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a. Sian.

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Zuldaer Leitung. ---

JV? 44.

Samstag 22. Sebtuar 1913.

Vochen'kun-!chail.

f:) Fulda, 22. Februar 191S.

Die innerpolitische Lage ist heule leider so unsicher intb verwirrt, daß es fast unmöglich erscheint, ein treffendes Bild von den augenblicklichen innerpoliti- fchen Verhältnissen zu entwerfen. Soviel sicht aller­dings fest, daß gegenwärtig im Kampfe gegen das Zentrum alle politischen Kräfte sich zu konzentrieren scheinen. Selten ist das Zentrum solch starker Be­fehdung und der gewissenlosesten Verdächtigung aus- Sesetzt gewesen, wie gerade jetzt wieder. Man will as Volk glauben machen, das Zentrum hätte sich in schärfste Opposition zur Reichsregierung gegeben, betreibe eine ganz verwerfliche Verärgerungs- und Rachepolitik und lasse sich in seiner ganzen politischen Pttätigung nur von seiner Enttäuschung über den Widerstand des Reichskanzlers gegen die Aufhebung des Iesuitengesetzes leiten. Die Gegner scheuen kein Mittel, um die Stellung des Zentrums zu erschüt­tern und wissen doch ganz gut, daß es ihnen nicht gclinor, das Vertrauen der Zentrumswähler zu be­einträchtigen. Tas Zentrum läßt sich in der Beur­teilung aller politischen Fragen nur von sachlichen Gründen leiten und lehnt es ab, das Vaterland ent­gelten zu lasten, was der Kanzler verschuldet hat. In der gegnerischen Preste wurde mit Behagen der Konflikt des Zentrums mit dem Staatssekretär des Reichsmarineamts von T i r p i tz in der Budget­kommission ousgebeutet: und es war sehr zum Leid­wesen dieser Presse, als sich der ganze Konflikt als ein Mißverständnis entpuppte, das leicht vermieden werden konnte, wenn der Staatssekrtär weniger Ner­vosität an den Tag gelegt hätte. Die Hetze, die ge- gen das Zentrum wegen seiner Stellung zum P e- troleummonopol eingesetzt bat und noch fort« dauert, entspringt gleichfalls nur dem Verlangen un­serer Gegner, die Zentrumspartei um jeden Pris zu verdäcktigen. Die Zukunft wird zeigen, ob das Zen­trum nicht gut daran getan hat, sich gegen ein wirt­schaftliches Staatsmonopol von der Art des Petro­leummonopols ablehnend zu verhalten. Es entspricht nur der herkömmlichen Sozial- und Mittelstands- Politik des Zentrums, wenn es sich jetzt dagegen sträubt, durch eine Verteuerung des den minderbe­mittelten Klasten unentbehrlichen Leuchtmittels eine neue Belastung des Volkes zu bewirken.

Im Reichstag stand in der vergangenen Woche die Beratung des Postetats auf der Tages- ordnung. Tie Wünsche und berechtigten Forderun­gen vor allem der mittleren und unteren Postbeam­ten fanden bei fast allen Pareien Fürsprecher. Nur die Sozialdemokraten konnten sich billiger Spässe über die Postbeamten und ihre Wünsche nicht enthalten. Besonderes Interesse beanspruchte der Wahlrechtsan­trag der Sozialdemokratie. Hatten die Genosten ge­hofft, mit ihrem Anträge einen Sturm im Reichstag zu entfesseln, so sind ihre Erwartungen sehr ent­täuscht worden. Die bürgerlichen Parteien, natür­lich mit Ausnahme der Fortschrittler, begnügten sich fast durchweg mit der Abgabe kurzer Erklärungen, so daß die Sozialdemokraten sich mit ihren Fort­schrittsfreunden allein in die Reden teilen mußten. Der Antrag wurde natürlich abgelehnt, die meisten Parteien stehen eben auf dem Standpunkt, daß nur den Einzelstaaten die Regelung des Wahlrechts zu ihren Landtagen zusteht. Am Mittwoch ist nun schon zum fünften Mal im Reichstage ein Gesetzentwurf angenommen worden, der die völlige Beseitigung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten verlangt. Wohl kämpft das katholische deutsche Volk seit 40 Jahren um den Fall des schmachvollen Qe» suitengesepes, aber noch nie sind die Wogen der ixt» regmig über die wegwerfende Behandlung katho­lischer Wünsche so hoch gegangen, wie gerade in der gegenwärtigen Zeit. Man hatte darum mit Svan- rmng den Reichstagsverhandlungen am letzten Mitt­woch entgegen gesehen. Neues boten die Verband- . hingen jedoch begreiflicher Weise nicht; denn feine I Frage ist in letzter Zeit so ausführlich und eingehend besprochen worden, wie die Jesuitenfrage. Noch sind wir nicht so weit, daß die evangelischen Gegner der Jesuiten gemeinsam mit uns im Parlament für den Fall des Jesuitengesetzes eintreten, aber draußen im Lande beginnt die Stimmung doch umzuschlagen, man übersieht nicht mehr geflissentlich die Schärfen und Härten dieses Ausnahmegesetzes und verschließt sich auch nicht mehr der Erkenntnis, daß die Katho-

