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Donnerstag den b. Februar 1913
Erstes Blatt
40. Jahrgang
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Die Rede des Kaisers in der Festsitzung des ostpreußischen Provinziallandtages gibt wiederun Zeugnis von dem hohen idealen und religiösen Sinn deS Monarchen. Er hat die sittliche Kraft, deren Wurzeln in der Gottesfurcht, der Pflichttreue und der Liebe zu Kaiser und Reich beruhen, als größte Quelle von Wohlstand, Macht und Ansehen eines Volkes gepriesen und in Gegensatz gebracht zu kriegerischen Lorbeeren. Daran schloß er die eindringliche Mahnung: „Die uns als köstliches Erbe überkommenen idealen und religiösen Güter zu pflegen und zu mehren für den opferfreudigen Dienst am Vaterland."
Wahrhaft ein Wort zur rechten Zeit gegenüber der modernen Entwicklung, die immer mehr auf das Materielle sich richtet, über die glänzende Aeußer- lichken die innere Solidität vergißt und für die religiösen Güter kein Verständnis und keine Achtung mehr haben will, vielfach sogar Haß und Verfolgung predigt.
Der Vergleich zwischen 1813 und heute ist durch diese Kaiserrede auf den richtigen Boden gestellt Wir dürfen uns freuen der Fortichritte, die seit IOC Jahren die nationale Staatsordnung, die Wehrmacht, der Handel und Wandel, die Wissenschaft und die Technik gemacht haben. Aber damit dürfen wir das vergleichende Studium nicht abschließen, sondern wir müssen weiter fragen, ob denn das deutsche Volk in seinem inneren Wesen noch so gesund und tüchtig ist, wie zur Zeit der Freiheitskriege. Ist der weitentwickelte und blätterreiche Baum noch unversehrt und ledenSfrisch in seinem Korn und seinen Wurzeln? Jeder Vaterlandsfreund möchte darauf ge>n mit einem festen Ja antworten; aber die Wahrheit muß über den Wunsch gehen.
Meyr Idealismus, mehr Religion hält der Kaiser für notwendig in der modernen Zeit. Wenn man beachtet, daß gerade die Sozialdemokratie dem Volk so krassen Materialismus und die Religions- feindschaft bis zum Atheismus einimpft, so kann man in der Kaiserrede einen Aufruf zur Abwehr der Umsturzpartei finden. Wie vorteilhaft aber unterscheiden sich diese Worte von den Reden der Scharfmacher, di« jüngst in den Parlamenten gehalten wurden! Diese wollen alles durch äußerliche, gewaltsame Mittel erreichen; der Kaiser aber wünscht die Heilung von innen heraus durch die Belebung des »dealen Sinnes und des religiösen Geistes im Volke. Stur s» kann das Gift überwunden und ausgeschieven, nur so kann die Gewähr für ein dauerhaftes gesundes Volksleben errungen werden.
Indem der Kaiser nicht einen Parteinamen nennt sondern allgemein vor der Vernachläfligung der idealen und religiösen Güter warnt, greift er auch denjenigen Parteien an's Gewlsfen, die in irgend einer Weise die zersetzenden Bestrebungen der materialistischen und religwnsseindlichen Sozialdemokratie unterstützen. Die Mahnungen des Monarchen sollten nicht bloß von den offenen und verkappten Großblockpolitikern beachtet werden, sondern auch von allen Kulturkämpfern. Denn hinter den tullur« kämpferischen Treibereien steckt immer ein Kampf gegen die Religion: entweder gegen die religiöse Richtung im allgemeinen, rote z. B. bet dem Kampf gegen die christliche Schule, oder der Versuch, einem Terl der Bevölkerung, dem katholi chen Drittel, die Pflege seiner Religion zu verleiden und die Wahrung seiner religiösen Güter zu erschweren. Ritt den erhebenden Worten des Kaisers harmoniert nicht der jüngste Bundesratsbeschluß, der den besten Pflegern der Relwiösität im katholischen Volke die Freiheit versagt, während alle antireligiösen Kräfte sich ungehindert entfalten können.
