2. Blatt.
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-**- Fuldaer Leitung. *$*
Haudwerkerversammlung.
-i- Fulda, 10. Oft. 1913.
CRne allgemeine Versammlung, einberufen von der Landes-Abteilung des Bundes der Handwerker für beide Hessen, fand gestern nachmittag hier im kath. Gesellenhause statt. Es mochten etwa 250 Handwerker die beiden Säle füllen. Als Letter der Versammlung nahm Herr Hosbäckermei» ster S i m m e r zuerst deä SBort, legte kur; den Zweck der Versammlung dar und begrüßte die Erschienenen, besonders die Herren Bankdirettor Goebel und LandtagSabg. Drinnenberg. Die Herren Reichs. tagSabgeordneter M ü l l er und Landrat v, D o e r n- herg liefen ihr Fehlen entschuldigen.
Nach einem vom Vorsitzenden ausgebrachten Kaiserhoch nahm Herr Schlossermeister Ditz aus Erfurt daS Wort, der in klaren, überzeugungsvollen Worten nachstehende Gedanken aussührtc: Was ich hier sa- f^en werde, dürfte keinem neu sein. Zweck der Ver- ammlung ist, über Vorgänge, die wir täglich beobachten können, uns Klarheit zu verschaffen. Betrachten wir daS Schneiderhandwerk, jo finden wir, daß dort eine Anzahl von Elementen eingedrungen ist, die unmöglich allen Wünschen des Publikums entsprechen kann. Hier sind es besonders die Konfektionsgefchäsie, die durch ihre Reklame dem Schneidermeister die Kundschaft und allmählich auch dessen Selbständigkeit nehmen, bis er schließlich ein Lohnarbeiter des kapttal- kräftigen, nicht fachmännischen Unternehmers wird. So wird eine selbständige Handwerkerexistenz nach der anderen vernichtet und mancher Handwerker dem Proletariat in die Arme getrieben. Man entschuldigt diese Zustände mit der Gewerbefreiheit. Gewiß Freiheit muß fein, aber für alle Berufe in gleichem Maße. Wahrend auf gesetzlichem Wege für gewisse Stände Schutzmaßregeln getroffen sind, steht das Handwerk hülflos da. Tenn wie im angeführten Falle verhält eS sich auch bei den anderen Hand- Werkszwergen. Diese Zustande führen letzten Endes zum Ruin des gesamten Mittelstandes. Leider zeigen städtische und staatliche Behörden ja selbst die Reichs- regierung in dieser Hinsicht oft eine merkwürdige Handwerkerliebe. Gar zu oft werden Aufträge an Großunternehmer gegeben, die doch durch die Arbeit der Handwerker erledrgt werden müßen. Durch diese Avischenhändler kann der Preis für die Handwerks- arbeit nur heruntergedruckt werden. Doch nicht die Beamten sind dafür verantwortlich zu machen, sondern das Gesetz. Und wie schlimm ist es in dieser Beziehung im Bauhandwerk bestellt! Die Bauhandwerker aller Art verlieren ihr Geld oft mehr oder weniger bei chrer Arbeit dank der Bauschwindeleien der Bauunternehmer. Nicht anders ist es bei den großen Warenhäusern, durch deren Unternehmungen unzählige Mittelstandsgeschäfte verdrängt wer- den. Alle diese Uebelstände liegen in unserer sog. Handwerkergesetzgebung, die allerlei Pflichten und Lasten auferlegt, aber keine Rechte gewährt. Man mochte fragen: Wozu ist denn die Handwerkskammer da? Alle Vorwürfe jedoch, die man in dieser Beziehung vorbringt, sind an die falsche Adresse gerichtet. Auch ihr sind durch die Gesetzgebung dre Hände gebunden. Bor allen Dingen müßte deshalb dafür gesorgt werden daß der Handwerkskammer mehr Raum in der Gesetzgebung gegeben wird, damit sie besser wirken kann zum Segen des gesamten Hand- Werks. Und da liegt die größte Schuld bei den Hand- Werkern selbst, die seither geschlafen und sich nie auf pclittschem Gebiete im Interesse ihres Gewerbes betätigt haben. Die erkämpfte Gewerbefreibeit ist dem Handwerk nur zum Schaden gewesen, das