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Fuldaer Leitung

| ziehen, begrüßt, wenn seiner jetzigen Fassum

Reklamen« und MuzergsnteN»

Uete Wdikhes Annehsn

DaS Frachter Kaisers.

— «vS der JrtstruktionSstun»-. Unterosfizier: „WaS |at der Soldat zu tun, wenn er, mit seiner Brant am Arm spazieren geht, und er kommt ein O fi'ier?" — Müller: ,,NichtS hat st zu tun: denn sonst würde

Vochen-rrun-schau.

[:] Fulda, 31. Januar ISIS.

deutsche Doll beging am Montag in herge. Weise die Feier des Geburtstags des In der Reichshauptstadt und im ganzen

M 26.

Samstag l. Zebruar 1915.

s. Blatt.

d« 5Mda« Ictleitomrrft ht Jilk

Für Erholungsbedürftig® und leichtere XWvph-kranke. besucht

i 1 vl v XVU Kuranstalt Hotbeim L Taunos

V»' Stunde von Frankfurt a. M.

Prospekte durch Dr. ScÜUize Kaloyss Nervenarzt

v „ . ______i er auch nicht geeignet ist, in

------ jetzigen Fassung dem Nebel gründlich beizu­kommen. Dem Beispiele Preußens werden hoffent­lich bald and? die übrigen Bundesstaaten folgend

Die Meldungen über eine bald bevorstehende neue Militärvorlage find jetzt auch durch eine hoch, offiziöse Erklärung bcftäügt worden. Nicht nur die schon vor längerer Zeit angekündigte Lustflottenvor­lage wird neue Steuern benötigen, sondern auch eine größere HeereSvorlage und kleine Anforderungen, so- daß sich die Neuforderungen insgesamt auf etwa 100 Millionen Mark belaufen werden. Angesichts dieser erheblichen Belastung b:5 deutschen Volkes wird der

Augenlust, Fleischeslust tnb Hoffahrt des Lebens. Maßhallens können und sollen die Frauen den Mita ______...

der dem Faschingsgetriebe spielen nun die Eitelleit < nein beibrinaen. DaS wird ihnen auch nicht schwer, . er nicht spazieren gehen.

Wemr Sie Jhv Kirzh | gesund, munter und geistig frisch sich ent. U wickeln sehen wollen, so geben Sw ihm Dr. D Hommrt'S Haemaiogen. Warnung! Man d verlange ausdrücklich den Namen Vr kiommel^H

* Wabern. 31. Jan. 1913. Die zwischen Hom­berg und Wabern eingerichtete Automobil- Verbindung erfreut sich sehr starker Benutzung, sodaß man jetzt zu einer fünfmaligen Hin- und Rückfahrt übergegangen ist. Der Verkehr ist so stark, daß das Auw oft nicht allen Ansprüchen genügt.

* Gießen, 81. Jan. 1913. In den nächsten Iah- ren sollen auf dem hiesigen Bachnhof nicht bloß umfassende Arbeiten zwecks Verminderung des TurchgangsgüterverkehrS unternommen werden, eS soll auch die Gießener Bahnhofsanlage derartig um­gestaltet und erweitert werden, daß es möglich ist, größere Transporte als bisher darauf zu bewegen und abzufertigen. Ein großzügiger Erweilerungs« plan des Güterbahnhofs, der acht Millionen Mark erfordert, soll dem Eisenbahnminister vorgelegt sein«

