Zuldaer Zeitung
Reklame«' und AuzekgenteN,
bekam ich sie nicht. Wahrscheinlich gehen die Akten denselben Instanzenweg wieder zurück und beschäfti. gen von neuem eine Menge Geheimrate pp., dre dem Staate teures Geld kosten. Anstatt mir direkt unter Benutzung meines Rückportos kurzerhand Bescheid zu geben, kostet die Antwort des Auswärtigen Amtes dem Staate wohl so gegen 20 Mark. Außerdem ist der Bescheid geradezu rätselhaft. Man denkt doch allgemein, die Behörden sind fürs Publikum da und sind verpflichtet, den Verkehr zu erleichtern, aber Derrn man derartige Erfahrungen macht, lernt man wenigstens begreifen, warum der Staat immer mehr Geld und immer mehr Beamte braucht."
Aus -em Nachbargebleie.
♦ Hana«, 7. Febr. 1913. ES besteht begründete Aussicht dafür, daß auf Betreiben der Hanauer Han« delskammer in nächster Zeit im Anschluß an die Königl. Zeichenakademie eine Fachschule für Diamantschleiferei eingerichtet werden wird.— Zwei angebliche Monteure mieteten sich bei einer Zimmervermieterin ein und stahlen, als sie allein im Zimmer warm, Gold- und Sildersachen, sowie Kleidungsstücke.
cb. Frankfurt, 7. Febr. 1913. Die Kronen» berger'sche Dampfschreinerei im Stadtteil Bocken- heim ist in der vergangenen Nacht durch einen mächtigen Brand zerstört worden. Der Schaden ist ganz erheblich, da sämtliche Holzbearbeitungsmaschinen und große Holzvorräte vernichtet sind. — In derselben Nacht drangen Einbrecher durch einen Keller« schacht in eine Villa der Forsthausstraße und eigneten sich für etwa 10000 bis 12000 Mark Silbergeräte, darunter Tafelaufsätze, Leuchter, Kaffee« und Tee« servrce, Tabletts, Silberschalen usw. an. — Nach polizeilichen Feststellungen habm zwischen Weihnachten und Neujahr nicht weniger wie 60 Brände in Frankfurt stattgesunden. Die Mehrzahl ist darauf zurückzuführen, daß Christbäume, deren Lichter brannten, Feuer fingen. — Das Rothfchild'sche alte Bankhaus ist von der Frau Baronin Edmond de Rothschild in Paris der Frankfurter Jsraelitischm Gesellschaft geschenkt wordm, die dort ihre Gemeinde« verwaltungsdüroS unterbringen will.
* Limburg, 7. Febr. 1913. Ein neues Bahn« Projekt, daS eine Verbindung zwischen drei schon bestehenden Bahnlinien vorsieht, ist von interessierten Kreisen angeregt worden. Der Ausgangspunkr der neuen Strecke ist in Zollhaus gedacht; die Bahn soll von dort über Kirberg nach Niederbrechen führen und schließlich wefter bis Laubuseschbach an der Strecke Usingen—Weilburg fortgeführt werden.
gleichgültige Einleitung Kl -einem Gespräch. AlS Antwort genügt ost ein bloßes „danke". Manchmal ist aber die Frage nach dem Ergehen von einer warmen Teilnahme oder gar einer ernstlichen Sorge diktiert. Und durch die eindringliche Frage kann der Angeredete leicht in eine gewiße Verlegenheit gesetzt werden. Wenn er bekennen soll, wie es ihm und den (©einigen gehe, so fühlt er, daß eigentlich manches nicht so ist, wie es sein sollte. Er denkt an diefeS und jenes Unglück, das ihn heimgesucht, und er weih nicht recht, wieweit er das dem anderen offenbaren soll. Von dem unverschuldeten Unglück konnte er allenfalls wohl reden; aber in vielen Fällen steckt hinter der Heimsuchung ein Mißgriff, ein Leichtsinn, eine törichte oder gar schlechte Handlung. Ein Verschulden will man nicht gern eingestehen; also wird entweder geschwiegen oder die Sache bemäntelt.
