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Zuldaer Leitung

Zreitag U. Zebmar 1915.

Amt Geija und Umgebung.

* Dermbach, 13. Febr. 1913. Das Fest des qol- denen Ehe-Jubiläums feiern heute die Eheleute Philipp Simon und Frau Justine geb. Zimmer. Beide Ehe­gatten erfreuen sich noch einer verhältnismäßig guten Gesundheit.

* Aus dem Feldathal, 13. Febr. 1913. Wie wir bereits kurz mirteilten, brachte der Abg. Henn un Weimarischen Landtage eine Jnterpcllaion ein über die Eisenbabnfragen ir» Eisenacker Oberiande mit

, --------Me und Ausgabe

guf 69 000 Mk. genehmigt. Die Schulden der Grund- jtücksverwaltung betrugen Ende 1912 1 052 507,88 Mk

c) Fondsverwaltung. Die Einnahmen'und Ausgaben der Fondsverwaltung werden auf 119 274.95 Mark festgestellt.

Aus Gbsrheffen u. -en Hess. Remtern.

* Kirchhain, 13. Febr. 1913. Dem Vernehmen nach ist das Projekt der O h m r e g u li e r u n g einer durchgreifenden Aenderung unterzogen worden, wo­bei auch erhebliche Ersparnisse erzielt sind. Gerade in diesem Winter, wo seit dem Monat November bis heute fast ununterbrochen Hochwasser vorhanden war, hat sich die Ueberzeugung von der dringend nötigen Beseitigung des Uebelstandcs Bahn gebrochen.

oll. Sindersfeld (Kr. Kirchhain), 12. Febr. 1913. Heute morgen gegen IO1/« Uhr überflog der Parseval« Ballon PIII in etwa 500 Meter Höhe in rascher Fahrt von Ollen nach Westen unseren Ort.

* Kreis Frankenberg, 13. Febr. 1913. Die dies­jährige Feldprämiierung für unfern Kreis fand "int Bezirk Vöhl statt. Die Geldpreise sind jetzt zur Verteilung gelangt. Es statlden 500 Mk. für Prämien zur Verfügung. 70 Bewerbungen waren cingelaufen, wovon 43 berücksichtigt werden konnten. Von vornherein waren Besitzer von Gütern über 100 Morgen von der Preisvertcilung ausgeschlossen. —> Die Deckstationen für den Kreis befinden sich in Frankenberb, Gemünden und Vöhl. Es sind 10 Hengste stationiert, welche dem Gestüt Dillenburg ent- stamnien.

* Frielendorf, 13. Febr. 1913. Am 15. April werden vom Amtsgerichte in Ziegenhain in der hie­sigen Gentembewirtschaft zehn Bergwerke ver­kauft, dto dem Fabrikanten Gramm gehören, der früher in unserer Nachbargemeinde Spietzkappel wohnte und jetzt in Stuttgart ansäsiig ist. Die Berg- werke Krfeut Braunkohlen, Schwefelkies und Eisen- w' mit) liegen zum größten Teile im hiesigen Kreise, Der Antrag auf deren Verkauf ist von dem Konkurs­verwalter gestellt worden.

* Asel, 13. Febr. 1913. Die Bauarbeiten in dem auf dem „Hagebuch" gelegenen Neu-Asel schreiten rüstig vorwärts. Die neuen Wege gehen ihrer Vollen­dung entgegen; auch die Wasserleitung ist bereits sertiggestellt.

* Fritzlar, 13. Febr. 1913. Für die Feier des Kreiskrteger-VerbandSfestes, das hier in Verbindung mit der Einweihung des Kriegerdenkmals des Kreises begangen werden soll, ist vorläufig der 15. Juni — der Tag des Regierungsjubiläums des Kaisers — in Aussicht genommen.

fahre.

b) Grund st ückSverwaltung. Der Etat der Srundstücksverwaltung wird in Einnah:

vermischtes.

