Einzelbild herunterladen
 

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Hetientntdetei m Suite.

Fuldaer Leitung. •*-

M Z2.

ramrlag 8. Zedruar 1915.

4

r*i Unser LotterieloS.

Das Glück auf einer Kugel steht und wunderbar regiert." Wir armen Menschenkinder aber werden gottlob der Zuversicht nicht müde, es möchten gar bald die Zeiten kommen, zu denen die launige Glücks- oöttin auch in unseren Landen ihre Residenz auf- schläqt, um ihr funkelndes Zepter über unseren auchzenden Herzen zu schwingen. Solange nun Glückesschnsucht und Hoffnung geschwisterlich Hand in Hand gehen, solange halten wir — meist zwar un- bewußt -- schon ein Zipfelchen vom Glücke in den wänden, lieber die moralische Seite des Lotterie­spiels kann man verschiedener Meinung sein, aber wenn man einmal in der Lotterie spielt, dann treibts dumm, wer sich für seine Reise ins Glücksland ein ungültiges Billett aufhängen läßt. Solch nn- gülüger Fahrscheine aber gibt's die Menge, weil die Spekulation findiger Köpfe auf unseren Glauben an einen glücklichen Zufall oft recht schwindelhafte Bau­ten errichtet. Ja, es kommt sogar vor, daß wir Lot­terie spielen, ohne uns dessen bewußt zu sein. Hier­für ein Beispiel.

Wir kaufen in einem Geschäfte, dessen Inhaber bekannt gegeben hat, er werde allen, die an einem später von ihm zu veröffentlichenden Tage bei ihm gekauft haben, den Kaufpreis zurückerstatten. Nichts anderes, als die Veranstaltung einer öffentlichen Lotterie. Denn, sagt das Reichsgericht, es wird dem Publikum die Hoffnung auf einen in Geld bestehen- den Gewinn gewahrt, der von einem von Zufall be­dingten Ereignisse abhängt.

Die Reklame sollte freilich ihren Erfinder teuer zu stehen kommen, weil er sich gegen das Strafgesetz­buch vergangen hatte, das beit Veranstaltern öffent­licher Lotterien, denen die obrigkeitliche Erlaubnis fehlt, Gefängnis bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bis zu 3000 Mark verheißt. Die Teilnehmer an solch nicht genehmigten Lotterien aber haben regelmäßig ihr Geld zum Fenster hinaus geworfen.

Indessen gibt's bekanntlich auch staatlich konzes­sionierte Lotterien, deren Lose wir gleichwohl nicht spielen dürfen. Gründe finanzpolitischer Natur wa­ren es, die in verschiedenen Bundesstaaten Verbote ins Leben riefen, wonach das Spielen in auswärtigen Lotterien untersagt ist. Wer sich hiergegen vergeht, verfällt regelmäßig einer Geldstrafe. Indessen wird ihm der Anspruch auf die Auszahlung eines mit Ge­winn gezogenen Loses zumeist verbleiben. Da aber des Richters Gesetzesauslegung nach dieser Richtung nicht absolut- zuverlässig prophezeit werden kann, er­scheint das Spielen verbotener Lose doppelt unzweck­mäßig. Befassen wir uns also lieber noch ehr wenig mit erlaubten Losen. Unser Kollekteur hat uns, ge­treu seit Jahren gepflogener Gewohnheit, wiederum ein halbes Los der von jeher gespielten Nummer zu­geschickt. Und nun soll unsere Ausdauer wahrhaftig einmal gelrönt werden. 5000 Mark sind auf unsere Nummer gefallen. In freudiger Hast präsentieren wir das Gewinnlos. Ta verweigert man die Aus­zahlung, denn das Los sei nicht bezahlt worden. Wir berufen uns darauf, daß wir wir ja schon seit vier­zehn Jahren die gleiche Nummer ohne UrtteAatz ge­spielt und häufig erst nach der ersten Klasse bezahlt haben. All dies vermag aber den Kollekteur nicht ummstimmen. Auf wessen Seite liegt nun das Recht? Auf Seiten des Kollekteurs, antwortete kürz­lich da? Oberlandesgericht Kalmar. Denn erstens pflegen die Kollekteure ihren Sendungen ausdrücklich beiznfügen: „bei Nichteinlösung bleiben die Lose mein Eigentum" oder „nur bezahlte Lose haben Anspruch auf Gewinn." Aber auch beim Fehlen solcher Floskeln würde der Mangel einer Annahmeerklä­rung des Spielers regelmäßig das Zustandekommen eines Vertrages hindern.

