Fuldaer Zeitung
Donnerstag 23. Februar m3.
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Paares aus einem Teller. Ein altes Volksfest, daS Mc! von seinem ursprünglichen Charakter verloren bat, ist die Kirmes. Leider führten die öffentlichen und im Familienkreise abgehaltencn Veranstaltungen an den Kirchweihtagen nur zu oft zu wilder Ans- gelassenbeit unter dem Einfluß allzu reichlichen Al- koholaenusses. Weiterhin schilderte der Redner eine Anzahl von Gebräuchen, die sich in Anlehnung an Daten des kirchlichen und bürgerlichen Kalenderjah- res eingebürgert batten, so das Abbrennen von feuern und Einfordcrn von Hubeln seitens der Kin- der am Hubeisonntag, das Sveckfabren und Wurst, boten an Schlachttagen, das Anbringen von Kränzen über der Haustür cm Johannistag," das Backen von Kümmelbretzeln jum Reujabrstage und die teilweise recht derben Spöttereien und Wiße in der Walvur- gisnacht. Nachdem er dann noch die mit der freier der Vollendung eines Neubaues verknüpften Sitten, von denen sich das Ausrichten eines Maienbaumes und der Richtschmaus noch erhalten haben, gezeichnet batte, schloß er seine interessanten Ausfübrungcn mit einem erklärenden Hinweis auf die Trachten unserer Großväter und Großmütter. Zur Mustration des lebten Punktes ließ Herr Eduard Schmitt zwei Ge. melde des Fuldaer Malers Witzel zirkulieren, auf d^nen die Trachten der Fuldaer Bevölkerung aus
Jahre 1830 dargestellt waren. Herr Prosessor Vonderau regte an. aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Erbebung Preußens im oberen Saal des städtischen Museums eine Ausstellung von Münzen. Ehrenzeichen. Waffen, Gemälden und Handschriften aus-der Zeit der Frnbeitskrieae zu veranstalten. Düster Gedanke land bei der Versamm- lnna lebhaftes Intercste. Man war allerdings der Ansicht, daß das nötige Material nur schwer zu beschaffen sei, obwohl man bestimmt damit rechnen dürfe, daß eine Reihe wertvoller Dokumente aus jener Zeit in Gemündearchwen des Fuldaer Landes schlummere od'r sich in den Händen von Privatleuten befände Immerhin will man versuchen, durch einen öffentlichen Aufruf die Unterstützung weiterer Kreise für diele Idee zu gewinnen.
X Dir Maul- und Klauenseuchr, die erst vor wenigen Tagen als im Regier.-Bezirk Kassel erloschen aemchdet werden konnte, ist gestern wieder auf einem Gehöfte in Trendelburg festgestellt worden.
(*) Von der Eisenbahn. Für die Einführung von Doppellichtsignalen sind im Etat der preußisch- hessischen Eiscnbahnverwaltung für 1913 nicht weniger als 1400000 Mark bereitaesiellk, für elektrische Sichern n g san lagen 2500000 Mark und für Feuer- und Schneeschutzanlagen 800000 Mark. Es geschieht also sehr viel, um die Sicherheit des Ver« kchrs noch zu beben. — Au?, Interessentenkreisen war bei der preußisch-hessischen Eiienbahnverwaltung die Emstellunr von Speisewagen in oew'sien stark benutzen Eilzügen anoeregt worden. Die Eisenbahn- verwalluna bat dies ab wlebnt mit dem Himufügen, daß bei Einstellung von Speisewagen in Eilzüaen diese a prinzipiellen Gründen in ruichlggspflichtige Schnellzüae verwandelt werden müßten.
= Im Interesse der Vogclbrut und der Obst- kuliur wird an frühere Äegierunasvolizeiverordnnn- äen erinnert, nach welchen das Beschneiden lebendr Hecken während der Zeit vom 1. März bis 31. Juli jeden Jahres verboten ist und in der übrigen Zeit nur mit Heckenscheren und anderen zum ordnungsmäßigen Gebrauche bestimmten Werkzeugen vorgenom- tnen werden darf. Auch ist angeordnet, daß alle vor dem 1. April abwelkenden Obftbäume oder Aeste entfernt werden müssen. Alle nach dem 1 April absterbendcn Obstbäume und Aeste müssen im Herbst beseitigt und int Laufe des Winters verbrannt werden.
