Zuldaer Leitung
Monats-Beilage
Zuldaer Seschichtsblälier Konkurs fallen mir» der trouiipk
Ü riehimg-ttste» der preußlsch.sMideutschtn Xlassrn-Lotterl«. — -aldjöhrllch raschenf-hrplan. u
Lrstes Blatt
Nr. 39
Montag den VL Februar 1913
40. Zahrgang
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leben, die »smarine«
Prälat Schädler f.
J München, 16. Febr. 1913. (Tel.) In B a m- be 7 g ist heute nacht 12 Uhr Reichstagsabgeordneter Dr. Schädler gestorben.
Prälat Dr. Schädler litt seit langem an Wassersucht und Urämie und war seit Monaten bettlägerig. In den letzten.zwei Wochen trat eine Verschlimmerung
wird vom Reichsjustizamt geprüft. Die Lehrfreiheit und L.rnfreiheit wollen wir an den Universitäten aufrecht er- halten.
Montag: Fortsetzung.
sonalakten.
Montag: Weiterberatung.
des sind Landtruppen mit denselben Ausgaben wie Infanterie und Fußartillerie) die zweijährige Dienstzeit gefordert und hält diese für durchführbar. Warum soll es ein Verbrechen fein, diese Anregung zu geben? Das Zentrum treibt doch schließlich nicht für die Staatssekretäre, Minister und Reichskanzler, sondern für das Volk und für des Reiches Interessen Politik. Bis zum Beweis des Gegenteils hat keine Partei und keine Presse das Recht, sie als unsachliche Rachepolitik zu kennzeichnen.
Bis heute hat die Reichstagsfrakiton des Zen- trums noch nirgends den Boden der Sach- lichkeii verlassen, und sie wird sich, so dürfen seine Wähler vertrauen, auch fernerhin nicht die Bahn einer unsachlichen Politik treiben oder sich durch das aufgeregte Gebaren gewisier Blätter, die ihm nicht gewogen sind, nervös machen lassen.
z z Wodjen-Beilage; - u
Illustrierte Sonntagszeitung
„Ah, ich befinde mich auf einem Friedhöfe", murmelte er. „Wo die Toten sind, da wohnen Lebende in der Nähe." Nun fand er den Weg, der du-ch den kleinen Friedhof führte. Die Stätte hatte weder eine Mauer rundum, noch eine Umzäunung. Als er draußen war aus den Gräbern, da sah er wieder nichts als Nebel, g-auen, undurchsichtigen Nebel. Nirgends eine Spur von einer menschlichen Behausung, nirgends ein Laut, der menschliches Leben verriet.
Einige hundert Schrstte ging er noch aufs Geratewohl dahin, dann glaubte er plötzlich das Rauschen eines Wassers zu hören. Zugleich fühlte er, . daß der Boden unter seinen Füßen steil abzufallen begann.
„Jetzt will ich aber keinen Schritt wefter geben", fagte er laut. „Ich bleibe hier, bis der Morgen an. bricht, sonst breche ich mir irgendwo das Genick oder ersaufe im Dunkel, wie die Katze im Sack. Eine Hand voll Geld gäbe ich willig, wenn ich bei bei Hexe wäre, de- Cisarelli!"
Plötzlich ertönte eine Stimme: „Das Geld könnt Ihr sparen, die Cisarelli bin ich."
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Dame Cisarelli. '
Neberrascht drehte er sich um. Vor ihm stand eine alte Frau mit einer kleinen Laterne in der Hand, bei be-en Schein er nun erkennen konnte, daß sie mit dem Rücken an einen Türpfosten gelehnt dastand. Es war ein häßliches Weib mit stechenden, schwarzen Augen. Der Türpfosten gehörte zu einem fr-'nen Gartenzaun, den er vorhin im Nebel nicht bewerten konnte. Eine Haus ober eine menschliche Wohnung konnte er auch jetzt noch nicht sehen.