Vor Jahren spielte ich um 1,10 Mark pro Monat regelmäßig mit an einem Zehntellos, das meine Pensionsmutter für die vielköpfige Gesellschaft löste. Da ich mich nun leider bis zum 3. eines jeden Mo­nats total verausgabt hatte und also zumeist sämt­licher Barmittel ledig war, wurde mein Anteil in meinem Ausgabenbuch notiert, das allmonatlich zwecks gefälliger Regulierung zu meinen Eltern wanderte. Nun fügte es eines Tages ein gütiges Geschick, daß 3000 Mark auf unser Los fielen, wovon mir einige 40 Mark zukamen. Ich erhielt den Be­trag auch wirklich ausgezahlt, mußte aber dafür jahrelang die Beteuerung anhören, diese Zahlung fei ein Akt unglaublicher Generosität gewesen, weil ich ja mein Los der Pensionsmutter nicht bar bezahlt hätte. Heute weiß ich nun, daß meine Hochachtung vor solchem Seelenadel absolut nicht am Platze war.

Der Gras von Tarent.

37] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner-

„Tas Ganze — die Bank!" rief der Prinz laut und scharf.

Der Herzog von Tesia fuhr sich mit der Hand über den kahlen Schädel.

„Das habe ich erwartet," sagte er. „Meine Her­ren, der Schlußakt beginnt."

Der Prinz schaute nun wieder wie in einem Traume befangen. Die Sache schien ihn kaum zn interessicren.

Hunbertundvierzigtausend Dukaten.

Der Einsatz war riesig, kaum glaubhaft, so was war niemals dagewesen.

Der Bankhalter mischte die Karten, aber seine Er­regung war so groß, daß ihm die Blätter aus der Hand fielen.

„Meneville, Sie zittern ja wie eine gichtische Frau", lachte Bixio auf, „ich rate Ihnen, trinken Sie ein Glas Wasser und beruhigen Sie Ihre Nerven. Wenn Sie nun verlieren, was ich unzweifelhaft w- toarte, dann trösten Sie sich damit, daß es doch nicht bas eigene Geld gewesen ist. Bah, wenn es zum Schlimmsten kommt, klopfen Sie nur an meine Tür und dann teile ich meine drei Dukaten. Mensch, Sie schauen aber jetzt gerade aus, als wollten Sie ver­gehen, und bas alles eines Haufen Goldes halber. Seien Sie doch ein Mann!"

Der Baron hatte in der Tat alle Fassung verlo­ren. Die Furcht, welche er gestern empfunoen vor beut Prinzen von Indien, kam verzehnfacht über ihn bei dem ungeheuren Einsatz. Einen Moment lang dachte er daran, den riesigen Einsatz zu refüsieren und bas Spiel seinerseits zu schließen, aber bas wäre ge­gen bie Regel gewesen, er wäre geächtet worden von seinen Standesgenossen und hätte sich nie mehr dar­unter blicken lassen können. Wenn er verlor, war das gesamte Borvermögen dahin, das der verstorbene Graf Tarent hinterlassen, auch die vierzigtausend Du­katen, welche er heute gewonnen. Das Blut häm­merte ihm in den Schläfen. Der helle Schweiß perlte von der Stirne herunter, die Farbe in feinem Gesichte ■ tocd’V .vom *cn Rot lur Blässe des Todes.

