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2. Blatt

Druck der »nibaer Zctitntracctti tw Salbe.

— Zuldaer Leitung.

Lokales.

Fulda. 22. Februar 1913.

(’),Tte Beanstandungen der Steuererklärungen . sind irr diesem Jahre sehr viel zahlreicher als lrüher, weil der Vorsitzende der Beru'ungskomwifflon in Kasiel gemäß ministeriellen Weisungen allgemein an« geordnet hat. daß von den Steuerpflichtigen in weit größerem Umgang als bisher Nachweise für ihre An­gaben gefordert werden sollen. Namentlich muffen jetzt die abgezogenen Versicherungsbeiträge durch Vorlage der Versicherungsscheine und Prämien­quittungen nadtgeroieien werden. Ferner soll es nicht mehr zugelassen werden, daß Anwälte, Aerzte, Haus­besitzer. Gewerbetreibende usw. sich auf die Angabe des Reineinkommens beschränken, v elmehr soll in allen Fällen die Angabe des Roh «kn kommens und der gellend gemachten Abzüge verlangt werden.

Bei dieser Gelegenheit sei da auf hingewiesen, daß über die Steuerpflichtigkeit des Einkommens aus Kapitalvermögen bei manchen Steuerpflichtigen immer noch Unklarheiten bestehen. Als Einkommen aus Kapitalvermögen sind ohne Rücksicht auf die Höhe des Kapitals alle, auch die kleinsten Zinsem« nahmen, anzngeben, die dem Steuerpflichtigen nach deck gegenwärtigen Stande der einzelnen Kapital­anlagen zustehen.

Auch von vorübergehend angelegten Bank« und Sparkastenguthaben sind die Zinsen anzugeben, selbst wenn sie nicht abgehoben, sondern nur zugeschrieden werden. Es macht dabei keinen Unterschied, ob die Bankguthaben aus Geldern bestehen, die selbst schon als Einkommen versteuert werden (j. B. Gehälter, Kapilalznsten) oder nicht.

Endlich sei noch bemerkt, daß die weit verbreitete Ansicht, die Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von über 3000 Mark hätten das Recht der „Selbst- emschätzuug", unrichtig ist. Weder im Einkommen­steuergesetz noch in der Auslührungsanweisung des Finanzministers noch in den Entscheidungen des Ober­verwaltungsgerichtes findet sich das Wort Selbstein­schätzung. Die Steuererk.ärung ist lediglich ein Hilfs­mittel sür die Steuerb Hörde und soll ihr die rich» tige Erfassung des Einkommens erleichtern; sie ent­bindet aber keineswegs die Behörde von der Pflicht, das Einkommen selbständig zu ermitteln.

][ Generalversammlung der Fuldaer Aktiendruckerei. In der gestrigen ordentlichen Generalverlammlung der Aktiengesellschaft Fuldaer Akliendruckerei, die im Gesellschastshauie „Harmonie* stattfand, waren 34 Aktien vertreten. Der Vor sitzende des Aussichtsrates, Herr Geh. Sanitälsrat Dr. Raabe, leitete Vie Ver­handlung. Herr Fabrikbesitzer Richard Schmitt, als Vorsitzender des Vorstandes, erstattete den Geschäfts­bericht, trug die Rechnung vor, beantragte di« Fest­setzung einer Dividende von 4 Proz. (480 Mark von 12000 Mark) und erbat die Zustimmung der Ver­sammlung zu den weiteren Vorschlägen des Vor­standes. Die Versammlung stimmte dem Antrag auf Festsetzung der Dividende zu und genehmigte die vorgelegte Bilanz nach den Anträgen des Vorstandes. Die beantragte Entlastung der beiden Körperschaften wurde mit Worten der Anerkennung und des DankeS ausgesprochen. Zur Erledigung des letzten Punktes der Tagesordnung: „Neuwahl* wurde auf Antrag der seitherige Vorstand (Fabrikbesitzer Rich. Schmitt, Bankdirektor Otto Goebel und Groß-Weinhändler Eduard Schmitt) und Aussichtsrat (Geh. Sanitätsrat Dr. Raabe, Prof. Dr. Leimbach und 1. Beigeordneter L. M Halbleib) durch Zuruf wiedergewählt. Sämt­liche Beschlüsse wurd.n einstimmig gefaßt. An die Generalversammlung schloß sich eine gemeinsame Sitzung des Aussichtsrates und Vorstandes an. — Die Bilanz ist in der heutigen Nummer der ,Fuld. Ztg/ veröffentlicht. Der Dividendenschein sür 1912 wird von beute ab mit 6.— Mk. eingelöst.