'*) Die Fuldaer Aktiendruckerei hält morgen nachmittag 5 Ubr idre ordentliche Generalversammlung in der „Harmonie" ab. Die Tagesordnung ist der Anzeige in der heutigen Nummer ersichtlich.
Der Graf von Tarent.
£?] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
In der Tat kam der Vicomte auf den Baron zu und bot ihm in freundlichster Weise die Hand. Wi- oerwillrg nur gab ihm Mcncville die Hand, am liebsten wäre er ihm an den Hals gesprungen.' Doch ließ er sich nichts anmerken, denn er fühlte, daß fast die Augen aller auf ihn gerichtet waren, als den Mann, der ein großes Vermögen in einer Viertelstunde ver- lprelt hatte.
Die Gesellschaft hatte an verschiedenen Tischen Platz genommen. An dem etnen wurde Ecarde gc- lpiclt, und Mmcville warf einen forschenden Blick äu der Spielergruppe.
»Meine Herren, sehen Sie das Gesicht Menevil- ses an", rief Vicomte Virgo, „er sieht Karten und leine Nüstern blähen sich auf. Ich glaube, er führt llebles im Schilde und will Revanche fordern, schwerlich wird er heute abend aber Hunderttausend ^Us eine Karte riskieren können, so was blüht im ^en gewöhnlich nur einmal. Ah, der glückliche Mensch'." ’
. »Beneiden Sie ihn um seinen Verlust?" wagte eurer bei Nächstsitzenden.
BixioZ Stirne Zeigte sorgenvolle Falten. „Fest ''lochte ich ihn beneiden, denn der Besitz bringt Sor- und raubt den Schlaf."
. Alles lachte. „Ah, ich wollte, ich könnte auch ^chen, meine Herren", fuhr der Vicomte fort, „aber
können sich. in meine Lage offenbar nicht hin- ^uoenken. früher, da ich oft nicht wußte, wen ich ^zapfen sollte um etliche Goldfüchse, die Tante, die Schwester oder die Eousine, da war alles anders, ilch konnte den Schlaf des Gerechten schlafen."
»Und jetzt?" fragte der Prinz lächelnd.
»Ah, Monseigneur, jetzt habe ich Alpdrücken die Mzen langen Nächte, und immer erwache ich am corg,^ schweißbedeckt und entkräftet. Wenns so
geht, sinke ich früh ins Grab." Er stöhnte
2. Slütt.
©rtid der Rulboti Scttmrncerd in tntoa.
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St. Jofephskirche bei allen Gottesdiensten gezeigt. Die bischöfliche Behörde in Limburg hat daher den Bau einer No t k i r ch e für die Abhaltung von .Qin= der- Pa: allelgottesdiensten angeordnet. Dieser Tage wurde nun mit den Vorarbeiten für die Kirche und ein neues Schwesternhaus begonnen. Um die Mittel für eine neue Kirche aufzn' ringen, hat sich in Bornheim schon vor zwei Jahren ein Kirchenbauverein gebildet, besten Mitaliederzahl und Baufonds in stetem Wachsen begriffen sind.
- Witzenhauien, 18 Febr. 1913. Das Basalt- h> e r ? Hestelbühl-Kaukungen suchte in der letzten Zeit wegen der drohenden Erschövfung des Basalt- brvches. Hestelbrühl eine Berpachtung des Bilsteins zu erreichen.. Ter namentlich vom Niederbestifchen Tonristenverein gegen eine solche Berpachtung, die eine Vernichtung dieses herrlichen Bergkegels bedeutet hätte, erhobene einmütige Protest ha» bewirkt, daß dieser Plan fallen gelassen ist. Das Werk hat nun von der Gemeinde Dohrenbach den Unteren Steinberg gegen eine jährliche Gebühr von 500 Mark auf fünf Jahre gepachtet.