sah damals schon Bismarck, als er sagte: Wenn ihr die Gewerbe- freiheft wollt, follt ihr sie haben, ihr werdet froh sein, wenn ihr sie wieder los seid. Man hat die iy2 Millionen selbständiger Handwerker sogar so weit erniedrigen wollen, daß man sie für Flicker gut genug hielt. Diesen Mißständen gegenüber kann nur Selbst, hülse Rettung bringen. Und haben wir in dieser Beziehung nicht gute Vorbilder an Lehrerschaft, Arbeiterschaft und Landwirtschaft. Gerade letztere hat durch wirtschaftspolitischen Zusammenschluß sich eine Stellung verschafft, die nicht bloß für sie selbst, sondern auch für das Handwerk und das gesamte Vaterland von größter Bedeutung ist. Damit ist uns der Weg vorgezeichnet den wir gehen müssen und der bereits beschritten ist durch die Gründung des Bundes der Handwerker Me Vorwürfe, die man ihm bei seinem Erscheinen gemacht hat, sind hinfällig. Was will nun der Bund der Handwerker? Zunächst Beseitigung des § 100 q der Gewerbeordnung, die es den Zwangsinnungen unmöglich macht, im Interesse des Handwerks sich fie: zu betätigen. Sodann fordern wir allgemeine Einführung des großen Vefähiguugs- nachweises für solche Arbeiten, dre durch Handarbeit fertig zu stellen sind, allez übrige muß aus dem Handwerk heraus. Ferner verlangen wir ein eigenes Ministerium, das lediglich die Interessen des Handwerks vertritt, außerdem die obligatorische Organisation und dieles andere, auf das einzugehen der Mangel an Zeit derbietet. Allen den unhaltbaren Mißständen im gesamten Mittelstände sucht der Bund der Handwerker wirksam entgegen zu treten; dies ist ihm jedoch nur inöglich, wenn er selbst stark ist. Er tritt deshalb an alle Handwerker heran mit der Bitte: Schließt Euch dem Bunde an. Handwerk erwach', mach selbst deine Sach! Fort mit dem, was uns trennt, her mit dem, was uns ernt. Zusammengeschloffen müssen wir fein, wenn ton etwas erreichen wollen. Immer strebe zum Ganzen! Und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an. Wir wollen endlich einmal Hammer werden und nich» wehr Amboß bei der Gesetzgebung sein. Geht das Handwerk zu Grunde, dann ist es um den Mittelstand geschehen. Wir sind entschlossen, bis an die Stufen des Thrones zu gehen, denn es handelt sich um Gut »rnd Glück der Familie und des gesamten Vaterlandes.
Der Vorsitzende dankte dem Redner für seine klaren und treffenden Worte. In der Diskussion nahm zuerst Landtagsabg. Rechnungsrctt D r r n n e n b er g das Wort. Wir alle kennen, so führt er aus, die miß. liche Lage des Handwerks seit vielen Fahren. Schon damals bei der Gewährung der Gcto erbef reihest sind Befürchtungen über deren Zweckmäßigkeit laut geworden Aber Klagen sind nicht am Platze, es muß gchandelt werden. ' Wenn Sie auf die Regierung wanen wollen können Sie noch lange warten. Was ynste Selbsthülfe zu leisten vermag, zeigt die Land- wntschast die man seinerzeit für unrettbar verloren gab. Allerdings sind die Kreise, die sich gegen die "efettigung unserer jetzigen Gctoerbefrcibest erklären, augenblicklich noch sehr stark. Der ost dem Zentrum gemachte Vorwurf, daß dieses den § 100 q geschaffen
ist nicht stichhaltig. Vor allem muß im §anb» wert die gegenseitige Hülse und Unterstützung, - 'te 8- B. in den landwirtschaftlichen Genossen
schaften geübt wird, wirksamer werden. Energisches Streben und Vorgehen wird auch den Handwerkern Ansehen und Achtung verschaffen und die Regier, cng zwingen, sich ihrer anzunehmen. Und wenn Sie durch Zusammenschluß mächtig geworden sind, wird man oben ihren Bestrebungen nicht länger widerstehen können.
