2. Vlak.
vr«S der $nlbaex äetieuöriderei m Jwlbe.
Fuldaer Leitung.
+ Die Umbauten und Neueinrichtungen in der ständischen Landes- Bibliothek zu Fulda.
Tas für den architektonischen Charakter unserer Stadt entscheidende Bauwes.n des 18. $al)rl>ixnbert§ beginnt mit dem Dombaumeister Johannes Dientzen- Hofer und endet mit dem fürstlich suldischen Bau« mipektor Karl Philipp Arnd. Dieser gab uns den letzten barocken Monumentalbau: die Landesbtbliothec. Das Steingeländer der schönen Freitreppe zeigt schon andere Formen wie die unsere Architekturbilder so charakteristisch umrahmenden Balustraden. Das Buttlar« sche Wappen über dem Eingang aber sagt uns, daß der um sein Land so hochverdiente Fürstbischof Heinrich VIII. der Gründer dieser »Schatzkammer des Geistes* war. Wie er dazu gekommen ist, darüber gibt das interessante Lebensbild des ersten Bibliothekars Pater Petrus Bö m1) näheren Ausschluß. Auf dem Platze, wo die altberühmte Benediktinerschule ihre £>einv*ätte gehabt halte, wurde am 30. September 1771 vom Fürst« bjschof der mit dem Buchstaben A bezeichnete Grundstein gegenüber der Ktosterpsorte gelegt; nach er en Jahren war der Bau mit der ge'älliqen Jnnencu m« tektur vollendet und am 23. Dezember 1777 wur^.e hie aus den Beständen der Benediktiner-, der Hof» und der ehemaligen Jesuiten» und Seminariums- büchereien zusammengesetzte Bibliothek unter Pauken- und Trompelenschall feierlich eröffnet. Man braucht nur die Fremdenbücher der LandesbibUothek auszuschlagen, um zu sehen, welcher Aufmerksamkeit seitens aller hier durchreisenden Fremden dieselbe sich von Anfang an zu erfreuen hatte. JUustre Namen treten uns überall entgegen, darunter auch der der Königin Luise. Aber auch heute noch hat die Bibliothet diese wächiige Anziehungskraft bewahrt. Wer Fulda's Eedenswürdigkelten in Augenschein nehmen will, der lenkt vom Michelsverg oder Dom sicherlich seine Schritte auch zu dem seitwärts ausragenden stattlichen Bau.
Doch nicht von ihren einzigartigen Schätzen und Kostbarkeiten soll hier die Rede sein, wir möchten nur einmal darauf Hinweisen, was die Bibliothek als Bildungsi stitut für unsere Stadt bedeutet. Da ist es vor allem von Interesse, zu gewahren, wie gewaltig ihre Benutzung sich gerade im letzten Jahrzehnt gesteigert Hai. Die Benutzungsziffer zählte im Jahre 1902 etwa 1000 Bände, 1912 aber schon 9000; die Frequenz hat sich also saft verzehnfacht. Man darf diese Zahl natürlich nicht mit denen der Votksbiblwtheken vergleichen, deren Betrieb ja em ganz anderer ist. Auch muß man berücksichtigen, daß in Fulda noch eine ganze Reihe von gelehrten und Bildungeb.bliothelen bestehen.
Dankbar wird man aber anerkennen, daß die Direktion der Bibliothek bei allen Neuanschaffungen — die ja alljährlich in der ,Fuld. Zig." veröffentlicht werden — nitt einseitig nur den wissenschaftlichen Bedürfniffen der Gelehrten Rechnung trägt, sondern daß sie stets die weiteren Kreise aller Gebildeten und nach Bildung Strebenden berücksichtigt. Demgemäß ernreckt sich der Zuwachs der Bücher auf alle Wissensgebiete und besonders auch auf die schöne Literatur. Und gerade in unteren Tagen, wo Die Förderung der Volksbildung so mächtig angestrebl wird, hat em solches Institut ja auch diese Aufgabe zu erfüllen.
