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<no)tini wyNch m# Ausnahme her Senn- unh Vertage, ülerf* Ehrlicher Bezugspreis ohne Brtngerlotjn und Bestellgeld In Zulda focDi« «usmarts 130 Olork. —— Rotationsöru* und Verlag der e 5 Suiboer flctienörudierd tn Zu Ida. Zernlprecher fir. 9. s s
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Illustrierte Sonnlagszelfung | Zuldaer Seschichtsblätler
« litbmtgsOfl« der preußisch-svddeutschen Maffen-Lotterl«. — tzaldjShrlich Taschenfahrplon. s
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Nr. 45,
Crstes Blatt.
Montag den 24. Februar 1913.
40. Zahrgang.
Deutsches Reich.
•* Berlin, 23. Febr. 1913. Halbamtlich wird jetzt bekannt gegeben, daß als Nachfolger des zum Kaiser» liehen Botschafter in Rum bestimmten disdeugen, Kaiserlicben Gesandten in Brüssel v. Ftotuw, der derzeitige Kafterliche Gesandte in Sofia, v. Betow» Saleske, ausersehen ist. Er wird seinen bisheriger Posten erst verlassen, wenn die politische Lage eL gestaltet. — Der srühere tonscrvalioe Reichslagsabg G lü er ist 78 Jahre alt gestorben. Er gehörte dem Reichstage von 1905 dS 1912 an.
* Mittlinvoilage und Deckungworschllge sollen darüber besteht nach der ,Rordd. Allg. Zlg/ ,at allen maßgebenden Stellen Ucbereinstimmunz" —l »gleichzeitig dem Reichstage zugehen*. ©«* ge -ört es sich auch.
* Posen'sche Parität. Die Stadt Krone in bei Provinz Posen sucht zum 1. April d. I. einen Schub leitet für die dortige städtische höhere Knabenschule Wie das ,Westpr. V. • Bl.' hervorhebl, hat man i^ Krone gar schnell jenen höchst einfachen Tr ck der westlichen liberalen Stadtverwaltungen abgeguctt, roii man aus bequeme Art Katholiken von den städtischen höheren Schulen seinhält. Zwar zählt das Siädtchev nur 1280 evangelische und 219 jüdische, jedoch 3778 katbolstche Einwohner, aber das macht nichts. Prot» stantiich muß der Schulleiter fern, sonst ift die Sach» nicht richtig; darum verlangt man |ür den gesuchten Neuphilologen auch Lehrbesähi >nng in der eoange» 11schen Religion. Es wäre ja auch sürchierlich, wenv etwa em Katholik der Kroner Jugend „kaihc Usches'' Englisch und Französisch beibrächte. Der evangelstchz Schulleiter von Krone ist ein schönes Gegenstück zum evai geliichen Rachlwächler von Reulomstchel.
* Schwerin und Strelih. Die,Neustrelitzer ßtg.* erfährt daß die durch die Blätter gegangene Meldung über die eveniuelle Äu Hebung der Union zwischen den beiden Großserzogtümmern Mecklenburg, jeden tats sächlichen Hintergrundes entbehrt,
•• Weimar, 22. gebt. 1913. Im weimatischen Landtag wurde heute der Bericht deS Finanzaus» schusses über die Verwendung der Landesspend« von 100000 Riark anläßlich der Taufe des Erbgroß» Herzogs erstattet. Der Landtag hatte mit großer Mehrheit die Bewilligung ausgesprochen und zwar zum Vorteil des Sophienhauses in Weimar. In bet heutigen Sitzung erhoben die Sozialdemokraten Widerspruch gegen die Form der Bewilligung. Mit der Bewilligung selber waren sie einverstanden. Eine Spende aus Anlaß der Tauie widerfpreche ihren Grundiätzen. Die Vor'age wurde mit allen gegen die Summen der Sozialdemokraten angenommen. Ter Bertchlerstakler stellte noch fest, daß die seitens de« groß erzoglichen H mses für das Sophienhaus bttgegebenen Summen bereits die Höhe von 2200000 Mt. erreicht Haden und daß in dem Hause Bedürftige aus allen Rretien der Bevölkerung Auinahme finden. Es folgte sodann der Bericht des Finanzausschusses über den Hauptootanschlag für 1914'16. Abg. Lebet
sondern den ganzen katholischen Bolksteil als Bür» ger zweiter Klasse, die sich alles geduldig gefallen lasten sollen, was man den übrigen Volksteilen gar nicht mehr zu bieten wagt. Wir lassen uns aber diese Einrichtung nicht gefallen, und gerade diese Verweisung auf die „gnädige" Handhabung der jeweiligen Mi» nister bringt uns aufs neue zum Bewußtsein, daß wir in der Jesuitenfrage unsere Gleichberechtigung, unsere Ehre als Staatsbürger, die k o n f e s s i o » nelle und Politische Parität zu verfechten. Und diesen Kampf werden wir durchführen; nicht in verpuffenden Demonstrationen, wie die Gegner sie erträumen, sondern in zielbewußter Kraftentsaltung und zäher Arbeit.
