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Dienstag Oen ll. Februar 1913.

Hr. 34.

40. Zahrgang.

Erstes Blatt.

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Deutscher Reichstag.

Sitzung tarn 10. Februar 1913.

Zunächst wird die Wahl des Abg. Held (Hosp, der nationalliberalen Partei) Verden für gültig ertlärt Heber die Wahl deS Abg. v. Siebert (Reichsp.) wird BeweiSerhebuitg beschlossen.

Nach Erledigung einiger RechttunMache» wird die zweite Beratung deS Etats der Reichsjustizverwattung fortgesetzt.

lübg. Ablatz (83p.) protestiert gegen den sozialdemo. fraiischen Vorwurf einer Klassenjustiz, ist gegen den Antrag Bassermann-Schiffer betr. Vorkaufsrecht für Kommunen refp. den Staat bei Zwangsversteigerung und nennt den Erlaß des preußischen Ministers des Innern gegen die Eintragung des AerztevereinS in das Vereinsregister einen Eingriff in die Rechtsprechung.

Staatssekretär Dr. Lisco erklärt, daß die Frage des pfändungssühigen Gehaltes einer gründlichen Prüfung unterworfen werde, ebenso die Frage des Vorkaufsrechts der Gemeinden bei Zwangsversteigerung. Beim Erlaß des preußischen Ministers handele es sich nicht um einen ‘eingriff in die Rechtsprechung. Die Vereine sollen die Rechtsfähigkeit nicht erlangen, welche wirtschaftliche In- iereffen verfolgen; dies ist beim Aerzteverein der Fall.

Abg. v. TrampozynSki (Pole) verbreitet sich in län­geren Ausführungen über die angeblich ungerechte Hand. Haltung deS Reichsvereinsgesetzes gegenüber polnischen Versammlungen.

ßbg. Landberg (Soz.) polemisiert gegen die For- derung des Abg. Warmuth auf Einführung der Prügel- strafe für Zuhälter und Kuppler und erörtert an der Hand zahlreicher Einzelfälle die sogen. Klassenjustiz.

Abg. Bolz (Ztr.): Es werden immer einzelne Urteile Vorkommen, die unverständlich sind. Daraus kann man aber nicht, wie der Vorredner, die Behauptung herleiten, daß unsere Richter Klassenjustiz treiben. Unser Richter- stand ist zu gesund, um unter solcher Kritik zu leiden. Gegen Verträge, durch die daS über die pfändbare Grenze hinausgehende Gehalt der Angestellten den Ehe­frauen Überwiesen wird, müssen die Gläubiger geschützt werden. Ich kann die Hoffnung des Staatssekretärs nicht teilen, daß die auf diesem Gebiete liegenden Miß- stände ohne gesetzgeberisches Eingreifen lediglich durch die Rechtsprechung beseitigt werden könnten. DaS Gesetz über die Gesellschaften m. b. H. bedarf einer Revision, die um so dringender wird, je größer die Zahl dieser Gesellschaften wird. Das Gesetz muß dahin geändert werden, daß eS nicht mehr so leicht geht, unter der Be- zeichnung G. m. b. H. schwindelhafte Unternehmungen zu grunben. Wie steht eS mit dem Wiederaufnahme, verfahren im Disziplinarverfahren gegen Beamte?

Dienstag: Kurze Anfragen, Abstimmungen über zu« rückgestellte Resolutionen, Justizetat, Petitionen.

Der Gras von Tarent.

W] Roman in S Bänden von F. Steinkirchner. ^,-Dein" Wahrhaftigkeit war ich sicher und Dei- «m Anhangltchknt, Alter", sagte er, „doch hielt ich «für gewagt Dtr wissen zu lassen, daß ich wieder mS Leben mruckgekehrt bin. Du würdest Dich und Mich tausendmal in Deinem Benehmen verraten ha. **"• Du bist zu offenen Gemütes, um ein so schwr- lrQ0en- .Auch hatte ich nicht die Zeit, Dich aufzusuchen, meine Reise von dort ging K°.n lta“enV Dann wußte ich, daß Du dem Kinde des Toten dieselbe treue bewahren würdest, wie dem Lebendigen.“

Jckcobo schien nicht mit den Argumenten deS ®e- «fters einverstanden, man konnte ihm das vom Ge- MH» ablescn, doch schwieg er.

