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Fuldaer Zeitung

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Br. 43

Crstes Blatt.

Freitag den 2b Februar 1913»

40. Zahrgang.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 20. Febr. 1913.

Zunächst wird die revidierte Pariser Heber» ein tun ft zürn Schutze des gewerblichen Eigentums sowie der Gesetzentwurf zur Ausführung der lieberem» lunft in dritter Beratung endgiltig angenommen.

Sodann wird dem Gesetzentwurf über die Verlegung der d e u ts ch - ö st e r r e i ch i s ch e n Grenze bei Ham- ^ier-llnterwiesenthaI-Weipept nach unerheblicher Debatte in erster und zweiter Lesung angenommen.

Alsdann wird die Beratung des Postetats fortgesetzt, und zwar wird zunächst über alle zur

O st markenzulage

gestellten Anträge namentlich abgestimmt. Der An. trag der Nationalliberalen, der unwider­rufliche Zulagen in allen gemischtsprachigen Teilen des Reichsgebietes fordert, wird mit 213 gegen 142 Slim- «en bei einer Stimmenthaltung a b g e l e h n t.

Der Antrag der Reichspartei, der Konservativen und der Wirtschaftlichen Vereinigung, der für den gleichen Zweck 2 Mill. Ml. für die Provinz Posen, die gemischt­sprachigen Gegenden Westpreutzens und Elsatz-Lothrin- genS fordert, wird mit 209 gegen 148 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt.

Der Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei auf Be­willigung der Ostmarkenzulage nach der Vorlage wird mit 211 gegen 141 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Ostmarkenzulage ist somit abgelehnt.

Zum Titel Beihilfe an betagte Pensionäre liegt eine Resolution der Konservativen vor, die Voraussetzungen und die Bemessung der. für den Fonds der AItpeir- fionäre zu gewährenden Unterstützung, sowie des Ver­fahrens zur Feststellung der persönlichen Verhältnisse durch allgemeine Grundsätze zu regeln und diese Grund- sätze dem Reichstag noch im Laufe der gegenwärtigen Tagung mitzuteilen, sowie im laufenden Jahre die er­forderlichen Ueberschreitungen der betreffenden Fonds eintreten zu lassen und im nächsten Jahre die Fonds angemessen zu erhöhen.

Die Resolution wird nach kurzer Debatte, in der die Abgg. Erzberger (Z.), Becker (natl.) und Kopsch (Vp.) chr zustimmen, an die Budgetkommission der- wiesen und der Titel bewilligt.

Einige Titel werden ohne erhebliche Debatte be­willigt.

Beim Kapitel „Telegraphie" begründet

Abg. Werncr-Hersfeld (SB. 93.) eine Resolution Mumm, die Kosten der ärztlichen Untersuchung bei der etatsmäßigen Anstellung der Telegraphenarbeiter auf die Staatskasse zu übernehmen.

Abg. Behrens (W. 93g.) begründet eine Resolution, die Erwägungen darüber verlangt, inwieweit den Ar­beitern der Telegraphenverwaltung ihre zurückgelegte Dienstzeit auf das'Dienstalter angerechnet werden kann.

Eine weitere Resolution Ablaß fordert die Anrechnung eines angemessenen Teils auf das Dienstaller.

Abg. Heckmann (natl.) begründet eine Resolution be­treffend Erhöhung der Löhne und Zulagen der Tele- graphenarbeiter und Fortfalls der Sonntage als Ur- laubstage.

Staatssekretär Krätke: Die Einstellung der Arbeiter wird in den anderen Verwaltungen ebenso gehandhabt wie bei der Post und eine Untersuchung würde besonders für einen fronten Arbeiter eine Härte bedeuten.

Abg. Jckler (natl.) erklärt, daß bei den gestiegenen Kosten der Lebenshaltung eine Erhöhung für die Tele­graphenarbeiter am Platze sei,

Abg. Zubeil (Soz.) stimmt dem Vorredner zu.

Staatssekretär Krätke: Rur 9 bis 10. Proz der Ar- beiter verdienen weniger als 3 Mk., zudem ist anerkannt worden, daß die Löhne in den letzten Jahren dauernd gestiegen sind.

Abg. Behrens (W. 93.) begründet die Forderung der Resolution Heckmann auf Schaffung einer Kleiderkasse für die Telegraphenarbeiter.

Abg. Dr. Oertel (k.): Wir möchten uns dem Vor­gehen jener Kollegen nicht anschlietzen, die sich alle Forderungen ohne weiteres zu eigen machen.

