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Fuldaer Zeitung

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fir. 27

Erstes Blatt.

Montag den Z. Februar 1913*

40. Zahrgang.

Deutscher Reichstag.

Sitzung dorn 1. Februar 1913.

Tic dritte Beratung des Gesetzes über die Zvller- erleichterungen bei der Fleischeinfubr aus dem Auslände Wird erledigt. Cs sprechen dazu die Abgg. Quarck (Soz.), Pauly (Zentr.), @crf (natl.), Arnstadt (kons.). Krimm

"öscher (Rv.). Da eS Neues nicht mehr zu sa. gen gibt, ist das Haus gänzlich teilnahmlos. Die Red­ner schweifen hont Thema ab, sodaß Vizepräsident Dr. Paasche andauernd die Glocke in der Hand hat, um die Herren auf den Boden der zur Beratung stehenden Ma­terie zurückzurufen.

Dann gelangt da? Gesetz gegen die Konservativen zur Annahme und der Etat wird wieder in Angriff ge­nommen. Die Beratung geht beim „Gesundheitsamt" weiter.

Abg. Dittman« klagt die abscheulich schmutzigen Flu­ten der Wupper als Volksvergifter an.

Abg. Dr. Gerlach (Zentr.) behandelt die Kranken­pflege und erklärt zum Geburtenrückgang, es sei Pflicht der Regierung, auf jede Weise dem Vertrieb d:r Anti­kem,zeptionsmittel vorzubeugen. Um die von Jahr zu Jahr int Rückgang begriffene Tuberkulose weiter för­derlich zu bekämpfen, müßten neben einer Aufklärung des Volkes die ob ich fünfen der Boltsicknilen and d'e Fortbildungsschulen in sanitärer Weise unterwiesen werden.

Abg. Strack (natl.) fordert eine Bekämpfung des Kurpfuschertums.

Abg. Dr. Häg» (Elsässer) regt die Begründung eines Standes der berufsmäßigen Krankenpfleger an und der- langt bei der Frage des Weingesetzes schärfere Kontrolle der ausländischen Weine.

Abg. Laux (baher. Bauernbund) spricht über die Schweineseuche, Abg. Strack (natl.) gegen die Kurierfrei­heit,

Beim Kapitel „Patentamt" tritt Abg. Bell (Zentr.) scharf für die Erfinder ein und polemisiert gegen die ihnen widerfahrene „Expropriation" auf geistigem Ge­biete, indem Angestellte bei neuen Erfindungen durch alle möglichen Schikanen um ihren Anteil an den ma­teriellen Erfolgen ihrer Erfindung gebracht werden.

Abg. Herold (Zentr.) unterstützt die freisinnige Reso- lution auf Errichtung von wissenschaftlichen Milchinsti­tuten.

Abg. Werner (Rp.) nimmt sich der Beamten des Pa­tentamtes an.

Mittwoch: Fortsetzung.

Preußischer Lauvtag.

Herrenhaus.

Sitzung vom 1. Februar 1913.

Das Hau§ nahm zunächst einen Gesetzentwurf, der die Dienststellen der Beamten der Amtsanwalt, s ch af t aus nebenamtlichen in hauptamtliche umwandelt, an.

Dann beschäftigte man sich mit Petitionen. — Eine Petition des HandeStages um Vermehrung des Ein­flusses von Handel und Industrie in den Kreistagen wurde der Regierung als Material überwiesen. — Bei einer Petition über die Fleischteuerung aus Schweidnitz- Striegau, die die Einfuhr von Gefrierfleisch und Zoller­leichterungen verlangt, beantragt Graf von der Schulen­burg-Grünthal mit der Frage: „Existiert überhaupt ein Fleischmangel?" Uebergang zur Tagesordnung. Ober. Bürgermeister Körie-KönigSberg ist damit einverstanden. Die großen Städte verhandelten ja heute schon mit den landwirtschaftlichen Körperschaften Über Fleischlieferung. Von russischem Fleisch wollen bte Städte nichts wissen, aber die Regierung habe die Städte zur Einfuhr ge- zwungen.

Montag: Wassergesetz.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 1. Februar 1913.

Die allgemeine Besprechung Beim Etat des Innern wurde fortgesetzt.

Der Graf von Tarent.