Wenn der Kaiser zur Abwehr des öden Materialismus und der Religionslosigkeit auffordert, so liegt darm auch die Mahnung zum tonfeffioneUen Frieden und zur gleichmäßigen Arbeit aller
eingegraben sind/ Dann wies der Kaiser darauf hin, wie glücklich sich das Zeitbild seitdem gewendet habe. Fe st gefügt steht der Bau deS Deutschen Reiches, geachtet im Rate der Völker und w o h l g e • rüstet gegen jeglichen Angriff. „Aber die Ereignisse vor hundert Jahren mahnen unS eindringlich daran, daß nicht kriegerische Lorbeeren, nicht Wohlstand, Macht und Ansehen am letzten Ende das Schicksal und die Zukunft eines Volkes sichern, sondern allein die sittliche Kraft, die ihm innewohnt. Ohne sie hätte unser Volk vor 100 Jahren die schwere Prüfung nicht bestehen können. Die Wurzeln dieser Kraft ruhten in der Gottesfurcht, der Pflichttreue und der Siebe zu König und Vaterland . . ." „Wir können/ schloß der Kaiser, „den heutigen Gedenk- tag nicht schöner begehen als durch daS erneute Gelöbnis, unS unserer Vergangenheit und unserer Väter allezeit würdig zu erweisen und die unS als köstlichstes Erbe überkommenen idealen und religiösen Güter zu pflegen und zu mehren für den opferfreudi- gen Dienst am teuren Vaterlande. Das sei der heutige Beschluß Ihres Landtages. Dann wird die Provinz Ostpreußen wie vor 100 Jahren auch in Zukunft ein Vorbild für ihre Schwestern im Lande sein und Männer der Tat stellen, wenn — waL Gott verhüten wolle — der König wieder einmal gezwungen würde, zum Kampf für Ehre und Freiheit des Vaterlandes emfzurufen/
Auf die Anjprache des Kaisers erwiderte Fürst Dohna mit einer Rede, in der er dem Kaiser für sein Erscheinen dankte und mit demselben Bekenntnis schloß, welches die ostpreußische Ständeversammlung vor 100 Jahren durch den Mund eines Dohna feier- lrch ablegle: „Gott mit uns! Gott und dem König treu, darf uns nichts zurückhallen, mit freudigem Mut zum Opfer bringen, was in des Königs Namen von uns gefordert wird."
Bei dem Festeffen, welches am Abend in der Stadthalle seinen Anfang nahm, brachte Fürst Dohna- Schlobitten das Kaiserhoch aus. Der Kaiser er- widerte mit einer Rede, in der er zunächst für den ihm bereiteten jube.nden Empfang dankte und dann fortfuhr:
vor unserem geistigen Auge steht heute wieder leben- big nicht nur die wackere Tat der braven ostpreußischen Stände und damit die Geburtsstunde der nchmvollen preußischen Landwehr, wir gedenken auch mit Stolz deS glücklichen Ausganges des gewaltigen Ringens des preußischen Volkes um seine Freiheit und Ehre und der Begründung deS zur Erhaltung des Errungenen unentbehrlichen Fundaments der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Diesen persönlichen und größten Opfern des preußischen Volkes hat es das Vaterland in erster Linie zu danken, wenn es sich heute seines Wehlstandes und seiner Maehtstellung in Frieden erfreuen und jeder Bürger unbesorgt vor fremden Störungen seinem Geschäft und Gewerbe nachgehen und das Glück seines Hauses schmieden kann. So soll eS, wills Gott, auch in Zukunft bleiben, und wenn sich jetzt eine Ver- ftärlung dieses Fundaments als not« wendig erweist int Rahmen der allgemeinen Wehr- Pflicht, zweifle ich nicht, und darin bestärkt mich der heutige Tag, daß das deutsche Volk zur Uebernahme weitere^ persönlicher Opfer nach dem rühm, lichen Vorbilde unserer Väter freudig bereit fein wird. (Anhaltendes Bravo!) Erheben Sie die Gläser auf das Wohl und Gedeihen der Provinz Ostpreußen! Drei Hurrahs für Ostpreußen!"
Aus Anlav bet Feier sind zahlreiche Orden und andere Auszeichnungen verliehen worden.
Abg. Taubadel (Soz.): Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Abonnentenverstcherungen der Zeitungen verboten werden sollten. Es Haden sich große Mißstände herausgestellt.
