Fuldaer Leitung
Monats-Vellage:
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Zuldaer SefchichtsblLtler
S riehmigslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Catterie. — halbjährlich Taschenfahrplan. S
nr. 41
Crfles Blatt.
Mittwoch den 19. Februar 1913
40. Zahrgang
<rld)ftnt Mgfid) mH Ausnahme der Sonn* und Feiertage. OlerteU jfll)rüd)er Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Hulda sowie auswärts 1.50 mark. •••• RotationsOruck und Verlag Oer t S Hulda er Actienörudrerei in Hulda. Hemlprecher Nr. 9. SS
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Illustrierte Sonntagszeihmg
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ium Zwecke der Wahlagitation
sagen rcsp. unmöglich machen kann. Ferner ob die be. treffenden Beamten zum Zwecke der Wc" " ihren Urlaub in die Wahlzeit legen können.
Tentscher Reichstag,
Sitzung vom 18. Febr. 1913.
Auf der Tagesordnung stehen Kurze Anfragen.
Auf die Frage der Abgg. Paasche (nall.) und Tove (vp.j. nckch Zulassung^ junger Aktien und Obligationen jei Deutschen Erdöl» Aktiengesellschaft zur Iloliz au die Berliner V ürse erwidert
Unterstaatssekretör Richter: Die Zulassung zur Der. siner Börse widerspreche den bestehenden Bestimmungen des Gesetzes. Tas Borgehen des Ministers hält sich innerhalb der Befugnisse, die durch das Börsengesetz fest- gestellt find. Zu Maßnahmen gegenüber dem Minister liegt hiernach leine Veranlassung vor. (Heiterkeit.)
Die Pariser Uebereinkunft zum Schutze des gewerb. sichen Eigentums und der Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung der genannten Uebereinkunft wird in zweiter Lesung ohne Debatte angenommen.
Eine Reihe von Wahlen werden für gültig erklärt. * Darauf wird die zweite Beratung des Postetats fort- gesetzt. Die namentlichen Abstimmungen über die O st- Markenzulage werden am Donnerstag zu Beginn der Sitzung vorgenommen werden.
Abg. Antrick (Sog.) bringt eine Reihe von Beschwerden aus Braunschweig vor.
Abg. Erzberger (Z.) bittet den Staatssekretär um eie authentische- Erklärung, ob er oder eine andere Be- Hörde einem Reichsbeamten, wenn er in einem Einzel- Landtag gewählt ist, die Ausübung des Mandates unter-
Staatssekretär Krätke: Den Beamten sind wegen Ihrer parlamentarischen Tätigkeit noch nie Schwierigkeiten gemacht worden. Die Stellvcrtretungskosten sind stets auf Reichskosten übernommen worden; wenn nicht ganz erhebliche Schwierigkeiten entgegenstehen, so ist den Beamten stets ein kürzerer Urlaub vor den Wahlen erteilt worden.
Abg. Sachse (Soz.): Im vorigen Jahre wurde eine Liste der Bezieher der „Steigerzeitung" der Gruben. Verwaltung ausgeliefert, die daraus die Mitglieder des Eteigerverbandes feststellen wollte. Ich hatte damals Postbeamte im Verdacht, stelle aber heute fest, daß mein Verdacht unbegründet war.
Abg. Hubrich (Vp.) bringt Ordens, und Titelwünsche der Kanzlisten vor und tritt für Gleichstellung der Postsekretäre mit den Telegraphensekretären und der zweiten Wiederholung der Sekretärprüfung ein.
Abg. Schirmer (Z.) ist entgegen den konservativen Bedenken für Zulassung der Frauen zum Postdienst in angemessenem Verhältnis zu den männlichen Beamten und für gleiche Bezahlung beider. Wir haben einen gewaltigen Ueberschuß an Frauen. Nun wird immer gesagt, man soll sie in die Kolonien schicken. Nein, wir wollen unsere Frauen bei uns behalten. (Heiterkeit.) Wir müssen aber staatliche Stellen für sie besorgen.