So kann die hergebrachte Formel „wie geht's" zu einer peinlichen Frage werden. Ab'chaffen kann man sie nicht, totfü aber Vorsicht im Gebrauch empfehlen. Wenn sich vermuten läßt, daß es dem An- gcrebeien nicht gerade besonders geht, fo kann man ihm ja über die unbequeme Antwort hinweghelfen mit einer vorgreifenden Wendung, z. B.: „Freut mich, Sie wohl zu.sehen". Sollte auch das Wörtchen „wohl" dem Augenschein widersprechen, so kann man ja einfach die Freude über das Wiedersehen ausdrücken und dann an die letzte Begegnung anknüpfen oder aus ein Tagesereignis überspringen. Nur nicht den lieben Nächsten ausforschen wollen, wenn ihm die Aufdeckung seiner Verhältnisse angenehm ist! „Sie herzliche Teilnahme eines Verwandten oder näher- stchenden Freundes kann wie lindernder Balsam wirken, aber die kalte Neugier wirkt auf einen Bedrückten wie eine Tortur.
Anders liegt die Sache, wenn man vermuten darf, daß der Angeredete nur Gutes und Schönes von sich und seinem Hause zu melden hat. O, da tut man in der Regel ihm einen großen Gefallen, wenn man recht gründlich nachfragt und ihm Gelegenheit gibt, von Erfolgen und Glücksfällen zu erzählen. Warum soll man nicht durch solche Teilnahme die Freude sei-
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Samstag 8. Sebniar l-IS.
3. Blatt
Dreck der KUdaer Letirvdnttlerei f* Salb«.
merken lassen. Beneide sie nicht blindlings; bemt vielleicht haben sie noch Grund genug, dich zu beneiden.
Und wenn du auf dein Schicksal schelten willst, so setze erst mal dein Gewißen auf den Richterstuhl und dich selbst auf die Anklagebank. Bist du ganz unschuldig an den Hebeln, die dich Heimsuchen? Kannst du angesichts der Krankheit sagen, daß du immer solide _unb mäßig gelebt, niemals an deiner Gesundheit gefrevelt hast? Und angesichts der geschäftlichen Sorgen: daß du immer fleißig, umsichtig, vorsichtig und geschickt gewesen bist? Und wenn im häuslichen Leven nicht alles so geh«, wie es sollte, — sind da wirklich die anderen schuld oder hast du nicht auch deine Pflichten als Familienglied vernachlässigt? Am Ende geht es dir immer noch nicht so schlecht, wie du es verdient hättest! Also statt zu klagen und zu schelten, taff dich lieber auf, um das Versäumte nachzuholen imd das Verftcklte ctmurenlcn.
So kann auch die simple Frage: „Wie geht's" den Anstoß zu einer Gewissenserforschung, zur Buße und zur Besserung geben. Man muß allerdings die Sacke etwas ernster nehmen, wie es die ermüdeten Fastnachtsgecken am Aschermittwoch zu tun Pflegen. Im Katzenjammer mit der Aussicht auf künftige Tollheiten bei erfrffchten Kräften und nachgefülltem Geldbeutel sich zu erfrischen, das ftihrt nicht heraus aus dem Irrgarten. So taumelt man von einer schillernden Giftblüte zur andern. Der rechte Weg ist: vom Vergnügen zur Arbeit die doch die einzige Quelle der echten Freude ist. Wer den sauren Wochen wieder Geschmack abgewinnt, der wird auch an den künftigen frohen Festen die gedeihliche Mäßigung und Selbstbeherrschung üben. Dann kann er an den Tagen, die auf das Vergnügen folgen, auf bie -trage „Wie geht's?" offen und 'ehrlich sagen: Es lst nur gut bekommen!
— Ein Gewinn. Han8: »Hast du jemals in bet Lotterie gewonnen?" — Wickel: „Jawohl! Ich spielte bereits fünfmal und habe die Ueberzeugung gewonnen, daß rch — ein Dummkopf war."
nes Mitmenschen noch etwas vermehren helfen? Daß geteilter Schmerz zum halben Schmerz werde, trifft längst nicht immer zu. Eher noch bewahrheitet sich die andere Hälfte des Spruches: Geteilte Freude ist doppelte Freude!
