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Zuldaer Zeitung

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könnte, mit einem Messer zur

men sollte. Denn eut längerer Halt gemacht wurde

ließ man den Pferden, die man unbemerkt erwischen konnte, mit einem Messer zur Ader fing das Blut in Feldkesseln auf, kochte und genoß es. Oft kam eS vor, daß es eben erst ans Feuer gesetzt worden war, wenn wieder aufgcbrvchen werden mußte, weil die Kosaken uns zu sehr aus den Leib rückten. Dabei habe ich aber häufig gesehen, daß einzelne Leute ganz ruhig am Kesiel sitzen blieben, während schon die Kugeln hin und her flogen. Mußte schließlich denn doch das Feld geräumt werden, nun, dann wurde der Kessel mitgenommen und unterwegs mit der hohlen r"inb aus ihm geschöpft, mochte dabei Gesicht und Klewung noch so sehr von Blut besudelt werden.

hier halte Kredit«, Geld« Und Wechselgeickätte gemacht und unterlassen, leinen Gläubigern jeweils am Iakres- schluß eine entsprechende Rechnung zu fiberenben. Hierfür wird er zu einer Geldstrafe von 30 *Mlf. verurteilt. — Ein Geschäftsführer von Salzschlirf soll durch Vorspiegelung falscher Tatsachen bei dem Kaufmann H. F. hier ein«n Irrtum erregt hoben, wodurch dieser um 5« 0 Mk. geschädigt wurde. £>. F. ist inzwischen verschieden und em als Zeuge geladener Viehhändler von hier tonnte nickt vereidigt werden, da ihm die Fähigkeit, als Zeuge oder Sackverständiger auszutreten, abge procken wurde. Da nach den Äus« fltiMtun en des Amtsanwalts die Sache nicht voll­ständig aufgeklärt werden kann, rumal sie von Herbst 1907 datiert, beantragte er Frrisprech >ng, dem sich das Gericht anschloß. — Em 22 jähriger Lackierergeselle von Kerzell war der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs angetlagt. Mangels genügen­der Beweise erfolgte seine Freisprechung.

§ Ein Augenscheinstermin in der Strafsache gegen den Revoloerhetd Paul Wilhelm Müller aus Seelow, welcher an einem Dezembertonntag auf dem hiesigen Bahnhpf gegen den Schutzmann Crost und andere Pertonen scharfe Schüsse abgab, fand heute vormittag aus dem Bahnhof Fulda statt, lö Zeugen waren ge- laden. Der Revolverheld wurde geschlossen von zwei Kriminalschutzleuten vorgeführt. An der Hand von Logeplänen wurden dir einzelnen Entfernungen genau sestgestellt.

Hk. Gesellen- und Gehilfinnenprüfunae«. In nächster Zeil finden wieder Gesellen- und Gehtlfi menprüfungen statt. An denselben können sämtliche in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Juli d. Js. auslernende Lehr­linge und Lehrmädchen teilnchmen. Die Anmeldungen müssen bis spät ftens zum 1. März d. Js. an die Voisitzenden der PlüfungsauSschüfie, die bei der Handwerkskammer zu erfahren sind, eingereicht werden. Denselben sind beizusügen: 1. ein kurzer selbstge­schriebener Lebenslauf des Lehrling?, 2. das Lehr- zeugnis des Lehrmeisters, 3. sonstige Zeugnisse aus der Volks-, Fortbildung?« oder Fachschule, 4. der Lehrvertrag bezw. der Nachweis über die erfolgte Eintragung in die Lehrlmgsrolle der Kammer oder der zuständigen Innung oder Vereinigung. Besondere Auftordertingen seitens der Kammer an die Lehr« meister, die Lehrlinge zur Prüfung anzuhalten, ergeben nicht mehr, weil nach der Reichs-Gewerbeordnung diese Pflicht allen Lehrmeistern und Lehrherrinnen auferlegt worden ist. Die Kammer wird daher jede Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmungen ver­folgen. Es wird noch besonders darauf hingewie>en, daß denjenigen Lehrlingen, die sich der Prüfung ent­ziehen, empfindliche Nachteile in ihrem Fortkommen erwachsen, da bekanntlich in Zukunft die Zulassung zur Meisterprüsung, durch welche nur noch das Recht der Anleitung von Lehrlingen erworben werden kann, von der Ablegung der Gesellenprüfung abhängig ist. Sie können auch nach dem Lehrvertrage zur Ablegung der Prüfung angehalten werden.