Abg. Werner-Hersfeld (Reformp.): Ich habe gegen die Verwendung der Damen im Postdienst nichts einzuwenden, in erster Linie müssen aber Männer berücksich. tigt werden, die einen Hausstand gründen und damit den Damen einen weiteren Betätigungskreis eröffnen können. Das liegt auch im Staatsinteresse. (Bravo!)
Abg. Erzberger (Z.): Ich kann im Namen meiner Fraktion die bestimmte Erklärung abgeben, daß wir erwarten, daß bis zur dritten Lesung eine Regelung der firittigen Gehaltsfragen in der Weise erfolgt, daß wir alle ruhig zustimmen können. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum des Staatssekretärs, wenn er eine Aenderung unserer Haltung erwarten würde.
Der Titel wird mit der von der Kommission beschlossenen Zulage von 300 Mark für das älteste Dritte! der Beamten einstimmig angenommen, eßen, so die Resolution der Kommission auf Vermehrung der höheren Stellen, Wiederherstellung der T e l e g r a - p h e nsekretärprüfungen. Aenderung des Besoldungsgesetzes, sowie der K i n d e r z u l a g e. Die Resolution auf Anrechnung pensionsfähiger Zulagen bei Versetzung an eine Stelle ohne Zulage wird durch Hammelsprung mit 185 gegen 103 Stimmen angenom. men.
Die folgenden Titel werden nach den Beschlüssen der Kommission angenommen.
-! ku^er Debatte beim Titel Postagenten folgen die Titel: Unterstützung für untere und mittlere Be-
Der Gras von Tarent.
46] Roman in 8 Bänden von F. Steinkirchner.
„ s"®lJte2n. siilt's" sagte die Cisarelli langsam nnd gedehnt Ich tue es ungern. Kinder sind schutz- los und unschuldig, die Engel wachen darüber. Tut es nicht, Fremder, laßt das Kind am Leben. Ich habe eines gehabt und es ist mir gestorben, kaum daß es das Zweite Jahr erreicht hatte. Als es im Sterben lag, da lächelte es mich an, als wollte es Lebe- wohl sagen zu mir. Das ist vor vielen Jahren gewesen, ich kann es nicht vergessen."
"dah. behaltet den Gefühlsdusel für Euch, mir Ä 'T weg- und ich will es beseitigen. Gebt Ihr nicht das Gift, dann tut es eine andere die minder neugierig ist." '
„Das ist wahr. Mich trifft keine Schuld' Ihr habt die Verantwortung zu tragen, nicht ich" Die Alte hatte sich erhoben und ging in eine Ecke des Raumes, wo sie eine Zeit lang unter kleinen Gläsern herum hantierte. Tann brachte sie ein kleines Fläschchen mit einer blaßroten Flüssigkeit. Zuerst öffnete sie leise die Türe und horchte hinaus. Tann -am sie'zurück, in den knochigen Fingern die kleine Phiole haltend.
„Wer immer Ihr seid, ich warne Euch ein zwei- tes Mal, einem Kinde das Leben zu nehmen," fuhr die Cisarelli fort, „vielleicht werdet Ihr selbst nicht lange leben."
„Unsinn; damit schreckt Ihr mich nicht," sagte er lachend. „Wie soll das Gift angcwendet wer. den?"
„Zehn Tropfen töten in wenigen Minuten, sieben führen den Tod in vierundzwanzig Stunden herbei und der Kranke muß leiden!"
"Ich fürchte mich nicht, Alte. Seid Ihr sicher, daß die Flüssigkeit all die Eigenschaften besitzt, die x)hr eben genannt?"
. "Ja, ich hin sicher; glaubt Ihr meinen Worten wcht, dann gießt, wenn Ihr nach Hause kommt, Grinde icb’ Tropfer in den Racke- und er
amte, sowie für Kanzlei- und Unterßeamte, Errichtung von Genesungsheimen sowie
die Ostmarkenzulage.