tigen Auffassungen vom Reichskanzler im Reichstage ausdrücklich festgestellt worden."
Also eS bleibt beim Alten. Das schmachvolle Ver- folgungSgesetz soll bestehen bleiben. Die Ko tholiken sollen zufrieden sein, wenn es nicht allzu scharf gehandhabt wird.
Diese Haltung der Regierung ist eine Rücksichtslosigkeit gegenüber den Katholiken Deutschlands, über deren Forderungen man einfach zur Tagesordnung übergeht und deren religiöse Jn- teresten nach tote vor den „Empfindungen" der Andersgläubigen geopfert werden. Sie ist ferner eine Rücksichtslosigkeit gegenabtr dem Reichstage, veffen fünfmaliger Beschluß auf Aufhebung des Ausnahmegesetzes mit lässiger Handbcwegung kurzer Hand bei Seite geschoben wird.
Mr verlangen Rechtsgleichheit und bekommen sie nicht. Zum mindesten möchten wir doch, da totr angeblich einen Rechtsstaat haben, Rechts- srch e rh eit haben. Aber die verweigert man auch Weiß denn nun jemand zu sagen, was die J-suiten m Deutschland tun dürfen und nicht tun dürfen? Wissen die Katholiken Deutschlands, wie weit sie für ihre religiös-körperlichen Interessen auf die wertvollen und vielfach unentbehrlichen Hilfskräfte ihres Je- smtenord?ns rechnen dürfen? Nein, „nichts gewisses weiß man nicht". Wer sich an den feierlich verkünde- ten Bundesratsbeschluß hält, der muß sagen: die Je- • !t.ert-rVirfen klar nichts tun zur Erbauung des katholischen Volkes, zur Erhaltung des Glaubens Mr Abwehr der monistischen oder sozialdemokratischen Angriffe auf das Christentum und den Gottesglauben Gar nichts; denn der Bundesratsbeschluß der- bietet nicht bloß die prirstertiche Wirksamkeit, sondern lede religiöse Tätigkeit gegenüber anderen. Er schließt sstm Uebersluß noch die Verträge aus, die das religiöse Gebiet „berühren". Also die v ö l l i g e Lahmlegung der apologetischen und erbaulichen Tätigkeit, auch außerhalb der Kirchen!
