uldaer Zeitung
Mcmais-VeNags.-
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Zuldaer Ge(d)id)tsMätter
Ziehungstiften der preutzisch-fliddeutschen Ktaffen-£otttrie. — halbjährlich TaschenfahrplaR. s
40. Jahrgang.
Mittwoch den 5. Februar 1913»
Lrstes Blatt.
fir. 29
frttjeint tägllch mit husnabme der Sonn- und Sekrtege. Dlertet- jöbrlldjer Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. - Rotationsöru* * und Verlag der L s Zuldaer flcftenönidterei in Zulda. Zemsprecher Nr. 9. s s
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Illustrierte Sonntagszdfung
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Preußischer Lanvtag.
Herrenhaus.
Sitzung vom 4. Februar 1913.
Haus nahm das Wassergesetz mit allen gegen 7 Stimmen, mit einigen ile nen Abänderungen an.
Die Beratung bekräftigte sich zunächst mit der Bildung von Zwangsgenossenschaften auch für die Wasserläufe Hilter Ordnung. Fürst Hatzfeld beantragte solche. Mit Rücksicht auf die Aussichtslosigkeit dieses Antrages im Abgeordnetenhaus wurde dieser Antrag Abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag Graf Wedel, der vom Kardinal Fürstbischof Dr. von Kopp lebhaft unterstützt wurde, gegen den Widerspruch des Ministers, wonach 16 kleinen hannoverschen Städten daS kreisstädlische Polizeirecht auch für Polizewerord- nuugen gegen Hochwassergefahren zugestanden wird, obgleich sie feine Kreisstädte sind.
Bei den §§ 308 und 30', wonach zugunsten eines Unternehmens, welches die Entwässerung von Grundstücken, Beseitigung von Abwässern und Ausnutzung einer Triebwerksanlage fördert, von den Eigentümern der anliegenden Grundstücke verlangt werden kann, daß sie entsprechende Beränderungen des Waflerlauss gegen Entschädigungen zu dulden haben, wenn das Unternehmen anders nicht zweckmäßig durchgeführt werden kann, gab es eine lebhafte Debatte. Fürst zu Salm-Horstmar wollte die Triebwerke gestrichen sehen und außerdem em öffentliches Interesse zur Voraussetzung machen. Gras Plettenberg nannte den Para' graphen »sozialistische Anwandlung', auch Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, der Schwager des Kaifers, halle Bedenken. Nach weiterer reger Debatte wurden die Paragraphen jedoch unverändert angenommen.
Nach der bald daraus folgenden Gesamiadftimmung umrden noch eine Reihe von einschlägigen Resolutionen angenommen. — Dann vertagte man sich auf Mitte März.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 4. Februar 1913.
Die Beratung des EtatS des Innern wird beim Kapitel „Landrätttche Behörden" fortgesetzt.
9lbg. Wenke (Vp.) beklagt sich über das Verhalten deS Ministers gegenüber den Uebeigttffen der Landräle.
Abg. Ströbel (Soz.) polemisiert gegen die „Anmaßung", „Allmacht" und „reaktionäre Stellung" der Landräle. Die Landräte, sagt er, betrachten das arbeitende Volk als Heloten. Der Landrat v. Trotha hat den Arbeitern unerhörte Beschimpfungen entgegengeschleuderl. (Präsident v. Schwerin: Sie dürfen einem königlichen Landrat nicht unerhörte Beschimpfungen vorwersen. Ich rufe Sie zur Ordnung.) Die Landräle fordern, daß die Regierung sich zum Büttel des Bundes der Landwirte macht. Das ist Korruption schlimmster Art. DaS Volk wird sich aber seine Rechte nicht auf die Dauer verschandeln lassen.
Abg. Korfanty (Pole) hält seine Ausführungen über die Fälle Birkenhain und Neuveck dem Minister gegenüber aufrecht.