32] Storno« in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

„Hm, nun ja, Kinder haben eine ganze Reihe von Krankheiten durchzumachen, das ist nun einmal so von der Natur eingerichtet. Ich persönlich glaube nicht, daß der Knabe, der nun nahezu das vierte Jahr erreicht hat, viele Aussichten auf ein langes Leben hat. Der Knabe hat die träumerische Natur seines Vaters geerbt und blickt immer sinnend vor sich hin, fast möchte ich sagen, er trauert um den Verlorenen!"

Der Prinz stand hastig von feinem Sitze auf.

„Entschuldigen Sie mich, meine Herren, ich muß tot einen Augenblick frische Luft schöpfen, ich habe Blutandrang nach dem Kopfe, ein altes Leiden —"

In der Tat bemerkte ein jeder, daß die Gesichts­farbe des Prinzen bei der Erzählung des Barons wechselte. Eine heftige Erregung schien sich seiner bemächtigt zu haben.

Nach einer Minute, die er am offenen Fenster verbracht hatte, kehrte er wieder zurück und nahm ser-Ln Platz ein. Der Anfall schien vorbei zu sein, denn seine Züge zeigten wieder dieselbe starre Ruhe, wie vorher.

Der Marquis Tajano legte nun feinen Arm auf den Tisch und blickte forschend auf den Prinzen. „Monseigneur, Sie sind uns eine Erklärung schul­dig", sagte er. „Sie haben heute abend Dinge ge­schildert, die, wie man vom Gesichte Menevillez lesen kann, sich Wirklich so zugetragen haben. Zu gleicher Zeit waren Ste aber, wie Sie selbst angeben, in Indien. Beim ZeuS der Griechen, das rst, nm den Verstand zu verlieren. — Meine Kenntnisse in der Geographie sind schwach bestellt, doch weiß ich, daß Indien irgendwo am Ende der West ist. Wie konn­ten Sie dort sein und zugleich Kenntnis von Vor­gängen erlangen, die sich zwischen zwei jungen Män­nern und einem Bären in unserem gesegneten Lande abspielten. Zum Henker, sind Sie ein wandelnder Geist oder ein Zauberer? Nehmen Sie meine-Rede sticht für ungut, Monseigneur."

j Abg. Cassel (53p.) wandte sich in fast zweistündiger Rede gegen die gestrige Rede des Abg. Kardorff. Er sprach sich für eine andere Bekämpfung der Sozial- demokratie aus. Diese müsse auf geistigem Gebiete und vor allem durch eine volkstümliche Politik erfolgen. Da er auch das preußische Wahlrecht wieder als elend und verlottert bezeichnet hatte, betonte

Minister v. Dallwitz, daß ein Wahlrecht nicht Selbst­zweck sei, sondern daß man bei Beurteilung eines Wahl, rechts auch seine Wirkung, das heißt die Tätigkeit der auf Grund des Wahlrechts gewählten Körperschaften mit in Betracht ziehen müsse und daß gerade in der Be­ziehung der preußische Landtag sich vor allen Parlamen­ten dieSseirS und jenseits des Ozeans sehen lassen könne.

Dbg. v. Sheffer (kons.) wandte sich gegen die Ra­tionalliberalen wegen ihrer Großblockgelüste. Im wei­teren schloß er sich den gestrigen Ausführungen des Abg. Marp über Bekämpfung der zunehmenden Unsittlichkeit in Wort und Schrift an. Auch das, was in Theatern und Kinos gegeben würde, sei mitunter geradezu him­melschreiend. Viele Leute seien sich gar nicht mehr be­wußt, daß eS schmutzige Dinge seien, die da gegeben würden. Das Empfinden gegen die Unsittlichkeit würde in unserem Volke abgestumpft.

Abg. Wenke (Vp.) wandte sich gegen die Schäden der GefängniSarbeit, verlangte Zulassung aller Schichten der Bvölkerung zum Schöffenamte, trat für einheitliche Wahl, itrnen ein und tritt für ruhigeres Fahren der Automo­bile ein mit der Mitteilung feiner Wahrnehmung, „daß gerade in Berlin die prinzlichen Automobile am toll, sten rasen".

Abg. v. Gampe (natl.) wandte sich sehr lebhaft ge­gen die Konservativen, da diese nach seiner Ansicht nicht genügend Stellung gegen die Welftn nähmen. Auch berührte er die polnischen Demonstrationen am 22. Ja­nuar in Posen.

Minister v. Dallwitz gab zu, daß in Posen bedenkliche landesverräterische Demonstrationen stattgefunden hät­ten, und stellte energisches Einschreiten für die Zukunft in Aussicht.

