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Fuldaer Leitung

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Freitag 2(. Zedruar 1913.

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fern weiten Lande sieht man nichts als Unglückliche, die ihre Fesseln schütteln und einige Elende, die dar­auf stolz sind.

Ein solcher Zustand der Dinge, der nur auf einer Gewalt beruht, welche alle Willen, alle Meinungen zusammendrückt, kann nur so lange als die Tätigkeit dieser eisernen Hand dauern; und jedesmal, daß sich eine Aussicht auf Erleichterung eröffnete, sah man die Menschen sich bewegen, um ihre Ketten womög­lich zu brechen.

Dieses wird ebenso sein und ist es in der jetzigen Zeit, da man einen großen Kampf wieder beginnen und eine Stütze für die Unglücklichen barbieten sieht, welche einen Wechsel verlangen; man kann diese Stimmung der Gemüter benutzen, um der Unter­drückung allmäblich Hindernisse zu schaffen und in der Folge einen geraden und offenen Widerstand gegen sie aufzureizen."

, Kaiser Alexander las die Denkschrift v. Stein? mit de. größten Aufmerksamkeit und forderte ihn auf, die Ausführung seiner genehmigten Vorschläge näher auszuarbeiten. Schon am 20. Juni war dies in einem längeren Schreiben geschehen, an besten Schluß es heißt:

„Tie angezeigten Maßregeln sind nur vorberei­tend. Tie Begebenheiten und die Erfahrung werden die erforderlichen Aenderungen anzeigen; aber es bedarf eine? Anfangs und eines ersten Anstoßes — möge der Erfolg den ehrfurchtsvollen Wünschen ent­sprechen, welche ich für E. K. M. Ruhm und Wohl­ergehen hege."

v. Steins patriotische Arbeit war nicht umsonst. Vrcußens König der vielfach von zaudernden Rat­gebern beeinflußt lange geschwankt hatte, wurde im Mär; 1813 schlüssig und reiste am 22. Mär; nach BreSlau ab. da in Schlesien vorzüglich diebesten Streitkräfte sich befanden, welche zum Kristallisations- Punkt der großen Erhebung werden sollten.

v. Stein gebt alsdann mit scharfem Blick auf die einzelnen Verhältnisse und die ssch daraus ergeben­den Notwendigkeiten ein

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* Hammklburg, 20. Frbr. 1913. Am 21. d. werden in Fuchsstadt und Langendorf Hammelburg und in Schonderseld Telegraphen- an stallen mit Telepdonbelrieb, öffentliche Telephon-

Marsch mit, sichtlicher Hingabe und verschaffte ihm bei den Hörern eine freundliche Aufnahme. Im fiebrigen brachte die Vortraasordnu"a noch manche Nummer, die das besondere Wohlgefallen der Musik­freunde sand. Da sei zunächst der reizvolle Cwr aus der Oper .Die Lombarden" von Verdi erwähnt, dann .Eine nächtliche Wanderung" von Starke, ein an wundersamen Klangeffekten reiche? Werk, das einer vie. gelobten und oft mit Unrecht geschmähten Richtung der Tonkunst, der Programm«Musik angehört. Fein ausgearbeitet kam die Ouver­türe zur Oper .Die Felsenmühle" von Reissi« aer zu Gehör, eindruck-voll die Ouvertüre zur Ovw .Die Jüdin" von Halevy. In ,Une Perle de l'Ocöan" von Öfterer batte sich Herr Behn, der dos Trompeten-Solo mit lobenswerter Technik blies, eine keineswegs leichte Aufgabe gestellt. Er war ihr gewachsen; denn alle Schwierigkeiten überwand Herr Behn leicht und mit großer Sicherheit. Die Streicher gaben in „Heinzelmännchens Brautfahrt" von Hagel­bauer ihr Bestes. Im Brautwalzer vermochten sie durch ihr bestrickendes Spiel sogar iüßen Mandolinen­klang vorzutäuschen. Ebenso machte die Eilenbera'sche Suite „Am Golf von Neapel" einen vortrefflichen Eindruck. Es sind sehr flott geichriebene charakteristisch dem italienischen Milieu abgelauschte Stimmungs­bilder, die in einen wilden Saltarello ausklingen. Am Schluffe des imereffanten, durch ei t ge Zugaben ver­schönten Konzerts lernten die Besucher noch den .Musikalien-Redakteur" von Stetefeld kennen, einen im Reiche der Frau Musika sehr erfahrenen Mann, besten Gaben allen Anmeienden Freude bereiteten.

