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Zuldaer Zeitung

Aus dem Kachbargebiele.

* Bad Orb, 11. Febr. 1913. Die städtischen Körper- schasten haben m dem sogen. Leimbachtale, aus dem die bestehende Wasserleitung versorgt wird, zwei neue Quellen erworben. Nach langen und schwierigen Verhandlungen mit zwei Interessenten gelang es auch, von dem Wasser des Kaisert orns, einer im Orbtale gelegenen, sehr starken Quelle, die selbst in der größten Trockenheit des Herbstes 1911 noch 36 Sekundenliter ergab, für die Stadt 600 Kubik­meter pro Tag, zu erwerben. Es stehen jetzt der Stadt Bad Orb für die Zukunft etwa 1000 Kubik­meter Wasser pro Tag mehr zur Verfügung. , Da zudem die Kurverwaltung für ihr Terrain eigene Wasferleitung besitzt, so ist den Wasserbedürfnissen der Stadt für jede Entwickelung bauend genügt.

* Bad Orb, 12. Febr. 1913. Die Bewohner von Lettgenbrunn und Vilbach. die wegen des anzulegen­den Truppenübungsplatzes ihre heimatliche Scholle verlassen müssen, haben sich fast sämtlich bis auf einige in den umliegenden Bezirken angekauft. Einige Leute haben das Bessere gewählt: den Pri­vatierstand. Den Vorschlag, nach Posen auszuwan­dern, haben die Leute durchwegs abgelehnt.

* Offenbach, 12. Febr. 1913. Tas Gauturn­fest des Maingauverbandes, dem 41 Vereine mit 5011 Turnern angehören, soll, wie auf dem 97. Gau­turntag des Maingauverbandes beschlossen wurde, im nächsten Jahre in Offenbach abgehalten werden. Die Festleitung wurde der Offenbacher Turngesell­schaft übertragen.

* Wolshagen 11. Febr. 1913. Ein .Verkehrs- ocrein Habichtswald* mit dem Sitz in Ehlen und mit einem Geschäftskapital von 40 000 Mark wurde begründet. Er will eine Automobil-Verbindung

JVe 36.

Donnerstag 15. Sebruar 1915.

Lokales.

Fulda, 13. Februar 1913.

(•) Ziegelei-Vereinigung Fulda. In der gestrigen Aeneralvcr>ammlung würbe, wegen der wiederholten Zteigerung der Kohlenpreise und Arbeitslöhne eine Erhöhung der Ziegelsteinpreise um eine Mark pro Tausend beschlossen. Auch der Fuhr- -ahn wurde für die gegenwärtigen Verhältnisse als ^ niedrig befunden und nm eine Mark pro Tausend erhöht- Die neuen Preise gelten von heute an.

y Im Verein für Naturkunde hielt Herr Ingenieur Ferdinand Schneider gestern abend einen Vortrag Set drahtlose elektrische Welleniendung im allgemeinen und über drahtlose elektrische Zeitübertragung im besonderen. Ausgehend von Aa grundlegenden Versuchen des Professors Hertz ja Bonn, würbe an der Hand eines reichen Apparates vie Entwickelung drahtloser Wellensendung bis zu ihrer heutigen Vervollkommnung eingehend gezeigt; insbesondere wurden die in Betracht kommenden Kohärer und Fritter, sowie ein Weüenabstimmungs- apparat des näheren erläutert. Im zweiten Teile feines Vortrages legte Herr Schneider die Vorgänge bei der drahtlosen Zeitübertragung klar ause.»ander. Nach vielen Versuchen ist es dem Vortragenden ge­lungen, eine Konstruktion herbeizuführen, die eine absolut sichere und genaue drahtlose Uebertragung des Minutenlprunges von der Normaluhr nach den verseh evenen Stationen gewährleistet; weder mecha­nische noch elektrische Emflüsse vermochten den Gang der ausgestellten, auf drahtlosem Wege betriebenen Uhr zu stören. Diese wohlgelungene Konstruktion, die Herrn Schneider patentamllich geschützt ist, wird demnächst in ihren Grundzügen zur Irak ischen An- wenvung kommen in der drahtlosen elektrischen Zen­trale, welche in der Nähe Fuldas zur Errichtung kommt. — Em reicher Beifall der zahlreich er­schienenen Zuhörer lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen und wohlgelungenen Versuche.

