Zuldaer Zeitung
« Ziebungsliften der preußisch-süddeutschen Ktaffen-Eotterie. — halbjährlich Laschenfahrplan. S
Erstes Blatt
Dienstag den 18. Februar 1913
Nr. 40
40. Zahrgang
mit
geordnelenhaujes v. Köller die Glückwünsche des
es
Uta
(Fortsetzung folgt)
Hauses zu seinem heutigen 90. Geburtstag zu über« miileln. (SeifaU.) Ich werde demgemäß versahren.
Die Beratung deS Justizetats roirb beim Titel „MmmergehaU sorigesetzl.
Äbg. Mathis naiLi: ®n A fforen müssen vielfach zu lange warten, bis sie zur .eUung kommen. ES rst zu wümchen, daß auch andere Abgeordnete sich der Assessoren annähmen, sonst wird die Rechtsanwaltkarliere zu sehr überfüllt.
Abg. Müller-Koblenz (Ztr.): Die Prädikat-Assessoren sollten nicht so sehr bevorzugt werden. Zu beklagen ist der große Andrang zur juiiitischen Karriere. Eine Beschleunigung des Prozeßverfahrens ist zu erstreben. Der Vorwurf des Frimalismus, der den Richtern gemacht wird, ist nichts als ein Schlagwort. Für den Richter sind in erster Linie die geltenden Rechtsnormen maßgebend. So roaitne Wo>le wie für die Richter bat der Minister für die Rechttanwälle nicht gehabt. Die Sozialdemokraten klagen über Klassenjustiz. Sozialdemokratische Richter würden aber über ihre Gegner auch nicht milder urteilen, (ibg. Hostmann: Versuchen Sie es einmal!!) Herr Hoffmann, vor Jhmn als Richter möchte ich auch nicht stellen. Der Fall Eulenburg erjüllt weite Steife mit großem Unbehagen. Em so.cher Fall darf nicht wieder voikoinmen. ,Sehr richtig!» Der Munner kann sich um die Rechtspflege verdient machen, wenn er sich bei Beifügungen, ö:e eine Besserung unserer Rechtspflege bezivecken, mehr von idealen Gesichlspuntlen leiten läßt. (Beifall im Zentrum.)
Justizminister Beseler: Es ist mir nicht erinnerlich, daß hier im Hause solche Angriffe gegen die Rechtsanwälte erfolgt sind, wie gegen die Richter. Deshalb hat sich für mich kein Anlaß gegeben, für die Rechtsanwälte einzutreten. Es wird niemand behaupten können, daß es uns an Wertschätzung des Rechtsanwaltstandes fehlt. Man^ kann nicht davon sprechen, daß die Durchschnittsassessoren einer hoffnungslosen Zukunft entgegengehen. Ich muß dabei stehen bleiben, daß wir in der Erarnen- und Anstellungsfrage auf dem richtigen Wege sind.
Die Debatte wird geschlossen und der Titel Ministergehalt bewilligt. Beim Kapitel Justizprüfungskommission wendet sich
Abg. Bell (Z.) gegen eine Verschärfung der P r ü - fung der Assessoren und bemerkt, bei der Re- ferendarprüfung sollte man nicht so sehr die Kenntnis aller gesetzgeberischen Einzelheiten, als vielmehr einen gesunden Ueberblick über das Material und eine klare juristische Auffassung verlangen.
Beim Kapitel Lberlandesgericht führt Abg. Witzmann (natl.) aus: Man sollte bei Strafsachen an Stelle des Legalitätsprinzips das Utilitätsprinzip einfübren und nicht bei geringfügigen Vergehen gleich nach dem Staatsanwalt rufen.
Beim Kapitel Landes- und Amtsgerichte bemerkt Abg. Hammer (kons.): Die Detaillisten führen Klage darüber, daß die Justizbehörden nicht immer mit der nötigen Energie gegen den unlauteren Wettbewerb vorgehen.
Justizminister Beseler: Es liegt nicht in meiner Kompetenz, den Behörden in dieser Richtung Anweisungen zu geben. Tiesenigen, die sich benachteiligt glauben, steht der Beschwerdeweg offen.