Minister v. Dallwitz bleibt ebenfalls bei seinen gestrigen Behauptungen und erklärt, das Urteil über die Glaubwürdigkeit des Abg. Korfanty dem Hause überlassen zu wollen.
Abg. v. Goßler (fonf.j nimmt die Landräte gegenüber den immer heftiger und häufiger werdenden Angriffen der Linken in Schutz.
Auf Antrag des Abg. Cahensly wird die Debatte geschlossen.
In einer Reihe persönlicher Bemerkungen bestreitet u. a. der Abg. Korfanty die Ausführungen des Ministers und wirst ihm Unwahrhaftigkeit vor.
Beim Kapitel „Polizeioerwallung" von Groß-Berlin weist Abg. Grunenberg (Zenlr.) statistisch die Zunahme der A utom obilunfälle in Berlin nach, fordert Maßnahmen seilens der Regierung und eine Zwangs- berufsgenoflensLast der Automobilisten.
Abg. Dr. Bell (Zenlr.) fordert eine durchgreifende Reform der Kriminalpolizei, einheitliche Organi- fierung und Zentialisierung und bespricht daS Verhallen der Presse zum Kriminalwesen und den Anreiz von Kinovorstellungen zum Verbrechen und lobt das Finger, addruckverfahren. Er fordert ein Landeskriminalpottzei- amt und eine Reform des Legitimationsversahrens, für die höheren Kriminalbeamten eine Polizeiakademie.
Der Graf von Tarent.
84] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
„Schwarz gewinnt," rief de: Bankier, indem er oHe auf Rot stehenden Sätze einzog und die auf Schwarz stehenden auszahlte.
Vicomte Bixio strich vergnügt den Schnurrbart. „Meneville, wenn Sie so fortmachen, dann leiste'ich Ihnen Abbitte, denn ich habe Sie immer für einen Losen Charakter gehalten. Die Bank hat zwar gewonnen, aber ich hielt auf schwarz und habe meine Ich« Füchse ehrlich verdient."
Der Vicomte ließ den Einsatz stehen mit dem gewinne, auch Orsini folgte seinem Beispiele und andere. Gleichmütig und mit eiserner Ruhe drehte sich der Herzog von Tcsia um und entnahm einer Schale, welche, mit Goldstücken gefüllt, von einem seiner Diener gehalten, den doppelten Betrag, welchen er eben auf Rot verloren.
! Grimaldi suchte mit seine: einen Hand im seidenen Wams und setzte fünfundzwanzig Dukaten auf Rot.
! Wieder legte der Bankhalter die Blätter, diesmal zeigten beide Reihen die gleiche Anzahl Augen, einunddreißig. Der Coup war unentschieden und jedem'Pointeur stand es frei, den Einsatz zu ändern. Ter Herzog von Tesia verdoppelte, viel folgten seinem Beispiele. Es standen über hundert Dukaten auf Schwarz, mehr als das Dreifache auf Rot. Stillschweigen herrschte im Raume, man hörte nur das Rascheln der Blätter in den Händen des Bankhalters.
Jetzt entschied es sich. Schwarz hatte wieder gewonnen.
I „Ah, der Abend läßt sich gut an", meinte Vicomte Bixio, „wenn ich noch eine halbe Stunde mit demselben Erfolge weiter arbeite, dann kaufe ich mir ein Landgut und beginne zu säen und zu ernten, tote andere ehrliche Menschen. Ein glorreicher Abend nach eines- trostlosen Taae."
Unterstaatssekretär Holz kann eine Reform im vollen Umfange wegen der ungeheuren Kosten nicht in Aussicht stellen. Verspricht aber vollkommene Ausbildung der Kriminalpolizei unter Heranziehung der Kriminalbeamten der Kommunen.
Abg. v. Pappenheim (kons.) spricht, über das 3fgeunerunn>e|en und verlangt, daß Gewerbescheine an vagabondierende Zigeuner vorsichtiger erteilt werden sollen als bisher.