Unpolittsche Settlüuse.

». Berlin, 20. Februar 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Reiselustig bin ich immer noch; aber nach Mexiko gehe ich doch nicht. Nach allem, was man lieft und hört, ist das Land sehr interessant, doch zugleich sehr lebensgefährlich. Der Bürgerkrieg bildet dort nicht die Ausnahme, sondern die Regesi Dor einem gu­ten Johr warf Madero nach langen Kämpfen den alten Diaz zum Regierungstempel hinaus; kaum war Madero auf dem mühsam eroberten Stühlchen warm geworden, da zog der junge Diaz, der Neffe des alten, gegen ihn zu Felde. In der Hauptstadt tobte tagelang ein fürchterlicher Straßenkampf; der zähe Madero wurde schließlich von seinen unzufriedenen Genosten gefangen gesetzt. Doch kaum war die Aus­sicht eröffnet, daß man in der Hauptstadt sich auf einen neuen Präsidenten einige, da kam sogleich die Nachricht, im Norden des Landes habe der Minister Gomez ein Heer gesammelt und sich jum Präsidenten ausrusen lasten. Also gibt es aus jeden Fall einen neuen Bürgerkrieg zwischen den Banden des haupt­städtischen Präsidenten und denen des nördlichen Prä- stdenten. Wenn diese beiden sich und das Land ge­hörig zur Ader gelassen haben, wird wohl ein dsitter Machibewerbrr im Süden auftauchen, der sich vor­läufig zum Herren des Landes macht, bis ein vierter Sbenieuier ihn von dem Präsidentenstuhl herunter- zerrt. Diese fortgesetzte Vergeudung von Pulver, Blut und Wohlstand ist dort landesüblich. Wir rück­ständigen Zuschauer wundern uns ja darüber, daß die Bevölkerung sich ewig das schändliche Treiben gefal­len läßt. Man sollte doch denken, daß die vernünf- tigen und soliden Bürger sich endlich zusammentäten und den politisch ausfrisierten Räuberbanden das ver­wüstende Handwerk legten. Aber nein. Die fchlech- ten Leute organisieren sich viel leichter, als die guten, i sehen wir nicht nur jenseits des großen Teiches, ; fonfcern auch in Portugal, das zu Europa gehört, wenigstens auf der Landkarte. Dort wird die große Masse des braven Volkes von einer verhältnismäßig Aeinen, aber ungeheuer dreisten Karbonariosbandr beherrscht, ausgesaugt, geängstigt, gequält und iniß- bandelt, daß es einen Stein erbarmen muß. Aber sie können das Joch nicht abschütteln. Schließlich er-

**an 'ch in das anscheinend Unvermeidliche und ,

liken mit Fug und Recht im Iesuitengesetz eine Be­schränkung der Freiheit ihrer Kirche und eine per­sönliche Verunglimpfung erblicken. Der Jesuiten- antrag ist zum fünften Male angenommen worden. Wird sich jetzt der BundeSrat endlich dazu enflchlie- ßen, den noch zu Recht bestehenden Rest dieses Aus­nahmegesetzes aufzuheben? Wird er jetzt endlich dem entschiedenen Willen des katholischen Volkes und der Forderung der überwiegenden Mehrbeit des Reichs- tags, das ist der Vertretung des gesamten deutschen Volkes, nachgeben?