„Es ist unruhig hier bei uns heute nacht, Reiter und Hunde sind vo-hin in der Nähe gewesen, da schaute ich rund ums Haus mit der Laterne", sagte die Mte. „Wie kommt Ihr hierher, was wollt Ihr von der Cisarelli?" . J
(Fortsetzung folgt).. >
<rt<tidnl »glich mit ßusnutjmc Oa Sonn- un9 Seiertage. Oiertel Ifltjrüd)« Bezugspreis ohne Bringerlohn uni) Bestellgeld In $ul6a (oa>U ausinärt» 1.50 Mark. — Rolalionshrudt und Verlag der K s Julöacr fidlenirudterel In Zulda. Ze.nsprecher fir. 9. SS
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom Samstag den 15. Februar. -rTr'
Die zweite Beratung des Etats für die Reichs. »,st. und ZrlrnrnplfeiwertouUung wird fortgesetzt.
Abg. Kurzawsky (Pole): Die seit vielen Jahren von uns vorgebrachten Klagen über schikanöse Behandlung polnisch adressierter Briefsachen müssen wir auch dies- mal wieder erheben. Die Ostmarkenzulage dient ledig, lich politischen Zwecken.
Abg. Wendel (Sog.) erkennt zwar die guten Lei. stungen der Poswerwaltnnz an, reißt sie aö<_t im übri- gen in der üblichen Weise herunter. Die Postbeamten gelten bei uns nur die Leibeigenen des Staates. Frei, lich werden wir uns energisch dagegen wehren, daß die Post der kapitalistischen Habgier des Staates dient, unb mir werden für bessere Bedingungen für die Postangestellten sorgen. Dr. Oertel meinte, ich würde als zu- künftiger Staatssekretär konservative Angestellte nicht dulden. Das trifft nicht zu.
Vizepräsident Paasche: Wir sprechen vom Gehalt des gegenwärtigen Staatssekretär» nicht von dem des zukünftigen. (Große Heiterkeit.»
Abg. Wendel (fortfuqreno): Würde eine Stadtver- waltung so handeln wie Herr Krätke, der dem Rechts, anwalt Pächter wegen Beamtenbeleidigung den Fern, spcecher entzieht, so könnte sie mir, wenn ich einen Be. amten beleidige, die Kanalisation abschneiien. Herr Krätke sagt mit Ludwig dem XIV.: Der Staat, die Post bin ich! Das richtige Postjunkertum! Man beklagt sich üb.'r nange'haste Gummierung der Postmarken; da tur man Herrn Krätke unrecht, ein schlechter Kleber ist er nicht.
Staatssekretär Krätke: Ich will nur protestieren dagegen, auf welch niedrige Weise der Vorredner die Beamten einschätzt, wenn er von ihnen als Leibeigenen und Sklaven spricht. Tie Beamten werden die große Liebe der Sozialdemokraten für sie richtig einzuschätzen wissen, wenn hier im Reichstage ihre Wünsche in solcher Weise lächerlich gemacht werden. (Unruhe bei den Soz., Bei- fall rechts.)
Abg. Bruhn (W. Vgg.) erklärt, daß -S unter den Postbeamten somnge keine Ruhe gebe, bis man ihre berechtigten Wünsche erfüllt habe, er tritt dann für die Landbriefträger und Gewährung der Kinderzutagen ein.
Abg. Tiez (Z.) wünscht, daß unsere Reichspostver- waltung zur Erschließung der in ihrem Bereich !ieg>n. den Gebirgsgegenden Postwagenverkehr für Personenbeförderung schafft, vor allem im Schwarzwald und in den Vogesen. Er empfiehlt eine Ermäßigung des Briefportos wenigstens im Verkehr zwischen den Grenzbezirken, Verminderung der T e- lephongebühren nach Zahl der Gespräche, bessere Telephonverbindung für die Oberbadische Industrie nach Bayern, schnellere Paketbeförderung durch Ver. mehrnng der Postzüge. Er stimmt für die Gewährung von Kinderzulagen, besonders für kinderreiche Fa- mitten, ferner Berücksichtigung der Wünsche der Beam- ten in Bezug auf den Wohnungsgeldzuschuß, für Erhöhung der Tagegelder für Telegraphenarbeiter und die berechtigten Wünsche der Postagenten.