* Das Verbrennen eines Negers in Amerika, Auf dem Platz vor dem Gerichtsgebäude in Houston, Mississippi lynchte am Samstag nachmittags eine aufgeregte Menschenmenge einen Neger, den sic für den Mörder einer hochangesehcnen Weißen Frau hiei- ten, die am Donnerstag tot in ihrer Wohnung auf. gefunden wurde. A"' hcnf eiben Verbockt tun uurckr-

besonderer Berücksichtigung der Felda b a h n. Zur Begrüdung führte er u. a. aus: Ich würde meine Pflicht als Vertreter des Eisenacher Oberlandes ver- letzen, wenn ich nicht immer von neuem auf die mißlichen Verkehrsverhältnisse in der vorderen Rhön hinwiese. Was den Ausbau der Feldabahn betrifft, so wird hier immer die mangelnde Rentabilität als Stein des Anstoßes hingestellt. Umfangreiche Er­hebungen sind aber in dieser Beziehung in der letzten Zeit meines Wissens nicht gemacht worden. Nun sind aber in den letzten Jahren einige neue Werke im Feldatal entstanden und die reiche Entfaltung der Industrie in Vacha und Dorndorf beginnt auch ihre Wellen ins Feldatal zu schlagen. Wenn freilich die Arbeiter 1—2 Stunden fahren müssen, kann solche Arbeitgselegenheit nicht viel nützen. Zum Ab­zug können sie sich aber auch nicht entschließen, weil sie durchweg noch etwas Landwirtschaft haben, die sie nicht aufgeben wollen. Die vielen außerordentlich billigen Arbeitskräfte von Stadtlengsfeld bis hinauf nach Fladungen, von Helmershausen bis Oberweid und Frankenheim würden bei besseren Bahnverhält­nissen manches Industrieunternehmen möglich ma­chen. Die Regierung möge also darauf hinwirken, daß neue Erhebungen über den Verkehr aus der Feldabahn veranstaltet werden, und daß dem Land- tage dann das Material auch einmal zugänglich ge­macht werde. Die wirtschafliche Lage des größten Teils der Rhönbewohner ist nach wie vor sehr be­drängt, weil keine ausreichenden Ver­dien st Möglichkeiten vorhanden sind. Wä re die Bevölkerung nicht so genügsam und so anhänglich an der Scholle, so würden sich unsere Dörfer im oberen Teile des 4. Verwaltungsbezirks von Jahr zu Jahr immer mehr entvölkern. Ich zweifle nicht, daß es auch ein Ziel der Großh. Staatsregierung ist, der Abwanderung der Landbewohner nach den Städ­ten entgegenzuarbeiten. Würde aber die Rhön durch den Ausbau der Feldabalm und ferner durch etne Bahn von Meiningen nach Hessen erschlossen, dann würde Handel und Wandel aufblühen, ganz abge­sehen davon, daß auch die landschaftliche Schönheit der Rhön die Würdigung erfahren würde, die sie verdient.

* Wölferbütt, 13. Febr. 1913. Emer der Wild­diebe, die in letzter Zeit in den Großherzogl. Staats, forsten am Dietrichsberge gehaust haben, ist jetzt in der Perlon des Zimmermanns Niebergall hier er­mittelt worden. Er wurde dem Amtsgericht Vacha zugeführt, das trotz feines Leugnens die Untersuchungs- hast über ihn verhängte.

* Dönges, 13. Febr. 1913. Die Reife des Land­tags ins Werragebiet zur Besichtigung der Kalt- bergwerke Dönges und Heiligenroda, du zu einem Drittel staatlich sind und für die eine Re­gierungsvorlage eine Million Mark fordert, ist auf Freitag angeietzt worden.

* Occhsen, 13. Febr. 1913. In einer dieser Tage abachaltenen G r n b e n v o r st a n d s s r Yun g ber Gewerkschaft Heiligenmühle wurde beschlosten, die Sümpfungsversuche mittelst Pumpen infolge der erheblichen Wasserzuflüsse einzustellen und statt dosten zum Zementierversahren überzugehen. Zu diesem Zwecke soll aus Martengart ein Betonpfropfen auf die Sohle gebracht und nach Erhärten desselben die­ser Schacht gesümpt werden. Das Abteufen soll so­dann zuerst im Schacht Heiligenmühle wieder ausge­nommen werden und nach Vertiefung dieses Schach­tes bis zum Bröckelschieser hier das ^cmentierver- fahren in Anwendung kommen. Die ■ vorhanden« große Pumpenanlage wird dann in der Lage fein, etwa noch auftretende Wasser zutage zu sördern. Nach Durchteufen des Plattendolomits auf Heiligenmühle soll der bis dahin durch einen Betonpfropfen abge­schlossene Schacht Martengart wieder in An­griff genommen und der Plattendolomit auf diesem Schacht in derselben Weise durchteuft werden. Mit der Aufnahme des Zementierverfahrens wird ein ent­sprechender Zeitaufwand verbunden sein.