In einer persönlichen Bemerkung stellte der Abg. v, fiarberff (ff.) nochmals fest, daß ihm eine Verletzung der religiösen Gefühle de? Zentrums ferngelegen habe.

Montag: Deiterberatung.

O HandelSentwiekelung in Deutsch­land und England.

Einen wertvollen Beitrag zur Beantwortung der Frage, ob die Schutzzollpolitik der letzten 35 Jahre sich für Deutschland b.e w ä h r t habe, oder ob wir nicht bester täten bei einer Neuorientierung unserer Wirtschaftspolitik mehr die Dahnen des Frei­handels einznschlagen, licket ein Vergleich des Handels zwischen Deut s ch l a n d und England.

Während noch in den 80er Jahren Deutschland in der Hauptsache Rohstoffe und Halbfabrikate an England lieferte und von England hinwiederum Fertigwaren bezog, ist das Verhältnis gegenwärtig vollkommen umgekehrt. Betrachten wir die wich- tigsten Waren, die von England im Jahre 1910 nach Deutschland eingeführt und umgekehrt von Deutsch­land nach England auSgeführt worden sind. Da er­gibt sich (Wert der Waren in Millionen Mark) fol­gendes:

Einfuhr nach Deutschland

Steinkohle .... 135

Woll-u. Baumwollgarne 188

Heringe ..... 22

Wollkleideftoffe. . . 195

Kreuzzuchtkammzeug . 17,5

Schaf- und Ziegenselle 13,5

Weißblech .... 13,5

Seefische..... 9

Riei....... 7,5

Ausfuhr nach England Rübenzucker . . 134 Seidene Gewebe . 45,5 Rohluppen, Roh- schNnen .... 31 Wollene Kleiderstoffe 68,5 Ptlzwerk.... 24

Teeriarben ... 23

Kinderiptelzeug . 20 Banmwoll. Gewebe 20 Zink.....17

Stabeisen ... 16,5

Fahrradteil« . . 16

Hafer . . . . . 15,5

Elektr. Glühlampen 14

„Nicht im geringsten, lieber Marquis", entgeg­nete der Prinz lächelnd. „Vielleicht bin ich ein wan­delnder Geist, vielleicht ein Zauberer, ich muh das der Beurteilung anderer überlasten. Den Schleier, der mich ümgibt, darf ich nicht lüften, denn ich habe in diesem Lande eine Mission zu erfüllen. Wenn diese Mistion erfüllt ist, dann ist auch die Zeit gekommen für mich, ein neues Leben zu beginnen, und dann, meine Herren, werden Sie mich in meinem innersten Wesen erkennen!"

Er hatte die Worte feierlich gesprochen, betroffen blickte die Gefellschast auf den sutfamen Mann.

,Lch muß gestehen, mein Prinz, Sie habe» meine Begriffe verwirrt durch Schilderung von Vorgängen, di« nur mir und dem Grafen von Tarent bekannt waren", begann Anawle von Meneville. „Sie ha­ben mich perplex geniacht wie ein Kind, aber bei ruhigem Nachdenken muß ich mir sagen, daß Tarent bei Lebzeiten die Vorgänge einem anderen erzählt hat, und auf irgendeinem Wege erlangten Sie Kennt, nis davon. Es lag zwar nicht in seinem Charakter, Aufhebens von solchen Dingen zu machen und dar- über zu plaudern, doch muß er es getan habe«, den« eine andere Erklärung gibt es nicht."

„Ich muß Hhnen widersprechen — möge Ihnen mein Wort genügen dafür — fern sterblicher Mensch hat mir auch nur ein Jota von allen diesen Dingen mitgeteilt."

„Das verstehe, wer will", entgegnete der Baron, „an Ihrem Worte kann ich selbstredend nicht zwei­feln."

In diesem Augenblicke trat ein Diener an de« Tstch heran und übergab dem Baron einen Brief, der soeben für chn eingetroffen war. Mit nnrrn ein- zigen flüchtigen Blicke schaute der Prinz au da« bet'. siegelte Papier, sein scharfes Auge hatte, obwohl der Baron de« Brief augenbliÄich ttt die Tasche gesteckt hatte, das Siegel erkannt.

