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*> Fuldaer Leitung. **

2. Blatt.

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Lokaler.

Fulda, 7. Februar 1913.

Der Graf von Tarent.

86] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Wiederum gewann Rvt, mit zynischem Lächeln nahm Meneville die Rollen in Empfang. „Habe ich nicht gesagt, ich habe Glück in der Liebe und ith Spiele?" sagte er triumphierend.

„Hoheit, wie wäre es, soll ich nicht auf Diät setzen statt Schwarz?" fragte der Vieomte.

„Stein, Schwarz ist die Farbe des Todes, und der Tod ist mein Freund!"

Sechzehntausend!

Die Bank hatte von Bixio nun ungeheuer gewon­nen Meneville hätte gern geschlossen für heute, denn nun ruhte wieder der starre Blick des Prinzen auf ihm, toie gestern, und eine seltsame Unruhe be- GNnn sich seiner zu bemächtigen.

Der Prinz starrte ununterbrochen auf Meneville, als wüßte tr. daß dieser den auf ihn gerichteten Blick nicht ertragen tonnte. „Vicomte, die Zeit ver­seht," sagte er, „setzen Sie alles, was Sie haben, auf einen Satz!"

Ein Ruf des Staunens ging von Mund zu «und.

„Monseigneur, unsere Kompagnie verfügt über Mi zwanzigtausend Dukaten — mit der Hälfte der dumme könnte das Landgut, das mir vorschwebt, MSvhlt werden."

„Sie bekommen Ihr Landgut heute vielleicht Mch", sagte der Prinz lächelnd, „wagen Sie alles!" Blässe und Röte wechselten im Gesichte des Bank« Msters. Jeder konnte deutlich sehen, daß seine Hände vrim Mischen der Karten bebten.

In atemloser Spannung folgten die Augen aller Fallen der Blätter. Die erste Reihe zählte drei- Mwdreißig, eine außerordentlich günstige Ziffer für «hwarz.

„Vicomte, ich glaube, Sie gewinnen," sagte der Marquis Grimaldi, „ich habe selten gesehen, daß eiveite Reihe da noch reüssiert, — ah, wie schade!"

f) 8htt «Mkorventliche Stadtverordnetenvrrsamm. 6mg find« am Montag, den 10. Februar, abends 7»/, Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. E:ats» heralung: a. Armenverwaltung (B.-E. Kapp); b. Gtadtschloß (B.-E. Plappert); c. Schlachthof (B-E. «ritz); d. Wasserwerk (B.-E. Weder); «.Kanalisation && Fritz); L Volksschule (B.-E. Dux). Haupt- Etat: a. Schuldenverwaltung (B.-E. Dux); d. Grund« «tcksverwaltung (B.-E. Kapp); c. Fondsverwaltung D-E. Dux); d. ordentliche Verwaltung (B.«E. Dux);

außerordentlich« Verwaltung (B.-E. Sauer); f. Er» gxrb des in die Straß« „Am Lichtweg" fallenden Geländes (®.»@. Sauer). 2. Ueberschreitung des Gchloß-EtatS (Smger). — Für die geheime Sitzung stehen die Punkte an: 3. Rückgabe der verfallenen Kaution an das Elektrizitätswerk (Schwarz). 4. An« «stelllenversicherungSpfllcht der auf Kündigung an» gestellten städtischen Beamten (Wohlgemuth). .

— Personalien. Der Gerichts-Diälar Walter vom Amtsgerichte Fulda ist vom 1. Februar ab m gleicher Eigenschaft nach Anklam versetzt worden. Sein Nach­folger ist Gerichts-Diätar Krug von Kassel.