Abg. Quarck-Koburg (natl.) ist für die Ostmarken, zutage und hofft, daß auch das Zentrum die Zulagen für die Beamten in allen gemischtsprachigen Bezirken nach den neuen Anträgen bewilligen werde.
Abg. Graf Cormer-Zieserwitz (k.) bringt eine Reihe von Wünschen aus dem Bereiche der Postagenturen, besonders bezüglich höherer Vergütung, Sonntagsruhe und Urlaub vor.
Staatssekretär des Reichspostamts Krötte ist für schärfere Heranziehung der Vielsprecher im Telephonverkehr, und erkennt Erleichterungen für die Postagenten an. Der Sonntagsdienst werde möglichst eingeschränkt. Betr. der Aufrückungsverhältnisse der höheren Beamten habe er sich zwecks Bereitstellung der notwendigen Mittel mit dem Reichsschahsekretär in Verbindung gesetzt, lieber die 800 Mark Zulage sei bisher noch keine Resolution an den BundeSrat gelangt. Für den Fernsprechverkehr und Förderung des Kraftwagenverkehcs sei in weitestem Maße gesorgt.
Abg. Hu'-rich (Vp.) bedauert, daß die in der Budget- kommission beschlossene Einstellung von Zulagen in den Etat alle Beamten umfasse.
Abg. Trendel (Z.) bittet um einheitliche Auslegung und Regelung des Art. 3 der Postgesetznovelle vom 20. November 1899 im Interesse der Zeitschriftenverlage und des Buchgewerbes.
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0 „Konfliktslüsteru."
Es wäre zum Lachen, wenn nicht gar so viel Bosheit dahintersteckte, wie augenblicklich überall gegen das Zentrum aufgewiegelt wird.
Es vergeht kein Tag mehr, ohne baß in der Presse der Linken in einigen Spalten gegen das Zentrum gehetzt wird. Dabei werden die tollsten Behauptun- g°n in die Welt gesetzt. Die Mär von dem schwarzroten Wahlbündnis war zu schön, um wahr zu sein und auch zu plump erfunden. Nichtsdestoweniger wird ruhig weiter geflunkert, denn es gibt auf der Linken Leute genug, die so etwas gern hören und gläubig hinnehmen. Jetzt hat die Presie der Linken, von der sich national nennenden an dis herunter zum Vorwärts und seinen Sprößliugen, neuen Stoss, der das Zentrum in seiner ganzen „Niedrigkeit, Gehässigkeit und Vaterlandsfeindschaft" zeigen fall. Tas Zentrum soll nämlich Obstruktion treiben, soll mit der Sozialdemokratie Arm in Arm gegen die Reichsregierung aufmarschieren wollen unb durch „N adelftiche" die Regierung seinen Uebermut und seine Verärgerung spüren lassen.
Weil das Zentrum gegen die preußische Polen- Politik und die Enteignung der polnifchen Güter einem Mißtrauensvotum zugestimmt hatte, schrieb diese Presie von der „Rache des Zentrums" am Reichskanzler. Unb doch hat in dieser Frage das Zentrum feit Jahr und Tag niemals anders gestimmt ober geredet. Oder weil im ganzen großen Etat des Reichsamtes des Innern vom Zentrum ein überflüssiger neuer Direktorposten nicht bewilligt worden ist, deshalb schrieben dieselben Blätter von finsteren Racheplänen des Zentrums. Und als beim Reichsjustizetat ein nach Ansicht des Zentrums ebenfalls entbehrlicher sechster Reichsanwalt gestrichen wuri. >, klagten jene Blätter wiederum über die rachsüchtige Opposition des Zentrums. Das Zentrum ist getreu seiner ganzen Vergangenheit jetzt auch Gegner des Petroleummouopols und hat ganz besonders die eben vorgeschlagene Form des Monopols abgelehnt. Eine gewisfe Presse sah sofort wieder darin Rachegedanken und andere finstere Pläne des Zentrums. Sogar auf eine Reichstags- auflösung sollte das Zentrum bewußt binarbeiten. Als nun schließlich das Zentrum beim Marine- etot noch einige Abstriche machte, da wat ein Tun und Treihen, als wollte das Zentrum Tirpitz und Bethmann und sämtliche Minister zugleich stürzen.