„Herr von Meneville", rief plötzlich der Prinz laut und scharf, „ich will Ihnen nun zum dritten, male an diesem Abend einen Beweis geben, daß ich Dinge sehe, die anderen verschlossen sind. Sie haben eben einen Brief erhallen —".

el es

solcher Gei!

gerade Gegenteil hat sich gezeigt: das schutzzöll- nerische Deutschland ift gewaltig ge­wachsen, das freihändlerifche England aber ist überflügelt worden!

zurückgegangen. Englands Handel hat ID nicht in gleicher Weise vermehrt wie der Gesamtauf- stieg deS Außenhandels der Welt. Wenn es geradeso rasch vorwärts geschritten wäre wie die allgemeine Tendenz, so müßte es heute ebenfalls 20 Prozent des Gesamtaußenhandels besitzen: es hat aber 2V-j bis 3 Prozent verloren. Deutschland hat dagegen fast ebensoviel gewonnen, als England verloren hat.

heiß und kalt, und Meneville sah auz, wie ein Mann, der ohnmächtig zusammenfallen will. Bei allen Hei- sigen, ich möchte Sie nicht zum Feinde haben, Hoheit, denn Ihnen stehen übernatürliche Kräfte zur Ver­fügung."

„Am End« bin ich imstande, durch Ihre Mauern in die Keller des Bankhauses zu schauen und die Fässer Geld zu zählen, die da aufgestapelt sind."'

Und wie steht es mit England? Das handels­mächtige Albion hatte zu Beginn des 20. Jahrhun­derts ungefähr 20 Prozent des ganzen Außenhandels der Welt, gegenwärtig schwankt sein Anteil zwischen 16,9 und 17 Prozent. Es ist also der verhältnis­mäßige Anteil Englands am Außenhandel der Welt zuruckgegangen. Englands Handel hat si^i ise vermehrt wir der Gesamtaus- elS der Welt. Wenn es geradeso

4- Die Sozialdemokratie und die Bauern.

Bei den jüngsten Etatsberatungen des preußischen Abgeordnetenhauses tat die Sozialdemokratie wieder einmal recht bauernfreundlich. Genosse Seiner! hielt eine mehrstündige Rede, die den Bauern unge­mein viel Freundlichkeiten sagte. Früher hörte man die Eenosien anders reden.

Auf dem Breslauer Parteitag erklärte Kautzky: „Für die Erhaltung des Bauernstandes cinzutreten, haben wir keinen Grund. Denn das könnte nur geschehen, indem wir sie in ihrem Besitz Befehligen, also ganz entgegengesetzt verfahren, wie sonst." Derselbe sozialdemokratische Parteitag be­endete die Verhandlungen über die Agrarfrage mit folgenden Beschlüssen: „Der von der Agrarkommis­sion vorgelegte Entwurf eines Agrarprogrammes ist zu verwerfen. Denn dieses Programm stellt der Bauernschaft die Hebung ihrer Sage, also die Stär­kung ihres Privateigentums in Aussicht." — Der Parteitag hat also ein Agrarprogramm verwor - fen, weil es den Bauern eine Hebung ihrer Lage in Aussicht stellt.

Auf dem Münchener Parteitag fielen die bekannten Worte Bebels, der mit bezug auf die christlichen Bauernvereine am Rhein und in Süd­deutschland und auf den Bund der Sandwirte sagte, „daß es keine egoistischere, rücksichtslosere, brutalere, aber auch keine borniertere Klasse" gebe als die Bauern. Später, als diese Aeußerungen einen Sturm der Entrüstung unter den deutschen Bauern hervorrief, sah Bebel, was er angerichtet hatte, und suchte sich mit der Behauptung herauszureden, er habe bei seiner Charakterisierung nur die Groß­agrarier im Auge gehabt. Aber es war nicht das erste Mal, daß Bebel den Bauernstand als die „egoistische, rücksichtsloseste, brutalste und bornierteste Klasse" hingestellt hat. Bereits auf dem F r a n k. furter Parteitag hat Bebel erklärt, von Rücksicht aus die „Bauern und ähnliche rückständige Elemente" dürfe sich die Partei nicht bestimmen lassen: „Wenn sich die Bauern nicht überzeugen lassen, da haben wir nichts nach den Bauern zu fragen. Ihre Vorurteile, ihre Unwissenheit, ihre Beschränktheit darf uns nicht veranlasien, von unseren Prinzipien etwas nachzu- lassen."

Der Grund für diese bauernfeindlichen Aeuße­rungen ist nicht schwer zu finden. Bis dahin hatten es die Bauern abgelehnt, auf die sozialdemokratischen Lockrufe zu hören. Die Sozialdemokraten anderer­seits handelten nach ihrem bekannten Rezept:, „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein."

