2. Blatt.
Druck bet zuldaer Zlctknoraami in Selbe.
Ztabtverordneten-Versammlung.
* Fulda, 6. Fetr. ISIS.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nahmen 28 Mitglieder des Kollegiums teil. ! Der Magistrat war durch die Herren Oberbürgermeister >Dr. Antoni und Stadtrat Müller vertreten, -lutzcidem nahm an der Sitzung Herr Stadtprobator Wohlgemurh ! teil. Den Vorsitz führte der stellvertretende Stab tuet- ^ordnetenvorsteher Rang.
Die Tagesordnung hatte eine selten starke Besetzung des Zuschauerraumes veranlagt. Doch werden wohl ,kaum alle voll und ganz auf ihre Rechnung gekommen 'sein, denn ein Teil des Publikums schien eine Debatte ibei Geleg.nheit der Beratung de» Schlachthofetats er« f trautet zu haben. Dieser Punkt war jedoch von der Ta- aesiordnung wieder gestrichen worden. Vor Eintritt in die Verhandlungen gab der Vorsitzende eine Einladung zu der am Scnntag im Gesellenhause stattfindenden Handwerkerversammlung bekannt.
1. Aufhebung der Ordnung vom 16. Januar 1906 6etr' die Erhebung eines Kanalbeitrags und die hierzu gefaßten Beschlüsse. Stv. Fritz: Bekanntlich ist durch Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 28. Juni 1912 unsere Kanalbeitragsordnung für ungültig erklärt worden, hauptsächlich, weil sie nicht dem vorgeschriebenen Verfahren unterlegen hat. Diesen Mangel teilt unsere Ordnung mit den gleichartigen Ordnungen sämtlicher Städte. Ferner sieht das Oberverwaltungsgericht einen Mangel des Verfahrens darin, daß der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 8. März 1909 nicht sämtliche in den Paragraphen 2 bis 4 unserer Ordnung |enthaltenen Bestimmungen ausdrücklich wiederholt. Rach jenem Beschluß ist die Bausumme der Neukanat ifiition auf 1526 COO M*. fe;tge,'tzl worden. Hiervon sollte i- __ 381 500 Mk. durch Beiträge erhoben werden. Eingezahlt wurden 290 456 Mk., sodaß noch 91 014 Mk. rückständig find. Will man von ht-r Erhebung von Bnträ- ig.n vollständig absehen und die gesamten Kanalkotten durch Steuerzuschläge decken, so würden sich die Steuern, da jobrech 104 000 Ml. auszubriagen sind, um 30 bis !40 Proz. erhöhen. Das würde aber auf den Fremdenzuzug lähmend wirken und auch kaum die Billigung des 'Bezirksausschusses finden. Das Einfachste wäre, die Erhebung von Beiträgen beizubehalten bezw. neu zu be- schließen und die noch ausstehende Restsumme von 91 044 Mk. auf 4 Jahre zu verteilen, um den minder bemittel- 'ten Hausbesitzern entgegen zu kommen. Schließlich 'käme die Deckung der Kosten bloß durch Erhebung von ! Gebühren in Betracht. In diesem Falle müßten die be- ireits eingezahlten 290 456 Mk. nebst 23 000 Mk. Zinsen > zurückerstattet werden. Nach Fertigstellung des zweiten iRohrstranges hat das Wasserwerk etwa 17 500 Mk. mehr -zu leisten und ist infolgedessen nicht in der Sage, die 10 000 Mk. an die Kanalisationskasse zu zahlen, die inun selbst für den Betrag aufkommen muß, sodaß ein- ! schließlich der Betriebs- und Verwaltungskosten 104 000 !5Kf. durch Gebühren aufzubringen sind. Die bisherigen Gebührensätze für die Benutzung der Kanalisation würden sich um erhöhen. Der Magistrat hat sich 'für letzteren Weg entschieden und beantragt, die ! Ordnung vom 16. Januar 1906 beir. Erhebung eines Ka- - nalbeitrags außer Kraft zu setzen, von der Erhebung ition Kanalbeiträgen überhaupt Abstand zu nehmen, die i zurückzuzahlenden Kanalisationsbeiträge aus der am 29. April 1907 genehmigten Jnhaberanleihe, die zu ge- ‘ legener Zeit auszugeben ist, zu decken, die gezahlten Beiträge den Einzahlern, oder, wo ein Besitzwechsel statt- gefunden hat, mit Einwilligung des Einzahlers an den ' Eigentümer des Grundstückes nebst 4 Proz. Zinsen im 'Monat April d. I. zurückzuzahlen und schließlich die ,für die städtischen Gebäude zur Rückzahlung kommenden Kanalbeiträge im Hauptetat dem Betriebsfonds, bei ben Einzeletats den betreffenden Fonds zuzuführen. Der Finanzausschuß hat die Anträge des Magistrats abgelehnt und sich für einen vom Stv. Dux ! eingebraebten Antrag