* Aus Thüringen, 30. Jan. 1913. Bei der Zwangs- Versteigerung des „Hotels zur Post- in Plein in gen blieb Hotelier Seiler mit 50000 M. Hochstdietender.— Die Strafkammer in Weimar verurteilte einen Hamburger Lolehändler zu 1000 Mark Geldstrafe, weil er verbotene Lose vertrieben ba'te. — In Creuzburg a. d. Werra wurden alle Kriegsteil­nehmer, die ein Einkommen bis 1000 Mark haben, von der Zahlung der Gemeindeumlagen betreit. — Am Sonntag wurde in Rudolstadt em Polterabend lustig gefeiert, am Montag aber war der Bräutigam verschwunden. — Inder Angelegenheit des französischen Werbers, der in Eisenberg zwei Jünglinge ge­worben hatte, sind jetzt noch zwei Berhattungen er­folgt. —- Auf der neuen Kohlenbahn Weißeufels» Roßbach wurde ein Arbeiter, der zwuchen zwei Wagen geriet, totgequetscht. — DaS Schwurgericht in Meiuing en verurteilte den 18 Jahre alten Barbieraehilsen Römhild aus Eisfeld wegen ver­suchten Raubes zu sechs Monaten Gefängnis.

* Dom EichSselve, 31. Jan. 1913. Im Alter von 96 Jahren starb in Heiltgenstadt der älteste Be­wohner des EichsseldeS, Kunstmaler I. Hunold. Der Verstorbene war 50 Jahre, von 1851—1901, Zeichenlehrer am KLmgl. Gymnasium in ©eiligenftaötj und hat ene Anzahl wertvoller religiös Bilder, namentlich für die Kirchen des EichSse.deS, gemalt.

mn er nur ja nicht angeschnitten und fefteelegt wer­den kann. Wer sich ttt den Trubel des Vergnügens wagt, muß auch Versorg« treffen, daß er rechtzeitig und sicher wieder hersuSkommt auf den Boden der Ruhs und Ordnung Der alte Spruch „Bedenke das Ende!" sollte auf allen Pforten der menschlichen Lustbarkeit in flammender Großschrift zu lesen stehen, — nicht zur Schädigung, sondern gerade zur Rettung des Vergnügens. Denn, wo kein vernünftiges Maß ist, da ist auch kein wirkliches Vergnügen mehr. Zu viel — das ist des Teufels Spiel. Nur mit Maß — erquickt der Spaß. Kannst du keinen Schluß finden, so wirst du Verdruß finden. Schwankst du spat nach Haus, geht dir der Jammer voraus.

Reiche wurden dem Monarchen begeistert« Huv)i- flunqen dargebracht.