Die Kommission hat gegen die Stimmen der Liberalen und der Rechten die Ostmarkenzulagen gestrichen und statt dessen Kinderzulagen für die Reichsbeamten eingeführt. Von den Parteien, die für die Ostmarkenzulagen sind, liegen nun Anträge vor, sie wieder einzu- ftellen und sie auch auf Elsaß-Lothringen auSzudehnen-
Abg. Schlee (natl.): Recht und Billigkeit fordern es, daß die Reichsbeamten ebenso besoldet werden wie die preußischen; sonst setzt man baS Ansehen des Reiches herab. AuS rein wirtschaftlichen Gründen müssen die Ostmarkenzulagen gewahrt werden.
Abg. Schulz-Bromberg (Reichsp.): Auch wir hoffen, daß eine Verständigung in dieser Frage möglich ist, zumal eS sich um eine rein wirtschaftliche, nicht aber um eine politische Frage handelt. DaS Wort Korruptions- fonds ist ein Wort von übelster Sorte. Es stellt sich wie andere Worte dieser Art ein, wenn die Begriffe fehlen. Sagen Sie es nur einmal den Beamten ins Gesicht. Sie werden sehen, was Sie für eine Antwort erhalten werden!
Abg. Ledebour (Soz.): Die Ostmarkenzulage ist gegen den Willen der Reichsiagsmehrheit eingeführt worden. Der Freisinn fiel erst um, als sie in Preußen eingeführt war. Es sind Korruptionszulagen. Viele Beamten schämen sich dieser Geschenke. (Zuruf: Sie nehmen sie aber doch!) Sonst werden sie rausgeschmissen, nicht wahr, Herr Staatssekretär?
Abg. Dr. Ehlapowski (Pole): Die Reden des Staats- sekretärs und die der Vertreter der liberalen Parteien waren ein neuer Beweis für den politischen Charakter der Zulagen.
Abg. Hubrich (Vp.): Wir werden für die Ostmarkenzulage stimmen.
Abg. Wendel (Soz.): Der Freisinn stimmt aus denselben Gründen für die Ostmarkenzulage, aus denen er für den hakatistischen Sprachenparagraphen gestimmt hat. Er will der Regierung keine Ursache geben, ihn auszuschalten.
Abg. v. TrampezinSki (Pole): Wenn Preußen die Zulagen hat, so brauchen wir sie doch nicht für das Reich zu haben. Preußen soll sich nicht in diese Reichsangelegenheit mischen. Die Haltung der Regierung ist auch sonst inkonsequent. Als über die niedrigen Ar- beitslöhne im Osten geklagt wurde, wurde darauf hingewiesen, daß im Osten die Lebenshaltung billiger sei. Jetzt heißt es umgekehrt.
Abg. Haegy (Els.-Lothr.): Der Ostmarkenzulage stehen wir nicht sympathisch gegenüber. Wir werden aber der Ausdehnung auf Elsaß-Lothringen zustimmen.
Siaatssekrerär Kratke: Der politische Charakter der Zulage ist erst von den einzelnen Parteien zugelegt worden. Viele Jahre hatten die Beamten die Zulage bekommen, sie würden die Entziehung als einen schweren Schlag empfinden. Der nationalliberale Antrag ist undurchführbar, ließet die Ausdehnung auf Elsaß. Lothringen läßt sich reden.
Die Titel, mit Ausnahme der Ostmarkenzulage, über die erst am Donnerstag aßgeftimmt werden wird, werden ßetoiDigt
Nach Bewilligung des Titels Zuschuß zu den Kranken- lassen vertagt sich das Haus.
Mittwoch: Schwerinstag: Zentrumsantrag auf Auf- heßung des Jesuitengesetzes.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 18. Februar 1913.
Die Beratung des JustizetatS wird fortgesetzt.
Abg. SBuermeling (Ztr.) wünscht, daß bei der Auswahl der Vormünder auf die Religion des Mündels Rücksicht genommen werde, ebenso bet der Auswahl einer Anstalt oder einer Familie, uno fordert eine Verbindung der Vormundfchailsgerichte mit der allgemeinen Liebes- lätigkeit.
Minister Dr. Beseler erklärt, daß alleS Erforderliche getan werde.