Minister v. Dallwitz: Gegenwärtig schweben Verhandlungen mit unseren Nachbarstaaten.
Abg. Trimborn (Ztr.): Herr Marx hat neulich er- wähnt, daß evangelische Pensionäre, die in katholischen Klöstern Unterkommen gesucht hatten, von der Polizei, auch von der Berliner Polizei, gezwungen worden sind, die Anstalten zu verlassen. Der Minister ist auf oiese Fälle nicht eingegangen. Das hat vielleicht seinen Grund darin, daß die Äusiührungen des Kollegen Marx verwoben waren in eine Polemik gegen den Abg. v. Kardorff, al|o nicht direkt an den Minister gerichtet waren. Ich möchte nun die Bitte aussprechen, die höfliche Bitte iHeiterkeit) und darüber hinaus die Erwartung aussprechen, daß der Minister bei geeigneter Gelegenheit, es braucht nicht heute zu fein iHeiterkeit), zu den vorgetragenen Fällen Stellung nehme. Ich möchte wissen, worauf sich die Beschränkung stützt, um die es sich handelt. Es handelt sich um eine Beschränkung Evangelischer, nicht von Katholiken. (Heiterkeit.) Mau )agt, diese Beschränkung finde sich m den Genehmigungsurkunden für diese klösterlichen Niederlassungen. Die Berechtigung des Ministers des Innern, derartige Bestimmungen auszunehmen, gründe sich, so heißt es, auf die Staatsaufsicht, die dem Minister über die klösterlichen Niederlassungen übertragen worden ist. Es bleibt aber zu untersuchen, ob wirklich mit Recht eine derartige Berechtigung aus dem Klostergesetz für den Minister hergeleitet werden kann. Ich möchte also vom Standpunkt der Regierung eine Art Rechtfertigung nach der juristischen Seite. Weiter wird behauptet, daß baS Vorgehen des Ministers auf einen Beschluß des preußischen Gesarntministermms beruhe. Uns interessiert nun zu wissen, was sich die Herren Minister dabei gedacht haben, solche Maßnahmen zu treffen.
Minister v. Dallwitz: Es ist richtig, daß sich der Polizeipräsident von Berlin au) Grund der Genehmi- qungsurkunde für das Genesungsheim der Grauen Schwestern in Berlin veranlaßt gesehen hat, zu verfügen, daß evangelische Personen, die sich in der Anstalt befinden, eine anderweitige Unterkunft suchen möchten. Bei einzelnen, wo es Schwierigkeiten bereitete, wurde eine Frist von einem halben Jahr gestellt. Wenn Herr Trimborn fragt, auf Grund welcher Bestimmungen derartige Bedingungen bei Genehmigung der Niederlassung ausgestellt worden sind, so fühle ich mich zwar sehr geschmeichelt, daß er sich an mich wendet, ich möchte ihm aber doch anheim stellen, die Frage beim Kultusetat vorzubringe». (Heiterkeit.)
Abg. Göbel (Ztr.) beklagt sich über die Zunahme des Verbrechertums an der russischen Grenze Ober« sch testens, und wünscht Einführung königlicher Polizei- mannschasten an den Jndnstriebezirken der Grenze und ein Zusammengehen der Deutschen Polizeiorgane mit denen Oesterreichs und Rußlands auch für die Bekämpfung des Mädchenhandels.
Minister v. Dallwitz erklärt die Wunsche des Vorredners wohlwolleno in Erwägung ziehen zu wollen.
Abg. Hoffmann (Soz.) wendet sich gegen den ganzen Geist des heutigen Polizeiwesens.
Donnerstag: Fortsetzung.
D Im Sturm.
Das deutsche Zentrum steht wieder einmal mitten im Sturm. Er braust von allen Seiten heran, um es in seinen Grundfesten zu erschüttern. Rechts und links stehen die Parteien, die am Zentrum ihr Mütchen kühlen wollen, weil es unbekümmert um links und rechts und ohne Augenaufschlag nach oben seine eigenen Wege geht und sich selbst treu bleibt.