(*) Befördert wurde Dr. med. W. Schrimpf in Niederkrüchten (Rhld.), der im vorigen Jahre beim hiesigen Regiment als Eins.-Arzt diente, nach einer weiteren Hebung in Kassel am 18. Februar zum Assistenzarzt der Reserve.

# Personalien. Der Regierungsrat und Ritt­meister a. D. Otto Kusenberg in Kaffel, welcher bis zum 1. Januar d. Js. bei der dortigen König!. Regierung beschäftigt war und auf sein Nachsuchen in den Ruhestand trat, wurde vom Großherzog von Hessen in den erblichen Adelsstand erhoben. — Der Rechtsanwalt Hahn in Sontra, wurde zum Notar für den Bezirk des Overlandesgerichts zu Kaffel mit Anweisung seines Amtssitzes in Sontra und der Kanzleidiätar Krüger von Kaffel zum Kanzlisten ernannt und vom 1. März ab an das Landgericht in Hanau versetzt.

§ Vom Gymnasium. Gestern fynd die feierliche Entlassung der Abiturienten des hiesigen König!.

Gymnasiums in der Aula statt. Der Direktor sprach den Abiturienten für sich und im Namen des Lehrer­kollegiums her liche Glückwünsche aus, aab tbrnn gute Makmworte mit auf den Weg und entließ sie mit den besten Wünschen für die Zukunft. Ter Abiturient Reinbold Spiegel dankte im Namen her Abiturienten dem Herrn Direktor für die Glückwünsche, sowie dem Lehrerkollegium für die guten Lehren und Unter« weisunaen. Anschließend hieran behandelte er in einer warmen Abschiedsrede den hoben Wert und die lauteren Quellen echter Lebensfreude. Vo" den 42 Abiturienten bestanden 41. Nach­stehend ihre Namen mit dem gemählten Berufe: Theodor Bottermann-Kassel, Tbeoloaie: Aloys Bilz- Bermbach, Journalistik: Karl Dier-Nüst, Tbwloqie; Jofepb Hammerfchla^-Neustadt, Theologie; C'emens Klitsch-Großenlüder, Landwirtschaft; Aloys Reuß- Kleinlüder, T eologie; Rudolf Kurtr-Bengendorf (Heringen), Berafach; Walter Koch-Sterbfritz, Medizin; Aloys Keidel-Kt'bersbof (Poppenhausen), Tbeoloaie; Paul Gies-Neustadt (M.W.B.), Kommunalfach; Stur­mius Maus-Traisbach (Fulda), Bankfach; Fritz Röse- Weybers, Medizin; Emil Schäfer-Allmus (Fulda), Bankfach; Arnold Scherer-Fulda, Baufach; August Schmitt-Allendorf, Steuerfach: Wilhelm Sckmitt- Eichenau (Fulda), Landwirt'chaft; Heinrich Schüßler- Gersfeld, Medizin: Karl Weß-Hauswurr, Theologie; Reinhold Wingenfeld-Ietzelbach (Hünfeld), Theologie; Edmund Appel-Wirtbeim, Handelsw.: Pms Botthof- Niederklein, Jura; Ludwig Deschauer-Geisa, Medizin; Joseph Groß-Neustadt, Pädagogik; Joseph Jahn- Fulda, Rechts- u. Staalsw; Engelbert Jost-Hasel- stein, Pädagogik; Hermann Jordan-Großenlüder, Medizin: Joseph Krauskopf-Amönebura, Cameralia; Anton Martin-Ungedanken (Fritzlar), Mathem. rind Naturw.; Werner Menzel-Fulda, Chemie; Heinrich Neubauer-Seligenstadt (Hessen), Theol.; Julius Nuß­baum-Fulda, Medizin; Aloys Ramb-Momberg, Mathem. u. Naturw.; Joseph Reith-Bremen (Geisa), Jura u. Naturw.; Richard Schenk-Fulda, Maschinen­baufach; Paul Schilling-Somborn, Pädagogik; Lud­wig Seiler-Bremen (Geisa), Theol.; Joseph Selig« Fulda, Pädagogik; August Sorg-Ulmbach, Bankfach; Reinhold Spiegel-Spahl, Theol.; Jofeph Stied-Som« born, Theol.; Rudolf Thüring-Zella (Felda-Babn), Medizin. — Von den Prüflingen waren vier Pro­testanten, einer gehörte der israelitischen Religion an, die übrigen waren Katholiken. Aus dem Bischöfl. Konvikt nahmen 17 Zöglinge an der Prüfung teil, von denen, wie wir bereits meldeten, 11 vom münd­lichen Examen befreit wurden.