Hk Meß-Sonderzug nach Leipzig. Zur kommen­den Oster-Vormesse, die am 3. März beginnt, wer­den wiederum bei genügender Beteiligung eine An­zahl Sonderzüge mit ermäßigtem Fahrpreis einge­legt werden. Der Sonderzug Frankfurt a. M.-Leip- ;ig verläßt Frankfurt 1,40 Nhr nachmittags, hält jedoch pich» auf der Station Fulda, so daß der An- sckluß auf der Station Bebra, die er 4,48 Uhr ver­läßt, zu suchen wäre. Ter Zug trifft abends 8.32 Uhr in Leipzig ein. Der Fabrkartenverkauf findet auf den Stationen Frankfurt-Hbh., Frankfurt-Süd. Ostettbach-Hbh., u. Hanau-Ostbhf. bis zum 28. Febr.' abends 7 Uhr statt. Fällt der SoNderzug aus, so wird das Fahrgeld zurückerstattet. Fahrtrtnterbre- chung und die Benutzung der Sonderzüge auf ge- wölmlichen Fahrkarten ist ausgeschlossen.

* Unfaklfürsoroe für Provin'ialhcamte. Dem demnächst in Kastel zusammentretenden Provinzial- lm.dtag der Provinz Hesten-Naffau ist eine die Unfall« fütforge für die Provinzialbeamten betreffende Vor­lage zugegangen. Sie lautet: Wenn Provinzial- beomte infolge eines im Dienst erlittenen Unfalles dienstttnfähig oder ganz oder teilweise erwerbsunfähig werden, so wird ihnen und ihren Hinterbliebenen eine den gesetzlichen Vorschriften für die Reichs- und Staetsbeemten gleichkommende Fürsorge, jedoch un­ter Zugrundelegung des unverkürzten Diensteinkom­mens. gewährt, insoweit sie nicht nach den sonstigen sür sie geltenden Bestimmungen weitergehend Lei- stung-n zu bognfvruchen haben.

* Was wirb aus den Millionen der Klebemarke? Ueber die Verwaltungskosten der Invalidenversiche­rung macht ein neuer Bericht des Reichsversiche­rungsamts für das Jahr 1911 lehrreiche Mitteilun­gen. Danach, kommen auf 1000 Mark der Gesamt­einnahmen bei allen 41 Versicherungsträgern 81 Mk. Verwaltungskosten. Im Jahre 1900 hatten diese nur 64 Mark betragen, sind aber seitdem gestiegen, im Jahre 1910 sogar auf 84 Mark. Im letzten Be­richtsjahr betrugen die Verwaltungskosten überhaupt hei den 31 Versicherungsanstalten 81 Mark, bei den 10 Kasseneinrichtungen 84 Mark. Bei den Kasten­einrichtungen hatten sie im Jahre 1900 sogar nur 49 Mark betragen. Von allen Einnahmen verschlin­gen also die Verwaltunaskoften über 8 Prozent. Alle Versicherungsträger beschäftigen dann auch 3240 Kasten-, Büro- und Kanzleibeamte, 327 Unterbe­amte, 445 Kontrollbeamte, 1797 in Heilstätten usw. Mitglieder der Vorstände sind 327, Hilfsarbeiter der Vorstände 53, Mitglieder der Ausschüsse 628, Vor­sitzende der Rentenstellen 2, Beisitzer der Renten« stellen 128. Beisitzer bei den unteren Verwaltungs­behörden 13 224. Schiedsgerichte gibt es 124, Mar- kenvettaufsstellen 2203. Die Einnahmen aller Ver­sicherungsträger betragen im Jahre 172 Millionen und die Ausgaben fast 173 Millionen.