Vor 2 Monaten hat die Zentrumssraktion des Reichstags dem Kanzler und dem Bundesrat das Vertrauen gekündigt, weil sie durch die Entscheidung im Jesuitengesetz den Glauben unmöglich gemacht hätten, daß die Bedürfnisse der Katholiken im deutschen Reiche von ihnen eine gerechte Behandlung
„Lassen Sie den Einsatz stehen?" fragte Meneville ungeduldig.
„Natürlich, ich bin" noch lange nicht zufrieden gestellt und Schwarz ist im Glück . .
Die Kartenblätter raschelten, Schwarz gewann ztkm dritten Male.
Die Bank hatte auf Rot dreimal gewonnen und die auf dieser Seite stehenden viel höheren Sätze ein- gezogcn,
Das Spiel uahni seinen Gang, die Bank war merklich im Gewinne und mancher, der eine Hand voll Gold verloren hatte, stand mißvergnügt auf.
Kaum machte aber der eine Platz, so wurde der leere Sitz von anderen eingenommen.
Die Chancen des Spiels wechselten, Schwarz verlor etliche Male und Vicomte, der sich fein Schweigen auferlegen konnte, begann laut über den Wechsel des Geschickes zu murren. Der Herzog von Tesia spielte immer schweigend, mit der Ruhe eines spanischen Granden und weder Verlust noch Gewinn brachte auch nur die geringste Bewegung in seinem Gesichte hervor.
Nach einer halben Stunde hatte Meneville als Bankhalter über tausend Dukaten gewonnen. Grimaldi verließ seinen Platz am Spieltisch und machte dem jungen Fürsten Guastala Platz.
„Ich bin rattenkahl geplündert", sagte er, „und meine eine Hand hat mehr Geld heute abend aus- gegeben, als sie in den nächsten Wochen einnehmen wird. Vicomte Bixio, ich sehe, Sie sind im Glück, denn Ihre zehn Dukaten, mit denen Sie angefangen, haben sich, wie ich sehe, verzehnfacht."
Der Vicomte lachte ^etzt, denn das Glück hatte sich ihm wieder zugewandt. „Meiner Mutter Sohn kann'z brauchen", antwortete er, „aber immer bin ich noch toi'.t von dem Ankäufe des erträumten Landgutes entfernt. Hundert Dukaten auf Schwarz — entweder oder!"
Er gewann, und nun lachte alles laut auf, denn nun zog er seinen schmalen Lederbeutel hervor und brachte den größten Teil seines Gewinnes in Sicher- b«iL
erfahren. Damals lachte man in der gesamten nicht- katholischen Presie über diesen „Theaterdonner" des Zentrums und wurde auch durch die Entrüstung im ganzen katholischen Volke über die Behandlung seiner Wünsche durch die Reichsregierung nicht eines Beste- ren belehrt. Jetzt ist der Ton in jener Preste plötzlich umgeschlagen, überall liest man von der „Rache des Zentrums' und seiner „vaterlandslosen Gesinnung".
Man ist eifrig am Werk, das Zentrum in jeder Weise zu verdächtigen und ihm die unredlichsten Absichten zu unterschieben. Warum? Nun, eigentlich nur, weil das Zentrum seine eigenen Grundsätze hat und demgemäß auch handelt.