.* Kastel, 19. Febr. 1913. Eine Anzahl Pflaster- meister haben bei hem hiesigen Rea'eruna-präsihenten ben Arüraa auf Errichtung einer Zwangsinnung für das Vflistergemecbe gestellt Und zwar nicht nur tür ben Umtang des Stabt- und Landkre ses Staffel, wnberu auch für die an diese Kreise anqren mben Nachbcrkreise Hofgeismar, Melsunaen, Fritzlar, Wolf- Hagen, Hamberg und W'tzenhaufen.
e Wanfried, 19. Febr 1913. Untere städtische Spar taffe, welche seither gegen Hypothek nur innerhalb des hiesigen Amtsgerichtsbezirks ausleihen durfte, hat nunmehr die Genehmigung erhalten, auch außerhalb des Amtsgerichtsbezirks Wanfried gelegenen Grundbesitz zu beleihen.
* Trendelburg, 19. Febr. 1913. Seit mehreren Monaten herrscht h'er Scharlach unter der Jugend, auch mehrere erwachsene Personen sind von der Krankheit ergriffen; einzelne Fälle sck wcrer Lungen- en'zündung sind himuaefommen.
. * Aus dem Spessart, 19. Febr. 1913. Der „H ans. lorg vom Spessart", ein in Schöllkrippen erscheinendes „farbloses" Blättchen, das auch rn zahlreichen katholischen Familien des Kahlgrundes Eingang gefunden hat, bringt in seiner Nr. 20 von diesem Jahre einen Beweis seiner „katholikenfreundlichen" Gesinnung. Man liest da u. a.: „Auch wird lebhaft geklagt, weil die Kapuziner feit dem letzten Jahre so oft kommen. Unseres Wissens dürfen diese nur viermal jährlich vorsprechen und das ist ja auch ll.enug. Die Zeiten sind eben so schlecht, daß tatsächlich auch Leute erschrecken und wenn nur der Kapuziner kommt. Auch da tut Abhilfe not." — Wenn ber „Hansjö'g" für die Kapuziner nichts übrig hat bezw. haben will, braucht er ja nichts zu geben. Auf alle Fälle hat er aber auf Grund seiner angeführten gehässigen Notiz das Recht verwirkt, ni katholischen Familien als „Leibblatt" gehalten zu werden
-I- Vilbel, 18. Febr. 1913. Die Vilbeler „siamesischen" Zwillinge der Stoll'schm Eheleute wurden heute nach Frankfurt gebracht wo sie int Schumanntheater ausgestellt werden. Wie von sachverständiger Seite miigeteilt wird, dürfte eine Operation der mit den Köpfen zusammengewachsenen Mädchen ausgeschlossen sein, wenn nicht' das Leben beider Kinder gefährdet werden soll. Die sehr lebendigen Kinder sind jetzt etwas mehr als ein Jahr alt und machen ihrer Mutter inenbUrbe Arbeit
db Friedberg. 18. Febr. 1913. Hessens ältester Bürgermeister, Heinrich. Kröll in Rohrbach, feierte gestern seinen 75. Geburtstag. Das Bürgermeisteramt ber Gemeinde Rohrbach befindet sich schon seit 1835 in den Händen der Familie Krölls
* Ostrich (Rheinhessen), 19. Febr. 1913. Die Gemeindevertretung beschloß die Steuert ätze für 1913 herabzusetzen, und zwar die Einkommcn- fteur von 110 Prozent auf 100 Prozent, die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer von 165 auf 150 Prozent. Weiter wurde das Wafseroeld von 30 auf 25 Pfennig für den Kubikmeter beraboe'etzt.