2. Blatt

vr«<k Mdoer XctitHitndtret ie gelt«.

Stadtverordneten-Versammlung.

-t- Fulda, 14. Febr. 1913.

Hn der gestrigen Stadtverordneten - Derscnnmlung zahmen 23 Mitglieder des Kollegium- teil. Der Magi- «trat war durch Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. De» Borsitz führte der stellvertretende Stv.-Borsteher AechtSann a.t und Notar Rang.

L Hauptetat: a) Schuldenverwaltung Der Voranschlag wird in Einnahme und Ausgabe mit 631 856,85 Mk. festgestellt gegen 517 144,62 Mk. im Vor-

d) Ordentliche Verwaltung: Der Gesamt, betrag der laufenden Einnahmen und Ausgaben in der ordentlichen Verwaltung wird auf 1 107 500 Mk fest­gestellt gegen 1056 500 Mk. im Vorjahre. Beim Titel Ausgaben für die allgemeine Verwaltung, für die 129 922 Mark eingesetzt sind, wünscht Stv. Kapp, daß die Be­amten des sozialen Büros im Laufe des Jahres über die neue soziale Gesetzgebung Vorträge halten, um die vielfach noch terri chenden llnklarheiten in diesen Dingen zu beseitigen. Bei der Position Stadtbauamt wird erwähnt, daß die Finanzkommission auf Anregung des SW. Fritz den Antrag gestellt hat, der Magistrat möge in Erwägung ziehen, ob bei den in Aussicht stehenden Schulneubauten nicht ein in Schulbauten erfahrener Architekt mit dem 1. Juli angestellt werden solle. Die Versammlung schließt sich dem Anträge der Kom­mission an. -—Ferner wird angeregt, ein cm der Mauer vor dem Bischöflichen Palais vor dem Paulustor lie­gendes Stück ungepflegten Landes mit Blumenbeeten zu bepflanzen. Stv. Breitenborn hält es nicht für praktisch, hier Blumen anzubringen. — Bei der Position B ez i r k s v o r st eh e r wünscht Stv. Laux, daß die Bezirke verkleinert würden, da die einzelnen Vorsteher sie nicht übersehen könnten. Der Oberbürger­meister meint, daß die Bezirke vorläufig noch nicht zu groß seien. Der größte, der 3. Bezirk, biete mit Rück­sicht auf seine Bewohner wenig Arbeit. SW. Reith hält den 4. Bezirk für zu groß. Der betr. Vorsteher könne unmöglich alle Bewohner seines Bezirks kennen, und deshalb könne es vorkommen, daß manche Personen unterstützt würden, die es nicht notwendig hätten, und umgekehrt. — Beim Titel Ausgaben für Gemeindever­mögen, der 139 420,48 Mk. erfordert, wünscht Stv. Tim­mer, daß der Landweg von Sickels nach Johannes­berg, der durch die Rohrleitungsanlage der Kaliwerke Neuhof in einen unbrauchbaren Zustand geraten sei, aufgebessert werde. Der Oberbürgermeister teilt mit, daß das Kaliwerk aufgefordert worden sei, den Weg instand zu setzen. Im übrigen fei es kein Land- weg im gesetzlichen Sinne, sondern ein Feldweg. Stv. S u nkel unterstützt die Anregung Simmer's und wünscht dasselbe für den Weg von Neuenberg zur Hor­nungsbrücke, der gleichfalls in miserablem Zustande sei. Sw. Breitenborn beantragt, unter Position: Unter­haltung von Baumschulen, Baumpflanzungen re., die An­legung von sog. Äerlepschen Vogelschutzhecken einzustellen, und außerdem den Magistrat zu ersuchen, in nächster Zeit dem Projekte einer Umgestaltung der mittleren Anlagen am Frauenberg näher zu treten. Der Antrag wird vom Oberbürgermeister warm befürwortet und von der Versammlung angenommen. Stv. S u n k e I wünscht, daß der Brunnen vor dem Kur­fürsten nicht länger verödet dastände. Es wird erwidert, daß in dieser Angelegenheit eine Klage schwebe. — Für Einrichtungen und An st alten der Gemeinde werden 82 383,58 Mk. gegen 80166 Mk. im Vorjahre gefordert. Bei der Position Viehmärkte kommt Sw. SunkeI auf die Beschwerden der Viehhändler zu sprechen, über deren Entschließung wir gestern berich- toten. Er ist der Ansicht, daß die Handelsleute zu viel -elastigt würden, mit Abgaben sowohl als auch von den Schutzleuten. Da die Viehmärkte für die Stadt eine gute Einnahmequelle seien, müßte hier Aenderung ge­schaffen werden. Der Oberbürgermeister erwidert, daß die Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit nicht zu- stcmdig sei. Die scharfen Bestimmungen über Untersuchun­gen des Viehs seien von der Regierung zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche getroffen worden. Wenn diese fallen, dann fallen auch die Viehmärkte weg. Aller­dings hatten wir das größte Interesse daran, den Markt SU erhalten und zu fördern, und was von Seiten der --tadt in dieser Richtung geschehen könne, würde getan werden; berechtigte Klagen werde ich an geeigneter Stelle vorbringen. Stv. Keil findet die Mülleimer und Müll- kasten nicht in der richtigen Verfassung. Die offenen Mullbehalter standen vielfach zu lange auf den «.rotwirs und ihr Inhalt würde von Kindern und Hunden auf die Straße geschüttet, ganz abgesehen davon, daß er_an sich oft einen häßlichen Anblick böte. Der Ober- b u r g e r m e i st e r erwidert, daß hier ohne Erzwingung eines geschlossenen Behälters durch polizeiliche Vorschrift Nichts erreicht werden könne; eine dahingehende Bestim­mung sei indes für manche hart und führe dazu, daß "ie Stadt gezwungen sei, für manche Behälter auf eigene .losten anzuschaffen. — Die Ausgaben für Armen- pflege sind, wie bereits mitgeteilt wurde, auf 25 700 Marl testgesetzt worden. Der Zuschuß für das Schul- ? e s e n beträgt für Volksschulen 175 900 Mk., 12 200 Mk. Uehrals im Vorjahre, für die Oberrealschule 40 470 Mk., ur die gewerbliche Fortbildungsschule 5583 Mk., für die aufmanmsche Fortbildungsschule 1187 Mk., für die israelitische Volksschule 3900 Mk., insgesamt 227 040 fart. ©tb. Reith: Vor einigen Jahren ist schon der ^sunsch ausgesprochen worden, man möge die Vor­schule an der Oberrealschule beseitigen. Auch heut- -in ich noch dafür, nicht bloß aus finanziellen Gründen; A sozialer Hinsicht wäre es besser, wenn die Kinder der .'FNercn Stande langer in die Volksschule gingen und . ■*. 1° bald von den anderen abgesondert würden, wo­durch ste den andern Kindern entrückt und zum Kasten-