. *) Die große Ausgabe in feiner Geschenkausstattung i erst am Anfang all des Elendes, da§ über uns kam «stet in Lernen gebunden 7 Mk. 50 Pfg. ' ™----~ - -

2. Blatt.

Vrnd »er fribaer acnenttnctrei in Reib«.

mern dringend die Errichtung von Submissionsstel­len. die den Kammern anzugliedern und in Landes- bezw, Provinzialzentren zusammenzuschließen sind. Er legt ausdrücklich Verwahrung ein gegen die Be­hauptung, die Handwerks- und Gewerbekammern hätten auf dem Gebiete des Submissionswesens prak­tische Arbeiten bisher nicht geleistet. Er stellt akten­mäßig fest, daß die Arbeiten anderer Kreise zur Re­form des Subrniffionswesens nur durch die ständige Kleinarbeit der Handwerks- und Gewerbekammern möglich geworden sind "

---- Gegen ihre Versitzung tn den Ruhestand ha­ben wiederholt Beamte die Hilfe der Gerichte an­gerufen. Nunmehr hat das Reichsgericht entschieden, daß die Entscheidung über Versetzung in den Ruhe­stand allein den Verwaltungsbehörden zu­steht und sie allein für die Beurteilung vor Gericht erhobener vermögensrechtliche: Ansprüche maßgebend

noch 15 der berühmten Zeichnungen Faber du FaurS beigegeben, die als an Ort und Stelle aufgenommene Dokumente eines Augenzeugen die ganze grau­sige Wirklichkeit der Schilderungen des Bourgogne vervollständigen. Mit einfachen Worten erzählt der Sergeant den Todeszug der Armee, so wie er ihn mitgemacht hat. Man muß oft gute Nerven haben, um nicht mitunter den Blick wegzuwenden von diesen Szenen nie dagewesenen KriegsiammerS Aber auch schöne Züge treuester Kameradschaft, edelster Näch­stenliebe und unerschütterlichen Heldenmuts finden wir. Diese Beispiele von Beherztheit und Edelmut sind nicht ohne erzieherischen Wert und machen daS Buch des Sergeanten Bourgogne würdig, ein Volks­buch zu fein, das jede öffentliche Bibliothek besitzen sollte. Mit Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung geben wir hiermit eine Probe daraus:

Gk. Errichtung eines ReichSverdingungSamteS. lieber die Frage der Errichtung eines Reichssubmis­sionsamtes,, die von verschiedenen wirtschaftspoliti­schen Verbänden in letzter Zeit angeregt ist, gt' geschäftsführende Ausschuß des deutschen H Werks- und Gewerbekammertages, der am 7. Februar in Hannover tagte, folgende Erklä­rung ab: „Der geschästsführende Ausschuß des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages erhebt Widerspruch gegen die Anträge des Reichs­deutschen Mittelstandsverbandes und des Hansabun- des betr. die Errichtung eines Reichssubmissionsam- teS, weil das Bedürfnis nach Errichtung einer sol­chen Zentralstelle zurzeit noch nicht anerkannt werden kann. Wirklich fruchtbringende Arbeiten werden nur von dezentralisierten Submissionsstellen im Anschluß an die Handwerk?- und Gewerbekammern geleistet werden können. Der geschäftsführende Ausschuß em­pfiehlt deshalb allen Handwerks- und Gewerbekam-