„Alter Freund, was tust Du hier in Rom?" fragte Tarent plötzlich.

Der Diener deutete auf das Pferd, das neben Am gmg und schnupperte. „Herr Graf, in dem velleisin auf dem Rücken dieses Tieres sind tausend Dukaten, die ich Herrn von Meneville mit einem Briefe überbringen soll. Ich glaube gewiß zu fein, Ihre Frau mich nicht leiden mag und daß sie Mich bei der ersten Gelegenheit entläßt, aber gegen Wine Ehrlichkeit kann sie nichts einwenden, sonst ’6tteJie einer jüngeren Kraft das Geld anvertraut." ,/Tu sprichst von einem Briefe, gib!"

Jacobo öffnete das Wams und entnahm einer *)Neftasche das gesiegelte Schreiben, welches die Grosin ihm anvertraut hatte.

Graf Tarent betrachtete bitter lächelnd den Ein- vnra des Petschaftes in Wachs, welches sein Wappen r*9te mir dem Wappen „Treu und wahr", dann Volte er eine kleine goldene Zunderbüchse aus seiner Kia v $ ^Crb0T und schlug den Stahl an den Stein, beZ "le Funken sprühten und der Docht glühte. An er Glut erwärmte er dann die Klinge feines apl 'v- Un‘) '•m nächsten Augenblicke war das Sie- geöffnet, ohne eine Spur von der Verletzung zu

Preußischer Landtag-,

Abaeordnetenda«?.

Sitzung vom 10. Februar 1913.

".Die zweite Beratung des Bauetats wird beim Titel Ministergehalt fortgesetzt.

Abg. Frhr. v. Maltzahn (kons.) wünscht weitere Für- sorge für den Hafen in Geestemünde, ist für einen Sippe, veitenkanal, jedoch unter Beteiligung der Provinzial- verbände und wünscht eine Reform des Wohnungswesens durch em preußisches Gesetz unter Hinzuziehung der riandwi rtschaftskammem, Handelskammern, Handwerks­kammern und Provinziallandtage ohne reichsgesetzliche Vorschriften.

m .Abg. Dr. König (Ztr.) tritt für den Dau eines Rhein-Maas-Scheldekanals von Krefeld nach Antwerpen em, jur Verhütung von ferneren Verkehrs, ftoaungen. Holland wie auch die Städte Amsterdam und Rotterdam, ferner Belgien stehen dem Plane gün­stig gegenüber. u

Eisenbahnminister v. Breitenbach erklärt, daß für al Fressen des oberschlesischen Kohlengebiets bczüq. lich der Verkehrsverbindungen mit Berlin ausreichend geforgt seu Dem vom Abg. König besprochenen Kanal. Projekt stehe die Regierung mit großem Interesse gegen- ®,n. dian st' bereits vorgelegt worden, doch liege “ m dem Projekt jenseits der Grenze.

. Röchlm (natl.) ist für eine selbständige Rege- lung deS Wohnungswesens durch Preußen und bringt

I Klagen der Schisfahrtsinteressenten an der Weser, Elbe und Oder und Klagen der Privatarchitekten über Kon­kurrenz der Baubeamten vor.

Abg. Nofcnow (Vp.) hofft auf baldig völligen Ausbau des Mittellandskanals.

Minister v. Vreitenbach erklärt, daß daS Interesse Stettins berücksichtigt werde und den Baubeamten nur geringe Nebenarbeiten gestattet seien.