(*> Einstellung von Drei- «nd Vierjährig-Freiwilligen. Die Mattosenartillerie-Abkeilung Kioutscstou (Stuften« artineriei in Tsingtau China) stellt zu Oktober 1913 Drei- und Vierjährig-Freiwillige ein. Die Ausreise nach Tsingtau erfolgt im Januar 1914 bezw. 1915, die Heinireife im Frühjahr 1916 bezw. 1917. Bevorzugt werden Techniker, Elektrotechniker, Monteure, Mechaniker, Chauffeure, Schuhmacher und Schneider. In den Stand­orten in Osiasien wird außer Löhnung und Verpflegung

stellen und Unfallmeldestellen in Betrieb genommen.

* Schotten, 20. Febr. 1913. Die Typhusepide­mie ist zu Ende. Tie Krankheit herrschte besonders in Rudingshain, Michelbach und Wingershausen.

)!( Salmünster, 20. Febr. 1913. Die hiesige Ver­einigung ehemaliger 81er, welche an der Hundert­jahrfeier des Regiments teilnehmen wollen, zählt 40 Mitglieder.

♦ Bad Orb, 20. Febr. 1913. Das Anwesen der Ww. Kuhl hier ging in den Besitz des K. H. Stein aus Villbach über. "Der Kaufpreis beträgt 20 500 Mark

* Hana«, 20. Febr. 1913. Im Jahre 1912 wurden in Hanaü-Keffelstadt 810 Kinder lebend geboren, 391 Knaben und 419 Mädchen, gegen 700 Kinder im Jahre 1911. Auf 1000 Einwohner kommen 213 Geburten. Gestorben sind mit Aus­schluß von 36 Totgeborenen 631 Personen, 323 männ­lichen und 308 weiblichen Geschlechts, gegen 724 Personen im Jahre 1911. Auf 1000 Einwohner kommen somit 16,9 Todesfälle, gegen 19,2 im Jahre 19il. — Im September v. I. hat die Generalver­sammlung der Landw. Ein- und Verkaufs« genossenschaft sKornhaus) Hanau, die im letzten Ge'chäflSjahr einen Umsatz von über 10 Millionen erreicht hat, dem Vorstand der Genossenschaft eine Summe von 80000 Mark bewilligt zur Errichtung eines Gebäudes, in dessen Parterreräumen sich d. s Hauptbureau bestnden soll. Die Genossenschaft hat nun von der Stadt das notwendige Baugelände, Ecke Akadem'estraße und Auheimerweg, gegenüber der Eirensäule, käuflich erworben. Mit dem Bau des Wohn- und Bureaugebäudes soll in den ersten Tagen begonnen werden.

* Offkiibach, 20. Febr. 1913. In der Schuhfabrik Liebmann (Hafsia) sind heute 280 Schuhmacher in den A u s st a n d getreten, nachdem die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die entstandenen Lohndifferenzen zu keinem Ergebnis geführt haben.

ob. Frankfurt a. M, 19. Febr. 1913. Die Milch­zufuhr nach hier ist gegenwärtig so groß, daß til» weise ein Ueberfluß vorhanden ist, der auch schon preisdrückend gewirkt hat, leider aber nur auf die Händlerpreise. Durchweg wird die Milch von den Produzenten, soweit keine Verträge vorliegen, zu 14 P'ennig das Liter angeboten. Das Pub ikum muß jedoch nach rote vo 24 Pfg. be-ahlen, da die Händler kontraktlich bis zum Mai gebunden sind. — Die Senckenbergische vaturforschende Gesell­schaft, 'die beute ihre Generalversammlung abhielt, bat im vorigen Jahre eine ungewöhnlich-' Bereicherung ihrer Sammlungen erfahren. Am 23. September schloß die Gesellschaft den Vertrag mit der Stadt, durch den sie alle ihre Institute der zukünftig n Uni­versität zur Verfügung stellt. Der Haushaltsplan der Gesellschaft, die gegenwärtig 1358 Mitglieder zählt, weist sür 1913 in Einnahmen und Ausgaben 142 823 Mark auf. Das Museum wurde 1912 von 65 275 Personen besucht.