Das dankenswerte Interesse, welches der Hessische Bezirksoerband der Ständischen Landesbiblioihek in Fulda w dmet, zeigt sich am besten darin, daß der Etat 1912 15 700 Mk. betrug — darunter 3000 M. für Bücher — gegen 6000 Mk. im Jahre 1900. Die von Herrn Baural Wolff geleiteten Umbauten, sowie die Neueinrichtungen im Jahre. 1912 haben eine Extra» v rwilligung des Kommunallandlages von 5500 Mk. erfordert. Wesentliche Verbesserungen sind dadurch geschaffen worden. Der große Le,esaal im Erdgeschoß, der sich oft für die Zahl der Benutzer zu klein erwies, hat Raum und L'cht gewonnen, indem die großen, dunklen Elchenholzschränke entfernt wurden und die Wände nun in blendendem Weiß erstrahlen. Besonders erfreulich ist auch jetzt die künstliche Beleuchtung durch das elektrische Licht.
Im Äusstellungssaal, gegenüber dem Lesesaal, sind nun alle Kostbarkeiten, die Codices und Inkunabeln, die zumeist dem Kloster Weingarten entflammen, vereinigt. Die großen, dunkelen Schränke rmgs an den Wänden gestalten den schön überwölbten Raum noch stimmungsvoller. Platz ist auch lm Erd- geschoß dadurch gewonnen, daß anstelle der zweiten,
') Vergleiche Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und der Diözese Fulda vy. Band: Die bürgerlichen Benediktiner der Abtei Fulda von 1627—1802 von Dr. Gregor Richter. Fulda 1911.
Der Gras von Tarent.
43j Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner
Jacobo verlangte sofort aufs Dringendste den Prinzen zu sprechen, doch der Portier starrte auf ihn, als hielte er den Einlaßbegehrenden für nicht ber Sinnen. „Was ficht Euch an, mitten in der Rächt hierher zu kommen und an der Glocke zu reißen?' fragte er grämlich.
Jacobos Begleiter stieß diesen mit den Ellen- ! bogen an. „Kommt, Freund, laßt uns weitergehen ich dachte, es wurde so kommen. Schließlich wird noch die Scharwache gerufen, und man steckt uns ein ' tote zwei Strolche, die es auf silberne Löffel abqe- i sehen hatten." *■ s
Nun brachte Jacobo den Ring zum Vorschein, i --Laßt diesen Ring ohne die gerinaste Zögerung in ' die Hände des Prinzen gelangen", sagte er in bestimmtem, scharfem Tone, „wenn es nicht geschieht, übernehmt Ihr eine schwere Verantwortung: eilt, jede Minute ist kostbar."
„Wie kommt Ihr zu dem Juwel, das ich oft an der Hand des Prinzen gesehen?"
„Das ist nicht Euere Sache — man wird Euch wenig Dank wissen, wenn Ihr nur Sekunden zögert!"
Kopfschüttelnd entfernte sich der Torwächter, kaum war er aber verschwunden, so kam ein anderer der Bediensteten und stellte sich schweigend in die Mitte des Toreinganges, die beiden scharf im Auge behaltend.
Wenige Minuten vergingen, dann entstand im Palaste Bewegung. Heller Lichtschein zeigte sich von der Treppe, dann kam ein Diener mit einem dreiarmigen Kerzenleuchter, hinter diesem ein bleicher, düster blickender Mann.
. Wahrhaftig, Mensch, Ihr seid ein Zauberer, das rst der Prinz", flüsterte der Wirt Jacobo ins Ohr.
Ter Herr des Palastes gab Befehl, den lieber« bringer des Ringes augenblicklich einzulassen. Ja-
zum ersten Stock führenden Stiege nun ein schmales Holztreppchen getreten ist. Aeußerst zweckdienlich sind die Patent-Repostturen, auf denen wir nun die Bücher übersichtlich und leicht erreichbar aufgestellt sehen. Die so beträchtlich vermehrten, musterhaft geordneten Bücherbestände füllen nun fast alle Räume des großen Gebäudes bis hinauf ins Obergeschoß, wo die bedeutende Schwank'sche Stiftung mit all ihren Raritäten aufgestellt ist.
Daß die Benutzungsziffer sich sehen lasten kann, auch verglichen mit anderen Instituten an weit größeren Plätzen, ist rühmlich für unsere Stadt. Sicherlich würde aber die Frequenz sich noch beträchtlich erhöhen, wenn die Biblioth-k an allen Wochentagen geöffnet wäre. Und auch für die Abendzeit, zumal jetzt für gute Beleuchtung gesorgt ist, möchten wir dies wünschen, da gar mancher die jetzt fest- gesetzten Tagesstunden mit feinem Berufe nicht vereinigen kann. Die günstige Weiterentwicklung unserer Bibliothek muß uns mit Genugtuung erfüllen, aber zugleich auch mit aufrichtigem Dank für die um ihre Hebung so sehr verdiente Verwaltung.