......... i i iiim11'» u ii

Ich war damals durch meine Spielbeteilignng Mit­glied eines Gesellschaftsvertrages geworden. Laut Reichsgericht aber geschah die Erneuerung des Loses auch für die nicht zahlenden Mitspieler. Aus dem Grunde allein, daß jemand seinen Anteil am Einsatz für eine spätere Klasse nicht bezahlt hat, kann er also nicht von dem auf ihn entfallenen Gewinnanteil aus­geschlossen werden. L.

——°-8>693O<=---

Lokales.

Fulda, 3. Februar 1913.

A Wegen LebeuSmittelsälschnng halte ein hiesiges Konsum-Geschäft des Nahrungsmittelfaches gegen den Kaufmann R. Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Lrbensinittelverfälschung erstattet. Die Anzeige ist nun nach gründlicher Untersuchung laut Schreiben der Kgl. Staatsanwaltschaft abgewiesen worden.

Strafkammer. Ein 68jähriger Auszuaer von Setzelbach bei Geisa war des Vergehens gegen § 176,3 angeklagt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten. — Der 37jährige Bergmann I. M. hier und der 42jährige Arbeiter M. M. von Eichenzell, beide wiederholt vorbestraft, drangen am 2. Mai 1912 abends in den Stall des Gastwirts I. K. in Eichen­zell, banden dort eine Kuh im Werte von 500 Mark ab und trieben sie eine große Strecke weit fort. Der Arbeiter M. M. entfernte sich alsbald und ließ I. M. mit der Kuh weiter ziehen. Als ein Hofhund anschlug, erschrak I. M. und überließ die Kuh ihrem Schicksal, die schließlich in einem fremden Hof Unterkunft sand und dem Eigentümer tags Darauf wieder zugesieltt wurde. Der erste Staatsanwalt hatte gegen I. M. acht Monate Gefängnis und gegen M. M. drei Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht verurteilte I. M. unter Zubilligung mildernder Umstande zu vier Monaten urb M. M. zu einem Monat Ge­fängnis. — Ein Möbelfabrikant aus Tann, der seit Mai 1911 in Konkurs ist, war eines Vergehens gegen die Konkursordnung angeklagt. Die Verhandlung mußte aber vertagt werden, da dem Sachverständigen seinerzeit nicht fämtliche Geschäftsbücher vorgelegt worden sind. — Die Berufung des Händlers C. R. von Heiligenstadt, der vom Schöffengericht Burghaun zu 96 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, wurde verworfen, zumal R. gestern nicht persönlich erschienen war.

== AntomatenSefiher Vorsicht! Seit einiger Zeit treibt ein Bursche im Aller von 20 bis 25 I bien hier an Automaten fein Unwesen, indem er Nickel- stücke in der Größe und Stärke eines 10 Pfg. Stückes in Automaten wirft, um auf diese Art fein Hang nach Süßigkeit zu befriedigen. In dem im Vestibül des Bahnhof» Fulda aufgesteUten Warenautomat wurden dieser Tage si den Derartige Nickelstücke ge­funden, und in dem Automat eines anderen Hotel- Restaurants in Der Nahe des Bahnhofs deren fünf. Ter Inhaber des letzteren Restaurants hat sich das Signalement des jungen Mannes gemerkt, den et für den Automalendieb hält. Hoffentlich wird et bald auf frischer Tat ertappt.