Herr Ditz wies dann darauf hin, daß die Ortsgruppen des Bundes der Handwerker sich nicht bloß geschlossen bei Landtags- und Reichstagswahlen, son- dem vor allem auch in kommunalpoütischem Sinne betätigen sollen. Der Bund der Handwerker könne nicht die Innungen und sonsttgen Unterverbände er- setzen, er habe vielmehr da einzusetzen, wo erstere notwendig versagen müßten. Auf Anregung des Herrn Breitenborn erklärte der Vorredner, daß der Bund eine gesetzliche Regelung deS Submissions- Wesens dahin anstrebe, daß Behörden und Lieferanten zusammen bestimmend bei Lieferungen wirken sollen durch besondere Kommissionen und daß die Namen der Submittenten mit Angeboten unter Preis beröf» fentlicht und diese selbst auf bestimmte Zeit von Lieferungen ausgeschlossen werden sollen.
In der Folge sprachen noch die Herren ©immer und Drinnenberg für eine straffe Organisation in den Innungen, während Herr Bä- ckermeister Jestädt betonte, daß die Erfolge der Innungen nach seiner Meinung bis jetzt nicht die Früchte gezeitigt hätten, die man von ihnen erwartet habe. Herr Ditz zeigte dann an einigen Beispielen, welche Vorteile unmittelbar durch den Zu- fammenschlutz den Handwerkern geboten werden können, und richtete zum Schluß noch einen warmen Appell an die Anwesenden, die Hände nicht in den Schoß zu legen. Herr Simmer schloß darauf die Sitzung mit dem christlichen Handwerkergruß. Noch- dem Herr D i tz mitgeteilt hatte, daß sich etwa 75 An. wesende als Mitglieder für den Bund der Handwerker gemeldet hätten, wurden als Obmänner der hiesigen Gruppe die Herren Simmer, Franz Kramer, Benedikt Trabert und Fritz Fuchs gewählt.
Wales.
Fulda, 10. Februar 1913.
# Personalien. Ernannt wurde der Affisteut Fiand in Fulda zum AmtsgerlchtSsekretär in Nentershausen, der Stellenanwärter Lenz zum Assistenten in Hilders, der berittene Gendarmeriewachtmeister und Oberwachtmeister a. Pr. Oberländer zum etatsmäßigen Oberwachtmeister in Schmalkalden; dem Oberzollkassenrendanken Dehnen und dem Büiovor« steher bei der Oberzolldirektion Ganse, beide in Kassel, wurde der Charakter als Rechnungsrat verliehen; Regierungsbaumeister Haderland wurde der Bauabteilung Kirchham als Streckenbaumerster mit dem Wohnsitz in Gemünden überwiesen. Ernannt wurden der Abteilungsarzt aus Probe an der Landes- heili.nstalt Marburg Dr. med. Weyland endgültig als AbtellungSarzt für die Jrrenanstatlen des Bezirks« oerbandes, die Hüsslehrer Staufenberg und Berndt bei der Taubstummenanstalt zu Homberg zu Taubstummenlehrern, die Kanzleihilfsarbener Krug bei der Hessischen Brandoersicherungsanstalt und Engelbach bei der Landeskreditkaffe zu Kanzlisten.