Noch möchten wir hervorheben, daß Herr Oberbibliothekar Dr. Scherer es sich auch besonders angelegen sein ließ, Fuldenlen zu sammeln, die früher merkwürdiaerweise fast ganz und gar auf unsirer Bibliothek vermißt wurden, heute aber eine sehr reichhaltige und so zu sagen vollständige Abteilung buben.
Und so dürfen wir Fuldaer wirklich stolz sein auf eine Bibliothek, um die uns gar manche Großstadt beneiden kann. 3> Gr.
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Lokales.
hört und nun wird er von
ihm als alt
ngesprochen. Der Teufel schheit."
cobo ergriff seinen Begleiter am Arme und zog ihn nach sich.
Fulda, 15. Februar 1913.
# Verliehen wurde dem Hochw. Herrn Bischof Dr. Schmitt von Fulda die Erlaubnis zur Anlegung des Komtorkleuzes des Großherzoglich Sächssichen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken.
A Die Erhebetermine der Steuern und Kanalgebühren pro viertes Quartal sowie des Wassergewes p o drittes Quartal 1912 13 sind mit dem heutigen Tage zu Ende gegangen. Am Montag wird mit der Beitreibung begonnen werden.
-T- Der HauLhaltrpIau der Stadt Fulda wurde am Donnerstag abend in 3. Etappe zu Ende beraten und damit ein mühevolles Stück kommunaler Arbeit abgeschlossen. Tenn nur zu oft hält es schwer, den nötigen Ausgleich zwischen Ausgaben und Einnahmen ,u schaffen. Daß heute eine Stadt noch so große lleberschüffe aus dem Vorjahre in den Etat emstellen kann, daß der Mehrbedarf nicht nur gedeckt, sondern sogar noch eine Herabsetzung der Steuern möglich ist, wird wohl kaum mehr Vorkommen. Im Gegenteil sind die meisten Städte zu Steucrerdöhungen gezwungen, um die stets wachsenden Ausgaben zu decken. Fulda ist mit seinem Steuersatz in den letzten 3 Jahren konstant geblieben. Durch eine tparsame und umsichtige Wirtschaft, die trotzdem den Forderungen der Zeit Rechnung trug, und durch die gute Rentabilität der fiädiiichen Werke war dies möglich. Die aufsteigende Tendenz der wirtschaftlichen Entwicklung, die sich auch hier in Fulda geltend macht, ermöglich! auch für den Etat 1913 ein Festha 11en an den bisherigen Steuerlätzen, da die nicht unerheblichen Mehrausgaben in Höhe von annähernd 115 000 Mk. durch ein natürliches Anwachsen der Deckungsmittel ausgeglichen werden konnten. Es werden somit, nach dem Beschluß der letzten Stadtvervrdneienversammlung, erhoben 178% Zuschlag zu den Real steuern und 1620 o zu den Staats-Einkommensteuern. — In unierm Bericht von der letzten Stadtverordneten- sitzung ist uns em Druckfehler unterlaufen. Dem Anträge der Kommission aut Anstellung eines Architekten für die bevorstehenden Schulneubauten trat die Versammlung nicht bei.
□ Die zn Ostern schulpflichtig werdenden Kinder sind, wie im Anzeigenteile dieses Blattes bekannt gegeben wird, bei den betreffenden Schulleitern, in der ftadtpfarrlichen Schule beim Rektor, in der dom- psarrllchen und evangelischen Schule bei den Hauptlehrern, anzumelden. Die Anmeldung ist erforderlich, damit rechtzeitig die Zuweisung zu den einzelnen Schulsystemen und der Unterbringung beiorgt werden kann. Sie geschieht durch Angabe des Namens der Kinder, des Namens und Standes des Vaters, der Wohnung, des genauen Geburts- und Jmpfdatums und außerdem des Taufscheines für nicht in Fulda getaufte Kinder. Anmeldescheine können bei den Schulleitern in Emp aug genommen werden.
=i Auszeichnung. Wie man uns mitteilt, ist Herrn Photograph Otw Diel hier und dem feit vier
traue heutzut
Der Prinz hielt die Hand Jacobos zwischen seinen beiden Händen.