Der Graf von Tarent.

48] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

„Wann gedenken Sie denn in Genua einzutref­fen, mein lieber Herr von Meneville," begann er aufs neue.

„Nicht vor etiva zehn Tagen."

Der Blick des Prinzen klärte sich auf. „Ah, wie schade, da bin ich vor Ihnen t-r1 und muß auf Er- Mung meines Lieblingswunschcs einige Zeit län­ger warten."

„Ich verstehe nicht, Monseigneu-." Der Hans- Herr lehnte sich nun in seinem Fau'-il zurück und schaute dem Baron voll ins Gesicht. „Die Sache ist leicht erklärt, ich fühl? ein lebhaftes Interesse dar- an, die unglückliche Gräfin Tarent kennen zu ler- •en, der ein grausames Geschick den Gatten so schnell genommen. Die Sache wurde unlängst besprochen in unserem Kreise, wie Sie sich erinnern werden. Darf ich auf Ihre Güte rechnen, daß Sie mich mit der bedauernswerten Dame bekannt machen?"

Meneville murmelte eine unverständliche Ant­wort. Ein beklemmendes Gefühl war plötzlich über chn gekommen, der Gedanke, den Prinzen von In­dien im Schlöffe Tarent einzusühren, hatte ewaz Un­angenehmes für rhn. Er wußte nicht, warum, aber er konnte kaum die Idee fassen, daß dieser rätselhafte Mann überhaupt nach Genua gehen wolle. Meneville erinnerte sich, wie bestürzt er selbst gewesen war, als er dem Prinzen zum ersten Male gegenüber getreten ivor, wie er damals geglaubt hatte, Verschiedenes, das dem verstorbei.en Tarent eigen gewesen, an die- fem Fremden wieder zu erkennen. Wie würde sein Anblick auf Anira von Tarent wirken, das schöne -ä?eib mit der furchisamenSeele? Dazu der dämonische Etnfluß, der von diesem Mann? ausging, und dem er selb't wiederholt erlegen war, seine Gabe, über Dinge »u sprechen, die er selbst nicht gesehen haben konnte und doch vollkommen bis ins genaueste Detail mit» ^'len konnte. Dann ein anderes: wie würde sich Anita von Tarent zu ihm stellen, dem fremden Mär-

Sämtliche Resolutionen werden angenommen.

Beim Titel „Zuschuß zu den Kleiderkassen" führt

Abg. Ehrysant (Z.) aus, daß seine Partei eine Ein- gäbe des Hauptverbandes deutscher gewerblicher Genos­senschaften, die Bedingungen bei Lieferun­gen der Reichspostverwaltung zu Gunsten des g e w e rb- lichen Mittel st andes zu ändern, nachdrücklichst unterstützen werde. Eine Verfügung der ReichSpostver- wallung vom 22. Januar trage einem Teil der Wünsche Rechnung und könne für die im nächsten Jahre neu erfolgenden Ausschreibungen der Kleiderlieferungen zu Grunde gelegt werden. Er vermisse jedoch noch eine Milderung des § 10 der Bestimmungen.

Abg. Bartschart (Vp.) begründet eine von allen bür­gerlichen Parteien unterstützte Resolution, bei Vergebung von Lieferungen, die Berufsorganisation und Genossen­schaften der Hausarbeiter zu berücksichtigen.

Die Resolution wird einstimmig angenommen und der Rest der dauernden Ausgaben devartclos bewilligt.

Der Etat der Reichsdruckerei wird debatteloS angenommen.

'Freitag: Fortsetzung.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 20. Februar 1913.

Der Handels- unb Gewerbeetat wird weiter beraten.

Abg. Rahard (fit): Die Erteilung von Hausier» scheinen uno Abhaltung von Jahrmärkten foUte z> m Schutze Der anfä'figen Gewerveirerbenden von der Be- fcürtniefrage abhängig gemacht werden. Eine strenge Abgrenzung des Begriffs „Fabrik und Handwerk" |ei nötig.

Abg. Rosenow -93p.) verlangt Revision der Zoll­gesetzgebung, ist bei der Konkurrenzklauftl für eme Mittellinie zwilchen den Jnieressengegenlätzen von Arbeit­gebern und Arbeitnehmern und hält die bestehenden Slralgesetze zum Schutz der ArbeuSwilligen vollauf genügend. Das Verhalten des Hondelsmimsters betr. der Zulassung der Erdölaktten enftpräche nicht dem Gesetze.