Der Abschnitt der Postpaket-Adresse als Urkunde. Nach einer Entscheidung des Reichsgerichts ist der Absendervetmerk auf Dem Abschnitt einer Postpaket­adresse als eine beweiserhebliche Urkunde anzusehen und seine Verfälschung als Urkundenfälschung im Sinne des Strafgesetzbuches zu belirafen.

a. Militärisches. Im „Zentralblatt für die gesamte Uuterrichlsverwaltung in Preußen" wird eine lieber» i sicht über Die Zahl Der bei Dem LanDheere und bei ! der Marine im Ersatzjahre 1911 eingestellten preußischen s Mannschaften mit Bezug auf ihre Schulbildung nach : Regierungsbezirken und Provinzen, in denen Die i Wehrpflichtigen ihren letzten Wohnsitz oder Aufenthalt i hatten, gesehen. Danach sind 1911 bei dem Land- ■ Heere 153362 (im Vorjahre 1910 151538) und bei Der Marine 12479 (11782), zusammen 165841 (163 320) Personen eingestellt worden. Die in Preußen ihren letzten Wohnsitz oder Aufenthalt hatten. Von den bei Dem Landheere eingestellten preußischen Mann­schaften stammten 7846 (im Vorjahre 7970) und von den bei Der Manne eingestellten 484 ;470) aus f Hessen-Nassau. Gegen Das Jahr 19!>9 wurden i in Hessen-Nassau für beiDe Truppengattungen 198 f Mannschaften mehr ausgehocen, roä jrenb Die Zahl der neu eingestellten Mannschaften in Pommern, Schlesien, Hannover, RhemlanD und Hoyenzollein abgenommen und in Westpreußen auch nur un­wesentlich sich erhöht hat. Die größte Zunahme

Nun hatte er die Karten gemischt und er be­gann die erste Reihe, welche für Schwarz galt, zu legen.

Alles blickte ihm auf die Hände, ein Stillschwei­gen herrschte, daß man eine Nadel hätte zur Erde fal­len hören.

Schwere Karten fielen in die erste Reihe, alle zählten laut mit: Achtunddreißig!

Eine sehr hohe Ziffer, die voraussichtlich Schwarz verlieren machen würde.

Nun kam die Reihe für Rot. Es fiele« nur Kar­ten mit wenigen Augen, die Reihe war voll bis auf die letzte Karte.

Schwarz hatte Achtunddreißig, Rot soweit einund- dreißig, nur eine Karte war mehr zu legen.

Die letzte!

Bixio biß unmutig an seinen Nägeln. „Mon- feugneur, Ihre Chancen stehen sehr schlecht, wenn die Katte, welche noch zu legen ist, nicht Coerdame ist mit Els, bann ist Ihr Satz verloren."

„Dann ist es Coerdame, sehen Sie selbst."

Meneville griff nach dem letzten Blatte, während des Legens fiel dasselbe ihm ans der Hand auf den Tisch, die Rückseite nach oben.

Herr von Torloni deckte die Karte auf. Ein allgemeiner Schrei des Erstaunens Coeurdame!

Schwarz hatte achtunddreißig, Rot zweiundvier­zig — die Bank hatte verloren und war gesprengt!

Der Prinz schien wie aus einem Schlafe zu er­wachen. Alles Drängte sich gratulierend um ihn.

„Ich habe es Ihnen vorausgesagt, meine Her­ren", sagte er, „Bixio, haben Sie die Güte, die Sum­me einzuziehen, denn die fünfzehn Minuten sind nahe­zu vorbei, und Herr von Meneville hat noch Ge­schäfte."

Der Baron saß da wie vom Blitz getroffen, er schien seiner Sinne beraubt zu sein. Seine Augen blickten sttcr, geistesabwesend, dann als Vicomte Bixio die Goldhaufen einzuziehen begann, welche Tor­loni zuschob, da suhr er mit den nervös zuckenden Händen übet die Stirne, als wollte er die Gedanken sammeln. Während Birio mit unglaublicher Ge­wandtheit die Schätze der Ban! an sich nahm und aus- türmte rate M sich zum £*' Torlonis und

weist Westfalen auf, nämlich 1945. Von den tm Ersatzjahre 1911 Neueingestellten waren insgesamt 24 (im Vorjahre 36) ohne Schulbildung, davon einer ans Heffen-Nassan.

