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Wochm-Veilage:

Illustrierte Sonntagszeitung

— Halbjährlich Taschenfahrplan, s

~ Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Xlasten-Lottrrie.

40. Zahrgang

Nr. 28

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Ausland

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Laufe dieses Jahres stattfinden, zu :fle Besuch des Mikado wird dem ver­

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A Eine Reise nach Europa gedenkt der Kaiser von Japan nach den Krönuugsfeierlichkeiten in Tokio, die im f '

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Zuldaer Seschichtsbliitler

mehr als 50 Prozent Katholiken haben. Die Sozial­demokratie verhöhnt und verspottet nicht nur die Kirche, sondern auch ihre Diener. So schrieb die Düsseldorfer sozialdemokratische Volkszeitung, als man konfessionelle Krankenschwestern in das städtische Krankenhaus ein­stellen wollte: „Das Lob der Krankenpflegerinnen soll über allen Zweifel erhaben sein. Wir wissen es anders. Nirgends ist der religiöse Fanatismus größer und nichts­würdiger als bei diesen engelgleichen Menschenkindern. Die katholischen Nonnen treiben einen religiösen Ter­rorismus und konfessionelle Drangsalierung. Dieser Terrorismus ist um so verwerflicher, wenn er gegen Bezahlung geschieht." sHört, hört! im Zentrum.) Eine solche Sprache gegen katholische Krankenschwestern ent­springt nur dem leidenschaftlichen fanatischen Haß gegen alles religiöse Empfinden. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Eine solche Sprache wird auch meist von solchen Leuten geführt, die sich am liebsten von katholischen Schwestern behandeln lassen. (Sehr richtig! im Zentr.) lind wenn sie es dann getan haben, bekommen sie den bekannten Eselstritt. Eine solche Sprache charakteri­siert die gemeine KampfeSart gegen die katholische Kirche und ihre Orden. Wenn heute Stimmung für Aus­nahmegesetze gegen die Arbeiterschaft vorhanden ist, dann sind in erster Linie die Sozialdemokraten mit ihrem Radikalismus schuld. (Sehr richtig! im Zentrum.) Die Stimmung für Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemo­kratie und die Abneigung für Usbertragung des Reichs­tagswahlrechts ist auf den Radikalismus der Sozialdemo­kraten zurückzufiihren. (Beifall.) Der Abg. von Campe bemnägelte die Zurücksetzung der bürgerlichen Elemente in der Verwaltung. Wie ist aber das Verhältnis zwi­schen Katholiken und Protestanten in der Verwaltung? Das Ministerium ist vollkommen katholikenfrei. (Hört, hört! im Zentrum.) Von 4 81 preußischen Landräten sind nur 62 katho­lisch. (Hört, hört! im Zentrum.) In Schlesien, das zu 56 Prozent katholisch ist, sind von 63 Landräten 58 evangelisch. (Hört, hört! im Zentrum.) Der katholische Volksteil hat ein Recht, etwas mehr berücksichtigt zu werden. Die Kinematographentheater soll­ten mehr unter die Lupe genommen werden. Vor allem sollte zur Errichtung eines Kinotheaters die Erteilung der Konzession notwendig sein. Auf jeden Fall müssen wir von der Regierung verlangen, daß sie hier energisch eingreift. Es handelt sich um das Wohl des Heranwach­senden Geschlechts. (Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts.)

Abg. Hammer (kons.) meint, daß ein Ausnahmegesetz gegen den sozialdemokratischen Terrorismus im Interesse der christlich organisierten Arbeiter und das z. Zt. be­stehende Wahlrecht gerade im Jntereffe des Mittel­standes sei.

Abg. Schda (Pole) führt Klage über die Schikanie­rung polnischer Wähler bei Ausübung ihres Wahlrechts und die Beschränkung der Vereins- und Versammlungs­freiheit und den von der Regierung herauf gezwungenen Boykott.