„Lieber gnädiger Herr", sagte er leise zum Prinzen, „es gab für mich kein anderes Mittel, als Einlaß hier zu begehren. Ein Verbrechen ist im Gange und Baron Meneville hat. heute abend den ersten Schritt dazu getan. Er Elichigte sich heute bei di-sern Manne hier — er deutete auf seinen Hauswirt — nach der Giftmischerin Cisarelli und betrunken, wie er ist, befindet er sich augenblicklich auf dem Wege zu ihr. Herr, als ich hier ankam, da hörte ich ihn im Trünke eine Verwünschung ausstoßen über den Knaben, daß er ihm im Wege sei. Ich glaube, er will dem Kinde ans Leben."
EinWink des Prinzen und die Dienerschaft entfernte sich außer H . „Jacobo, alter Freund, was führt Di fragte er.
Der Hauswirt des alten Dieners, der' sich bescheiden in eine Ecke gedrückt hatte, hörte mit Verwunderung die vertrauliche Anrede. „Sieh einer doch den Fuchs", murmelte er, „vor wenigen Tagen erkundigte er sich nach dem Prinzen von Indien, als hätte er nie v “* ' " ‘ * *" ' ' 1
.. Der Prinz war erbleicht. Er klatschte in die Hände und von allen Seiten eilten Diener herbei.
„Sattelt Pferde, zwei Mann begleiten mich, die Wolfshunde los!"
Nun wandte sich der Prinz an den Begleiter Jacobos, der befcheiden die Mühe in der Hand hielt „Ihr seid ein Römer?"
„Kennt Ihr Weg und Steg?"
„Wie meine Tasche."
„Ihr wißt, wo die Giftmischerin wohnt?"
„Ja — es ist die böse Gegend, in meinen jungen Jahren bin ich öfters dort gewesen."
„Baron Meneville, der in Euerer Herberge wohnt, hat Euch gefragt nach dem Wese su ihr?"
»Ja, Hoheit."
Jahren in dessen Atelier tätigen Frl. E. Harnisch auf dem jetzt abgeschlossenen internationalen Gevaert- Wettbewerb 1912 für künstlerisch hochstehende Leistungen im photographischen Gewerbe je eine Gevaert-Medaille nebst Diplom zuerkannt ivorden. Die Auszeichnung fällt um so mehr ins Gewicht, wenn man berücksichtigt, daß über 6000 Einsendungen zu bewerten waren.
* Eine Erleichterung für Schüler höherer Lehr- anstatt«», die einen Beruf ergreifen wollen, bezweckt eine Verfügung des Unterrichlsministers an die Pro« vinziols ulfoUegien über die Zuerkennung der Reife für die Oberprima und die Unterprima. Seit 1907 kann Schülern der Unterprima auch nach eineinhalb- jährigem Befnche dieser Klaffe das Zeugnis der Reife für die Oberprima zuerkannt werden, sofern sie des Nachweises der Reife für diese Klasse zum Eintritt in einen Beruf bedürfen. Der Unlerrichtsminister hat jetzt bestimmt, daß allen Unterprimanern, die die Schule verlassen wollen, nach anderthalbjährigem Besuche der Klaffe die Reife für die Oberprima ohne Rücksicht auf diese zugesprochen werden kann. Die Reife darf aber nur dann zuerkannt werden, wenn die Voraussetzung für die Versetzung in die Oberprima ohne Rücksicht auf den späteren Beruf gegeben sind. Dasselbe gilt für die Zuerkennung der Reife für die Unterprima nach anderthalbjährigem Besuche der Obersekunda.
X Eisenbahn und Handwerk. In einem neuerlichen Erlaß an die Eisenbahndirektionen hat sich der preußische Eisenbahnminister dahin geäußert, daß bet der Vergebung von Bauten im Falle gleicher Preisstellung die am Orte der Ausführung ober in dessen Nähe wohnenden Gewerbetreibenden vorzugsweise berücksichtigt werden foUej, wenn sie die Arbeiten im eigenen Betriebe ausfüvren.