Im R e i ch st ag ist die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern immer noch nicht zu Ende geführt worden. Lange Erörterungen knüpften sich besonders an die von der Regierung in Aussicht ge­stellte Novelle zum Kaligesetz und an das Etatskapitel Reichsgesundheitsamt. Die polnische EnteignungS- Interpellation ist von der Regierung nicht beantwor­tet worden, weil es sich dabei um die Anwendung eines Preußischen Gesetzes handelt, worüber die preu- ß Regierung allem zu befinden habe. Der gtag machte jedoch von seinem Rechte Gebrauch, eine Interpellation auch dann zu besprechen, wenn ih-e Zeontwortung von der Regierung abgelehnt wird. Polen, Elsässer, Sozialdemokraten, Fort- schrittlsr und Zentrum verurteilten einmütig, wenn auch aus verschiedenen Gründen, die von bet preu­ßischen Regierung vorgenommene Enteignung pol­nischer Güter. Bon den Polen wurde zu chrer Ent- eignungsinterpellation der Antrag eingebracht, dem Reichskanzler wegen der Zulaffung der Enteignung polnischer Gutsbesitzer ein Tadelsvotum auszuspre­chen. Außer den 18 Polen stimmte das Zentrum, die Elsässer und die Sozialdemokraten für diesen An­trag, sodaß dem Reichslanzler zum ersten Male von der Mehrheit des deutschen Reichstags das Vertrauen gekündigt wurde. Der Umstand, daß das Zentrum sich auf die Seite der Polen gestellt hat, gibt haka- tistischen Blättern Veranlassung, wieder einmal vom antinationalen Zentrum zu sprechen und ihm den Vorwurf zu machen, nur das Rachegelüst bestimme es, gegen den Kanzler zu votieren. Die „Post" der- steigt sich sogar zu der Beschuldigung, das Zentrum sei ein Verräter am Deutschtum. Wir mochten nur wissen, ob die Herten Hakatisten vielleicht erwartet haben, daß das Zentrum seiner seit Jahrzehnten be- solgten Pvlenpolttik jetzt auf einmal untreu werden würde, lediglich weil sie es wünschen. Seit Beginn der jetzigen preußischen Polenpolitik hat das Zentrum immer und immer wieder erklärt, es mißbillige diese Polstik der Ungerechtigkeit, des zweierlei MaheS, unb erblicke darin einen Verstoß gegen ben Geist bet Reichsverfassung unb gegen die Reichsgesetzgebung. Und wenn der Bundesrat über das Jesuitengesetz gar nicht Beschluß gefaßt hätte, oder wenn er sogar den Fall des ganzen Jesuitengesetzes beschlossen hätte, das Zentrum hätte in der Enteignungsfrage keinen andern Standpunkt einnehmen können, als eS jetzt und seit Jahrzehnten eingenommen hat. Wenn das Zentrum deshalb nicht national sein soll, dann be­findet eS sich in guter Gesellschaft. Im preußischen Herrenhause haben bei der Beratung über die Ent­eignungsvorlage zahlreiche Männer in ben hervor­ragendsten Stellungen ihre Stimme dagegen erhoben, denen, gewiß keiner im deutschen Reich die nationale Gesinnung abzusprechen wagt. U. a. lehnt« Graf Mirbach, der Führer bet konservativen Abels in Preußen, sie ab und hielt es weder für gerechtfertigt noch im Interesse des Staates, das Recht des Eigen­tums aus politischen Gründen zu erschüttern. Und der alte Generalfeldmarschall Graf von Häseler, ge­wiß ein nationaler Mann auch in den Augen der Hakatisten, rief dem Hercenhause zu: „Die Vorlage verletzt den Grundsatz der Verfassung, daß alle Preußen vor dem Gesetze gleich sind." Auch Graf von der Schulenburg stimmte dagegen. DaS Zen­trum befindet sich also in guter Gesellschaft, wenn Ls dasselbe tut, was ein Graf Häseler und die Gra­fen Mirbach, von der Schulenburg, sowie eine ganze Anzahl konservativ denkender Manner getan haben.

Die preußische Regierung ist endlich mit dem Ent­wurf eines WohnungsgesetzeS an die Oeffent- lichkeit getreten, nachdem in der Budgotkommission des Reichstags auf die Vorlage eines Wohnungsge­setzes energisch gedrungen worden war. Die Ver­sicherung des Staatssekretärs Dr. Delbrück, das Reich werde selbständig Vorgehen, wenn Preußen bis zum Herbst einen entsprechenden Entwurf nicht vorgelegt habe, hatte manchen Blättern Veranlasiung gegeben, von einem Zwiespalt zwischen der Reschs-' und Maatsregierung zu sprechen. Das Vorgehen der preußischen Regierung hat diesen Mutmaßungen den Boden entzogen. Ter Wohnungsgesetzentwurf soll dem immer größer werdenden Wohnung-elend nach Möglichkeit abhelfen und wird darum auch von all denen, die aus dem Wohnungselend keinen Profit

Von einer Sachverständigen.

Jede Frau besitzt einen schönen Teint — dicht unter dem häßlichen. Eine gefunoe Haut umexhegt fortdauernd Veränderungen und wirft stetig verorauchten -tost m mikrostopifch kleinen Teilchen ab. Wenn diefer /Prozeß aus irgendeinem Grunde nicht vor sich geht, b eidentat Teilchen auf der Haut unb bilben dort ben Viag en, W' Uchen, leblojen Temt. _. „ , .