Aber sie gaben die Hoffnung, den Bauernstand für ihre umstürzlerischen Ideen noch einmal zu ge­winnen, nicht auf. An der Hebung des Bauernstan- des hatten sie kein Jnteresie, wohl aber an feiner Proletarisierung, an der Loslösung des Bauern von seinem Eigentum. Hat der Bauer erst seinen Grund und Boden verloren, erklärte Edmund Fischer auf dem Breslauer Parteitag, dann ist er für uns ge­wonnen. Und Wilhelm Liebknecht wußte den Weg anzugeben, auf dem der Bauer um sein Hab und Gut gebracht und ins Proletariat gestoßen wer­den könnte; er sagte:

„Wer ist bisher unser gesährltchster Gegner gewesen? DaS ,äde Festhalten deS Bauern an seinem Eigentum, daS war die Schranke, an welcher das rasche Wachstum der Sozialdemokratie schließlich hätte zum Stillstand

„Hoheit belieben zu scherzen. Was in meinen Kellern liegt, gehört zum größte« Teile Ihnen. Das Bankhaus Torloni ist gewohnt, in großen Summen zu rechnen, aber — ich brauche ja in diesem Falle kein Geheimnis daraus zu mache«, denn die Fama schreibt Ihnen unbegrenzten Reichtum zu — die Summe, welche man an meine Adresse einsandte auf Ihr Konto, machte mich und meinen Buchhalter starr vor Staunen."

„Da wird einem der Mund wässerig", meinte lachend der Vicomte Bixio. „Ich besitze nicht diel mehr in meinem Leben, als meinen Degen, aber gestern hat mir der Zufall eine Hand voll rostige Goldstücke in die Hände gespielt — der Herr segne die gute Tante, die sich meines Flehens manchmal erbarmt, obwohl ich ihr tausendmal Besserung ge­lobte und doch wieder rückfällig wurde — diese Gold­füchse halten doch nicht lange an in den Taschen eines dicke Schweißtropfen perlten von der Stirne her- Monseigneur, Sie wisse«, wir Italiener sind geborene Spieler, Fürst, Edelmann oder Bauer, wie wäre es, wenn wir ein Spiel veranstalteten, Karte», Würfel oder Pharao, meinetwegen Roulette."

Der Prinz lächelte belustigt auf. „Morgen, wenn Sie wollen, stehe ich Ihnen zu Diensten, lieber Vi­comte, und freuen soll es mich, wenn ich der ver­lierende Teil bin. Für heute ist es wohl schon etwas spät, auch ift mancher unter uns, zum Beispiel ich, nicht mit Geld versehen."

„So ergeht's auch mir’" rief ein anderer.

Verschiedene pflichteten bei, daß sie den Fall auch nicht vorgesehen hätten.

Baron von Meneville hatte nacheinander drei Gläser Wein hinuntergestürzt und war seiner Auf- n dadurch wieder Meister geworden. „Auch

ieße mich an und werde mir morgen die Ta­schen mit Gold stopfen. Wie wäre es, wenn wir heute schon einen Bankhalter ernennen würden. Wer hat Lust, das Amt zu übernehmen, die Bank gewinnt gewöhnlich immer, trägt aber das Risiko, vielleicht einmal unter tausend Fällen gesprengt zu werden. Wer hat Lust?" ' , .

' Keiner erklärte sich bereit, >

Der Gesamthandel zwischen Deuffchland und England in dem genannten Jahre, einschließlich Edelmetall, belief sich in der Einfuhr auf 1020 Mil­lionen, in der Ausfuhr auf 1119 Millionen Mark. Die Wareneinfuhr aus England betrug bloß 767 Millionen, dagegen brachte un§ Großbritannien schon seit einer Reihe von Jahren jedes Jahr weit über 200 Millionen Mark Edelmetall mehr ins Land, als wir ausführten nach England.

Was zeigt baS?