l*> Volksbildungsabend. Auf dem morgigen Volksbildungsabeud wird Herr Kunstmaler Iller die Besucher in die Kunst einführen. Eine Menge, größtenteils farbenprächtiger Lichtbilder, welche hervorragende Werke der Architektur wie der Bildhauerei und Malerei darstellen, werden den Vortrag begleiten und das Gehörte besser verständlich machen. Herr Iller ist Fachmann auf dem Kunstgebiete, und cs ist daher ein lehrreicher und fesselnder Vortrag zu erwarten, den Niemand ungehört vorübergehen lassen sollte und auch für die gebildeten und kunstverständigen Kreise von Interesse sein dürfte. Neben Musikvorträgen der Artilleriekapclle wird noch ein Thcaterstückchen: „Sie kriegen sich" aufgeführt. Dieser Schwank wurde kürzlich von Mitgliedern des hiesigen „Schützenvereins 1834" und dessen Angehörigen gelegentlich einer Bereinsfeier aufgeführt. In dankenswerter Weise haben die Amateurspieler auch für diesen Abend die Aufführung übernommen.
(♦) Ein Plvatcaadlnkonzert des Trompe.erkorps unseres Feldartillerie-Regiments findet morgen vormittags 1 ill Uhr bei günstiger Witterung im Schloß- garfen statt.
* Der Grund- und Hausbesitzerverein hält heule abend im „Ballhaus" leine oroeniliche Generalveriammlung ab. Da eine reichhattiae Taoesvrdnung zu erledigen ist, wird man auf einen zahlreichen Besuch oer Versammlung rechnen Wunen.
Ans dem Nachborgebiele.
D Hocas, 14. Febr. 1913. Am kommenden Sonntage wird im Saale des Gasthauses „Zum Bonifatiusbrunnen" dahier das Schauspiel mit Gesang „Die hl. Ottilia" zum zweiten Male aufgeführt werden. Der Reingewinn fließt der St. Ottilienkapelle in Niesig zu, die bekanntlich alljährlich von vielen Tausenden Pilgern besucht wird. Bei ber ersten Aufführung erzielte das Stück einen großen Erfolg.
* Lauterbach, 15. Febr. 1913. Die Beratungsstelle für Mutter- und Säuglings-Fürsorge soll hier wegen ungenügender Inanspruchnahme vorläufig geschloffen werden. Eine SlreiSpflegetin der Zentrale wird demnächst durch Vorträge und Hausbesuche die Bevölkerung über die Arbeit der Zentrale im allgemeinen und den Zweck der Beratungsstellen im besonderen auf« klären. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, wird die Zentrale wieder eröffnet werden.
0 Steinbach-Hallenberg, 14. Febr. 1913. Selbstmord verübt hat hier der 49 Jahre alte, pensionierte Oberbriesträger König.
* Bad Ocb, 13. Febr. 1913. Der Stadt ist über die Erwerbung der Hauptbeteiligung von dem Bade Orb ein annehmbares Angebot gemacht worden, indem die ursprünglichen Hausbesitzer, nämlich Anteileigner und Obligationäre, ihre Beteiligung
„Und gleich darauf hat er sich entfernt? Er war betrunken?"
„Ja, seit einer halben Stunde ist er bereits unterwegs, aber auf recht unsicheren Beinen, ich glaube nicht, daß er wert kommen wird."
„Ihr seid Weinwirt, habt Ihr reiten gelernt?" „Oft habe ich die Beine über deit Rücken meines störrischen Maultieres geschlungen, es geht zur Not auch mit einem Pferde."
„Gut, dann werdet Ihr den Weg weisen, und ivenn Ihr Geld liebt, dann wisset, daß ich Euch für diese Nacht mehr gebM-Mrde, als der Weinhandel Euch in Monaten eluAW Hütet aber Eure Zunge gegen jedermann, kein Mensch soll erfahren, was vorgegangen ist. Baron Meneville, Euer Gast, am wenigsten. Um Euere Haut braucht Ihr nicht zu sorgen, ich und meine Begleitung werden dafür ausschauen."
Der Prinz hüllte sich in einen dunklen Mantel, den ihm ein Diener rrichte. Seine ganze Figur war damit bedeckt und durchmchts unterschied er sich von den anderen. Nun werden die Pferde vorgeführt und der Prinz schwang sich in den Sattel.
Der Weinwirt kroch mit Beschwerde auf den Pferderücken, als er aber auf dem Pferde saß, da fühlte er sich sicher. Jacobo sah, daß für ihn kein Pferd vorhanden war, und besorgt und leise näherte er sich seinem Herrn.
„Lieber, gnädiger Herr", flüsterte er zu diesem, „Sie wollen doch nicht, daß ich zurückbleibe?"