§ Festgenommen wurde gestern von der Kriminal­polizei in einer Wirtschaft der der Fürsorgeanstalt in Sannerz entwichene Fürsorgezögling E. von hier.

s. Znbiläumsfeier». Aus Anlaß der Feier der 100jährigen Wiederkehr des Jahres der Be­freiungskriege hat das Kultusministerium den Provinzialschulkollegien bestimmte Anweisungen zu­gehen lasten, die sich auf würdige, festliche Veran« staltungen in den Schulen beziehen. Am 10. März soll danach kein Unterricht statlfinden, und statt besten in allen Schulen eine Festfeier abgehalten werden, deren besondere Ausgestaltung den Schulen im einzelnen überlassen ist. Ferner soll der Fest- aottesdienst, der aus Anlaß der Feier in den einzelnen Städten und Orten angeordnet wird, von den Schulen besucht werden. Weiler ist geplant, sowohl zur Feier der 100 jährigen Wiederkehr des Jahres der Be­freiungskriege als auch aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers in den Schulen der Monarchie Prämien zum dauernden Gedächtnisse an die Gedenktage verteilen zu lassen. Es sollen Festschriften, die für die Jubiläen eigens verfaßt sind, verteilt werden.

(-) Vom Provinziallandtage. Dem am 26. d. M. in Kaffel zusammentretenden Provinziallandtag ist vom Landwirtschaftsminister ein Gesetzentwurf zur Aushebung der kurhessischen Verordnung vom Jahre 1827 betr. das Landgestütwesen und der nas­sauischen Verordnung vom Jahre 1811 betr. die Ver­edelung der inländrschen Pferdezucht zur gutacht­lichen Aeußerung zugegangen. Im Regierungsbe­zirk Kassel ist die Stutendeckung durch Privathengste verboten Durch einen Ministerialbeschlnß vom 26. Januar 1832 ist allerdings auch hier die ausnahms­weise Benutzung von Privathengsten, die von der Gcstütdircktion als geeignet bezeichnet worden sind, für solche Gegenden zugelassen worden, in denen die Zahl btt Landbeschäler nicht ausreicht. Die Erlaub­nis zur Aufstellung eines Hengstes wird aber nur für ein Jahr erteilt. Die beschränkte Benutzbarkeit der Privathengste hat bewirkt, daß die Eigen-Hengst- haltung in der Provinz Hessen-Nassau fast ganz auf­gehört hcrt. Im Regierungsbezirk Kassel waren tut vorigen Jahre 7 Hengste, im Regierungsbezirk Wies­