# Verliehen wurde dem Lehrer GieS zu Fritzlar der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohen« zollern, dem Amtsgerichtsrat Groß tn Kassel, dem Rechnungsrevisor Heusell beim Landgericht in Kassel der Rote Adlerorden 4. Klaffe, dem Landgerichtsdirektor Geh. Justizrat Jeß in Marburg der Kronenorden 3 Klaffe, dem Kanzleiius pek or Kresse beim Landgericht in Kassel ta§ Verdienstkreuz in Silber, den Kanzleigehilfen Werner und Pfaff in Kassel und Elsässer in Zierenberg, den Gerichtsdienern Prange und Stowroneck in Hanau und Schmitt in Hersfeld daS Allgemeine Ehrenzeichen in Silber, dem Schreinermeister Fritz Sattrup in Kassel, dem Privatier Grebe in HerSfeld und der verw. Frau Dr. med. Kupfer in Kassel die Rote Kreuz - Medaille 3. Klaffe.
-y- Der kaiserliche tzofzug paffierte heute morgen 4 Uhr auf der Reise nach Karlsruhe Die hiesige Station.
0 Die Meisterprüfung für das Schuhmachergewerbe bestanden am Freitag hier vor der Prüfungskommission die Gesellen Karl Odenwald von hier und Karl Kohlmann aus Burghaun gebürtig.
Museum. Der gestrige Mnieumsabend brachte allen Musikfreunden den hochwillkommenen Genuß eines Symphoniekonzertes. Quartett und Sonate, die im Schema dasselbe sind und sich nur in der Ausführung unterscheiden, bilden die edelste Form der Instrumentalmusik. Sie bestehen aus 3—4 Sätzen, von denen der erste und vierte, die Ecksätze, gewöhnlich Allegro, der zweite Andante und der dritte stets heiteren Charakters, ein Scherzo oder Menuett ist. Das Ganze ist, wie der geistvolle Pater Ludwig Stutzer 0. 8. B. sagt, eine Art Seelengeschichte. Das erste Allegro stellt gleichsam den Sachverhalt dar, die Gemütsstimmung, die das Herz bewegt, daS Andante beschwichtigt in ruhigem Zurückschauen die innere Aufregung, der dritte Teil bringt frohe Ermunterung und das Ganze endigt befriedigend im Finale. — Gestern hörten wir Mozarts v dur - Symphonie. Mozart hat die klassische Form der Symphonie, die Haydn geschaffen hatte, weiter entwickelt und ihr einen tieferen geistigen Inhalt gegeben. Mit Entzücken lauscht das Ohr dem Melodienreichtum deS unsterblichen Meisters, und man wird berückt von der Grazie und Schönheit seiner reinen, göttlichen Kunst. Von den 49 Symphonien, die Mozart kom- joniert hat, werden heute nur noch wenige zur Anführung gebracht. Die v dur-Symphouie unterscheidet ich von den andern dadurch, daß das Menuett fort« ällt. Da sie heroischen Charakters ist, würde es nicht in den Rahmen den Ganzen paffen. Die gestrige Aufführung verriet in allem die Verständnis- volle Leitung des Dirigenten, des König!. Musikdirektors Gottfr. Leber, dem da? seelische Erfassen eines Kunstwerkes die Hauptsache ist. Er verstand es, durch orchestrale Detailardeit das Werk in seiner klassischen Schönheit ganz hervortreten zu lassen. Eröffnet wurde das Konzert mit Cherubinis Ouvertüre zur Oper „Die Abenceragen". Die intereffante Komposition mit ihrer langsamen unisono Einleitung, die sich im Allegro lebhaft steigert, fand eine dem temperamentvollen italienischen Charakter der Ouvertüre entfprechende Wiedergabe. Zum Schluffe spielte das Orchester, unsere durch hiesige Kräfte verstärke Artilleriekapelle, eine schwermütige „Melodie von Paderewski" und „Ein Hochzeitstags des nordischen Romantikers Krieg, aus dem uns skandinavische Volksweisen eigenartig ent» gegenklingen. Der Dirigent verstand es, sämtliche so verschiedenartige Kompositionen in ihrer vollen Klangschönheit erstehen zu lasten. Das Orchester bot eine