# Verliehen wurde dem Zollsekretär a. D. Möbes m Kassel der Kronenorden 4. Klasse.

-7» Zugunfall. Der heute vormittag 8 Uhr 48 Mm. hier fällige Personenzug von Bebra erlitt kurz hinter Marbach einen Maschinendefekt. Von hier mußten zwei Lokomotiven abgesandt werden, die den Zug mit fast einstündiger Verspätung hierher brach­ten.

rt Grundwasser. Es möchte bemerkenswert fein, daß seit Mitte der Siebziger Jahre hier fein Grund­wasser sich gezeigt hat. Vor kurzer Zeit fand sich nun bt verschiedenen tiefen, felsigen Kellern der Mit- Uftraße, je nach ihrer Tiefe 3—4 Zentimeter hoch UlS der Soble eingedrungenes Grundwasser, Wohl kin Beweis dafür, daß nunmehr das Erdreich hin­länglich durchtränkt ist und uns im Falle eines trockenen Sommers Wassermangel nicht droht. Das Wasser ist feit einigen Tagen wieder zurückgefunken.

X Frühlings »Erwachen. Aus einer Wanderung durch die weiten Wiesengründe der Neuenberger Ge­markung begegneten wir bereits den ersten Vorposten des großen Frühjahrs-Vogelzuges, den Feldlerchen (Alands arvensis), die dort ihr fröhliches Lied er»1 schallen ließen. Hoffentlich ist ihnen der launige Wettergott in der Heimat gewogen und überrascht sie nicht mehr mit Schnee und Eis. Auch die Bienchen konnten es bei dem heutigen herclichen FrühlingSwetter nicht mehr im Hause aushalten und tummelten sich nach Herzenslust im warmen Sonnen­schein. Leider konnten wir unsere beliebte Frühjahrs- wanderung durch das anmutige Neuenberger Wiesen­tal, von wo man das ganze Panorama der Stadt mit den Bergen der nahen Rhön als Hintergrund genießt, nicht fortsetzen, da der von der Hornungs- brücke dahin führende Fußweg durch die Rohrlegung der Neuhofer Kaliwerks vollständig verschlammt und unpassierbar ist. Hoffentlich hat die aussichtsführende Behörde ein Einsehen und läßt den Weg zur Freude von Jung und Alt vor Einzug des holden Frühlings instandsetzen.

1*1 Strafkammer. Ein hoffnungsvoller Vogel- liebhaber ist der 13jährige Volksschüler D. von hier. Er stahl dem Nachbar I. St. zweimal je einen Zeisig, verschaffte sich auch später noch einmal mittels Dietrichs Eingang in das Zimmer des St. und nahm einen Vogel samt Käfig nut. Ter Erste Staatsan­walt beantragte wegen zwel leichter Diebstähie und des letzten schwereren Falles insgesamt drei Wochen Gefängnis. Das Gericht erkannte auf zehn Tage. Dasselbe Bürschchen hatte sich auch kürzlich vor dem Schöffengericht hier zu verantworten und erhielt einen Verweis.

*/* Aus der Handelskammer. In der Vollver­sammlung der Hanauer Handelskammer gedachte der Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Canth'al, zunächst mit warmen Worten der beiden feit der letzten Sitz­ung verstorbenen Mitglieder A l m e n r o t h - Hanau und Grau» Orb welche in den besten Mannes- jahren durch ein tückisches Leiden dahingerafft wor- den sind. Der Etat- Voranschlag läßt em weiteres erhebliches Wachsen der Gewerbesteuerkraft des Han­delskammerbezirks erkennen, speziell auch Fulda hat den Voranschlag der Beiträge pro 1912/13, wel­cher 2300 Mark beträgt, um rund 1000 Mk über­schritten. Der Rückblick auf das Wirtschaftsjahr 1912, den der Vorsitzende auftat, ließ im allgemeinen recht befriedigende Verhältnisse erkennen. Noch nicht ganz überwunden haben die Brauerei- und Spirituo­sen-Industrie die neuen Steuerlasten der jüngsten Gesetzgebung, ebenso führen die Ketten-Jndustrie und

Die zweite Reihe zählte ein Auge weniger, Rot hatte gewonnen.