baden nur 1 Hengst zur öffentlichen Benutzung auf­gestellt nn'r zugelassen. Wenn die hessische Regierung sich früher zu dieser Stellungnahme durch die Für­sorge für die Remontierung der Armee mit Pferden edleren Schlages, die durch die wachsende illeigung , der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung zur Züch­tung von Pferden schwerer Schläge in Frage gestellt war, veranlaßt sah, so hat sich seit dem Uebergcmg der Landgestüte Hessens und Nassaus in preußische Verwaltung in beit Anforderungen des Staates an die Leistungen der Provinz Hessen-Nassau an Pfer­den im Moöilmachungsfalle eine grundsätzliche Aen- . berung vollzogen, die einen Wechsel des Zuchtzieles der dortigen Lanbespferddzrrch-t ermöglichte. Den Wünschen der Pferdezüchter auf Bereitstellung von Hengsten schweren — kaltblütigen — Schlages konnte in weitgehendem Maße Rechnung getragen werden. Von dem etatmäßigen Bestand von 152 Hengsten des Landgestüts Dillenburg gehören zurzeit nur noch 28 den edleren Pferbeschlägen an. Nachdem sich auch die Landwirtschaftskammern beider Regierungsbezirke für die alleinige Förderung der Zucht des belgischen Pferdes entschieden haben, ist der allmähliche voll­ständige Ersatz der noch vorhandenen Warmblut­hengste durch solche belgischen Schlages in Aussicht genommen. Bei dieser Sachlage liegt für die Ge- siütsverwaltung kein Anlaß mehr vor, die Landes- Pferdezucht in so entscheidender Weise wie bisher durch ihre Hengsthaltung zu beeinflussen. Es kann ihr vielmehr nur erwünscht sein, wenn sie in der Erfüllung ihrer Aufgabe durch die Tätigkeit genos­senschaftlicher ober Privater Hengsthaltereien unter­stützt wirb. Im Privatbesitze können die Hengste billiger gehalten werden, als in staatlichen Landge­stüten, da der Privathengsthalter in der Lage ift, die Arbeitskraft des Hengstes als Nebennutzung zu ver­werten. Wahrscheinlich ist aber auch, daß durch die dem Organismus des Arbeitsheugstes mehr zusagende Art der Arbeit im landwirtschaftlichen Betriebe sein Wohlbefinden und damit die Beftuchtungsergebniffe günstig beeinflußt werden. Eine Beschränkung in der Privatheugsthaltung erscheint nur insoweit ge­boten, als die zur öffentlichen Benutzung aufzustel­lenden Hengste, wie es in allen anderen Provinzen Preußens geschieht, glljährlich einer Sachverstän­digenkommission zur Prüfung ihrer Brauchbarkeit (Körung) vorzustellen sind. Der Gesetzentwurf hat nicht beit Zweck, den Staat von der Fürsorge für die Entwickelung der Landespferdezucht der Provinz Hessen-Nassau zu entlasten. Eine Verringerung der Zahl der im Landgestüt aufgestellten Hengste ist nicht beabsichtigt. Auch bestehen keine grundsätzlichen Be­denken gegen eine Vermehrung dieser Hengste sür den Fall, daß die Bestrebungen zur Schaffung einer Privathengsthaltung ohne Erfolg sein sollten.

□ Verbotene Dienste. In einem Rundschreiben des Ministers des Innern an die G e m e i nd e b e- amten wird auf die wiederholte Beobachtung hin­gewiesen, daß Gewerbetreibende an Bürger­meister kleinerer Städte, Gemeindevorsteher oder Nach­geordnete Gemeindebeamte unter Versprechung von Geschenken das Ansinnen gestellt' haben, ihnen Adrxss en anzugeben oder ihnen sonstige Hilfs­dienste zu leisten. Die Geschäftsleute hätten dabei offenbar das Bestreben, die amtlichen Kenntnisse oder den Einfluß des Adressaten zur Vergrößerung ihres Kundenkreises nutzbar zu machen, und glaubten, ihr Ziel durch Zusage von geldwerten Leistungen zu er­reichen. Damit verstießen sie gegen die guten Sitten. Mit der Berufspflicht der Gemeindebeamten vertrage es sich nicht, ein solches Gebaren zum Nachteil der örtlichen Handel- und Gewerbe­treibenden irgendwie auch nur außerdienstlich zu unterstützen. Insbesondere könne die Annahme von Geschenken für derartige Dienste eine disziplina­risch zu ahndende Pflichtwidrigkeit darstellen.