* Frankfurt, 19. Fe br. 1913. Die seit dem 27. D'zember verschwundene 16jährige Dora Grün­feld aus Würzburg, die hier bei Verwandten die Weihnachtstage verlebt hatte, wurde am 10. Februar als Leiche aus dem Main gezogen. Einige Wochen zuvor war eine Freundin der Grünfeld, Namens DuskeS, deren Schwester in Brasilien ein öffent­liches HauS betreibt, verhaftet worden, weil man sie im Verdacht hatte, das Mädchen nach Brasilien verschleppt zu haben. Der Liebhaber der DuSkes, der Mädchenhänvler Bachert aus Brasilien, war schon 5 bis 6 Mal in Frank­furt, um .Waren" z« holen. Die Duskes steht auch in Beziehungen zu einer Familie in Antwerpen namens Fink, früher Führer. Diese Leute fahren öfter mit Mädchen nach Brasilien und werden nun von der Behörde steckbrieflich verfolgt. Die Duskes selbst wohnt in Offenbach. Em Friseur, der vor einiger Zeit einmal bei der Duskes war, fand dort vier junge ftetnbe Mädchen. Nun hat die Unter­

suchung der Leiche ergeben, daß eine Arsenik- Vergiftung vorliegt. Der Antrag des Verteidi­gers auf Entlaffung der Verhafteten wurde ahgclrbnt, da die Frage noch offen ist, ob nicht ein Giftmord vorliegt. - Unter Ausschluß der Oeffentlichke't ver­handelte das Kriegsgericht gegen den Oberförster- gebilfen und Leutnant der Refeioe im Lanbwehr- bezirk Wetzlar Max Seekt wegen Zweikampfes. Der Angetlogte hat in Marburg mit einem Arzt ein Säbelbuell ausgefochten. Er würbe zu drei Monaten Festungshaft verurteilt.

* An? dem TaunuS, 20. Febr. 1913. Die Königin Wilhelmina von Holland wird am 26. Februar mit der Prinzesin Juliana im Taunus ctntreffen. Von hier aus wird sie sür einige Tage nach dem Haag ,zurückkehren.

__ * Melgershausen, Krs. Melsungen, 20. Febr. 1913. Seinen 80. Geburtstag feierte gestern bei beitet Gesundheit der Landwirt und Auszüger Eiffert. Als Kreisboniteur ist Eiffert in weiten Kreisen bekannt.

* Kastel, 20. Febr. 1913. In einer hiesigen Fabrik fprang gestern beim Abbrcchen eines Eisenleiies ein Stückchen Eisen ab und dem Schlaffer K. in's Äuge, sodaß er das Auge einbüßle. — Unter dem dringenden Verdachte, einen Meineid vor dem Schöffengericht gcschwoien zu haben, wurde ein in der Altstadt wohnendes Ehepaar B. festgenommen. Nach der Vernehmung wurde die Ehefrau wieder auf freien Fuß gesetzt, dagegen der'Mann als des 'Mein­eids dringend verdächtig in Haft behalten. — Gestern nachmittag wurde in der Nahe der Grauen Katze die Leiche eines jungen Mädchens aus der Fulda ge« ländet. Es wird angenommen, daß cs sich um Selbstmord handelt. — Eine Veriammlung von Industriellen aus Kassel und Umgegend hat die Gründung einer Ortsgruppe Raffel des Verbandes Mitteldeutscher Jnoustriellen beschlossen.

§§ Kastel, 29. Febr. 1913. Die heutige Stabt« verordneten-Versammlung bewilligte zu Ehren bes Mbthemalisch-Mechanischm Jnftituis von F. W. Breithaupt u. Sohn 300 Mark, um eine Broncetafel mit Wwmnng im Rathause anbttngen zu können. — Die Wanderarbeitsstätte in Bettenhausen, die von den Kreisen Witzenhausen, Eschwege, Melsungen, Wolfhagen, Hofgeismar und Kaffel-Stadt und «Laub beschickt wirb, hatte im ab« gelaufenen Berichtsjahre 5676 Wanderer und 40 Kolo­nisten bef-täftigt; Die Verpflegung dieser' Leute er« forbktle 43256 Mark, während aus den geleisteten Arbeiten der Wanderer und Kolonisten insgesamt 29 340 Mark einglngen. Es wurde sonnt ein Zu­schuß von 13 916 Mark erforderlich und von diesem übernimmt bet Bezirksausschuß für ben Reg.-Bez rk Kassel 8000 Mark, bie betet igten Kreise zaqlen 2416 'Mark und die Stadt Raffel 3500 'Mark.