Nach weiterer Debatte, die sich in der Hauptsache um lokale Wünsche dreht, wird die Weiterberatung aus -Dienstag 11 Uhr vertagt.
:: Französische Rüstrmgsvorlaqen.
* Paris, 17. Febr. 1913. Wie der „Temps" ankündigt, hat die französische Regierung seit drei Wochen die Frage geprüft, wie die aktive Armee Frankreichs verstärkt werden könne angesichts der neuen Armeeverstärkungen in Deutschland. Die Regierung ist danach zu dem Entschluß gekommen, dem Parlament eine ganze Reihe dringlicher Reformen vorzuschlagen. Im Laufe der nächsten Woche sollen drei wichtige Entwürfe betr. Vermehrung des Landheeres bekannt gegeben werden.
Es wird ein dringlicher, außerordentlicher Kredit von 70 bis LO Millionen Francs verlangt werden, der dazu bestimmt ist, noch vor Jahresschluß die auf mehrere Jahre verteilten Reformen in Material
Llchem« rögtld) mit flusnagmc Oei vonn- unO Feiertage. Qierlel- |Ohrlid)er Bezugspreis ohne Brtngerlobn und Bestellgeld in $ulöa sowie auswärts 1.50 mark. •••• Rotationsbru» und Verlag der c • Zuldoer flchenöruckerei tn Sulöa. Zernsprecher Nr. 9. : s
unb Ausmusterung durchzuführen, insbesondere die betreffs der befestigten Plätze, der Umwand, lung der Granaten und der weiteren Vermehrung der Artilleriemunition.
Ein zweiter Kredit, welcher sich auf mehr als 500 Millionen Francs belaufen dürfte, werde noch vor Ostern vom Parlament verlangt werden, um ver- schiedene Rüstungs rmeit, namentlich die betreffs der festen Plätze, der Artilleriemunition, der schweren Artillerie und der Militärluftschiffahrt zu einer bestimmten Frist möglichst rasch, eventuell mit Hilfe der Privat. industrie, durchzuführen.
Ferner wird der Kriegsminister in der nächsten Woche ein Programm behufs Vorbereitung der als unerläßlich erachteten Vermehrung der Mannschaftsbestünde vor. legen. Alle Vermehrungen, welche durch finanzielle oder administrative Maßnahmen ohne Abänderung der bestehenden Militärgesetze verwirklicht werden können, wer. den unverzüglich durchgeführt werden. Zu diesem Zweck sollen die gewerblichen, in den Verwaltungsabteilungen als Krankenpfleger, Schneider usw. verwendeten Leute dem Waffendienst zugetellt werden. Ferner soll das Kapitulantenshstem und die Rekrutierung der Eingeborenen in Algerien, Tunis und Westafrika ergiebiger gestaltet werden. Da jedoch die ins Auge ge. faßten Reformen nur ein unzureichendes Ergebnis liefern dürften, wurde der Kriegsminister aufgefordert, die notwendigen GeseheSabänderungen vorzuschlagen. Diese Anträge werden vom Ministerrat unverzüglich ge, prüft werden und rascheste Genehmigung erhalten. Die in Betracht kommenden Lösungen sind: 1. die Rückkehr »um dreijährigen Dienst für gewisse Waffen. Gattungen, 2. Einführung eines dreißigmonatigen Dienstes für alle Waffen, oder eine Verquickung dieser beiden Probleme. Das Kriegsministerium ist bereit» jetzt für die allgemeine Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit. Die Regierung wird vom Parlament eine rasche Erledigung der Beratungen der Vorlage über die Mannschaftsbestände und die Bewilligung der Kre. dite für die Durchführung des jüngst angenommenen Kadre-GesetzeS verlangen. Hierbei wird erwogen werden, ob der in dem Kadregesetz vorgesehene Minimalbestand von 115 Mann für eine Kompagnie ausreichend sei. Die Regierung wird bezüglich des gesamten Mili- tärprogramms die Vertrauensfrage stellen.