* Teuerungszulagen für Eisenbahner. Minister von Breitenbach hat die sämtlichen 21 Direktionen angewiesen, denjenigen Beamten, welche unter 3000 Mark Gehalt beziehen, verheiratet und im Besitze noch unversorgter Kinder sind, eine einmalige Teue­rungszulage zu gewähren, die je nach der Anzahl der unversorgten Kinder höher oder niedriger ausfallen soll. Unverheiratete und kinderlose Beamte werden zugunsten der mit zahlreichen Kindern gesegneten Fa­milien auf die Teuerungsbeihilfe verzichten müssen. Dagegen sollen die diätarisch angestellten, verheira­teten Beamten berücksichtigt werden, weil sie keinen Wohnungsgeldzuschuß erhalten. Die Beihilfe soll in den nächsten Wochen ausgezahlt werden.

— Neue Eisenbahnwagen vierter Klasse wurden im Direkitonsbezirk Frankfurt eingestellt. Die Wa­gen haben grau-grünen Anstrich, drei Eingänge und sieben Fenster. Für die Gasbeleuchtung ist ein Gas­behälter von 450 Liter am Gestell angebracht. Für Lüftung sorgen 14 Dachventilatoren. Der Boden

Der Graf von Tarent.

49] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

„Nicht besohlen, lieber Vicomte, wie soll ich dazu kommen. Ihnen Befehle zu erteilen? Ich habe nur einen Wunsch einem Freunde gegenüber ausge­drückt."

„O, was das anbetrifft, jeder Ihrer Wünsche gilt mir als Befehl, Monseigneur. Auch gehe ich gern nach Genua, sei es auch nur, um öfter die Gesell­schaft des Herrn von Meneville zu genießen, der ja nun einmal dort zu Hause ist. Ich liebe ihn in einem gewissen Grade, wenngleich er mir Abneigung entgegenbiingt. Ich habe mir sagen lassen, daß die Frauen in Genua sehr schön sein sollen, und da ich ein ganz hübscher Junge bin, noch dazu in neuerer Zeit Säcke voll Geld besitze, so sehe ich nicht ein, warum die Mädchen und Witwen in jener gesegneten Stadt sich nicht um mich reißen sollten. Beim Zeus der Alten, ich werde bei dieser Gelegenheit mein Ver­mögen verdoppeln — ja, das werde ich! Monseig- nur, Ihr ergebenster Diener erwartet mit Freuden den Augenblick, da Sie den Staub Roms von den Füßen schütteln werden, und dann will ich mich Ihrem Trosse anschließen."

„Und Ihr eingemanerter Schatz an Gold?" fragte einer.

Der Vicomte kratzte sich auf komische Weise hinter den Ohren, als gelte es, ein schweres Problem zu lösen. „Ah, das viele Geld, von Genua ist's gekom­men, dahin soll es auch wieder gehen," sagte er in feierlichem Tone. „Ich werde es in zwei Felleisen packen und einem kräftigen Maultiere auf den Rü­cken schnallen."

„Es gibt Räuber in der Nähe der Landstraße, sagte Fürst Orsini lächelnd.

Bixio machte eine unnachahmliche Geberde der Geringschätzung. „Bah, ich habe einen Degen, und die Menschheit weiß, daß ich damit umzugehen weiß. Wenn die geehrten Herren Strauchritter an meinen Geldsack «xclanacn wollen, bann fließt bereit Blut

reichlich. Dieses Gesinbel kann ja nur mit Dolch und Messer arbeiten. Uebrigens reifen ja Hoheit mit großem Trosse, ick) habe den Einzug in Rom gesehen und glaube, daß man mit einem solchen Haufen Menschen dem Dogen von Venedig den Krieg er­klären kann."