* Der Obstbauverein für den Regierungsbezirk Kaffe! beschloß gestern nachmittag in Kassel einstimmig, der Einladung der Stadt Älarburg Folge zu geben und die diesjährige Wander-Versammlung des Ver­eins im Sommer in Marburg abzudalten; die nächst­jährige Bezirks-Obstausstellung (1914) soll gleichfalls m Marburg stattfinden.

a. Unfall. Dienstag nachmittag wurde eine Ar- beiterin m der Nähe des Edelzellerweges, die an einem Graben entlang ging, von einem jungen Burschen geneckt und in den Graben gestoßen. Bei dem Sturz fiel sie so unglücklich in eine zerbrochene Flasche, daß ihr die Pulsadern einer Hand auf- geschnilten wurden. Stark blutend mußte' die Ver­unglückte sich ins Landkraukenhaus begeben.

~ Eine Viehhändler-Versammlung fand gestern abend im .Deuttchen Haus" aut Veranlassung, des Vorsitzenden des oberhessischen Viehhändlervereins statt, die zu verschiedenen Mißständen Stellung nehmen follte. Nach mehrstündiger Besprechung wurde folgende Resolution fast einstimmig angenommen: 1. Es soll lahm gewirkt werden, daß der Kreistierarzt hinfort seme Gebühren für die Untersuchung des durch die Bahn eingebrachten Viehes entweder von der Stadt oder vom Staat bezieht. 2. Der Magistrat soll für bessere Behandlung der Viehhändler seitens der Schutz- eme Sorge tragen. 3. Sollte hierin keine Ab­hilfe geschaffen werden, dann verpflichten ich die Viehhändler d es.oberhefsis chen öiehhändlervereius, vorläufig kein Vieh au sdenFuldaer Markt en mehr auf zu tr eiben. Ferner soll angestrebt werden, die Untersuchungsge­bühren des Tierarztes für die- Ställe jener Wirte, in denen hier Vieh eingestellt wird, auf die Stadt abzuwälzen. Auch soll angestrebt werden, zu veran­lassen, daß das bereits untersuchte Vieh durch eine andere Straße zum Viehmarkt aufgetrieben wird, als das nicht unter,uchte. — Man gründete einen Zweigverein des oberhessischen Viehhändlervereins mit dem Sitze in Fulda, dem sich zahlreiche Besucher anschloffen.

X Zensur über Eisenbahnerversammlungen. In Nr. 26 der „Fuld. Zig." vom 1. Febr d. I. brachten wir eine Verfügung der König!. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M., wonach sämtliche Beamten- und Arbeiter-Berufsvereine ihre Bersammlungs-Tages- ordnung 14 Tage vor dem Versammlungstage in Präziser Form der Direktion auf dem Dienstwege vorzulegen hätten und daß Angaben wie Sonstiges, Verschiedenes ober Diskussion als unsachlich verboten seien. Durch Amtsblattverfügung vom 8. b. M. ist diese Verfügung nun dahin geändert, baß bie Tages­ordnungen für die Verfamwlungen der Ortsvereine nur auf befonbere Aufforbe?uug int

2. Blatt.

Drud der JnUaer Nctiendruccrei in §ulda.

einzelnen Falle an bie Königliche Eisenbahn- Direktion cinzureicher: sind.

□ Die Einstellung Einjährig-Freiwilliger erfolgt zum 1. April b. I. im Bereich des 11. Armeekorps nur beim 1. und 2. Bataillon des 83. Jns.-Regts. in Kassel, beim 82. Jns.-Reqt. in Göttingen, beim 3. Bataillon des 94. Jnf.-Rgts. in Jena und beim 11. Jägerbataillvn in Marburg.