Aus biefetn Giunde sollte es daS nächstliegende sein, der Natur m ihrem Prozeß der illuflömng zu heUen. Dies geschieht am besten durch Auflegen von eiwaS Halbstarkem Glemtnit in berietben Wege, rote man Gold- cream auflcgt. Di-fe Substanz, di- kemesroegs unange- nehm ist, fchemt ben wetten äußeren Temt anzugrei,«« und zu enifernen, um die darunter bestnd.iche fnlche, junge, vollkommene Haut, — den natürliche! ^eint an Die Oberfläche zu lördern.

Um dielen ein lachen Plan zu erproben, braucht mim nur iinqefähr fünfunddreißig Gramm yatdnarker Exeminit in de: Apotheke zu kaufen und es einige Nachte vor Dem Schlafengehen auszulegen. Die Kenntnis Venen, was aut wiche einfache Weise getan werden kann, ntoml Dem vor tickenden Atter viele der Schrecken, Die e - wr die Frau beiitzt. Sterne Frau macht sich wegen chieS Alters Sorgen, solange sie jung aussieht.

Streit um die Art der Deckung immer heftiger. Wäh­rend die Parteien der Linken unter allen Umständen der Erbschaftssteuer den Vorzug geben, neigen die Parteien der Rechten mehr einer Vrrmögenszuwachs- steuer zu. Im Reichsschatzamt soll denn auch eine Vermögenszuwachssteuer-Dorlage ausgearbeitet wer- den, die in Bälde dem Bundesrat, vorgelegt werden soll.

In Frankreich hat sich inzwischen die Äon« ätituierung des neuen Ministeriums vollzogen, gebil­det von dem Sozialisten Briand. Bon den 16 Mini­stern sind 10 Kollegen des künftigen Präsidenten der Republik, Poiucars, gewesen. Es ist im übrigen Herrn Briand nicht leicht gefallen, die verfchiedenen Portefeuilles an den Mann zu bringen. So hat er sich, um das Ministerium des Auswärtigen zu be­setzen, erst an Bourgeois, der bekanntlich auch seiner­zeit als erfolgreicher Präsidentfchaftskandidat genannt worden war, bann an Pichon und Ribot gewandt, um schließlich Jonnart zu gewinnen, der zweimal Gouverneur von Algier gewesen ist und als Fach­mann in Kolonialfragen gilt, ebenso wie sein Kollege im Kriegsministerium, Etienne. Die Charakteristik über das neue Ministerium lautet: Kein früheres Ministerium ist so stark finanziell gefärbt gewesen, wie das jetzige, und keines hat so viel farblose Politi­ker gehabt.

Tie Sage auf dem Balkan ist durch den jung- türkischen Putsch wieder verwickelter geworden. Das neue, von Jungtürken gebildete Kabinett will zwar auch Frieden schließen, aber nur unter der Beding­ung, daß Adrianopel türkisch bleibt unb daß die Rechte der Pforte gewahrt werden. Nun wird ja Wohl in weiten Kreißen daran gezweifelt, daß die Feindseligkeiten »och einmal wieder ausbrechen wer­den, aber eine Losung au5 dem Dilemna verlautet noch nirgendwo. Eine große, weltgeschichtliche Ent­scheidung ist e§, vor der wir stehen, und es ist zweifellos, daß sie eine neue Periode in der Geschichte Europas Und Asiens einleitet.

Eine» nicht geringen Erfolg bat die rusiifche Po- lik in Persien erzielt, indem das persische Kabi­nett die Erteilung einer neuen Eisenbahnkonzession für dis Strecke Dschulsu—Täbris—Urmiasee, sowie die Verleihung aller sonstigen Rechte zu bnden Sei­ten des Schieneustranges an Rußland bewilligte. Persien wird daftir von Rußland eine größere An­leihe erhalten.

wenn sie die weibliche Klugheit zu Hilfe nehmen. Die Frauen sind ja zumeist geborene Meisterüinen m der Taktik. Mit dem großen Keifen oder mit roher Gewalt ist natürlich nicht viel zu erreichen: aber mit fünftem Wort, mit freundlichem Gesicht und zärtlicher Hand lassen auch die stärksten Manner sich lenken und leiten. Die Voraussetzung ist frcilnch, daß die Frau besser und klüger ist, als der Mann. Dann wird sie auch in dem Strudel der Vergnügun­gen sich als Schutzengel bewähren und dasür sorgen, daß auch in den tollen Stunden die Anmut und bet Anstand gewahrt, das vernünftige Maß eingehalte« wird.