. .Als wir aufbrachen, war es noch nicht hell. Wir ließen eine große Zahl Toter und Sterbender auf dem, Lagerplatz, und die Menge derselben steigerte sich in erschreckendem Maße, nachdem wir eine Weile marschiert waren. Immer von neuem mußten wir über die Leiber von Leuten hinwegsteigen, die bei den uns vorausmarschierenden Truppen tot zujammen- gcbrochen oder sterbend liegen geblieben waren. Der Marsch an diesem Tage war entsetzlich, denn bei einer Kälte von 22 Grad umhüllte uns ein so dicker Rebel, daß man die Hand vor den Augen nicht sehen i konnte. Die Lippen stören aufeinander, das Innere der Nase vereiste und das Gehirn erstarrte. Später trat ein Schneesturm ein, welcher Flocken in einer k^röße mit sich führte, wie solche noch keiner je ge­sehen hatte. Die ganze Atmosphäre schien von Eis zu sein. Gegen Mittag wurde in einem Walde ge» i saftet. Unser Aufenthalt dauerte nicht viel über eine galbe Stunde, in dieser Zeit starben aber mehrere Leute aus der Stelle, auf welcher sie niedergesunken waren. Biele andere waren vor Entkräftung schon auf bem Marsch zufammengebrochen. Kurz, unsere | Reihen begannen sich zu lichten, und doch standen wir

haus berufen. Das sind Beweise, daß auch unser Handwerk von heute eine geachtete Stellung einnimmt, und daß derjenige, der in feinem Hand- werksb'rus es zu etwas Tüchtigem bringt, auf diesen stolz fein darf. Alle diese Momente müssen in diesen Tagen bei der Berufswahl der schulentlassenen Ju­gend in allem Ernst gewürdigt werden. y

Die Welteroberer in Lumpen.

Mit bem Ende des vorigen Jahres gingen auch die bunbertjäbrigen Erinnerungstage an Napoleons russischen Feldzug zu Ende. Die letzten Ucberrefte der einstigen „Großen Armee" des Solbatenkaisers retteten sich, von den Kosaken gejagt, noch in den letzten Dezembertagen 1812 in die preußischen Grenz­orte hinein. Mit Staunen und mit Grausen sahen die preußischen Bauern diese gespenstischen Gestalten auftauchen, die, mit erfrorenen Gliedmaßen rauch- schwarzen Gesichtern, wilden Eiszapfenbärten und hohlen Hungeraugen, an ihren Türen pochten. Wankende Skelette, die um Brot und Erbarmen flehten in allen Sprachen Europas. Die halbe Welt hatten sie mit ihren Bajonetten erobert, in allen Hauptstädten Europas war der Taktschritt ihres Marsches erklungen; von den Palmengärten Palä­stinas bis zu den Kuppeln des heiligen Moskau hat­ten ihre Trommeln gewirbelt, den S'egesmarsch des Eroberers Nun standen sie da, in dürftigen Lum­pen, die Vorhut jener Armee von toten Männern, ' die den endlosen Weg ihres Nückniarfchez bedeckten. Fast eine halbe Million stark waren sie ausgezogen tuit fliegenden Fahnen und klingendem Spiest arm» stlige Zehntausend kamen zurück unter dem Heisern "rächzen der Raben. Ohne Waffen, ohne Gepäck, ahne Kleidung, als geschlagene Welteroberer in Lum­pen. . .

Die mit Angabe von Verlustzisfern, Kältegraden und mit aller Phantasie doch kaum zu begreifende Bernich-ung dieses Riesenheeres kann man stückweise verfolgen und miterleben, wenn man die bekannten Erinnerungen des Sergeanten Bourgogne liest, ?,e dieser fast unmittelbar nach der großen Kata- jtrophe aus ganz frischem Gedächtnis niederschrieb, «n !E Erinnerungen des Francois Bourgogne 1812." Vorlag Robert Lutz in Stuttgart. Billige Volks­ausgabe*) für 2 Mk.) Der Verlag hat dem Buch

Lokales.

Fulda, 19. Februar 1913.