Anatole von Meneville lachte laut auf vor Be­friedigung. Sein Gesicht glühte und die Augen strahl­ten. Es war der glücklichste Tag, den er int Leben gehabt, denn seit dem Beginn des Spieles hatte er nahe an vierzigtausend Dukaten gewonnen. „Bixio, sagen Sie dem Landgut Adieu, es war ein Traum," sagte er in höhnischem Tone. „Ich habe es immer gesagt, mir steht das Glück zu Seite — in allem!"

Der Prinz erhob sich nun von seinem Sitze und ging hinüber auf die andere Seite des Tisches, wo der, Vicomte Bixio vor dem schwarzen Tuche saß und drcinschaute wie ein Mensch, der eben einen schönen Traum geträumt hatte und zur rauhen Wirklichkeit zurückgekehrt ist.

„Hoheit, Sie wollen selbst pointieren? Das ist weist gehandelt, denn ich habe eine unglückliche Hand als Sozius. Zum Kuckuck, es war auch zu heißblütig, den ganzen Berg Gold auf einen Wurf zu setzen. Ich werde diese rauhe Tat beweinen bis ans Ende meiner Tage, Monseigneur."

Der Prinz von Indien antwortete dem Vicomte diesmal nicht, er stand aufrecht und blickte nun starr dem Bankhalter ins Gesicht. Seine Pupillen schienen sich zu erweitern, und eine seltsame, rätselhafte Glut leuchtete daraus hervor. Alle bemerkten die Verände­rung, es war genau dasselbe Bild, wie gestern abend, als der Prinz den Saal betreten hatte und zum ersten Male dem Baron von Meneville entgegentrat.

„Mein Herr, Sie haben gestern und heute wieder­holt erklärt, daß Ihnen das Glück hold ist in der Liebe und im Spiel," sagte er laut. „Baron, ich habe das zweite Gesicht und kann in die Bergangen- h?it und in die Zukunft schauen, und ich prophezeie Ihnen Unglück."

„Hoheit sind wieder Geisterseher?" versuchte der Bankhalter zu scherzen, aber in seinem Gesichte zeigte sich ein nervöses Zucken und ängstlich schaute er auf die Uhr.

„Es sst recht spät, Monseigneur, in einer Viertel­stunde muß ich die Bank abgeben, denn ich habe noch ein Rendezvous."

die Silberwarenfabrikation Klagen. Schwer notlei­dend sei das Baugewerbe, und Katastrophen seien hier unausbleiblich gewesen. In den letzten Wochen seien durch die unsicheren politischen und die hochgespannten Geldverhältnisse eine scharfe Wen­dung znm Schlechteren eingetreten. Es fei sehnlichst zu wünschen, daß bald Friede werde und die unsiche­ren Zustände aufhören möchten. Scharf zu verur­teilen sei eine gewisse Richtung, welche in Wort und Schrift zum Losschlagen rate, nur um der Spannung ein Ende zu bereiten." Solche frivole Hetzer bedächten nicht, welche schwere Verluste an hoffnungsvollen Menschenleben und wirtschaftlichen Gütern auf dem Spiele ständen. Bei den komplizierten wirtschaftli­chen und den änßerft angespannten snbülen Kredit­verhältnissen würden geradezu Verheerungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen und Vernichtungen gro­ßer Vermögen eintreten müssen. Es wurde der Kam­mer ein künstlerisch schöner Eütwurf für eine Ehren-Urkunde vorgelegt, welche Angestellten und Arbeitern in kaufmännischen und industriellen Betrieben mit mindestens 25jähriger Dienstzeit in derselben Firma verliehen werden soll. Derselbe tragt oben das Hanauer, unten das Fuldaer Stadtwappen und ebenso die Wappen der anderen im Bezirke ver­tretenen Städte. Große Mühe ist aufgewendet wor­den, um die Bearbeitung von Rohsteinen unserer südwestafrikanis chen D i a m a n t f e I d e r nach Deutschland und fpeziell nach Hanau zu bekom­men woselbst dieselben nach den verschiedenen Me­thoden geschliffen werden sollen. Man hofft so all­mählich einen Markt für deutsche Diamanten m Hanau zu etablieren.