♦ Rinteln, 18. Febr. 1913. Im hiesigen Landtag?- Wahlkreis haben die vereinigten Fortschrittler und Ralionalliberalen Prof. Dr. Rade aus Marburg als Landtagskandidaten aufgeftelit.

♦ Aus dem Gelstertal, 20. Febr. 1913. Durch die Arbeiten beim Bahnbau der Gelstertalbahn Vel­meden—Eichenberg veranlaßt, scheint man an eine Ausbeutung der in dstfer Gegend reichlich lagernden Bodenschätze ernstlich herantreten zu wollen. So hat sich eine auswärtige Firma um das Schürf- r e ch t für ein großes Gelände in Dohrenbach bewor­ben Verschiedene aus diesem Gelände entnommene Proben sollen das Vorkommen von Kupfer- und an­deren Erzen bestätigt haben.

♦ Spiekershausen, 20. Febr. 1913. Beim Nieder« legen der Wehrböcke bei hiesiger Stauanlage wurde heut« die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Dasselbe soll identisch sein mit dem junaen Märchen, welches seit ungefähr drei Wochen in Raffel vermißt wird.

* Hann.-Münden, 20. Febr. 1913. Am Dienstag fand am hiesigen Gymnasium die Reifeprüfung statt, der sich 16 Oberprimaner unterzogen, die sämt­lich die Prüfung tellanben. — Die schon seit Jahren geplante HaushaltungSschule wird zu Ostern endgiltig eingerichtet werden. Die städtischen Kol­legien bewilligten die auf 2700 Mark berechneten Ronen für die baulichen und inneren Einrichtungen und beschlossen die Anstellung einer Hausbaltungs« lehrerin. — Es steht nunmehr fest, daß bas Müodener Stauwerk schon im Herbst bs. Js. in Angriff ge­nommen wird, weil die geforderten Bedingungen bei mindestens 24 Millionen Kilowattstunden Stromver­brauch als erreicht betrachtet werden können.

* Göttingen, 20. Febr. 1913. In einer sehr be­lebten Straße der Außenstadt wurde durch das mutige Eingreifen eines Oder-Realschülers das durch­gehende Pferd eines Bäckerwagens zum Stehen gebracht und dadurch unabsehbarer Schaden verhütet, da die Ober-Realschüler gerade die Schule verließen und so in die größte Lebensgesaht gekommen wären.

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Tie Erweckung des Volkes regte der im Jahre 1808 zu Königsberg gegründete „Tugendbund", der von dem König Friedrich Wilhelm IV- und der edlen Königin Luise genehmigt und unterstützt wurde.

Zehn Männer, durchweg Schüler des Profeffor Kraus waren es, die den Grund dazu legten. Ms Aufgabe bezeichneten sie:

„Das Volk zum treuen und mannhaften Aus­harren zu ermuntern, die Vaterlandsliebe in ihm zu erwecken und anzufachen, die Hoffnung auf das Nahen einer besseren Zeit, auf Errettung j Deutschlands wachzurufen, mit allen gerechten Mitteln diese Errettung zu erstreben, die Erziehung der Jugend in die Hand zu nehmen, um in ihr ein kräftiges, wehrhaftes und deutschgesinntes Geschlecht zu erziehen und mit allen Kräften allem, was der Erreichung dieser Ziele entgegenstrebte, entgegenzu­arbeiten."