-y- Reifeprüfung. Heute morgen um 8 Uhr be­gann die münvlicke Avgangsprüfung der Abiturienten am König!. Gymnasium. Den Vorsitz führt Herr Geheimer Obkr-Regierungsrat Dr. Paehler-Kasscl. Von 42 Abiturienten wurden 16 von der mündlichen Piüfung befreit: Es sind dies - Karl Dietz, Nüft (Kr. Hüneld,; KlemenS Klitsch, Groß.nlüder; Awy- Kei- del, Klübershos bei Povpenhauien; SlurmiuS MauS, Traisbach b. Fulda; Arnold Scherer, Fulda; Wilh. Schmitt, Eickenau; Remhold Wingenselo, Setzelvach; Iof. Groß, Neustadt <M.«W.«B. ; Jos. Iabn, Fulda; Engelbert Jost, Haselstem; Jos. Krauskopf, Amöne­burg; Aloys Ramb, Momberg; Paul Schilling, Somborn; Aug. Sorg, Ulmbach, Kr. Schlüchtern; Reinhold Spiegel, Spahl; Jos. Streb, Somborn. — Unier den 16 Dispensierten befinden sich 11 Zöglinge des Biichöfl. Konvikts.

ÖS* Telephonanschluß. Die Firma I. Mol« lenhauer u. Söhne, Musikhails, am Fricdrichs- markt, ist unter Nr. 550 an das Ortstelephonnetz angeschlossen worden.

X Verkauf. Das Restaurant Walhalla in der Leipzigerstraße ging durch Kauf an den mehr­jährigen Geschäftsführer eines Mainzer Restaurants, Herrn Wehner ans Motzlar bei Geisa über. Der Kaufpreis beträgt, wie uns von unterrichteter Seite versichert wird, 72 000 Mk. Die Uebernahme wird alsbald, wahrscheinlich schon zum 1. April d. I., er­folgen.

A Veröffentlichung von Standesamtsnachrichten untcrfagti Mit Rücksicht darauf, daß nr nentliche Veröffentlichungen standesamtlicher Vorgä. je bezw. Nachrichten in der Tagespreise Händlern vielfach dazu dienen, Anpreisungen von verwerflichen Mitteln und Druckschriften an Brautleute ober Ehegatten zu versenden, findet im Einverständnisse mit dem Regie­rungspräsidenten zu Kassel die wöchentliche Mittei­lung von Aufgeboten, Eheschließungen, Geburten und Sterbefällen in Zukunft nicht mehr statt. Statt besten werden wir allmonatlich — am 10. eines je­den Monats — eine Statistik über die Zahl der Ge­burten, Eheschließungen und Sterbefälle unter Tren­nung nach Geschlechtern veröffentlichen. Manche Le- serinnen und Leser unserer Zeitung werden diese Maßnahmen bedauern, die jedoch im Jntereste bet Sittlichkeit und allgemeinen Wohlfahrt warm zu b e- grüßen sind.

-T- Mititiirreklamationen. Mit Rücksicht auf dir in den nächsten Togen beginnenden Musterungs« tetmine machen wir erneut darauf aufmerksam, daß Militärpflichtige oder deren Angehörige berechtigt sind, spälestenS im MusterungStermin Anträge auf Zurückstellung ober Befreiung von der Aushebung zu stellen. Nur wenn die Veranlassung zur Rekla­mation erst nach Beendigung des Musterungrgefchäftes entsteht, kann der Antrag noch im Aushebungstermin angebracht werden. Es empfiehlt sich daher etwaige Reklamation rechtzeitig bei dem G.meindevorstand anzubringen.