In Frankreich hat die deutsche Militärvor- läge, die demnächst erst dem Bunderat zugehen wird, unruhige Gemüter verursacht. Frankreich will nun auch mehr Soldaten aufstellen. Da das Land hinter uns bekanntlich an Einwohnerzahl weit zurücksteht, fällt das sehr schwer. Während bei uns immer noch ein großer Teil wehrfähiger junger Leute nicht unter die Fahne gezogen wird und wir so noch in der Lage sind, ohne große Anstrengungen, wenn nur die Gelder für die HeereSverstärkung «vorhanden Und, die Zahl unserer Mannschaften zu vermehren, geht das bei unseren lieben Nachbarn nicht so ohne wei­teres. Den Entwürfen zufolge, die der „Teints" veröffentlicht hat, will man dort wieder die dreiiäh- riqe Dienstzeit einführen, um dadurch die Armee um 200 000 Mann zu verstärken. Dadurch würde eine Friedenspräsenzstärke von 600 000 Mann erreicht werden. Weiter ist die Einführung einer lachten Feldbaubitze, Vermehrung der schweren Artillerie, Ankauf neuer Truppenübungsplätze vorgesehen. Die Heeresvermehrung-kommt Frankreich nicht billig zu stehen. Ein außeretatsmäßiger Kredit von 70—80 Millionen Franks wird dringend von der Kammer verlangt werden. Ein weiterer Kredit von 500 Mill. Franks wird von der Kammer noch vor Ostern ge­fordert.

Zwischen Rußland und Oesterreich ist mmer noch keine Einigung erzielt, wenn auch zuge- tanden werden muß, daß sich die Verhältnisse roefeut. ich gebessert haben. So ist denn auch zu hoffen, daß die Differenzen, die zwischen den beiden Ländern we­gen der Abgrenzung Albaniens bestehen, bald aus- geglichen werden. Freilich rechnen die Serben noch heute mit Bestimmtheit darauf, daß Rußland sie nicht im Stick lassen werde, wenn sie wegen Albaniens mit Oesterreich aneinander kommen sollten.

Aus dem Balkan ist c3 zwischen den Kriegsüh- tenben noch zu keiner Entscheidung gekommen. Enver Bei ist an bet mangelhaften Leistungsfähigkeit der türkischen Marine mit feinem' Landunysversuch ge­scheitert: vor Tschataldscha und Gallipoli ist die Sage unklar. Skutari, Adnanopel, Janirna setzen chren heldenmütigen Wiberstand fort.

In Mexiko ist der Bürgerkrieg schlimmer als zuvor entbrannt. Hie Madero — hie Diaz! Mehr als eine Woche lang haben die Geschütze der Regie- rnngstruppen und der Rebellen feurige Garben in die Hauptstadt des Landes geworfen. Kaum ein Stadtteil soll dort unbeschädigt sein. Schließlich wurde Präsident Madero vurch den bisher regte» mnastreuen General Blanquet verhaftet. Als neue« Präsident wurde General Huerta proklamiert.

Ausland.

Die Freimaurerei hn belgischen Heere. Den belgischen Osfizieren ist, wie schon gemeldet, die Zugehörigkeit zur Loge durch Erlaß des Mi­nisters verboten worden. Vor wenigen Tagen hatte sich die Kammer noch über das Wesen der Freimaurerlogen unterhalten, die die Libe­ralen und Sozialisten, mit reichem Beweismaterial ausgerüstet, als gänzlich unpolitisch darzutun ver- suchten, während Ministerpräsident de Broqueville auf demselben Wege das Gegenteil nachwies. Die ganze liberal-sozialdemokratische Opposition, fast aus­nahmslos^ Schurzfellbrüder, geriet währenb der an- detthalbstündigen Rebe des Ministers aus einer Auf. tegung in die andere, zumal bet Redner alle Ein­würfe und Ableugnungen der .:. Brüder sofort au- echten freimaurerischen Aktenstücken beantworten und zurückweisen konnte. Von den Freimaurern wurde zunächst bestritten, daß das Tun der Logen geheim, dann daß es politisch sei. Hymans und Dandervelde leugneten um die Wette, ober der Minister verlas unter dem Beifall der Rechten ein freimaurerisches

nimmt es mit einer Art Fatalismus hin, wie Hagel- schlag und Seuchen. Solche Volker werden zu einer staunenswerten Geduld erzogen.

