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Fuldaer Zeitung

n Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klafrn-Iotterie. — halbjährlich Toschenfahrplim. n

Lrlcheint tügNch mil Ausnahme der Sonn- und Zeiertoge. viertel- sührllcher Bezugspreis ohne Brtngerlohn und Bestellgeld in Sulöa sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsörudt und Verlag der - : Sulhaer flctienöruckerel In Sulöa. Sernfpredjer Nr. 9. S S

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Illustrierte Sonntagszeitung

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Zuldaer Gefdjidjtsblätter

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Freitag den 31» Januar 1913.

40. Zahrgang.

Erstes Blatt.

Nr. 25.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 30. Januar 1913.

Tie Abstimmung gegen den Reichskanzler.

Ter erste Punkt der Tagesordnung ist die namentliche Abstimmung über den an die Besprechung der Enteig­nungsinterpellation geknüpften Polenantrag:

„Die Zulassung der Enteignung polnischer Guts­besitzer für die Zwecke der preußischen Ansiedlungs- kommission durch den Reichskanzler entspricht nicht der Auffassung des Reichstages."

Für den Tadelantrag stimmen 213 Abgeord­nete — die Polen, das Zentrum und die Sozialdemo­kratie. Mit nein stimmen 97 — die Rechte und die Rationalliberalen. 43 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung — die Fortschrittliche Bolkspartet.

Damit ist die Interpellation über die Enteignung erledigt.

Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes über das

Fleischeinsuhrpravisorium, wodurch der Bundesrat ermächtigt wird, für die Zeit bis zum 31. Mürz 1914 mit der Wirkung vom 1. Oktober 1912 ab für Einführung von frischem oder gefrorenem Fleisch für Gemeinden die Zollsätze von 25 bezw. 27 Mk. auf 18 Mk. zu ermäßigen.

Die Kommiffion beantragt unveränderte An­nahme des Gesetzentwurfes, während freisinnige und sozialdemokratische Anträge ihn erheblich erweitern.

Ein Antrag Dr. Ablaß und G. (Vp.) will die Er­mäßigung zunächst nur bis zum 1. April 1913, dann aber den Bundesrat ermächtigen, die Zölle für Schlachtvieh und Fleisch ganz ober teilweise und ebenso die Futter- mittelzöllc aufzuhebcn. — Ein Antrag Albrecht sSoz.) will den Bundesrat ermächtigen, für alle Ge­meinden und gemeinnützigen Unternehmungen die Zölle völlig aufzuheben, auch auf die Einfuhr von lebendem Vieh. — Eine Resolution Albrecht (Soz.) verlangt Vorlegung eines Gesetzentwurfes durch den unter Auf­hebung des § 12 des Fleischbeschaugesetzes die Einfuhr von frischem und Gefrierfleisch aller Art gestattet wer- den soll. Endlich soll durch eine 2. Resolution Albrecht (Soz.) eine Erweiterung der Erleichterungen der Bieh- einfuhr für alle Gemeinden geschaffen werden.

St6g. Simon (Sog.) erklärt, daß bet Gesetzentwurf nach keiner Richtung hin befriedige und geht dann auf den Zolltarif über.

Abg. Herold (Ztr.): Wir sind für keine Veränderung an den Zöllen während der Tauer der Handelsverträge und auch nach ihrem Ablauf für Aufrechterhaltung der eigentlichen Grundsätze des Zolltarifs. Bei den vorlie­genden Gesetzentwurf handelt es sich nicht um eine Durchbrechung unseres grundsätzlichen Zollstandpunktes, sondern um eine Ausnahme regel gegenüber einem Notstand. Unsere inländische Fleischproduktion kann gesteigert werden durch gleichmäßige Preise infolge mög­lichst langfristiger Verträge. Durch den freisinnigen Antrag wird die Macht des Reichstages jedenfalls nicht gestärkt, je größer der Bezug des Fleisches aus dem Aus- lande ist, umso größer ist der Rückgang der inländischen Produktion und die Abhängigkeit vom Ausland, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch, besonders im Kriegsfälle, sehr gefährlich ist. Der § 12 des Fleisch, beschau gesetzes ist unentbehrlich für eine wirksame Kontrolle der Qualität des ausländischen Fleische?. Die Erlaubnis der Fleischeinfuhr für alle Gemeinden liegt nicht im Interesse der Konsumenten. Für die Futtermittel sind möglichst billige Preise er- wünscht, jedoch sind sie schon fast sämtlich zollfrei, und selbst bei der Aufhebung des Zolles für Gerste und Mais würde ihr Preis nicht herunter gehen, höchstens würden wir die 67 Millionen einfach an das Ausland oerfdienten und selbst neue Einnahmequellen im ReichShauShaltS- etat schaffen müffen. Wir werden daher sämtliche Ab­änderungsanträge ablehnen.

Abg. Dr. Böttgcr (natl.): Die in Frage stehenden Bestimmungen würden bei längerem Bestand unsere ganze Wirtschaftspolitik durchlöchern. Ihrer Verlänge­rung können wir daher nicht zustimmen; darum [ebnen wir die fortschrittlichen und natürlich ebenso die sozial- demokratischen Anträge ab.