Der Beschluß des Reichstages in der Enteignungsfrage hat den Becher des Zornes zum Ueberschäumen gebracht. Ja, die Mistetat des Zentrums ist allerdings kolostal! Da hatten die Polen eine Interpellation gestellt und zugleich den Beschluß beantragt, daß die Zulassung der Enteignung durch den Reichskanzler der Auffassung des Reichstages nicht entspreche. Alle Welt weiß seit Jahren aus den Worten und den Taten der Zentrumsabgeordneten, daß sie wirklich unseren Anschauungen nicht entspricht. Das Zentrum mußte also folgerichtig und ehrlicher Weise die von den Polen gestellten Fragen bejahen. Liber die Scharfmacher sagen, das Zentrum hätte seine Ueberzeugung verleugnen müssen. Warum und wozu? Sollten unsere Vertreter die formalen Tüfteleien über die Zuständigkeit in den Vordergrund schieben, um sich vor einer klaren Kundgebung der Ueberzeugung zu drücken, wie es die Freisinnigen taten? Durch eine solche Halbheit und Feigheit hätten wir nicht bloß der guten Sache, sondern auch unserem eigenen Ansehen geschadet. Den „Mut unserer Meinung" soll man weder hüben noch drüben uns absprechen.
Nun stimmten auch die Sozialdemokraten mit Ja. Sollen wir deshalb unsere Ansicht an- dem und verleugnen, weil die Sozialdemokratie sich chr anschließt? Da hieße ja, die Sozialdemokratie zu Herren über unser Verhalten machen; denn sie könnte ja durch ihre Zustimmung uns jedesmal zwingen, eine Aktion aufzugeben und das Gegenteil von dem zu tun, was wir wollten. Solche törichte Theorien sollte nicht einmal ein zorniger Scharfmacher aufstellen. Der Herr Reichskanzler hat sich sogar nicht gescheut, die elsaß-lothringische Verfassung mit den Sozialdemokraten zusammen zu machen. So ein gemein- fames Werk ist doch «ch ganz etwa- andere-, als eine gemeinsame Erklärung. Wir gehen unseres Weges; wer mitgehen will, mag desselben Weges gehen; wir gehen nach wie vor u n s e r e s Weges.
Wie in den letzten Monaten, so wird das Zentrum auch in Zukunft die Politik machen, die chm die beste scheint; es wird sich davon nicht abhalten lassen, durch irgendwelche Drohungen und Borwürfe; für sein Verhalten ist cs seinen Wählern verantwortlich und die stehen einig und geschlossen hinter chm.
Das Zentrum hat es gar nicht nötig, künstliche Konflikte heraufzubeschwören; es läßt -die Dinge ruhig an sich herankommen, e§ hat gor keine Eile. Es zerbricht sich auch gar nicht den Kopf über die kommende Wehrvorlage und eine etwaige Reichstagsauflösung. Es ist haltlos, wenn man jetzt schon von einer Ablehnung der großen Militärvorlage durch das Zentrum als einer absolut feststehenden Tatsache und von einem Hindrängen des Zentrums auf eine Auflösung des Reichstags redet. Noch mehr aus Fastnachtsstimmung berausgeboren ist die Meldung von dem angeblichen Versuch eines bekannten Zentrumsführers, für die eventuell bevorstehenden Reichstagsneuwahlen ein Wahlbündnis mit der Sozial- demokratie zu schließen. Das alle? sind nur zur V e r d a ch t i g u n g des Zentrums in Umlauf gesetzte Ammenmärchen.
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„Warum lachen Sic, meine Herren? . . . Ein armer Klopfsechter wie ich, muß auch an das Morgen denken. Ich traue diesem Meneville nicht, er sitzt mit seiner Bank im Glücke bis an den Hals, sehen Sie nur, mit welcher Unverfrorenheit er das (Selb anderer Leute einzieht."
In der Tat hatte der Bankhalter eben wieder einen sehr bedeutenden Gewinn eingestrichen.
Fürst Guastala folgte dem Beispiel des spanischen Granden. Ruhig und ohne Erregung setzte er hunderte von Dukaten und verlor. Weitere hunderte folgten und hatten dasselbe Schicksal. Andere, die auf die entgegengesetzte Farbe Einsätze geringerer Natur gemacht hatten, darunter Bixio,' der es diesmal nur mit fünf Dukaten riskiert hatte, gewannen.
„Wie dumm, das Geld in den Deutel zu tun, wenn man es in einer Minute verdoppeln kann", sagte er in drolligem Tone und holte die eingesteckten Goldstücke wieder heraus. In der nächsten- Minute waren dieselben verloren.