W Paris, 17. Febr. 1918. Ministerpräsident Bria nd hat auf Befragen wegen der Gerüchte von einer Ber- stärkung der Rüstungen ht ben Wandelgängen der Kammer erklärt, daß die veröffentlichten Angaben über diesen Gegenstand verfrüht sind. Wenn eä auch richtig fei, daß die Regierung tn bet letzten Zeit sich häufig mit Maßnahmen befaßt habe, bie auf eine Stärkung ber milttäriichen Rüstungen Frankreich» abzielen, so fei ein enbgiltiget Beschluß darüber noch nicht gefaßt worden. Eine Einigkeit sei in den H au ptpunkten erzielt worden, doch seien bte Einzelheiten der Vorlage noch nicht auSgeatbeitet. Der Kammer werde noch vor Ostern bezüglich der Rüstungen eine Vorlage zu gehen, deren Kosten sich am 500-6U0 Millionen belaufen wirb, die auf vier bi» fünf Jahre verteil! w.rben sollen. Der KriegSmimfter und die zuständige« Dienststellen seien mit ber Prüfung bet Frage über bie Dauer der militärischen Dienstzeit beschäftigt. Diese Prüfung werbe demnächst beendet fein und ihr Resultat werde sofort dem Ministerrat unterbreitet werden. Die Abgeordneten, die stch mit dem Mirust.rpräsidenten Btiand über bie Dauer der milttärstchen Dienstzeit unterhalten haben, halten die Rücktehr zur dreiiährigen Dienstzeit für alle Waffengattungen für ziveiselhait.
z z Iboctjen-Beiluge; z z
Illustrierte Sonntagszeitung
:: z Uionats-Beilage: z z
Zuldaer Seschichtsbliitter
Preußischer Lairdtag
Abgeordnetenbans.
Sitzung vom 17. Februar 1913.
" -™ »rdt tonet IJPfc.
Ä — »rdt, toftd 40 ptz. Bet
Ä Sfir Offert- uns fluslunflcrirleer 20 Pf. extra. In K ™ l »'"tilllp. trfCthmtsert für tos £‘n-
Mogen een Sorterungm <9 Suita, finteigen-finnahme bis 10 Ubr oormittags. » 8 Größere finnigen abitten wir ens tags vortzee, s 9
Präsident Graf S bweiin-Löwitz eröffnet die S-tzung den Worten: Das Haus wird das Bedürlms emvsinden, dem um das Abgeordnetenhaus und das Vaterland hochverdienten früheren Präsidenten des Ab-
sonst nicht weiter. (Lebh. Zustimmung.)
Abg. Kuckhofs (Z.): Alle Parteien des Hauses haben
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 17. Febr. 1913.
Zu Beginn der Sitzung macht Präsident Kämpf mit folgenden Worten Mitteilung von dem Tod des Abg. Schädler:
„Ich habe Ihnen eine schmerzliche Mitteilung zu machen. (Tie Mitglieder des Reichstages erheben sich von den Plätzen.) Gestern ist in seiner Heimat der Kollege Dr. Schädlex gestorben. Er gehörte dem Reichstag seit 1890 ununterbrochen an und war lange Jahre zweiter Vorsitzender der Zentrumsfraktion. An unseren Arbeiten hat er sich auf das eifrigste beteiligt, folange fein Gesundheitszustand cs irgend zulietz. Sein Sin« peuken als das eines treuen Kollegen werden wir stets in Ehren halten. Sie haben sich zum Gedächtnis des Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben. Ich konstatiere das."
Tann wird die Generaldebatte über den Postetat 'fortgesetzt.
Abg. Zubeil (Soz.): Die Sozialdemokratie wird den Etat solange ablehnen, als die Mehrheit dieses Hauses Unsummen für unkulturelle Zwecke bewilligt. Für die Beamtenwünsche hat der Staatsfekretär immer ein glattes Nein. Von seinen 44 000 Mk. Gehalt mag der Staatssekretär einmal ein par Jahre lang 40 000 Mk. für die Unterbeamten abgeben, dann wird er ja am eigenen Körper erfahren, ob man in Berlin mit 4000 Mst als Junggeselle auskommt. Von dem „warmen Herzen" des Staatssekretärs spüren die Beamten nichts. "Immer heißt es: sparen, sparen! Von keiner Behörde werden so große Ansprüche an die Beamten gestellt wie 'von der Postbehörde. Der Staatssekretär aber, der hier sitzt, scheint Watte in den Ohren zu haben. Soviel Auf- -sichisbeamtc wie bei der Post gibt es nur noch in Zuchthäusern.