Der Gras von Tarent.

30] Raman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Ein Gefühl des Schauderns überkam alle die Anwesenden, welche die Worte verstanden hatten. Auch der Baron war eine Weile wie erstarrt, und erst als er die Blicke der Umstehenden auf sich ruhen fühlte, da kam das alte skeptische Lächeln, das man so wohl an ihm kannte, wieder zum Vorschein.

„Ein merkwürdiger Mensch ohne allen Zweifel", fegte er zu sich selbst, „aber ich glaube nicht an solche Geistersehereien."

Aber Ancrtole von Meneville wurde iun einsil­big, und seine Blicke folgten jeder Bewegung des Prinzen, der von seinen Begleitern von Tisch zu Tisch geführt wurde, und für jeden Anwesenden, der ihm vorgestellt wurde, einige freundliche Worte und einen Händedruck batte.

Der adelige Geldherr, welcher die plötzliche E:»- silbiokeft MenevilleS bemerkte, schaute spöttisch lä­chelnd aus seinen Begleiter.

„Gestehen Sic nur, Herr Baron, auch Sie er­liegen dem Einflüsse dieses seltsamen Mannes. Es ergebt Ihnen, tote es allen anderen wgaugen ist. es >st. als ginge ein Geisterhauch von ihm aus. Mich überlies cs beiß und kalt, als er sagte, er kenne St­aus einem anderen Leben. Man möchte sich fürchten d°r ihm, wenn er nicht so liebenswürdig in seinem Benehmen wäre; aber sonderbar schien cs mir und allen anderen, wie er gleichsam erstarrte bei Ihrem Anblicke. Für einen Moment konnte man glauben, er sei Ihr Todfeind." .

. Der Baron lachte nun laut, er begann sich zu ärgern „Aber das sind ja doch alles Phantastereien, an die ein vernünftiger Mensch mit gesunden Sinnen nicht glaubt. Auch ich hatte den Eindruck, eis er- innere er mich durch eine gewisse Aehnlichkest an einen Verstorbenen, aber nun muß ich darüber la­chen. Es gibt keinen solchen Zauber, nein, nein und tausendmal nein!"

„Wissen Sic, was er sagte zu seinen Freunden, die ihn auf der Brandstätte vor dem Eindringen tn

Abg. Arnstadt (kons.) erklärt, daß es sich lediglich um eine Fleischteuerung handele und keine Fleischnot. —em Gesetze, sowie den Anträgen müsse seine Partei bte Zu­stimmung versagen.

Abg. Fischbeck (Vp.) erklärt, daß der Gesetzentwurf die Frage der Lösung der Fleisch,wt keinen Schritt näher brächte und begründet den freifinniger. Antrag.

UnterstaatSsekretär Richter bekämpft sämtliche Ab­änderungsanträge.

Freitag: Fortsetzung.

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Preußischer Lauvtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 30. Januar 1913.

Die Etatsberatung wird beim Etat der Forstver­waltung tortge etzt.

Äbg. Weißermel <k.) hält die Wünsche der Förster nach Äusbegerung und günstiger Genaltung der Dienst- verhäilmsse gerechtfertigt.

Auf einen Amrag ves Abo. S ch r ö d e r-Aasiel (ntl.) wird diele Frage aus der Debatte auegejchieden und zur besonderen Beratung zuruckgestellt.

Abg. Heine intl.) wümcht für die Förster bei Ein­richtung ihier Wulschast mehr Unterstützung.

Abg. Borchardt (Soz.) erklärt, dab Die Erträgnisse der Jagd nichi auslchtießlick den Oderlöritern Vorbe­halten lein dürfen, und ist für desiere Löhne der Forst- aibetter.

Abg. Lüders .ff.) ist für größere Mittel für den Ausbau der Wege uns Entschädigung der Förster für seldstgezogene Ovnbäume.

Abg. Tuercke (k.) ist für mehr Entgegenkommen der BorstverwaUung beim Verkauf von Holz den Heinen olzl.ändlern gegenüber.

Abg. Krause-Waldenburg (ff.) wünscht bessere An- stellungsverbätlivsie der Fornasfessoren und bessere Dienst­wohnungen der Förster und Oberförster.

Landwirfchausminister Frhr. v. Schorlemer erklärt, feilens Wr Forftverwaliung lei alles xe Hetzen, Die An- ftellungsverhältmsie der Forstassessoren zu bessern. Auch den berechtigten Wünschen der mittleren und unteren Beamten werde Rechnung getragen. Die Vertaussve- dingungen würden augenblicklich einer Neuregelung unlerzo" in. Die Verhältnisse der Forstarbeiter lei durch­aus nichi so ungünstig und eine Organisation überflüssig, sogar schädlich.

Nach weiteren Ausführungen des Abg. v. Böhm (tonf.) wird ein Antrag auf Schluß der Debatte ange­nommen.