Minister v. Dallwitz meint, die Erregung der Polen sei ja nur künstlich, denn die Enteignung sei ja weiter nichts als eine Ausführung des schon 1908 beschlossenen Gesetzes. Sir (zu den Polen! haben diesen Anlaß nur absichtlich mißbraucht, um die Erregung zu schüren und die im Abflauen begriffene Boykottbewegung von neuem zu entflammen. Den Grund zur Klage über die Förde­rung „nationaler Werkvereine" kann ich nicht einsehen, da diese im schärfsten Gegensatz zur Sozialdemokratie Konflikte mit den Arbeitgebern auf gütlichem Wege bei« zulegen suchen. Bezüglich der Bekämpfung der KinoS kann ich mitteilen, daß diese einem Ausflchtszwang unter­worfen werden und ein entsprechender Entwurf einer Novelle zur Reichsgewerbeordnung bereits fertiggestellt ist.

Abg. Dr Schrpp (Volksp.) erklärt, daß man nur mit einet volkstümlichen Politik der Sozialdemokratie gegenüber weiter komme.

Ein S chlußantra g wird gegen die Stimmen der Rechten abgelebnt.

Abg. Dr. Liebknecht (so,.): Wir haben wirklich Glück. Wir hätten es uns nicht träumen laffen, solche Agi- tarionSmittel zu bekommen, wie sie uns die Zed­litz, Kardorff geliefert Haden. Diese Reden werden wir als Agttationsbroschüren in die Welt hinausschicken. Wir sind gern bereit, Herrn v. Kardorff noch ein Autorenhonorar zu zahlen. (Heiterkeit.) Auch Ihnen, Herr von Zedlitz. Gibt es wirklich noch Käuze, die glauben, uns damit ein Härchen krümmen zu können? Diese petrefakte Anschauung schließt sich den fieben Weltwundern würdig an. Ihre politische Rückständig­keit macht uns das Leben so bequem, daß uns alle aus­ländischen Genoffen beneiden. Neidisch lagen sie: Ja, ihr habl's bequem, ihr habt euer preußisches Junkertum, ihr habt eure Polizeiwirtlchast, ihr habt euer» Freiherrn v. Zedlttz (Heiterkeit) und seinen Kronprinzen Kardorff. (Heiterkeit.) Dte Minister in Preußen sind nichts anderes alS die ausführenden Orga e der Mehrheit dieses Hauses speziell der konservativen Partei. Ihr Schrei nach dem Ausnahmegesetz gegen uns ist nur das Eingeständnis Ihrer vollkommenen inner« Ohnmacht.

Ein Antrag auf Schluß der allgemeinen Besprechung wird jetzt angenommen.

Dienstag: Etat deS Innern (Fortsetzung).

bündeten England gelten.

*♦ Kaiser Menelik f. Ein Telegramm aus Adis Abeba zeigt den Tod Meneliks ll. von Abessynien und den feierlichen Einzug seines Nachfolgers, Prinz Jujsuf, an. — Da Menelik schon häufig tot gesagt wurde und eine offizielle Bestätigung der Depesche" bisher noch nicht eingetroffen ist, muß Vie Nachricht mit Vorsicht ausgenommen werden-

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Deutsches Reich.

** Berlin, 3. Febr. 1913. Der Kaiser besuchte Beute vormittag den Reichskanzler Dr. v. Bethmann- Hollweg. — Der Besuch des Prinzregenten Ludwig und seiner Gemahlin wird hier für den 7. März erwartet. — Der König von Sachsen ist heute im strengsten Inkognito nach Berlin abgeretft. Er gedenkt die Geweihausstellung zu besuchen und noch am Nachmittag zurückzureisen.

□ Die Konferenz zur Untersuchung der Ursachen für die Fleischteuerung hat nach dreitägigen Erorte- rungen die Verhandlungen auf längere Zeit unter­brochen. Sie hat nicht seststellen können, welche Fak­toren auf dem Fleischmarkt als überflüssig oder schäd­lich auszuschalten seien. Man war der Ansicht, es gäbe z. B. kein Mittel, die Form des An- unbjßer« kaufe? zu beeinflussen. Die Hauptsache sei die F ö r- derung der heimischen Viehzucht.