ausgeglichene und einmütige Leistung, an der man seine volle Freude haben konnte. Fräulein Gertrude Seifert auS Offenbach fang mit ihrer gut durchgebildeten Sopranstimme, bei der besonders die deutliche Aussprache angenehm bemerkt wurde, die dank- bare Szene und Arie au8 „La Traviata*, das oft gehörte Ständchen von Rich. Strauß und ein reich mit Koloraturen ausgeflattetes Lied von Heuser. Der lebhafte Beifall nötigte der Sängerin noch eine Zugabe ab. Als Piamstin trat Mademoiselle Blanche Decr ey, Lehrerin an der hiesigen Musikschule, auf. Die Wahl der Stücke bewies einen guten Geschmack, der auch im Spiel zum Ausdruck kam. Wir haben feiten Schumanns „In der Nacht*, einer Tondichtung, der bekanntlich die Sage von Hero und Leander zugrunde liegt, empfindungsvoller vortragen hören wie gestern. Auch BrahmS 6-moII-Rhapsodie fand eine hochbefriedigende Wiedergabe. Ihre glänzende Technik hatte Frl. Decrey Gelegenheit, bei dem Liedestraum und Spinnerlied aus dem fliegenden Holländer in Liszt'scher Bearbeitung in schönstem Lichte zu zeigen. Sie besitzt viel künstlerisches Temperament und einen prächtig durchgebildeten Anschlag, bei dem sich bald weich und einschmeichelnd, bald feurig und kraftvoll die Melodien formen. Das Konzert bildete einen wirkungsvollen Abschluß der diesjährigen Museumssaison.
-X- WohltätigkeitSkonzert. Der Synagogenchor der israelstischen Gemeinde Fulda veranstaltete am Samstag abend unter Leitung des Königl. Musikdirektors Gottfr. Leber im Giesels Saal ein Wohltätigkeitskonzert, das sehr zahlreich besucht war. Eröffnet wurde der Abend durch einen von Frl. Goldschmidt gesprochenen Prolog, deffen Inhalt auf den Zweck des Konzerts hinwies. Der Synagogenchor brachte dann den Psalm 119 im hebräischen Text zum Vortrag, dem mehrere deutsche Lieder vierstimmig folgten. Auch die vorgetragenen Kouplets und ein hübscher Einakter erhöhten den Eindruck des genußreichen Abends. Der Reinertrag, den das Konzert brachte, beträgt ungefähr 800 Mk. und ist für einen Synagogenneubau bestimmt, deffen Fonds hiermit auf annähernd 4100 Mark ang wachsen ist. Die jetzige Synagoge ist im Jahre 1858 erbaut und faßt heute nur einen kleinen Teil der hiesigen israelitischen Gemeinde, so daß noch an drei anderen Stellen regelmäßige Notgottesdienste abgehalten werden müssen. Mit dem Neubau wird voraussichtlich erst in drei Jahren begonnen werden können.
Der Landwirtschaftliche Rreiieerein hielt am Samstag nachmittag im Ballhause feine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Winter- sckuldirektor Schoppmann, teilte mit, daß am nächsten Samstag eine ordentliche Versammlung flott» finden werde, auf der das für Landwirte interessante und zeitgemäße Thema über den Nutzen der Lebensversicherung für die Landwirte besprochen werde. Nach dem Rechenschaftsbericht betrug die Zahl der Mitglieder des Vereins bei Beginn deS letzten Ge- chästsjahreS 194; davon traten 2 Mitglieder au$, 3 starben, 7 tarnen neu hinzu, so daß der Verein letzt 196 Mitglieder zählt. Die Einnahmen stellten sich auf 633,06 M., die Ausgaben auf 694,94 M., so daß ein Kaffenbestand von 38,12 M. verbleibt. Das Gesamtvermögen deS Vereins beträgt 6303,19 Mark. Dem Rechnungsführer wurde Entlastung erteilt. Herr Dr. Bredemann, Vorsteher der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Harleshausen, sprach sodann über die Herstellung und Vorbereitung deS Saatgutes. Im Anschluß an eine Darstellung der verschiedenen Kornschädlmge behandelte et en« gehend die einzelnen chemischen Beizverfahren, die neben der Üblichen Kornsortierung für die Vernichtung der schädlichen Pilze in Frage kommen. Zum Schluß Sb Redner bann noch kurz eine Würdigung der ver« teöenen Mittel, welche die Abwehr des TierfraßeS an der Saat bezwecken sollen. In der Diskussion wurden noch manche Fragen, besonders die der Keimenergie und Keimfähigkeit des Saatgetreides unter bestimmten Verhältnissen geklärt.