Der Prinz neigte sich vom Sattel herunter zu ihm. „Ja, Älter, bas will ich", sagte er leise, nur dem Angeredeten verständlich. „Habe Dank für die Warnung, nun gehe nach Hause und lege Dich schlafen. Ich glaube nicht an eine Gefahr, aber Deinen alten Körper will ich derselben auf keinen Fall aussetzen."
Der Alte trat zurück, die Pferde trotteten hinaus in die Dunkelheit.
Auf der einsamen Straße schritt in der Nacht ein Mann dahin, oft stehen bleibend und um sich schauend,_ als fühle er sich nicht ganz sicher des Weges. Die k^elrechten Straßen hatten längst ein
Samstag 15. Sebruar (913.
an der Bad Orb G. tn. b. H. mit allen Rechten an die Stadtgemeinde abtreten wollen. Es ist der Stadt Orb angeboten worden: der Erwerb von 464000 Mark Stammanteilen der Bad Orb G. m. b. H. zum Kaufpreis von 37,5 Prozent, also zu 174150 Mark, weiter von 268000 Mark Obligationen der Bad Orb G. m. b. H. einschließlich der damit verknüpften Rechte zu 150 Prozent, also zu 402000 Mark, ferner von 7 Konsortialanteilen zu 49000 Mark, so daß der Kaufpreis zusammen 625150 Mk. beträgt. Der Magistrat hat das Angebot, das nur bis Ende dieses Monats giltig bleibt, einstimmig angenommen. Die Finanzkommission der Stadtverordneten hat das Angebot mit 5 gegen 1 Stimme zur Annahme empfohlen. Nack Vollzug dieser Transaktion wird die Stadt Bad Orb über eine erhebliche Majorität des Stammkapitals verfügen.
* Bad Orb, 15. Febr. 1913. Vom 2. bis 21. Juni wird das diesjährige Scharfschießen des 81. Infanterie - R imenteS, das in früheren Jahren immer bei Nessel c. gehalten wurde, zum ersten Male auf dem Gelän e des neuen Truppenübungsplatzes bei Bad Orb abgehalten werden, wobei die Mannschaften in den umlieg-mden Ortschaften bei Bad Orb einquar«. tiert werden. Auch die neue Maschinengewehr-Kompagnie, d> gegenwärtig in Darmstadt ausgebildet wird, nimmt an dem Scharfschießen teil.
* Hana«, 14. Febr. 1913. Ein ehemaliger Reffender der Heidt'schen B chdruckerei verlangte 427 Mark rückständiges Gehalt und Spesen für feine Tätigkeit in Köln und Umgegend. Eine dortige Firma kam ihren Verpflichtungen nicht nach; dafür soll der Reisende b^ßen, indem obige Summe von Lohberger einbehalten wurde. Vor dem Kaufmannsgericht erschien heute der Angeklagte Lohberger trotz telephonischen Anrufs nicht. Es wurde deshalb auf ein Verfäumnis- urtetl erkannt. — Am 23. Februar wird hier ber Verbandstag des Provinzialoerbandes Hessen-Nassau des Bundes deutscher Militäranwärter abgehalten. — Bekanntlich war im iDlililäretat die Errichtung eines Eisenbahn-Brigadestabes Hanau vorgesehen. Dieser wird nun nach neueren Anordnungen bereits am 1. April d. I. errichtet werden.
* Offenbach, 14. Febr. 1913. Die vielumstrittene Bürgermeister Wahl in Jügesheim hat nun endgültig Erledigung gesunden, indem der KreiSaus- schuß Offenbach den Zentrumskandidaten Günther anerkannt hat.
v V Ibcl, 14. Febr. 1913. Auf einfache Weise entdeckte der Gastwirt O. einen Dieb, der ihm schon seit langem auS einem Schranke ein Goldstück nach dem andern stahl. Er leitete von der Schranktür eine elektrische Schellcuanlage nach dem Wirtszimmer. Schon am nächsten Tage meldete die Glocke den Dieb: es war die langjährige Aufwärterin des Hauses.
* G oßkrotzenburg, 13 Febr. 1913. Der 55[ädrige Bäcker Bohne aus Armsield, Kr. Eder, hatte hier gebettelt. Als der Maurermeister Fischer sich weigerte, ihm etwas zu geben, schlug Bohne mit seinem Stock auf Fischer em und verletzte ihn erheblich am Kopf. Bohne wurde hierauf feftgenommen und zwecks lieber- fübrung nach Hanau einstweilen im hiesigen Arrest- lokal untergebracht. Als kurze Zeit danach der Polizeidiener das Ärrestlokal betrat, fand er den Bohne mit seinem Taschentuch am Türkloben aufgehängt vor.