Trotz aller Reiselust gehe ich auch nicht an den Balkan. Da muffen auch die Völker den Leidens» kelch bis zur Hefe auStrinken. Der Krieg hat von neuem begonnen und zieht sich unter riesigen Opfern, aber ohne Erfolg hin. Der eine schädigt aus LeweS- kräften den andern, und keiner hat etwas rechtes da­von. Eine fortgesetzte Abmurkserei au§ Eigensinn und aufs Geratewohl, ohne Sinn und Verstand. Die sog. Staatsmänner, die in ihren warmen Amtsstu­ben sitzen, können es aushalten. Was zu Grunde geht, das wird ist der Weltgeschichte als Dünger für die Zukunft gebucht.

Neulich hörte ich einen gefühlvollen ZeitungS- lefer ausrufen: Hol' der Teufel all' die Bürgerkriege und die Eroberungskriege: Nein, der Teufel holt üe nicht, sondern bringt sie. Er hat seine Freude daran, wenn die Menschen sich gegenseitig ruinieren!

O, wie schön ist der Friede. Wenn er auch Opfer kostet, er ist sie wert. Wer das leugnet, dem könnte eine zeitweilige Verpflanzung nach Mexiko oder an den Balkan bald den Star stechen. In un­terem Vaterlanbe gibt es noch viele Dinge, die anders sein könnten und besser sein sollten. Aber ich bleibe hier und singe Deutschland, Deutschland über alles, — weil wir unser Brot in Ruhe und Frieden der» dienen und essen können.

Hier in Berlin begeht man beute das Hundert­jahr-Gedächtnis des ersten Opfers der Freiheits­kriege. Am 20. Februar 1813 saßen noch die Fran­zosen in Berlin. Die Ruffen standen als Helfer und Befreier vor den Toren; bei dem ersten Kampf am Bernauer Tor mußte ein junger Baron v. Blom- berg, der sich als begeisterter Freiwilliger der ruffi- schen Truppe angeschlossen hatte, fein Leben kaffen. Wie fremdartig mutet uns h'ute die Vorstellung an, daß Berlin von den Franzofen besetzt war und die Russen die spätere Hauptstadt des Deutschen Reiches den Truppen Napoleons entreißen mußten. Im da­mals war die Fremdherrschaft ein gewohntes Ding. Bast ganz Deutschland war ja-unter die Fuchtel der ranzosen geraten. Auch in Berlin waren damals die Fremden nicht mehr fremd. Die Russen, die 1813 als Helfer kamen, wa"en vor 50 Jahren, im Sieben­jährigen Kriege, schon als Eroberer und Brand.