erzogen werden. Wenn die neue Volksschule fertig- ME ist, werden wir Platz genug haben. Unsere Volks- Ichillen stehen aus der Höhe, und die besseren Familien k^rf-en ihnen ihre Kinder ruhig länger anbeitrauen. ^.Oberbürgermeister: Mit demselben Recht, mit dem die Vorschule angegriffen wird, kann man auch

Oberrealschule und das Gymnasium angreifen. Die • ££en übrigens nicht mehr so weit auseinander wie tn früherer Zeit. Wenn Kinder zur Absonderung neigen, was im Alter von 7—9 Jahren wohl nicht an­genommen werden kann, so muß diese Neigung tu der «amilie beseitigt werden. Was die finanzielle Seite onicmgt, so legen wir zum Betrieb der Vorschule nicht nur nichts zu, sondern erübrigen noch aus den Einnah- men Wenn die Kinder aus der Vorschule die Volks­schule besuchten, würde außer andern Unkosten, die da- ourch veranlaßt würden, auch die Anstellung einer wei- fr,ert Lehrkraft erforderlich sein; es würden mithin Aus- gaben erwachsen ohne Deckung. Zudem bildet die Vor­schule für das spätere Fortkommen der Schüler einen wichtigen Faktor. — Für die Volkslesehalle wer­den 700 Mk. Zuschuß bewilligt, 600 Mk. mehr als im chvrmhre. — Die Einnahmen aus dem Gaswerk sind veranschlagt auf 35 000 Mk., aus dem Wasserwerk