„Aber das Maultier kann von einem herab­fallenden Aste scheu werden und ausreißen," meinte Torloni. ,

Sie sind unstreitig ein geistreicher Mann, Tor­loni, mich zu warnen. Sie haben Recht, es gibt lasterhafte Grautiere, die vor dem eigenen Schatten erschrecken und in die weite Welt hinausrenneu. Fort mit dem Maultiere, ich will nichts mehr davon wis­sen. Ah, das viele Geld ist mein Unglück!"

„Ich wlll Ihnen helfen, lieber Freund," sagte Torloni. „Zahlen Sie das Geld in meinem Kontor ein, und ich werde Ihnen eine Anweisung geben auf Isidor Baruch in Genua. Sie sparen dadurch sich selbst Last und Mühe und sind jeder Sorge los"

Der Vicomte machte ein verdutztes Gesicht. „Ihr Anerbietei: klingt nicht unvernünftig, Freund Tor­loni, aber verdient denn dieser Isidor Baruch ein so großes Vertrauen? Nehmen Sie die Frage nicht übel, aber ich kenne ihn so wenig, wie meinen Ur­vater Adam.

Torloni lächelte. „Vicomte, lassett Sie sich des­halb kein graues Haar wachsen. Die Firma Isidor Baruch in Genua ist eine der bestfundierten, die wir an Geldmärkten kennen. Es ist ein Haus, das ge­genwärtig und seit Monaten schon durch außeror­dentlich erfolgreiche Unternehmungen von sich reden macht. Isidor Baruch ist die Zuverlässigkeit selbst und zeigt in seinen alten' Tagen ungeheure Mittel, die selbst meine Buchhalter in Erstaunen setzen."

Anatole von Meneville machte ein erstauntes Ge­sicht. „Ist's möglich?" fragte er. „Ich kenne den alten Juden wohl und stets habe ich ihn im Ver­dacht gehabt, daß er ein steinreicher Mann ist. D'r schmierige Knicker — verdammt soll er sein — er , treibt einen Kramhandsl mit mi . ; ,

wahrscheinlich zum Scheine, um die Leute glauben zu machen, daß er gerade so viel verdient, um des Lei­bes Nahrung und Notdurft zu erlangen."

Der Prinz von Indien blickte vollkommen gleich­gültig, als interessiere ihn dieses Gespräch nicht im geringsten. Herr von Torloni aber streifte den Spre­cher mit einem kalten Blicke.

„Ich kenne nicht Ihre Beweggründe, Herr von Meneville, so gehässig über Isidor Baruch sich auszu? drücken. Ich weiß nur, daß sein Name einen guten Klang hat in der Handelswelt. Das ganze Leben lang war er streng gewissenhaft, seine Unterschrift galt von jeher als pures Gold. Tas ist Wohl auch die Ursache, daß er so in- die Höhe gekommen ist. Seine Spekulationen sind in der Regel von großem Erfolg begleitet und, wie schon gejagt, in letzter Zeit hat er Unsummen Geld verdient."

„Es bleibt also dabei, mein lieber Vicomte, Sie. schließen sich meiner Reisegesellschaft an und wir werben einige Tage in Genua wohnen," fiel der Prinz ein.

„So wollen Sie schon bald Rom vcrlaffen?" fragte man von allen Seiten.

„Ja, meine Herren," erklärte der Prinz, „das 2Saitberficaer ergreift mich wieder, ich denke der ewi­gen Stadt in drei Tagen längstens den Rücken zu kehren. In Genua gedenke ich längere Zeit zu ver­bleiben, und sollte der ein,e oder der andere der Her­ren nach dort kommen, dann wird es mich freuen, Erinnerungen anszutanschen. Ich gedenke noch heute meinem Intendanten Auftrag zu erteilen, mei­nen Hausstand hier aufzulösen und alles reisefertig zu machen."

„Haben Sie schon ein Absteigequartier in Ge­nua?" fragte Fürst Gnastalla.