Das Glück macht redselig. So wirkt manchmal die einfache Frage „Wie geht's?" als ein Nadelstich in einem Luftschlauch. Unvermuteterweise bekommt man einen langen, lebhaften Bericht, als ob die Schicksale des Angeredeten der Kern der Weltgeschichte wären. Tas ist zu viel des Guten. Es gilt tmmer noch die alte Höflichkeitsregel: In der Unterhaltung möglichst wenig von sich selbst zu sprechen. Nur so weit, als die Zuhörer es wirklich fordern. Wer Takt besitzt, antwortet auf die Frage nach seinem Ergehen zunächst nur ganz kurz mit ern Paar einfachen Worten. Will der andere Teil mehr wisien. so kann er ja noch eine genauere Frage stellen, und dann geht man auf die Einzelheiten ein, soweit der Fragesteller in guter Absicht sich erkundigt. — Noch größere Zurückhaltung ist geboten, wenn man Unangenehmes zu berichten und Klagelieder zu fingen hat. Die Decke des Elends sollte man nur lüften vor berufenen Augen — vor nahestehenden Personen oder vor solchen, von denen Rat und Hilfe ausgehen kann. Sonst ist die beste Taktik des Unglückch über die Frage, wie es geht, mit möglichst leeren Wendungen hinwegzuhüpfen.
So ein Ausweichen ist nicht angenehm. Ein Stacke! bleibt zurück, manchmal ein empfindlicher. Da kann einer unzufrieden und neidisch werden, indem er denkt: „Die anderen hier in der fröhlichen Gesellschaft haben nicht solche Sorgen und Nöte zu verbergen wie ich." Ach, weißt du denn so genau, was hinter den lächelnden Mienen und dem leichten Geplauder steckt? Wieviel Verstellung bei der Lustigkeit ist? Wieviel Mummenschanz auch außerhalb der Fastnachtszeit getrieben wird? Die da versichern, oaß es ihnen ausgezeichnet gehe, haben oft mancherlei Weh in den Gliedern, viel Verdruß im Herzen, eine Masse von Sorgen im Kopf, Aerger im Geschäft und Aerger im Hanfe. Sie wollen es sich aber nicht
Unpolitische Zeitlaufe.
N. Berlin, 6. Februar 1913.
(Nachdruck nickt gestattet.)
„Wie gcht'S Ihnen?" — „Danke, sehr gut!" Solche kleinen Notlügen sollen in diesen Tagen öfter Vorkommen. Wer wird denn gern eingestehen, M er Dummheiten begangen hat "und die Folgen Keser Dummheiten im Kopf, im Magen, im Geld- beutel und im Gewissen spürt? Der Katzenjammer werd nach Möglichkeit verheimlicht. Man schämt sich seiner Schwäche. Es gibt sogar geriebene Heuchler, bu in begeisterten Worten all' die Vergnügungen schildern, die sie genossen, und alle die Späße wieder- lauen, die sie mitgemacht haben wollen — während iu ihrem inneren Menschen der verkniffene Welt- jchmerz bohrt.
. Ist das Reue, die zur Besserung führt, iber nur ksn unfruchtbarer Aerger? Ich glaube nicht recht an die Heilkraft der Katerstimmung. Der Schuldige Pflegt krampfhaft nach allerhand Enffchuldigungen zu suchen, um seine Ausschreitungen als verzeihliche Ge- legenheitsfchwäch-! oder sich selbst als bedauerliches M’fer von bösen Verführungen erscheinen zu lassen. Und wenn das erste Unbehagen überwunden ist, so faßt er einen Vorsatz; aber nicht etwa den Vorsatz, ■ künftig zu Hause zu bleiben, sondern vielmehr, das nächste Mal die Vergnügungsjagd mit mehr Geschick zu betreiben. So wird die zweite Auflage der Torheiten bor bereit et, und wirklich wird es eine v e r- . wehrte Auflage, aber schwerlich eine verbesserte.
Wird man durch Erfahrung klug? Meistens nicht; denn sonst müßten ja alle Leute, die über die grünen Jugendjahre hinweg sind, Prachtexemplare von Vernunft und Selbstbeherrschung sein. Weil sie nicht sind, klagt das Sprichwort: Alter schützt vor Torheit nicht. Die meisten Menschen werden erst nach ihrem Tode klug.
„Wie geht's?" Das ist fo eine alltägliche Frage, bei der man sich nichts oder nur sehr wenig zu denken pflegt. Man betrachtet und behandelt sie als dir
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wochen-Rundschau.