erklärt, der die Beibehaltung der ; Beiträge fordert. Stv. Fritz führt dann weiterhin aus, daß, wenn man seitens der Polizei zum Bau einer Kanalisation gezwungen würde, von einem besonderen .wirtschaftlichen Vorteil für die Grundbesitzer nicht die Rede sein könne. Es entspreche der Gerechtigkeit, daß die Mieter in gleichem Maße wie die Hausbesitzer zu den Kosten der Kanalisation herangezogen würden. Er bittet deshalb um Annahme des Magistratsantrages. Stv. Dux wendet sich zunächst gegen den Vorwurf der Parteilichkeit, der gegen ihn als Korreferenten in dieser Sache erhoben sei. Sodann rügt er, daß bereits vor 2 bis 8 Wochen in einer Vorbesprechung 22 Stadtverordnete sich durch Unterschrift in einseitiger Weise auf die Aufhebung der alten Ordnung verpflichtet hätten. Nach einer Darstellung der historischen Entwicklung der Kanalbeitragsordnung hob er die Vorteile hervor, die den Hausbesitzern durch die Kanalisation und sonstigen Einrichtungen erwachsen wären. Für die Entleerung der Gruben z. B. seien früher 12 000 Mk. eingekommen. ES sei auch nicht ausgeschlossen, daß der Magistrat sich durch die Unterschrift der 22 Stadtverordneten in seiner Beschlußfassung habe beeinflussen lassen. Der 06 er. bürgermeister bestreitet letzteres. Er habe un Magistrat die Unterschriften nicht erwähnt und außerdem würden sich die Magistratsmitglieder in ihren Entschließungen nicht beeinflussen lassen. Für den Beschluß des Magistrats sei der Umstand entscheidend gewesen, daß der Grundbesitz tatsächlich stark belastet ist. Stv. Kircher klagt auch über die starke Belastung der Hausbesitzer die für sämtliche Schäden und Reparaturkosten aufzukommen hätten. Stv. Schwarz spricht in gleichem Sinne. Während des siebenjährigen Bestehens unserer Kanalisationseinrichtung habe man zur Genüge wahren können, daß sie in erster Linie den Mietern Hatten komme. Stv. Adam: Wir haben hier die ällaemeinen Interessen zu vertreten und totfien, daß der Haus- und Grundbesitz die beste Steuerguelle ist. Wir haben deshalb die Pflicht, auf diesen Rücksicht zu nehmen. Wenn der Hausbesitzer sich heute noch halt, so geschieht das nickt in seiner Eigenschaft als Hausbesitzer, andern als Gewerbetreibender. Von den im Jahre 1911 eingegangenen 224 908 Mk. Betriebs- und Gewerbe, teuern entfallen auf die Haus- und Grundbesitzer allein 813 ooo Mk. Dazu kommt, daß der Haus- und Grund- Fesitz dazu beiträgt, daß die städtischen Anstalten vrospe- fieren. Auf dem Haus- und Grundbesitz ruhen eine Stenge von Lasten und Sonderbeiträgen aller Art. Ich itte demnach, der Gerechtigkeit entsprechend, den Magistratsantrag anzunehmen und beantrage wegen der Wichtigkeit der Materie namentliche Abstimmung. Stv. D u x: Wir haben eine Ordnung, und diese ist nur aus formellen Gründen lür nichtig erklärt worden. Auch ich weiß, daß der Hausbesitz belastet ist, aber man muß auch die andere Seite berücksichtigen. Der geringere Mann und besonders die Gewerbetreibenlden werden durch die Magistratsvorlage stark belastet. Unsere frühere Ordnung ist gerecht gewesen. SW. Vollmer: Wenn wir die Magistratsvorlage annehmen, ist Gefahr vorhanden, daß die neue Ordnung wegen gänzlichen Mangels an Bei- trägin vom Bezirksausschuß beanstandet wird. Wir wollen keine Steuererhöhung, um den Fremdrezuzug nicht abzuhalten. Aber mancher Fremde wird such durch die hohen Gebühren abschrecken las, en, fernen Wohnsitz hier zu nehmen. Ich bin für Erhebung etneS einmaligen Beitrags in Höhe der ursprünglich hierfür festgesetzten Summe und für Deckung des Restes durch Gebühren. Stv., Schwarz: Wir wollen abwarten, was der Be- zirckSausschuß zu unserem Beschlüsse sagt. , Ich stelle W Zusatzantrag: Der Beschluß des Magistrats stellt
auf die Tatsache, daß den Hausbesitzern ein wirt- : Hafilicher Vorteil aus der Kanalisation -ncht nachge- Mefen ist. Der Oberbürgermeister bittet, den Msatzantrag a^ulehnen, da er eine Gefährdung des ^agjstratSantraüs h-rbeikühren könnte, SW. Adam: 1
Fuldaer Zeitung. ->
JV» 50.