„Nein, mein Fürst, beim gestern abend um diese Stunde dachte ich noch nicht an die Abreise von hier. Ich hatte letzte Nacht einen bösen Traum. Ich sah ein sterbendes Kind. Ich bin abergläubig, meine Herren, das Kind sah mich so hilfeflehend an, da«

Samstag 22. Februar 1915.

hat Linoleumbelag, auch Aschenbehälter sind vorhau- den. In jedem Wagen befindet sich ein Frauenabteis. Die Wagen sind dreiachsig, laufen auf, „Vereins lenkachsen" mit Plattfederung und fassen je 60 Per­sonen.

(*) Ein Promeuadeukonzert des Trompeterkorvs unseres Feldartillerie-Regiments findet morgen vor­mittags 1211 Uhr bei günstiger Witterung im Schloß- garten statt.

)•( Ter Naturheilverein ladet seine Mitglieder und Freunde zu einem am Sonntag tn Giesel's Sälen statt« findenden Familien-Unterhaltungsabend ein. Aus der Festordnung heben wir besonders folgendes hervor: Lieder für Alt. Lichtbudervortrag über „Pr'eßaitz Leben und Wirken", Gesangsvortröge des Männerchors des evangelischen Arbeilervereins, ein Märchen-Singspiel .Der Jungbrunnen", ein Theaterstück „Das Hemden- knöpschen", Gedichte tn Fuldaer Mundart „Der Mechels Lepps vo Mackezäll" u. a. — Alle A ffüdrungen find gut vorbereitet worden, so daß die Besucher genußreiche Stunden erwarten dürfen.

Au§ -em Nachbargebiete.

iHt" Bom Lande, 21. Febr. 1913. Jetzt in der Zeit vor Ostern durchziehen wieder auswärtige Schwindler unsere Gegend und bieten Stoffe für Anzüge ui verhältnismäßig hohen Preisen an, um ihn schließlich, wenn ihre Beredtsanneit versagt, für einige Mark zu verschleudern. Die Kaufleute treten meist zu zweien auf, von denen der eine Schmiere steht, da sie wahrscheinlich keinen Wandergewerbe« schein besitzen. Daß gute Stoffe nicht zu solchen Schleuderpreisen geliefert werden können, dürfte jedem klar genug sein. Immerhin finden diese »Kaufleute* noch ihre Abnehmer. Einer soll sogar geäußert haben, wenn er jeden Tag nur zwei Dumme anträfe, hätte er fein Geschäft gemacht. Wer jetzt für sich oder seine Kinder Bedarf an Kleidungsstoffen hat, wird in jedem Geschäftshause der Stadt oder beim Schneider des Dorfes reeller bedient, als von wan« dernden Schwindlern. Das Gleiche gilt auch für andere Artikel.

* Hünfeld, 21. Febr. 1913. Das diesjährige Musterungsgeschäft im Kreise findet Samstag, den 8. März, vormittag« 9 Uhr, in dem Lokale des Gastwirts Hodes in Eiterfeld, sowie Dienstag, den 11. und Mittwoch, den 12. März, jedesmal mor­gens 8 30 Uhr im RathauS in Hünfeld statt. — Zur En.lastung des LandkrankenhauseS in Hersfeld ist dieses durch Beschluß des LandeSauk- schusses angewiesen worden. Kranke ans dem Kreis Hünfeld, der dem Landkrankenhause in Fulda zu­gewiesen ist, in Zukunft nicht mehr aufzunehmen.' Sofern Kranke aus dem Kreise Hünfeld dieser An­stalt ohne vorherige Anfrage dennoch zugeführt und wegen ihres körperlichen Zustandes nicht sogleich ab« gewiesen werden sollten, ist diesen Kranken die Wohl« tat der unentgeltlichen Verpflegung bezw. Ver­pflegung zu ermäßigten Sätzen nicht zu gewähren, sondern durchweg tarifmäßige Sätze zur Erhebung zu bringen.

«m« Roßbach, Kis. Hünfeld, 21. Febr. 1913. Der Amateurphotograph, Oberförstereigehülfe Wilhelm Brons von hier wurde bei dem internationalen photographischen Wettbewerb der Gevaert Werke für feine Kollektion Bilder mit einem Diplom ausgcc zeichnet.