Abg. Marcour (Ztr.): Wir sind nicht einverstanden damit, daß die uns vorgelegte Denkschrift von einer besonders segensreichen Wirkung für den Arbeiter- und Handwerkerstand spricht. Meine Partei steht auf dem Boden ihrer vorjährigen Resolution, wonach jede Art der Abonnentenversicherung zu verbieten ist. Die Preffe hat hohe Ideale zu ersüllen. Durch derartige Aufgaben wird sie nur in ihrer Wirksamkeit behindert.
Abg. Junck inatl): Ich nehme der Abonnentenversicherung gegenüber eine sreundlichere Haltung ein. Ein absolutes Verbot dec Abonnentettverstcherung wäre ein Ausnahmegesetz.
Ministerialdirektor Caspar: Die Denkschrift soll nur das Material zu weiteren Verhandlungen liefern. Die Abonnentenverstcherung wird darin ausdrücklich eine wenig erfreuliche Erscheinung genannt.
Donnerstag: Wetlerberalung.
= Jahrhundertfeier in Königsberg.
Die hundertste Wiederkehr des denkwürdigen Jahres, in dem in der Provinz Ostpreußen die Erhebung gegen die Fremdherrschast ins Merk gesetzt wurde, wird in diesen Tagen in der ganzen Provinz festlich begangen. Der Erinnerungstag des von einmütiger Begeisterung getragenen Februarbeschlusses der ostpreußischen Stände ist in den Mittelpunkt der jetzigen Erinnerungsfeier gesetzt worden.
Die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser Königsbergs waren aus diesem Anlaß zum Mittwoch reich geschmückt worden. Aus ter ganzen Provinz hatten sich die Vertreter der Behörden, der Geistlichkeit, der öffentlichen Körperschaften der Provinz ufro., zahlreiche Nachkommen von Männern, die sich in der Zeit der Befreiungskriege a sgezeichnet haben, hervorragende Vertreter des Handels und der Industrie, der Kunst und Wissenschaft eingefunden.
Den Anfang der festlichen Veranstaltungen bildete eine Festsitzung beider städtischen Behörden. Darauf wurde in Gegenwart des Kronprinzen der von Danzig her eingetroffen war, die feierliche <$in« weihung des von den Olfizieren des Bezirkskommandos Königsberg auf dem Walter-Simon-Platz errichteten Iorck-Denkmals vollzogen.
Als dann mittags der Kaiser in Begleitung der Kronprinzessin im Hvszuge-mft seinem Gefolge emtiaf, ■ erreichte der Jubel der Begeisterung seinen Höhepunkt. Der Kaiser und die Kronprinzessin begaben sich im offenen Automobil zum Festgottesdienst im Dom. Als der Kaiser den Dom wieder verließ, begannen von allen Kirchentürmen der Stadt die Glocken zu läuten, bis der Kaiser in das Schloß eingezogen war.
Im Schloß verweilte der Kaiser ungefähr eine Stunde. Dann begab er sich in Begleitung des Kronprinzenpaares und seines Gefolges zur Fest- jitzung im Hause des ostpreußischen Provtnzial- landtages, auf dem ganzen Wege von dem Publikum stürmisch begrüßt.
Eine Kaiserrede.
Der Kaiser eröffnete die Festsitzung des Landtages mit einer Ansprache, in der er einen Rückblick tat auf die Ereignisse vor hundert Jahren, „die den ersten Schritt zur Wiederaufrichtung und Befreiung des dar- niederliegenden Vaterlandes bildeten". Der Kaiser schil- derte mit kurzen Worten die traurige Lage Preußens und die von Zorck gegebene Anregung zur Erhe- oung und fußt bann fort: „Mit Tw.'z, B°,vunderung und Dank gedenken wir heute und immerbar der Helden jener Zeit, besonders auch der charakterfesten, treuen, ostpreußischen Männer, deren Namen mit ehernem ©riffel in die Ruhmestitel der vaterländischen Geschichte
„Hoheit, soll ich weiter den Einsatz verdoppeln? Zweitausend habe rch eben verloren."
„Ah, was liegt daran. Verdoppeln Sie immer, mein Freund, so kleiner Dinge halber darf man nicht zurückschrecken."
Taz Spiel erregte nun allgemeine Aufmerksamkeit, die Versammelten im Saale drängten alle um den Spieltisch und schauten sich einander über die Schultern. Nur der Prinz schien kein Jnteresie an den Chancen des Spieles zu nehmen.