a. Maul» und Klauenseuche. Nachdem bereits in der vergangenen Woche durch kas Erlöschen der Seuche in Gudensberg der nördliche Teil des Regierungs-Be­zirkes Kassel seuchenfrei geworden war, ist nunmehr auch die kürzlich auf einem Gehöft in Ravolzhausen im Landkreise Hanau fest ^stellte Maul- und Klauen­seuche nach erfolgter Abschlachtung des gesamten Vieh- bestandes und den nötigen Desinfektionen als erloschen zu betrachten, sodaß endlich der gesamte Regierungs- Bezirk von der verheerenden Seuche befreit ist.

O Der Verband hessischer Kaninchenzüchter, der dieser Tage in Bronnzell seine diesjährige General-Versamm­lung abhielt, übertrug die nächste Verbaads-Ansstel- lung dem Verein Marburg. Dieser beschloß, die Ausstellung am 6. und 7. September stattfinden zu lassen.

— Förderung der Kaninchenzucht. Eine Förde- nutg der Kaninchenzucht bezweckt eine besondere Ver­fügung des Landwirtschastsministeriums an sämtliche Landwirtschaftskammern. Diese hatten in ihren Berichten fast ohne Ausnahme die Bedeutung der Kaninchenzucht und deren Haltung für die Volks- eruährung anerkannt. Sie versprechen sich insbe­sondere eine Hebung der wirtschaftlichen Lage des Kleingrundbesitzes und des landwirtschaftlichen Ar­beiterstandes. Nach den Erfahrungen bei der Ge­flügelzucht soll auch bei der Kaninchenzucht die Rach­richtung gebührenden Vorrang vor den mehr sport­lichen Bestrebungen erhalten. Begünstigt werden sol­len die Vereinigungen von Kaninchenzüchtern, die weniger auf Ausstellungen als auf Zucht bedacht sind. Diese Vereine sollen bei der Einrichtung von Kanin­chenbockstationen, dem gemeinsamen Bezug weiblicher Zuchtkaninchen, der Errichtung zweckdienlicher Stal­lungen usw. unterstützt werden. Man strebt auf eine Züchtung möglichst zahlreicher Kaninchenrassen an. Obgleich die Zahl der empfehlenswerten Kaninchen- sckläge auf Ausstellungen sehr groß ist, sollen sie doch mit Staatsehrenpreisen ausgezeichnet werden. Später sollen aber nur wenige einheimische Rassen ausgezeichnet werden, die auf Fleischnutzung gezüchtet sind.

<P Tie große Handwerkerversammlnng, die für Sonntag den 9. Februar, nachmittags 4 Uhr, hier im kath. Gesellenhause vorn Bund der Handwerker einberufen ist, dürfte die weitesten Kreise der Hand­werker auch ans der Umgegend interessieren. Es sei daher kurz das Programm, dessen Verwirklichung der Bund der Handwerker sich als Ziel gestellt hat, angeführt. Der Bund der Handwerker mit feinem Sitz in Berlin-Friedenau ist Mitglied des reichs- deutschen Mittelstand-Verbandes und will vor allem ein geschlossenes Vorgehen bei Reichstags-, Land­tags-, Kommunal- und Handwerkskaminerwahlen herbeiführen. Ohne Rücksicht auf die Parteizuge­hörigkeit sollen ausgestellte Kandidaten, welche die Forderungen der Handwerker nachdrücklich zu ver­treten sich verpflichten, bei Wahlen unterstützt wer­den. Seine Forderungen zur wirtschaftlichen Hebung des Handwerks sind folgende: Erlaß eines Gesetzes betreffs Einrichtung eines Handwerksregisters, Aen- . bei ung des § 100 q der Gewerbe-Ordnung, Umände­rung des Handwerkergesetzes, Einführung einer ein-