Abg. Kiel (Vp.): Die Finanzreform hat wohl die 'Einnahmen zunächst vermehrt, die Lebenshaltung der Beamten ist aber verteuert worden. Ich kann aus eigner Erfahrung mitteilen, daß die Postbeamten, mögen sie noch unzufrieden sein, niemals Sozialdemokraten werden. (Zuruf Ledebours: Aus Angst!) Nicbt aus Angst, sondern aus Klugheit. Ich habe die feste Zuversicht zu der Reichsregierung, daß die Wünsche des Reichstages gehört werden. Die Festlegung der Postscheckordnung in Form eines Gesetzes würde unseren Wünschen durchaus entsprechen. Das billige Weltporto könnte heute schon eingeführt werden. Einer Regierungsjubiläums- marke legen wir große Bedeutung bet. Wir können dem Ausland gegenüber mit Recht auf die 25 Jahre der Friedensregierung des Kaisers Hinweisen.
Vizepräsident Dr. Paasche bittet, bei der Besprechung nicht auf alle Einzelheiten einzugehen. Wir kommen
(Beifall.) Nun einige Worte an den Staatsstkretär. Der Reichstag hat sich diesmal ganz einmütig auf den Standpunkt gestellt, daß unter all Umständen darauf hingewirkt wird, daß in dem Sinne der Beschlüsse der Budgetkommission die Regelung der Besol- dungsverhältnisse erfolgen muß. Damals^ hat der Reichstag eine Resolution dem Reichskanzler überwiesen; darauf ist nicht etwa die Antwort erfolgt: der Resolution wird aus den und den Grnüden nicht Folge gegeben, sondern es kam eine ganz ablehnende Erklärung: Der Bundesrat gibt nicht Folge! Diesmal hat man auf die gleiche Resolution gehört, daß wir nicht berechtigt seien, im Reichstag für die Beamten das zu verlangen, was wir in der Resolution ausgesprochen haben. Ich bin nicht der Mann, der sich hinstellt und den Beamten im Lande sagt: Ihr müßt kein Vertrauen zur Verwaltung haben. Aber die Folge wird fein, daß die Erbitterung bei den Beamten um sich greift. Wenn allerdings der Staatssekretär erklären würde, daß diese Grundsätze in unseren Beschlüssen sein Verständnis und seine Zustimmung fänden, bann würden die Herzen der ganzen Beamtenschaft ganz zweifellos Ihnen
..i, Herr Staatssekretär, und für die Zukunft würde der Beamtenkörper viel lebens- und arbeitsfreudiger fein. Dann rufen uns fort und fort die B e- amten aus der Ostrn art, daß ihnen nunmehr die Zulagen, die sie alle Jahre erhalten haben, entzogen werden. In allen Briefen wird übereinstimmend immer wieder der Gedanke ausgesprochen, daß die Beamten nun Jahr für Jahr 10 Prozent ihres Einkommens ein« büßen sollen, und sie fordern uns auf, doch Gerechtigkeit gegen sie zu üben. Gerechtigkeit hätte die Regie- rung üben sollen; sie hätte nicht diese Zulagen ein» führen sollen, deren Abschaffung nunmehr für den einzelnen Beamten ein schwerer Schlag ist. Das ist aber nicht die Folge unserer Politik, des Reichstages, sondern der Regierung. Unsere Beamten sollten stolz darauf fein, endlich von dieser Zulage befreit zu werden, damit nicht immer und immer wieder der Vorwurf gemacht wird, daß die Zulagen gegeben werden, um die Gesinnung der Beamten im Sinne einer bestimmten Partei zu beeinflussen. Wenn ihnen der Regierungspräsident verbietet, in solchen Geschäften zu laufen, so ist das eine Nieder drückung der staatsbürgerlichen Freiheit der Beamten, und wenn dieses erreicht wird mittels einer solchen Zulage, so wäre es eine Ehre der deutschen Beamtenschaft der Ostmark, wenn ihnen ein solcher Vorwurf nicht weiter gemacht werden kann. (Lebh. Beifall im Zentr.)