Von den deutschen Frauen darf man Wohl hossen, daß sie auch in der Faschingszeit vernünftig unb brav bleiben. In England freilich sehen wir eine Schar von Frauen sich äustoben, die sogar in den gewöhn- litfjen Wochen des Jahres die tollsten und wider- toärtiaften Fastnachtsstreiche treiben. Das sind die Susfragettes, die Wahlweiber, die durch Roheiten und Gewalttaten das Stimmrecht für die, Frauen erzwingen wollen. Sie haben schon Ministern die Kleider vom Leibe gerissen und durch allerhand Wurfgeschosse verletzt. Ihr neuester Trick ist das Gintoerfen aller großen Fensterscheiben in der Um­gebung des Londoner Parlamentshanfes. Und solche tollen Freveltaten sollen das ganze Jahr hindurch fortgesetzt werden! Der Himmel bewahre uns, daß in Deutschland nicht auch noch Wahlweiber ;u Hyänen werden! Ich möchte unserer Weiblichkeit zumuten, daß ihre Würde und ihre Kraft nicht in der Wahlurne begründet ist, sondern in dem Einfluß, den sie privatim auf die Männer ausüben. Tas gib ihnen nicht bloß Gleichberechtigung, sondern Heber« gewicht und Herrschaft. Die sollen sie gern haben, wenn sie nur ihre Macht vernünftig gebrauchen. Auch im Karneval.

Unpolitische Zeitlause.

N. Berlin, 30. Januar 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Df« Wett ist ein Tollhaus. Wer diese alte tob klare Wahrheit bestreiten wollte, würde sich erst recht als würdiger Insasse dieser Anstalt legitimieren. Zu Fastnacht tun aber die Leute noch ein übriges, um die Welt recht toll erscheinen zu laffen. Die halb Verrückten stellen sich bann an. als ob sie ganz bet« : tudt wären, unb manchem gelingt biese Vorführung st ausgezeichnet, baß man nicht mehr weiß, wo bis .künstliche Narretei aufhört unb bie natürliche Der« drehthett anfängt. Einigen gelingt es überhaupt Nicht, wieder vernünftig zu werden.

Unb boch soll das Faftnachtstreiben eigentlich eine homöopathische Kur fern. Similia similibus! Durch den zeitweiligen Unsinn will man sich unb bie Mit­welt aus ber schleichenden Verrücktheit befreien. Man gestattet sich einige Tage hindurch allerhand Unfug, um während des übrigen Jahres vor ber Ausge­lassenheit geschützt zu fein. Diese Heilmethode kann sich auf die moderne Serumtherapie berufen. AuS Mem kranken Körper wird die Blutflüssigkeit abge- zapft und dieser unangenehme Stoff in «neu ande­ren Körper eingespritzt; der letztere soll nun davon nicht krank werden, sondern vielmehr widerstands­fähig, immun, gesund.

Tas Hingt ja beinah« so, alS ob ich ein Hurra und Hoch ausbringen wollte auf baS Fastnachts- Serum. O nein. Ich fürchte, daß dieses Serum doch mehr Schaden als Nutzen stiftet. Der Erfolg der homöopathischen Kur gegen Unvernunft und Un­fug kommt mir sehr zweifelhaft vor; denn nach allem, was man sieht und hört, sind die Leute, die sich zu oastnacht ausgetobt haben, nachher auch nicht weiser und solider als vorher.