X*1 Schöffengericht. Ein 21 jähriger Weber von Eichenzell hatte im November v. IS. wiederholt auf dem Bahnhof Fulda dem Stotionsfchaffner H. von hier in Ausübung feines Dienstes Widerstand ge­leistet, öffentlich beleidigt, sowie die §§ 73, 74 und 82 der Eisenbahn-Bau- und «Betriebsordnung über­treten. Der Amtsanwalt hatte eine Gefamtgefängnis« strafe von 6 Wochen beantragt. Da« Gericht er­kannte auf eine Geldstrafe von 50 Mark. — Eine WirtShauSszene, die sich am 2. November hier in der Stadt abfpielte, fand gestern ihr gerichtliches Nachspiel. Angeklagt war der frühere hiesige Gast­wirt L. Er., dessen 13jähriger Sohn und der Land­wirt W. E. von Koblhaus. Letzterer batte den L. Cr. mit dem Bierglase vor den Kopf geschlagen, worauf der 13 jährige Er. dem W. E. einen heftigen Schlag mit einem Stuhl auf den Hinterkopf versetzte. Aus der Straße wurde der Streit fortgeutzt, wobei E. von Er. wiederholt mit dem Hinterkopfe an die Wand gedrückt wurde. DaS Gericht sprach den jungen Er. von der Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung frei, die beiden anderen Angeklagten wurden unter Bewilligung mildernder Umstände ju je 30 Mk. ver­urteilt. — Ein Viehhändler und Handelsmann von

Trat die Notwendigkeit ein, ein Pferd, welches man gerade zerlegen wollte, im Stich lasten zu müs­sen, so geschah es oft, daß sich die Mannschaft^ beim Abmarsch versteckten und dann, wenn alles fort war, wie Wölfe über das Fleisch herfielen. Diese Leute sah man selten wieder, denn wenn sie nicht vom Feinde gefangen wurden, erlagen sie der Kälte.

Ungefähr nach einer Stunde machten wir bei einem größeren Gehölz aufs neue Rast An dieser Stelle hatte Artillerie übernachtet. Sie war ver­schwunden; Menschen und Pferde lagen unter dem Schnee; die Menschen um ihre Feuerstellen, und die Pferde noch angespannt an den Geschützen; letztere mußten ^rrückgelasten werden. Da und dort fiel unser Blick auf Gewehrpyramiden, die aus dem Schnee hervorragten. Keiner von denen, die diese Gewehre zusammengesetzt hakten, war noch am Le­ben. Viele ihres Fleisches schon beraubte Pferde lagen hier umher, noch mehr aber fanden wir solche, die lebendig zurückgelasten worden waren und re­gungslos dastanden; sie ließen sich töten, ohne sich zu rühren.

Nach einer Stunde der Ruhe ging es weiter. Wir zogen durch das Gehölz und trafen in gewissen Zwi­schenräumen auf Häuser, die vollkommen aus Holz erbaut, «roßen Scheunen glichen. Wie bei solchen, befand sich auf jeder der beiden Langseiten ein großes Tor, d. h. Einfahn und Ausfahrt, denn die Häuser dienten als ^»ststationen. Fast «>lle drei Stund'

# DaS Hanvwerk als Lebensberuf.

Obschon nun schon seit Jahren auf den Wert des gelernten Berufs, wie ihn in besonderem Maße das Handwerk bietet, hingewiesen worden ist, dringen aus bestimmten Handwerkskreisen immer noch Klagen Über mangelnden Nachwuchs. Dabei handelt es sich mit Zweige, die auch für die Zukunft für tüchtige Anwärter gute Aussichten bieten. Nicht zum wenig- sien spielt da einmal der Umstand mit, daß über das Handwerk vielfach noch irrige Ansichten bestehen. Man übersieht, daß im Wirtschaftsleben das Hand- jped auch heute noch ein wichtiger Fastor rst. 11 Millionen Menschen leben vom Handwerk. Biele holten anderseits nicht nur die Berufe, die höhere Schulbildung erfordern, für etwas Besseres, son­dern man glaubt auch, der Beamte, der Kaufmann, selbst der Lohnschrerber sei mehr als ein Hand­werker.