= Die Beleuchtung der v-Zugwagen. Tiit der elektrischen Beleuchtung der V-Zugwagen, bie feit Jahren gefordert wirb, wird es jetzt ernst. Zwar sollen nach einer Anordnung des preußischen Eisen­bahnministers bie P-Zugwagen, bie Gaseinrichtung haben, keine elektrische Beleuchtung erhalten, diese aber in allen neuen Wagen eingerichtet werden. Alle neuen Schlafwagen erhalten ebenfalls elektrische <.c» leiichtung.

Zur Verwertung des Viehstandes tu un,eren Kolonien macht Schlachihosbirektor Haas in Offen­burg (Baden) in der „Allgemeinen tfletjrfier^ettung einen bemerkenswerten Vorschlag, ^cr Vorschlag geht dahin, baß die Neichsregierung ober bie Militär- Verwaltung oder eine Privatgesellschaft m Teutfch- Sübwestasrika einen modernen -schlacht- und Bieh- bof mit Konservenfabrik errichtet. Durch btc billigen Einkaufspreise der Schlachttiere würde eine solche Anlage sich in kurzer Zeit als sehr rentabel erweisen. Der 'Militärfiskus würde dadurch bei richtiger Aus- bauuiig Millionen von Mark in seinen Ausgaben er» waren. Die Verproviantierung der Festungen und teilweise Verpflegung der Soldaten auch in Frie- benszeiten mit Konservenfleisch könnte durchgef'.chrt werben. Durch eine derartige Maßnahme wurde in erster Linie bie Kolonie Deutsch-Südwest- afrika wirtschaftlich erstarken unb den von ihr er­hofften Nutzen sür bas Mutterland erbringen. Zum anberen würden viele Millionen Mark, bie jetzt für Fleisch ins Ausland gehen, in deutschen Händen bleiben. Unb endlich würde durch bie reichliche Ver­wendung von Büchsenfleisch der Fleischmarkt int In­land entlastet.

** Fürsorge für Küchenperfonal. Seitens der zu­ständigen Regierungsstellen ist nach Berl. Blättern soeben eine Verfügung ergangen, die sich mit der sozialen Fürsorge für bas Küchenpersonal in gewerb­lichen Betrieben (Restaurants, Hotels und anderen Betrieben) sowie mit den notwendigen Anforderungen, die vöm Standpunkte der Nahrungsmittelhygiene aus an diese Räume zu stellen sind, besaßt.

-3- Der Bezirksverein kathol. deutscher Lehrerinnen hält am Mittwoch, 19. Februar eine Versammlung ab. (©. Anzeige.)

Ha. Eine Versammlung der Bauhandwerker der Stadt und des Kreises Fulda findet am Sonntag, den 16. Februar hier im Ballhaufe statt. Neben einem Vor. trage des Syndikus über Vorteile und Aufgaben der Zwangsinnungell für das Bauhandwerk soll über die Gründung einer Zwangsinnung für das Maurer-, Steinhauer-, Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk für den Kreis Fulda beraten werden.

Ans Gberhessen u- den Hess. Aemtern.

* Marburg, 12. Febr. 1913. Eme in der Nähe des Lahnufers wohnende Frau entfernte sich Don­nerstag abend infolge eines häuslichen Z w ist e s und kehrte nicht wieder. Man nimmt an, daß sie den Tod in der Lahn gesucht und gefunden hat.

* Marburg, 12. Febr. 1913. Der Lehrkörper und die Studentenschaft unserer Universität werden bereits in diesem Monat eine zweitägige Jahrhundert» feier der Befreiungskriege begehen. — Zwei Land­streicher wurden gestern in der Uferstraße dabei ertappt, wie sie mittels einer Leiter in die Boden- kammer eines Hauses einsteigen wollten. Nach aller­hand Ausreden suchten sie das Weite. Einem Knnn nalbeamten gelang es heute morgen, den einen der beiden in einer Wirtschaft in Meidenhausen f est zu- nehmen. Sein Genosse ging flüchtig» Bet dew verhafteten Landstreicher wurden einige von Dieb­stählen herrührende GegenftLnde vorgefunden.