c Die geheime Abstimmung bei den Stadtverord­netenwahlen ist in einer Eingabe aus Bielefeld an das Abgeordnetenhaus verlangt worden. In dem jetzt izur Verteilung gelangten Bericht der Ge­rn e i n d c k o m m i s s t o n, die sich mit dieser Ein­gabe im vorigen November beschäftigt hat, wird mit­geteilt, daß ein freikonservativer Abgeordneter in der Kommission die Ansicht vertrat, eine etwaige Abände­rung der Wahlrechtsvorschriften sei von grundsätzlicher Bedeutung für die Städteordnung; an eine solche Aenderung könne vor Verabschiedung der etwaigen preußischen Wahlrechtsreform nicht gedacht werden; das zukünftige preußische Wahlrecht müsse auch für das künftige Wahlrecht zur Stadtverordnetenver­sammlung von ausschlaggebender Bedeutung werden. Der Regrerungsvertreter aus dem Ministermm des Innern führte aus, zurzeit könne noch nicht übersehen werden, ob und in welcher Richtung eine etwaige Aenderung des Landtagswahlrechts eine Rückwir­kung auf die Bestimmungen der Gemeindeverfas­sungsgesetze über das kommunale Wahlrecht ausüben müsse; da hierüber noch nichts feststehe, so sei seiner Ansicht nach die Ueberweisung als Material angezeigt. Ohne Erörterung beschloß die Kommission einstim­mig, zu beantragen: die Petition der Regierung als Material zu überweisen.

* Eine „pikante Enthüllung" in der Jesuitenfrage wurde auf der soeben tagenden Anhaltischen Landes- svnode von dem Gencralsuperintendenten Schu­ba r t gemacht. Nach dem Berichte des Anhaltischen Staatsanzcigers teilte er mit, daß man „aus den auf der Eisenacher Kirchenkonferenz gemachten vertrau­lichen Mitteilungen habe ersehen können, welche Mit­tel von den katholischen Kirchenfürsten und den Jefnften an höchster Stelle, sowie beim Reichstag und beim Bundesrat angewandt würden, um die Zulassung des Ordens zu erreichen". — Was mögen sich da wohl die geängstigten protestantischen Leser wieder Schreckliches denken. Je geheimnisvoller und „vertraulicher" die Andeutungen, desto weiteren Spielraum können die gruseligen Leser ihrer in punkto Jesuiten ohnedies lebhaften Phantasie lassen. Und darauf kommt es manchen Hetzern nur an. Daß nur ja kein Protestant auf den Gedanken kommt, daß die katholischen Kirchenfürsten das durchaus gesetz­liche Mittel der Denkschrift benutzt haben, weiter nichts!

* Halle a. d. S., 3. Febr. 1913. Der in Weißen­fels tagende Bezirksverband der Fortschritt­lichen Volkspartei beschloß für die sieben Wahlkreise Halle, Merseburg, Weißenfels, Mansfeld, Torgau, Bitterfeld und Wittenberg zur Landtags­wahl ein Abkommen mit den National- liberalen, wonach jedesmal ein nationalliberaler und ein freisinniger Kandidat aufgestellt werden.

* Bamberg, 1. Febr. 1913. Im Befinden des Prälaten Dr. Schädler ist eine erfreuliche Er­leichterung eingetreten. .

* München, 3. Febr. 1913. Der Senat der Um- versität München hat dem Prinzregenten Ludwig von Bayern zur 109. Wiederkehr des Semesters, an dem er seine Studien an der Universität begann, eine Glückwunschadreffe überreicht. Ter Regent betonte in feinem Dankschreiben, wie nachhaltig die Eindrücke für sein ganzes Leben waren, die er au§ den Vorlesungen geistig hochstehender und ideal ge­sinnter Männer empfangen habe. Er werde eS als feine ernste Regentenpflicht erachten, den Hochschulen des Landes seine landesväterliche Fürsorge zuteil werden zu laffen.

Ein schwarz-rotes Wahlbündnis

Preußischer Landtag»

Herrenhaus.

Sitzung vom 1. Februar 1913.

Das Haus beriet den Entwurf eines Wasfergesetzes.

Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer halt das tn-sett für notwendig wegen der veralteten wafterrechi- MHen Vorschriften der modernen Wirtschaftsverhaltnisi e 2 denZorwurf eines zu geringen Schutzes der Rechte Ls Privateigentums für direkt falsch. Bei einer Ab- lebnuna des Gesetzes wäre für die Staatsregierung bte Vorlegung eines neuen Entwurfes für die nächsten Jahre Bt^®rnf Frhr. v. Mirbach erklärt, daß das Gesetz als zu empfindlicher Eingriff in die bisher völlig unbeschränkten Eiaentumsrechte für ihn und ein Teil seiner politischen Freunde unannehmbar sei. Wir werden m Preußen fefet mit Gesetzen überlastet, sodaß ihre Ausführung für ba§ platte Land sicher unmöglich ist. Das vorliegende Gesetz ist wieder ungeheuer umfangreich. Die Land­wirtschaft wird durch dieses Gesetz schwer belastet.

Oberbürgermeister Dr. Johannsen-Krefeld: Die Bor- laae ist aber weit davon entfernt, unsre Wasserwirt- fdwft zu fördern. Deshalb sehen Landwirtschaft und Industrie dem Inkrafttreten des Gesetzes mit Besorgnis entgegen. Nutzen von dem Gesetz werden gewiß die Rechtsanwälte haben, denn an Prozessen aus Anlaß des Gesetzes wird es nicht fehlen. (Heiterkeit.) Sollte das Gesetz fallen, werden wir ihm keine Träne nachweinen.

v. Tziembowsky: Der Gesetzentwurf bringt erheb- liche' Eingriffe in die Fischereiverhältnisfe. In dieser Hinsicht erwarten wir eine Aenderung des Gesetzes.

Graf Droste-Bifchering vermißt die Bestimmung der Unverletzlichkeit des Eigentums, ferner zufriedenstellende Regelung der Entschädigungsfrage und lehnt das Gesetz in dieser Fassung ab.

Fürst zu Salm-Horstmar stimmt ohne wesentliche Berbesserungcn und Aenderungen gegen das Gesetz.

Graf Zedlitz stimmt für das Gesetz, da er seine Be­dürfnisfrage durchaus bejahen müßte und dasselbe ein bedeutender Fortschritt sei.

Graf zu Rantzvw hält die Vorzüge des Gesetzes für vorwiegend und hofft auf eine bessere Kommissions­fassung.

Dr. v. Böttinger: Trotz der großen Bedenken auch auf Seiten der Industrie stimme er für das Gesetz, da e5 Verbesserungen enthielte.

In der Spezialberatung werden die §§ 1—24a u n - verände rt angenommen. In unwesentlicher Abänderung § 25, fernerhin unverändert die §§ 26—54 und en Bloc die 55—75. § 76, welcher bestimmt, daß die Wasserpolizcibehörde dem Unternehmer zur Erfül. lung der in VerleihungSbeschlnh auferlegten Bedingun­gen anhalten kann, wird mit einem Abänderungsantrag deS Fürsten-Salm-Horstmar, wonach die Wasserpolizei- behörde zur Erfüllung der Bedingungen „anzuhalten hat" angenommen. Die §§ 79—183 gelangen unverän­dert zur Annahme.

Donnerstag: Fortsetzung.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 3. Februar 1913.

Die allgemeine Besprechung zum Etat deS Innern «Ed fortgesetzt.

Abg. Frbr. v. Zedlitz (frk.) m-cht scharf gegen die Sozialdemokratie und gegen die Polen. Die Resolution des Reichstags in der Polenfrage halt er staatsrechtlich für belanglos, als wenn der Reichstag beschlossen hätte, dte Sonne solle nicht mehr scheinen. «Gelächter.) Dem Staatssekretär deS Innern schiebt er bezüglich seiner Aeußeiung über das Wohnungsgesetz Schwäche gegen­über dem Reichstag zu und ist bei einer Wahlreform für eine Abstufung nach dem wirklichen Gewicht der Stimme.

«rtMeint täglich mit «usnayme der Sonn- «mb Stiertag6. Diertet- Hbriütjer Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Suita Ewu auswärts MO mark. - - Rotationsdruck, und Verlag.der x - Sulbaer ffctiendruckerei bi Zulda. Zernsprecher Nr. S. - -

Sie internuMe Lage.