Abg. VrorS (Ztr.) bemängelt, daß daS Wrack eines bei einem Zusammenstoß gesunkenen Dampfers nach 2% Monaten noch unterhalb der Mülheimer Schiffbrücke ein große? Fahrhindernis bilde. Die Stronibauvertval« tung fei für Reinerhaltung und Regulierung des Stromes verantwortlich.

Ein Regierungsvertreter teilt mit, daß die erfor­derlichen Am..dnungen getroffen würden.

Abg. Lippmann (Vp.) steht dem Ausbau der unteren Oder sympathisch gegenüber und bedauert, daß den Hirsch-Dunckerschen Stromarbeitern von oben der Aus- tritt aus ihrer Organisation nahe gelegt sei.

Beim Kapitel „Dauverwaltung" bespricht

Dbg. Dr. König (Ztr.) den Brand eines Theaters des Westens in Berlin und hält eine Verschiebung der Ausbesserung bei Mängeln in Bauten für bedenklich.

Ein RegierungSkommissar erklärt, daß dies geschehen sei, um eine erhebliche Schäl igung deS Unternehmers und der Darsteller zu vermeiden.

Abg.^ Hoffmann (Soz.) beklagt sich über Entlassung von Arbeitern der Staatsbauten ohne Kündigung.

Ein RegierungSkommissar erklärt, daß der Regierung hiervon nichts bekannt fei.

Die Abgg. Lüdicke (sreikonst), Dr. Busse (kons.) und Dr. Baerwaldt (Vp.) wünschen Zulassung der Strom, meister zur Prüfung «IS Wasserbauwart.

Nach einer Reihe kleinerer Wünsche für Ost- und Nordsee und Schleswig-Holstein erörtert

• KiUvringer (natl.) die Frage der Schaffung einer Deutschen Rhein-Mündung.

Minister, v. Vreitenbach: DaS ist ein großzügiger Plan, der (orgfaltiger technischer, wirtschaftlicher und finanzieller Vorbereitung bedarf. Der Kanal soll ent. weder bei Wesel ober bei Köln anfangen; daS letztere ProM ist teurer. Wir werden uns zunächst dem Wese- ler Projekt zuwenden; aber ich bitte, aus meiner Er- '^ruuSkeine Konsequenzen zu ziehen. Das Pro- lekt. ist so riesenhaft, daß wir etwas vollkommen Unge. wissen, gegenüberstehen.

Nachdem noch die Abgg. Schwabach (natl.) und Dr. Geigalat (kons.) Wünsche für Ostpreußen vorgetragen Sien5tagberto6i Haus' die Weiterberatung auf

Auf Vorschlag des Abg. v. Arnim-Züsedom bleibt bet Mittwoch für die Budgetkommission frei.

0 Die Verlobung der Kaisertochtcr.

Die Gerüchte, die an die unvermutete Reife deS Kaisers nach Karlsruhe anknüpften, und von einer bevorstehenden Verlobung der einzigen Loch- ter des Kaisers mit dem einzigen Sohn des Herzogs von Cumberland wissen woll- ten entbehrten nicht der Grundlage. Aus Karlsruhe treffen folgende Meldungen ein: 9

» Karlsruhe 10. Febr. 1913. DieDerlobung ber Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland ist voll­zogen. Die amtliche Bekanntmachung erfolgt mor- gen im Rcichsanzeiger. Heute abend 7% Uhr war Gratulationscour im Residcnzschlotz. Morgen vor­mittag H1/2 Uhr findet eine Parade der gesamten hiesigen Garnison mit neuer Felduniform statt.