Wenn es auch dumm ist, es wird doch geglaubt. Was für finstere Pläne sollte denn das Zentrum haben? Das Zentrum treibt keine kindische Rache- politik, so sehr es auch über die Art der Behandlung seiner gerechtesten Wünsche entpört ist. Das Zentrum bat aber völlig recht, wenn es sich fein Verhalten nicht von anderen biftieren läßt, sondern tut, was ihm selbst gut notwendig und zweckdienlich erscheint. Man braucht nicht jedermann in die Karten blicken zu lassen und gerade der neugierigen Linken wegen hat es einen besonderen Reiz, nicht jedem auf die Nase zubinden, was man will und was man tun wird. Herr Spahn hat seiner Zeit im Reichstag gesagt, die Zentrumspartei werde in Beantwortung der Mißachtung ihrer Wünsche durch Kanzler und Bundesrat ihr Verhalten dementsprechend einrichten Die Bestimmung desien, was dementsprechend ist, muß man schon dem Zentr-nm selbst überlassen; die Nervosität -in den oberen Regionen unb die gut» gespielte Entrüstung der Presse der Linken sind den Zentrumswählern der beste Beweis, daß ihre Partei mit ihrem Versprechen Ernst macht und bas Ver
trauen der Wähler ohne viel Geschrei, aber doch sehr merkbar rechtfertigt. w 1 v
Die Obstruktion" des Zentrums hat man vor allem in dem Antrag zur Regelung der T a f e l- und 2Hef| ege Iber für die Marineoffiziere erblicken wollen, der tn der Kommission von einem Zentrums- mitglled gestellt wurde. Die Mesiegelder und Tafel- gelber sind ein alter Streitpunkt beim Marineetat wobei die verschiebenen Parteien schließlich einmütig gegen das Reichsmarineamt standen, bis vor drei Jahren Staatssekretär von Tirpitz im wesentlichen die Wunsche des Reichstages erfüllte. Nur die eine Unstimmigkeit war noch geblieben, daß die nicht ver- braiichten Mesiegelder als „stille Zulage" unter die Offiziere verteilt wurden. Demgegenüber gerieten die Offiziere der Landarmee in Nachteil. Der An- trag aus dem Zentrum wollte diesen Mißstand besei- i tigen unb bie nicht bezahlten unb nicht verbrauchten Mesiegelder bem Reich beiaffen. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts hat sich schon über diesen Antrag in der Kommission s o aufgeregt, baß er mit seinem Rücktritt brohte. statt sachliche'Aufklärun- gen über die Tafel- unb Mesiegelder zu gi' inzwischen mit der Promptheit, die das Reiche_________
amt auszeichnet, auch erfolgt sind und gewiß der ernstesten Prüfung unterzogen werden. Peim Marine- etat handelt es sich nicht um Personalfragen, sondern um sachliche Forderungen, die ebenso wie sachliche Anträge in rein sachlicher Weise geprüft werden müssen. Wollte man sich auf den Standpunkt der liberalen Presse stellen und jede Kritik oder jeden Ab- strich im Etat als Racheakt am Reichskanzler, als Ministerstürzerei auffassen, bann müßte der Reichstag am besten überhaupt aus jede Kritik unb Prüfung bes Etats verzichten.