Staatssekretär Krätke verteidigt die Ostmarken- z u l a g e. Es ist unrichtig, daß die Ostmarkenznlage auf den Charakter der Beamten oder auf die Erfüllung ihrer Dienstpflichten eingewirkt hätte. Die Ostmarken, zulagen sind eingeführt worden, damit die Postbeamten den preußischen Beamten gleick'gestellt werden. Von Korruption ist wirklich keine Rede. Heber die vom Reichstage gewünschten Zulagen kann ich keine bindende Erklärung abgeben, da der Bundesrat erst dazu Stellung nehmen muß.
Abg. Mumm (wirtsch. Vgg.): Die Kinderzulagen sind ein außerordentlich ethischer Gedanke. Für Sonntags- telegramme sollte ein Zuschlag erhoben werden. Die Haltung der Sozialdernokratic wirkt sonderbar, wenn man weiß, daß sie in der Kommission von d i ck b r a m - sigenPo st beamten geringschätzig gesprochen haben. (Hört, hört!)
Nach weiteren Ausführungen des Abg. SÜbekum (Soz.) wird daS Gehalt des Staatssekretärs bewilligt. Die Resolution auf Gleichstellung ber Postbeamten in Eisatz-Lothringen mit den Beamten der Reichseifen, bahnen inbezug auf die nickt pensionsfähigen Zulagen wird angenommen. Bei Titel 4 wird die Weiter- beratung auf Dienstag vertagt. Vorher kurze Anfragen, Wahlprüfungen.
nur ehrliche Leute, Gesindel hat keinen Unterschlupf unter diesem Dache, ich halte etwas darauf."
„Dame Cisarelli, spart unnütze Worte, den einen, der drinnen sitzt mit der geschwollenen Nase und den blutunterlaufenen Augen —"
„Es ist mein Neffe, ein junger Mensch, er tut keiner Fliege etwas zu leide," fiel sie ein.
«„Mag sein, aber mich wollte er zur Mer lassen bis zum letzten Seufzer. Ich habe ihn erkannt und hättet Ihr die Tür weiter geöffnet, würde ich wahrscheinlich mich anderer Physiognomien erinnert haben. Auf jeden Fall ist Vorsicht gut, damit man nicht zu Schaden kommt."
„Was tut Ihr da, Fremder?"
„Nichts von Bedeutung, ehrenwerte Dame, ich lade nur meine Pistole." In der Tat begann Baron Meneville ganz kaltblütig frisches Pulver auf die Pfanne zu schütten und die Waffe schußbereit zu machen.
„Ah, ich sehe, Ihr seid ein Mann, der nicht mit sich spaßen läßt," sagte nun die Alte. „„Ich habe es dem Pietro ost gesagt, er solle ein ehrliches Handwerk treiben, aber er kann von der schlechten Gesellschaft nicht lassen und meine alten Augen werden wohl noch meiner Schwester Sohn am Galgen baumeln sehen."
„Wohl möglich," entgegnete Meneville.
Während dieses Gespräches war die Alte zu einem Wandschrank getreten und hatte eine dickbauchige Flasche nebst einem Glase hervorgeholt und dem Gaste vorgesetzt.
„Ihr seid ein feiner Herr und an den einfachen Landwein nicht gewöhnt, den wir armen Leute hier draußen trinken. Ich habe diese Flasche von einer Base, die vor einer Woche zu Besuch bei mir war, zum Geschenk erhalten. Sie ist bedienstet im Palaste des Fürsten Orsini —"
„Wo die Dienstmädchen den besten Wein aus dem Keller stehlen. Eure Base und Eueren Neffen Pietro in Ehren, würdige Dame, aber ich bin nicht herausgekommen zu Euch, um über die """—schäften dieses
chen Gaste die Tür öffnete, mußte er sich bücken, um nicht anzustoßen.