' * Karlsruhe, 10. Febr. 1913. Die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Herzog Ernst A u g u st zu Braunschweig und Lüneburg ist heute nach, mittag nach der Frühstückstafel im Großherzoglichen Residenzschlotz vollzogen worden. Die ersten Gratu- lauten bei dem jungen Paare waren die Großherzogin. Witwe Luise von Baden, sowie Prinz und Prinzessin Max von Baden. Die offizielle Gratulation fand um

Dann entfaltete er daS Papier und las den halt des Schreibens. Dasselbe lautete:

,,Geliebter! —

Weh mir, daß ich Dich im Leben kennen gelernt und Demem Einflüsse verfallen bin. Du mußt wahnsinnig geworden fein, fonft hättest Du nicht in einer einzigen Stunde alles aufs Spiel fetzen können was mein verstorbener Mann in langen Jahren ge^ spart hat. Wer gab Dir ein Recht, so frei über die Gelder zu verfügen, als seien dieselben Dein Eigen­tum?

Du verlangst, ich soll durch einen Eilboten Dich mit Mitteln versehen, zugleich deutest Du an, daß Du dar Glück, gleichviel mit welchen Mitteln, ein nächstes Mal erzwingen willst. Bon der Seite habe ich Dich früher nicht kennen gelernt, und ich bedauere das heute. Die Summe, die Du verschleudert hast, ist genügend, um eine Grafschaft in beutle, Zeit zu kaufen.

Ich kann das Ganze kaum fassen und manchmal überkommt mich die Idee, daß Du nur einen grau­samen Spaß bannt machen willst. Der Ernstfall ist ia in der Tat kaum glaublich. Wo soll ich sofort Mittel hernehmen, mit denen Du Deinen Selben« schäften weiter fröhnrn kannst? Bares Geld ist un­gemein selten geworden, und der alte Baruch, den ich holen ließ, war durchaus nicht so willfährig, als Du annimmst. Anatole, der Mensch wollte es kaum glauben, daß ich eines Geldbetrages bedürftig fet, und er gab mir zu verstehen, daß er wohl wisse, daß mein Gatte große Barmittel hinterlassen habe Die­ser Jude ist sehr scharfsinnig, und ick glaube, er er- riet die volle Wahrheit, bezüglich Deiner Torheit. Mit harten Zinsen nur konnte ich von ihm einen Vorschuß von tausend Dukaten auf die nächste Ernte erhalten; er fegte mir ganz trocken, daß er mcht mehr Geld gegenwärtig besitzt. Natürlich ist daS eine Unwahrheit, aber das Gebahren dieses Mannes zeigte mir, wie schnell man Respcst verliert, wenn mai^geldoedürftig ist.

Durch ihn habe ich auch erfahren, was ich vorher mäst gewußt, ich besitze nicht das Recht, auch nur eine Hufe Land von all den Gütern ru verkaufen

%8 Uhr im PalaiS statt. Im Marmorsaal waren daS Kaiferpaar, das Großherzogspaar und Prinz und Prin. zessin Max von Baden mit dem Brautpaar versammelt. Zunächst erschien der Hofstaat des Kaisers und sodann der gesamte Hofstaat des großherzoglichen PaareS und sämtliche Hofchargen. An die Gratulationscour schloß sich einer Diner im engsten Familienkreis an. Der Kai. ser brachte während der Tafel einen Trinkspruch auf daS junge Paar aus. Morgen wird der Kaiser an­läßlich der Parade die Verlobung seiner Tochter den milttärischen Kreisen mitteilen. Der Herzog von Cum. berland, der Vater des Bräutigams, ist noch nicht in Karlsruhe eingetroffen.