[:] Fulda, 7. Februar 1913.
Königsberg hat am Mittwoch die Reihe ^Jahrhundertfeiern begonnen, die der aSnnerunq an die B e f r e i u n g s t a t e n vor 100 Kren gewidmet sind. Nach der Konvention von Äroagen, die Genera! Yorck am 30 Dezember 1812 hem russischen General v. Drebitsch abgeschlos- t-fte organisierte er in Ostpreußen zusammen fe" Xm Präsidenten Auerswahl und Schon die
l k s e r h e b u n g. Mit dem ostpreutzischen Land- .„„ Inn am 5. Februar in Königsberg zusammen- trat stellte sich die Provinz auf Yorks Mite, etc htrpfleate das Yorkscke Korps und stellte binnen we- Wen Wochen 33 000 Mann Landwehrtruppen An h,n Qu(cmmentritt des Landtags knüpft die Jahr- hmbfrtfcrir an. Der Feier in Königsberg wohnte Kber Kaiser bei. Er hat bei der Gelegenheit " Rede gehalten, die wiederum Zeugnis gibt bon hem hohen idealen und religiösen @mne_ des Mo- «nreben. Mit dem Hinweis auf die mcktaryche Er- hebunq und die kriegerischen Erfolge bon 1813 hat r6 per Kaiser nicht begnügt. Er ist zuruckgegancien !>uf die tiefsten Wurzeln der Kraft und der Erfolge, Md mit ebensoviel Weisheit wie Freimut bekennt der Ober Herr des mächtigsten Heeres der Welt, daß nicht kriegerische Lorbeeren oder Wohlstand und An- Sn am letzten Ende das Sch-chal. emes Volkes sickere sondern allein die sittliche Kraft, deren -a-ut« »ein üt ber Gottesfurcht, der Pflichttreue und der Liebe zu König und Vaterland beruhen
Das innerpolitische Leben des deutichen Reiche» war in der letzten Woche stark bewegt. Bestanden schon seit geraumer Zeit nicht gering emzuschatzende Gegensätze zwischen der Reichsregierung und ver- fötebenen Parteien des Reichstags, so hat da» Mißtrau e n s v o t u m, das die Mehrheit des Reichstags dem Reichskanzler wegen der die Interessen Deutschlands schädigenden preußischen Po len Politik ausgesprochen hat, die Beziehungen des letten- den Staatsmannes zum deutschen Parlament sicher' üch nicht verbessert. In der Presse herrschte über die Bedeutung den Zweck und die Tragweite dieses Mitz- ttauensbotums etne sehr geteilte Meinung; glaubten bie einen ein mit Mißtrauensvotum beladener Kanzler könne sich nicht lange halten, behaupten andere dagegen, das von der Mehrheit des Reichstags ausgesprochene Tadelsvotum sei nicht nur belanglos, sondern ' staatsrechtlich auch unzulässig. Das Richtige dürfte die zwischen diesen beiden Anschauungen sich bewegende Ansicht treffen, daß durch das Mißtrauens- ootum des Reichstags der verderblichen Polenpolitik endlich Einhalt geboten werden dürfte und daß die «Regierung hat einsehen müssen, daß der gegen die Polen regierungseitig ausgeübte Terrorismus in keiner Weise die Billigung des deutschen Volkes, sondern nur einiger interessierter Scharfmacher findet. Den hefttgsten Anfeindungen war das Zentrum wegen feine- Haltung bei der Verurteilung der Polenpolitik ausgesetzt. Es stand natürlich nicht an, der Reichsregierung in der von den Polen in Vorschlag gebrachten Form seine Mißbilligung der ungerechten Polenpokitik zum Ausduck zu bringen; dafür wird es jetzt von den Patentpatrioten vaterlandslos und Verräter am Deutschtum geschimpft; auch wirst man ihm vor, es habe am Reichskanzler sein Mütchen kühlen wollen. Man ist bei der Hand, ihm für seine zukünftige Haltung die schlimmsten Absichten zu unterschieben; schon taucht das Gerücht auf, das Zentrum arbeite