* Dicnsterleichterung der Eisenbahner. Tie preu­ßische Eisenbahnverwaltuna hat zum Schutz gegen bte Tienstüberbürdung der Eisenbahner bestimmt, daß die Anttsvorstände und die Dienststelleuvorsteher sich nach Beendigung des Dienstes von dem kö/terlichen und geistigen Zustande des Personals zu überzeugen haben. Es wird ihnen zur Pflicht gemacht, mit den Untergebenen in dauernder persönlicher Fühlung zu bleiben. Sie haben darauf zu achten, daß solche Harrn des Dienstes, die zu vermeiden sind, nach I Möglichkeit abgestellt ober gemildert werden. Die . Dienststellenvorsteher sollen jede Diensteinteilung hin­sichtlich ihrer Eittwirkuna auf die Untergebenen prü- | fen. Es wird darauf hingewiesen, daß eine Dienst­erleichterung nicht in allen Fällen in einer Verkür­zung der Dienstschichten zu suchen ist, sondern es wird empfohlen, geeiguetensalls die Einrichtung des Dienstes anders zu gestalten.

* Fürsorge für entlassene (gefangene. Der Ver­ein zur Fürsorge für entlassene Gefangene im Re­gierungsbezirk Kassel hielt am Montag in Kassel die ordentliche Mitgliederversammlung ab. Beim Jah- resrüüblick gedachte der Referent des verstorbenen Kemmerzienrats Wegmann. Ihm verdankt der Ver­ein neben so mancher anderen Förderung, daß zahl­reiche Gefangene sofort nach chrer Entlassung Ar­beitsgelegenheit erhielten. 206 Personen nahmen im abgelaufenen Jahre die Fürsorge des Vereins in An­spruch. 15 meldeten sich sofort zur Arbeit. In 6 Fällen war es möglich, den Nachsuchenden solche zu verschaffen. Die iibrigen muhten, abgesehen von einigen Erdarbeitern, abschlägig c beschieden werden. In 11 Fällen konnten Unterstützungen nicht gewährt werden; in den übrigen wurden größere ober ge­ringere bezahlt. In ben Familien Der Häftlinge galt es allen möglichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen In ber Schreibstube für Stellenlose konnten 71 'Personen beschäftigt werben. In 30 Fällen wur­den ben Beschäftigten Stellen vermittelt. Die Zahl der Vereinsmitglieder fft von 456 auf 478 gestiegen. Die eingegangenen Beiträge reichen bei weitem nicht, um allen Anforderungen, die an ben Verein gestellt werben, gerecht werben zu können. Man sah sich deshalb genötigt, auch außerordentliche Vertrage zu erheben.

Aus dem Kachbargebiete.

△ Neuhof, 6. Febr. 1913. .Fuchs du hast die Gans gestohlen . . An diese Worte mußte man denken, als gestern der bekannte Polizeihund aus Schlüchtern den Dieb, welcher die dem Gastwirt Klug zu Neustadt gehörenden Gänse gestohlen hatte, ausfindig machen sollte. Der Hund nahm die Spur auf, lief stracks nach Ellers und zum zweiten Mal wieder in dasselbe Haus. Ob sich aber infolge­dessen noch etwas Weiteres feststellen lassen. wird, läßt sich jetzt noch nicht sagen. Jedenfalls ist das Stehlen bei ber Schlauheit dieser Hunde heutzutage eine reckt gefährliche Sache.

* Hünfeld, 7. Febr. 1913. In der letzten Zeit waren hier mehrfach Wurstdiebstähle vorgekom­men, ohne daß die Täter gefaßt werden konnten. Den Bemühunoen der Polizeiverwaltung ist es jetzt gelun­gen, die Täter zu ermitteln.