32 000 Mk., aus dem Schlachthof auf 23 857,50 der Spar- und Vorschußkasse auf iiF>, t ®tD- Dux glaubt irrigen Ansichten gegen* fn. toMtellen zu müssen, daß die 8prozentige Verzin-

■ 5-1 Deiles deS Anlagekapitals für den Schlacht-

) r nicht ungebührlich doch sei. Die 8 Prozent setzen sich «ikl^^eu aus 4 % wirklicher Verzinsung, 1 % Amor- j. tOj . und 3 % Gebührenzuschlag, der anstelle Die, Ruberen Fleischverbrauchs steuer getreten ist.

»rc.v, o % bedeuten nur ;3' Pfennig pro Pfund P- roppegen früher durch Steuern iy3 Pfennig pro

0,7,, aufgebracht werden mußten. Außerdem sei dieser lch-ag ebenso gcrechtfertigt, wie her auf GaS» uns

Wasserverbrauch. Stv. Sunkel betont, daß, ein Be. toeis für die Richtigkeit dieser Rechnungsaufmachung nicht erbracht fei. — Die Einnahme aus der H u n de - steuer ist mit 4500 Mk. gegen das Vorjahr mit 500 Mark mehr, die Lustbarkeitssteuer mit 8000 Mark, gegen das Vorjahr mit 2500 Mk. mehr und die Wertzuwachs st euer mit 4000 Mk. gegen 1000 Mk. im Vorjahre veranschlagt worden. Die Gesamteinnahme aus den indirekten Abgaben wird mit 78 400 Mk., die aus den direkten Steuern mit 523 100 Mk. nach Abzug der Kreis- und Bezirksabgaben in Höhe von 83 000 Mk., die aus den Staats-Einkommen-, Ergänzungs- und Be­triebssteuern auf 261 550 Mk. festgestellt. Von den Real- ’ steuern werden erhoben 178 %, von der Einkommen­steuer 162 %. Der Gesamtwert sämtlicher steuerpflich­tigen Liegenschaften im Stadtbezirk, außer den siädti- ■ schon Grundstücken, beträgt 59 400 000 Mk. Der zu ere- hebende Steuersatz ist 2,4 %. Stv. Adam spricht sich dahin aus, daß die Rentabilität der Bebauung von Grundstücken wegen der Höhe der ungerechten, nach dem gemeinen Wert berechneten Grund- und Gebäudesteuer in Frage gestellt werde. Es müsse darnach gestrebt wer­den, hier nach und nach eine Aenderung zu schäften. Er behalte sich vor, im Laufe des Jahres einen entsprechen- । den Antrag einzubringen. ,

e) Außerordentliche Verwaltung. Der Etat der außerordentlichen Verwaltung schließt ab in Ein­nahme und Ausgabe mit 144 917,91 Mk. Zur Neu - Pflasterung sind vorgesehen die Buttlarstraße, die Leipzigerstraße zwischen Wittig- und Moltkestraße und die Rhabanusstraße von der Sturmius- bis Schloßstraße mit Kleinpflaster, Severiberg und unterer Teil des Licht­weg mit Basaltreihenpflaster. Hierfür, sowie für einige Umpflasterungen sind 475 000 Mk. vorgesehen, ferner für ■ Bürgersteiganlagen 35 750 Mk. Betreffs der Straßen- i Pflasterung werden von verschiedenen Stadtverordneten i speziell- Wünsche geäußert, fo vom Stv. Laux für die Schlachthofgasse, vom Stv. Reith für die Verbindungs­straße zwischen Heinrichstraße und Petersbergerweg; Stv. ©immer wünscht Instandsetzung des Verbin­dungsgäßchens zwischen Löherstratze und Vordere Schlei­fersgasse. Der Oberbürgermeister: Der Magi­strat steht den einzelnen Wünschen wohlwollend gegen­über. Aber über ein gewisses Maß kann nicht hinaus- gegangen werden. Tie notwendigsten Arbeiten muffen herausgegriffen werden. Freilich kann man oft geteil­ter Ansicht darüber fein, was am notwendigsten ist. Aber alles lätzt sich auf einmal nicht machen. Früher, als die Stadt noch nicht so gut gepflastert war, wurden dies- bezügl. Wünsche weniger oft laut Jetzt wird eine Straße schon leicht als „grundlos" verschrieen. Uebrigens ist zu hoffen, daß in zwei Jahren alle Wünsche nach dieser Richtung befriedigt sind. Stv. Sauer erinnert, daß die Rhönstraße im Etat nicht zur Pflasterung vorgesehen sei, obwohl diese bereits im vorigen Etat eingestellt ge­wesen wäre. Der Oberbürgermeister sagt zu, daß die Pflasterung erfolgen würde, sobald die Schwierig­keiten betreffs der Auflassung der Grundstücke seitens der einzelnen Besitzer behoben seien. Stv. Sauer be­antragt sodann, die Umpflasterung der Straße von der Hinterburg zum Horaserweg in den nächstjährigen Etat einzustellen. Stv. Adam bittet, vorläufig von einem Beschlüsse abzustehen, da die Neupflasterung 2900 Mk. erfordere und durch eine derartige Festlegung leicht eine Zwangslage geschaffen werden könne. Der Antrag wird angenommen.