auf eine Reichstagsauflösung und für den Fall auch schon auf ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie hin. An all dies Gefasel muß der Maßstab der FasMachtssttmmung gelegt werden; man täte all den haltlosen Redereien zu viel Ehre an, wollte man sie ernsthaft widerlegen. Die zwischen den einzelnen Parteien vorherrschende kriegerische Stimmung har sich auch den Parlamenten als solchen mit» geteilt. Das vom Reichstag ausgesprochene Tadelsvotum wegen der Handhabung eines preußischen Gesetzes hat zwischen den Häusern des Reiches und Preußens einen Kompetenzstreit heraufbeschworen. Im preußischen Abgeordnetenhause war es vor allem die frettonservative Fraktton, die sich jede Einmischung anderer in preußische Angelegenheiten verbat, dabei aber das Malheur hatte, umgekehrt dieselbe Sünde zu begehen. Ihr Redner, Herr v. K a r d o r s f zog nicht nur reichsdeutsche Angelegenheiten, sondern auch die anderer Bundesstaaten vor das Forum des preußischen Landtags und holte sich damit hier wie dort Nasenstüber. Wenn sich die Herren Abgeordneten des Reichstags sowohl wie des Landtags daran gewöhnen würden, über weniger Dinge und weniger ost und viel zu sprechen, würde die Parlamentsma- schlne nicht nur heffer funktionieren, es käme dabei
düng bedingt. Die diesmalige Debatte im Oberhause bot keine neuen Gesichtspunkte.
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Deutscher Reich.
t= Der Feldzug des Evangelischen Bundes. Die letzte Nummer des Monatsblattes des „Evangelischen Bundes" gibt in einem Artikel der Befriedigung darüber Ausdruck, daß der Bund in der Abwehr der „lchwarzen Gefahr des Jesnitismus" tapfer seinen Mann gestanden und daß seine Arbeit nicht vergeblich gewesen sei. Es wird dann im einzelnen geschildert, wie der Bund „hinein in die Breiten und Tiefen unseres Volkes gewirkt und mit dem Scheinwerfer der Aufklärung durch den Nebel protestantischer Gleichgültigkeit (also doch!) und ultramontaner Irreführung hindurchgeleuchtet" habe. Wer bei dieser verhetzenden Riesenarbeit noch behaupten kann, daß die Gegenbewegung von protestantischer Sette ein Ausfluß wirklichen „protestantischen Empfindens" sei, der verdient nicht mehr ernst genommen zu werden. Mit welckem Hatz und Nachdruck an der Verhetzung der Gemüter gearbeitet wird, zeigt z. B. folgende Stelle über die Verwertung der Presse:
»Auch die Presse, diese Großmacht des modernen öffentlichen LedenS. ist in den Dienst der Jesuitenabwehr gestellt worden. Gegenüber allen Versuchen der ultra« montanen Blätter, zur Ehrenrettung der Jesuiten die Geschichte zu fälschen und daS grelle Licht der Tatsachen abzublenden, die öffentliche Meinung über den Orden der Gegenreformation zu trüben und zu verwirren, mit dem unaufhörlichen Pendelschlag mißbrauchter Schlagworte die protestantische Wachsamkeit (oben las man's anders!) einzuschüchtern, hat der Ev. B. fast in der gesamten nichtultramontanen Presse, in großen und kleineren Zeitungen, in Wochenschriften und Gemeindeblättern, durch Flugschriften, Flugblättern und Veröffentlichungen mannigfachster Art Aufklärung verbreitet, den Jesuiten ihren angemaßten (!) Heiligenschein gelüftet, Fälichungen und Entstellungen berichtigt, hat die blutige Vergangenheit und die unheilvollen Ziele der Jesuiten auch in der Gegenwart bloßgelegt und das deutsche Volk sehend gemacht."
