2. Blatt.
T>ru< ber r«Ibcer Zttitntnicfrti hi ^nlda.
£ofales.
Fulda, 24. Februar 1913.
A Ernannt würbe Plusskmeister Sandow beim FeldartiUerie-Regiment Dir. 47 <um Obermuükme st>r.
■+■ P rsonalien. G.richl^affessor Warnte ift als Rechtsanwall beim Landgericht in Ma.bürg zugrlassen worden.
* Verliehen würbe dem früheren Schlaffer Dreher 4U Biedenkopf daS Ällgememe Ehrenzeichen und dem Büch!enmachergeielleii R a u s ch en be rg zu Gelnhausen das Allaemeine Ehren,eichen in Bronze.
a Aus den kalholtfchen Vereinen. In der gestrigen Generalver'aniinluug des St. Iosephsverein? katdoliicher Arbeiter, die von wehr als 200 Mitgliedern besucht war, wurde der R ckenschafts» bericht erstaltel über da« Jahr 1912. Demzufolge gfiblt der Verein 469 Mitglieder. Die Gesangs- abtkilung unler der Leitung des Derrn Lehrers Kalb zählt 47 Vliiglieder. In der Vereinsbücherei befinden sich 7u0 Weite. Es wurde gewünicht, daß die apolo- getiichen und sozialen Werke eifriger benützt würden. Die Krankengeldzufchuhkafse zahlte an 135 Mitgl eber ein Krantengeld von 1243 Mark. Die Vereinsilerbelaste erb eil einen Zuwachs von 427 Mk.; das Ge amivermSgen beträgt jetzt 5902 Mk. Der Zentrallterbelaffe ,tieo* in Düsseldorf gehören 20 Viitalieder an. Das Hauvtereignis des IahreS war die 25,ädrige Jubelfeier des Vereins im August. An dem Festzuge beledigten sich 53 Vereine; auch die kirchliche Feier war glanzvoll. Am 12. Januar diese- Jahres wurde der .Leobund", eine Jugend. Abteilung des St. Ioiephsoercins, georündet, dem junge Arbeiter im Aller von 17 bis 24 Jahre angehören. Em Spielplatz für die Jugendabieilung ist feilens deS Herrn Regimentskom•> änderns aus dem Kafernengrundstücke zur Veriügung gestellt worden. In Rüne kommt für Turnübungen die T rnballe des hiesigen Lehrerieminars hinzu, sodaß für Ausübung des Sports reichlich Geleaenhe t geboten wird. Tie Turnübungen wird ein Cnargierter des Feld.-Art.-Regis. leiten. Bei der gestern vor- genommentn Vornandswahl wurden w eder» bezw. neugewählt die Herren Tiegelmann, F>ank, Heil und Schleichert. Ein Antrag, wonach Mitglieder, die freien (sozialDemotrauschen) Gewerkschaften angehören, vom Vereine auszufchließen sind, wurde einstimmig ang nommen. Die Vereinssterbe- kaffe soll tümtg von einem besonderen Kassierer, getrennt vom übrigen Vereinsvermögen, verwaltet werden. Verschiedene Anträge mußten als noch nicht spruchreif aus eine spätere außerordentliche Genera'Versammlung vertagt werden. — Der katholische Meister- und Männer- vereln, der sein Vereinslokal im Gasthause »Zur Hinlerburg hat, erhielt in der Person des Heern Subregens Prof. Dr. Hartmann einen geistlichen Beirat. — Im katholischen Gesellenverein wurde gestern abend nach einem einleitenden Vortrage des Herrn Reiters Solle die neue e-eremsbücherei eröffnet und alsbald eine große Anzahl Bücher verausgabt. Der Präies foiderte zur allgemeinen Teilnahme an den bevorstehenden Jugendvorträgen in der Stadlpiarrkircke auf.