-8- Ziegenhain, 12. Febr. 1913. Gestern gelang e» einem Sträfling der hiesigen Strafanstalt zn entkommen, indem er sich an einem Spritzen» schlauch herablteß und über die Stauer kletterte. Er wurde jedoch auf seiner Flucht bemerkt und bald wieder festgenommen. m ... ,

* Neustadt, 12. Febr. 1913. In der Wurstfabrtk von Eugen Reichenbach wurde heute ein ©djroein mit einem Lebendgewicht von 620 Pfund geschlachtet. Das Borstentier war 2V« Jahre alt und gehörte der deutschen Landrasse an.

* Vöhl, 12. Dez. 1913. Am Montag wurde hier eine stark besuchte Versammlung abgehalten, in bet aeaen den Bau des Sammelbeckens der Eddertal- sperre, wie er vorgesehen ist, Stellung genommen würbe. Die Versammlung verlangte den Bau einer Brücke über bie Ebber bei Asel, ba sonst der Verkehr der Ortschasten zu beiden Seiten des Staubeckens um terbunben werbe. Man hatte bereits vor zwei Jahren biese Forderung gestellt, jedoch ohne Erfolg.

* Gilserberg, 12. Febr. 1913, Seit einigen Wacher herrschen' hier die wilden Blattern, die jedoch einen normalen Verlauf nehmen, hingegen haben m benachbarten Moischeid Scharlach und Diphterckt» unter den Kindern bereits mehrere Opfer gefordert

* Gemünden, 12. Febr. 1913. Der Hund einet Gastes wütete dieser Tage in dem Hühnerstall de, Gastwirts R. dahier. Bei der Schlacht blieben 24 Hühner teils tot, teils gefährlich zerbissen am Bode, liegen. — Es besteht die Absicht, hier wegen bei schlechten Verbindung mit der Kreisstadt einen land» wirtschaftlichen Verein als Abteilung be> Kreisvereins ins Leben zu rufen.

Diese hat Tüngerkalk zu finden gehofft. Leider er. geb sich kein günstiges Resultat; da aber nun ett Stollen besteht,'sollen andere Versuche gemacht werden

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Amt Eeisa und Umgebung.

* Geisa, 12. Do;. 1913. Tie vielfach verbreitet' Meinung, das Handwerk gehe im Großherzogtum Sachsen Weimar zurück, ist nach einer neueren eta* tistik nicht zutreffend. So bestehen im Handwerks- kcunmerbezirk 119 freie Innungen mit 2878 Mit­gliedern, 22 Zwangsinnungen mit 525 Mitgliedern, 32 Gewerbevereine mit 4294 Mitgliedern, 2 Hand­werkergenossenschaften mit 84 Mitgliedern,^ 1 freie Handwerkervereinigung, 3 Jnuungsausschüsse unb 8 Jnnungsverbände. Ferner bestehen 60 Gesellenprü­fungsausschüsse der Handwerkskammer unb 150 Gc- sellenprüfimgsausschü! der Innungen. Tie Zahl der selbftänbigen Hanbwerker ist innerhalb emes Wah­res von 10 360 auf 10 793, um 4 Prozent also, ceftic. 8'n» «lacha, 12. Febr. 1913. Versetzt wurde der Lo­komotivführer Schlegelmilch von hier nach Erfurt. — Schon seit längerer Zeit besteht bie Absicht, hier em sogen. Fortbilbungsheim zu begründen. Es soll dies ein auf vereinsartiger Grundlage erngerat)- tetes, nach Bedürfnis auszugestaltendes Institut zur Förderung planmäßiger Fortbildung schulentlassener Personen sein. Zunächst ist in Aussicht genommen, ein „Jugend-Fortbilbungsheim" einzurichten m dem die Bestrebungen der sogen. Jugendpflege bewndere Berücksichtiaunq finden sollen; spater soll die Veran­staltung zu" ein em „Volks-Fortbildungsheun" mit be- fonbercr Jugenbabteilung erweitert werben. Bis­her haben 26 junge Leute ihre Teilnahme an bet geplanten Veranstaltung zugesagt.