hettlichen Pslichtorganisation mit vermehrten Rech­ten, Einführung des allgemeinen Befähigungsnach­weises, staatliche Alters- und Invalidenversicherung für selbständiae Handwerker, Heranziehung der Groß­betriebe zu den Beiträgen zur Handwerkskammer und zur Lebrlingsausbildung, Schaffung einer Ab­teilung für Handwerker-Angelegenheiten im Reichs- amt des Innern, Sicherung der Bauhandwerkerfor­derungen, Einschränkung der Militär-Werkstätten und Verbot der Lieferungen an Private, Verbot des Handels .mit Gcbrauchsgegenständen in Kantinen, Verbot der Herstellung handwerksmäßig herzustel- kr.be Waren in Zuchthäusern und Strafanstalten, Einführung einer progressiven Reichsumsatzsteuer für Warenhäuser und Konsumvereine, Verschärfung des Gefetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, Einfüh­rung der Qualitätsbezeichnung; ferner für das Res­sort des Landtages: Erlaß von Vorschriften für das Submisiionswesen, wonach bei Vergebung von Ar­beiten auf das Handwerk mehr Rücksicht genommen wird, sodaß die Vergebung direkt in kleinen Losen und auf angemessene Preise hin erfolgt, sowie Be- vorzuaung von Handwerksorganisationen und Ge- nossenschaften, schärfere gesetzliche Bestimmungen über Errichtung von Warenhäusern und höhere Be­steuerung desselben als bisher, Einführung des 2. Teiles des Reichsgesetzes über den Schutz der Bau­handwerkerforderungen in allen Bundesstaaten, scharfe Befteuerrmg sämtlicher Konsumvereine evt. Verbot derselben, Verbot der privatgewerblichen Tä­tigkeit der Beamten und Beamtenvereine, Verbesse­rung und Vermeh-ung der Fachschulen mit besonde­rer Berücksichtrgung von Lehrern, welche im Hand­werke ausgebildet sind, Festlegung der Unterrrchts- stunden in den Fortbildungs- und Fachschulen auf die Abendfeierstunden und auf Sonntage. Die Or­ganisation des Bundes der Handwerker ist von den Handwerkskammern als ntuftergiltig bezeichnet wor­den, weshalb auch die hiesigen Innungen und der Gewerbeverein Fulda, der am Sonntag stattftudenden Versammlung großes Interesse und ehre Unter­stützung zuteil werden lassen.

Aus dem Nachbargebiele.

= Oberufhausen, 5. Febr. 1913. Am Sonntag feierte der kathol. Gesellenverein von Ober- und Un- terushansen sein 23jähriges Stiftungsfest mit einer Theateraufführung, die, wie alle früheren Darbie­tungen des Vereins, großen Anklang sand. Der Saal war bis zum letzten Platz besetzt. Mit größtem Interesse folgten die Zuhörer den Aufführungen. Var allem erntete das tief ergreif enbe Stück: „Wenn bu noch eine Mutter hast" großen Beifall. Ern Lob gebührt allen Spielern, die ihre Rollen ausgezerchnet zum Ausdruck brachten. Möge es dem Verein ver­gönnt sein, auch in Zukunft segensreich zu wirken, zum Wohle der hiesigen sowie auswandernden Ju­gend und auch zum Wohle des ganzen Dorfes.