rxr ^ac^eE!. *3tt Reichskanzler diesen horrenden Be- 'chluß zu Wege gebracht hat, versichert er jetzt nachträglich, es sei nicht so böse gemeint, man werde nicht „engherzig" sein, es werde bei der alten Praxis bleiben. Ja, warum haben denn Kanzler und Bundes- rat etwas ganz anderes, viel schlimmeres zu Papier gebracht, als sie angeblich in Taten umsetzen wollen. Im besten Falle ist der verzweifelt engherzige Bundesratsbeschluß ein T a m o k l e s s ch w e rt das über den Jesuiten und dem katholischen VolkZteil banstt- Jeden Augenblick kann irgend eine e i n z e l- staatliche Regierung dem Vorgänge Badens folgen und den Jesuiten alle Vorträge zur Verteidigung des Glaubens, ja sogar religiöse Gespräche im Familienkreise oder auf der Straße verbieten. Und wenn nun einmal aus Herrn v. Bethmann ein Reichskanzler der schärferen Tonart folgt, so „ n.durch die einfache Aufforderung zur genauen Aus'uhninq des rechtsgültigen Bundesratsbeschlulles Ine sämtlichen Landesregierungen zwingen, mit aller Scharfe jede religiöse Betätigung eines Jesuiten „gegenüber andern" zu verfolgen. Tie Jesuiten und ■rl also der Gnade der einzelstaat
lichen Minister und des jeweiligen Reichskanzlers auSgeliefert. Man kann ganz nach dem jeweiligen Belieben zu der „engherzigen" Versolgung übergehen, und zwar „von Rechtswegen", denn der BunderatSbeschluß vom 28. November gibt die „gesetzliche" Handhabe, um den Jesuiten jedes religiöse Wort, das ein anderes Ohr hören könnte, unmöglich zu machen.
Da« nennt die Regierung einen ModuS vivendi, he Möglichkeit eines erträglichen Ncb'neinander- lebenS. Ein solcher modns vivendi ist ein Leben Mit dem Strick um den Hal«..
Wenn man das für normal hält und zu einer ewigen Einrichtung de» Reichs machen teilt so be- trachtet und behandelt man nicht bloß die Jesuiten,
bereits auf dem Dege nach hier und dürfte in mehreren Wochen hier eintreffen. Don Genua werde ! ich mich nach Spanien einschiffen, nicht ohne eine Zeit lang dort zu bleiben, wö ich so liebe Freunde vorfinde. .
Die Unterhaltung ging dann auf andere Gegenstände über und als es anfing spät zu werden, brach einer um den anderen von den Gästen auf. Baron Meneville war einer von den ersten, bet sich empfahl. Als er mit dem Hausherrn die Hände schüttelte zum Abschiede, da erhob sich dieser und blickte ihm voll ins Gesicht.
„Herr von Meneville, es hat mich ungemein gefreut, Sic hrer in Rom kennen zu lernen. Wir werden uns hier schwerlich wieder sehen.da ich die nächsten Tage Vorbereitungen zu meiner Abreise treffen muß. Auf Wiedersehen in Genua."
»Und meine Revanche für den Verlust?"
„Wir rechnen in Genua ab — voll und ganz!" —
Als der Baron draußen war, da bemerkten die Zurückgebliebenen, daß der Prinz ihm einen bösen, haßerfüllten Blick nochsandte.
Keiner sprach darüber, alle blickten sich befremdet an.
Drei Tage später verließ der Prinz von Indien Rom.
Baron von. Meneville war einige Stunden vorher nach Casieldo abgereist, um mit der Gräfin von Tarent zusammenzutreffen, und dann die Heimreise mit ihr anzutreten.
Den asten Jacobo hatte er nach Hause geschickt. Er sollte nicht Zeuge des Zusammentreffens mit der Gesiebten sein.
Der freundliche Leser möge nun den Schlußakt de« Drama« beobachten, das sich vor seinen Augen abrollen wird
Der ra den Toten gezählte Enrico von Tarent, der alte Diener Jacobo, der Dicomte von Birio, der junge Fürst Guastalla, ein ungeheures Gefolge, bewegte sich in der Richtung nach Genua, der Stadt, wo sich vor viele» Monaten so grausige Ereigniste abgespielt.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenkauk.
Gttzung vom 22. gebt. 1913.
Ser Handels- und Gewerbeetat wird weiterberaten.