Donnerstag 6. Februar 1915
Nach der alten Ordnung tragen die Grundbesitzer nicht nur % allein, sondern auch noch einen Teil der Reit- summe. Die Gebühren mögen zwar hoch erscheinen, aber die Beiträge find verhältnismäßig höher. Stv. Dur: Die Schwierigkeiten, die sich bei einer Rückerstattung der gezahlten Beiträge ergeben, sind fast unüberwindlich. Zudem wird der Mietervcrein gegen eine so starke Erhöhung der Gebühren Einspruch erheben und es steht dann zu befiirchten, daß wir über kurz oder lang wieder über eine neue Ordnung beraten müssen. Stv. Weber spricht die aus der Kanalisation geschaffenen Vorteile nicht bloß den Mietern, sondern auch den Grundbesitzern zu und meint, letztere hätten sich nun doch einmal ans Zahlen gewöhnt. Stv. Dux wirft den Anhängern der Magistratsvorlage Einseitigkeit in der Behandlung der Materie vor und erwähnt, daß die ausfallenden 10 000 Mk. vom Wasserwerk im Falle der Annahme der Vorlage auch von den Mietern mitaufzubringen seien. Stv. Plappert: Ich stehe auf dem Stand- punkte der Finanzkommisfion. Die Gewerbetreibenden werden durch die Vorlage am meisten belastet. Ich werde deshalb gegen die Magistratsvorlage stimmen. Stv. Trabert: Da % der Beiträge von den Hausbesitzern, die übrigen % von der Allgemeinheit erhoben wurden, kann von einer Belastung der letzteren nicht die Rede sein. Im übrigen wird heule wohl keiner mehr. int Hausbesitz einen Vorteil erblicken. Der O b e r b ü r - germeister hebt hervor, daß die Stadt infolge des Beschlusses des Oberverwaltungsgerichts rechtlich nicht verpflichtet sei, die bereits erhobenen Beiträge zurückzuerstatten, es bestehe nur eine moralische Verpflichtung. Stv. Fritz: Durch die lange Debatte habe ich nicht die Ueberzeugung gewinnen können, daß es ungerecht sei, daß eine von der Polizei der ganzen Bürgerschaft zwangsweise auferlegte Einrichtung auch von der Gesamtheit gleichmäßig getragen wird. Wenn der Mieterverein Einspruch erheben will, so mag er das tun. Die rückständigen Beiträge lasten sicher auf Schultere, die nur sckwer die Zahlung leisten können. Stv. Dux: Aus der Debatte habe ich nicht entnehmen können, daß nach der alten Ordnung eine ungerechte Verteilung der Kosten vorliegt. Wenn behauptet wird, daß die Woh- nüngsgeldzuschüsse erhöht worden seien, nm die Hausbesitzer besser unterstützen zu können, so ist dem zu erwidere, daß die Erhöhung wegen der allgemeinen Teuerung erfolgte. Uebrigens widerhole ich nochmals, daß wir sicher beim Bezirksausschuß auf Schwierigkeiten stoßen werden, wenn wir die Beiträge ganz streichen und sämtliche Unkosten durch Gebühren erheben. Ich bitte, den Magistratsantrag abzulehnen und stelle den Antraa, die bisherige Ordnung beizubehalten und den Zuschuß von 10 000 Mk. aus dem Wasserwerk zu gunsten der Kanalgebühren zu verwenden. Bei der namentlichen Abstimmung wurde der Antrag des Magistrats mit 20 gegen' 8 Stimmen angenommen. Stv. Fritz fragt an, ob eine Abstufung der Gebühren nach der Art der Benutzung des Grundstücks stattfinden könne. Der Ob e r bü r g'e rm eist er'erwidert, daß gesetzlich nur eine Abstufung nach dem Nutzungswert der Grundstücke vorgesehen fei. Für dieses Jahr sei das, Experiment, die Ladenbesitzer weniger stark zu den Gebühren heran- zuziehcn, zu vermeiden, da sonst leicht Schwierigkeiten entstehen könnten.