Dokumertt um das andere, alles aus der jüngsten Zeit, alle mit dem Vermerk: „Dieses Schriftstück ist sofort nach Kenntnisnahme zu vernichten"' — alle mit Datum und Namen, woraus sich unzweideutig ergab, daß die Logen geheime politische Ge- s e l l f ch a f t e n sind, in denen die Schul-, die Fi­nanz. die Militärpolitik der Regierung bekämpft und die Wahlpolitik der Ovposition feftgekgt wird. Da heißt es in einem Bericht des belgischen Grand- Orient: „Der Große Orient bat sich ausführlich mit der Milit'arseelsorge befaßt und sich ent- schieden gegen diese Einrichtung ausgesprochen. Im Verlaus dieser Diskussion hat er die geeignetsten Methoden der freimaurerischen an tiklerikalen Propaganda geprüft." Dem Interpellanten Abg. Coeq, Großmeister der belgischen Loge, konnte der Minister eine lange Stelle aus einer Rede vor­lesen, die Eocq voriges Jahr in der Loge gehalten, und worin es heißt: „Wir haben der klerikalen Re­gierung den Tod geschworen und werden nicht ruhen, bis wir die klerikale Partei vollständig gestürzt haben. Denn wir dürfen nicht oergeffen, daß diese Partei nur im Schatten der römischen Kirche gedeihen kann. Diese Kirche niederzuwerfen, muß das Ziel all derer fein, die an der Emanzipation und der sozialen Bes­serung der Menschheit ein Interesse nehmen. Er- Innern wir uns stets des Wortes unseres Br. Vol­taire: Fcrasez l’inf&me (Vernichtet die Ruchlose, d. h. die Kirche), und rusen wir alle aus voller Brust dieses Kampfeswort." Diese Ansprache wurde, wie das Bulletin du Grand Orient vermerkt, mit sehr großem Beifall belohnt, setzte der Minister hinzu. Der Abg. Großmeister Eocq gestand ein, die Rede gehalten zu haben; aber de Brogueville ließ ihn da- mit nicht'los, sondern verlas lange ähnliche Stellen aus einer anderen Rede, die derselbe Coeq im Gro­ßen Orient in Paris gehalten und worin er die So­lidarität der internationalen Frei­maurerei im Kampfe gegen b i e Kirche pries, lind bann kam eine hochinteressante Stelle aus einer Rede, die der sozialdemokratische Br.:. Furn^mont nach dem Mbruche der Revolution in Portugal im Brüssler Großen Orient hielt: „Wie gewaltig war der Eindruck allerwärts, als die Kunde von dieser Revolution kam! In wenigen Stunden war der Thron umgeworfen, das Volk triumphierte, die Republik war ausgerufen. Für das unkundige Publikum war das ein Blitz aus beitem .Stimmet Nickt für uns, Brüder; wir wußten es. Wir kannten die wunderbare Organisation unserer portugiesischen Brüder, ihren unbezwinglichen Bro- selytiSmnS, ihre ausdauernde Arbeit. Wir wären in das Geheimnis dieses glorreichen EreiqniffeS einge- weiht. An dem Tage, wo unser unglückliches Bel- gien von dem Joche unserer Tyrannen befreit sein wird, werden auch wir unS mit Befriedigung sagen können, daß die Freimaurerei Belgiens der Haupt­mitarbeiter an der nationalen Befreiung gewesen fein wird." Endlos war das Spottgelächter auf ben Bänken ber Rechten, als der Minister binzusügte: „Dieser Redner war der Bruder Furnsmont, Spre­cher des Großen Dient von Belgien?" Und der Charakter Furnsrnont lachte mit! Nach diesen Pro­ben konnte der Minister mit stärkstem Nachdruck die Frage verneinen, ob die Zugehörigkeit zu einer der­artigen Gesellschaft mit ber Wü de und ben Pflich­ten eines Offiziers vereinbar fei. Jeder Offizier werde fürder zu wählen haben zwischen feiner Uni­form und dem Schurzfell. Jeder Ofsizier werde ge­fragt, ob e~ Freimaurer sei ober nicht; die Regie­rung habe genügend Vertrauen zur Ehrlichkeit eines jeden Offiziers, um ihm auf fein Ja ober Nein vollen Glauben zu schenken.

Aus dem Nachdargedie te.

• Bübingen, 21. Febr. 1913. Die Glasfa­brik Büdingen, deren Betrieb wegen Ueberproduk» tion fest Anfang Dezember still gelegen hat, hat den Betrieb wieder aufgenommen.

• Höchst a. M., 21. Febr. 1913. Der HauS- haltungSvoranfchlag pro 1913 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1 906 100 Mark ob. Die Zuschläge sollen wie bisher 135 Proz. der Ein- kommensteuer und 155 Proz. bet Realsteuern be­tragen. Die Magistratsvorlage betreffs Errichtung

einer fahrbaren elektrischen Krahnenanlage am Main wurde um 19000 Mark auf 95000 Mark erhöht.

• Wiesbaden, 21. Febr. 1913. Gegen den Reichs­tags- und SanbtagSabg. Geh. Kommerzienrat Ba r t- ling von hier waren in ber vor etwa einem halben Jobre von bem ehemaligen Rebakteur bes Wiesba» bener General-AnzeigerS, C. A. Auto r, in Ge» meinschaft mit einem hiesigen Dialektdichter heraus­gegebenen Wochenschrift „Die Wäsckbitt" in versteck- ter Form längere Zeit hindurch schwere Vorwürfe erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft leitete ge­gen Autor und feinen Teilhaber ein Verfahren wegen Beleidigung ein, dem sich Herr Bartling als Nebenkläaer anschloß. Dieser Tage sollte in dieser Angelegenheit vor der hiesigen Strafkammer verhan­delt werden. Geheimrat Bartling überreichte dem Gericht einen Bries des Hauptangeklagten, in bem bieser ihn um Verzeihung bittet und alle von ihm aufgestellten beleibigenben Behauptungen als g 5 n z» lich erfunben zurücknimmt. Zugleick erklärte er, sich lieber zu vergiften, als sich dem Gericht zu stellen. Gegen Auwr wurde ein Haftbefehl erlassen. Die Verhandlung wurde vertagt. Geheimrat Bart- fing, der sich bie erdenklichste Mühe gegeben hatte, den Angeklagten zur Stelle zu bringen, erklärte, daß er vielleicht seinen Strafantrag zurückgenommen ha- ben würde, wenn Autor dieselbe Erklärung vor Ge» rich wiederholt hätte.