* HerSfeld, 21. Febr. 1913. Heute vormittag vormittag wurde von dem V-Zug, der 10.29 Uhr in der Richtung nach Fulda unsere Station passiert, in der Nähe der Bahnüberführung am Peterstor ein Streckenarbeiter angefahren. Der Verun­glückte erlitt schwere, anscheinend jedoch nicht leben!« gefährliche Verletzungen am Kopfe.

♦ Frankfurt, 21. Febr. 1913. Als am Mittwoch morgen eine Dame zur Kommunionbank ging, wurde ihr, scheinbar von einem hinter ihr sitzenden Manne, ihr Beutel gestohlen, den sie auf die Bank gelegt hatte. In demselben befanden sich 24 Frankfurter Elisabethenlose. — In einer Wirtschaft der Großen Sandgasse wurde der wohnungslose Häfner Saue» in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Er wurde nach der Irrenanstalt verbracht, wo er verstarb. Die Ursache seines Todes dürfte eine schwere Alkohol­vergiftung gewesen sein.

»k« Bad Nauheim, 21. Febr. 1913. An der Fried­berger Landstraße wurde ein umfangreiches Gräber« felb aus der jüngeren Steinzeit aufgefunden, das reiche Beigaben barg. Bezirkskonservator Professor Helmke (Friedberg) konnte die Urnen nebst Inhalt unversehrt bergen.

ch. Hachenburg, 21. Februar 1913. Für die Land- tagswahlim Wahlkreise Dill-Oberwesterwald stellten Bund der Landwirte und Christlichsoziale als gemein­samen Kandidaten den christlichfozialen Landwirt Weber ans Teichrode auf.

ich erschüttert wurde. Ich konnte dem Kinde nicht Helsen, denn obwohl ich es deutlich sehen konnte, trennte mich doch eine große Entfernung von ihm. Als ich endlich zu dem Kinde gelangte, war ez tot. Sobald mir vom Tode träumt, weiß ich, daß eine große Veränderung in meinem Leben vor sich gcht, Eine innere Stimme sagt mir, fortzugehen von hier und. weiter zu eilen. Eine unsichtbare Gestalt scheint mich vorwärts zu treiben. Das ist die einzige Er- klärung, welche ich zu geben vermag über meine' plötzliche Abreise. Ich ersuche alle meine Freunde und Bekannten, mir ein gutes Andenken zu bewah-i rett, denn ich werde kaum imstande sein, in der kurzen Frist allen einen Abschiedsbesuch abzustatten."j

Röte und Bläffe wechselten im Gesichte des Ba­rons. Er führte in seiner Kleidung eine Phiole mit Gift, um ein' junges Menschenleben zu vernichten, dieser außerordentlich seltsame Mann erzählte von einem Traumgebilde, in dem er einem sterbenden Kinde Hilfe bringen wollte. Und Genna war sein Ziel! War er ein Zauberer? Gebot er wirklich über Kräfte, die anderen Sterblichen versagt waren? Er erschauerte bei dem Gedanken, daß dieser unheimliche Fremde ihm seine Kreise verderben könnte. Wie nun der Prinz ihm das Gesicht zuwandte, da fühlte er, daß wieder jener seltsam starre Blick auf ihm ruhte, bett er so sehr fürchtete. Er hielt seine Augen zu Bo­den gerichtet, um nicht dem Blicke dieser Augen be­gegnen zu müssen. Er fürchtete sich, wie Menschen­kinder sich fürchten vor übernatürlichen Kräften.

„Wenn Sie noch keine Quartiere in Genua ha­ben, Monseigneur, dürfte ich Sie um die Ehre bitten, int Palast Guastala dort Ihr Heim aufzuschlagen?' bat der junge Fürst. „Das Gebäude steht seit Jah­ren unbenützt, früher residierte meine Familie oft dort doch hat sich das geändert. Es ist cm umfang- reichet- Palast, aufs beste eingerichtet und so groß auch Ihr Gefolge fein mag, es wird darin unter« gebracht. Herr von Meneville ist Genuese, er kann es Ihnen bestätigen."

(Fortsetzung folgt.)