Die bestgesinnten Männer in allen deutschen Landesteileu schlossen sich ihm an und sorgten ins­geheim für die Kriegsbereitschaft. Die Aufgabe war gefährlich und nicht gering. Da entbrannte im Jahre 1812 der Krieg mit Rußland, das dem großen Er­oberer zu Moskau bei den Trümmern der im Brande lodernden Stadt ein mächtiges Halt gebot und zum verderbenbringenden Rückzug zwang. In jener Zeit wandte fick Kaiser Alexander an den oben genannten Frbrn v. Stein, der von Napoleon verbannt in Prag lebte. Auf den Ruf hin folgte er ins russische Hauvt- guart:'r nach Wilna, wo er gegen Ende Mai ein­traf. Am 18 Juni 1812 schrieb er für den russischen Kaiser feine „Denkschrift über die Lage Deutschlands" nieder, welche uns ein getreues Bild der Verbältnisse unseres Vactrlandes gibt, und so uns das rechte Ver­ständnis für die kommenden Dinge übermittelt. In dem denkwürdigen Schriftstück heißt cs u. a.:

„Da alles den Ausbruch des Krieges ankündigt, fp ist es nötig, die Möglichkeit zu untersuchen, die Kräfie Deutschlands zu Gunsten Rußlands und sei­ner Verbündeten wirksam zu machen; sie stehen jetzt zur Verfügung Napoleons und cs kommt darauf an, Mittel zu nnben, um sie aufzulösen oder gegen ihn

0 Erinnerungen an die Freiheits­kriege.

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®ie Lage Deutschlands vor der Erhebung.

Es ist kein freundliches Bild, welches unser Va- inJo < ,r großen Erhebung bot, die int Jahre 1813 das deutsche Volk auf rief, und von heiliger Be- geisterung erfüllt es befähigte, die von dem großen Korsen geschmiedeten Fesseln zu zerbrechen und zu der großen deutschen Einigung den ersten Answß zu geben Auf dtejem traurigen Untergründe aber, der aflen deutschen für immer ein warnendes Beispiel bleiben muß, heben sich um so mehr und heller die tt’eIt&e die Nation, von patrioti­schen Männern wachgerufen, vollbrachte.

. Taz französisch» Joch wurde vom Volke nur mit unterem Murren getragen, die Willkür der eingesetz­ten Deomten und vor allem die Schandwirtschaft, die der traurige Wcstsalenkönig Jerome, Napoleons lunger Bruder, zu Kassel führte, brachte manchem wackern Deutschen das Blut zum Sieden. Aber wan mußte sich wohl hüten, darüber ein lautes Wort »u sagen und die Zahl derjenigen, die ihren Freimut mit harten Strafen und selbst mit dem Tode büßen mußten, war in jenen Tagen nicht gering. Ueber ganze Land hin dehnte sich ein weitverzweigtes Sp i o n a g e s y st e m, dem leider Gottes auch man- mc, allerdings meist fragwürdige deutsche Existenz ihre Dienste hot.

„ langsam, aber von innerer Gewalt getrieben und sicher^ bahnte sich der Befreiungsgedanke Bahn. Preußen war durch den Tilsiter Frieden, wie Napoleon wähnte, .schachmatt gesetzt, indem er ihm ««rj’m Heer von 40 000 Mann ließ.

, . waren ez der edle General v. Scham-

i r it in Verbindung mit dem genialen Staatsmann „ ein, dem wir die Grundgedanken unserer

^'.'-sassung verdanken, die im Stillen durch die Ein- W.-rung der Landwehr dem Staate eine namhafte igbereite Macht heranzogen.

zu richten, indem man die Meinungen zu weit erhebt, daß sie sich offen gegen ihn aussprechen.