X Vorsicht beim Einkauf von Düngemitteln. Die landwirtfcha'tl. Verluchs-Liatiou m Harleshausen gibt bekannt, daß kürzlich eine als „Perug. ano" gekaufte Probe einging, die sich bet der Untersuchung als Kalt» Rohsalz mit 11,76% Kali erwies. Als Preis war für diese Ware 8 Mark 80 Plg. pro 1 Zentner bezahlt worden, während der Wert nur etwa 1 Mark 20 Plg. ausmacht. Hoffentlich beachten unsere Landwirte diese Mahnung zur Vorsicht und kaufen ihre Düngemittel put da, wo sie fl-ter sind, reelle Ware zu bekommen.
♦* Eine Spinve der Kaiserin Die Kaiserin ließ dem„Verein zur Fürsorge an yilisbedürftigen Taub» stummen in Kurhessen und Waldeck"' eine größere Geldsumme alS Zeichen ihres Interesses an den Bestrebungen dieses Vereins überwellen.
4- tzandwerkSlammer. Tie diesjährige Frühjahr-- Vollversammlung der Kasseler Handwerkskammer findet am Montag, 3. März er. zu Kassel statt. Auf der reichhaltigen Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: Belchlußiailung über den Erlaß von Bestimmungen über die Höchstzahl von Lehrlingen im Dialer-, Maurer-, Schlosset-, Mechaniker-, Klempner- und Elektroinstallateur-Hand,oetk gemäß § 130 Di.» G -O. — Deegl. über die ander weite Festsetzung der Höchstzahl der Lehrmädchen im Damenschneider» und Putzmacher-Handwelk. — Desgl. ücer die anderweite Festsetzung der Lehrzeit im Dameniriseur-, Damenschneider- und Putzmacher« Handwerk gemäß § 130a Abs. 2 der R -G -O. — Beschlußfassung über die Hedernahme einet Bürgschast in Höhe von 10 000 4)tk. für das Handwerker - Erholungsheim in Trabcn- Lrarbach. — Desgl. über die Gründung einer Kaiser
>■ Ltteines Fenilletou.
&=> Lustschiffahrt. Die Flugapparate, deren großartige Leistungen die Welt in Staunen setzen, haben von den Technikern die Bezeichnung „Drachenflieger" erhalten. Wie beim Vogel sind es auch bei den Flugzeugen zwei Dinge, denen der ganze Flugkörper sein Fliegen verdankt, erstens das Herz — der Ako» ter — und zweitens Flügel — die Tragflächen. Das immerwährend arbeitende Gehirn des Vogels wird im Flugzeuge durch die Person seines Führers — des Fliegers — ersetzt. Ein Flugzeug erhält seine Fähigkeit zu fliegen durch seine Vorwärtsbewegung. i Die vom Motor in schnelle Vorwärtsbewegung der- ' setzte Schraube zieht oder schiebt den Flugapparat dorwärtS, bis diese Bewegung schnell genug ist den Apparat steigen zu lasen. In dem Augenblicke, in dem die Räder eines Flugapparates den Boden verlassen, hat der Motor durch die Zug. oder Druck- i Wirkung der Luftschraube den Apparat zu tragen , und vorwärts zu bewegen. Da nun jeder Drachen- ! flieget erst bei einer bestimmten Geschwindigkeit fliegen kann, bedeutet eine Verminderung derselben für den sich in der Luft befindenden Flieger die eiserne Notwendigkeit, den Erdboden aufzusuchen. Wir sehen fltzt oft aus den Zeitungen, daß ein Flieger immer den anderen in Hoch-, Tauer- und Weitfliegen übertrumpft. Aber im gleichen Schritte mit der Zahl der Erfolge wächst auch die Zahl der Opfer. Nach neueren Berichten in Flugzeitschriften sind insgesamt bis Ende »'s vergangenen Jahres 233 Todesstürze erfolgt (204 Piloten und 32 Passagiere), wovon auf Deutsch'and 47 entfallen. 118 Todesstürze sind von Anfang des fliegens bis Ende des Jahres 1911 erfolgt, das ver- gangene Jabr 1912 aber allein hat die ganz gleich große Anmhl von Tod'sstürzen zu verzeichnen, näm- uch die hnhe Zahl 118 (97 Piloten, 21 Passagiere). 9n Deutschland erfolgten im ganzen 47 Todesstürze, wbon 18 in den Jahren vor 1912, auf 1912 allein ®oer fallen 29 Todesstürze (22 Piloten, 7 Passagiere). **te Vervollkommnung der Apparate und die zuneh- ,rende Erfahrung verringert wohl den Prozentsatz
*:* Fuldaer Zeitung,
Wilhelm Jubiläums Stiftung für erholungsbedürftige Handwerker. — Desgl. über die Abhaltung von Kur'en für Inmmasleüer.