Der Bankhalter schien erregt zu werden, die Haufen Goldes, welche ihm diesen Abend zuströmten, machten sein Gesicht erglühen. Manchmal warf er einen scheuen Blick auf den Prinzen, als fürchtete er, derselbe möchte sich persönlich am Spiel beteiligen. Er ließ sich einen Pokal Wein reichen und stürzte den ganzen Inhalt desselben auf einmal hinunter. Tann fegte er Die beiden Reihen.
Alles zählte mit. Die erste Reihe zählte neununddreißig Augen. „Ein schlechtes Zeichen für Schwarz", murmelten alte, während die Reihe für Rot gelegt wurde. Die zweite Reihe zählte vierunddreißig Augen, Rot hafte wieder gewonnen und die viertausend Dukaten, welche auf dem schwarzen Tuche standen, wanderten zur Bank.
Bixio schaute verlegen auf den Prinzen. Wenn er wieder verdoppeln sollte, reichte sein Gold nicht mehr. Er brauchte achttausend zum Einsatz, aber von dem ihm zur Verfügung gestellten Zehntausend war mehr als die Hälfte bereits verloren.
,,Ah, ich sehe, lieber Vicomte," sagte der Prinz, „die Zeit ist gekommen, eine zweite Anzahlung in die gemeinschaftliche Geschästskasse zu machen. Einen Augenblick Geduld, bitte!"
Er gab dem Diener von vorher einen Wink und dieser erschien nun mit fünfundzwanzig Goldrollen in den Händen, die er auf ein Zeichen seines Herrn neben Bixio niederlegte.
Der Einsatz war nun Achttausend.
(Fortsetzung folgt.) _ ~|
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 5. Februar 1913.
Die Beratung des Etats des Reichsamts deS Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Reichsverstcherungs- amt.
Abg. KSrsten So,.) kritisiert die Entscheidungen deS Reichsversicherungsamtes; man fei n maßgebenden Stellen bestrebt, bie kleinen Renten abzuschaffen und bte Renten noch mehr zu verkürzen als bisher.
Abg. Becker-Arnsberg (Ztr.) schließt sich der Kritik deS Vorredners zum Teil an. Er begründet seinen An- frag, bie Unfallversicherung gemäß § 5*7 auch auf be- stimmte gewerbliche Berufskrankheiten auszubehnen unb das Augenzittern bet Bergarbeiter als gewerbliche Berufskrankheit der Unfallversicherung zu unterstellen, weil dann wenigstens der Arbeiter eine einigermaßen anständige Rente bezöge, die ihm das Aushrilen der Krankheit und den Uebergang zu einem anderen Berni« ermögliche. <kr weist alsdann auf die schauerlichen Zustände in den Erzbergwerken in Ramsbeck int Sauerlande hin.
Abg. Heepp (ntlb.) verlangt eine Reform der sog. kleinen Renten speziell in der Landwirtschaftsberuis- genosfenschast unb bittet, bie Altersgrenze für bie Invalidenrente auf 65 Jahre zurückzusetzen.
Abg. BehrenS (Wutsch. Vereinig.) schließt sich dem Wunsche nach Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre an, wünscht ferner in die Berufsgenosfen- !(haften auch Arbeiter ausgenommen, die in der Grob» ladt tätigen landwirtschaftlichen Arbeiter der Orts- krankenkaffe anzugltevern und ist für die Resolution Becker.
Abg. Goßmann (Zentr.) stimmt für den Antrag Becker und >ucht die steigende Unzufriedenheit mit der sozialen Versicherung nicht in der Gefetzgebung, sondern in der Handhabung der Gesetze durch die Behörden, besonders in der Rechtsprechung, dem einseitigen ungerechten Vorgehen mancher Beruisgenosienschaften und der Amtsverwaltung mancher BenrauenSärzie. Besonders die Gutachtertätigkeit müffe sehr sorgsam und ge« wifsenhaft und zwar non Aerzten, die nicht überlastet wären, auSgejührt werden und auf Verlangen des Rentenanftagktellers auch der Arzt gehört werden, den er selbst bestimme, rote e? ja auch die Reichsversicherungsordnung erfteulicherweise leibst bestimme. Auf btm Lande sollten ÜRrussgenossenschaften und Polizeibehörden nicht fo rigoros vorgeben, roeil die landwirtschaftliche Bevölkerung die Vorschriften nicht so genau kennt. Aufklärende Vorträge wären angebracht.