* Aus Franken, 18. Febr. 1913. Die Angehörigen des Kartells christl. Gewerkschaften in Aschaffenburg haben eine Rabattgenossensckaft gegründet, die alle Angehörigen der christl. Arbeiterbewegung umfaßt. — Im Verfolgungswahn stürzte sich der verheiratete Schneider Fiedler in Ober st reu aus feiner Wohnung im oberen Stock des Armenhauses auf die Straße, verletzte sich jedoch nur den Fuß. Fiedler wurde in die Irrenanstalt Werneck verbracht. — Am Kreuzberg ging gestern nachmittag ein leichter Schneefall nieder. Heute ntorgen 6 Uhr zeigte das Thermometer —13 und um 8 Uhr —10 Grad U. — In der Gemeinde Gnodstadt mit angrenzenden Teilen der Gemeinden Hopferstadt, Ochsenfurt und Marktbreit wird eine Flurbereinigung als
„Was ist die Ursache?" fragte Baron Meneville.
„Das Geld, das unsinnig viele Geld, das Sie beim Roulette geopfert haben. Die Hälfte ist in meinem Besitze nun, und das ist mein Unglück. Ich fürchte Diebe — früher war ba§ nicht der Fall."
Nun lachte alles laut, nur Meneville blickte ärgerlich. „So kaufen Sie doch Ländereien", sagte Grimaldi.
„Ja, von einem großen Landguts habe ich früher geschwärmt, ich erinnere nrich wohl, aber so viel ich auch ausgeschaut habe darnach, immer wieder zeigt sich eine Schattenseite. . . Entweder sind die Wiesen nicht saftig, ober es sind die Felder steinig, ober die Rcbstöck-- haben zu viele Läuse . . . Uebrigens hat das Vieh in den Stallungen auf dem Gute San Felice vor zwei Jahren erst an der Klauenseuche gelitten — das gibt zu denken, ehe man das Erbe seiner Väter daran wagt."
„Hört ihn nur. er speicht vom Erbe seiner Väter", lachte Herr von Torloni. „Das haben Sie doch schor in Ihren Jünglingsjahren verpraßt und nichts ist davon übrig in Ihren Händen."
Vicomte Bixio schaute auf den Sprecher, als erwache er eben vom Schlafe. „Beim Zeus, Torloni, Sie haben Recht, ich erinnere mich nun, daß ich früher sündhaft gehaust habe. Wie lange ist es denn her, daß ich keine zehn Dukaten mein eigen nannte? Ter Mond hat seitdem nur einmal gewechselt."
»Wo haben Sie denn das Geld untergebracht, daß es reiche Früchte trägt?" fragte der Prinz belustigt.
Bixio kratzte sich hinter dem Ohre. „Hoheit haben ein Rech, zu der Frage", meinte er in zögerndem S^ne. „Mit den Früchten ists jetzt nicht weit her; ich habe die Steinfließen in meinem Schlafraum aufgerissen und zwei Drittel meines Schatzes im Gemäuer verborgen. Eigenhändig habe ich mit Kalk und Mörtel gearbeitet. Das andere Drittel liegt in inetneni Bette. Nachts schlafe ich mit dem gezogenen ^.egen, neben mir auf dem Nachttische liegen scharfgeladene Pistolen. Jede fünf Minuten erwache ich ,L!' Aengsten. So oft eine Ratte im Gemäuer sich rührt, springe ick> aus dem Bette und greife mit
Ans dem Nachbargebiete.
□ Horos, 19. Febr. 1913. Das weithin sichtbare Wahrzeichen auf dem höchsten Punkt des Aschenber- ges, ein uralter Ei chenba um, dem Landwirt Martin Wehner dahier gehörig, fiel dieser Tage der Art zum Opfer. Waanermeister Vincenz Wehner batte ihn für den Preis von 120 Mark erstanden. Der Baum wird ehemaligen Kanonieren des Fuldaer Artillerie-Regiments in guter Erinnerung fern, da er bei Richtübungen vielfach als Hilfsziel diente.