Die Stimmung der deutschen Bevölkerung ist gegen die jetzige Ordnung der Dinge und gegen deren Urheber erbittert; sie sieht ihre Unabhängigkeit, ihr Blut, ihr Vermögen dem Vorteil der Fürsten ge­opfert, welche sie verraten haben, um ein augenblick­liches Dasein zu fristen; sie wird durch fremde Hor­den unterdrückt, gequält und beleidigt, sie wird ge­zwungen, gegen Völker zu kämpfen, die teils ihre natürlichen Verbündeten, teils in keiner feindlichen Beziehung zu ihr sind; alle Einrichtungen, alle alten Gebrauche sind vernichtet, und es bleibt keine Spur des Glücks übrig, welches diese zahlreiche und gebil­dete Nation vor zwanzig Jahren genoß. Der Adel sieht sich seiner Vorrechte und der glänzenden Stel­lungen beraubt, welche die Kirche und die Ritterorden ihm barboten, er sieht sich der Konskription unter- wogen mit einer Härte, wie nicht einmal in Frank­reich: der Landrnann wird durch Steuern und Ein- quartierungen erdrückt; jeder Handelszweig ist ver­nichtet oder in Schleichhandel verkehrt, die Fabrik­werkstätten stocken infolge des ausschweifenden Kon­tinentalsystems, welches die Bande zerreißt, die man seit drei Jahrhunderten mit Amerika anzuknüpfen gearbeitet hat. Man betrachtete bisher diesen Welt­teil als einen wirksamsten Beförderer der Bildung, welchem man eine fortschreitende Zunahme der Zah­lungsmittel und eine Vervielfältigung der Gegen­stände des Tausches und Genusses verdankte; aber ein von Ehrgeiz geblendeter Mann unterstützt durch die Feigbeit der Fürsten, welche er unterdrückt, zer­reißt diese Berhältniffe, macht Europa arm und führt es der Barbarei zu. Durch diese gewaltsame Ordnung der Dinge leidet vorzüglich Deutschland, dessen gewerbliche Erzeugnisse großenteils in Ainerika verbraucht wurden, und diese Quelle des National- reichtums ist jetzt völlig verstopft.

Eine unruhige, tyrannsschc, mißtrauifche Polizei überwacht die öffentliche Meinung; Literatur, Brief­wechsel, öffentliche Lehrstühle, alles ist ihr unter­worfen: das gesellige Zutrauen, alle Bande der Freundschaft werden zerrissen, erschwert, und in bie«

eine Ortszulage von tätlich 0,50 Mk. gewährt; die Bier- jährig.Fretwilligen erhallen im vierten Dienftjadre eine Ortszulage von täglich 1,50 Mk. Meldungen mit ge­nauer Adresse sind' unter Beifügung eines vorn Zivil« vorfltzenden der Erstitzkommiffon ausgestellten Melde­scheines zum freitoiüigcn Dienneintritt aus drei bezw. vier Jahre an das Kommando der Stammabteilung der Malrojrnarlillerte Kiautschou, Cuxhaven, zu richten.

Lokaler.

Fulda, 21. Februar 1913.

"7* Versetzt ist der Gerichtsassistent Vogt von Wmdecken zum 1. Avril an bas Amtsgericht Fulda.

« Filde als Ankerplatz tür Lifftjayrzeuge. Von maßgebender Stelle ist Fulda als geeigneter Anker­platz für Luftfahrzeuge ins Auge gefaßt worden. Der Magistrat hat sich bereit erklärt, die nötigen Vor­bereitungen ,u treffen. Es handelt sich um ein Ge­lände von 500 Meter im Durchmesser, und dem Ver­nehmen nach soll der Exerzierplatz hinter dem Neuen­berg hierfür ins Auge gefaßt sein. Die Herstellung der notwendigen Erdarbeiter!, Befestigung der Schwellen rc. soll die Stadt übernehmen.

X Die Goldene Staatsutedatlle wurde dem Herrn H. Herget- , doa, 'Mitglied des Militär-Bciestanben- Vereins ,Kriegspost".Fulda, für größte Flnggeschwin- digkett seiner Tauben bei der Flugtour ab Straß­burg vom Rriegsm-nisterium verliehen. Um die betreffende Meda'f» konkurierten etwa 80 Vereine mit mehreren tamenb Tauben. Die Briestauben- Bereine stellen sich al? Hauptaufgabe, ihre Tauben ,1S sichere Tepeschenträger herzurichlen, da dieselben vom KriegSministerium int Falle eines Krieges sofort eingezogen und für solche Zwecke verwandt werden. Trotz Flugmaschinen und drahtloser Telegraphie zeigt da? Kriegsmimfterium größeres Interesse für das Brieftaubenroesen als je zuvor. Für das kommende Flugjahr, weiches anfangs April beginnt, ist als Bnbiour Danzig — 730 Kilometer Luftlinie — vorgesehen.

-t- Die mündliche Abschlußprüfung am hiesigen Gymnasium wird voraussichtlich heute abend nach bittlägtaer Dauer zu Ende gehen.