Die Verlobung bedeutet die Aussöhnung zwischen den Häusern Hohenzollern und Cum­berland. Prinz Ernst August von Cumber­land ist bekanntlich der jüngste Sohn des Herzogs Ernst August von Cumberland, der nach dem Kriege von 1866 als Kronprinz des Königreichs Hannover seinem Vater König Georg V. ins Exil folgte. Auch der Thron in Braunschweig ging den Cumberländern verlustig. Als b". allere Linie des Hauses Braun­schweig-Lüneburg mit dem Herzog Wilhelm 1884 er­losch, war der nächste Agnat, der Herzog von Cum­berland, da er aber seine Ansprüche auf Hannover nicht ausdrücklich aufgeben wollte, wurde auf Betrei­ben Preußens durch den BundeSrat den Cumber­ländern der Antritt der Regierung untersagt und eine Regentschaft eingesetzt zuerst unter dem Prinzen Albrecht von Preußen und nach dessen Tode, feit dem 28. Mai 1907, unter dem Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg. Wenn nun eine enge Famillenver- bindung zwischen dem Kaiserhause und dem Welfen- haufe eintritt, dann muß man vorausfetzen, daß ihr der staatsrechtliche und politische Friedens- s ch l u ß zwischen den beiden Häusern vorangegangen ist und die Zulassung des Erb-—<zen zum braun­schweigischen Herzogsthrone ihr folgen wird.

Damit wäre der Zwist, der durch die Ereignisse von 1866 hervorgerusen worden, nach 46 Jahren endlich erledigt. Alle Freunde des inneren Friedens werden dieses Ereignis mit Freuden begrüßen.

Bisher galt alS daS Hmoernis des Ausgleichs das Gelöbnis, daS der verzog von Cumberland feinem Barer, dem vertriebenen König von Hannover, auf dessen Sterbebett abgelegt haben soll: niemals auf feinen Anspruch auf Hannover zu verzichten. AlS vor sechs Jahren die erste Regentschaft in Braunschweig durch den Tod des Regenten Prinzen Achrecht erledigt war, versuchte der Herzog von Cumberland dieses Herzogtum feinem Sohn Ernst August zu sichern, indem er diesen Prinzen (der damals noch der zweitgeborene war) auf Hannover verzichten lassen wollte. Unter dem Reichs­kanzler Bülow faßte aber damals der Bundesrat den Beschluß, daß ein Mitglied des herzoglichen Hauses Braunschweig-Lüneburg, auch wenn es für sich aus Hannover verzichte, zur Regierung in einem BundeS- staat nicht zugelassen werden könne, solange der Her­zog von Cumberland oder ein anderes Mitglied seines Hauses sich in dem unsriedllchen Verhältnisse zum VundeSslaate Preußen befinde.

Damit.schien der Ausgleich in weite Ferne gerückt zu se.n. E>ne Annäherung der beiden Fürstenhäuser wurde aber doch herbeigcsührl durch einen Un­glücks) all. Der älteste Sohn des Herzogs von Cumberland verunglückte voriges Jahr bei Friesack in der Mark auf der Auiowobtlsahri zum Begräbnis des Königs von Dänemark. Die herzliche Anteil- nahme des Kaisers gab Anlaß zu emem Dankbestich der üder-edenden Sohnes, des Prinzen Ernst August, dei der Kaiser annlu. Ernst August, der im Jahre 1907 zum Verzicht auf Hannover entschlossen ge­wesen, war nunmehr der einzige Anwärter aus die denn dieselben sind sämtlich Fideikommiß und werden von dem Knaben einst nach erreichter Volljährigkert in Besitz genommen.

Ja, wenn das Kind nicht wäre! —

Ich sende Dir hiermit diese Summe durch Ja­cobo, wie Du gewünscht, bemerke aber ausdrücklich, daß Tu auf weitere Hilfe von mir nicht rechnen kannst, wenn Du wiederum am Spieltische Unglück haben solltest. Biel vernünftiger wäre eS von Dir, sofort hierher zurückzukehren, statt in Rom das Geld anSzustreuen. Dein Mißtrauen gegen den alten Ja­cobo teile ich übrigens mit ganzer Seele, der Mensch wird von Tag zu Tag widerwgrtiger, und ich habe Grund, anzunehmen, daß er unsere Berhälluisse längst durchschau: hat. Sein Blick sagt mir, daß er mich haßt, und bei der allerersten Gelegenheit werde ich mich seiner entledigen.