!? Hofbieber, 19. F-br. 1913. Die diesjährige Feier des ew'gen Gebetes für untere Pfarrei wurde durch Abhaltung eines eucharistischen Triduums verherrlicht. Die Herren Patres Florian und Theo-
I dosiuS vom Kloster Frauenberg haben in neun ebenso klaren, wie erhabenen und lief zu Herzen gehenden Prediaten ine wichtigsten Wahrheiten unserer dl. Religion norgetraoen. Diefe mochten auf die anväch- tigen Zuhörer einen mächtigen Eindruck. An jedem Morgen wurde ein feierliches ticD tenamt gehalten, daS durch den hiesiaen Kirchenchor verherrlicht wurde. Die bebte Feier schloß am Freitag mit einem feierlichen Requiem für alle Verstorbenen der Pfarrei.
* Gersfeld. 18. Febr. 1913. In einer Verfamm- lung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Gersfeld wurde Herr Landrat Freiherr v. Doern- bera, der den Verein 'rüber 12 Jahre lang leitete, in Anerkennung seiner aroßen Verdienste nm den t erem zum Ehrenmitgliede eimnnt. Dann wurde der kommiffarifche Landrat, RegierunoZaffeffor N-rrn. beim zum Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden sämtlich durch Zuruf imeder- gewäblt. Auf Antrag des Bürgermeisters Schüßler erklärte sich der Herr kommissarische Landrat bereit, den gemeinsamen Bezug von Saatbater zu vermitteln. Hierauf wurde die Sitzung peichlossen.
* Schenklengsfeld, 19. Febr. 1913. Die neue Bahnhofszufuhr st raße sieht nun bald ihrer Vollendung entgegen. Straße mit -c anfett erhalten eine Breit von 10 Meter.
+ Angersbach, 19. Febr. 1913. Vom Großh. J?rei«anit Lauterbach in die Aufhebung des feitherlgen Beobachtungsgebietes angeordnet worden, nachdem die Maul- und Klauen leuche über das zuerst verseuchte Gehöft hinaus eine Verbreitung nicht erfahren hat. Die Gemarkung Angersbach ist zum Beobachtungsgebiet erklärt worden.
— Landkntmujkn, Kr. Lauterbach, 19. Febr 1913. Von Grundeigentümern, welche den überwiegeuden Anteil an Grund und Boden in hiesiger Gemarkung besitzen, war der Antrag auf Durch ührung der Feldbereinigung gestellt worden. Diesem Antrag ist nun vom Großh. Ministerium des Innern entsprochen worden.
-L- tzersfkld, 17. Febr. 1913. Gestern abend fand in der hiesigen Stadtkirche eine Aufführung des Oratoriums .Elias" von Mendelssohn statt. Der Öersfelder Choroerein unter feinem tüchtigen Dirigenten, Gy nnasialgemnglebrer Fischer, batte Die einzelnen Chöre aut das sorgfältigste eingeübt und trug sie technisch sicher und dynamisch gut au5 earbeitet bei völliger Erschöpfung des Geaastes des herrlichen Werkes vor. Besonders machtvoll wirkten die Schlußsätze ber beiden Teile, sowie der Eingangschor. Ais Solisten wirkten die Damen Frau Bischof-Düffel- Dorf (Soprans, Fräulein Corthu m-Dinsdurg (Alt) und die Herren Bern (Tenor) und Guillaume (Baß) aus Düsseldorf. Alle vier gaben ihr Bestes! Besonders gefallen hat die klangvolle ausgeglichene Stimme des Herrn Guillaume. Aber auch der Vortrag der übrigen Solisten war seelisch belebt, wohl durchdacht und von starker Wirkung auf die Zuhörer. Die Or>t esterbealetiung führte die Kapelle des Insi- Regts. Nr. 167 aus Kassel in meisterhafter Weise durch; an der Orgel waltete mit Sicher' eit und seinem musikalisl en Verständnis Seminarmusiklehrer Kattiafsky-Eschwege seines Amtes. Herr Fischer führte straff und mit Um scht den Taktstock und verhalf dem Werke zu einer einwandfreien Wiedergabe.