2. Aenberung des § 3 der Ordnung vom 4. April 1911 betr. die Erhebung einer Kanalbenutzungsgebühr. Stv. Fritz: Nach dem soeben angenommenen Antrag ist die im 8 3 der Ordnung enthaltene Kanalbenuhungs- gebühr wie folgt zu erhöhen: Es werden erhoben von einem Nutzungs- bezw. Mieteswert von 1—150 Mk. 1,9 Proz. (ftatt 1,5 Proz. nach der alten Ordnung), von 150—200 Mk. 2,5 Proz. (2), von 201—300 Mk. 3,2 Proz. 12,5), von 301—600 Mk. 3,75 Proz. (3), von 601—000 Mk. 4,3 Proz. (3,375), von 901 Mk. und mehr 5 Proz. (8,75). Diese Ordnung soll mit dem 1. April 1913 in Kraft treten. Die Staffelung dieser Ordnung ist gerecht: der kleine Hausbesitzer wird mehr entlastet, den mittleren läßt sie auf der bisherigen Stufe und der größere Grundbesitzer wird stärker herangezogen. Stv. Dux: Ich bin gegen eine ungleichmäßige und ungerechte Verteilung der Gebühren und werde gegen die Vorlage stimmen. Stv. Laux stellt den Antrag, alle Wohnungen bis 150 Mk. Mietwert gebührenfrei zu lassen. Der Oberbürgermeister bittet, diesem Anträge nicht stattzugeben, da die Einnahmen bis 900 Mk. schon steuerfrei seien. Wer Rechte habe und den Schutz und die Vorteile der städtischen Einrichtungen genieße, solle doch auch etwas zu den Lasten beitragen. Stv. Wehner wünscht, daß in der Kommission auch Mieter vertreten seien. Der Oberbürgermeister erklärt, daß die Kommission auf eine bestimmte Anzahl von Jahren gewählt worden fei und nicht abgeseht werden könne. Stv. Fritz findet die Forderung des Herrn Wehner gerechtfertigt und erklärt sich bereit, sofort aus der Kommission auszutreten, um andern Platz zu machen. Nach Ablehnung der Anträge Dux und Laux wird die Ordnung in der vom Magistrat vorgeschlagenen Form angenommen. Ein Antrag F r i tz, eine Verteilung der Gebühren nach Berufsklassen für das Jahr 1914 zu prüfen, wird gleichfalls angenommen.
3. Etatsberatung: a) Spar- und Vorschuß- taffe: Der Etat der städtischen Spar- und Vorschußkasse schließt in Einnahme und Ausgabe mit 363 382 Mk. ab gegen 360110 Mk. im Vorjahre. Für den Reservefonds, der in Einnahme und Ausgabe auf 86 487 Mk. veranschlagt ist, sind 49 882 Mk. aus den Ueberschüssen eingestellt worden. Er betrug Ende 1911 1 023 715 Mk. und ist in Wertpapieren und Hvpotheken angelegt. Der Voranschlag wird debatteloS genehmigt.
b) Waisenhaus: Der Etat ist in Einnahme und Ausgabe auf 15 077 Mk. gegen 14 824 Mk. im Vorjahre festgestellt und wird debattelos genehmigt.
c) Stadtsaal: Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 14 300 Mk. ab gegen 14100 Mk. im Vorjahre. Ein Betrag von 900 Mk. soll hauptsächlich zur Ausbesserung des Fußbodens dienen. Für die Unterhaltung der Bühne sind 290 Mk. eingesetzt. Stv. Sun- k e l fragt an, ob das neuerdings angebrachte, 4000 Kerzen starke elektrische Licht den Saal genügend erleuchte. Der Oberbürgermeister empfiehlt, vorläufig eine abwartende Stellung einzunehmen. Es lasse sich jederzeit noch schnell eine weitere Lampe anbringen, wenn es nötig sein sollte. Stv.-Vorst. Rang regt an, unmittelbar vor der Bühne eine Lampe anzubringen, da die Beleuchtung auf der Bühne schlecht sei. Der Etat wird genehmigt.