Den zweiten Streitpunkt im TZarineetat bildet das Verlangen, bei der Marineinfanterie unb Matrosenartillerie bie zweijährige Dienstzeit einzuführen. Der Staatssekretär lehnte auch biese Forderung ab. Das ist nichts Ungewöhnliches. Um die zweijährige Dienstzeit in der Infanterie ist 14 Jahre debattiert und gestritten worden. Schließlich ist sie doch gekommen, und heute bentt kein vernünftiger Mensch baran, sie toieber abzuschaffen ober zu bekämpfen. Das Zentrum hat, wohlgemerkt, nicht die Einführung der zweijährigen Dienstzeit für die Marine beantragt; es hat sich ausdrücklich hiergegen gewehrt und dies bei den heutigen Verhältnissen für unausführbar erklärt. Das Zentrum hat nur für bie Marine-Infanterie und Matrosen-Artillerie (bei»
Der Graf von Tarent.
44] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Angesichts der Gefahr fühlte sich Baron Mene- ville nn Nu ernüchtert. Was immer sein Charakter für Schattenstecken zeigte, feige war er nicht. Im 9ht d-ehte er sich und schützte sich den Rücken indem « zur Seite sprang und an einen Baum sich lehnte.
„Geld willst Du haben, Hallunke, hole es Dir", sagte er. Er traf den Angreifer mit einem Faust- schlage mitten ins Gesicht mit solcher Wucht, daß et kopfüber in den Straßengraben stützte und wie leblos liegen blieb. Der zweite stteß einen gellenden Pslff aus, und sofort zeigten sich weitere vetdächttge Gestalten, welche sich der Gruppe näherten.
Der Baton zog unter dem Mantel aus dem Gürtel die Pistole; als er dieselbe zum Anschläge brachte, schreckte der zweite der Singt eifer, welcher sich eben mit einem langen Messet auf chn stürzen wollte zurück.
„Hallunken, wenn Ihr Blut in Eueren Adern habt, bann heran an mich unb ich will Euch zeigen, wie ein Ebelmann mit Euresgleichen fertig wird", tief Meneville.
In bcmfelben Augenblick fühlte er, wie ein großer Stein ihn hart am Kopfe streifte. Hätte bet Stein getroffen, seine Hirnschale wäre zerschmettert gewesen.
„Hörst Du, ein Edelmann ist's, ich wette, et hat die Taschen voll Gold", sagte eine Stimme.
„Ja, er prahlt nicht, ich" habe unter dem Mantel sein samtnes Wams gesehen, nur die Barone und Fürsten tragen solche Stoffe", sagte ein anderer. „Vorwärts, machen wir ihn kalt! Die Nacht ift fin- ftet, den Körper Wersen Wit in den Sumps!"
Nun drangen sie auf ihn ein von allen Seiten. Meneville gab Feuer unb er sah, wie der eine bie Arme hoch in bie Luft streckte unb bann zu seinen Kameraden im Graben niederstürzte. Ten nächsten schlug er mit dem Kolben der Pistole auf den Schci- mit solcher Wucht, daß er zurücktaumelte, zugleich jüljlte ex aber selbst einen brennenden Schmerz im
Abg. Schatz (Elsaß-Lothringer) tritt für die Gleichstellung der elsaß-lothringischen Post- und Telegraphen- beamten mit den gleichartigen Beamten der Bahnverwaltung ein, und fordert Beseitigung der geheimen Per-
Ein zweiter Schatten kam nähet geflogen, es wat ein anderer Hund.
In diesem Augenblicke ertönte von der Reiter- gruppe her ein scharser, gellender Pfiff, der die Hunde zurückrief, bann eine Stimme: „Vorwärts Leute; bie bä liegen, kenne ich nicht, ich suche einen anberen!"
Baton Meneville erschauerte, bie Haare auf dem Kopfe sträubten sich in ihm, er sah kaum, wie die beiden Tiere, widerwillig gehorchend dem Pfiffe, ihn verließen und zurückrannjen. Im nächsten Augenblicke waren bie Reiter verschwunden.
Wie gelähmt an allen Gliedern stand Meneville und starrte den Entschwindenden nach.