„!" Lütter, 7. Febr. 1913. Gestern abend fand im Saale Des Herrn Bierbrauereibesitzers Enders da­hier eine zweite Versammlung des Bauernvereins Sütter und Umgegend statt. Als neu gewählter Vor« sitzenDer fungierte seines Amtes Herr Karl Schütz. Auf ber Tagesordnung ftanD Bestellung von Kunst, dünger, Futtermittel, Kleefarnen usw. Es wurde be­schlossen, nunmehr von der Warenabteilung der ZentralDarlehnskasse »Hessenland- sämtliche Waren zu beziehen. Auch wurde Herr Kaufmann Joseph Schramm (Nachfolger des gemischten Warengeschäftes von Schipper zu Schmalnau), der gerade zugegen war, oon dem Vorsitzenden gebeten, in verschiedenen Sachen Offerte, einzuretchen. Ein zweiter sehr wichtiger Punkt der Tagesordnung war eine Besprechung Darüber, ob es nicht besser fei, den Bauernverein in einen Dar- lehnskasfenverein umzuwandeln. Es wurde Dafür und dagegen gesprochen und zuletzt beschlossen, tm Saufe des Frühjahrs ober SommcrS eine Ver­sammlung anzuberaumen, in welcher fremde Redner aufklären und gründen helfen sollen. Zuletzt kam es zu einer sehr inter flauten Aussprache über Kunst« Düngung im Frühjahr und über Die Art der Düngung '«mitt»

flüsterte diesem zu: „Wollen Sie mir eine Anleihe gewähren, Torloni? Nur Fünftausend fürs erste, das Glück kann sich drehen."

Der reiche Geldmann blickte kalt auf ben Frager. „Bedauere, mein Herr, Sie haben nicht die geringste Sicherheit zu bieten."

Wie ein Trunkener erhob sich ber Baron von sei­nem Sitze, ohne Wort unb Gruß taumelte er aus dem Saale.

„Das ist kein echter Edelmann!" sagte ber Her­zog von Tesia. „Er weiß nicht einmal mit Anstand eine Summe im Spiel zu verlieren."

„Was soll nun mit all bem Gcllde geschehen, Mon­seigneur?" fragte der BtcomLMDaS beste wäre, ein Maultier zu holen und dessen Rucken zu beloben, denn Ihr schwarzer Zauberkasten faßt nicht ben ganzen Mammon."

„Was mit dem Gelbe geschehen soll?" wiederholte lachend der Prinz. „Die Halste des Gewinnes gehört ja Ihnen, und Sie müssen selbst Mittel unb Wege er­sinnen, um Ihren Teil fortyxbringen."

Ter Vicomte trat zurüctz vqW Tische unb blickte erstaunt auf den Prinzen.

„Monseigneur belieben zu scherzen."

„Ganz unb gar nicht, mein Sieber; unser Vertrag lautete ans Teilung des Gewinnes."

„Sie haben aber selbst gespielt, Hoheit -- was soll ein armer Klopffechter, wie ich, ber gewohnt ist, nichts als seinen Degen zu besitzen, mit einer solch ungeheuren Summe anfangen?"

Dem jungen Edelmanne standen bie hellen Trä­nen in den Augen. „Hoheit, wenn es kein Scherz ist, wie soll ich es^Jhnen jemals danken?"

Der Prinz küßte ihn auf bie Stirne. „Sie sind ein guter Mensch, Bixio, vielleicht labe ich mich ein­mal zu Gaste auf Ihrem Land gute." Dann neigte er den Mund zu feinem Ohre, unb bie nächsten Worte würben von ben Umstehenden nicht verstan­den.

„Ich bedarf Ihrer vielleicht in einer späteren Zeit. Seien Sie mit ein treuer, ergebener Freund."

Ter Vicomte legte bie Hand aufs Herz. „Bis in dxn Tob, Monseigneur!"