Alles mußte laut lachen, als er verblüsft den nach der Bank wandernden Stücken nachschaute.
„Da Ivanbert das Landgut dahin", sagte der Marchese Tejano, der auch bereits einen bedeutenden Betrag verloren hatte.
„Bah, der Besitz von Gütern macht Sorgen", antwortete der junge Mann, „man bekommt einen schiechen Verwalter, Mißernten treten ein, das Vieh erkrankt an einer Seuche und fällt — in meiner jetzigen Lage habe ich derartiges nicht zu befürchten und kann mein Haupt sorgenlos auf den Pfühl legen."
Das Spiel hakt» bereits über eine Stunde gedauert. Die Goldhaufen vor Meneville schwollen immer höher. Seine Augen funkelten, mH dem Be- sitze erwachte in ihm die Habgier noch mehr, immer mehr.
„Merkwürdig, tote lange der Prinz ausbleibt?" ertönte eine Stimme im Kreise.
„Vielleicht hat er Furcht, einen Teil seiner Schätze -u verlieren" saate Baron Meneville übermütio.
Die Militärvorlage hat noch nicht den Bundesrat postiert, sicht in ihrem Umfange und ht ihrer Höhe noch nicht einmal hn Kriegsministerium fest. Was bis jetzt über die Höhe der Forderungen gemeldet tourbe, kann beshalb noch nicht als absolut zuverläfltg angesprochen werden. Das Zentrum kann geduldig bis zur B e k a n n t g a b e der neuen Vorlage warten, ehe es zu ihr Stellung nimmt. Tas aber steht heute schon fest, daß dem Zentrum nichts ferner liegt, als Forderungen, die zum Wohle des Vaterlandes tatsächlich notwendig sind, zu "verweigern. Unlöslich mit der Militärvorlage ist aber die B es itz- st eu er v o r l a g e, die ebenfalls noch in völliges Dunkel gehüllt ist, verbunden. Es sind ganz müßige Redereien, die von einer Obstruktion des Zentrums wissen wollen, in Dingen, die vorläufig noch jedem ein Geheimnis sind. Auch um eine Reichstagsauflösung ist es dem Zentrum gar nicht zu tun; es wird die Dinge bet fester grundsätzlicher Haltung ruhig chren Lauf nehmen lasten.
Will die Regierung, was doch noch zweifelhaft ist, anläßlich bet Militär-und Deckungsfragen es zu einer Auflösung des Reichstages kommen lasten, dann wird das Zentrum mit großem Vertrauen in einen neuen Wahlkampf ziehen. Daß es hierfür die Hilfe der So- zialdemokratie anrufen würde, ist eine plumpe Erfindung, die eines ernsten Widerspruchs gar nicht bedarf.
Je mehr das Zentrum gerade jetzt Anfeindungen und Verdächtigungen von allen Seiten ausgesetzt ist, um so treuer unb einmütiger müssen sich feine Anhänger zu ihm stellen. Sie müssen die Augen auf und das Pulver trocken halten.
Deutscher Reich.
*♦ Berlin, 4. Febr. 1913. Der Kaiser ist mit der Kronprinzessin im Sonderzuge von Berlin nach Königsberg i. Pr. gereift, wohin sich auch der Krom prinz begeben hat. — Der Grundstein zu unsere! 3. Torpedobootsdivifion wird am 1. April d8. IS. in Wilhelmshaven durch die Errichtung der 7. Torpedobootsflottille gelegt werden. — Im Herrenhaus ist ein neues Mitgliederverzeichnis ausgegeben worden. Nach diesem Verzeichnis hat das Herrenhaus zurzeit 348 Mitglieder
S Tie Budgctkomrnission des Abgeordnetenhauses erledigte am Montag abend den Etat der Bauverwaltung. Zunächst gab die Frage der Mainkanalisierung zu längeren Debatten Anlatz. Eine Entschlietzung wurde angenommen, nach welcher der Neubau der Kostheimer Schleuse möglichst in den nächstjährigen Etat eingestellt wird. Für die Verbesserung der Oderschiffahrtsstrahe bei BreSlau wurden 2 Millionen bewilligt, für einen erweiterten Ausbau der Weser zwischen Minden und Bremen 300000 Mark, und schließlich weitere 300 000 Mark für den Neubau der Weserbrücke bei Minden. Für Strandschutzbauten auf Juist wurden als erste Rate 400 000 Mark bewilligt.