(♦) Katholischer JünglingSverein der Dompfarrei. Um die Mitglieder des Vereins von neuem für die edle Turnsache zu begeistern, war gestern Herr Seminarlehrer Fromm zu einem zeitgemäßen Vortrage gewonnen. Der Redner legte in recht klarer Weise bar, daß das tägliche Turnen nicht nur eine Forderung für die schulpflichtige, sondern auch für die schulentlassene Jugend sei. Eingehend wie- er hin auf die einzelnen gesundheitlichen Gefahren, die gerade der schulentlassenen Jugend infolge ihrer Berufsarbeit entstehen könnten. Die muftergiltigen Vorführungen von Seiten der Zöglinge deS kgl. Lehrerseminars zeigten praktisch, wie man verhältnismäßig leicht diesen Gefahren entgehen könne. Besonderer Wert wurde deshalb auf die Freiübungen gelegt; denn sie lösen ja die durch die Arbeit steif gewordenen Glieder, indem sie sämtliche Organe und Muskelgrnppen gleich« mäßig in Bewegung fetzen. Große Begeisterung tief eS hervor, als die ganze Versammlung die einfachsten und natürlichsten Uebungen aus Kommando wieder« holen durste. Möge dieser Abend dazu beitragen, die Turnfteude der Mitglieder noch mehr zu heben; denn alle Kraftbildung macht froh, und alles Eichgehen« lassen macht elend und unzufrieden.
E Hiitzelseuer. Am gestrigen ersten Sonntag in der Fastenzeit, der hier zu Lande „Hutzelsonntag" genannt wird, konnte man abendS in nächster und weiterer Umgebung der Stadt, besonders auch auf den Bergen der Vorderrhön und nach dem Vogels» berg zu, die üblichen „Hutzelfeuer* auflodern sehen. In früheren Jahren schaffte man an diesem Tage mit Stroh umwickelte Räder auf die Berge, zündete daS Stroh an und ließ dann die brennenden Räder den Berg hinadrollen. Später ging man zu dem jetzigen Brauch über. Nach Errichtung eines Holz« stoßes aus Reisig und Scheiten zieht die Jugend bet anbrechender Dunkelheit mit „Blähse* (d. s. mit Stroh umwickelte lange Stangen, die oben angezündet sind) und unter Absingen der Hutzellieder auf die Anhöhe und setzt den Holzstoß in Flammen. Ist daS Hutzelfeuer erloschen, dann geht es in den Ort zurück zum Dorfwirt, um sich bei ihm Hutzeln, Krcppeln u. bgl. zu „haischen".
-X- Feuer. Gestern abend brach in einem Hause der Löherstraße ein Balkenb.and aus. Trotzdem man sofort den Feuerwehr-Kommandanten benachrichtigte, schlug man auch zum Ueberfluß noch den Feuermelder ein und alarmierte die Wehr. Diese konnte Doch abbestellt werden, da der Brand durch den Kommandanten selbst gelöscht wurde.
± Geschütze eines Fuldaers im Arnieemuseum in München. Dir letzte Sonntagsbcilags der ,Fuld. Ztg/ enthielt u. a. eine Abbildung deS bayerischen Armee« mufeums in München. Es dürfte gewiß manchen Leser interessieren, daß zwei von einem Fuldaer im Jahre 1630 gegoffene Kanonen als Prachtstücke dieses Museums gelten und daher rechts und links vom
JV$ 33,
Montag 10. Zedntar 1915.