cb Frankfurt, 5. Febr. 1913. lieber Nacht ist hier eiu Schulkrieg entbrannt, der von Tag zu Tag schärfere Formen annimmt. Die Ursache hier­zu aab die Zurückweisung von 400 neu für die Mit­telschulen angemeldeten Kindern durch die Schulver­waltung, die, an einen Beschluß der Stadtverord­neten bezw. des Schulausschusses gebunden, lerne Vorschulklassen für die Mittelschulen mehr eincichtet. Die Eltern dieser Kinder wurden angewiesen, , diese den Volksschulen zuzuführen, wobei ihnen eröffnet wurde, daß eine Einreihung der Schüler nach eini­gen Jahren in die Mittelschulen nicht ausgeschlossen fei. lieber die Maßegel ist große Erbitterung in den beteiligten Kreisen entstanden. Protest- versammlungen sanden bereits statt, die Stadtverordneten nahmen gestern gehar­nischte Beschwerden entgegen. Der Lehrerverein be­nutzte die Gelegenheit, um in einer Versammlung für die nationale Einheitsschule Propaganda zu ma­chen. In einer einstimmig angenommenen _ Ent­schließung forderte man die allgemeine Volksschule; deren vier unterste Klassen den Unterbau für alle Mittel- und höheren Schulen bilden sollen.

* Aus Thüringen, 5. Febr. 1913. Aus Anregung mehrerer Bahnhofswirte, die einen festen Vertrag mit der Intendantur über Kriegs- und Friedensver­pflegung des Heeres haben, ist eine Versammlung der Inhaber von Kriegsverpflegungsstationen nach Eisenach auf Mittwoch den 12. Februar einbe- rufen worden — Der abermalige Einspruch gegen den Verkauf des Kurbades Sieben ft ein an den Grasen Wiser aus Wiesbaden ist im gestrigen Ter­min verworfen worden. — Bei dem Versuche, die vom Bockbierfest herrührende Dekoration vom Tür-

„Wie Sie wünschen, Baron, ich werde kaum so viel von Ihrer kostbaren Zeit beanspruchen," antwor­tete der Prinz mit eiserner Ruhe.

Er klatschte in die Hände und der Diener kam wieder zum Vorschein und verbeugte sich vor seinem Herrn, der ihm leise einen Befehl zuflüsterte. Dann ging er und kam zurück in Begleitung eines anderen. Die' beiden trugen dasselbe große Kästchen aus Eben­holz, das sie in den Saal getragen hatten, als der Prinz erschien, und stellten es vor dem Gebieter auf den Spieltisch.

Alle warteten gespannt auf die Dinge, die da kommen sollten, ein jeder fühlte, daß etwas Unge­wöhnliches, ganz Außerordentliches nahte. Der Prinz hob den Deckel des Kästchens. Dasselbe war fast bis an den Rand gefüllt mit Goldrollen, eine genau so groß im Umfang, wie die andere, der Größe des Käst­chens nach zu schließen, war ein großes Vermögen darin enthalten.

„Wie viel Geld liegt in der Bank?" fragte der Prinz laut und scharf.

Meneville rcurbe geisterbleich, eine, entsetzliche Furcht überkam ihn.

„Monseigneur, Sie wollen doch nicht — die Zeit ist kurz, bedenken Sie —

Der Geldwechsler Torloni, der den ganzen Abend neben dem Bankhalter gesessen, machte eiligst ülotizen und addierte die Summe zusammen.

Einhundertundvierzigtausend Dukaten!"

Der Prinz lehnte sich wie müde in den Sessel zu­rück. „Lieber Vicomte, trauern Sie nicht länger um Ihr in dcn Lüsten zerronnenes Landgut und zählen Sie hundertundvierzig Rollen aus diesem Kasten. Wenn ich mich recht erinnere, ist der doppelte Betrag von dem, was die Dank besitzt, darin enthalten."

Anatole von Meneville griff nach dem Pokale, um zu trinken. Die Flüssigkeit lief ihn» über die Finger. Wiederholt schaute er nach der Uhr.