Abg. Cassel (Vp.) wünscht stärkere Heranziehung deS Laienelememes zur Rtchisprechung.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) bezeichnet die AuS,
wird verenden vor Euren Augen in wenigen Minuten. Die Cisarelli betrügt ihre Kunden nicht."
„Gebt das Gift."
„Ich bin eine arme Frau, ich mutz' Geld haben." „Zum Henker, natürlich zahle ich Euch, ein Edelmann bleibt einer alten Hexe nichts schuldig." Er warf ihr eine Anzahl Goldstücke zu, nach denen sie begierig griff.
Sie schob ihm die Phiole zu, die er augenblicklich in den Taschen des Mantels barg.
„Herr, Ihr habt Euer Geschäft erledigt, nun tut einer alten Frau die Gefälligkeit, zeigt mir die innere Fläche Eurer rechten Hand."
Widerwillig nur tat er das Gewünschte. Sie studierte aufmerksam die Linien. Plötzlich richtete sie sich auf.
„Ich mahne Euch noch einmal, laßt daS Kind am Leben, Herr, sein Tod wird Euch wenig Nutzen bringen, denn ehe der Mond dreimal wechselt, liegt Ihr in Eurem Grabe."
Er stietz die Alte von sich, dann stürzte er ein Glas Wein hinunter und verließ ohne ein weiteres Wort Vas Haus.
Im selben Augenblick tz'hob sich draußen vor dem Fenster ein Mann in gebückter Stellung. Er hatte oaz ganze Gespräch deutlich vernommen. Sein Gesicht war totenbleich, die Augen blickten unheimlich starr.
Drohend schüttelte er die geballe Faust hinter dem Tavoneilenden.
„Verfluchter," murmelte er. „Gewiß, ehe der Mond dreimal wechselt, sollst Du sterben — sterben von me' ter Hand!"
Es war der Prinz von Indien.
Da, wo die Brücke über den Tiber nach der Kapelle Can Augustino führt, blieb Anatole von Mene- villc stehen. Er hörte deutlich Pferdeaetrappe! hinter sich aus der Richtung, von wo er g kommen. Er druckte sich an das Gemäuer der Kirche und ließ die I Reiter herankommen. Beim trüben Scheine der CeU lantpe an der Ecke wollte er versuchen, dieselben an ■ fid? vorbei passieren zu lallen, obne selbst bemerkt zu 1
fübrungen des Abg. SBuermeling als koniessionelle Hetzereien uno W ihlmanövrr.
Avg. FaUin (Ztr.) befürchtet, daß bei einer lieber« tragung brr ErnennungsbeiugmS zum Amtsanwalt auf die Oberstaatsanwälte Unregelmäßigkeiten in der Anstellung Vorkommen, indem tue Anwärter des jeweiligen Bezirkes bevorzugt würden. Er bittet um Beschleunigung bet der Schaffung etatsmäßiger Stellen und bessere Bezahlung der tm Nebenamt tätigen Amtsanwälte. Dann fordert er dte Gletchuellung oer Gerichtsjettetäre mit den VetwaltungSfekretären.
Abg. Frank iZtr.) bittet, die Wünsche deS Bundes deutscher Juntcheamten um Unterstützung und Empfehlung unter den preußtlchen mittleren Jufttzdeamten nochmals ttt Erwägung M ziehen.
Abg. v. d. Hagen Bittet, die Referendare mit dem Protokollschreiben nach Diktat möglichst zu verschonen.
Abg. Bartscher (Z.) bedauert, daß die Petitionen der Kanzleibeamten noch nicht haben beraten werden können, und wünscht Besserstellung der Kanzleibeamten.
Geheimrat Fritze: Sobald die schwebenden Erwä- gungen über die Aenderung deS ganzen KanzleiwefenS abgeschlossen sind, werden die Wünsche deS Vorredners geprüft werden.
Die Abgg. Mathis (natl.), Viereck (ft.), Dr. Lieb- knecht (Soz.) und Vaerwald (Vp.)- sind ebenfalls für Besserung der Justizkanzleibeamten.
Abg. Fältln (Z.) bemängelt die neue Gerichtsvoll- zieherordnung und fordert zur gründlichen Prüfung deS Gerichtsvollzieherwesens, Einberufung einer Konferenz von Justizbeamten, Rechtsanwälten, Gerichtssekretären und Gerichtsvollziehern.