HandelSminisier v. Eydow erklärt, dab nach dem Bölsengeletz die Landeszentratuehörde die Genehmigung der Börsenordnung und em Entscheidungsrecht über Die Zulassung von Aktien an der Börse habe.

Abg. Borchardt (Soz.): Kein Redner der bürger­lichen Parteien hat ein Wort für die Arbeiter gefunden; alles spricht nur vom Mittelstand, daS ist bezeichnend. Die Wirtschaftslage ist glänzend. DaS Kapital der Ak- tiengesellsck,asten schneidet brillant ab, im Durchschnitt mit 8,1 Prozent. Wo bleibt aber der Anteil der Arbeiter an der glänzenden Geschäftslage? Die MittelstandSfor. berungen sind im Grunde die: Wer dem Handwerk Konkurrenz macht, muß ins Zuchthaus. Der Mittelstand geht doch zu Grunde.

Abg. Karow (kons.): Die Sozialdemokraten möchten den Mittelstand ganz beseitigen. Wir wollen auS dem Proletariat Männer zum Mittelstände heranziehen. Der Hausierhandel ist eine Landplage. Der geheime Waren­handel bei den Post» und Eisenbahnbeamten muß ver­boten werden. Die Bäckereiverordnung gibt immer noch Anlaß zu Beschwerden.

Abg. Euler (Z.) betont daS Verdienst der Konserva­tiven und deS Zentrums um das H a n d w e r k. In den Fortbildungsschulen sollten praktisch vorgebildete Handwerksmeister und akademisch gebildete Lehrer heran­gezogen werden. Die Köche, Zahntechniker, Architekten sollten zu den Handwerkern gezählt werden. Besonder» für die Architekten liege ein öffentliches Interesse vor, wenn auch sie unter daS Gesetz über den Befähigungs­nachweis gestellt würden. Unmündigen sollte ein selb­ständiges Handwerk verboten fein. Bei der Reform deS Submissionswesens müßte man die Handwerker zu Rate ziehen. In der Vorlage über die Pflichtfortbil­dungsschulen soll der Religionsunterricht vorgesehen werden. Einen großen Handwerksbetrieb sollte man nicht ohne weiteres als Fabrik ansehen. Seine Partei habe beantragt, bei der Prüfung der Fabriklehrlinge die Prüfungsgebühren zu verdoppeln. Der BefähigungS. nachweis im Handwerk habe gute Aufnahme gefunden und die Gesetzgebung müsse die bestehenden mittleren Existenzen zu erhalten und zu stärken suchen.

chenprinzen mit dem starren Auge, das bis inS In­nere der Seele zu dringen schien. Während der Prinz sich zur Seite geneigt hatte, um mit einem der Gäste zu plaudern, beobachtete ihn Meneville aufs genaueste. Der Prinz war immer noch ein schö­ner Mann, trotz seiner ergrauten Haare, trotz seiner Furchen, welche die Zeit in sein Gesicht gegraben hatte. Seltsam, wie elastisch seine Bewegungen wa­ren, wie kraftvoll sein Körper zu sein schien, so ganz anders, wie bei Leuten in seinem Alter.

Der Baron mußte sich gestehen, daß dieser ge- heimnisvolle Mann wohl geeignet war, einen tiefen Eindruck auf -'ne Frauenseele hervorzurufen. Dazu der fabelhafte ch-ichtum, den er besä', . . Mene­ville erinnerte ich mit Unmut in diesem Augenblicke, daß seine Geliebte da? Geld liebte rn' daß ihr Herr an reichem Schn—cke hing. Wenn si- einen Vergleich anstellte zwischen ihm, dem armen Landedelmänne, und diesem Aaubervrinzen mit d"m irauerumflorten Auge, mit dem geheimnisvollen Dasein, wie wü'de ihr leichter Sinn -"tscheiden? Zum ersten Male beschlich ibn ein Gefühl des Unmutes darüber, daß die Geliebte so ganz anders geartet war, wie andere Frauen. Zweifel fraßen ihm an der Seele, ihm war su Mute, als berge die nabe Zukunft nicht? Gutes Str ihn im Schoße. Aergerlich gedachte der Baron des ussvruches der alten Giftmischerin, ein früher Tod erwarte ihn. Der Unkenruf tönte nach in seinem Innern Denn et auch nicht daran glaubte, ver­gessen konnte er den Ausspruch der Alten doch nicht. Wenn er das Schicksal Tarents teilen sollte, jung ab­zusterben? . . . Der Gedanke machte ihn erschau­dern, ht diesem Moment wurde er sich darüber klar, daß er Furcht vor dem Tode empfand.