* Fran-nsee, 12. Febr. 1913 Em an den Waffer- leitungsbauten beschäftigter Arbeiter aus Franken- Hansen hat seinem Logiswirt 40 Mark bar Geld gestohlen. Bei seiner Verhaftung hatte er das Geld noch bei sich.

er, ihm bie Hand zum Gruße barbietenb. „Seil wir unsere kleine Affäre am Spieltische hatten, waren Sie verfchwlinden, als hätte bie Erbe Sie verschlun­gen, wie kommt bas?"

„Hoheit sinb sehr gütig, sich meiner zu erinnern", sagte her Baron, sich im Sattel verbeugend. Seine Augen streiften den fabelhaft wertvollen Gürtel und den Säbel. „Ich benutzte die letzten Tage dazu, den Verlust meines Gelbes zu verdauen," fuhr er fort. „Höhest mögen mir auss Wort glauben, wenn ich sage, daß die Verdauung mit Beschwerden begleitet war."

„Ich werde mich freuen, wenn Sie gelegentlich in meinem Hause Ihren Verlust zurückerobern. Heute habe ich bei meinem Freunde, dem Herzog von Sofia, zugesagt, morgen aber empfange ich Gäste, unb ich werde mich freue». Sie begrüßen zu können unter meinem Dache. Werden Sie kommen, liebe'- Baron?"

Meneville verbeugte sich und stammelte eine be­jahende Antwort. Nun fiel der Blick des Prinzen auf Jaeobo, aber nicht durch bas geringste Zeichen ver­riet er, daß er ihn kenne. Während der Unterhaltung hatte der Vicomte Birio, bet sich in der Begleitung bes Prinzen befanb, sein Pferd zur Linken des Ba-. rons gelenkt.

„Erlauben Sie, daß ich Sie begrüße, lieber Me­neville", sagte' er. „Zum Teufel, Mann, wie feht Ihr aus? 'Baron, Sie sind gufgeschwollen wie ein Sckilauch, und ich schätze, Sie haben um zehn Pfund Fleisch in den letzten Tagen zugenommen. Ihr Ge- fchick bewahre Sie vor den Folgen des Trunkes, ew machen auf mich den Eindruck, als hätten Sie bet» sucht, Ihr Unglück im Weine zu ersäufen, der von jeher Ihre schwache Seite war." Die anderen lach­ten, nur der Prinz schien bie Worte nicht gehört zu haben unb begann weiter zu reiten. Bixio blieb zu­rück, unb nun neigte er sich zum Ohre des Barons. „Bah, schlagen Sie sich die Sache aus dem Kopfe wegen des vielen Geldes. Hätten Sie nicht so unver- uünstig geprahlt mit ihren Erfolgen in der Liebe unb im Glück, die Goldstücke wären heute alle noch

Del Gras von Tarent.

41s Roman in 3 Banden von F. Steinkirchner.

„Alter Narr, teer spricht v»n Geheimnissen? Ich werde Dich lehren, eine anständige Sprache zu füh­ren. Sobald ich Herr bin am dem Schlosse Tarent, dann erhältst Tu Deinen Laufpaß. Gehe zum Teu­fel jetzt unb laste mich allein."

„Hier ist bas Gelb, das mir die Frau Gräfin be­kohlen hat, an Sie abzuliefern."

„Tas Gelb, ah, ich hatte barauf vergessen, gib:"

Jacobo reichte dem Baron einen großen gefüllten schweren Beutel. Tie Stränge bes Beutels waren mit Wachs versiegelt unb trotz seiner Trunkenheit überzeugte sich Meneville davon, daß das Siegel auf dem Wachse unverletzt war.

„Lasse Dir eine Kamm- geben vom Wirt und merke Dir, daß ich Dein scheinheiliges. Gesicht nicht sehen will vor morgen vormittag."