Der Hauptetat wird in Einnahme und Ausgabe auf 2 200149,71 Mk. festgestellt.

2. Erwerb des in die Straße „Am Lichtweg" fallen- den Geländes. Zwecks Ausbaues der Straße fallen zwei Parzellen Land von 127 und 19 Quadratmetern zum Preise von 10 Mk. pro Quadratmeter erworben werden. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung.

Schluß der Sitzung 10,16 Uhr.

Lokales.

Fulda, 14. Februar i 913.

(*) Eine Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung findet Montag, den 17. Februar 1913, abends 71/» Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Ausstattung des Turnsaales für Mädchenschulen mit Turngeräten. (Vollmer.) 2. Freigabe-Urkunden. (Singer.) 3. Ver­dingungsordnung. (Breitenvorn, Dux.) 4. Einrichtung einet Entlüftungsanlage im Kläranlagengedäude. (Wehner.) 5. Kenntnisgabe des mit dem Kaliwerk Neuhof abgeschloflenen Vertrages und Beschlußfassung über Verwendung der Anerkennungsgebühr. (Weber.) 6. Vergrößerung und Herrichtung der Abortanlage neben dem gelben Saal im Orangeriegebäude. (Breiten­born.) 7. Anstellung eines Leiters der Fortbildungs­schulen im Hauptamt. (Vollmer.) In geheimer Sitzung wird verhandelt über 8. Rückgabe der ver- fallenen Kaution an das Elektriz-tätswerk. (Schwarz.) 9. Erhöhung des Zinsfußes eines DarlehnS. (Dux.)

# Personalien. Dem Regierungsrat Dr. Andritzty wurde der Charakter als Geheimer Regierungsrat, dem Regierungsiekretär BerendeS und dem Regie- rungshauptkafsenbuchhalter Hedecker in Kastel der Charakter als Rechnungsrat verliehen.

— Die mündliche Prüfung der Abiturienten am hresigen Gymnasium wird am Mittwoch, den 19. Febr., unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialschulrates Dr. Paehler ihren Anfang nehmen.

-7 - Viehmarkt. Anläßlich des gestrigen Viehmarktes wurden auf der Station Fulda 107 Waggon Vieh verladen.

Ha Handwerkskammer und Fleischteuerung. Der Vorstand der Handwerkskammer zu Kassel beschloß, folgender Entschließung des Geschäftsführenden Aus­schusses des Deutschen Handwerks- und Gewerbe- kamnlertages beizutreten: „Der Geschäftsführende Ausschuß des Handwerks- und Gewerbekammertages kann in der Uebernahme des Ein- und Verkaufes von Vieh und Fleisch tn eigene Regie der Städte, wie sie infolge des Erlasses der Reichsregierung vom 28. September 1912 eingesetzt hat, keine wirksame Htlfe gegen die bestehende Fleischteuerung erblicken. Er sieht in diesen Maßnahmen, ebenso wie in der geplanten Einführung von mehrjährigen Lieferungs­verträgen, den Anfang des Ausschlusses der Selb­ständigkeit des Fleischergewerbes, die im Interesse der Volkswohlfahrt unbedingt aufrecht erhalten wer­den muß, und erwartet baldigste Einstellung der ge­troffenen und unbedingten Unterlassung der geplan­ten Einrichtungen." — Die Kammer hofft, daß die bislang nur einzelnen Städten erteilte Zoll- und Frachtvergünstigung bald auch dem freien Handel und Gewerbe verliehen werde, die bekannterncatzen durch freien Wettbewerb am sicherften für die Ver­billigung der Nahrungsmittel sorgen können. Die Kammer ersucht den Ausschuß des deutschen Hand­werks- und Gewerbekammertages, in vorstehendem Sinne bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. Der Vorstand beschloß außerdem, diesen Text dem deutschen Fleischerverband und dem Reichstage zu übersenden.