Ministerialdirektor Dr. Caspar teilt bezüglich der Resolution Becker mit, daß Verhandlungen über die Einbeziehung deS AngenzitternS unb der Lunaenkrank- heiten in bte Berufskrankheiten gepflogen sind. Bezüglich bet Rentenfeststellung seien entsprechende Schritte getan, um eine einheitliche Rentenfestsetzung für die Zukunft zu o-roäbrleisten.
Abg. Silberschmidt (Soz.) erklärt, daß die Zahl der Revisionen tm Baugewerbe unzulänglich sei.
Abg. GiesbertS (Z ) hält die Bestrebungen in industriell- und landwirtschaftlich gemischten Be irken, aus die Errichtung von Landkrankenkaflen bingvarbeiten, nicht den Absicht-w. des Gri-Hes entsprechend. Rentenentziehungen oder Verkürzungen sollten nur ausgesprochen werden, wenn die ärztlichen Gutachten vollkommen übereinftimmen. Zur beiferen Schulung unb Bildung der Beisitzer bei den Schiedsgerichten sollten ihnen nicht nur die Gesetze selbst, sondern auch die einschlägige Literatur zur Verfügung gestellt werden. Die Landkrankenkassen seien im Allgemeinen sehr wenig leistungsfähig.
Abg. Haegv (Els.-Lothr.) tritt für die Herabsetzung des Bezugs der Altersrente auf 65 Jahre ein.
Ab". Astor sZ.): Der Bundesratsbeschlub gemäß der Zentrums-Resolution, eine besondere Detaillistenberufs- genossenschaft zu bilden, bat ungeteilte Befriedigung her« vorgerufen. Ihr Sitz sei vorläufig auf 2 Jahre nach Berlin verlegt worden.
Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Caspar er- klärt. dab auf die Errichtung von Landkrankentafsin aus- schlieblick die Landesbebörden Einfluß haben.
Die Resolution Becker (Z.) wird einstimmig angenommen.
Rach Annahme des Kapitels ..Kanalamt" in un- wesentlicher Debatte folgt das Kapitel „Aufsichtsamt für das Privatversicherungswesen".
doch eine Schande, bie zum Himmel schreit," murrte er laut, „bas schöne Metall fo aus der Hand geben 3ü muffen, als sei es Sand vom roten Meere. Birio, Du bist Tein ganzes Leben lang ein nichtsnutziger 0>tnge gewesen, eine lebendige Kümmernis für Tanten und Schwestern, die Du unfehlbar an des Grabes Rand bringst durch lose Streiche. Heute oder nie ist die Gelegenheit, ein Landgut zu erwerben mit tausend Hektaren." ■
„Zweitausend."
Diesmal verlor die Bank.
„2lh, was habe ich doch für dummes Zeuz geschwatzt heute abend," begann der Vicomte von neuem, „gibt es nicht auch getreue Verwalter auf Landgütern? Und wie schön ist es, den eigenen Wein zu bauen, fünfzig Eimer auf den Hektar, und was man nicht verkaufen kann, trintt man selbst.
„Bixio, Sie haben das Landgut noch nicht —- Sie vergessen den Einsatz!" rief der Baron Mene- ville.
„Ah, richtig, hier find Eintausend! Billiger tue ich's nicht!"
Die Bank verlor wiederum.
„Sagte ich's nicht? Der Meneville fängt an, aus Nadeln zu sitzen bei dieser Affäre und eigentlich tut er mir fast ftid."
Bixio unterbrach fein Selbstgespräch, denn der Bankhalter hatte gewonnen und' zog eben die von ihm eingesetzten tausend Dukaten ein.
„Den Teufel auch, ich baue doch nicht etwa Luftschlösser?" murrte er. „Hier sind Zweitausend, den mir erteilten Anordnungen gemäß. Mischen Sie die Karten gtrt, Meneville!"
Nach wenigen Minuten waren weitere Zweitausend der Bank zugeflossen. Der Vicomte hatte nun vom Selbe seines Partners bereits verloren. „Abieu, Landgut," klagte bei junge Ebelmann.
„Aber warum setzen Sie nicht" fiel Prinz Colonna ein. Verlegen blickte ber Spieler zum Prinzen auf, bet ihm eben bas Gesicht zuwcmbte. Er hatte dem Spiele nicht die geringste Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Gras von Tarent.
35] Roman in 3 Banden von F. Steinkirchner.