* Gieße», 19. Febr. 1913. An der Gießener Universität ist die Errichtung eines Lehrstuhles jur Leibesübungen geplant. Bei der hessischen Kammer ist dieserhalb ein Antrag auf Einstellung von Mitteln für diese Professur cingcgaugen.
st Aus der Westerau, 19. Febr. 1913. Sperlinge und Mäuse treten gegenwärtig in der Vilbeler Gegend außerordentlich verheerend auf; vor allem richten die Feldmäuse auf Kleeäckern und Grasgrundstücken bedeutenden Schaden an. Die Bürgermeistereien der südlichen Wetterau planen ein gemeinsames gleichzeitiges Vorgehen gegen die Schädlinge.
* Großalmerode, 19. Febr. 1913. Die Firma Vereinigte Großalmeroder Ton werke, A.-G. hier, die seiner Zeit durch die Vereinigung einer Anzahl kleinerer Werke entstand und sich in der Herstellung feuer- und säurefester Tonwaren einen Weltruf verschafft hat, feiert am 1. März ihr 25 jährige? Gescbäfts- jubiläum. Mit dem Werk begeht ein großer Stamm Arbeiter das 25 jährige Dienstjubiläum.
bl Langenselbold, 19. Febr. 1913. Die Gemeindevertretung lehnte einstimmig die Bewilligung von Ortszulagen an die Lehrer ab, ebenso versagte sie der Erhöhung der Amtszulage des Rektors um 300 Mark die Zustimmung. Sie bewilligte aber dafür den Feld- und Polizeibeamten eine beträchtliche Gehaltszulage.
* Frankfurt-Bornheim, 19. Febr. 1913. Durch das starke Anwachsen der katholischen Gemeinde in Bornheim hat sich eine Ueberfüllung der dortigen
und mit gedankenvoller Miene leert er einen Becher.
„Wie wäre es, wenn Sie mit mir auf Reisen gingen, lieber Vicomte", sagte der Prinz plötzlich.
Bixio hätte vor Ueberraschung fast den leeren Be. cher zu Boden fallen lasten.
„Auf Reisen? Ja, wollen Sie denn Rom verlassen, Monseigneur?"
Alle Anwesenden blickten erwartungsvoll und ge- spannt auf den Prinzen.
»Ja. das Reisefieber erfaßt mich wieder," sagte er nach einigem Zögern, „Ich gedenke bald nach Genua aufzubrechen."
»Ah!"
„Nach G—e—n—u—a?" fragte Baron Mene- bitte, der inzwischen immer einsilbig und mürrisch den Ergießungen des Vicomte gelauscht hatte.
»Ja, nach Genua, Sie sind dort zu Hause, wemt ich recht gehört habe. Darf ich die Fraae mir erlauben, tote lange Sie noch in Rom zu bleiben gedenken?"
„Hier in Rom festelt mich nichts mehr," sagte er zögernd. „Meiner Abreise steht nichts mehr im Wege. Die großen, glanzvollen Feste schließen morgen ab, das Vermögen, das ich hierher gebracht, bin ich loS getoorden, ich kann nach Hause zurückkehren zu jeder Stunde. Doch mache ich einen weiten Umweg, nach Genua zu kommen."
„Einen Umweg? Ist es unbescheiden, zu fragen, welches dieser Umweg ist, denn ich hätte Sie sonst eingeladen, sich meinem Reisezüge anzuschließen.
„Hoheit sind sehr gütig, leider muß ich nach Ta- steldo, einer kleinen Stabt, etwa breißig Leguas von hier, woselbst ich mein Erscheinen einer mir bekannten Dame, bie sich gegenwärtig dort aufhält, bestimmt zugesagt habe."
Der R'-mz lächelte bitter. Heute morgen hatte er eine Botschaft von Isidor Baruch erhalten, daß die Gräfin abgereift fei von Genua, ohne den Knaben mit sich zu nehmen, und daß sie in etwa zwei Wochen zurückkehren werde. Er versank nun' in stilles Sinnen, und auf seiner Stirne zeigte sich eine tiefe Falte. (Fortsetzung folgt.)
totales.
Fulda, 20. Februar 1913.