Der Prir toanbte sich, um zu geben. Plötzsick

bei verschieden gearteten Bodenarten. Man konnte da wieder hören, welchen Vorteil die landwirtschaft­liche Winterschule in Fulda den Landwirten bietet; Denn zwei ehemalige Winterschüler, der Herr Vor­sitzende und Bauer Eduard Bolz konnten interessant« praktische Ratschläge erteilen. — Der hier eingerichtete Meisterknrsus für Handwerkergesellen geht mm bald zu Ende. 22 junge Seute nahmen daran teil.

* Gersfeld, 7. Febr. 1913. Das Wetter ist fast frühlingsmäßig. Von den Bergen leuchten je­doch noch Schneereste ins Land. i

* W-itershain, 7. Febr. 1913. Wegen Spen- dens von Freibier kassierte der Kreisausschuß des Kreises Gießen die am 20. November v. Js. erfolgte Wahl des W. Reichert zum Bürgermeister der Gemeinde Weitershain. Bei der Neuwahl am Mittwoch erhielt Reichert 69 Stimmen und sein Gegner Sann 55 Stimmen. Am 20. November war das Stimmenverhältnis 71:60. i

* Offenbach, 7. Februar 1913. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde der Antrag der Schweinemetzger, die Stadt solle bie Einfuhr von geschlachtetem Vieh und von Fleisch gänzlich einstellen,; wogegen diese sich verpflichten, die jetzigen Preise für; Fleisch und Wurst zu belassen und fie nicht zu er» höhen, solange die Schweinenotierungen des Frank­furter Marktes den Preis von 1,78 Mark pro Kilo­gramm Schlachtgewicht nicht übersteigen, einstimmig abgelehnt. Der ganze Verkauf von städtischem Fleisch, insgesamt 3240 Zentner, hat der Stadt bisher nur 2087 Mark Zuschuß gekostet, der fast ausschließlich auf den Mißerfolg mit dem nut einmal bezogenen russischen Fleisch entfällt. Für Beschäftigung von Arbeitslosen wurden weitere 5000 Mark bewilligt. — lieber die Gaslieferung der Stadt Offenbach an die Stadt Neu-Jsenbnrg wurde ein Vertrag zwischen beiden Städten zunächst auf die Dauer von 20 Jahren abgeschlossen und in nichtöffentlicher Sitzung der Stadtverordneten genehmigt. Die Ver­sorgung erfolgt vom 1. Juli 1913 ab. Die Kosten des von Offenbach nach Neu-Isenburg zu legenden Rohrstanges werden 100000 Mk. nicht überschreiten.

• Melsungen, 7. Febr. 1913. Gestern abend geriet in einer Tuchfabrik em lebiger Arbeiter in ein sogen. Dampfloch in die Nähe des Dampfkessels und erlitt dadurch schwere Verbrennungen, namentlich an den unteren Körperteilen.

* Kassel, 7. Febr. 1913. Nach längerem Seiden starb gestern im Älter von 70 Jahren der Stadt- älteste, Medizinalrat Loo ff. Der Verewigte war eine in weitesten Kressen unserer Stadt und Hessens bekannte und hochgeachtete Persönlichkeit. Urfprüng- lich war er Apotheker, später wurde er Assessor für Pharmazie beim Königl. Medizinal-Kollegium. Von 1892-1898 gehörte er dem Stadtrate und dann bis 1905 dem Magistrate an. — Einer Bauersfrau au8 Dem benachbarten Obertaufungen wurde gestern auf dem hiesigen Fleischmarkle ihr Portemonnaie mit über 25 Mark ans der Tasche gestohlen. Von dem Taschendiebe hat man nicht die geringste Spur. — Beim Fensterputzen fiel das 20jährige Dienstmädchen Schömberg aus Hohenkirchen infolge einesSchwindel« anfalles aus der Höhe von anderthalb Stockwerk in Den Vorgarten hinab, wo es bewußtlos und blutüber­strömt liegen blieb. ES hatte einen Bruch des Ober« Ichenkels und des andern Unterschenkels, sowie innere Verletzungen davongetragen.