Abg. Bartscher (Z.) wünscht endlich Gewährung von Teuerungszulagen an die llnterbeamtcn.
Abg. Faltin (Z.) wünscht bessere Ausbildung der Dolmetscher und Erhöhung ihrer Zulagen.
Abg. Göbel (Z.) tritt für eine Aufbesserung der Arbeitsaufseher in den Gefängnissen ein.
Abg. Schm:di (Z.) beklagt, daß in den Gefängnissen in Breslau, Essen und Danzig trotz der hohen Zahl der katholischen Gefangenen ein Geistlicher im Hauptamt nicht angestellt wurde. Ter moderne Strafvollzug fordere individuelle Behandlung und genaue Analysierung des Gefangenen. Es wäre zu wünschen, daß in Fällen, in dem vom Untersuchungsrichter ein Verbot zum Kir- cheugang nicht besteht, der katholische Untersuchungs. gefangene feiner Sonntagspflicht genügen könne. Zum mindesten müsse gerade in kleineren Gefängnissen jeder Gefangene im Besitz eines religiösen Buches fein. Er bittet den Justizminister, von dem ihm zustehenden Rechte der vorläufigen Strafentlaffung ausgiebig Ge- brauch zu machen.
Geheimrat Piaschke erklärt, daß die vorläufigen Entlassungen erheblich zugenommen und eine Vorschrift bestehe, daß in jeder Zelle ein Gebetbuch vorhanden fein müsse. Der Seelsorge in den Gefängnissen ’.oeibt die größte Sorgfalt entgegen gebracht. Eine Rückfrage in Danzig und Breslau sei zufriedenstell-nd gewesen, trotz, dem toütb. bü Anregung im Auge behalt.n.
Mittwoch: Fortsetzung, Etat für Handel und Gewerbe.
:: Der Tafelgclderstreit
hat feine Lösung gefunden und zwar in einem Sinne, der einen vollen Erfolg des Zentrums bedeutet. Ein neuer Zentrumsantrag, mit dem die Marineverwaltung ihre Zustimmung erklärt hat, bestimmt, 1. datz die dienstlich eingefchifften Offiziere freie Verpflegung erhalten, was das Zentrum _ nie beanstandet hat; 2. daß diese aber nur gewährt wird, wenn die Offiziere an Bord Dienst tun; wer also beurlaubt ist, wer keinen Dienst an Bord tut, erhält auch keine Tafelgelder; 3. daß „blinde Tafelgelder" nicht mehr bezahlt werden.
Damitz ist der Stein des Anstoßes beseitigt. Ein. Offizier, der sich nicht auf dem Schiff befindet, erhält auch nicht mehr die nur für den Aufenthalt an Bord bestimmte Zulage; er genügt nicht mehr, datz das Schiff im Dienst steht, sondern jeder Offizier muß Dienst tun, dann nur werden die Tafelgelder bezahlt. Das hat das Zentrum von Anfang an verlangt; dies hat es nun auch erreicht, indem die
werden. Gerne hätte er gewußt, was es für Leute waren, die in der Nacht hier draußen ebenfalls Geschäfte gehabt hotten.
Bald hätte er einen Schrei der Ueberraschung auSgestoßen. Der erste Reiter sah seinem Gastwirte ähnlich, wie ein Ei dem anderen. Der zweite ritt allein, er war vermummt, das Gesicht war nicht zu sehen. Seine Figur, die Haltung auf dem Pferde er- mnerten ihn wiederum an den verstorbenen Tarent, wie zwei Stunden vorher die Stimme. Dann glaubte er wieder den Prinzen vor sich zu sehen. Hinter dem Vermummten ritten zwei bewaffnete Diener und von den zwei Hunden knurrte einer bedenklich stach der Richtung wo der Baron versteckt war.
Als die Reiter dem Gesichtskreise des Barons entschwunden waren, trat dieser ans seinem Versteck hervor. Er wischte sich den Schweiß vom Gesicht.