Haupteingang auf der Terrasse ausgestellt rootbei sind. ES sind dies zwei bayerische halbe Rattaunra mit ben „lauernden Löwen*, die eine „die bayerisch, Singern' genannt Auf dem Rückmantel dieser Geschütze ist zu lesen: „Durch's Feuer bin ich stoffen, FriedericuS ArnolduS von Fulda hat mich goffen. 1630.* Damit sind die schönen Kanonen als Werke eine! der Fuldaer Glockengießerfamilie Arnold angehörigen Meister« bezeugt. — Eine nähere Beschreibung gaben wir in den,Fnld. GefchichtSbl/, Jahrq. 1911, ®. 176.
Postscheckverkehr. Im ReichSpostgediet ist die Zahl der Kontotnbaber im Postscheckvertehr Ende Januar 1913 auf 76490 gestregen. (Zugang im Monat Januar 1287). Aus diesen Postscheckkonten wurden tin Javuar gebucht 1480 Millionen Mark Gutschriften und 1489 Millionen Lastschriften. DaS Sefamtguthaden der Kontoinhaber betrug im Januar durchschnittlich 169 Millionen Mark. Im Verkehr der ReichSposticheckämter mit dem Postsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse tn Budapest, der luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Pofticheckbureaus wurden 7,9 Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 8240 lieber« tragungen in der Richtung nach und au' 14 000 Heber» tragungen in der Richtung auS dem Auslande.
Aus dem Nachbargebiete.
* Schlüchtern, 8. Febr. 1913. Der Ausbau des »weilen Gleise» Jossa-Sterdfritz und die große Ueberfübrung an der MüälforlSbrücke wurde der Frrma Philipp Alberding, Hoch- und Tieftauunter- nehmet in Fulda, übertragen.
♦ Bad Orb, 9 Febr. 1913. Der Ausbau der Lateinschule durch vorläufige Angliederung bet Obertertia zu Ostern d. I. ist als gesichert anzusehen.
w. Hanau, 4. Febr. 1913. Der hiesigen Handelskammer ging vom Kolonial - Amte em Entwurf der Bedingungen übet die im März stattfindende Versteigerung von einet Million Karat südwestafti- kamschet Diamanten zu. In mehreren Konferenzen mit hiesigen maßgebenden Diamantschleifern wurden an dem Entwürfe verschiedene Aenderungen vorgenommen, um den Interessen der hiesigen Schleifer mehr dienen zu können.
* Hanau, 9. Febr. 1918. Der Regierungspräsident zu Kassel hat den Ingenieur Teige vom Dampfkeffel-lleberwachungs-Verein zum Sachverständigen für die Prüfung von Gesäßen für ver- flüssigte und verdichtete Gase, Mmeralwasserappa at« und für regelmäßige Prüfung und erste Truckprob, von Dampffäffetn in den Kreisen Hanau, Stadt» und Landkreis, sowie in den Kreisen Gelnhausen und Schlüchtern ernannt.
ch. Frankfurt, 7. Febr. 1913. Um den 400 abge« wiesenen Kindern die Aufnahme in eine Mittelschule zu Ostern zu ermöglichen, beschloß der Schul» auSschuß bet Stadtverordneten - Versammlung, die fofortige Bewilligung von Neb-nklassen zu empfehlen. Ferner stellte er folgende Anträge, die für das Schul« wesen Frankfurt» von hervorragender Wichtigkeit sind: Bei Neubauten von Mittel« und höheren Schulen keine Vorschulen mehr einzurichten, von Ostern 1914 ab die bestehenden Vorschulen aufzuheben und für die drei unteren Klassen bet Volks chule ein solches Lehrziel zu setzen, daS zur Aufnahme in die entsprechenden Klassen bet Mittelschulen und höheren Schulen befähigt. — Damit sind die Grundlagen zur Einführung der Einheitsschule in Frankfurt gegeben. Der Magistrat wird nun ersucht, bi« zum 1. Juli 1913 eine entsprechende Vorlage auszuarbeiten.
ft. Frankfurt, 7. Febr. 1918. Den zahlreichen Funden au» der Diluvialzeit, di« im Vortau« nuManbe gemacht würben, hat sich gestern bet eines nahezu 90 cm langen Mammutzahne» auf bem Bockenheimer Friedhöfe angereiht. Der Zahn, der leider durch die Unvorsichtigkeit eine» Arbeitet» zerbrach, sonst aber wohl erhalten ist, wurde bem Senken« berg-Mufeum überwiesen.