d) Schlachthof. Die Etatsberatung der Schlacht- hofkafse wird vertagt.
e) Friedhof. Der Etat der Friedhofskasse schließt in Einnahme und Ausgabe mit 19 440 Mk. ab gegen 25 900 Mk. im Vorjahre. Aus der Besprechung des Etats ist hervorzuheben, daß Stv. S u n k e l den unwillkommenen. Andrang ungeladener Gäste, besonders von Kin- dem, bei Begräbnisfeierlichkeiten rügt. Der Oberbürgermeister findet diese Klage für gerecht, weiß aber außer einem etwaigen Polizeiverbot kein wirksames Gegenmittel. Er will an geeigneter Stelle auf beffere Einhaltung der Ordnung bringen. Stv. Breitenborn wünscht, daß man das Gras zwischen den Gräbern nicht allzu hoch wachsen lasse.
f) Kaserne: Der Etat schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 171580 Mk. gegen 168 380 Mk. im Vorjahre.
g) Gaswerk: Der Etat der Betriebsverwaltung des Gaswerks schließt in Einnahme und Ausgabe mit 294 700 Mk. ab gegen 304 800 Mk. im Vorjahre. Der Preis für Leuchtgas ist von 21 auf 20 Pf.,, der für Koch- und Heizgas von 14 auf 13 Pf. und der für Kraftzwecke von 14 auf 12 Pf. herabgesetzt worden. Stv. Kircher fragt an, ob die Herabsetzung des Preises auch tatsächlich dem Herstellungspreise entspreche und nicht etwa später eine Nachzahlung sich notwendig mache. Der OberbürgermeiL»^ erwidert, daß der Her
innen einschlagen. Im eigensten In ereffe bei Publikums muß eindringlich davor gewarnt werden, die Klappe solcher Umschläge nach innen einzuschlagen, viel besser ist es, die Klappe über die Rück seile des Umschlags lose Überhängen zu lassen. Als recht zweckmäßig haben sich Um- schlüge bewährt, die an der Verschlußllappe einer zungenarligen Ansatz haben, der in einen äußeren Schlitz des Umschlags gesteckt wird. Sie sichern den Inhalt vor dem Herausfallen und verhindern das Einschieben anderer Sendungen; ihre möglichst ausgedehnte Verwendung ist im allgemeinen Interesse zu wünschen.
ftcllungspreis sich pro Kubikmeter auf 9,88 Pf. stelle. Die Herabsetzung sei erfolgt, um die Abnehmer aus den steigenden Einnahmen Gewinn ziehen zu lassen. Ein Rückgang an Gasverbrauch durch die Konkurrenz des Elektrizitätswerkes sei nicht zu befürchten. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres seien 5000 Kubikmeter Gas mehr verbraucht worden als in der gleichen Zeit des Jahres 1911. Künftig sollen auch keine englischen Kehlen mehr verwendet werden, da es sich herauSgcstellt hat. daß minderwertigere Ware geliefert wurde, als bestellt worden war. Damit dürften auch kleine Unzuträglichkeiten beim Gaslicht behoben werden. Die außerordentlichen Einnahmen und Ausgaben sind auf 57 870 Mk. veranschlagt. Stv. Brcitenbvrn wünscht, daß einige Laternen auf der Künzellerstratze, deren Licht durch das Laub der Bäume verdeckt werden, einen anderen Platz erhalten. Stv. Wehner wünscht • eine bessere Beleuchtung „Am Angel". Der Oberbürger- . meister sagt zu, die Angelegenheit prüfen zu wollen.
Schluß der öffentlichen Sitzung 11.15 Uhr.
mangeln wird.
Das Verschieben von Briefen »nd Postkarten in Drucksachensenbungen bilbet fortgesetzt die Ursache von Briefverschleppungen und Bries Verlusten. Ungeachtet wieberholter Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer Einwirkung der Postanstalten auf die Absender werden viele Drucksachensenbungen leider immer noch in so mangelhafter Verpackung zur Post emgeliefert, baß fie leicht zu Fallen für kleine Sendungen werben. Als desonbers gefährlich in biefer Beziehung erweisen sich bte häufig zur Versendung von Drucksachen b nutzten offenen Brei umschläge, bei denen bte Absender bie am oberen --------- , . .