Lk Tie 29 Generalversammlung deS Bereinkous- schuffks der Landwirtschaitrkammer findet am 12. Mär», vormittags 90» Uhr, in Kaffel im Saale deS Lefe- rnuseums statt. Die Tagesordnung umfaßt u. a. folgende Punkte: Abhaltung einer Sommergeneralversammlung in solchen Jahren, in welchen eine Bezirk-schau nicht ftalifindet und geaebenentg.ls Wahl eines Ortes für die Sommergeneralversammtung 1913. Vorlage eines Vorstanvsbeschiuffes, betreffend die Vornahme der Wahlen zu den Unterausschüssen (Rommifftonen) des Vereinsausschuffes. Bestätioung der in der laufenden Wahlperiode oorgenommmen Wahlen zu den Kommissionen. Neuwahl eines Mit» gliedes zur Pterdezuchtkommiffion und zwewr Mit» glieber in die Acke aukornmiffion. Jahresbericht über die Tätigkeit des Vereinsausschuffes. Vorlage des Entwurtes einer neuen Prärnnerungsordnung für Bezirks- und Kretss-i auen. Heimatichutz im länd- licken Bauwesen. Nachmittags 2 Uhr findet ein gemeinschaftliches Essen im Saale des Lesemuseums statt.
E Krammarkt. Auf dem Viehmarktplatze bat man seit heut« hüb mit dem Ausschlagen der Verkaufsstände für den am Dienstag und Mittwoch hier ftatt« findenden Krammarkt begonnen.
♦ Pom Truppenübungsplatz be8 11. Armeekorps. Für Donnerstag, den 6. März sind jetzt aus dem ganzen Bereich des 11. Armeekorps eine große Anzahl Reserveofflziersaspiranten zu euer vierwöchigen Hebung einberu en worden, di« aus dem Truppenübungsplatz des 11. Armeekorps in Obrdruf staltfindet. Zu gleicher Zeit wird auf dem Truppenübungsplatz auch noch ein AuSbildungskursus für die dem '-8eurlaubtenftar.be angehörenden Infanterie- Offiziere des 11. Armeekorps adgedalten. Tiese militärischen Hebungen erreichen am 2 April ihr Ende. Nah Ostern werden die sämtlichen Re- g im en ter des 11. Armeekorps abwechselnd den Ohrdrufer Truppenübungsplatz aufluchen, um daselbst größere Hebungen abzuhalten.
[*] Fußballspoet. Das letzte Verbandsspiel aus eigenem Platze hakte gestern der Fußballklub .Borussia".Fulda mit dem „Verein für Bewegungsspiele G eßen*. Born sia gewann mit 4:1. — Kasseler Fußballverein gewinnt gc e E ntracht Kassel mit 4 : 2, V f. B. Marburg gegen Gießen 1 >00 6: Gestern ipielten die 1. und 2 Mannschaft Der Fug baUabteilung deS Jünglingsvereins Petersberg gegen die gleichen Mannschaften des F ßballtlubs Steinhaus-Steinau. Petersberg 1. Mannschaft siegte mit 4:2 Toren. 2. Mannschaft fpieite unentschieden 0 : 0.
Uns dem Nachdargediete.
F. BeSges, 24. Febr. 1913. Heute wurde unter großer Anteilnahme der ledige Maurer Leo Müller zu Grabe gelingen, der am Donnerstag morgen einen plötzlichen Tod erlitt. Er wurde beim Anziehen von einem Schlaganfall betroffen, dem bald der Tod folgte.
* Steinau (Kr. Schlüch'ern), 22. Febr. 1913. In gemeinsamer Sitzung des Magistrats und De-* Stadt» Verordnetenkollegiums wurde der seitherige Bürgermeister Ph. Fink für die neue Amtsperiode wieder» gewählt.