Wenn du dich durchaus in den Strudel stürzen willst, lieber Leser, so nimm etwas strategische DeiS- )eit mit. Der kluge Feldherr sorgt tarnet,für eine gute Rückzugslinie. Auch wenn er noch st tapfer und zuversichtlich ist, er halt sich den Rücken frei, da-

Eine Weckeruhr, die auf die richtige Schlußstunde gestellt ist, kann man leider nicht in die festliche Ta­sche stecken. Aber man kann den Wecker tut Kopf haben. Da taucht der Gedanke auf: Nun wär- es eigentlich genug! Halte ihn fest, diesen guten Ein­fall, und gib ihm Folge, ohne erft noch Vorwande zur Verzögerung zu suchen. Denn das erste Gefühl der Sättigung und des Rnhebedürfniffes ist der rich­tige Wegweiser. Dann ist der Höhepunkt erreicht; was nachkommt, ist minbertoertig, und wer immer noch Weiterschlucken will aus dem Becher des Vergnügens, hit bekommt die Hefe. Anderswo nennt man das Därme, WaS zu den erbärmlichen Folgen fehr gut -aßt. — Wer nicht ganz sicher ist, ob er dir Selbst« Beherrschung bewahren unb das vernünftige Maß «inhalten kamt der nehm« zur Vrr-piügungSfahrt nur ein vorsichtig abgewogenes Pöstchen Gels mH. Nicht allein zum Kriegführen, sondern auch zur Bcr- gnügungsjago gehört "erstens, zweitens und dritten? Geld. Wenn die Tasche leer wird, so hat die Ubt be§ Rückzüge- geschlagen. Am andern Morgen wird eS niemand leid tun, daß er aus Mangel von Bar­mitteln mit leichtem Kopf hcimgekshrt ist. Wenn nur bie Kampf« am Balkan auch wegen Geldmcmgel- thren KriegSjport Selb abbrechen wollten!

Die Schlechtigkeit und d«S Unheil in ber Wett kommen bekanntttch von den drei bösen Trieben. Augenlust, Fleischeslust und Hoffahrt des Lebens.

Deutsches Reich.

** Das neu« Strafrecht. Aus dem halbamtllchen Bericht über die Ergebnisse der weiteren Beratungen der Strafrrchtskommisfion ist zu entneh- meu, daß die Kommission sich in der letzten Zett mit der Begünstigung, der Urkundenfälschuitg, der Sach- und der Vermogensbeschädigung, dem Wildern, dem Glücksspiel, dem Wucher, der Nötigung und der Be­drohung beschäftigt hat. Als einfache Sachbeschä­digung soll e§, was bisher streitig war, auch gel­ten, wenn jemand eine fremde Sache, ohne sie zu zer­stören oder zu beschädigen, unbrauchbar macht. Dem Delikt des Betruges ist angereiht die vorsätzliche 33 er« tnögenSschävigung. Sie liegt vor, wenn je­mand in der Absicht, einem andern Nachteil zuzu- fügen, das Vermögen dieses andern vorsätzlich schä­digt, oder ihm Dermogenspücke dauernd entzieht. Strafbar soll es auch sein, wenn jema id, um eine drohende Zwangsvollstreckung zu vereiteln, eine Sache beschädigt; nach geltendem Recht tritt hier nur im Falle der Beiseiteschaffung Strafe ein. Das Anbieten von Geschenken oder anderen Vorteilen, um jemanden vorn Mitbieten in einer Zwangs­versteigerung abzuhalten, soll, wie schon jetzt in Preußen, auch nach Reichsgesetz unter Strafe ge­stellt werden. Endlich hat sich, waS sehr beachtens­wert ist, die Kommission dahin ausgesprochen, daß die Unterbringung in ein Arbeitshaus auch bei den Vermögensdelikten erfolgen solle, wie Diebstahl, Betrug, Erpressung, Hehlerei und Glücksspiel.