* Hann. Münden, 7. Febr. 1913. Die Fulda« schisfahrt, die über zwei Monate geschlossen war, wird nunmehr wieder aufgenommen werden. Die Stückgüter haben sich in letzter Zeit so sehr ange< häuft, daß allein in Kassel in nächster Woche etwa 8 bis 9 Frachtschiffe löschen Dürften.

* Abterode, 7. Febr. 1913. In ihrer letzten Tagung bestimmte die hiesige Gemeindevertretung, daß für das Etatsjahr 1913 an Gemeindeumlagen HO Prozent zur Erhebung kommen sollen.

* Göttingen, 7. Febr. 1913. Einige Gasrohre, die unter einem Bahnwärterhause liegen, brachen entzwei, und so drang das Gas in das geheizte Haus, wo es unter lautem Knall explodierte. Das Wellblechhaus brannte vollständig aus.

* Gieße«, 7. Febr. 1913. Im hiesigen Banhhof wurde Der 60 Jahre alte Maschinenputzer Jckler von hier überfahren und getötet. — In Ried er« mörten traf ein Knabe einen anderen mit einem Stein so unglücklich am Auge, daß es auslief. Der Bedauernswerte wurde in die hiesige Augenklinik gebracht.

* Mainz, 7. Febr. 1913. Den Schluß der Fast- nachtsveranstaltungen bildete hier um 12 Uhr nachts das sog. Begräbnis des Karnevals. Einem langen Zuge schritten vier Männer voran, in lange weiße IMIIIIIIIIBWII Wil IMI11III111 Illi............

schien ihm aber ein Gedanke zu kommen, und er wandte sich um. , . '

„Herr, von Torloni, wollen Sie mir eine Ge­fälligkeit erweisen?" fragte er den reichen Bankier, Tex Angeredete verbeugte sich. „Ich stehe zu Ihren Diensten, Hoheit, jeder Wunsch ist mir Be. fehl." . _ . ;

„Nehmen Sie den anderen Teil des Gewnmes und lassen Sie die Summe verteilen unter die Armen der Siadt — ich will dieses Geld nicht!"

5.

In den Ruinen.

Es war abends um die siebente Stunde, V" Strahlen ber untergehenden Märzsonne erbleichten und machten das Firmament erscheinen im Meer von tiefem, dunklem Rot. Feierliche Stille herrschte rings umher in den Ruinen, welche als Zeugen einer längst entschwundenen Größe und Pracht sich um di« ewige Stadt lagern.

Auf den Trümmern eines der früheren Tempel des Heidentums saß ein Mann, das Gesicht in die Hände gestützt. 'Neben ihm ging unter zerbröckeltem Gemäuer ein Pferd und suchte die spärlichen Gräsers welche zwischen den Steinen sproßten. Manchmal blickte das edle Tier auf den einfam Sitzenden und Wieherte leise, als wollte es erinnern, daß der Tag zu Ende sich neige und es an der Zett sei, zurückzu- kchren in den warmen Stall 'M der gefüllten Krippe.

Der Mann achtete des Tieres nicht und schaute starr vor sich in die Lust. Wenige Schritte hart an dem Gemäuer entlang lief die Landstraße, auf ber manchmal heimkehrende Leute vom Lande Passretten und im Vorübergehen den einsamen Mann verwun- dett anschauten und bann, beim Gewahren seiner rei­chen Kleidung, Wohl auch ehrfürchtig bte .Kopfbe­deckung zum Gruße zogen. Gegenüber der Straße schlängelte der Tiber seine gelben Wogen entlang wie vor tausend Jahren, unb einzelne ^-t)cher<.alme schau­kelten auf ben Wellen dahin, der ewigen Roma zu. Durch die stille Luft ertönte von bet Stadt bas Ge- läutc der Glocken, von ber Kampagna her stiegen aus ben Sümpfen weißliche Nebelschleier auf unb kündigten das Nahen ber Nacht.

(Fortsetzung fcll