In diesem Augenblicke wendete der Prinz ihm das Gesicht zu.

„Herr von Menevtlle, Sie sind nicht der, als den ich Sie kennen gelernt vor kurzer Zeit," sagte er. „Sie sind ein recht stiller Mann geworden und be­teiligen sich kaum an der Konversation. Meinen Weinen tun Sie auch schlechte Ehre an; ich empfehle Ihnen ein' paar Gläser Dguem, es ist ein köstlicher

Abg. Dr. Schisserer (natl.): Für die unabhängig voneinander erbauten elektrischen Ueberlandzentralen soll­ten einheitliche Normativbestimmungen erlassen werden. Er erkennt den Nutzen der Syndikate an und wünscht die Unterstützung deS Ministers bei ihrem Wiederzu- standekommen. Ferner ist er für Beibehaltung der bis­herigen Wirtschaftspolitik und noch größeren Anteil der Arbeiter an dem wirtschaftlichen Aufschwung.

Freitag: Wassergesetz, Rawagesetz, Oder-Regulierung und Petitionen.

K Zollern und Welfen.

Unter den »Hof- und Personalnachrichten" bringt die halbamtliche ,Nordv. Allg. Ztg' eine Mit­teilung, die bei ihrer volttlschen Bedeutung rigent- lich auf die erste Seite gehört:

Die Kaiserin wird mit der Prinzessin Viktoria Luise demnächst zu einem Besuch bei dem Herzog und der Herzogin von Eumberland in Gmunden einlreffen. Im Lauie des Monats März werden der Herzog und die Herzogin von Cumberland dem Kais er paare einen Besuch tn Potsdam abftatten.

. Daraus sieht man, daß die Verbindung der beiden Fürstenhäuser, zu der durch die Verlobung in Karls­ruhe der hoffnungsreiche Grundstein gelegt wurde, sich in der erfreulichsten Weise auSdildet.

Bei dem Verlobungsakie war der Herzog von Cumberland persönlich nicht zugegen gcroejen. Wer bis Eigenart des Herzogs und fern dlshrriges Ver­halten gegenüber höfischen Begegnungen und Festlich­keiten kannte, wußte diese Zurückhaltung richtig zu deuten. Sie wurde aber mehrfach falsch ausgelegt. Ter Herzog gab dann tn verschiedenen Kundgebungen seiner Freude über daS Glück der Kinder unb die Verbindung der beiden Fürstenhäufer so warmen AuSdruck, daß auch der letzte Zweifel schwrnden mußte, als ob feine Genehmigung zur Verlobung nicht aus vollem Herzen und rückhaltloser Willens- Meinung entsprungen fei. Demzusolge tonnte man ruhig adwarlen, wie der persönliche Verkehr zwischen dem Kaiser und dem Herzog zuwege kommen werde. Das jetzt verkündigte Arrangement macht dem Takte und der Weisheit beider Teile Ehre. Dte Hobe Braut wird von ihrer Mutter dem künftigen Schwiegervater tn die Arme xesührt, und der Herzog stauet dem kaiserlichen Brautvater in Potsdam seinen Besuch ab. So ist alles in schönster Ordnung, und das wettere wird sich umso schneller und besser finden, je inniger sich der Meinungsaustausch zwischen den treiben Fürsten gestaltet.

Die moderne Strömung will die dynastischen Ein­flüsse aur die Politik ausschalten und alles ausschließ­lich dem ministeriellen Betrieb überlaflen. Im vorliegenden Fall zeigt sich, daß doch unter Umstän­den die vielbekrittelte dynastische Politik die Fehler und Mängel der ministeriellen Politik in heilsamer Weise zu ergänzen und zu verbessern vermag. Durch den scharfen Bundesratsbeschluß von 1907, den uns Fürst Bülow neben anderen Früchten als „Stactts- weisheit" hinterließ, war die sogen, welsische Frage, der wünschenswerte Ausgleich zwischen Berlin und Gmunden, auf einen toten Strang geschoben. In­dem der Kaiser die Herzensneigung zwischen dem letzten Welfenprinzen und seiner Tochter in groß­herziger Weise genehmigte und zur Verlobung führte, brachte er den verfahrenen Wagen wieder auf den gedeihlichen Weg. Was kein Verstand der verstän­digen Minister sieht, kann durch die Ahnungen kind­licher Gemüter angeregt und durch das von Vater- liebe und Herrscherklugheit zugleich diktierte Eingrei­fen des Monarchen durchgeführt werden.