Kaum war er eingetreten, so bemerkte er, daß das kleine Haus nicht nur der Alten zur Wohnung diente, sondern es war eine Osteria, in der Wein und karge Erfrischungen verabreickt wurden. Bor dem Hause draußen lief die Landstraße vorbei, die der Baron vorher nicht wieder gefunden hatte. Ein blechernes Wirtshausschild hing an einer eisernen Stange weit in die Luft hinaus und knarrte wie eine Wetterfahne im Winde.
Die Alte öffnete nun das kleine Wirtszimmer, schaute hinein, schloß dasselbe aber gleich wieder. Der Baron hatte einen Blick bei der Gelegenheit hineingeworfen und beim Scheine einer trüben Oellampe, die das Zimmer beleuchtete, hatte er einen Mann gesehen, dessen Gesicht dick geschwollen und unter den Augen blau und schwarz angelaufen war. Der eine Blick hatte ihm genügt, um fast darauf schwören zu können, daß er einer der Strolche war, die ihn eine halbe Stunde vorher überfallen.
Es war derselbe Kerl, dem er vorhin den Kolben der abgeschossenen Pistole ins Gesicht gehauen hatte.
„Da Ihr in Geschäften zu mir kommt, werdet Ihr wohl nicht ins Gastzimmer treten wollen," sagte sie leise zu ihm, ihm eine andere Tür öffnend. „Ich wollte nur schauen, wer darin sitzt, um vor Horchern sicher zu sein. Es ist Pietro, mein Nesfe und zwei Freunde, die ihren Becher Wein trinken Vor denen sind wir sicher."
Der Raum, in den die Alte den Besucher gefüh-t hatte, war klein und notdürftig mit den geringsten Bequemlichkeiten ansgestattet Einige wacklige Stuhle, die Sitze aus Binsen geflochten, ein schwerer Tisch, m der Ecke ein unsauberes Bett, bildete die Einrichtung.
„Wollt Ihr etwas trinken?" fragte die Cisarelli, nachdem der Gast Platz genommen.
„Wenn Ihr einen genietzba-en Tropfen tn Eurer Höhle habt außer dem Fusel, den Ihr an Fuhrleute und Strolche verschenkt, bann ja."
„Herr, Ihr irrt Euch, in dieses Haus kommen
Weines zu sprechen — ich will etwas anderes von Euch."
Sie setzte sich ihm gegenüber und schaute ihn gespannt an, während er ein Glas Wein leerte und hernach mit der Zunge schnalzte nach Art ber Kenner.
Wirklich, ein feiner Tropfen, ein Toter könnte lebendig werden wenn man solchen Wein ihm in die Kehle gießt. Da fällt mir aber eben ein, warum ich zu Euch gekommen bin — ich brauche Gift."
„Gift? — Herr, Ihr treibt Spaß mit einer alten, ehrlichen Frau, wie könnt Ihr Gift von mit verlangen?"
„Bah, spielt nicht Versteck, Alte, um die Falten in Eurem Gesicht zu zählen, bin ich nicht hierher gekommen. Ich brauche Gift, das Ihr schon an so man. chen verkauft habt.
„Ist Euch ein Bruder oder Schwester lästig?" fragte das Weib.
„Nein."
„Ein Onkel oder eine Tante, deren Erbe Ihr seid?"
„Nein."
„Hat Eure Frau hinter Eurem Rücken einen Lieb Haber, der beseitigt werden soll?"
„Ich bin nicht verheiratet."
„Dann gilts dem Mann einer Frau, die Jhi liebt?"
„Er ist bereits tot."
Draußen vor dem Fenster, das Scheiben aus Papier hatte, ließ sich in diesem Augenblick ein leise» Geräusch hören, sodaß der Baron aufhorchte und da» Weib fragenb anschaute.
„Seid ohne Sorge," erwiderte es, „es war der Wind, der die dürren Gräser rauschen macht. Wollt Ihr ein Gift, das augenblicklich tötet?"
„Nein, die Wirkung soll eine langsame fein, ei gilt einem Kinde."