Man sicht, „der unaufhörliche Schlag mißbrauchter Schlagworte" kann „protestantische Gleichgültig- kett" nicht nur einschläfern, er kann sie auch „sehend machen"! Aber wie das Volk und die Presse, so wurden auch die Regierungen ausgiebig bearbeitet: „nicht vergeblich!" Endlich aber „ist auf der Generalversammlung in Saarbrücken ein Fel d- zugsplan gegen die Jesuiten vorgelegt und einmütig beschlossen worden". Sollte der aber den Einbruch der Jesuiten gleichwohl nicht hindern können,
„bann wird und muß dies der Erfolg beS Eoangel. Bundes sein: daß die Jesuiten einen Protestantismus finden, der ihnen wach, tapfer und einig in evangelischer Rüstung und mit deutschem Geistesschwert begegnet und die schwarzen Gespinste zerhaut, die von Rom her um die deutsche Seele, um das Luthergewiffen geratben werden. (Wenn nur der Ev. Bd. dabei die deutsche Seele, das Luthergewiffen nicht m 11 „zerhaut"!) Mögen die Jesuiten kommen oder nicht — eine Aufgabe bleibt dem Ev. B.: den Jesuitismus zu überwinden, wo er sich zeigt, drinnen oder drautzen, daß unser Volk immer evangelischer, deutscher, frömmer und romfreier werde!"
So steht es da, wenn es auch Hingt wie blutiger Hohn, wie Selbstverspottung angesichts der bekannten Vorgänge in der protestantischen Kirche und der Stellungnahme oder besser der schlafähnlichen Taktlosigkeit" des Evang. Bundes hierbei!
mo. lieber die Sparsamkeit unserer Reichsbck-- hörden ist schon manches geschrieben worden, was diese schöne Tugend im gegenteiligen Lichte erscheinen ließ. Uns wird jetzt ein Fall berichtet, den man geradezu als skandalös bezeichnen muß. Der Einsender schreibt: „Im Interesse eines alten Mannes wandte ich mich in einer Erbschaftsangelegenheit an das Auswärtige Amt in Berlin, bat um eine kurze Auskunft und legte 10 Pfg. Rückporto bei. Vier Wochen später erhiett ich eine Vorladung des Amtsgerichts G. zrm Gerichtstag in N., woselbst ich wohne, zwecks „Eröffnung". Nachdem ich etwa eine Stunde im Ratskeller, in dessen Nebenzimmer ber Gerichtstag statt findet, gewartet und natürlich Ausgaben hatte, wurde mir „eröffnet", das Auswärtige Amt lasse mir mitteilen, der alte Mann solle selber schreiben!! Aus meinem Briefe war ein ganzes Aktenstück geworden. Wie ich erfuhr, war diese „Eröffnung" vom $lu5tr artigen Amt in Berlin nach dem Ministerium des Aeußern in Dresden gegangen, von da an5 Ministerium der Justiz in Dresden, von da an das Amtsgericht in G., und von hier zum Gerichtstag in N. Natürlich wurde ein Protokoll ausgenommen, und ich mußte unterschreiben, daß ich von der „Eröffnung" Kenntnis genommen habe. Meine Zchnpfen- nig-Marke siebte ftoch am Briefe, aber ausgehändigt
F6r Erholungsbedürftige und leichtere
Np rVPH-Kranke. besucht.
11 vl V vll Kuranstalt Hofhelm 1. Taunus »/, Stunde von Frankfurt a. M. Prospekte durch vr. SchUlze-Kaloyss Nervenarzt
auck viel mehr heraus. Das gilt besonders für den Reichstag. Der hat sich festgefahren und kommt nicht mehr vom Fleck; Seit vielen, vielen Tagen spricht man dort über den Etat des Reichsamts des Innern und hat die für die Serarung desselben fest- gesetzte Frist schon nahezu um zwei Wochen überschrtt- ten. Was das an Zeit- und Geldvergeudung be- deutet, braucht nicht ausgerechnet zu werden; ermähnt aber muß werden, daß es gerade die Sozial« bcnichatcn sind, die von der Rederttis befallen sind und dadurch einen glatten Gang der Reichstagsge- schäfte unmöglich machen und dem Volke, das feden Sitzungstag bezahlen muß, das Geld aus der Tasche stehlen. Tie Roten können es nicht lernen, daß im Parlament keine Volksversammlungsreden gehalten werden sollen. Im preußischen Abgeordneten. Hanse wurde ebenfalls der Etat des Innern be- raten wo wie alljährlich die üblichen Klagen über die Landräte und das Polizeiwesen laut wurden. Auch das Herrenhaus hatte sich für einige Tage wieder zusammengefunden; es erledigte zum großen Teil die ihm überwiesenen bezw. vom Abgeordnetenhause vorberatenen Materien, vor allem da» Masieraesetz. während der Entwurf über ländliche Fortbildungsschulen noch nicht zu Ende beraten toUrin Oesterreich haben die Katholiken einen schmerzlichen Verlust erlitten: Kardinal Fürstbischof Dr N a g l von Wien ist in der Nacht von Montag auf Dienstag verstorben.