Und doch hat gerade der Handwerksberuf seinen hohen Wert. Allerdings muß derjenige, der diesen Perus wählt, mit der „Hand wirken", d. h. arbeiten. Man braucht sich aber durchaus der Arbeit nicht zu schämen. . Die Arbeit adelt den Menschen, sie hält Leib und Seele frisch und gesund, schafft dem Menschen Befriedigung und bewahrt ihn vor man­chen Fehlern. Die Tätigkeit des Handwerkers besteht übrigens durchaus nicht ausschließlich in körperlicher Arbeit. Wer die Bezeichnung als Handwerker der« dient, muß mindestens ebensosehr mit dem Geiste als mit dem Körper bei der Sache sein. Tas Hand­werk ist neben der praktischen Betätigung auch im vollen Sinne des Wortes eine Wissenschaft. Die gei­stige Anregung, die das Handwerk dem jungen Men- schen bietet, wenn er sich ihr nicht verschließt, ist 'chier unerschöpflich Der angehende Handwerker sieht bett Sanzen Werdegang feiner Erzeugnisse und wirkt ieran mit Teile das ganze Handwerk in drei Bran­chen, in das Bekleidung?-, Ernährungs- und Bauge­werbe und bringe in die Geheimnisse derselben ein. Alle bieten eine unergründliche Fundgrube an prak­tischen, technischen und künstlerischen Fähigkeiten und Wissenschaften. Tie Materialkunde und deren Be­handlung, die Werkzeuge und deren Handhabung, die uniäbiiocn Facherzmgniste, die hieran zu stellenden praktischen und künstlerischen Anforderungen, die zur Geschäftsführung notwendigen kaufmännischen Fähig­keiten nsw. sind ebenso viele Gebiete, deren Erlernung ein langes Studium erfordert, wozu dem Lehrling die Lehrzeit und die ersten Gesellenjahre dienen sol­len. Daraus ergibt sich, daß die besten Schüler sich dem Handwerk zuwenden sollen.

Für die Erlernung eines Handwerks spricht wei­ter aber auch folgendes Das Handwerk ist mit der Zeit fortgeschritten und hat zeitgemäße R e- formen durchgeführt. Zur Erleichterung der gro­ben Arbeiten ist allgemein die Kraftmaschine in An­wendung gekommen, auch die neuesten Arbeits- und Hilfsmaschinen sind in den Dienst des Handwerks gestellt worden. Tas Handwerk hat die Arbeitszeit entsprechend und erträglich geordnet, und der Ver­dienst für die Gesellen steht auf einer Höhe, daß sie bei angemessener Lebenshaltung auch einen Spargro­schen zurücklegen können, der ihnen die Errichtung eines selbständigen Geschäftes ermöglicht. Hierfür bringt die Statistik der Gesellenvereine manches schöne Beispiel. Sie haben aus ihren Mitgliedern manche in den Meisterstand eintreten sehen, die ohne Mittel zuwanderten und als Geselle soviel erübrigten, daß sie mit den ersparten Mitteln selbständig wurden und vorwartskamen. Wie denn überhaupt die Gesellen­vereine für die jungen Handwerker höchst segensreiche Einrichtungen geschaffen hoben und damit für das gesamte Handwerk äußerst segensreich wirken. Ferner hat in Staat und Gemeinde eine Gewerbeförderung eingesetzt, insbesondere sind viele Schulen für das Handwerk geschossen worden. Das läßt das beste für unfern Handwerkerstand erhoffen, umsomehr, da das heutige Handwerk eine energische Bewegung eilige« leitet hat, um vorhandene Mängel zu beseitigen und gesunde Verhältniffe zu schaffen. Alle erzielten Er­folge kommen dem jungen Nachwuchs zugute. (Wer sich näher über „Berufswahl und Handwerk" unter Berücksichtigung der einzelnen Zweige unterrichten will, den verweisen wir auf die so betitelte Fünf­pfennig Nummer der Gemeinnützigen Volksbibliothek des Volksvereins.)

Auch im öffentlichen Leben erfreut sich das Handwerk einer gegen früher gehobenen Beach­tung. Wir sehen Handwerksmeister in allen Körper­schaften vertreten. Sie arbeiten als Stadtverordnete mit bei der Verwaltung der Städte und Gemeinden. Handwerker sind vertreten in den Provinziallandta­gen, in den Landtagen und im Reichstag, und erst kürzlich wurde ein Handwerksmeister in da? Herren-

Mi 41.