Wiederum ließ sich das Geräusch vor dem Fenster vernehmen, allein dieses Mal achtete der Baron nicht daraus.
sich diesmal entschlossen, hier beim Etat unb bei ber Besprechung ber Denkschrift ber Postbeamten einmal grundsätzlich alle diese Fragen zu erledigen; grundsätzlich der Regierung zu sagen, was denn eigentlich bas gesamte deutsche Volk für feine Postbeamten wünscht. Sonst hat baS Reben gar keinen Zweck. Die Postbeamten würben klug tun, wenn sie nicht auf biefe breistündigen Reben der Sozialdemokraten etwas geben. Ich glaube im Namen aller Postbeamten mit aller Energie Verwahrung einlegen zu dürfen gegen den Ton, in dem Herr Wendel hier von dem Dienstverhältnis der Beamten gegenüber ber Verwaltung gesprochen hat. ES ist ein Ehrenpunkt der Postverwaltung, daß sie das Dienstverhältnis nicht etwa als ein Sklavenverhältnis betrachtet. Wenn ein Abgeordneter hier auftritt und mit aller Wollust ein Sklavenverhältnis schildert, so ist baS eine Beleibigung des beutschen Beamtentums, baS sich baS ganze deutsche Beamtentum von der Sozialdemokratie verbitten muß. (Lebh. Beifall.) Das Publikum ist nicht etwa der Beamten wegen da, sondern die Beamten sind des deutschen Publikums wegen da. Das deutsche Vaterland ist nicht der Beamten wegen da, son- bern die Beamten sind da, dem Dienst an dem großen Vaterlande sich hinzugeben. Und darum müssen wir uns unter allen Umständen dagegen verwahren, baß es so bargestellt wirb, als ob wir nur die Ausgabe haben, alle Wünsche ber Beamten einfach ohne Prüfung 'zu bewilligen. Im Gegenteil, wir können verlangen, daß die Beamten auch der. Nation gegenüber ihre Pflicht tun, unb biefeS Pflichtgefühl wirb durch bas Agitationstreiben ber Sozialbemokratie aufs ärgste untergraben
Der Graf von Tarent.
45] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
„Wie ich hierher kam?" lachte Meneville auf. „Alte, das rst leicht gesagt. Eine Bande Halsabschneider versuchte mir den Garaus zu machen, und einer davon zahlte dafür mit dem Leben, wie ich hoffe. Der Kerle wurden aber immer mehr, und vielleicht wäie mein besseres Teil jetzt schon mit meinen Vätern versammelt, wenn nicht eine Anzahl Reiter gekommen Ware. Da rrssen die Kerle aus, und ich sprang von der Straße ms freie Feld, konnte aber bei dem Nebel den Ruckweg nicht mehr finden und stolperte ins Ungewisse. Schließlich kam ich an diese Stelle wo Ihr mich eben gefunden. Ein reizender Platz'hier draußen, wo Ihr wohnt, werde mich ein zweites Mal besinnen, meine Haut wieder so billig zu Markte zu tragen. Wenn Ihr übrigens die Cisarelli seid, von der man so merkwürdige Dinge erzählt hat, daun habt die Güte, laßt mich nicht länger stehen hier draußen, tote einen Zigeuner, und zeigt mir das Innere Cures Polastes. Ich kann weder Haus noch Hütte sehen, wohnt Ihr etwa unter der Erde, wie ein Regenwurm ?"
_ Sie musterte ihn mit einem durchdringenden, arq- tvöhnischen Blicke. „Wer seid Ihr?" fragte sie scharf. »Was wollt Ihr von mir? Soll ich Euch wahrsagen oder die Karte legen?"
„Geht mir mit Eurer Wahrsagerei, behaltet den Hokuspokus für Euch; denkt Ihr, ich bin ein Kind «>er ein blöder Jüngling, der die Minute wissen will, ll>ann er mit seiner Liebsten vereinigt wird? Ich komme eines anderen Geschäftes halber in diese Gegend, wo Füchse und Hasen einander gute Nacht sagen und Banditen gedeihen, wie die Pilze beim Regenwetter im Walde. Macht es kurz, Ihr könnt ein <rtuck Geld von mir verdienen."
„Dann kommt!"
Das Weib führte ihn durch einen kleinen Kraut- acker, dann, zwischen Bäumen und Sträuchern ver- oeckt, tauchte ein elendes, mit Stroh bedecktes, aus ^ehm gebautes Häuschen auf. Als sie dem nächtli-