a Die verstärkte Justizkommission beS Abgeordnetenhauses beschloß bei der Beratung der HinterlegungS. ordnung, den § 3 der Regierungsvorlage wiederherzu- stellen, die Beschwerde also nicht im Wege der freiwil- ligen Gerichtsbarkeit, sondern auf dem der Justizaufsicht zu entscheiden. Eine Resolution ersucht die Regierung, darauf hinzuwirken, daß die Hinterlegungsstellen bei der Behandlung der Anträge auf Annahme und Herausgabe zu hinterlegender Gegenstände durch Beratung und Verhandlung aufklärend und fördernd mitwirken, und daß der Geschäftsgang möglichst beschleunigt wird.
s. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat die Wahl deS Abg. v. Lied er t (Rp.) im Wahlkreise Borna-Pegau beanstandet und Beweiserhebung beantragt Abg. v. Liebert war in der Stichwahl mit nur 11 Stimmen Mehrheit gegen den sozialdemokratischen Kandidaten gewählt worden. An der Wahl sollen Personen teil« genommen haben, die das wahlfähige Alter noch nicht besaßen.
In diesem Moment entstand an der Tür eine Bewegung, Diener eilten und öffneten beide Torflügel— der Prinz von Indien trat ein. —
* * X
* .
Hinter dem Prinzen gingen zwei Diener, welche ein großes Kästchen aus Ebenholz, das mit silbernen Beschlägen versehen war, an den Handhaben, von denen eine an jeder Seite sich befand, trugen. Die' Diener blieben auf einen Wink ihres Herrn in der Nahe der Tür stehen unb ließen ihre Last nieder. Der! Prinz trat an die um den Spieltisch Sitzenden heran und begrüßte die Versammlung.
Der Herzog von Tesia war der erste, der aufftanb und mit dem Angekommenen einen Händedruck wechselte. Allen fiel es auf, wie der sonst so stolze Spanier den steifen Nacken zuerst beugte.
Der Prinz machte die Runde und schüttelte die Hände mit allen. Als er auf Meneville schaute, der sich erhoben hatte und dem Prinzen ebenfalls die Hand entgegenftrecfte, da grüßte dieser leichthin und schien die dargebotene Hand nicht zu sehen.
„Ah, wie ich sehe, haben die Herren die Zeit schon benützt", sagte der Prinz. „Sind wesentliche Gewinne gemacht worden?"
Die Frage war an den Vicomte Bixio gerichtet, der seinen Sitz verlassen hatte und mürrisch an^ seinem Schnurrbart kaute, denn in den letzten Sätzen hatte er alles, was der Abend ihm eingebracht hatte, verspielt.
„Monseigneur, meiner Mutter Sohn kann nichts Gutes berichten", antwortete er. „Mit wenigen Ausnahmen haben wir alle Haare gelassen, in meinem Beutel wimmeln nur mehr drei einsame Dukaten umher, unb die darf ich nicht riskieren sonst käme ich in bte Sage, morgen vor einer Kirchentür betteln zu müssen.
„Lieber Vicomte", sagte der Prinz in nachlässigem Tone, „mit drei Dukaten läßt sich allerdings leist Sturmlauf auf eine Bank unternehmen, aber wist wäre es, wenn wir ein Kompagniegeschäft gründest würden?" Ptortfebung. folgt.) . -■>