* Tem Kommunallaudtag ist eine Vorlage zuge­gangen, eine je nach Bedarf abzuhebende Anleihe von einer halben Million Mark zur Herstellung von Kleinpflasterungen auf der Landstraße zu genehmigen und den Landesausschuß mit der wetteren Verfolgung der Sacke zu beauftragen.

-4- Warnung. Tie Schatzschwindler haben neuer- dmgs wieder ihre Gaunerarbeit ausgenommen und ubertchwemmen ganz Deutschland mit ihren Briefen. Zu den spanifckkn w'ndler'" die immer noch ihre

Aus dem Nachbargebiete.

* Hanau, 13. Febr. 1913. Einige Schüler der Fortbildungsschule in Langenselbold beschlossen, weil der Lehrer Böckler einen Fortbildungsschüler wegen wiederholten Ungehorsams züchtigen mußte, sich dafür an dem Lehrer zu rächen. Sie bewarfen ihn auf der Straße mit Steinen und richteten gegen seine Wohnung ein Steinbomdardement. Drei der Uebeltäter standen gestern vor dem Langenselbolder Schöffengericht, das sich aber angesichts der Schwere der Tat für unzuständig erklärte und die Sache an die Strafkammer zu Hanau verwies.

* Homberg, 12. Febr. 1913. Auf der Kohlenzeche Ronneberg verunglückte der Bergmann Werner aus dem nahege.egenen Sondheim dadurch, daß eine im Abbau begriffene Schicht Ko h len ab stürzte und und bett Arbeiter an Kopf und Gliedern schwer ver­letzte. Doch besteht eine Lebensgefahr nicht. — Das bekannte Mühlengrundstück im Dorfe Holz­hausen ging an den Obermüller Dörr über. Der Kaufpreis wurde auf 28000 Ma>k vereinbart.

* Wolfhagen, 13. Febr. 1913. Der vielgesuchte Zigeuner Ebender soll sich neuerdings in unserer Nähe aufhalten Am 25. Januar wurde derselbe in Philippinendorf gesehen; der sofort benachrichtigte Gendarm von hier kam leider zu spät. Voit dort ist der Räuber dann nach Lekringhausen gewandert, dann wieder zurück über Philippinendorf nach Viesebeck, überall von der Hermandad verfolgt. Gesehen wurde er ferner in Bühle. Alle Personen, denen die Pho­tographie gezeigt wurde, erkannten chn sofort. Der Bursche zeigt ein recht dreistes Benehmen, meidet aber möglichst die Landstraßen und hält sich meist in der Nähe der Wälder auf. (Wer sieht denn hier wie­der dem Ebender ähnlich? D. Red.)

* Kassel, 13. Febr. 1913. Ein Wohltäter übt hier schon seit Jahren eine stille, aber segensreiche Tätigkeit aus. Der betreffende Herr geht mit Vor­liebe bei Regenwetter durch die Straßen der Stadt. Trifft er atme Schulkinder an, Jungen und Mädel, die zerristene Schuhe anhaben, so nimmt er sie mit in den nächsten Schuhwarenladen, kauft ihnen derbe neue Stiefel und entfernt sich dann schleunigst, nut nicht erkannt zu werden. — Die hiesige Bahnhofs­polizei wurde gestern früh telegraphisch benachrichtigt, daß der Kellner St. in einem Abteil 3. Klaffe des Bebraer Personenzuges eine Dame belästigt und ihr die lederne Handtasche mit 19.50 Mark gestohlen habe. Als dies bemerkt wurde, warf der Dieb die Tasche nebst Inhalt zum Fenster hinaus. Beim Eintreffen des Zuges wurde St. festgenommen. Er gestand die Tat ein.