DaS zeigt, daß England heute nicht mehr im­stande ist, die Warenlieferungen.ber Deutschen wie­derum mit eignen englischen Waren voll Si bezahlen, sondern daß es gezwungen ist, etwa eine iertelminiarbe mit Edelmetall zu begleichen. Dazu mag bann noch eine Reihe von Forderungen hinzutreten, die England an andere Länder besitzt, aber auf dem Wege der internationalen Wechselbe­ziehungen gegen Deutschland ausgleicht. Ein Blick über die Arten der Ware», die zwischen beiden Län­dern gehandelt werden, zeigt den oben behaupteten Umschwung mit aller Deutlichkeit. England ist heute genötigt, an Deuffchland in erster Linie Roh­stoffe und Halbfabrikate zu liefern und empfängt von Deuffchland zum größten Teil Fer­tigwaren.

Auf einzelnen Gebieten ist ja die englische Pro­duktion der deutschen wegen ihrer natürlichen Be­dingungen überlegen, im allgemeinen aber hat Deutschland England überholt.

Selbst auf dem Gebiete, auf dem die Engländer bis vor wenigen Jahren scheinbar als die unum­strittenen Herren eine unbedingte Vormachtstellung einnahmen, kommt Deutschland Großbritannien im­mer näher: das ist das Gebiet des Welthan­dels. Auch hier haben sich gewaltige Verschie­bungen ergeben. Während der deutsche Außenhandel, Einfuhr und Ausfuhr zufammen, im Jahre 1901 10iZ> Milliarden betrug, ist er im Jahre 1911 auf 19,i“ Milliarden a n g e ft i e g e n, innerhalb eines Jahrzehnts also eine Zunahme um saft 9 Milliarden Mark! Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Deutschland noch nicht ganz, 11 Prozent des ganzen Welthandels inne, gegenwärtig beherrscht c5 12,7 Prozent des Gesamtaußenhandels der Welt.

Dabei muß man bedenken, daß die englische Aus- unb Einfuhr lange nicht so hoch wäre, wenn Eng­land nicht einen so großen Teil von Lebensrnitteln einfüfreen und dafür natürlich wieder andere Waren auSsühren müßte' und ferner, wenn England nicht als Zwischenhändler für tfie Waren anderer Länder, besonoers für die deutschen Waren, auftreten würde. Werden dock viele Tertilwaren von Deutschland nach England geliefert, uw dann als englische Waren in bte Welt hinauszugeben. Würde dieser Zwffchen- handel durch deutsche Kaufleute selbst hinauSgetragen werden in fremde Länder, so wäre es mit dem Han- delsvorsprung Englands bald vorbei.

Aus alledem ergibt sich, daß die Prophezeihungen her Freihändler, daß der Schutzzoll Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung ungünstig beeinflusse« würde, nicht nur nicht eingetreten ist, sondern das

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„Wollen Sie etwa sagen, Sie kennen den Jn- balt?" unterbrach ihn der Angeredete.

„Vielleicht, — doch wäre es indiskret, denselben zu veröffentliche«. Ich bin nie tu diesem Lande ge­wesen und kenne mit Ausnahme der Herren hier tm Saal wenige: ich habe die Handschrift des Briefes nicht gesehen."

„Und könne« Sie sagen, von wem et kommt, mein Prinz?"

Atemloses Stillschweigen folgte in der Runde.

Der Prinz schloß die Augen, dann folgte er mit dumpfer, rauher Stimme: „Der Brief kommt von einer Dame — ihr Gesicht ist ein Engelsgesicht, aber bte Seele ist schwarz. — Sie Hebt nur sich selbst und die Sünde. — Sie haßte einen Mann, dem ste Liebe zugeschworen, und sie haßt ihr eigene« Kind —"

Meneville batte eben da- Glas mit dem Weine zum Munde führen wollen, plötzlich erzitterte seine Hand und das Glas stürzte zu Boden und zerbrach zu tausend Splittern. — _ ■

Er selbst bot ein Bild zum Entsetzen. Totenblässe hatte sein Gesicht Überzogen, die Augen schienen aus den Höhlen treten ju wollen vor Furcht und Granen, lüdeilichen Raufboldes, wie ich nun einmal bin. unter, und als drohe ihm eine furchtbare Gefahr, die er abwehren wolle, so hob er beide Hände vor sich hin.

„Das ist, um wahnsinnig zu werden, Hohett, ich fürchte wich vor Ihnen''."

Nun lächelte der Prinz. „Bah, an mir ist nichts, was zu fürchten wäre, Herr von Meneville, Sie sind nur etwas aufgeregt. Aber es ist vielleicht an der Zeit, daß wir den Gegenstand des Gespräches wech­seln."

„In der Tat, da« wird gut fein, Monseigneur", fiel Torloni ein. ,,lln« allen ist e« unheimlich bei