„Wahrhaftig, ich glaube, ich habe die Stimme eines Menschen gehört, bet unter den Toten liegt", murmelte er geistetbleich. „Wenn das nicht Tarent wat, dann wat es fein Geist ... Ich erkenne die Stimme unter Tausenden heraus —"
Et taumelte weiter ins Feld hinaus und wischte sich plötzlich mit bem Ende des Mantels das Gesicht. Der Schweiß war ihm in bet Tat aus allen Poren ausgebrochen. Die Trunkenheit wat völlig von ihm gewichen.
„Ah, ich träume mit offenen Augen", sagte er zu sich, „bie Rauferei mit den Dieben hat mit die Nerven erregt und ich fange an, Gespenster zu schauen. Wer hieß mich denn auch, allein in der Nacht diesen Platz aufsuchen? Konnte ich's nicht bei Tage ebenso gut tui.?"
Ein feinet Regen begann nun herrm' et zu riefeln, Nebel fliegen plötzlich auf, daß er keine fünfzig Schritte weit mehr sehen konnte. Et wendete sich um, die Straße wieder zu finden, aber alles wat grau vor seinen Augen, et wußte nicht mehr die Richtung. Unsicher tastete et langsam vor sich hin. Wie lange et im Nebel dahinschritt, wußte er nicht. Einmal stieß er an etwas Hartes. Er griff darnach. Es war ein hölzernes K-euz. Wenige Schritte weiter swlperte er wieder an einen Gegenstand, es wat wieder ein Kreuz. - -
Preußischer Landtag»
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 15. Februar 1913.
Aus der Tagesordnung steht der Justizetat.
Abg. Bartscher (Z.) erörtert die Frage der Kosten- marken und empfiehlt aus Nützlichkeitsgründen und fiskalischen ihre Abschaffung.
Geheimrat Fritze ist für Beibehaltung der Kosten- marken.
Abg. Dr. Wagner-Breslau (fk.) bespricht die Kon- kurrenz der G e f ä n g n i s a r b e i t für das Handtverk und ist für eine Heranziehung der Gefangenen zu Landes-Kulturarbeiten.
Ein Negierungsvertreter erklärt, daß letzteres schon geschehe.
Abg. Boisltz (natl.) ist für eine Angliederung der Gefängnisse an die Justizverwaltung.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) ist gegen die Verwendung der Gefangenen zu Landarbeiten.
Justizminister Dr. Beseler erklärt demgegenüber, daß Außenarbeiten für die Gefangenen eine erwünschte Be- schäftigung sei, zu der sie nur freiwillig herangezogen würden.
Abg. Haarman« (natl.) erklärt sich gegen den Standpunkt der Sozialdemokraten, die eine völlige Gleichstellung der Gefängnisarbeiter mit den freien Arbeitern wünschen.
Abg. Meher-Tilsit (k.) ist für Erhaltung der Amts- gerichte auf d-m Lande, für Vermehrung der Beamten- stellen, besonders für Militäranwärter und wünscht Erhöhung der Strafen für Beamten bei Spionage.
Abg. Dr. Zimmer (Z.) schreibt die erhebliche Mehr- einnahme des Justizetats dem neuen Gerichtskosten, gesetz zu und ist für freigebige Verwendung des Mehr» ertrags, auf den weiter zu rechnen sei: so für eine E r- Höhung der Z e u gen- und Sachverständigen, gebühren und Diäten für Geschworene und Schöffen, ferner Berücksichtigung der Wünsche der Alt. Pensionäre und Unterbeamten und Beseitigung der Un. gleichheiten für die Gerichtsvollzieher. Er bespricht die Beurlaubung der Richter, die Ausbildung der Juristen, die Anstellungs- und Bcförderungsverhältnisse in der Justiz und erkundigt sich nach dem Stande der Angelegenheit Eulenburg.