Jacobo verließ das Zimmer. Draußen ballte er Ke Faust. „Schurke, Tu sollst nimmer Herr sein in her Burg Tarent", murmelte er ingrimmig.

Am nächsten Vormittag schien Baron Meneville alles vergessen zu haben, was et am Abend vorher gesprochen. Er befahl Jacobo, einige Tage zu blei­ben, ba er seiner bebürfe. Jacobo war damit zu­frieden, er blieb gerne in der Stadt, wo sein Herr weilte.

, Am barauffolgenbeii Tage begleitete er den Baron bei einem Ritte durch die Außenteile der ewigen Stadt. Plötzlich begründen sie einer Schar Ebel- leutc, in deren Mitte" der Prinz von Indien ritt.

war in schwarzen Samt gekleidet, um den Leib to’-g er einen Gürtel, der mit Diamanten besät war und am Gürtel hina ein krummer Säbel, dessen Griff ewen riesigen Rubin zeigte. Die Scheide bes. Säbels erstrahlte tn den Reflexen von Amethisten, Sinarag- ben unb Opalen.

Der Prinz hielt fein Pferd an, als er den Baron gewahrte. „Ah, mein lieber Herr von Meneville, 40,8 schön, daß wir uns einanber wieder seheiz,", sagte

auf Ihrer Seite. Ter Prinz ist kein Mann, der sich ungestraft herausfordern läßt. Meneville, wenn Ihr etwa an der letzten Krume Brot nagt, kommt zu mir, auf hundert Dukaten kommt es mir nicht an, habe ich es doch Eurer verdammten Prahlerei zu danken, daß ich jetzt tief bis an den Hals int Golde sitze."

Hochmütig schaute der Baron seinem Gegenüber ins Gesicht. „Vicomte, noch bin ich nicht so weit, an anderer Leute Tore klopfen zu müssen", entgeg­nete er. „Auch möchte ich Euch ersuchen, bei künf­tigen Gelegenheiten Euere Späße für Euch zu be­halten, dieselben sind manchmal recht abgeschmackt.

Bixio schaute den Baron gutmütig lächelnd an. „Es war gut gemeint", sagte er, „wenn Ihr alles krumm nehnck, wie eine alte an Gallenstein leidende Frau, so ist das Euere Sache. Ich hätte vor kurzer Zeit noch kein grobes Wort gehabt für eincn_ Mann, bet mir hundert Dukaten angeboten hätte. Seid also vernünftig unb erkennt an, daß ich ein guter Mensch bin, der Nächstenliebe in seiner Brust herumtragt. Wäret Ihr der Gewinner gewesen, Ihr würdet nun vor Hochmut platzen und auf mich herunterschauen, als sei ich ein kriechender Wurm. Nun, ba ich einen Sack voll Golb habe, da schätze ich meine Hauk zwar höher ein, wie früher, ober gerne bin ich bereit, Euch drei Zoll kalten Stahl zwischen die Rippen zu ren­nen, wenn Ihr mir Euere Zeugen schickt."

Ingrimmig schaute Baron Meneville ihm nach, wie er seinem Pferde die Sporen gab unb ben ande­ren nachsprengte. „Vor etlichen Wochen noch hätte dieser Raufbold keinen abgetriebenen Gaul von einem Sandkarreii zu kaufen vermocht", murmelte er, „nun reitet er ein Vollblut, unb ich habe dafür bezahlt. Warte, mein Bursche, meine Zeit wird auch noch kommen."

Gedankenvoll ritt Jacobo hinter dem Baron her. Ihm wirbelte es im Kopfe, da er seinen Herrn wie­der gescbant. Die Leute mußten Recht haben, daß er so fabelhafte Schätze besitze, denn der Hausschatz der Familie Ta-rent, den der Alte oft im Leben ge­sehen, war wie wertloser Tand gegen bas Wehrge- hänge, das der Prinz um bie Hüften getragen. —

Wäre es nicht Heller Tag gewesen und hätte er nich. ben Trab feines Gauls unter sich gefühlt, er hättt geglaubt, alles fei ein Traum.