„Die Sache ist einfach. Mich selbst belustiot das Spiel mcht, und ich bin leicht davon ermüdet. Aber wenn Sie die Arbeit besorgen wollen, dann liefere ich das Kapital. Sie riskieren dabei nichts als Ihre Zeit. — Der Gewinn geht in gleiche Teile."
Der junge Vicomte war brennrot geworden „Und der Verlust Hoheit? Ich hatte schon die Ehre, Ihnen meine finanzielle Basis zu schildern, die drei Dukaten sind tn einem solchen Falle nicht besser als Spreu im Windc^ und meine sonstigen Familienbesitzungen liegen jamtlich im Monde."
Der Prinz und die ganze Versammlung lachte laut, den meisten war es wohlbekannt, da er die Wahrheit gesprochen hatte und nur mehr auf eine Erbschaft von seiner Tante oder auf eine reiche Heirat zu hoffen hatte.
„Mein lieber Vicomte," sagte d-r Prinz, „Sie sind ein Spaßvogel erster Gute und ein mächtiger Mensch. Ich liebe Männer von Ihrer Klasse, *en?n das Herz auf der Zunge liegt. Natürlich trage'ich den Verlust allein, nur der Gewinn geht zwischen uns in zwei Teile."
„In diesem Falle, Hoheit, bin ich Ihr untertänigster Knecht und bereit, im Schweiße meines Ange- -ichts zu arbeiten bis Sonnenuntergang. Bixio, wer hätte das je von Dir armen Waisenknaben gedacht, daß Du die Zauberschätze Indiens im Spiele vergeuden darfst?"
Der Prinz klatschte leise mit den Händen und der eine der beiden Diener, die mit ihm gekommen waren, kam auf das Zeichen vorwärts. Er sprach einige leise Worte zu dem Diener.
In wenigen Minuten kam er zurück und überbrachte seinem Herrn zehn Goldrollen.
„Mein lieber Vicomte, hier ist meine erste Kapitalseinzahlung," sagte der Prinz, „disponieren Sie frei darüber und feien Sie ängstlich — um ru
gewinnen, muß man wagen! Jede dieser Rollen ent* hält tausend Dukaten. Biel Glück zu der Geschäfts- eröffnung!"
Ter Herzog von Tesia verließ nun seinen Platz am Spieltische.
„Der erste Akt dieses Abends ist vorbei, ich glaube, nun kommt der zweite," sagte er trocken.
Vicomte Birio empfing die zehn Geldrollen und schaute auf dieselben mit zärtlichen Blicken Dann ließ er sich würdevoll auf seinen Sitz nieder und drehte den Schnurrbart. Auf den Bankahlter warf er einen herausfordernden Blick.
„Herr von Meneville," sagte er, „ich fange an, Mitleid mit Ihnen zu empfinden. Ah, wie einem das Herz leicht wird in der Brust, wenn man solchen Stoff in solcher Menge zur Verfügung hat."
Er brach eine der Rollen und setzte zweihundert Dukaten.
„Mein Freund Bixio, ich habe vergessen, eine Bedingung in unseren Gesellschaftsvertrag cinzufü- gen . . Ich verlange von Ihnen, daß Sie niemals unter Tausend pointieren und wenn Sie verlieren, muß der folgende Einsatz verdoppelt werden. Sind Sie einverstanden?."
Ter Angeredcke verbeugte sich. „Beim Zeus, Hoheit, Sie sind zu heißblütig in solchen Dingen, aber was konnte man von Ihnen auch anders erwarten? Freund Meneville, ich glaube. Sie werden bereits nervös bei der Ankündigung, ich sehc^Wetterleuchten in Ihvrm Gesichte." *
In der Tat war der Bankhalter zusammengezuckt bei der Anordnung, die der Prinz dem Vicomte gegeben, und zum ersten Male fing jenes beängstigende Gefühl an, sich einzustellen, das er gestern abend empfunden.
Alle anderen hatten sich vom Spiele zurückg»zo- aen und schauten erwartunasvoll aus das kommende Duell.
„Eintausncd Dukaten auf Schwarz!" rief Bixio.
Meneville mischte die Blätter, eine Reihe, dann die zweite — die Bank hatte wieder gewonnen.
Der Vicomte machte ein komisch trauriges Gesicht, er die ®°rsTo[Ie dem Bankhalter zuirkmN „Es ist
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