„Wenn ich nach Genna komme, werde ich ins Grabgewölbe hinnntersteigen und mich überzeugen müssen, daß Tarent in seinem Sarge liegt," murmelte er, „sonst werde ich zum alten Weibe und sehe Gespenster bei Nacht und bei Tage. Vorher glaubte ich seine Stimme zu hören, dieses Mal bildete ich mir ein, er reite lebendig mir an der Nase vorüber. Im Vordermanne glaubte ich meinen Hauswirt zu sehen, der doch sicherlich seit Stunden in den Federn liegt. Ich werd? verrückt, wenn es so weitergeht."
Eine halbe Stunde später ritz Meneville an der Glocke bei seiner Herberge, denn das Hans lag im tiefsten Dunkel und die Türe war verschlossen. Es dauerte geraume Zeit, bis scklürfende Tritte hörbar wurden, dann wurde das Tor von innen geöffnet und der Baron blickte in das verschlafene Gesicht seines Hauswirts, der in tiefem Negligee vor ihm stand und offenbar ans dem Bette kam.
„Ah. der gnädige Herr Baron! Die Knechte Wutz- ten nickt, daß Sie fortgegangcn waren, f chicff en das Tor und nun schnarchen die Kerle in ihren Kammern, daß man es durch das ganze Haus hört. Ein Glück, daß ich einen leichten S hlaf habe und die Glocke hörte."
Der Baron sah ihm prüfend in das Gesicht. „Hört, würdiger 7 xt. habe ick Euch nickt beute nacht —
Marineverwaltung diesen Antrag des Zentrums an nahm.
Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war ein Mißverständnis auf beiden Seiten die Ur- fache des scheinbar vom Zaune gebrochenen Kon- flikts. Die Idee des ersten Zentrumsantrages war gut begründet. Das Zentrum wollte ledig- lieh, daß die Offiziere, die schon recht hohe Ge- Halter haben und tn jungen Jahren rasch avancieren, nicht dann die hohen Tafelgelder und Meffegelder erhalten sollen, wenn sie nicht im Dienst sich befinden, sondern in Kiel, Wilhelmshaven usw. liegen, wo bekannttich die Offiziere deS Landheeres auch nichts erhalten als ihr Gehalt. Sogar Admiral v. Ahlefeldt hat ganz offen in einer Broschüre gefchrie- ben, daß ein Seeoffizier es schon recht ungeschickt an- fasten müsse, wenn er sich nicht ein Rittergut taufen könne, falls er als Admiral abgehe. Dazu aber sind die Grhälter nicht da und die Steuern des Volkes auch nicht. Wir gönnen den Seeoffizieren alles Gute, aber andere Leute haben auch ein Recht, berücksichtigt zu werden.
Der Referent des Zentrums war nun beauftragt gewesen, über den Antrag wegen der „blinden" Tafelgelder und seine Form mit den Vertretern bei Reichsmarineamts in der Budgetkommission vorhei Rücksprache zu nehmen, tote das allgemein bei derartigen Anträgen, namentlich bei militärischen Maß- nahmen üblich ist. Leider erkrankte der betreffende Abgeordnete ganz plötzlich und mußte abreisen, ohne daß er Gelegenheit zu einer solchen Aussprache gehabt hätte. Tie Folge war eine Form des Antrages, die in ihrer Tragweite im ersten Augenblick nicht übersehen werden konnte. Im Zentrum war man der Meinung, das Reichsmarineamt sei unterrichtet von dem Anträge, während wiederum Staatssekretär von Tirpitz aus dem Umstande, daß er nicht unterrichtet war, ganz andere, und tote er heute wohl selbst einsieht, falsche Schlüsse gezogen hatte.