Rand ober an der Seite vorbansene Klappe nach behalt der Genehmigung der Aufsichtsbehörde
* Vacha, 5. Febr. 1913. Das „Waldschlöß- ch e n" ist für den Preis von 30 000 Mark in den Besitz des Gastwirts Bommer übergeaangen. — Bahn- Hofsvorsteher Beck, der drei Jahre dem hiesigen Bahnhof vorgestanden hat, wird mit dem 1. März d. I. als Eifenbahnsekretär nach Erfurt versetzt. — Für die rechtzeitige Entdeckung von Schäden an Eifenbahnanlagen und die Abwendung von Betriebsgefahren hat die Eisenbahndirektion Erfurt u. a. den Rottenführern Wattenbach und Stephan und dem Hilfsbahnwärter Saun hier besondere Prämien gewährt.
* Dermbach, 5. Febr. 1913. HiSc fand am Sonntag eine Vorstandsverfammlung des Rhön-Sän- gerbundes statt. Es wurde beschloflen, das diesjährige Rhön-Sängerbundesfest am Sonntag den 1. Juni in Neidharts ha usen abzuhalten. Als Massenchorlieder wurden bestimmt: 1. Lied: „Mein Deutschland hoch" unter Musikbegleitung; 2. Sieb: „Das Wandern ist des Müllers Sust".
Lokales.
Fulda. 6. Februar 1913.
# Verliehen wurde dem Oberpostsekretär a. D. Haas zu Frankfurt a. M. der Kronenorden vierter Klasse und dem pensionierten Oberbriesiräger Paar zu Kirchhain das Allgemeine Ehrenzeichen.
X Dem Verwaltungsbericht der Richard Müller- Stifiung für kränkliche Kinder über das 7. Verwaltungsjahr (1. Okt. 1911 bis 1. Okt. 1912) entnehmen wir folgendes: Die Zahl der Anmeldungen kränklicher Kinder betrug 146. Mit Rücksicht auf die verfügbaren Mittel konnten jedoch nicht alle Anträge berücksichtigt werden. Aufnahme in der Kinderheilanstalt Soden fanden 105 Kinder. Davon waren 39 Knaben, 66 Mädchen; 97 gehörten der katholischen und 8 der protestantischen Religion an; 61 waren aus der Stadt Fulda und 44 aus dem Kreise Fulda. 69 waren zum erstenmal, 24 zum zweitenmal, 8 zum drittenmal, 3 zum viertenmal, 1 zum siebtenmal in der Anstalt. Der Aufenthalt in der Anstalt betrug für 50 Kinder 4 Wochen, für 43 Kinder 6 Wochen, für 5 Kinder 8 Wochen. Für 33 Kinder lautet das Urteil des Anstaltsarztes: „geheilt", für 19 „gebessert" und für 53 „wesentlich gebessert". Den Kindern wurden insgesamt 1893 Soolbäder und 4 Sprudelbäder verabreicht und für 5 Kinder wurden 66 Inhalationen verordnet. Die Gewichtszunahme während des Aufenthalts der Kinder in der Anstalt bewegte sich zwischen 2 und 15 Pfund pro Kind. Die Zahl der Verpflegungstage beträgt insgesamt 4057 und der Aufwand hierfür 5882,65 Mk. _ Vielen der Kinder wurden wie früher von wohltätigen Santen die zur Aufnahme in die Kinderheilanstalt nötigen Kleider und Wäschestücke beschafft und zur Verfügung gestellt.
(*) Museum. Als letzte Abendunterhaltung in diesem Winter bietet das Museum am kommenden Sonntag ein Syniphoniekonzert. Das Orckest t spielt zu Anfang die Ouvertüre zur Oper .Die Abenceragre" non Cherubim, die sich trotz ihres Alters von 100 Jahren noch immer als beliebte Konzennummer behauptet. Die IPckut«Symphonie von Mozart ist die erste von seinen vier wahrhaft bedeutenden Symphonien. Der erste Satz ist ein Meisterwerk kontra- punktischer Durchführung, das Andante ein Satz von innigster Empfindung und bet Schlußsatz ein Presto von zünbender Wirkung. Als Solokräste sind Frl. Gertrude Seifert aus Offenbach und Mademoiselle Decrey von hier gewonnen. Erstere ist eine Kolo» tahnfängetin mit jugendfrischer Stimme und guter Technik bis in die höchsten Tonlagen. Frl. Decrey ist in hiesigen musikalischen Kreisen bereits als tüchtige Pianistin bekannt.