# Personalien. Dem Oberzollkastcn rend rnten Zehnen, dem Bürovorsteher Ganse sowie ben ^herzollsekretären Heinatschel unb Selling in Kassel ist ber Charakter als Rechnungsrat verliehen worben — Zur Beschäftigung im Slaarseisen- tzahndienste würbe der Regierungsbaumeister des ^iienbahnbaufachs H a b e r l a n d bei der Ecscn- tohnbireftinn tn Kastel einberufen. — Zu Regw- ntng«baumeiftern find ernannt Regierunasbcmfüh- rer Fritzel aus Frankfurt a. M. (Hochbaufach), Schilling aus Rothenditmold i Wasser- und Sfra- ^enbanfach). — Der Regierunasbaumeister des Hoch- boilfachs H o ß f e l d ist von Rothenburg a. F. nach Aaumburg a. S. versetzt worden.
[| Beim Arttllcrje-Aeginient Dir. 47 haben größere Perwnalveränderungen ftnttgefunDen.' Es wurde Major Hoffmann mit Pension z. D. gestellt und ,uw Vorstand des Arrilleriedepots Jüterbog enannt, Major beim Stabe v. d. Hardt (Feldart-llerie- Regiment Nr. 20’ tum Ahtestungs-Kommandeitr ernannt und fn's Feldartillerie-Regiment Nr. 47 versetzt, Hauptmann ». Dicha c> i in Den Großen Generalflab versetz’, Hauv'wann Vogel zum Bat'erieckef ernannt und die Fähnriche Weiffenbach und Korte tu Leutnants be'ör.ert.
~ Ter R-vo1y:rhetd Müllw verlegt sich jetzt auj's Leugnen. Im gestrigen Aigens heinslermw gab er an, noch nie tn Fulda gewesen zu fein. Mit dieser Ausrede dürfte er jedoch kein Glück haben.
Fernfp echanschlnß. Das Schirmhaus A. Schul,) hier ist unter Nr. 551 an das Fernsprechnetz cmgefchlaffen morden.
(*' Das Andmkeu an die Befreiungskriege vor 100 Jahren wird von unterer Garnison durch fo!- gende Festakte gefeiert: Am 10. März findet 10 Uhr oarmtttags Feftgottesdienst der fatholifcben, evangelischen und israelitischen Militargemeinde statt. Auch bte~ Krtegervcreme unb bie Krieger-Sanitäts- kolomte sind zur Teilnahme aufgesordert. Im Anschlüsse an den Gottesdienst erfolgt bie Aufstellung des Regiments sowie der .Kriegervereine und ber Krieger- Sanitätskolo-'ne zur Parade auf dem Domplatz. Nach der Ansprache des Garnisonältest n feuert die 4 Batterie zu vier Geschützen ivter Hauptmann Boqel im Schloßgarten den Salut von 101 Edrenschüfse ab. Au Die Parade schließt sich die Parole aus gäbe an. Um 2 Uhr nachmittags findet ein Festessen der Offiziere, Sauitäts- und Beterinär-Offi'iere und oberen Beamten des Standortes mit den Off zieren der Ivaktivität, Reserve und Landwehr im Kasino statt. Dazu ’pielt das Trompeterkorps.
-r Vor 390 Jahren. Das Jahr 1613 war für mtsere Stabt ein ereignisschweres. Der Fuldaer Ehrouist Gangolf Hartung berichtet uns darüber felgendes: „Anno 1613 ist zu Fulda ein groß sterben gewcßen unbt ungefähr bey 400 Menschen gestorben";^ und ferner „Anno 1613 ist zu Fulda ein erschrecklicher tointt gewesten, und! hat aufs drur Frauwenberg den neuwen gemachten Durm abgerissen und nach Niffig zngcfurt, unbt halt sonst vill schaten gethan an heußcr und Wellen." — Der Bau der Kirche auf bem Frauenberg war im Jahre zuvor begonnen tooaden.