* Lauterbach, 22 Febr. 1913. Dieser Tage wurden dem Fabrikarbeiter H- aus feiner Wohnung ein Paar neue Schuhe, Strümpfe und eine Weste, in welcher sich 2 klhrketten bejanöen, von einem Han^ werksdurschen gestohlen. Der Dieb haue noch die Frechheit, den Bestohlenen, der ihm auf der Treppe begegnete, um eine milde Gabe anzuhalten, die dieser ihm auch noch gab. Die Nachforschungen der Gendarmerie hatten bis jetzt noch keinen Erfolg.
* Niederaula, 22. Fedr. 1913. Amtsgerichtssekretär Schultheis hier ist zum 1. April an das Amtsgericht tn Schmalkalden und Amtsgerichtssekietär Günther daselbst an das Amtsgericht in Felsberg vers tzt worden. — We verlautet, soll im Frühjahr 1914 die Strecke Niederaula-Grebenau der Eitenbahnlinie Alsfeld-Niederaula Dem Verkehr übergeben werden.
♦ Hanau, 22. Febr. 1913. Die Stadtverordneten beschlossen, entsprechende Näume für Die projektierte Fachschule für Diamantschletferei zur Ver» fügung zu stellen. Jedenfalls wird bte Fachschule bereits zu Ottern ds. Js. ins Leben treten.
* AuS dem Werratale, 22. Febr. 1913. In zahl« reichen Zigarrenfabr»ken des Werratales herrscht jetzt em recht flauer Geschäftsgang, da die Bestellungen recht dürftig emgehen. Einzelne Fabriken
mußten bereits Arbeiter entlassen oder die Arbeitszeit einschränken. Der Tabaksverkauk bat jetzt be» go neu. Im Diirchschnilt werden für den Zentner Tabak 28 bi? 30 Mark geboten.
• Vraa» fRr Rotenburg), 22. Febr. 1913. Gestern ist hier durch den GenoffenschaftSdirektor Schüler auS Kaffel ein fRa ffetfen’irher ©pa r• und DarlebnS- faffenoetein für Braack und Atzelrode gegründet worden. Es sind dem neuen Verein gleich 30 Mitglieder betaetreten.
* Kaffel, 23. Febr. 1913. Provinziattchulrat Pro- seffor Dr. Bor dein, dem sämtliche höhere Knaben- und Mädchenschulen unserer Stadt unterstellt sind, ist zum 1. April noch Berlin versetzt. — Nach langen Müden gelang es der Kriminalpolizei, einen gefährlichen Einbrecher in der Altstadt zu verhaften. — Freitag nachmittag bemerkten Cpaziergänaer am Fuldaufer im Waffer einen Mann, der vom Ufer fortschwamm, in der Mftte des FftsseS nom Strudel erfaßt wurde und versank. Die Persönlichkeit deS Selbstmörders konnte bis setzt nicht festoestellt werden. — Heute beging das Georg Müller'fcke Ehepaar in Rothenditmold da8 Fest der goldenen Hochreit. Dos Jubelpaar kann auf einen KreiS von 6 Kindern und 24 Enkelkindern blicken.
k. Langen, 22. Febr. 1913. Im benachbarten Dreieichenbain brach gestern mittag der Sckul» tnabe Böhne beim Schlittschuhlaufen auf dem Burg» Litbe ein und ertrank.
* Trendelburg, 23. Febr. 1913 Die hier ausae- brochene Maul - u"d Klauenseuche bat bis setzt keine weitere Verbreitung gefunden. 11m die Krankbeit tu beschränken, mb lSm'liche K'auentiere des von der Seuche befallenen Gehöftes getötet warben.
* Weidenbanlen bei Glgbenbach, 23 Febr. 1913. Vorgestern nbenb wurde Wohnhaus und ®*»une des Farmer? und Spezerei-Händlers Weiß ein Raub der Flammen.