♦ Brückenau, 21. Febr. 1913. Als neuer B e» zirksarntmann wird mit Bestimmthüt der kgl. Bezirksamtmann Freiherr von Russin in Königs­hofen i. Gr. genannt.

• Würzbnry, 21. Febr. 1913. Eine Haupt- mannSgatttn wurde zu 3 Mk. Geldstrafe ver­urteilt weil sie mit ihrem Automobil durch eine für Autos gesperrte Gasse fuhr. Beim Verlassen des GerichtssaaileS sagte sie ironisch zu dem Richter: „Ich danke Ihnen, baj; Sie mich erzogen hoben." Dafür wurde die unvorsichtig: Dame zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. — Tas Gemeindekollecsium hat von dem Rücktritt des Oberbürgermeisters Geheim­rat v. Michel Kenntnis genommen und ihn unter Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt zum Ehrend ür g e r ernannt. Gleichzeitig wurde be­schlossen, den Posten eines Oberbürgermeisters aus­zuschreiben.

vermischtes.

• Ein Kaisergeschenk an Sachsen» Ultesten Soldaten Der Kaiser hat dem Gastwirt Straatz in Mülsensi St. NiklaS bei Zwickau, der kürzlich seinen 10 0. Ge­burtstag feierte, eine Tasse au3 der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin mit dem kaiserlichen Namen'zuge als Geburtstagsgeschenk übersandt.

• Bei einer Beerdigung in dem württembergischen Städtchen Weilderstadt lehnten sich zwei Frauen an einen Grabstein. Dieser stürzte um und tchfc das Kind eines Fabrikarbeiters.

• Ein französischer General verschwunden. Nach -iner Meldung eines Pariser Blattes hat der Division?« general in Muhestande Alexander Tuwa? fein v>aus in Doulogne-lur-Seine bei Paris vor 16 Mannten ver­lassen und ist seither verschollen. Die Polizei hat auf Ansuchen der Familie Nachforschungen angestellt, die jedoch vergeblich blieben. Der letzte Aufenthaltsort, der mit einiger Sicherheit festgestellt werden konnte, war Aachen. Sein Ruhegehalt flir das Jahr 1912 im Betrag von 12 000 Franken ist unbehoben ge- blieben.

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schatzer in ber Hauptstadt gewesen. Seit bem Früh­jahr 1813 ist ober Berlin von feindlichen Füßen nicht mehr betreten worben. Die Befreiung bes übrigen Laubes ging nach und nach vor sich in bem Glücks­jahr 1813; ber Hauptfchlag war ber Sieg bei Leipzig am 18. Oktober.