Als Baron Meneville nach einem zweistündigen Ritt nach Hanse zurückkehrte, stürzte er rasch nach, einander mehrere Becher des schwersten Weines Hirn unter. Gestiefelt unb gespornt warf er sich auf das Ruhebett und ordnete an, ihn nicht zu stören für Stunden. Finster brütete er so den ganzen Tag für sich hin. Die hereingebrachten Speisen berührte er säst nicht, doch trank er unmäßig bis zum Abend. Als es dunkel tourbe, sprang er vom Ruhebett aus und durchmaß das Zimmer mit langen Schritten. Er war mit sich zu einem Entschlüsse gekommen, unb laute sagte er zu sich selbst: „Bixio hat Recht, die Trunksucht erfaßt mich. — Es kann nicht so wer, ter gehen, die Aufregung bringt mich um. — Manch­mal glaub.», ich, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können. Es muß ein Ende werden. — Tarent ist tot, seine Witwe ist meine Geliebte, aber ich will auch die Güter haben, denn ich will reich sein, reich. Zwischen mir und dem Reichtum steht ein Kind wohlan, das Kind muß sterben!"

7<

Ein nächtliches Abenteuer. -

In feiner Kammer lag Jacobo, er fühlte sich müde, konnte aber nicht einschlafen. Das wiederholte Zusammentreffen mit seinem totgeglaubten Herrn hatte jeden Nerv in ihm aufgeregt. Bilder ans der Vergangenheit tauchten vor seinem Auge auf, bann freute er sich der kommenden Zukunft. Manchmal glaubte er zu träumen, bann griff er nach dem Rmge, den ihm Graf Tarent gegeben, damit er sofort Ern- laß erhalte zu ihm. Endlich sielen ihm bte müden Augen zu. ,,

Wie lange er geschlafen, wußte er nicht, als er sich plötzlich am Arme berührt fühlte und ausichrcckte.

Vor ihm stand der Wirt des Hau,es, eine Laterne in der fianb. „Ah, alter Mann, Ihr habt einen leisen Schlaf", sagte dieser, „bie geringste Berührung genügt, Euch zu wecken."

(Fortsetzung folgt.)

Kassel-Istha einrichten und unterhalten. D:e Ausnahme des Automobilbetriebes geht zu Ostern d. Js. vor sich. _, ...

* Kassel, 11. Febr. 1913. Dem Schremermeffter W. von hier wurde gestern nachmittag ein mit Brettern beladenes Fuhrwerk gestohlen. — Dufer _ragc wurde hier der ans Schlesien gebürtige Hausierer Spendcl dabei ertappt, wie er ein falsches Zweimark­stück in Zahlung gab. Er wurde der Polizei über­geben, versuchte aber vor seiner Verhaftung eine Anzahl falscher Geldstücke fortzuwerfen. Ter Ver- haftete gab an, daß sich die Falschmunzeret m Eifenach befinde. Er nannte auch als Kompuzen einen Photographen Paul in Estenach, der gestern ebenfalls verhaftet wurde. Paul bestritt jedoch bt§ jetzt entschieden, etwas mit der Sache zu tun zu haben. — Tie wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todeserfolg vor dem Schwurgericht angctlagten Ziegelmeister Goldemann und Schuhmacher Volke ans Harmuthsachsen wurden freigefprochen, weil sich erwies, daß sie in Notwehr gehandelt hatten.

* Gießen, 11. Febr. 1913. Zum Nachfolger des Ordinarius für Mathematik, ®eb. Hofrat Prok. Dr. Netto, ist der ordentl. Profeffor Dr. Engel in Greifs­wald ernannt worden. — Das Säuglingsheim arbeitet seit Jahren mit einem Fehlbetrag, der zurzeit 5000 Mark beträgt und für die Folge jährlich 2000 Mark betragen wird. Die Stadtverordneten ge­nehmigten, daß dieser Ausfall auf die Stadtkaffe übernommen werden soll.