-t- Kelkheim i. T, 22 Febr. 1913. Gestern nackt brach in dem Sägewerk von Kebr. Diehl em Groß- feuer auS, das die tzolzbea beitunaswerkstätten und die Maschinen völlig zerstörte. Die benackborten leichtaufgefübrten Gebäude habm durch die Waffer- menaen derart gelitten, daß sie niedergerissen werden müssen. Das Kessel- und Damptmalchinenhaus wurden gerettet. Der Betrieb braackt nickt eingestellt zu werden.
* Wiesbaden, 22. Febr. 1913 Die Stadt Wiesbaden wird die durch dos Angestellten versiebe, rungsgesetz auf ihre Angestellten entfallenden Beiträge in Höhe von 45000 Mark für dieses Jabr übernehmen. Für da« nächste Jabr iss eine außer- ordentliche Gehaltserhöhung, d e dem Betrage de? DersicherungSpflichlbeitrages gleichkommt, in Aussicht genommen.
* Aus Thüringen, 21. Febr. 1913. Am Sonntag den 12. Januar hatten inWetmar die militärischen Gebäude (Kaserne, Kasino rc 1 Flaggenschmuck angelegt, worüber die Mannschaften auf Befragen keine Auskunft geben konnten. In einem in der Nabe gelegenen Frifeurladen, in dem mehrere Hntero'fiziere und Soldaten der Verfchönerung harrten, wurde von dem Geschäfts«Inhaber die Frage gestellt: „Na, warum habt ihr de n heute geflaggt?" Al« sie hierauf nicht antworten konnten, sagte ein strammer Safer« landsverteidioer: „Weil heute Herr Dr. Ortmann einen Vortrag über die Iesuftenfrage hält." (Hierzu bemerkt bte ,Weimar LanveSttatt, daß an demselben Tage in Berlin da" Ordens- und Krönungsfest ftatt» sand.) — Der Rentier Kestner in WalterShau'en wurde zum Ehrenbürger dieser Stadt ernannt. — Der Landrat Dr. Tkuemer in Frankenbaufen ist zum vortragenden Rat beim Ministerium in Rudolstadt und an feine Stelle der Amtsrichter Fr Ye, zurzeit Hilfsarbeiter im Fürst!. Ministerium, zum Landrat in Frankenhaufen ernannt worden. —» Die Gemeinden Deesbach, Sitzendorf und Hnterweißbach errichten eine ge neinsame Gasanstalt, bte 210,000 Mark kosten soll. Der Vertrag ist auf 30 Jahre abgeschlossen. — Die jüngste Gemeinderats - Wahl in Gera bat bte Mehrheit ber Sozialdemokratie nicht beseitigen können. Die Bürgerlichen eroberten zwar 2 Sitze, sind aber dock nur 18 Mann stark, während die Roten noch 21 Sitze innehaben. — DaS Kriegsgericht tn Erfurt verurteilte einen Hauptmann vom 96. Infanterie-Regiment zu 3 Tagen Stubenarrest, roetl er einen Gefreiten mit dem Säbel geschlagen hatte
k. Göttingen, 23. Febr. 1913 Der Musikmeister Hell muth hatte, wie in den Steilen Einbeck und Al eld, auch in den Kreisen Göttingen und Noriheim allerlei Betrügereien verübt, indem er eine Reihe von Abonnementskonzerten und Bällen anfünbigte und die Eintrittsgelder vorbei kassierte, sie aber dann nicht at hielt. Dieser Tage wurde er von der Göttinger Stra'kammer wegen Schwindeleien, die et in einem hiesigen Warenhaus unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verübt hatte, zu vier Mona en Ge
ber Todesstürze, aber die größere Ausbreitung und reichere Verwendung der Apparate läßt eine Abnahme der Zahl der Todesstürze nicht erhoffen. Mahr ist es ja, daß jede neue Erfindung einer „Fortbe- wegungsmaschine" zuerst immer eine gewisse Anzahl von Opfern fordert, aber mehr Gründlichkeit und Sorgfalt könnte doch Wohl die Zahl der. jährlichen Opfer der Luftschiffahrt beschränken. Zum Schutze der Flieger und des Publikums müßten die Flrtg- maschinen polizeilichen Abnahmebestimmungen unterworfen Werden. F.