* Rotenburg, 14. Febr. 1913. Die Stadtverordneten bewilligten für das Feldartillerie-Regiment Nr. 11 aus Anlaß des Jahrhundert-Jubiläums 100 Mk. als Beitrag zur Errichtung eines Denkmals auf den Schlachtfeldern von 1870/71.
* Kassel, 14. Febr. 1913. Der Bauarbeiter 0- von hier stürzte gestern früh in einem Neubau aus Stockhöhe die Treppe hinab und zog sich einen Bruch des rechten Schultergelenks zu. — Einem Architekten, welcher ein Vergnügungslokal in der Nähe des Bahnhofes besucht hatte, wurde nach Schluß der Vorstellung im Gedränge die Börse mit mehr als 600 Mark aus der Rocktasche gestohlen. — In der Rosenstraße brach am Donnerstag abend ein 18 jähriges Mädchen zusammen. Vorübergehende nahmen sich seiner an und brachten es zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, Dort gestand die Kranke, daß sie Kleesalz eingenommen habe. Nachdem der Arzt Cent Mädchen den Plagen ausgepumpt, wurde die Lebensmüde, die unglückliche Liebe zu der Tat veranlaßt hat, ins Landkrankenhaus überführt. — Bei der Stadtverordnetenwahl in Rothenditmold erhielt Steinhardt 245, Rudolff 96, Pfordt 96, Appel 53 und Böttger 113. Es hat sonach Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Eisenbahner, Betriebswerkmeister Steinhardt, und dem Kandidaten der Sozialdemokraten, Böttger, stattzu- sinden. Nun ist von Interesse, daß Steinhardt gar nicht wählbar ist, da Polizeibeamte nicht das Amt eines Stadtverordneten ausüben dürien. In der
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Ende, an beiden Seiten des Weges tauchte hie und da eine Hütte auf, dann kamen große Trümmer- masien von alten zerfallenen Tempeln aus der Heidenzeit, dann wiederum freies Feld. Auf dem Felde zeigten sich oft quer übereinander gelegte Stangen, behangen mit zerfetzten Leinwanddächern, darunter schliefen Zigeunerfamilien, die zu den großen Festen nach Rom gekommen waren, um bettelnd, wahrsagend, stehlend bei Tage durch die Straßen zu ziehen. Nachts schliefen sie hier draußen unter freiem Himmel. Die Straße war holprig, voll von Gruben und Löchern, manchmal taumelte der Mann und hatte Mühe, sich vor dem Fallen zu schützen.
„Eine furchtbar elende Gegend, die nicht einladend ist", murmelte er, „ich glaube hier draußen gibt eS Halsabschneider, die um kleine Münze ein Menschenleben nehmen. Die Hexe hätte ich besser bei Tage ausgesucht, es wäre besser gewesen, als hier mit weinschwerem Kopfe von einem Loche der Straße ins andere zu fallen. — Anatole, nimm Dich zusammen, oder man schneidet Dir hier draußen die Kehle durch, wie der Metzger dem Lamm. WaS sollte die schöne Anita sagen, wenn sie hörte, ich sei hier im Viertel der Strolche und Tagediebe zu Grunde gegangen. Mit der Zeit würde sie sich trösten und am Ende gar gottesfürchtig und fromm werden und ihr Kind erziehen in Zucht und Ehren. — Der Teufel hole die Weiber. — Sie hat ihren Mann verraten, morgen verrät sie vielleicht mich und der tote Tarent wälzt sich deshalb nicht in seinem Sarge. Sein Sohn muß verschwinden, das Kind ist mir im Wege."
Vor dem Manne tauchte plötzlich wie aus der Erde gewachsen eine Gestalt auf, gleich darauf zeigte sich eine zweite und eine dritte.
In den Händen des Menschen zeigte sich ein funkelnder Dolch.
„GibS ihm zwischen die vierte und fünfte Rippe! Mache ihn kalt!" sagte der andere.
Der dritte versuchte hinter den Rücken dös Angegriffenen zu gelangen.
(Fortsetzung folgt.) <