Abg. v. Wenden (kons.): In der Generaldebatte hat der sozialdemokratische Abg, Hirsch den pommerschen Bauherrenverband angegriffen und ihm Terrorismus vorgeworfen. (Unruhe.) Der Reichsverband zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie . . . (Unruhe. Präsi. deut Graf Schwerin macht den Redner darauf auf« merksam, daß das nicht zur Sache gehöre.) Der pom- mersche Bauherrenverband ist gegründet . . . (Der Redner beginnt unter wachsender Unruhe deS Hauses die Satzungen des Verbandes zu verlesen. (Der Präsident bemerkt, daß das nicht zur Gewerbeinspektion gehöre.) Dann mutz ich meine Rede bei anderer Gelegenheit hal« ten. (Der Redner verläßt die Tribüne.)
Abg. Dr. Engelbrecht (freikons.): Die Gewerbeaus. sichtsbeamten handeln oft nicht nach veterinärpolizeilichen Grundsätzen. Besonders geschieht dies bei Ab» Wässerungsfragen.
Ein RrgierungSkommissar: Dir werden die Beschwerde prüfen.
Abg. Graf Spee (Ztr.) weist auf die großen Staub» schäden hin, die ein Brikettwcrk bei Bruhl am Rhein verursacht und bittet um Abhilfe. Ferner beklagt er sich über schwere Schädigungen, die eine Zinkfabrik in der Nähe von Düsseldorf den umliegenden Ortschaften verursacht habe. Zur Vermeidung von Schäden durch industrielle Abwässer halte er die Entscheidung der Minister für Landwirtschaft bei Genehmigung indu- prteller Anlagen auf dem Lande für notwendig.
Unterstaatssekretär Schreiber erklärt, daß die Angelegenheit zwecks Errichtung eines Hüttenwerkes bei Düsseldorf jetzt beim Handelsminister schwebe, der ' vor der Entscheidung den Landwirtschaftsminister und landwirtschaftliche Sachverständige hören werde.
Minister Dr. Sydow ist gegen eine Mitentscheidung durch den Landwirtschaftsminister wegen der Verzöge- rung und Hemmung der Industrie.
Abg. Borchardt (Soz.) bezeichnet die Däckereiverord- nung als dringend notwendig.
• Abg. Schmitt-Düsseldorf (Ztr.) betont nochmals, daß sich über die Genehmigung zur Errichtung einer Zinkhütte der Düsseldorfer Bevölkerung große Aufregung bemächtigt habe. Durch wissenschaftliche Gutachten sei auf die großen Schäden für Grundwasser, Trink- und Kochwasser, Obstbäume und Weinberge hingewiesen worden. Neben Düsseldorf hätten Neuß und Benrath das größte Interesse am Verbote der Zinkhütte.
Abg. Dr. Mugdan (Vp.) wünscht Vermehrung der Gewerbeinspektoren. Bei Besprechung der Bäckereiver« I vrdnung hält er die Bäckereien im Keller für gesunder, I «l« die im Parterre liegenden. Das Vorgehen der I Sozialdemokraten gegen die Bäcker schreibt er der Erfolg- I losigkeit ihrer Agitation unter den Gesellen zu. Gerade in den sozialdemokratischen Bäckereien herrsche der größte I Schmutz und Unsauberkeit. Das Verhalten der Sozialdemokraten zur Erinnerungsfeier der Befreiungskriege beleuchte ihre patriotischen Gefühle.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) weist den Vorwurf der Unsauberkeit in sozialdemokratischen Bäckereien zurück. Er wendet sich zu den Vorgängen in der Berliner Stadt- I tzerordneten-Versammlung und betont da« volle Verständnis der Sozialdemokratie für die Bewegung von I 1813, die aber nicht in frohen Festen, sondern in dem Gefühl der Trauer um daS viele nutzlos verschwendete
• Blut Ausdruck finden wolle. Eine richtige Feier wäre ein Kampf gegen das Junkertum, die Reaktion und die deutschen Heuchler, die neulich daS große Wort geführt haben. (Große Unruhe. •— Vizepräsident Dr. Pötsch rügt diesen Ausdruck.)