— Ein Standfestigkeits-Experiment, das in jeder Gesellschaft ohne weiteres ausführbar ist und stets vollständige Verblüffung herbeiführen wird, ifi daS folgende: Stellt man sich aus nur ein Bein, so gehört schon ein wenig Geschicklichkeit dazu, um standfest zu bleiben und nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Jedenfalls meint man, daß es sehr leicht für einen andern fein müsse, uns, wenn wir den rechten Arm nach vorn ausstrecken, an der Hand dieses Armes anfassend, nach hinten zu drücken und uns umzuwerfen. Diese Meinung ist durchaus irrig. Ja, selbst wenn zwei ober gar drei Personen auf unsere ausgestreckte Hand einen Druck nach rückwärts ausüben, werden wir zu allgemeiner Heberraschung ruhig und sest in ber einmal eingenommenen ein» beinigen Stellung verharren! Die Erklärung bietet bte Physik: Es treten bei dem Experiment zwei Kräfte in Wirkung — die unsere und die deS Gegners —, und zwar in verschiedener Richtung, denn wir selbst drücken den Gegner nach vorn, dieser brüdt uns zurück nach hinten. Dadurch ergibt sich eine sogen. Resultante, d. h. nach dem Parallelogramm der Kräfte wirken diese nach einer dritten Richtung, nämlich nach deut Fußboden hin, die dritte Kraft zielt also in der Diagonale zwischen den beiden Richtungen direkt auf unfern Fuß und den Fuß des Geg- ners. Taz merkt man schließlich auch äußerlich erkennbar daran, daß ber Gegner mit den Füßen sich „einstemmt", während für uns, die wir das Geheimnis kennen, ein unmerklicher Gegendruck mit ber Hand genügt. Der Gegendruck würde nur dann
merkbar werden, wenn bet Gegner plötzlich unsere auSgestreckte Hand loSlaffen würde. Dann müßten wir nach vorn stolpern. ue.
— Neues von der Mod«. 'S ist zwar noch nicht Frühling geworden, aber der erste FrühlingSgast, die FrühjahrSmode, hat sich doch bereits eingestellt und tgre üblichen Mitbringsel auSgepackt. Heberraschen- derweise stnd's diesmal in ber Hauptsache — Spitzen! Eine Spitzenmobe! Das wird gewiß unsere gesamte Frauenwelt entzücken denn Spitzen sind und bleiben nun einmal die kunstvollste und fleidsamste Garnitur, die selbst einem sonst schlichten Kleide ba4 Wesen der Eleganz zu verleihen vermag. Natürlich e'btS nun auch auf dem Gebiete der Spitzen an sich sondere Neuheiten. Die feine Welt wird sich den berühmten Mechelner und Mailänder, den Chantilly und Irischen Spitzen zuwenden, den echten, Hand- gearbeiteten Spitzen, von denen gar mancher Fami- lienschatz herrliche Erbstücke birgt. Aber auch die Spi- tzensttckerei kommt wieder außerordentlich in Mode, sie wird auf feinstem Seinen ausgefübrt und vorzugsweise für Leinenkleiber, Sport- und Gartenko- ftüme benutzt. Um denkbar vielseitig zu fein, tauchen auch Macramöspiyen auf, die, ang farbigen, matten Garnen geknüpft und teilweise mit Fransen belasten, mehr den dunkelfarbigen Kleidern ein wundervolles Relief verleihen. Was die neuen Hüte anbelangt, so werden auch künftig noch die großen Hüte dominieren, doch sucht man von Wien auS auch schon mit- telgroße und kleine Formen einzuführen. Neu ist, daß man die Hüte doubliert, b. h. in zwei Farben herstellt: entweder ist ber Kops anders als der Rand oder dieser selbst ist zweifarbig. Die Pariser Modelle kann man sogar direkt als bunt ansprechen. Als Garnitur sind Straußfedem hochmodern, man bringt aber auch wieder Blumen in nur kleinen Formen mit Seidenlanb ausgeputzt, auf den Hüten an. Die neuen Hüte haben runde, niedrige, weiche Köpfe mit breitem, teilweise auf einer Seite aufgebogenem Rand und werden schiefsitzend getragen. as.