Mittwoch 19. Sebruar 1913.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 18. Febr. 1913. In letzter Zeit werde« wiederholt Klagen darüber geführt, daß oer Früh, zug nach Salzungen ab Vacha 7.17 Uhr überfüll ist. Es soll sogar Vorkommen, daß Reisende, die im

Aus dem Nachbargebrete.

C. Rückers, 17. Febr. 1918. Das kath. Vereins­leben zeitigte hier in kurzer Zeit zwei Versammlungen mit anregenden und belehrenden Vortiägen. Im Volksverein, dessen Mitgliederzahl 63 beträgt, sprach Herr Kaplan Kreß-Neuhof über die Presse. Er schilderte, wie sich dieselbe au? kleinen Anfängen zu der jetzigen tecknischen Vollkommenheit entwickelt hat. Redner empfahl die tatkräftige Unterstützung unserer tüchtigen katholischen Presse. Mit Besriedj. gunfl konnte sestgeftellt werden, daß unsere Diözesan- Blätter, ,Fuldaer Zeitung' and ,Bonisatiusbolest sowie andere kalhol. Schriften in hiesiger Pfarrei zahlreich verbrettet find. Es ist hier kaum eine Familie ohne kath. Blatt oder Zeitschrift. Herr Pfarrer Gnau verbreitete sich in feinem Vortrag über das roir fdiaft« liehe und industrielle Unternehmungswesen. Es sei wünschenswert, daß sich die Katholiken im Interesse der Hebung und Kräftigung des Vermögens des kath. Volkes rege an ihm beteiligten. — Im kath. Arbeiter« verein, der 72 Mitglieder hat, sprach Herr Lehrer Jestädt über Geschichtsforschung, Ueberlieferung und Schreibmethode im früheren Altertum und Herr Psar er Gnau über die Aufnahme deS ReligionS« Unterrichts in den Lehiplan der Fortbildungsschulen. — Der Borrowäus-Berein zur Verbreitung guter Bücher bat in unserer Gemeinde jetzt 14 Mib glieder. Tie Vereinsbücherei wird von den Vereins angehörigen eifrig benützt.

fanden sich solche Stationen, ein großer Teil derselben bestand aber nur noch auS einem Trümmerhaufen, denn sie waren bei unserem ersten Durchmarsch nie» beigebrannt worden. Als wir das Ende deS Waldes erreicht hatten, faben wir in kurzer Entfernung wie­derum eins jener eben erwähnten Posthäuser. Ich schlug sofort einem neben mir gehenden Sergeanten der Kompagnie vor, dort für die Nacht ein Unterkom­men zu suchen; wir fanden aber, am Hause ange­kommen, dieses schon so von höheren Offizieren, Mannschaften und Pferden überfüllt, daß für unS kein Platz mehr war. Es sollen über achthundert Menschen darin gewesen sein, wie ich später hörte. Wir beschlossen deshalb, uns unter dem Bauch der an einem der Tore angebundenen Pferde niederzu« legen. Ruhe fanden wir da aber auch nicht viel, denn es kamen häufig Leute der rings umher biwa­kierenden Truppen, welche die Bretterbekleidung deS Hauses abzureißen versuchten, um Holz zum Feuer und für Schutzdächer zu gewinnen. Gleicherwerse wollten sie sich auch in Besitz von Stroh setzen, wel­ches sich auf einem bodenähnlichen Raum der einen Seite des Einfahrtstores befand, auf dem aber schon eine Menge Mannschaften wie Heringe neben« und übereinander lagen. Zwischen den beiden Toren auf der Tenne hatten sich andere Leute kleine Feuer an« gezündet und kochten sich Pferdefletsch. Außer den Menschen befanden sich auf derselben mich noch Pferde, die an den fest verschlossenen Toren angebun­den waren. Nicht gesonnen, sich etwas von ihrer Be­hausung wegnehmen zu lassen, drohten die im In- nern befindlichen auf jeden zu schießen, der es ver­suchen iollte, dar Haus zu beschädigen. Einige, die aufs Dach gestiegen waren, und schon an gefangen hatten, die Schindeln obzuretßcn, mußten eiligst flüch­ten, um nicht getötet zu werden.