Abg. Gaffel (Vp.) weist den sozialdemokratischen Vorwurf der politischen Heuchelei zurück. DaS Vorrecht der deutschen Sozialdemokratie sei eß, sich im Gegensatz zu der geschichtlichen Entwicklung deS Volkes zu setzen, wie e« in keinem Lande der Welt eine Partei wagen würde.
Dbg. Graf Spee (Ztr.) erklärt, daß dem Dbg. Liebknecht eine Rechtfertigung seiner Genossen in der Stadt« bcrordneten-Versammlung mißlungen sei. Den Au»füh« rungcn deS Handelsminister gegenüber betone er, daß er nur gewünscht habe, daß bei der Genehmigung indu« prieller Anlagen im Interesse der Landwirtschaft bei LandwirtschaftS-M inisterium gehört werde.
von anderer Richtung her nahen Anatole von Meneville und daS junge Weib, das toeder Treue kennt, noch Glauben, beider Ziel ist dieselbe Stadt, derselbe Platz, wo die reichen Besitzungen lagen die einem kleinen Knaben eigen waren, dieselbe stolze Burg von deren Terrasie der Erbe eines ruhmvollen Geschlechtes niederschaute am Morgen über Meer und Land, um wenige Stunden später — ein verratener Mann „— unbetoeint, unbetrauert in die Gruft seiner Väter gebettet zu werden.
Folge mir, Leser, zur einsamen Felseninsel, die von der Brandung umrauscht weit draußen liegt im Meere. Em blindes Mädchen harrt daselbst des Mannes, der ihre Lippen geküßt. Täglich steht sie oben in der Grotte, und die lichtlosen Augen starren hinaus zum rollenden, wogenden und donnernden Meere und sie lauscht dem Brausen der Gewässer, dem Heulen des Windes, dem Kreischen der Möven' ob sie nicht Kunde geben von ihm, der dahingezogen ist über Länder und Meere. —
Und ein kleiner Knabe spielt mit Kieselsteinen in den Gärten der Burg Tarent. Die Augen blicken träumerisch und traurig. Der Knabe vergißt ost deS Spieles, und er denkt zurück an die Zeit, da ihn der Vater geküßt und geherzt. Der Vater ist fort« gtgtntgen und nimmer wieder gekommen.--Der
Mutter große Augen sckauen ihn immer so seltsam «m, baß er sich fürchtet, da; Kind fühlt, daß e§ nicht geliebt ist von dieser Frau, und auch er liebt sie nicht.
Dritter Band
Äug' um Äug', Zahn um Zahn.
1.
Zurück in die Heimat.
Eine aroße Mcns.-heumenae hatte sich 'n den Straßen Genna» angesammelt. Heute sollte der Prinz von Indien kommen.
Jedes Fenster war dicht b'sctzt, denn von der Torstraße auk konnte man deutlich erkennen, wie draußen im Weichbilde der Stadt von der Heerstraße die sich vom Berge stell abfallend talwärts senkte,
Der Gras von Tarent.
60] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchnet.
Der Erwähnte war ftoh, daß das Gespräch sich änderte. „So ist es, Hoheit," bestätigte er. „£>aS Palais ist groß genug, um daß Gefolge eines Königs aufzuuehmen, und in Genua wird man sroh lein, wenn wieder Leben in die mächtigen Hallen deS Gebäudes kommt. Die Stadt hat furchtbar gelitten Unter der Pest, Handel und Wandel hatte gänzlich aufgchört und viele, die früher reich waren, sind verarmt. Der Adel wohnt mit Vorliebe auf dem Lande und läßt seine Stadthäuser leer stehen, womit der ktadt schlecht gedient ist."
Guastalla antwortete der hämischen Bemerkung nicht. „Werden Sic meiner Einladung Folge geben, Hoheit?" fragte er nochmals.
„Unter einer Bedingung."
„Dic wäre?"
„Daß Sie mit mir auch nach dort kommen und wir helfen, die Zeit zu vertreiben. Ich habe mit sagen lassen, daß Sie große Besitzungen in der dortt- ?en Gegend haben. Da kann es ihnen sichet nicht wltoer fallen, einige Zeit in meiner Umgebung zu «erleben."