Za der letzten Stande

haben die Botschafter in London noch einen 33er» Mittelungsvorschlag in Gang gebracht. Ob dadurch die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten über« überhaupt noch verhindert werden kann, ist im Augen­blick noch nicht zu übersehen. Aber jedenfalls sorgt der Vorschlag dafür, daß neben den etwaigen Feind- seligkeiten die Ausgleichsverhandlungen im Gang bleiben, und die Fortsetzung der diplo­matischen Arbeiten erleichtert wiederum den Krieg­führenden, die militärischen Aktionen mit jener Zurück­haltung betreiben, die der beiderseitigen Kriegs- Müdigkeit entspricht.

Der Vorschlag der Botschafter entwickelt sich folgerichtig aus der türkischen Antwortnote. Letztere hatte eine Teilung Adrianopels zugestanden, aver der Teil, den dte Türkei sich reservieren will, war natürlich in den Augen der Bulgaren zu groß, und die dort beanspruchte volle Souveränetät des Sultans ein Stein des Anstoßes. Die Botschafter sagten sich nun, daß es für die Türken die Hauptsache fein müsse, für ihre religiösen Gefühle, die sich an die Heilig­tümer und geschichtliche Denkmale von Konstantinopel knüpfen, Berücksichtigung und Schutz zu erlangen. Daher der Gedanke, daß die Bulgaren einen mit reli­giösen Hoheitsrechten ausgestatteten Vertreter des Sultans (richtiger gesagt: des Kalifen) in Adrianopel zulasten, im übrigen aber das Schicksal Adrianopels von den Großmächten zu bestimmen sei.

Die bulgarische Regierung hat sich mit diesem Vorschlag einverstanden erklärt, allerdings mit dem Zusatz, daß die Festung vorher den Ver- bündeten übergeben werde. Diese Haltung Bulgariens ist begreiflich, denn die Zulassung eines türkilchen Residenten, der nur religiöse, aber keine weltliche Hoheitsrechte hat, ist kein erhebliche» Opfer, um so weniger, als die Bulgaren selbst ja schon früher den Schutz der religiösen Interessen den Mohamedanern angeboten Hal'en.

Viel größer ist das Stück Nachgiebigkeit, das der türkischen Regierung zugemutet wird; sie soll die staatliche Hoheit in der alten Stadlhälfteganz aufgeben und sich auf das geistliche Amt unter dem bulgarischen Regiment beschränken.. Auf die Antwort aus Konstantinopel darf man gespannt sein. Vielleicht wird der neue Großwesir, der ja schon seine diplomatische Neigung trotz seines Gewaltcharaklers und seines revolutionären Ursprungs bekundet hat, weder ein glattes Jä, noch ein unbedingtes Nein sagen, sondern etwas nachgeben und möglichst viel zu retten suchen. Hebet das Maß der Vollmachten für den Vertreter des Khalisen läßt sich ja immerhin noch verhandeln.

Die neueste Wendung bestätigt die Auffaffung, daß Adrianopelden Kernpunkt des ganzen Streites bildet. In der Preffe wird mit ersichtlicher Geflissen­heit jetzt wieder .berichtet", daß der Fall der Festung Adrianopel in den nächsten Tagen bevorstehe; ein Bombardement wurde die Festung nicht aushalten können usw. Nach den bisherigen Erfahrungen wird man solche Ankündigungen, bei denen der Wunsch der Vater des Gedankens ist, mit größtem Mißtrauen aufnehmen müffen. Wenn Adrianopel so leicht zu bezwingen wäre, hätten die Bulgaren den Waffen­stillstand schon früher gekündigt. Die Eroberung der kritischen Festung würde in der Tat eine Bahn schaffen, da dann auch die Jungtürken und die ganze öffentliche Meinung die Notwendigkeit des Verzichts auf Adrianopel begreifen würden. Im Jntereffe des Friedens wäre der Fall der Festnng vorteilhaft; aber au« Rücksicht auf die vielen Menschenleben, die bei einem Sturm geopfert würden, muß man doch wünschen, daß die Bulgaren ihre bisherige schonende Taktik fortsetzen.

Der russische Ministerpräsident Kokewzew soll am Montag den Vertretern der Petersburger Banken in der bestimmtesten Form erklärt haben, d«ß zur Zeit keinerlei Verwickelungen zu erwarten feier und der Friede voraussichtlich bald abgeschlossen sein würde. Möge er recht behalten! Zum min­desten darf man wohl hoffen, daß bte neuen Feind, seligkeiten nicht sehr ernst werden, sondern beide Teile ihr Heil in der Fortsetzung der diplomatischen Ver­handlungen suchen.