-f- Geschichtsverein. Der für gestern abend tut Fuldaer Gefchichtsderein angekündiglc Vortrag hatte einen größeren Kreis von Inrereffeuten angelockt, die sicherlich in ihren Erwartungen nicht getäuscht fein dürften. Ließ doch der Vortragende, Herr Lehrer H a ck aus Petersberg, eine Menge von Sitten unb Gebräuchn aus der guten alten Zeit an unferm geistigen Auge vorbeiziehen, die ein charakteristisches Bild gaben von dem ehemaligen Leben und Treiben der Fuldaer Bevölkerung bei gewissen Anlässen, in ben letzten Jahrzehnten jeboch durch das Vorbringen von Jnbuftrie unb Handel fast gänzlich verdrängt wurden, so daß nur von einigen noch ein schwacher Schatten übrig blieb. Bis vor 50 Jahren spielte die Flachsindustrie auf dem Lande noch eine große Rolle. Tas geht hervor aus einer Anzahl von Bauern- regeln, die mit Bezug auf den Flachsbau im Umlauf tooren. Der Reichtum eines heiratenden Mädchens toutbe nach seinem Vorrat an Garn unb Leinen eru- geschätzt. Auch heute erinnern noch verschiebene Redensarten, tote „Durchhecheln" an die Bebeiitunq, die man dem Flachsbau zumaß. Eine Menge von zum Teil recht eigenartig anmuienden Gebrauchen waten nüt dem Hochzeitsftste verbunden, so das Ab- dolen und Hereinbringen dos Brautwagens unb i>a§ Loskaufen ber Braut. Sogar an das kirchliche Zeremoniell der Trauung knüpften fich feltfame Gebräuche, so bas gemeinschaftliche Esten bes Braut-
der einen Hanb nach ber Schußwaffe, mit ber anderen nach dem Degen . . . Heute morgen erst — es tour gegen acht — hätte ich bald meinem Diener den Degen in den Leib gerannt. Er versuchte, ohne das verabredete dreimalige Kratzen, die Türe zu öffnen, und vom Glück kann er sagen, daß es heller Tag war, denn tn der Dunkelheit hätte ich ihn sicher für einen Dieb gehalten unb ein Morb wäre nun auf meinem Gewissen . . . Ah, man lebt wie im Fieber, der Zustand ist unerträglich . .
»Und bei Tage, wie sieht es da um die Sicherheit des Schatzes aus?" fragte einer der Gäste.
Der Vicomte machte ein leidenvolles Gesicht. „Ich habe die schwersten Gitter vor meinem Fenster anbringen lassen," sagte er traurig. „Die Türe ist aus schwerstem Eichenholze gezimmert und verschlosten, trotzdem ließ ich drei Vorlegeschlöster anbringen, zu denen ich die Schlüstel stets bei mir führe." Er nestelte in seinem Wamse und brachte nach kurzer Zeit drei ungeheure Schlüstel, jeder fast so lang und so dick, wie eine Pistole zum Vorschein. „Die Dinger hindern mitfj durch ihr Gewicht an jä>er schnellen Bewegung," sagte er traurig.
Ein brüllendes Gelächter tönte durch den Raum.
Fürst Colonna legte dem Erzähler die Hand teilnehmend auf die Schulter. „An diesem Tische hier sitzt der Inhaber eines der berühmtesten Bankhäuser der Erde. Hnr von Torloni wird Ihnen sicher einen mäßigen Zinsfuß gewähren."
Der Vicomte zog die Stirn in düstere Falten. „Tie persönlichen Eigenschaften des Herrn von Torloni in Ehren," meinte er zögernd, „in früheren Zeiten Hatter mir sogar Darlehen gewährt, die ich Wohl nie zurückgezahlt batte, wenn nicht Monseigneur den Goldregen hätte über mich ergeben lasten. Wie viele Prozente wollen Sie gewähren, Torloni?"
„Der übliche Zinsfuß ist sechs," entgegnete der Angeredete belustigt.
„Nimmermehr, unter keinen Umständen toerhe >ch mein Gelb fo leichtsinnig aus der Hand geben," entgegnete Bixio.
Langsam ging der Vicomte zum Buffet, wo die erlesensten Weine für die Gäste aufgestellt waren.