„Mit Freuden komme ich Ihrem Wunsche nach.
der Tat muß ich dort auf meinen Gütern nach dem Rechten sehen, denn hie große Krankheit hat furchtbar aufgeräumt unter meinem Personale. Längst i^on hätte ich dieser Pflicht nachkommen sollen, nun ”er6 ,,Cl^Cr ^n9enct>me mit dem Nützlichen
. Tic beiden Männer reichten sich die Hände und einer ahnte zur Stunde, welch seltsame Dinge sie bcrt erleben sollten.
»Hoheit werden auch mich dort zu sehen bekorn- e e.n- ehe einige Wochen ins Land gegangen sind", IL Herzog von Tesia ein. „Sie alle wissen, daß dn ^I?.uach Spanien zurücksehne, und heute habe ich
^l?ner allerchristlichsten Majestät endlich mein »»verufungrschreiben erhalten. Der Nachfolger.ist
der riesige Reisezug des Prinzen sich wie eine unge» heute Schlange der Stadt zuwälzte.
Draußen auf der Straße lösten sich in derselben Zeit zwei Personen vom Reisezüge ab und blieben an einer Stelle stehen, wo die Straße sich teilte. Es waren der Prim und Jacobo, den Herr von Mene» Ville vor seiner Abreise nach Casteldo nach Hause geschickt hatte.
Der Prinz legte dem alten Manne die Hand auf die Schulter.
„Reite Du, alter Freund, diesen Weg, der hier links abzweigt, er bringt Dich näher zur Burg Tarent," sagte er. „Auch würde es nicht meinem Zwecke entsprechen, wenn man Dich in meinem Gefolge in die Stadt einziehen sehen würde. Dein grauer Kopf ist den Leuten in Genua zu gut bekannt. Ein Glücr ist ez zu nennen, daß der Baron Dich nicht mit nach Casteldo nahm und Du mit meinem Gefolge reifen konntest. Wir hatten Gelegenheit, uns voll und ganz auszusprechen die letzten Tage."
Jacobo beugte sich tief im Sattel und küßte die ihm dargebotene Hand. „Gott füge alles zum besten!" sagte er, dann wandte er sein Pferd und ritt in der Richtung, wo die Wege rings um die Außentelle der Stadtmauern führten, davon.
Der Prinz hielt noch eine Weile auf dem Hügel und blickte dem Tavonreitenden nach. Tann wandte er den Blick. Vor ibm lag die Stadt, die so viel Un« glück vor kurzem gesehen, und sein Blick konnte von d'm erhöhten Standpunkte au5 erkennen, daß die Straßen dichtgedrängt mit Menschen waren, die ihn empfangen wollten, ihn, der in derselben Stadt, vor weniger als einem Jahre sang- und klanglos in einem Sarne ^hinauSgcfahren worden. Dort auf der lin- icn S"ite, hoch oben auf dem Felsen, erschaute er die Burg seiner Väter, bort wohnte sein Kind und trauerte um ihn als einen Verstorbenen.
Weit draußen im Meere schauten Felsenklippen ans den Wafsermengen, bort wohnte ein Wesen, das ihm lieb war und teuer, dar ihm im Bilde vorgeschwebt war all» bi« Z»ft hindurch, seit er die Stell« verlassen. (Forts, folgt.)
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) versucht nochmals, baS Verhalten der Sozialdemokratie in der Stadtverordnetenversammlung zu rechtfertigen unt> wird dabei durch wiederholte Schlußrufe stürmisch unterbrochen. Er sei gegen eine Feier für das Jahr 1818 der Hohenzollern und gegen kirchliches Gepräge und wünsche nur eine Feier im Sinne der Befreiung des preußischen Volkes vom Dreiklassenwahlrecht.