Auf dem Balkan hat der Kampf von neuem Begonnen. Bis zum letzten Augenblick hoffte man noch, daß es nach den letzten Erklärringen der Pforte, die den Wünschen der Verbündeten nachkommen woll. te bis auf die Abtretung eines kleinen Stadtteils von Adrianopel, dem einhelligen Bemühen der Groß- möchte gelingen könnte, erneutes Blutvergießen zu vermeiden, lieber den Ernst der europäischen Frte- densbestrebungen konnten die Türken und die Bal- tanftaaten nach den beiden Teilen zugegangenen wohlgemeinten Ratschlägen nicht im Zweifel sem. Und'trotzdem haben sie sich entschlössest, den Kampf wieder aufzunehmen. Es darf aber Wohl fetzt schon feststehen, daß die Mächte auch für den zweiten voraussichtlich nur kurzen Teil des Balkankrieges neutrale Zurückhaltung beobachten und jede Sonderunternehmung vermeiden werden, wodurch die Beschränkung des Kampfes auf seinen Herd erschwert werden konnte. Man darf Wohl bestimmt damit rechnen, daß der zweite Teil des Balkankrieges kürzer, bedeutend kürzer sein wird, als der erste. Die tür« kische Armee ist vollständig erschüttert. Auch die Angrifsskraft der Armeen des Balkanbundes ist, nicht mehr die gleiche, wie im ersten Teile des Krieges. Eine Elite ihrer Truppen bedeckt entweder die Schlachtfelder, oder ist kampfunfähig gemacht und die Verbliebenen haben durch ein wochenlanges hartes Winterlager an Stoßkraft eingebützt. Aber man darf andererseits nicht vergessen, daß man in Adrianopel und an der Tschataldschalinic den Waffenstillstand dazu benutzt hat, sich noch fester einzugraben, und Positionen wir Adrianopel und die Tschataldscha- Tinte lasten sich nickt im Handumdrehen nehmen. Es ist freilich sicher mit dern Fall von Adrianopel zu redjuen. Es kann sich nur noch darum handeln, wann der Fall eintreten wird. Die Presse berichtet bereits, daß der Kommandant vor Adrianopel, Schükri Pascha die Absicht" habe, Adrianopel vor der Uebcrgabe in die Luft zu sprengen. Nach allem, was man von diesem eisernen Offizier bisher horte, wäre ihm eine solche Tat schon zuzutrauen. Die Stimmung in den Balkanstaaten soll zuversichtlich fein.
Die Ankunft des Prinzen Hohenlohe in Petersburg und seine dortige Mission wird in Rußland und auch anderwärts als ein Ereignis von der allergrößten politischen Tragweite hingestellt. Prinz Hohenlohe überbrachte dem russischen Zaren ein Anschreiben Kaiser Franz Josephs, das die guten Beziehungen Oesterreichs zu Rußland hervorhebt. Besonnene Kreise erblicken in dem kaiserlichen Handschreiben einen Sieg der österreichischen Friedenspartei und erhoffen von ihr eine Beruhigung Rußlands für die nächste Zukunft. Man erwartet auch, daß von der zwischen Wien und Petersburg sich vorbereitenden Verständigung für die Londoner Botschas- ter-Rennion neue Anregungen ausgehen werden. Der desinittven Regelung der Besitzverhältniffe auf der Balkanhalbinsel darf man jetzt mit größerer Zuversicht und ohne Besorgnis europäischer Verwicklungen entgegensehen.
In England hat das Oberhaus die Homerule- Vorlag, abgelehnt. Das Spiel ist damit noch nicht zu Ende, vielmehr forsch es in seiner Wiederholung in der nächsten Session in weit höherem Maße von dem Ernste des Kampfes und des Widerstandes erfüllt sein, den die bevorstehende endgültige Entschei-
^B-i Appetitlosigkeit
Dr. Hommel’S Haematogen
===== 20 jähriger Erfolg! --------------
Warnung! Man verlange an?drück» & Itch den Namen Dr. Hommel. Jj