Seit ich erfahren habe, daß alle Familienbe- sitzungen dem Kinde gehören und ich gar feilt Recht darüber habe, als die Nutznießung bis zur Volljäh. rigkeit, ist mir das Kind mehr denn je zuwider. Am liebsten verließe ich die Gegend ganz, denn so oft ich hinunterfchaue zum Tal, fällt mein Blick aus die Felsengrotte; in der die Gruft sich befindet, und dann fürchte jch mich vor meinem eigenen Schatten. Ich getraue mich nach Sonnenuntergang nicht allein in den Garten, denn mir graut, wenn die Blätter der Bäume in der Dunkclleit rascheln; fällt bei Tage ein trockener Zweig zu Boden, fo zucke ich zusam- men: rollt der Donner und zucken die Blitze, dann fliehe ich in meine Zimmer und vergrabe mich unter Kissen; des nachts brennen die Lichter hell im Raume, denn das Dunkel ängstigt mich; klirren die Glasscheiben der Fenster unter dem Anprall des Windes, dann rufe ich die Wärterin des Kindes um Hilfe und sie mutz bei mir bieiben; knarrt die Wet- terfahne aus dem Dache, dann erschauere ich, denn ich glaube die Sprache der Geister zu hören; heult der "Orkan über die See und die Brandung schlägt unten donnernd an die Felsen, dann ist mil's, als riefen die Meereswoaen: komm, komm, denn Deiner barrt ein früher Tod! —»

Regierungsrechte seines Hauses. Wenn er seinen Verzicht auf Hannöver wiederum anbietet, so )ehlt nur der gleichmäßige Verzicht seines Vaters, um den Ausgleich sofort perfekt zu machen. Es fragt sich nun, in welcher Form der Herzog von Cumberland den Verzicht bekunden will. Sollte ihn das erwähnte Gelöonis an eine besondere Verzichtleiftung auf Han­nover hindern, so kann man vielleicht an den Aus­weg denken, daß der 67jährige Herzog eine allgemeine Abdikation vornimmt und sich in den Ruhestand zurückzieht, indem er alle Rechte insgesamt auf den einzigen überlebenden Sohn überträgt.

@5 bleibt abzuwarten, auf welche Weise der Aus­gleich vollzogen und die Eintracht der beiden Fürsten­häuser besiegelt wird. Die Versöhnung ist auf jeden Fall ein erfreuliches Ereignis, das eine Nach­wehe des Bruderkrieges von 1866 endlich beseitigt, den inneren Frieden in Deutschland und die Festigkeit des Reiches fördert, sowie für Braunschweig ins­besondere die längst ersehnte endgiltige Ordnung der Regierung und die eigene Hofhaltung im Lande be­gründet. Ob Fürst Bülow nicht den Ausgleich schon früher hätte anbahnen können, wollen wir jetzt nicht mehr untersuchen, sondern vielmehr allen dankbar sein, die zu der jetzigen Lösung beigetragen haben.,

*

Prinz Ernst August ist zu Penzing bei Wien am 17. November 1887 geboren und gegen­wärtig kgl. bayerischer Oberleutnant im 1. schweren Reiterregiment Prinz Karl von Bayern. Im Sep­tember 1909 halte er feine erste Unterredung mit dem Raiier, der ihm nach den damaligen Berichten mit großer Herzlichkeit begegnete. Der Prinz Ernst August ist in der letzten Zeit wiederholt und noch vor einigen Wochen wieder im strengsten Inkognito in Berlin gewesen und hat am Kaiserhofe mehrfach Besuche abgestaltet. Man sagt dem Prinzen Ernst August von Cumberland viele gute Eigenschaften nach. Er soll ent sehr angenehmes Aeußere haben und feinem Aeußeren soll auch sein Wesen und fein Charakter entsprechen.

Die Prinzessin Viktoria Luise, die einzige Tochter des Kaiserpaares, hat am 13. September 1912 ihren 20. Geburtstag gefeiert. Als einzige Taster ist sie selbstverständlich auch der Liebling des Kaifer- paares.