Den fünfzigsten Jahrestag der Schlacht bei Leipzig habe ich als grüner Schüler auf bem Gym­nasium mitgefeiert. Ich habe noch heute die Feier lebhaft im Gedächtnis; wir waren natürlich alle sehr froh und begeistert. Aber wenn ich nächsten Herbst ben hunbertsten Jahrestag noch mitfeiere, so werde ich unter den grauen Haaren bie volle Bedeu­tung dieses weltgeschichtlichen Ereignisses wohl etwas tiefer und weiter erfassen. Es wurde damals u. a. ein Lied gesungen, das in Wottfassung und Musik gerade kein Meisterstück war, aber mir doch immer im Ohr und im Sinn lebendig geblieben ist: „Germania, — dein Capua — erschlaffte deine Söhne nicht!" Die Behauptung hat sich bewahrheitet. Als bald darauf, im Jahre 1870, ber neue Angriff von Frankreich er­folgte, ba zeigte sich die Kraft des deutschen Volkes wirklich unerschlafft. Inzwischen haben wir nun schon wieder 42 Jahre Frieden gehabt. Es fehlte also nicht an Zeit für ein Capua b. h. für die Gewöhnung an Bequemlichkeit, Sorglosigkeit und Weichlichkeit. Aber ist unsere Wehrkraft in einem solchen Capua wirklich erschlafft? Ich glaube, man darf wohl nein sagen. Freilich sind wir inzwischen nicht in einen Krieg verwickelt worden, aber wir haben doch fortwährend soviel Zurufe und Rippenstöße betont* men, daß die Gefahr des Einschlafens nicht zu groß wurde. Unsere zahlreichen Neider und Gegner in der Welt haben anbauernb für anregenden Alarm gesorgt. Wenn sonst nichts los war, so schloffen sie geräuschvoll Bündnisse, die sich gegen uns zuspitzten und also wie eine ablaufende Weckeruhr wirkten. Dann gab es von Zeit zu Zeit immer wieder Kriege in anderen Teilen Der Erde; unter bem Zeichen bes Verkehrs finb aber auch bie entfernten Länder so nahe genickt, baß wir alle .Krisen mitfüf' i und auS den Erfahrungen aller Mitbewohner d Planeten die Nutzanwendung für uns ziehen. Heute dir, mor­gen mir; also vorgesorgt und immer auf bem Posten!

Draußen in ber Welt wird Deutschland vielfach als eine große Kaserne verschrien und uns eine heil­lose Kriegssucht angedichtet. Die Wahrheit ist, daß in Deutschland eine so große Friedensliebe Herrs ht,

wie kaum in einem Lande ber Welt. Wir finb g e« rüstet, um uns wehren zu können, aber wir wün­schen nichts sehnsüchtiger, als von bieser Rüstung k e i. neu Gebrauch machen zu brauchen. Wir wollen nichts haben von ben andern, aber wir wollen behalten, was wir haben, und wollen in Ruhe unseren Ge- schäften nachgehen. Handel und Wandel befinden sich zurzeit in gutem Schwung; das ist eigentlich wunder­bar angesichts der vielen Krisen und Kriege in Europa. Ak>er weil eS so ist, desto hoher schätzen wir die Erhaltung dieses gedeihlichen Wirtschaftsle­bens. Wenn wir auf die Zeit von 1813 zurückblicken, so freuen wir uns darüber, daß uns das Leben o viel leichter und schöner gemacht ist, als unseren chwer leidenden und ringenden Vorfahren. Wir spüren gar keine Lust, solche Gefahren und Note für unS heraufzubeschwören; aber noch weniger Lust, uns von fremden Leuten wieder in solche Gefahren und Nöte hineintreiben zu lassen. Daher vereinigt sich die echte Friedensliebe mit der Opferwilligkeit für die Wehrkraft.

„Ruhe fft die erste Bürgerpflicht." Dieses ge-s flügefte Wort ist schon etwas übet 100 Jahre alt; cS entstand nach einer unglücklichen Schlacht. Ruhe ist die Pflicht nicht bloß in trüben Tagen, sondern auch in guten Tagen, die nach dem Ausspruch des Dich­ters manchmal schwer zu tragen sind. Ruhe ist auch nicht allein Pflicht der gewöhnlichen Bürger, son­dern ebenso der Staatsmänner und Parteiführer. Für die Ruhe, d. h. für den Frieden und die gesicherte Ordnung müffen alle mit vereinten Kräften sorgen, und da handelt es sich ebenso um die Verhütung innerer Zwistigkeiten wie um die Sicherheit nach außen. In bem Jubeljahr, wo wir der Begrün» bung unserer nationalen Selbständigkeit gedenken, und angesichts der neuen Opfer für die Abwehr äuße­rer Feinde, sollten alle vernünftigen Deutschen ohne Unterschied der Pattei sich vereinigen, um den t n* neren Frieden der zustellen. Wir treiben iret- lich keine blutigen Bürgerkriege, wie sie in Meruo landesüblich sind, aber bet Spott von unblutigen inneren Kämpfen gegen andersdenkmde und anders- sprechende Leute ist noch aar zu sehr im Schwange, und gerade das Kriegsjubiläiim soll uns friedlich machen, auch gegen HauSgenoffen.