Der Kaiser hat sich um den inneren Frie­den ein großes Verdienst erworben, als er, über mannigfache Hindernisse und Hemmungen hinweg, diese Versöhnung der beiden alten Fürstenhäuser und die Ausschaltung des letzten Restes des Bruderzwistes von 1866 in Gang brachte. DaS Volk hat sein Ver-

Tropfen, und ich habe denselben selbst auS Süd- frankreich mitgebracht."

Sofort brachte einer der Diener auf einen Wink des Prinzen den Wein, und Meneville ließ sich den Decher füllen und trank mit Behagen.

„Monseigneur haben Recht," entgegnete er. „die- er Wein ist köstlich und bringt das Blut in Wallung, obald er durch die Kehle fließt. Wenn ich nicht rede- ustig bin, wie früher, dann bitte ich um Entschul­digung, 'ch suhle nrt(6 nicht ganz wohl. Ich habe mich gestern der Naa'Irft ausgesetzt und fürchte, eine Erkaltung davon getragen zn haben."

Schweigend betrachtete >bn der Prinz.. Das war wieder der" Blick, den er so fehr fürchten ge­lernt. Dies-r schien in lein Innerstes zu drin­gen. Plötzli^ sagte der Prinz, aufsallend laut und bedeutungsvoll:

„Auch ich glaube, d'-> Nachtluft schädlich ist, nur unoern setze ich mich derselben aus. Doch be­drückt Sie anderes, ich lese es bcn. Ihrer Stirn». Erinnern Sie sich, lieber Baron, daß ich schon Proben abaelegt, welche dartun, daß ich das zweite (Besicht babe und in die Vergangenheit und Zukunft schaue. Das Sie gehört haben in letzter Nacht, das wird sich erfüllen."

Alle waren still geworden und schauten auf die Veränderung, welche im Gesichte des Barons vor sich ging. Dieser war plötzlich kreidebleich geworden, und entsetzt schaute er auf den Prinzen. Wußte dieser Mann olles, konnte er die Gedanken lesen?

„Ich versiebe Sie nicht, Monseigneur", stammelte er unsicher. „Sie sprechen in Rätseln."

Der Prinz antwortete nicht, und Meneville war besten froh. Er fluchte der Stunde, da er diesen Mann zuerst kennen gelernt, der es sich zur Ausgabe gestellt zu hoben schien, ibn in fortwährender Unruhe und Bestürzung zu halten.

Wie konnte dieser fremde Mann wissen, Wa8 zwi­schen ihm und der alten Hexe vorgefallen? Es war ganz unfaßbar, unerklärlich. Plötzlich erinnerte er sich der Reitergruppe, die in der Nacht seinen Pfad zweimal aekreurt hatte-

ständnis und seine Dankbarkeit für diese großherzige Friedenspolitik sofort lebhaft bekundet.

Möchten nun gewiffe Eiferer und Quertreiber, die sich ,national nennen, auch wenn sie die Bürger gegen einander hetzen, die gewohnten Ausfälle gegen die „Welfen" und deren angebliche Genossen endlich einstellen. Man sieht doch, daß nicht alles „reichs- und staatsfeindlich" ist, was in der Hitze des Ge­fechts mit diesem Titel versehen worden ist.

Wie schön und segensreich würde es sein, wenn die frieden stiftende Kraft und Weisheit der Krone auch auf den andern Gebieten des „inneren Kampfes" eingreisen und die kurzsichtige Politik der Minister und der Parteien in den rechten Weg in Beruhigung und Sammlung leiten wollte! Wir wollen nur daran erinnern, daß der verschär- gnde Bundesratsbeschluß vom vorigen Jahr in achen der Jesuitenverfolgung ebenso korri­giert zu werden verdient, als der Bülow'sche Burdesratsbeschluß von 1907 wegen des welfischen Erbrechts.

Der schönste Titel für den Monarchen lautet Friedenskaiser.

Deutsches Reich.

r-\- Zur Deckungsfrage.

Man schreibt uns aus Berlin: Im Reichsschatz­amt sind nunmehr, wie beftimmt verlautet, zwei Be­sitzsteuervorlagen ausgearbeitet worden, eine Reichsvermögens zu wachs steuervorlage unb eine Erbanfall steuervorlage, die in allernächster Zeit dem Bundesrat zugehen sollen. Auf Grund unserer Kenntnis der Sachlage möchten wir jedoch eher der Annahme zuneigen, daß dem Bundesrat zu- nächst nur die Vermögenszuwachssteuervorlage zur Beratung vorgelegt werden wird. Bei dem bekann­ten Widerstand einer größeren Anzahl von Bundes­staaten muß allerdings mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß auch die Erbanfallsteuervorlage dem Bundesrat-später vorgelegt wird.