-ff- Der liitfigt Vinzenz-Verein wird seine diesjährige Generalversammlung mit Rücksicht aus die Feier der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Ferdinand Ozanams, des erfktt und hervor­ragendsten der Gründer des Binzenz-Vereins (23. April), am Dielten Sonntag nach Ostern, am 20. April, adhalten. Pieläivoll begeht die ganze große Brüder­gemeinde des Vmzenz-Bereins aut dem weiten Erden­rund diesen Tag in festlicher Weise. Dem Ausruf des Zenlralausschusses der Vinzenz - Vereine für Deut! i land entnehmen wir no*h folaerr-e Angaben: Allen Daran wird der Generalrat in Paris alles aufbieten, um die Feier in einer des großen Toten wür­digen Weise zu gestalten. Tas Fest an der Wiege un­seres Vereins erhält noch einen besonderen Glanz durch die rinwesenheit des Kardinals V a n u t e I li und drei anderer Kardinäle. Als päpstlicher Gesandter wird Eminenz Vanutelli bei der Jubelfeier in Paris den Ehrerworsitz übernehmen.

DaS Vorbild von Paris und der Aufruf dc? General- ratS haben in der ganzen Welt in den Kreisen des V. V. begeisterte Zustimmung geweckt. Auch in Deutschlands Gauen rüstet man sich seit langem zu dem Ehrentag. Da darf keiner fehlen. Auch die letzte Konferenz im entferntesten Dorfe muß es begeistert fühlen an diesem Tag: Heute feiern wir einen wahrhaft großen Mann, der unauslösck-liche Ansprüche an unsere Liebe und un­sere Dankbarkeit hat.

Dem Geiste des D. V. entsprechend sei die Feier schlicht, aber würdig, Don erhabener Einfachheit, voll Wärme und Weihe! Wahrlich, eine beneidenswerte Ge­legenheit, auch die weitere Oeffentlichkeit, die dazu ent­sprechend eingeladen werden muß, für den Vinzenz- gedanken zu gewinnen, wenn der Festredner nicht nur ein Lebensbild Ozanams gibt, sondern Dor allem auch ein praktisches Ozanamprogramm für die Gegenwart auf­stellt, wenn er zeigt, daß Vinzenz-Arbeit auch heute noch höchst zeitgemäß ist und segensDoll wirkt, sofern sie es nur Derstcht, sich den Bedürfnissen der Gegenwart anzupassen und dem modernen Leben zu dienen. Solch eine Festrede muß unbedingt den Funken der Liebe wecken, der in jeder christlichen, ja in jeder wahrhaft edlen Menschenseele schlummert.

Bei sämtlichen Veranstaltungen ist die Teilnahme aller caritativen Interessierten, niitzt bloß der Mitglieder deS V. V., namentlich auch der Damen des Elisabeth- vereins, dringend erwünscht und erwartet.

Auf denn, du große Gemeinde der Liebe in deutschen Landen l Auf, ihr Brüder, in Stadt und Land! Rüstet euch zu dem hehren Feiertag! Die Welt soll erkennen, daß Wobltun und Armenlicbe bei Gott und Menschen unverwelkliche RubmeStitel sind. Wir aller wollen ler­nen, zu fein, was Ozanam gewesen, zu tun, was er getan und wie er getan: „Pertransiit benefatiendo", „Er ging umher, Wohltaten spendend" (Ap. 10, 38).

2 Fünftes Abonnemkiitsronfert. Den im Saale deS Bürgerveieins zahlreich erschienenen Besuchern deS gestrigen Abonnementskonzertes bot Die Kapelle b«8 hiesigen Feldarttllerie. Regiments wieder einen schönen Genuß. Eröffnet wurde der Abend mit dem .Esperanto-Marsch" von R. M ai er-Fulda. Die Komposition entspricht allen Anforderungen, die man an einen guten Marsch stellt. Sie ist rbyth- misch fest geformt, von edler Klangfarbe, rouchlig tuftrumrntiert, und das Trio gefällt durch seine ange­nehme MeloDtk. Dte Kapelle spielte Den Eiperanto-

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