ES mochte elf Uhr fein, als wir plötzlich durch Lärm aufgeschreckt wurden. Die Pferde, welche an der Innenseite des Tores, an dessen Außenseite wir lagen, angebunden waren, trampelten und suchten sich offenbar loSznreißen. Ein furchtbarer Tuuiult ließ sich hören. Qualm drang zu uns heraus. DaS

sind. Der Rechtsweg ist also in Zukunft gegen di, Maßnahmen der Behörden, die die Pensionierunx eines Beamten ausgesprochen haben, nicht mehr zu. lässig.

* Teure Zeiten. Der Verein deutscher Brief, umschlagsabrikanten hat eine Erhöhung der K u- bertsgreife um 10 Prozent beschlossen

* Die VorauSbeftellung von V-Zugplötzen ist kürzlich neu1 geregelt worden. Nach der neuen Be- stlmmung, die am 1. April in Kraft tritt, können die Reisenden, die Fahrkarten für einen U-Zug von der Abgangsstation ab besitzen, die notwendigen Pläye im voraus bestellen. Die Gebühr für telegraphische Bestellung der Plätze beträgt 25 Pfg. Werden die vorausbestellten Plätze auf d'er Abgangsstation des be» treffenden Zuges nicht eingenommen, so kann später ein Anspruch darauf nicht mehr erhoben werden.

♦♦ Der Verband der V'ehversicherungsverein« für den Reg.-Bez. Kassel wird am 6 März, nach, mittags 3 Uhr, in Kassel im kleinen Saale des Evan« gelischen Vereinshauses seine 6. Generalversamm­lung abhalten. Die Tagesordnung verzeichnet u. a folgende Punkte: Bericht über die Tätigkeit des Ver­bandes für das Jahr 1912. Kassenbericht über das Geschäftsjahr 1912. Antrag des Rindvieh-Versiche- rungsvereins H Großkrotzenburg auf Gewährung einer Reiseentschädigung für die Vertreter der Ver­eine zur Generalversammlung. Anträge und Wünsche aus der Versammlung.

! Gesckichtsvcrein. Die beute abend im Bürger, verein stailfinvenve Beisammlung deS Fuldaer GelchichtS« Vereins dürtre wegen deS Bortrages des Herrn Cebietj Hack zu Petersberg für weitere Kreise der Fuloaer Be­völkerung von hohem Interesse sein. Der Bortraaenoe wird mit ausgenorbenen und im Aussserden begriffenen Sitten und Gebräuchen der Fuldaer Landbevölkerung bekannt machen und «inen Einblick in das Leben uns Treiben vergangener Tage gewähren.

— 5. Abonnent entskonzert. Am Donnerstag abent gibt das Trompeterkorps unseres Feldartillerie, r e g i m e n tS im Saale deS BiirgervereinS sein fünftel Dbonnementskonzert. An der Spitze der abwechselnngs. reichen VortragSordnung steht der Esperanto-Marsch von Richard Maier-Fulda. Ferner seien erwähnt: Ouvertüre zum Melodrama „Preziosa" von C. N. von Weber, „Eine nächtliche Wanderung", Fantasie von Starke, „Ihte Perle de I’Ccean", Fantasie von Ctterer Trompetensolo (Herr Behn) „Heinzelmännchens Braut, fahrt", Charakterstück für Streichinstrument von Ha. gelbauer, Chor auS der'Oper „Die Lombarden" von Verdi und „Am Golf von Neapel", italienische Suite von Eilenberg.

(*) Athletik. Anläßlich seines 6. Stiftungsfester ver- onftaltet der 1. Fuldaer Athletik-Sportklub „Viktoria" am Ostersonntag im Restaurant .Hohenzollern" einen Variets« und Soortabend. Als Mitwirkende sind außer hiesigen erstklassigen Athleten der WeltmeifterfchastS« ftemmer Tugen Ruland aus Höchst a. M , sowie ver. schiedene andere auswärtige, als Akrobaten belannl» Athleten verpflichtet.