* Ter Rotblock im Rathaufe. Die Stadt Mün­chen hat 12 Rechtsrätc (rechtskundige MagistratS- räte), von denen bisher 9 der liberalen und 3 der ZentrumSpartei angehörten. Da ein als Anhänger der Zentrumspartei bekannter Rechtsrat durch Pen­sionierung ausgeschieden war, hatte eine Neuwahl durch das Gemeindekollegium stattzufinden, dessen 60 Sitze sich auf die einzelnen Parteien wie folgt ver­teilen: 24 Liberale (dank der Nachwirkungen der früheren Wahlordnung), 19 Sozialdemokraten, 14 Zentrum, 2 Hausbesitzer, 1 Antisemit. Mit der aus­drücklichen Motivierung, daß die Parteiverhältnisie im Lande, d. h. die Verbrüderung der Libe­ralen mit den Sozialdemokraten im baye­rischen Landtage^ bei dieser Rechtsratswahl nicht un­berücksichtigt bleiben könnten, lehnte der Führer der Liberalen im Münchener Rathause von vornherein die Wahl eines der Zentrumspartei angehörigen oder rechtsstehenden Kandidaten ab. Liberale unb So- zialbemokrctten einigten sich auf die Wahl eines jüngliberalen Bezirksamtsassessors. — Es ist nicht ohne Jnteresie, was über ben Widerstreit der Meinungen im liberalen Lager anläßlich dieser Rechtsratswahl verlautete. Ein Teil der Liberalen plädierte für ein Zusammengehen mit dem Zentrum, da man in wirtschaftlichen Fragen auf die Ptitwir- kling des Zentrums angewiesen sei. Ein anderer Teil, der schließlich die Oberhand gewann, trat für eine Verständigung mit den Sozialdemokraten ein, da in kulturellen Fragen der Liberalismus mit dem So­zialismus zusammengehen müsse. Beispiele: der Kampf gegen die Konfessionsschule, die Klosterlehre­rinnen und die konfessionellen Wohltätigkeitsvereine, die Leichenverbrennungsfrage usw. Das heißt also — so wird den Kommunalpolitischen Blättern (Nr. 1) aus München geschrieben — das Zentrum soll den Liberalen im wirtschaftlichen Kampfe die Kastanien aus dem Feuer holen und zum Dank dafür auf re­ligiösem und ethischem Gebiete von den Liberalen mit Hilfe der Sozialdemokraten bekämpft und ausgeschal­tet werden. Wir glauben und wollen hoffen, daß die Liberalen ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht ha­ben werden.

Am dem Nachbargebietk

* NlSseld, 30. Jan. 1913. Der Kreisgeflü­ge l zu ch t v e r e i n setzte in seiner Generalversamm­lung die Abhaltung einer Lokalausstellung und Be- znks schau auf den 15. Februar d. I. fest. Die Aus­stellung findet hier im „Deutschen Kaiser" statt. - Bon der HcereLverwailung joUen demnächst >n der hiesigen Gegend Hebungen mit drahtloser Tele­graphie stat'finden. Auch in Erüuberg sind vom Wartturm ouS »olche Versuche angestellt worden. — Zu dem Vieh mar!l am 3. Februar dürfen laut behördlicher Anordnung Schweine cus Orten der Kreise Ziegenhgin, Kirchhain und Hersseld aufgetrieben werden. Von dieser Erlaubnis ist infolge andauernder Seuchengefahr etwa 6 Jahre lang kein Gebrauch gemacht worden.

* Hattersheim, 31. Jan. 1913. Dir Gemeinde beabsichtigt den Bau eines Schul- und Volks- b a d e s, beffen Kosten sich auf 30 000 Mark belaufen sollen, wovon % ber Staat zuzahlt.

• Eschwege, 31. Jan. 1913. Der Entwurf zum Haushaltsplan der Stadt Eschwege schließt mit 917 000 Mark gegen 860 000 Mark im Vorjahre ab und sieht eine Erhöhung der Steuern von 200 auf 210 Prozent vor.