* Bischofsheim b. Mainz, 12. Febr. 1913. Der hier wohnhafte 28jährige Hilfsbremser Tereimer wurde von einem Eilgüterzug erfaßt und 20 Meter weit mitgeschleift, wobei er gräßlich verstümmelt wurde.

* Eisenach. 12. Febr. 1913. Tie weimartsche Staatsregierung hat versügt, daß Personen unter 17 Jahren auch in Begleitung erwachsener Peffonen nur die Jugendvorstellungen des Kinotheaters besuchen dürfen, bie als solche angezeigt werben unb deren Programm ben Behörden unterliegt, lieber» tretungen dieser Bestimmung werben streng bestraft.

• Gombeth b. Borken, 11. Februar 1913. Seit Sonntag morgen wurde der Schreinermeister O. von hier vermißt. Da er öfters längere Zeit von Hause roegblieb, fiel es seiner Frau nicht auf. Schließlich gestern schöpfte sie Verdacht, suchte und fand ihren Mann er hä na k au? dem Boden ihres Hauses vor.

* Hoof, 12. Febr 1913. Dis hiesige Schule ist auf 14 Tage geschloffen, worben, ba eme große Anzahl bet Schüler an den Masern erkrankt ist. — Aus ben Holzversteigerungen würben bebeutenb höhere Preise für Brennholz erzielt. Man zahlte 9 Mark unb mehr pro Raummeter Buchenschettholz.

* Wiesbaden, 11. Febr. 1913. Die Generalver- fammlung der Wiesbadener Bade- und Gast- Hausbesitzer lehnte einen Antrag, wonach die Hotelbesitzer und die Besitzer der größeren Restaurants in Wiesbaden Waren zum Einkaufspreis von einer Hamburger Wareneiukaufsgefellschaft beziehen sollten, tm Interesse der hiesigen Geschäftsleute einftimimg ab. — Soeben hat man mit der Niederlegung des großen Hotels Rose am Kochbrunnen begonnen. Das Gebäude ift schon längst von der Stadt zur Erwecke- rung der Kochbrunnenanlagen angetauft worden, war aber seither für 13000 Mark jährlich verpachtet. — Der Kaufmann Hesse, der an der hiesigen Filiale einer Kölner Handelsgesellschaft angestellt war und dem Filialleiter 2000 Mark unterschlug, suchte das Weite.

* Bad Em?, 12. Februar 1913. Die Berg- arbeiter der benachbarten Kolonie Friedrichs fegen werden nunmehr zum zweiten Male brotlos. Nach­dem sie nach Stillegung der Grube „Friedrichsscgen" Beschäftigung auf der Manganerzgrude „Michael II in Nassau gefunden hatten, wird auch diese _®tube am 15. Februar stillgelegt werden. Zu diesem Termin ist der ganzen Belegschaft gekündigt worden., Dte vorgenommenen Aufschlußarbeiten haben nämlich er­geben, daß die Ausbeute die sehr großen Kosten nicht lohnt.

* Au8 Franke», 12. Febr. 1913. Als Ort der Tagung des bayerischen Schlofsermeister-Verbauds- tages wuroe Aschaffenburg gewählt. — Die Staatsbahnverwaltung bat sich jetzt entschlossen, den Umbau des Bahnhofsgebäudes in Mellrichstadt zu verwirklichen. — Wegen epidemischen Auftretens der Diphtheritis wurde die Schule in Hütten- heim geschlossen. — Der Mediziner Saas aus Bromskirchen hat sich in Würzburg rn seiner Woh- nung die Pulsadern geöffnet Der Lebensmüde mußte bewußtlos ins Spital verbracht werden. — Die dieser Tage aus Hammelburg gebrachte Mel- düng über eine Bergwerksanlage ist dahin zu berich­tigen, baß Gutsbesitzer Gustav Müller eine Gesell­schaft sür die Berge bei Saaleck interessiert hat.