* Höchst a. TL, 8. Febr. 1913 Geh. RegierungS« tat Dt. Gustav v. Brüning, bet Generaldirektor bet Höchster Farbwerke, ist heute vormittag in St. Moritz, wo er Heilung von einem schweren Leiben suchte, im Alter von 47 Jahren gestorben. Et wat bet Sohn von Dr. Aböls Brüning, bet 1862 bie Höchster Farbwerke mttbegrünben half.
* Altmorsche« (Sfr. Melsungen), 8. Febr. 1918. Ein Arbeitet auf einem benachbarten Dorfs sandte einem Handelsmann in Neumorschen einen Brief, in welchem et unter Drohung die Hinterlegung einer größeren Geldsumme an einem näher bezeichneten Orte forderte. Die Polizei hat die Sache verfolgt und den Täter ermittelt, der bereits ein Geständnis abgelegt haben soll.
• Wattenbach b. Kassel, 8. Febr. 1913. Die B a« faltfteininbuftrie gewinnt für unS immer größere Bedeutung. Außer den bestehenden Basaltbrüchen beabsichtigt bie Firma Wegner in Hannover einen Basaltsteinbruch anzulegen. Zur Zeit werden bie Basaltmassen von Angestellten der genannten Firm« auf ihre Brauchbarkeit untersucht.
* Motzenrode, Kr. Eschwege, 8. Febr. 1918. Mn hiesiger Einwohner versuchte sich zu erhängens wurde aber noch rechtzeitig abgeschnitten und inS Bewußtsein zurückgerufen.
* Abterode, 9.Febr. 1913, Der KreiS-Polizei« Hund de» Gendarmerie-Wachtmeisters Schenk *u Niederhone wurde von dem Bäckermeister Hupfeld hier begehrt. Demselben waren schon öfters Sachen entwendet worden, diesmal ein Eschenstamm, der auf dem Hofe gelegen hatte. Obwohl der Hund erst nach 24 Stunden kam und auf bem Terrain 1«) Kinder in der Zwischenzett gespielt hatten, eilte da» Tier sofort nach erhaltener Witterung tn bie Scheune de» Nachbars F., wo sich der Stamm vorfand. Vor Schrecken bleich bekannte sich der Dieb schuldig.
• Groh-Felda, 8. Febr. 1913. Die Bäckerei von I. Völzing ging zum Preise von 16 500 Mk. in den Besitz des Herrn E. Hartmann-AlSfeld übet.
* Göttingen, 8. Febr. 1913. Im benachbarten Baudenbach wurde der Landwirt Müller im Kampfe mit einem Bullen von diesem mit den Hörnen erfaßt und auf da» Dach eine» Geräteschuppen» geschleudert, wo er mit schweren Verletzungen liegen blieb.
* Vom SichSselde, 8. Febr. 1913. In Zella ent« stand auf dem Gehöft des Landwirts Wand ein größeres Schadenfeuer, dem die mit Erntevorräten gefüllte Scheune und die Stallungen zum Opfer fielen. Die EntftehungSursache ist auf die Explosion einer Petroleumlampe zurückzuführen.
Amt Gei all!- Umgebung.
± Wenigentaft, 9. Febr. 1913. Die historischen Mitteilungen über das jetzt weimarische, früher suldische Dörfchen Wenigentaft an der Ulster, in Nr. 31 der ,Fuld. Ztg/, mögen noch durch einige den .Bau« und Kunstdenkmälern Tbürmaens" tn*«