— Ta8 Zonen der Sphinx. Ter Professor für Egyptiologte an der Hao^rn.llmoersität, Reisner, hat
JV$ 45.
Montag 2|. Sebrnar (913.
fänaniS verurteilt. — In dem Vorort» W»en d« batte ein stebenjährgeS Mädcken mit einem gleichaltrigen Knaben in einem Wiesengraben GraS an» gezündet; die Kleider de» Mädchens fingen Feuer und das Kmd wurde derartig verbrannt, daß er in der Göttinger Klinik verfiarb.
* Schmalkalden, 22. Febr. 1913. Hüttenbefitzer Ernst Eichel ist in Locarno in der Schweiz, wo er Heilung von einem schweren Leiden erhoffte, ge» ftotben. Eichel, der längere Jahre dem Magistrat angehörte, bat ein Alter von 69 Jahren erreicht.
♦ Aus Franken, 22. Febr. 1913. DaS Projekt einer Äutomobtloerbindung Bamberg »Bischberg« Eltmann-Ebelsbach gilt als gescheitert, da nur di« Gemeinde Ebelsbach einen Zuschuß bewillig e. — In Lohr wurde an Stelle deS verstorbenen Magistratsrates Ha^mann der Privatier und frühere Buchdruckereibesitzer Herr, der feit 82 Jahren dem Gemeindekollegium angehörte, in den Magistrat gewählt. — In Winzenbohl feiert am Montag der Büroermeister Schwind tn körperlicher und geistiger Frische fein 93. Geburtsftst. — In Würzburg trieb sich in den jüngsten Tagen eine FrauenSperson herum, bte sich lebt nobel auffpielte und den Namen v. Bredow und v. N y beilegte. Sie wohnte tn einem Hotel und ließ sich dahin Pelzwaren und andere kostbare Sachen kommen, um schließlich mit einem Teil derselben zu entfliehen. Die Schwindlerin konnte in Frankfurt a. M. verhaftet werden. Sie ist eine geschiedene Frau Neumann aus Karlsruhe und aus einer badischen Irrenanstalt entsprungen. Dorthin wurde sie sofort nach ihrer Verhaftung wieder gebracht. ......
Ami Geisa und Umgebung.
• Bacha, 22. Febr. 1913. Dem Bund thüringischer T:erschukveteine ist aut seine Petition an den roei» manschen Landtag um Streichung der Wachtel von oer Liste der jagdbaren Vögel gean'wortet worden, daß Die anaeiegte Frage bei Der in Aussicht genom, menen Umarbeitung des Iagdrecki? gepiü I werden soll.
* Ticsenort, 22. Febr. 1913. In seiner letz en Sitzung verhandelte Der hiesige Gewerbe verein über Die Frage der Wiedererrichtung des Amtsgerichts Tiefenort, das 1873 aufgehoben wurde. Aut die Petition an d,e Slaatsregieruna re p. an den Landtag war erwidert worden, daß bte Frage gep-.ütt werden sollte. Wahrscheinlich wird Tiefenort nock einige Zeil sich gedulden müssen, da auch andere Oite, ro;< Creindur i, Dornburg und Bürgel em Amteg-richt wünichen. — Betreffs der Versorgung un eier Gemeinde mit elektrischem Licht war man mit der A. E. G. in Berlin in Beziehung ge reten, d ch lehnte man der hohen Kosten wegen ab. Darauf bat sich Kommerzienrat Meyer-Hämbach erboten, Die elektrische Kraft aus der Gewerkschaft Kaljeroda zu liefern; die Gemeinde bat die Orts-JnstaUaUonen zu tränen.