„Es sind genau drei Minuten vergangen, seit ich hier Platz genommen," sagte der Prinz, „unsere kleine Affäre wird bald beendet rein, und Sie können dann

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Freitag 7. Zedruar 1915

eingang zu entfernen, stürzte ein Hotelier in Ruhla so unolücklich von der Leiter ab, daß er befinnungS. los vorn Platze getragen werden mußte. — Der In- Haber der Firma Gutmann und Wicdam in Ham- bürg meldete gestern beim Eintreffen in Eisenach daß ihm auf der Fahrt im V-Zuge die Reisetasche mit den Kontor- und Geldschrankschlüsseln, sowie sein Portemonnaie mit Bargeld und Wertsachen im Be­trage von 20 000 Mark gestohlen seien.

A Arolsen, 5. Febr. 1913. Herr Martin W i» d e r h o l t, der iy2 Jahre hier an der kath. Schule als Lehrer tätig war, verläßt am 1. April 1913 Arol­sen, um an der Volksschule zu Namsbeck bei Bestwig eine Lehrerstelle zu übernehmen.

Amt Geisa und Umgebung.

§ Geisa, 7. Februar 1913. Nächsten Sonntag, 9. Februar nachmittags 5 Uhr findet anläßlich der Eröffnung der Kr a nkenh an sab teilnng des HospNals zu Geisa im großen Saal zur Lmde ein Lichtbildervortrag statt, bei welchem Herr Landkranken» hausdireklor Dr. Gunkel-Fulda sich über die Be­deutung der Röntgenstrahlen für die Erkennung unt Behandlung der Krankheiten verbreiten wird. Mar bringt diesem lehrreichen Thema aus dem Gebiet der modernsten Heilkunst nicht nur in Geisa, sondern auch m der ganzen Umgegend das größte Interesse ent. egen

♦ Geisa, 6, Febr. 1913. Die Lebrer!chas l des Großherzogtums Sachsen plant in Hinsicht darauf, daß dem Landtage keine Vorlage zugegangen ist, die eine Aufbesserung ihrer Gehaltsbezüge vorsieht, die Einberufung einer außerordentlichen Lehrerver- sammlung nach Weimar, die Mitte Februar zu- fammentreten toll.

□ Vacha, 6. Febr. 1913. Das ursprünglich für August 1913 in Aussicht genommene ©auturn» f e ft in Vacha ist aus besonderen Gründen auf den 21. bis 23. Juni verlegt worden.

* Wenigentaft, 6. Febr. 1913. Das von der Ge» rncindc Wenigentaft gewählte Gemeindesie- gel, das in rotem Oberfelde eine gerollte silberne Forelle, im geteilten Unterfelde links einen aufrecht stehenden roten Löwen auf weißem Grunde, rechts einen silbernen Halbmond mit fechsstrahligen silber- nem Stern davor auf schwarzem Grunde zeigt, wurde genehmigt. — Das (Siegel erinnert arOie Besitzer des Hefigen Rittergutes, die von der Tann von T a f t a, das später an die von Ge »so gelangte; denn das Oberfeld gibt das -Wappenbild derer Tann von Tafta, das Unterfeld dasjenige derer von Geyso wieder Wurde doch Johann und Gavvinus von Tann 1456 mit dem F u ld a i s ch e n Bu r g l c h e n zu Wenigentaft bedacht. In dieses Lehen folgten dann die Söhne -des Gavvinus, mit Namen Johan­nes und Jakobus 1463. Johann Heinrich Alexander von Tann zu Tasta erwarben dann 1619 auch den von Hefsbergischen Teil des Burggutes zu Buttlar. Anna Justina Tann zu Tafta brachte alsdann einen Teil des Besitzes ihrem Ehegatten Otto Sebastian von Herda zu Brandenburg in die Ehe. Im Jahre 1674 gelangte das Rittergut an die von Geyso, die es lange im Besitze hatten. Urkundlich werden erwähnt: 1662 Johann Christoph von Geyso, 1670 Valeiitinus von 6cyso, 1690 Johann Leopold und Balentinus de Gevso Gebrüder. Der letzte Bewohner des Schlosses in Wenigentaft Baron Adolf Moritz Alexander von Gevso starb 1871 und liegt hier begraben. Die man­nigfachen Frondienste, welche die Bewohner von We­nigentaft für die Gutsherrschast zu verrichten hatten, wurden am 26. ölober 1854 abgelöst. Im Jahre 1880 wurde das Schloß mit dem Grundbesitz an 20 Einwohner des Ortes verkauft, welche das Schloß abgebrochen haben. Es erinnert daran, daß die Ge­meinde cbedem ein befestigter Platz gewesen ist.