Justizminister Dr. Beseler: lieber den Fall Eu. lenburg gebe ich gern Auskunft. Die erste Verhand. lung fand 1908 statt. Schon damals zeigte es sich, daß der Angeklagte nicht im Besitz seiner Kräfte war. Die Verhandlung mußte in der Charitee stattfinden, so daß der Angeklagte, im Bett liegend, vor seinen Richtern stand. (Heiterkeit.) Die Verhandlung muhte abgebrochen werden. Dann ist der Angeklagte beobachtet worden, , auch daraufhin, ob er etwa simuliere, und 1909 kam ein neuer Termin zustande. Aufs neue zeigte sich, daß nicht weiter verhandelt werden konnte. Seitdem finden alljährlich mehrere Untersuchungen statt. Im vorigen Jahre sind zweimal Gerichtsärzte nach Lieben, berg gefahren. Das Gutachten geht dahin, dah Fürst Eulenburg zurzeit und für die nächsten Monate nicht fähig ist, einer Schwurgerichtsverhandlung mit ihren gro. ßen Erregungen zu folgen. Die Fraae der Verhand. lungsfähigkeit und der Haftfähigkeit ist mit aller Be- stimmtheit zu verneinen. Was nun geschehen soll, kann ich nicht sagen. Das Gericht hat zu entscheiden, wann ein neuer Termin anzusetzen ist. Die Urlaubsfrage ist in der richtigen Weise geklärt und gelöst. Ueber dar Disziplinarrecht liegt ein Gesetzentwurf dem Bunde?, rat vor. Die Kommission für das Strafgesetzbuch be. ginnt alsbald die 3. Lesung der Novelle, sodaß der Ent. Wurf ausgearbeitet und demnächst vorgelegt werden kann.
Abg. Bois», (natl.) ist für , eine Verschärfung der Strafen bei Rohheitsdelikten.
Abg. Viereck (natl.) erörtert die Vorbildung der Ju. risten und die weitere Ausbildung der Referendare und Assessoren.
Minister Dr. Beseler: Die Frage der Stundung von Hhpothekenzinsen und der Übertragung von HauSmieten Oberarme, denn von bei Seite her hatte ihn ein Dolchstoß gestreift.
Der Mehrzahl gegenüber wäre der Baron sicher- lich unterlegen, Ware ihm nicht in diesem Augenblicke ein ganz außerordentlicher Umstand zu Hilfe gekommen. Von der Ferne her ertönten nämlich die Hufschläge verschiedener Pferde, welche mit jeder Sekunde lauter und lauter klangen. Offenbar näherte sich eine Gruppe von Reitern.
„Die Scharwache kommt!" ries einer der Tirol- che. ^ „Verdammt — heute haben sie die Hunde mit
Die Strolche suchten das Weite, in der nächsten Minute waren dieselben verschwunden, so spurlos, als hätte die Erde sie verschlungen. Meneville sprang nun ins freie Feld und ging etliche Schritte seldeinwärts. Er wollte mit der Scharwache nicht zusammentreffen, es wäre ihm schwierig geworden, zu sagen, was er hier tun wollte in der Nacht in solch verrufenem Viertel. Er wollte keine Plackereien. Plötzlich blieb er stehen und schaute zurück. Die Gruppe der Reiter war an der Stelle angelangt, wo er den Kampf bestanden hatte, namentlich sah er die dunklen Umrisse der Gestalten.
„Da liegt ein toter Mann mitten in der Straße", hörte er eine Stimme. Dazu das wütende Gebell zweier kolossal-r Hunde.
Einer von den Reitern sprang aus dem Sattel zur Erde und prüfte das Gesicht des Toten. <)ie starre Gestalt war in Lumpen gekleidet. Nun schaute er auf die andere bewegungslose Gestalt, nur einen Moment lang, dann ging er schweigend zu der Gruppe zurück und schwang sich wieder in den Sattel.
Einer der riesigen Hunde sprang in dem Augen- blick von der Straße ab ins Feld, und im nächsten Momente schaute Meneville in die funkelnden Augen des ungeheuren Tieres. Die Haare des Hundes waren gesträubt, aus dem Rachen schauten furchtbare Zähne. Des Versteckten ansichtig geworden, schlug das Tier ein wütendes Gebell an unb setzte an zum Sprunge —■
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