' j) Naturheilverein. Vor einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft sprach gestern im Giesel'schen Saale der Schriftsteller Emil Peters aus Berlin über „Liebe und Ehe" in ihrer Bedeutung für Gesundheit, Lebensglück und Lebenskraft. In tiefgreifender Sogik, in glänzender bilderreicher Sprache, hin und wieder auch mit beißendem Sarkasmus rückte Herr Peters den Schäden des Siebes- und Ehelebens zu Leibe, um dann anschaulich und klar die Grundbedingungen einer glücklichen Ehe darzulegen. Mit Entrüstung wandte et sich gegen die von unseren Modernen vertretene „doppelte Moral", gegen die zynische Auffassung von Liebe und Ehe, die vielfach zu einem Geschäft, zu einem Schacher mit Kapitalien herabgewürdigt werden. Als Störer eines gefunden Familienlebens bezeichnete Redner vor allem auch die ausschweifende Genußsucht der Männer, sowie den Flitterkram und die wirtschaftliche Unzulänglichkeit der Frauen. Die Modeangelegenheiten des Weibes absorbieren nach Ansicht des Vortragenden ein ganzes Viertel des Lebens der Gegenwartsmenschen. Die Ausfühungen des Herrn Peters froren von feinem Takt und hohem sittlichen Ernst getragen, wie sich das namentlich bei der Behandlung des unserem Volkswohl so gefährlichen Problems der Entvölkerung zeigte. Der von einer scharfen Lebensbeobachtung und einem umfassenden Wissen zeugende Vortrag sand reichen Beifall.
** Weiteres Sinken der Schweinepreise. Auch am Montag war auf dem Hauptviehmarkt in Frankfurt bei den Schweinen ein Sinken der Preise zu konstatieren. Die einzelnen Qualitäten gingen zwei Pfennige pro Pfund Lebend- und Schlachtgewicht herab. Ochsen und Bullen hielten die vorwöchigen Preise, Kühe machten eine kaum merkliche Aufwärts- hetocaunq, während Kälber ein wenig fielen. — Ebenso fielen auf dem Wiesbadener Viehmarkt die Preise für Schweine durchgängig um 1—2 Pfg. für das Pfund Schlacht- und Lebendgewicht. Es wurden für vollsleischige 100—120 Kilogramm schwere Schweine 63—-64%, bezw. 79—81 Pfennig pro Pfund Lebend-, bezw. Schlachtgewicht gezahlt. Nach Ansicht der Metzgermeister werden die Preise für Rinder und Kälber andauernd hohe bleiben, da die Viehbestände zurückgegangen und die Nachzucht langsam erfolgen kann. Die Schweinepreise, die feit drei Wochen im Sinken begriffen, werden noch weiter etwas fallen. Ein wesentliches Zurückgehen der Schweinepreise werde jedoch nicht eintreten, da es an dem erforderlichen Nachschub fchlachtreifer Tiere
Aus dem Nachbargebiele.
* Offenbach, 5. Febr. 1913. Direktor Dr. R- Friefe-Charlottenburg machte den Technischen Lehranstalten eine Stiftung von 1500 Mark, deren Zinsen einem Schüler der Anstalt alljährlich zum Studium des Deutschen Museums in München gewährt werden sollen. Dr. Friese war ein früherer Schüler der Anstalt. — Der 21jährige Schreiner Schwab hat sich vor einigen Tagen auf dem hiesigen Postamt verschiedene, für eine Schuhfabrik bestimmte Paket- obreffen erschwindelt und alsdann die für die Firma angenommenen Schuhwaren erhoben. Als er die Waren im Leihhause versetzen wollte, wurde et jedocki abgefaßt und in Haft genommen.
* Griesheim a. M., 4. Febr. 1913. Eine Milr- tärb rieftauben aus ft ellung findet am 8., 9. und 10. d. M. in der „Neuen Anlage" statt. Da sich mehrere Vereine an der Ausstellung beteiligen werden, wird das Material sehr reichhaltig sein.