Beim Titel „Zuschüsse zu den FortbilbungS« I schulen" wünscht
Abg. Dr. Kaufmann (Ztr.) eine dem Alter und der Entwicklung deS jungen ManneS angepaßte religiöse I Unterweisung in der Fortbildungsschule. Bei dem inneren Kampfe zwischen Wünschen und Begierden und den Geboten der Religion bedürfe der junge Mann gerade in dem gefährlichen noch nicht urteilsreifen Alter I Unterstützung und besonders noch gegen die Verlockungen und Verhöhnungen von andersdenkenden Menschen. Deshalb solle der Religionsunterricht kein Auswendiglernen von Bibelstellen oder trockenes Memorieren deS Katechismus fein, sondern den Jünglingen und Jungfrauen in den entscheidenden Jahren der Entwicklung zeigen, daß die religiösen Wahrheiten im Leben stand- halten. Deshalb sei auch für die Regierung die Ein« fi'hrung der Religion in den Lehrplan der Fortbildungsschulen eine dringende Notwendigkeit und zwar der obligatorische Religionsunterricht, jedenfalls könne ein fakultativer Religionsunterricht nicht nur bann ersprießlich fein, wenn damit ein Religionslehrer im Hauptamte betraut würde; denn dadurch werde ein inniger Konex zwilchen Elternbaus, Schüler und Religionölehrer geschaffen. Und zwar wüßten ältere er- I fahrene Herren von langjähriger Tätigkeit in der Jugendpflege und entsprechenden pädagogischen Studien zu diesem Amte auSerwählt werden. In Aachen habe man so glänzende Erfolge erzielt. Alle die auf dem Boden des positiven Christentums stehen, sollten für den obligatorischen Religionsunterricht eintreten. (Lebh. Beifall.)
Handelsminister Dr. Stzdow hält an dem früheren Standpunkt der Regierung fest, den Religionsunterricht in der Fortbildungsschule, den zwar auch das Handwerk I wünsche, müsse er ab lebnen, weil er zur Konfes- sionalisierung deS FortbildungSschulwesenS führe.
Abg. Dr. Maurer (natl.) meint, die sittliche Erziehung in den Fortbildungsschulen sei auch ohne Reli- gionSunterricht durchzuführen. Für die Fortbildungsschule würde er eine bedauerliche konfessionelle Scheidung bedeuten.
Abg. Sieneweg (kons.) wünscht an kleineren landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen Unterricht für die Handwerkslehrlinge auch durch solche Lehrer, die auS der Praxis hervorgegangen seien.
Minister Dr. Sydow verspricht Erfüllung der Ditte. Dienstag: Fortsetzung.
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:: Die „Nordd. Allg. Zeitung" zum Jesrritengesetz.
In ihren Rückblicken schreibt die „Nordd. Allg. Zeitung":
„Der Reichstag hat am vergangenen Mittwoch den ZentrumSantrag auf Aufhebung deS Jesuitengesetzes an. genommen. DaS war zu erwarten und nur die Wiederholung früherer Beschlüsse. Erfreulich ist die Ruhe, mit der diesmal die Verhandlungen, die neue sachliche Gesichtspunkte nicht gebracht haben und wohl auch nicht bringen konnten, geführt worden sind. Solche Ruhe et» scheint doppelt notwendig in einer Frage, die nur zu ost schon die Angehörigen beider christlichen Konfessionen leidenschaftlich erregt hat. Dem eS ehrlich darum zu tun ist, daß. die verschiedenen Konfessionen für die re» ligiösen Bedürfnisse ihrer Angehörigen, ihren Glaubens« satzungen entsprechend, eintreten und sorgen, ohne daß der konfessionelle Friede untergraben wird, der wird eS begrüßen, daß wir uni so wieder dem Zustand nähern, der bi» in da» Jahr 1912 bestanden bitte. Dieser Zustand gab nnS immer'.in einen von leidenschaftlichen Erregungen freien mobu» vivendi (Zustand be» erträglichen Rebeneinanderleben»), der sich in einer, aller Engherzigkeit abgewandten Handhabung de» Gesetze» kennzeichnete. Daß der VundeSratkbeschluß vom 28. November hieran nicht» hat ändern sollen uns nichts geändert hat, ist gegenüber anderweitigen unric^-