* Kassel, 31. Jan. 1913. Aus Eifersucht goß gestern eine Frau einer anderen Salzsäure ins Gesicht, wodurch letztere schwere Brandwunden er­hielt. — Ans dem Oberstadtbahnhof entglitt den Ar­beitern beim Abladen ein etwa 50 Zentner schwerer Prellbock, der einem Arbeiter die Brust eindrückte. Der Schwerverletzte mußte dem Krankenhausr zu ge­führt werden. —- Ein Schlossergeselle hatte aus Mit­leid einen zugereisten mittellosen Dreher bei sich auf« genommen. In seiner Abwesenheit erbrach der Fremde den Schrank seines Gastfrcundes, entwendete daraus ein Kleidungsstück sowie mehr als 30 Mark erspartes Geld und verschwand spurlos. — Eine jugendliche Diebesbande brandschatzte seit län­gerer Zeft zahlreiche große Geschäfte und Läden. Jetzt ist es der Kriminalpolizei gelungen, zehn kaum der Schule entwachsene Jungen als Tater zu ermitteln und festzunehmen. — Von einem Hausflur wurde einem Herrn, der nur auf einige DJinuten in da? erste Stockwerk heraufgegangen war, ein wertvolle- Fahrrad gestohlen. Der Fahrradmarder ent­kam leider ungesrhsn.

unb bie Genußsucht eine sehr große Rolle, aber die Habsucht, die sich sonst so breit macht, tritt hier zurück. Don bet Minderheit der Gewerbetreibenden, die in | dieser Zeit ein besonderes Geschäft machen, kann , man abfthen; die große Masse ist vielmehr jetzt ge- ' radezu verschwenderisch. In einem Witzblatte fand

i ich kürzlich den alten Scherz wieder aufgefrischt von j 1 dem vergnügung-tollen Ehepaar, da§ die Betten per- fetzte, weil man m diesen lustigen Nachten doch nicht zum Schlafen komme. Auch dieser Gipfel des Leicht­sinns soll schon tatsächlich erstiegen worden sein. Und wenn auch nicht häufig die Betten ins Leihhaus wandern, so gehen doch manche andere Dinge diesen Weg, und die Wiedereinlösung macht schwere und langwierige Sorgen. Nicht nur grüne Jünglinge, die mit Geld noch nicht umzugehen wissen, sondern

i auch Leute in gesetzten Jahren und Eltern mit bei« ligen Verpflichtungen stürzen sich des flüchtigen Ver­gnügens halber in Schulden, die ihnen lange wie Dleiklumpen am Fuße hängen und, nicht selten zum

i Falle, zum wirtschaftlichen und sittlichen Verfalle ; führen. Das ist eine traurige Seite des landcsüb- ; lichen DergnügungsfieberS, die wohl ein ernstes

Wort der Warnung und Mahnung rechtfertigt. Wer ! „rnitaaÄen" will, der muß ben Bedarf vorher ! sich zusammensparen. Kein Vergnügen auf Pump; 5 sonst bist oder wirst du ein Lump! — ! Wenn man wissen will, was sich ziemt, soll man nach Anweisung deS Dichters bei edlen Frauen anfragen. In der Tat sind die guten Frauen dazu berufen, den Männern den rechten Weg zu weisru. Es ist nicht wahr, daß das männliche Geschlecht daS starke Geschlecht sei; wir haben fürchterlich biet ! Schwächen und sind der Leitung oft verzweifelt be­dürftig. Ob der Verstand bei den Männern stärker . ausgebildet ist, lasse ich dahingestellt; aber der trockene Verstand versagt oft, und es kommt auf die Ber- n u n f t an. Und da ist daS biedere Weib, uei der j daS Herz auf dem rechten Fleck sitzt und das Gefühl ! für gute Sitte lebendig ist, dem Mann oft überlegen. Namentlich die große und fegenSrtichr Kunst deS