Der alte Cumberlander, Prinz Ernst August, Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland, Herzog von Cumberland und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, vermählt rpit der Prinzessin Toyro von Dänemark, ist am 21. September 1845 geboren Er kam für die Erbfolge in Braunschweig nach der früheren Verhandlungen nicht in Betracht.

* Karlsruhe, 10. Febr. 1913. Nach neueren Be- stimmungen reist der Kaiser morgen allein nach Berlin. Die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise bleiben einen Tag länger hier; sie treffen am 13. früh wieder in Berlin em.

* Karlsruhe, 10. Febr. 1913. Der .Badischen Presse" wird von priaater Seite mitgeteilt, daß die Verhandlungen zwischen dem kaiserlichen Hofe und dem Hofe des Herzogs von Cumberland nahezu anderthalb Jahre gewährt haben. Sie wurden vom Prinzen Max von Baden geführt. Die Schwierigkeiten lagen natürlich tn der Rückwirkung der Heirat zwischen der Tochter deS Kaisers und dem Sohn deS Herzogs von Cumberland ouf die Frage des schwebenden ThronfolqestreiteS. Hannover kommt nicht in Frage, und wenn sich Prinz Ernst August verpflichtet, die sonstigen Bedingungen zu er­füllen, stehen seinem Anspruch auf Braun schweig keine Bedenken entgegen. — Prinz Ernst August von Cumberland soll Mitte März zum Besuche am Kaiser Hofe eintreffen. — ter Verlobung des Prinzen Ernst Angust mit der Prinzessin Viktoria Luise soll

Nun zu dem Manne, von dem Du so viel erzählt hast und den man Prinz von Indien nennt. Deine Schilderung flößt mir Grauen vor ihm ein. Daß er, dem Verstorbenen in gewissem Sinne trotz seines Alters gleicht, daß er seine Haltung und Geberden besitzt, und den Blick seiner Augen, macht mich ihn fürchten, ohne daß ich ihn gesehen habe. Dazu der Umstand, daß er Dir Dinge mitgeteilt, die niemand wissen konnte, außer Du . - .

Ein Schauder überkommt mich bei dem Gedanken, daß dieser Mann hierher kommen und eines Tages mir Ang in Aug gegenüber treten könnte. Er sieht n die Vergangenheit und in die Zukunft, wie schreck­lich! Da wären die eigenen (Seoanten nicht mehr icher ...

Komm zurück, komm zu Deiner Dich liebenden Annita."

Nachschrift: Bald hätte ich die Hauptsache ver­gessen und wärest Du hierher gekommen, hättest Du mich nicht vorgefunden. Ich gehe tn zwei Tagen nach Casteldo, Du weißt, mein Mann und ich haben edez Jahr einige Zeit dort verbracht. Dort ermatte ch Dich und wir können die Rückreise nach Genuv dann vereint machen. In Casteldo sind wir nicht so ehr der Nachrede ausgesetzt. Wir können einige Tage verleben. Adieu."

Als er zu der Stelle kam, wo die Schreiberin deS Kindes erwähnte und des Umstandes, daß alle Güter diesem gehörten und vor seiner Volljährigkeit un­veräußerlich seien, da bildete sich -ine tiefe, drohende Falte auf feiner Stirn. Dann kam er zu der Stelle: Ja, wenn das Kind nicht wäre! Erschreckt ließ er das Schreiben fallen. Der Diener bückte sich, hob das Papier auf und blickte fragend auf feinen Herrn.

,^Jacobo, dem Knaben droht vielleicht Gefahr", ägte er düster, „dem Weibe und ihm ist alles zuzu­trauen, denn es steht beiden im Wege."

Erschreckt und angstvoll blickte der alte Mann auf seinen Herrn. „Gefahr droht dem Knaben, gnä- bißet Herr?" fragte er. „Ich verstehe nicht —

(Fortsetzung folgt.)