* Dorndorf, 22. Fcbr. 1913. D^r Grubenvot stand der Gewertschaft .Heiligenloda" berichtet in fevem Vierteljahrsbericht folgendermaßen: Das Jahr 1912 brachte einen Belriebsgeivinn von 1006 115,06 Marl gegen 581837,72 Mark im Jahre 1911. Die Anleihe in Höhe von 2500000 Mark ist jetzt ganz begeben. Aus Schacht II wurde am 11. d M. bet 150 Meter Teufe das kompakte Stemsalzlager ang fahren. Der Schacht III bat eme Teme von zirka 40 Bleiern er« reid t. Der Schacht l der Gewerkschaft „Dönaes* hat eine Teufe von zirka 190 Metern. Das Siems.lz wird hier bei etwa 220 Meter erwartet, und dürfte deffen Anfahren gegen Ende des Monats Fchtuar criolgen. Für den Schacht II d e|er Gewerkschaft wurde inzwischen das definitive e.ferne Fördergerüst fertig monti rt, so daß jetzt auch hier die Arbeiien einen flotteren Fortgang erwarten lassen. Der Bau der Fabrik und Drahtseilbahnen nach den Schächten usw. nahm programmmäßigen Verlauf. Das Kessel- haus und die elektrische Zentrale sind bereits (eit längerer Zeit im Rohbau fertig. Die eigentlichen Fabrikgebäude, wieLöiehaus, Sul'atstcttion, Pkasch-nen- bans usw. tarnen ebenfalls bereits unter 4 ach, sodaß jetzt überall Die Montage der Maschinen und Apparats flotten Fortgang nehmen kann.
Aus Gberhesien u. den Hess. Aemkern.
* Marburg, 22. Febr. 1913. In der gestrigen Sladloerordneten-Sitzung wurde an Stelle des verstorbenen Justizrats Törffler der bisherige Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreier Justizrat Rohde zum Vorsteher, Professor Bredt zum Stellverlreter gewählt. In feiner Eiatsrede betonte der Oberbürgermeister, daß trotz Vermehrung der Ausgaben eine Erhöhung der bisherigen Steuersätze nicht nötig sei. In geheimer Sitzung wurde üoer die Ver
über feine Hntersuchungen über die Sphinx etne bemerkenswerte Arbeit veröffentlicht. Proftssor Reisner hat im Innern der Sphinx einen der Sonne geweihten Tempel gefunden. Dieser Tempel ift da» älteste be», kannte Bauwerk, da es nackgewiesener maßen noch älter ist al« die Pyramiden. Es soll auS dem Jahre 6000 vor Christi Geburt stammen .Eine Statue des Königs Mona befindet sich im Innern der Sphmx. Gegenwärtig sind die Arbeiten nur bis zum Kopfe der Sphinx voraeschritten, in d m sich ein 18 Nieter langer und 4 Meter breiter Saal befindet, der mit dem Sonnentempel durch einen langen Korridor verbunden ist; der Sonnentempel selbst befindet sich in ein-m ber beiden Vorderlüge der Sphinx. Es wurden noch zahlreiche heilige Geräte, ziim Teil au8 Gold, ge,un- den. Außerdem befindet sich eine kleine Pyramide im Innern Der Sphinx. Professor ReiSnec erklärt, daß seiner Meinung nach die Pyramide zu dieser Zeit nichts anderes bedeutet hat als einen Träger riesiger Sonnenuhren; so zeigt z. B. die Cieops-Py.amide auts genaueste die Zeft an. Professor Reisner will seine Arbeiten der weiteren Erforsehung der Sphinx strtsetzen und hofft noch viel Interessantes zu entdecken. Allerdings werden seine Arbeiten durch dis arabischen Arbeiter sehr verzögert, da diese sich weigern, im Innern der Sphinx zu schlafen, indem sie behaupten, daß sie Dann von bösen Geistern verfolgt würden. tf.
— Wie Moden entstehen. Ein Berflner Blatt gibt ein Gespräch zwischen zwei Schulmädchen wieder, die sich über die „Schneckenfrisur" unterhalten. Tas eine erzählt, sie trügen in der Schule alle diese Frisur, weil die Lehrerin sie dann nicht an den Ohren „ziepen" könne. Nicht weniger natürlich ist die Ur» fache der neuesten Pariser „bunten Mode", die deshalb eingrsührt ist, weil man an der Seine auf die dort lehr hochgeschätzte südamerikanische Kundschaft, die „bunt" bevorzugt, Rücksicht nehmen muß. Ja, Europa muß sich mancherlei gefallen lassen.
— Verlockknv. ,J^ möchte eine heu e Limonade." — Ham ma net. 's Bier ts aber aa reckt ickjj' warm."