nur wüßte, welche von den Jüngsten baS meiste Geld in die Ehe mitbringt, DaS würde Zeit sparen und Arbett. Ah, wenn der Schleicher, dieser Meneville, mich jetzt sehen könnte, er würde berften vor Ingrimm und Neid, wie eine überreife Gurke. Ganz entschieden, Bixio, es steht in den Sternen geschrieben, daß Du ehelichen sollst, ehe ein weiteres Jahr ins Land geht. Bis eine Woche vergeht, bist Du umworben wie ein Königssohn im Märchen. Sei schlau, Sohn meiner Mutter, sei schlau und wirs Dich nicht weg an die erste, die Dich liebend und begehrend anschielt. Bräute, die ihr Körpergewicht mit ebenso viel Gewicht an Gold auf- wieqen können, sind die nützlichsten zum Gange durchs Leben. Hm, ich verschmähe unter Umständen eine gesetzte Witwe nicht, wenn genügender Besitz damit verbunden ist. Witwen haben oft Zahnlücken im Munde und Warzen im Gesicht, aber ich will darüber wegschauen, wenn der verstorbene Ehemann zu denen gehört, dte ebenso schwer in den. Himmel kommen, wie ein Kamel durchs Nadelöhr.'
Der Zug ging weiter Die Beamten des Prinzen folgten, dann, in einer Karaffe von sechs andalusischen Pferden gezogen, folgte b:r junge Fürst Gua- ftalla. Hinter ihm folgten eine Reihe Pagen zu Pferde, bann ber Prinz von Jnbien. , -------, „
Er ritt ein prächtiges arabisches Tier von milch- 1 Schürze, bann wandte sie sich mit zorngluhendem weißer Farbe. Er selbst war in schwarzen Samt ge- I Gesicht gegen den Ehemann.
ist dasselbe Gesicht —"
In diesem Augenblicke flog ihm ein großer silberner Taler, von einem der Mohren auSg.ftreut, auf die Nase Augenblicklich bückte sich baS Weib darnach und barg die Münze in die Tasche ihrer