Beginn der Feindseligkeiten?

* Sofia, 3. Febr. 1918. Die Regierung hatte um 9 Uhr abends noch keine Mitteilung über den Be­ginn der Kriegsoperationen. Privatmeldungen aus Mustapha Pascha besagen aber, von Adrianopel her sei eine gewaltige Kanonade hörbar.

Das Handschreiben Kaiser Franz Josephs.

Die Franks. Zeitg. läßt sich aus Berlin melden: Die politische Bedeutung des Schrittes, den die österreichisch-ungarische Politik durch die Entsendung eines Handschreibens des Kaisers Franz Joseph an den Zaren getan hat, ist unter keinen Umstanden zu verkennen. Es handelt sich um einen wohlüberleg, ten Akt, zu dem, wie verlautet, auch das Einver­ständnis des Thronfolgers erklärt worden ist, um einen Akt dessen Bedeutung auch daraus hervorgeht,

sieht die „Frankfurter Ztg." kommen. Sie wtll wff- sen, daß „ein bekannter Führer des Zentrums mrt einer führenden Persönlichkeit der Sozialdemokratie bereits Fühlung zu nehmen versucht hat wegen eines gemeinsamen Vorgehens bei den Reichstagswahlen, •--1 zu solchen nach der Ablehnung der be­

vorstehenden Militärvorlage und einer dann folgen- den Reichstagsauflösung kommen sollte." Von Wan­nen der „Frankfurter Zeitung" diese Wissenschaft kommt, verrät sie nicht; sie darf sich aber versichert halten, daß ihr mit dieser Nachricht ein tüchtiger Bär aufgebunden worden ist. In uns nahe­stehenden parlamentarischen Kreisen hat die Meldung der „Frankfurter Zeitung" nur Heiterkeit erregt.

Weimarischer Landtag.

— Weimar, 3. Febr. 1913. In der heutigen Sitzung des Landtags verlas Vizepräsident Dr. K i e l die Eingänge mit den vom Landtagsvorstand gefaß­ten geschäftsleitenden Beschlüssen. Zum Punkt: Stiftung aus Landesmitteln in Höhe von 100 OuO M. anläßlich der Taufe des Erbgrohherzogs sprachen die Abgg. Pferdekämper (ntl.) und v. Eichel-Streiber (k.) für die Vorlage, während Faber (Soz.) sie lebhaft bekämpfte. Die Vorlage ging schließlich an den Fi­nanzausschuß. Sodann wurden 18 645 Mark für dos Kurhaus Gabelbach in erster Lesung nachbewil­ligt. Zum Schluß wurde die Vorlage, die Darlehen bei der Landeskreditkasse auf 55 Millionen Mark zu erhöhen, nach kurzer Debatte an den Finanzausschuß i abgegeben.