Tas ist der Tatbestand des angeblichen Konflikts ztoifchen dem Zentrum und dem Staatssekretär des Reichsmarineamles. Von einem Mißtrauen gegen das Offizierkorps oder gar ge- gen den verdienstvollen Staatssekretär des Reichsmarineamts kann keine Rede sein. Der Vorfall zeigt nur, tote viel Nervosität allseits, namentlich in einer gewissen Presse sich angesammelt hat und eine sachliche Beurteilung selbst reiner Etatsfragen erschwert. Denn schließlich war die ganze Sache doch nur eine der vielen Etatsfragen, die bald hier, bald dort, bald diese, bald jene Fraktion in einen Gegen- satz zu der Regierung oder einem Staatssekretär bringen können. Weniger politischer Haß, weniger Nervosität, mehr Sachlichkeit und politischer Ernst werden solche wirkliche oder vermeintliche Konflikte verringern.
Der ganze Streitfall hat gestern in der Budget k.o m m i s s i o n des Reichstags mit einer erfreuliche Verständigung geendet. lieber die Sitzung geht uns folgender Bericht zu:
Im Budget-Ausschuß des Reichstages präsidierte am Dienstag an Stelle des zum Begräbnis des verstorbenen Abg. Dr. Schädler nach Bamberg abgereiften Vorsitzen, den Dr. Spahn der Abg. Dr. Sübekum (Soz.). Zur Verhandlung stand der Marineetat, und eS kam zunächst die Frage der Verpflegungszulagen (Tafel- unb Messegelber) zur Erörterung. Der in ber Frage burch bas Zentrum gestellte Antrag, biefe Zulagen nur für die Tage bauernber Abwesenheit bei Fahrten auf hoher See zu zahlen, ber zu ber vielfach in ber Presse erörterten scharfen Ablehnungserklärung des Staats, sekretärs von Tirpitz geführt hatte, würbe zurückgezogen. Dafür lag folgenber Antrag ber Zentrumsmitglieder des Budget-AuSschuffeS vor: „Dem Kapitel 52, Titel 1, folgende Anmerkung im Dispositiv zu geben: Dienstlich eingeschiffte Offiziere, Fähnriche, Seekadetten, Aspiranten, Deckoffiziere und Beamte, welche an Bord Dienst tun, haben Anspruch auf freie Verpflegung. Blinde Tafelgelder dürfen nicht gezahlt werden. Die für die
etwa vor einer halben Stunde noch — an mir vorbei- reiten sehen?"
Im höchsten Grade überrascht schaute der Wein- wirt seinem Gaste ins Gesicht. „Der gnädige Herr belieben zu scherten, ich habe bereits einige Stunden Scklas hinter nur, und was meine Reitkunst anbe- trifft, so wird Euch jeder meiner Nachbarn bestätigen, daß ich in meinem Leben noch nie die Beine über den Rucken eines Pferdes geschlungen habe. Ah, es wäre auch zu drollig."
Der Baron nickte befriedigt, als er fein Zim- mer betrat. „Ich sagte eS ja," murmelte er, „ich fange an, Gespenster zu sehen — der Tölpel ist ebensowenig an der Kirche San Augusttno vorbeigeritten, ats wie Tarent, der stttmm in feinem Sarge liegt. Ich btn auf dem besten Wege, ein Narr zu werden." —
Während Meneville sich erschöpft zu Bette legte, saß der Weintmrt in feinem Zimmer und zählte vergnügt ganze Reihen von Goldstücken.
„Tas war eine gesegnete Nacht," sagte er schmun. zelnd zu sich selbst, „der Prinz von Indien ist ein Mann von Wort. Es kann sehr lange dauern, bis ich wieder so viel verdiene.
9.
Bixio in Nöten.
ES war abends um die achte Stunde, als Baron Meneville seinem Versprechen, das ri uem Prinzen von Indien gegeben, nachkommend, sich durch einoi der Türsteher melden ließ.
Sofort erhob sich der Prinz und ging dem Singe, tretenen freundlich lächelnd entgegen. „Das ist ja schön von Ihnen, lieber Baron, daß Sie sich untft meinem Dache »eigen. Sie finden eine ganze Anzahl Freunde hier, nicht wenige sind darunter, die unlängst Zeugen unserer kleinen Spieltisch-Asiäre waren. Ah, nun kommt der Vieomte Birio, sein Gesicht glüht vor Freude, Sie wieder zu sehen, überzeugen Sie sich selbst."
(Fortsetzung folgt)