* Stadtlengsfeld, 6. Febr. 1913. Mit dem 1. April soll es mit Hochdruck an die Niederbringung des S cd ach­tes Großherzogin Sophie gehen. Ein Bergassessor, weiter die Arbeiten leiten wird, ist hier bereits em» getroffen.

* Oberalba, 6. Febr. 1913. Die gestrige Ob» duktion der Leiche des Schneiders Huck, der am Sonntag abend auf der Straße in der Nähe unseres Ortes tot aufgesunden wurde, hat ergeben, daß der­selbe doch von einem Radfahrer überfahren worden ist. Wie man hört, soll ein Schädelbruch sestgestellt worden fein.

* Oechfen, 6. Febr. 1913. Dem Landwirt W. Jakob ist em wertvolles junges Pferd an Kolik krepiert.

Aus Gbsrhesien u. -en Hess. Aemtern.

* Marburg, 6. Febr. 1913. Der s. Zt. in Goß­felden verhaftete Kuhfchweizer Wintrig, den man SSSMS.....SÜWÜW1SWSWSSWWVMS BW

dem Rendezvous, von dem Sie vorher gesprochen, nachgehen. Sind Sie noch nicht fertig, Vicomte?"

„Monseigneur, man bekommt den Krampf in den Muskeln, wenn man hundertund vierzig Rollen durch di- Finger gleiten lassen muß, von denen jede tausend Dukaten enthält. Sorgen Sie nicktz nm die Zett, Monseigneur, dieser Meneville ist ein ordinärer Leu­teschinder, der sich gerne drücken möchte, weil er die Faust an der Kehle fühlt. Der Fuchs hat mehr Geld gewonnen, als er in seinem ganzen Leben je besessen hat, und möchte nun davonschleichen mit der Beute, ohne einem tausendmal besseren Mann, als er ist, Re­vanche zu geben. Die hunderttausend Dukaten, die er mitgebracht, sind nie in seinem Garten gewachsen, es soll mich wundern, wenn der Schleicher nicht irgendeine Witwe um die Summe betört hat."

„Bixio, lassen Sie Ihre Aeußerungen!" schrie der Baron erregt.

„Einhundert Rollen — die Harrt möchte bluten, wenn man solche Summen aufzuzählen hat. Der Tisch ist an solche Lasten nicht gewöhnt und bricht möglicherweise zusammen. Was Beliebt, Meneville? Na, das wissen wir doch alle, daß Sie ein ebenso ar­mer Schlucker waren, wie ich, Ihr ganzes Leben lang. Der verstorbene Tarent hat Sie über Wasser gehalten und Gott weiß, ob Sie es ihm je gedankt haben. Wenn das Gew nicht von einer steinreichen Witwe stemmt, dann müssen Sie mindestens ein Jahr lang Räuberhauptmann in den apenninischen Sergen ge­wesen fein und eine Provinz in Furcht und Schrecken versetzt haben. Bah, da- wären hundertundvierzig Rollen des schönsten Metalls, das aus dem Schoße unserer Mutter Erde gekommen ist. Ster Stoff läuft durch die Finger wie Flugsand. Man könnte zwan­zig Landgüter damit erwerben. Monseigneur, wenn Sie auch jedesmal Zehntausend setzen, so vergehen doch Stunden, bis —"

„Tas beabsichtige ich auch nicht," sagte der Prinz.

„Wie hoch soll der Einsatz fein?" fragte Baron Meneville gespannt.

(Fortsetzung folgt)