* Kassel, 5. Febr. 1913. Der erst kürzlich eingo» stellte Bürodiener eines hiesigen Baugeschäftes ist nach Unterschlagung von etwa 1000 Mk. flüchtig geworden. — Im Sitzungssaale der Kgl. Regierung wurde nach langer Pause dieser Tage wieder einmal eine Regierungssekretär-Prüfung abgehalten. Der Prüfung unterzogen sich stchs Kandidaten, von denen fünf hestanden. Es sind dieses die Herren Zivilsupernurnerar Ernrnich, Bürodiätar Bebet und Bürodiätar Möller, sämtlich aus Kassel die Zivilsupernumerare Geibel und Wiebe aus Wiesbaden.
* Ehleu b. Kassel, 5. Febr. 1913. Gestern ver- unglückte der Steinarbeiter Schramm von hier un Steinbruch Ahnatal. Die Verletzungen roaren so schwer, daß er mittelst Automobils sofort nach Kassel transportiert werden mußte
* Haun. Münden, 4. Febr. 1913. Vom -7. April d. I. an wird die Perfonen-Dampffchif- f ahrt auf der Oberweser zwischen hier und Hameln eröffnet werden. Der Fahrplan erfährt keine Veränderung, nur zwischen Hameln und Minden werden die Dampfer täglich fahren, während früher der Per- fonendampfer nur Sonntags fuhr.
* Eisenach, 5. Febr. 1913. Auf dem hiesigen Güterbahnhof sollten Fässer von einem Lastauto- mobil in einen Eisenbahnwagen verladen werden. Als der Brauereiarbeiter Heß die heruntergeklappte Stirnwand des Autos unter das Trittbrett des Eifenbahnwaggons schieben wollte und das Auto langsam an den Eisenbahnwagen heranfuhr, wurde fein Kopf zwischen die beiden Wagen gequetscht. Heß war sofort tot. Er war verheiratet und Vater dreier minderjähriger Kinder.
♦ Aus Franken, 5. Febr. 1913. Nach der Zusammenstellung über die wesentlichen Ergebnisse der Stadtkämmerei Schweinfurt für 1911 beträgt die Summe aller Einnahmen 1126070,60 Mk. Es ist das erstemal, daß die Einnahmen eine Million überschreiten. Die Ausgaben belaufen sich auf 975891,08 Mark, so daß sich die Medreinnahme auf 150179,54 M. stellt. — In Schwärzeibach bei Hammelburg brannten vier Scheunen und ein Wohnhaus nieder. Wegen Verdachts der Brandstiftung wurde der frühere Händler Reith verhaftet. — Der Trockenraum des Schreinermeisters Schnabel in Heidingsseld wurde gestern abend mitsamt den Holzvorräten durch Feuer zerstört. — Aus dem Heimwege von einem Bock- tummel fiel der 45 Jahre alte Maurer Gernert von Sommerhausen in eine Jauchegrube und ertrank. — Ter Schloßdiener Schmidt aus Schloß ©errett) bei Untermerzbach wurde kürzlich von einem Hunde gebissen und dabei nur geringfügig verletzt. Er achtete die Verletzung nicht, es stellte sich eine Blutvergiftung ein, die alsbald wieder verschwand. Kurze Zeit darauf erblindete Schmidt vollständig. — Zur Einweihung des neuen Konversationshausts in Bad Kis sing en, das den Namen .Regentenbau« erhält, wird der Prinzregent am 15. Mai dort ein« treffen.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 5. Febr. 1913. Der Viehbestand im Grotzherzogtmn Sachsen, der während der letzten Jahre beim Großvieh nicht unwesentlich zurückgegangen war, hat nach der letzten Zählung wieder eine erfreuliche Zunahme erfahren, so daß er dem Stand von 1907 wieder näher kommt.
* Stadtlengsfeld, 5. Febr. 1913. In einer außer- ordentlichen Gemeindesitzung am Dienstag wurde folgendes beschlossen: Der Gemeinderat legt großen Wert darauf, daß das zu erbauende Postgebäude auf dem Gundstück Rr. 146 des Grundbuchs von Stadtlengsfeld erbaut wird. Er stellt es der Oberpostbe- hörde frei, das Postgebäude von einem Unternehmer auf dem genannten Grundstücke erbauen zu lassen. Sollte sich dieses nicht ermöglichen lassen, wird die Gemeinde auf ihre Kosten das Postgebäude nach den allgemeinen gültigen Vertragsbedingungen erbauen und an die Postbehörde vermieten, jedoch unter Vor-