Wie wir ferner noch erfahren, steht der Inhalt der neuen Wehrforderungen nunmehr end­gültig fest, obwohl die Höhe b?r einzelnen Posten noch nicht mit Sicherheit übersetzen werden kann. Die gesamten Neuforderungen werden sich aus rund 150 Millionen Mark belaufen.

*♦ Tie Lnstslottknvsrlcge.

Wie die «Tägliche Rundschau' missen will, sollen die 20 Millionen, die im Nachtragsetat für Luft« schiffzwecke verlangt werden, wie folgt verwandt werden: ES sollen drei Zeppeline, ein Schütte-Lanz und ein Parseval gebaut, der Mannschaftsstand der drei Luftlch.ffer-Bata,klone vermehrt und die nötigen Kasernen gebaut werden. Weiter soll die Döberitzer Militärschule zur Ausbildung von O fizieren und Mannschaften im Flugwesen vergrößert werden. Dazu kommt eine erhebliche Anzahl Flugzeuge nebst den dazu gehörigen Schuppenbauten.

*♦ Berlin, 20. Febr. 1913. Der König unb die Königin von Dänemark werden am Montag nachmittag in Berlin eintreffen. — Die nächste Sitzung deS HerrenhauieS ist auf Mittwoch, den 12. März festgesetzt. — Sein fünfzigjähriges Priester- judiläurn feiert am 2. August ds. Js. der verdiente Landtagsabgeordnete des Zentrums, Dr. Dittrich- Braunsberg.

3m Reichstag sind gestern die Würfel über die Ostmarkenzulage gefallen. Schon während der verflostenen Tage könnt» kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß die Ostmarkenzulagen im Reichs­tage mit großer Majorität abgelehnt würde, denn nicht nur die Polen, fonbern auch das Zentrum und

„Hoheit, wollen Sie mir eine müßige Frage er­lauben?" wendete er sich an den Hausherrn.

Der Prinz von Indien wendete ihm das Ge­sicht voll zu. „Mit Vergnügen, Herr von Mene- Ville."

„Haben Sie in vergangener Nacht einen Ritt durch die Umgebung Roms unternommen? Ich meine die Gegend westwärts über den Tiberfluß."

Der Angeredete schaute »rPaunt. Dann wendete er sich an den Herzog Tesia. „Mein Herzog, wann haben Sie m«ch gestern nacht verlassen?"

„ES mag elf Uhr gewesen fein, Hoheit, recht ge­nau tonnte ich die Zeit nicht angeben. Wir haben uns vortrefflich unterhalten über jene Zeit, da wir unS am Hofe Sr. allerchristlichsten Maiestät in Madrid zum ersten begegneten. Als ich Ihr Haus ver­lassen. blickte ich von der anderen Seite des Platze? zurück, und glaubte zu bemerken, wie die Fenster sich verdunkelten. Hoheit muffen sofort Ihr Lager auf­gesucht baben, atz, .atz, nun erinnere ich mich, daß Sie vorher über Kopfschmerz gellaqt batten im Gesvräch. In der Tat, ich mache mir Vorwürfe, daß ich bis zu so später Stunde Gebrauch gemacht von Ihrer Gast­freundschaft."

„Herr Herzog. Sie sind zu gütig. Als Sie gegan­gen waren, dachte ich in der Tat nicht daran, auSzu- reiten bei Nacht und Nebel. Wie kommen Sie zu der sonderbaren Frage, Herr von Meneville?" wandte er sich an diesen. ,

Der Baron befand sich in Verlegenheit. Er wußte, daß her stolze Spanier sich lieber eine Hand abbacken lassen würde, als eine Unwahrheit zu er­finden, und er dachte nun nicht im Geringsten mehr daran, daß der Prinz zu jener Reitergruppe gehört hatte die ibm begegnet war.

„Ich fragte deshalb, weil mir drei Rett-r begeg­neten, von denen einer Ihnen ähnlich sah, entgeg­nete er „Natürlich war es rin Frrtum."

Vicomte Birio wandte sich nun an den Prin­zen. „Hoheit haben vorhin befohlen, daß ich mit Ihnen auf Reisen geben soll."

(Fortsetzung folgt.)