* Hau». Münden, 13. Febr. 1913. Der Invalide V. von hier brach auf einem Spaziergangs mit seiner Frau plötzlich zusammen und wurde tot vom Platze getragen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben em Ende bereitet.

* Gießen, 13. Febr. 1913. Ein hiesiger, aus Mar­burg gebürtiger Kaufmann namens Tobis Zwetschken- stiel hob mit H.lfe eines gefälschten Schreibens bet . einer Kasseler Bank 500 Mark zum Nachteil eines Verwandten ab, um dann schleunigst zu verschwin­den. Erst als der Geschädigte jetzt einen Konto­auszug verlangte, bekam er von dem Schwindel Nachricht. Man vermutet, daß Zwetschkcnstiel nach England, wo er sich schon früher einmal aufgehalten hat, flüchtete.

* Mainz, 13. Febr. 1913. Die Stadtverordneten genehmigten in geheimer Sitzung die Aufnahme einer Anleihe von 2 Millionen Mark aus der 16 Millionen- Anleihe. Das Geld wird hauptsächlich für den Krankeuhausneubau Verwendung finden.

alte Methode mit der Sperrung von werwollen Papieren oder Gepäckstücken für gut genug halten, hat sich neuerdings ein angeblicher Rechtsanwalt in London gefeilt, der den Adressaten die Auszahlung einer amerikanischen Erbschaft vermitteln will, wofür er einen Vorschuß von 20 Mark fordert. Selbstver­ständlich ist alles purer Schwindel.

tSF Drucksachen im Ortsverkehr. Nach § 37 der Postordnung besteht im Orts- und Nachbarortsver- kehr nur für Briefe eine Portoermäßigung (bis 250 Gramm gleich 5 Pfg.), während Trucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere den Taren des Fernverkehrs unterliegen. Hieraus ergibt sich, daß ein verschlossener Brief bis 250 Gramm nur 5 Pfg. kostet, während für Drucksachen über 100 bis 250 Gramm sowie Geschästspapiere und Warenproben bis 250 Gramm 10 Pfg. zu erlegen sind. Um die hierin liegende Härte zu mildern, hat di« Postverwaltung angeordnet, daß bei den letzteren Sendungen bis zum Gewichte von 250 Gramm in denjenigen Fällen, in denen sie nach der Brieftaxe mit nur 5 Pfg. frankiert, jedoch nicht briefmäßig verfchlossen sind, bis auf weiteres über die offene Verpackung und die Bezeichnung „Drucksache", „Warenprobe" usw. hinweg gesehen und von .hier Nachtaxe abgesehen werden soll. Gehen solche Sen­dungen' in den Fernverkehr über, so sind sie so zu behandeln, als wenn sie bereits ursprünglich unge­nügend frankiert waren.

a Eine Flugmaschine, die gestern mittag kurz vor 2 Uhr aus südlicher Richtung kommend über unserer Steckt erschien und auf dem Exerzierplätze des hie­sigen Feldartillerie-Regiments bei Haimbach meder- gtng, lockte eine große Schar Neugieriger, groß und klein, zum Landungsplätze. Das Flugzeug war die in Straßburg stationierte Militär-Rumpler- taube A Vi2- Auf ihrer Fahrt von dort nach Berlin hatte sie am Mittwoch in Darmstadt Station gemacht und war dort am folgenden Morgen gegen 10% Uhr zur Weiterfahrt aufgefltegen. Leiter der Fahrt ist der Oberleutnant Donnervert; außer ihm befand sich noch Leutnant Warsow an Bord. Die Zwischenlandung hier erfolgte wegen Lenzin- | mangels. Nachdem dieses behoben war, setzte das Flugzeug um 4,10 Uhr feine Fahrt nach Gotha fort. Wie uns mitgeteilt wurde, wird die Rumplertaube von einem 106pferdigen Motor getrieben und hat eine Tragkraft von 12 Zentnern.

(*) Em« öffentliche Versammlung der hiesigen Orts­gruppe im Deuticknationalen Hand kungs- gehilsenverband findet heute abend Vi9 Uhr tot Gasthaus „Zur Traube" statt. Herr Elberding-Hambuig wird über „Die Konkurrenzklausel vor dem Reichstage" sprechen. _____________________