Abg. GronowSli (Ztr) sagt dem Abg. v. Zedlitz wie auch dem Abg. v Kardorff manches energische Wort. Das Zentrum bedürfe für sein Verhalten keiner Mahnung seitens der Freikonservativen. Die Andeutung der Reichsfeindschaft seitens der Frrikoniervativen erwiderte er damit, daß alle Parteien doch immer wieder den Weg »um Zentrum gefunden hätten. DaS Enteignungsgesetz kennzelchnete er als eine Anleihe bet dem sozialdemokra­tischen Parteiprogramm. Von Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie wollte der Redner nichts wiffe». Dagegen empfahl er hierfür religiöse Erneuerung und Sortierung, Vaterlandsliebe, deutsche Einfachheit, Sitte und Treue. Einen breiten Raum in den weiteren Ausführungen des Redners nahmen die christlichen Organisationen ein. Wir ver­urteilen, sagte er, selbstverständlich jeden leichtfertigen Streik auf das entschiedenste. Aber Streiks werden auch nicht nur von Arbeitern veranlatzt. Jetzt sind seit 16 Wochen z. B. in Menden in Westfalen über 200 0 Arbeiter ausgesperrt worden, weil bei einer Firma, die auch für das preußische Kriegsmini­sterium Ware liefert (hört, hört!), 180 Arbeiter streikten. Während der 16 Wochen ist dort auch nicht die geringste Ausschreitung vorgekommen. Dafür haben die christ- lichen Organisationen gesorgt. Dort in Menden sind Ar­beiter rücksichtslos ausgesperrt worden, die 10, 20, ja bis 60 Jahre auf ein und derselben Stelle gearbeitet haben, weil sie sich nicht dem Herrenstandpunkt der einen Firma gefügt haben. ES darf dort kein Fabrikant einen christ­lichen Arbeiter einstellen. (Hört, hört! im Ztr.) Die Organisation soll nicht anerkannt werden. Auf der anderen Seite sagt man, der Arbeitgeberverband ver­handelt nur mv den einzelnen Arbeitern. Wenn der Arbeitgeberverband das Verhandlungsrecht hat, dann soll man gerechterweise auch den Arbeiterorganisationen das Verhandlungsrecht einräumen. (Lebhafte Zustim­mung im Zentrum.) Wir wenden uns gegen die Auf­fassung, als wenn bei allen Streiks die Arbeiter allein die Sünder wären. Nein, auf feiten der Arbeitgeber gibt es genau so große, vielleicht noch größere Sünder. Ich beklage es, daß hohe Regierungsbeamte 16 Wochen lang tatenlos dem Streik in Menden zugesehen haben, ohne daß sie einen Finger gerührt hätten, um die Par­teien zusammenzubringen. (Höri! hört!) Ein Regie­rungspräsident hat nicht nur Repräsentationspflichten, sondern er muß auch, wenn ein solcher wirtschaftlicher Emps die Industrie, die Gemeinde und die Bürgerschaft SP ruinieren droht, freiwillig, ohne daß er angerufen Mrb, eingreifen und seine Dienste anbieten. (Sehr rich- üg!) Der Regierungspräsident von Düsseldorf hat ein Rundschreiben im vorigen Jahre an die Landräte und die Oberamtmänner erlassen, indem er für die Förderung 6er nationalen Werkvereine eintritt. Diese gelben ^steine hemmen aber nur das Vorwäriskommen der christlichen Arbeitervereine. Ich will den Leuten nicht nahe treten, aber ihre Organisationen erziehen zwei­fellos ni*t vandesbewutzte. Willensstärke Menschen, son-

Hand ihrer Vorgesetzten. (Sehr richtig!) Es wundert mich, daß derselbe Regierungspräsident, der vor Jahres­frist bei den Stichwahlen zwischen Sozialdemokraten und Zentrum es über sich bringen wollte, von der Wahl wegzubleiben, (hört! hört!) dies tat. Das finde ich denn doch im hohen Grade mehr als befremdend. (Zustim­mung im Zentrum.) Man scheint auch mit diesen gelben Organisationen nur Organisationen gegen das Zentrum schaffen zu wollen. Wir lehnen die gelben und sozialdemokratischen Organisationen, aber auch die Scharfmacher-Ausnahmegesetze lehnen wir ab. Wenn die bestehenden Gesetze genügend angewandt wer­den, brauchen wir keine Ausnahmegesetze. Wir werden mit der Sozialdemokratie ohne Ausnahmegesetze fertig. Der Abg. Kardorff meinte, die katholische Kirche habe keine Widerstandskraft gegen die So­zialdemokratie. Herr v. Kardorff, bringen Sie es einmal fertig, in der zu 90 oder 95 Prozent protestan­tischen Stadt Berlin auch nur einen einzigen freikonfer- vativen Abgeordneten durchzubringen. (Sehr gut! und Heiterkeit im Zentrum.) Nur 15 Prozent sozialdemo­kratische Wäbler sind bei der letzten Reichstagswahl von katholischen Wöhlern gekommen, alle übrigen aus dem Lager der Nichtkatholiken. Es ist darum nicht gerecht­fertigt, dem katholischen Volksteil Deutschlands den ver­steckten Vorwurf zu machen, als wenn er direkt oder in­direkt der Sozialdemokratie Vorschub leiste. Von den 110 Sozialdemokraten sind 9 8 in s o l ch e n Kreisen gewählt worden, die mehr als 50 Prozent Nichtkatho­lt k e n haben, 12 dagegen nur in solchen Kreisen, die

Dienstag Öen 4. $ebruor 1913