Beim Titel „Einnahmen aus Pacht" führt Abg. Graf Spee aus, daß der Rheinürom von Köln bis zur holländischen Grenze je zur Hälfte den angrenzend n Jagdbezirken zugeschlagen iei unh der Fiskus zum Sch iden der Gemeinden au den Pächterträgniffen teil» nehme.

Em Regierungsveitrrter erllärt daß der Einschluß des Rhe nnromes zu Recht benetze, die Frage zudem zu dem Restart der Wasseibauverwallung gehört.

Abg Gras Spee (Zlr.i: Da der Forsrfisfus die Pachibeiräge einzieye, sei eine Anschnerdung der Frage berechtigt gewesen.

Bei dem Titel außerordentlicher Einnahmen „Erlös au? dem Verkauf von Forstgrundstücken" entspinut sich eine Debatte über die Grünewaldfragc. Diesen staatlichen bei Berlin gelegenen Wald, die „Lunge von Berlin", will der Minister zu einem Teil als Bauplätze verkaufen, um so Geld für die Anlage großer Forsten draußen im Laute zu gewinnen, wo infolge starker Ab- Holzungen des Privatbesitzes die Gefahr allzugroßer Trockenheit droht.

Abg. v Brandenstein (kons.) wünscht erncn aiigemes» jenen Preis, da Berlin ein finanziell kräftiger Käufer fei.

Abg. Sieten (freitonf.) verlangt, daß sich der Per- äußerungswert mit dem Ertragswert deckt.

Abg. Cassel (Vp.) meint, daß der Staat die Pflicht habe, für die vielen Menschen, die sich in Berlin zu­sammengefunden haben, gesundheitlich zu sorgen. Einen Preis von zwei Mark pro Quadratmeter könne Berlin auf keinen Fall zahlen. Es herrsche Übergroßer Neid und Mißgunst gegen Berlin. Ter Wert der Wälder sei erst entstanden durch die Ausdehnung Berlins und der Vororte.

das stürzende Haus warnten? Ich ftirchte mich nicht vor dem Tode — der Tod ist mein Freund! Unb wirklich, von dem Augenblicke an, da er in das bren­nende Haus eingedrungen war, schien eine über­irdische Gewalt mit ihm zu sein. Er schritt durchs Feuer, ohne von der Glut berührt zu werden, als er sich auf das Fenstergesimse schwang und Qualm und Rauch jeden anderen erstickt hätten, da wechselte plötzlich der Wind, und Feuer, Rauch und Qualm gingen nach anderer Richtung und ebneten ihm den Weg zum Niederspringen. Alles, was er unter­nimmt, gelingt."

„Zufall, nichts als Zufall; ich war Zeuge der Begebenheit, als ich in Rom eintraf und mein Reise­wagen durch die dichtgedrängte Menge aufgcha'isn wurde. Es war ein Akt purer Narretei, zufällig von Erfolg gekrönt. Ich hätte mein Leben sicher nicht eines schmutzigen Bettlerkiudcs halber gewagt."

Der andere fühlte sich durch die kralst- Herzlosig­keit, die in den Worten lag, unangenehm berührt nnb antwortete nickst. Er folgte mit den Blicken dem Prinzen, der nun mit seinen Begleitern die Rund' im Saale vollendet hatte und sich mit den­selben an einem Tisch' nie'verließ.

„Herr von Meneville, wollen Sic uns Gesellschaft leisten?" rief der Prinz laut.

Der Baron fühlte sich durch die Einladung ge­schmeichelt, er bemerkte, daß die Augen vieler sich auf ihn gerichtet hatten, ihn beneidend wegen der Bevorzugung. Wiederum char es allen ausgefallen, daß die Stimme des Prinzen einen völlig veränderten Klang hatte

Meneville nahm gerade dem Prinzen gegenüber Platz, nachdem er sich vorher dankend für die Ein­ladung verneigt hatte. Die Umsitzenden begannen sich für den Baron, der doch nur als Junker von un­bedeutendem Range und Vermögen galt, zu inter­essieren, keiner begriff, warum der Prinz jo vieles Interesse für ihn wn den Tag legte.

„Sie tragen da einen merkwürdig schönen Ring am kleinen Finger der rechten Hand", sagte der Prinz zu Meneville, „die Fassung ist sehr alt, wahr­scheinlich ist es ein Erbstück in Ihrer Familie?"

Abendsitznng.

wird

der Forstverwaltnng

tritt für Besserstellung her (natl.) bezeichnet das Ein­

Veutsches Reich.

r-2r Wehr- und Steuervorlage.

Ti« neuen Militärvorlagen werden in der Presse nach wie vor noch lebhaft erörtert, lieber den In­halt und der Höhe der kommenden Wehrvorlagen liegt immer noch ein dichter Schleier, sodaß wilden Kombinationen Tür und Tor offen stehen. Wir ha­ben bereits mitgeteilt, daß die Neuforderungen für militärische Zwecke insgesamt die Höhe von 100 Mil­lionen Mark "erreichen dürsten. Andere Blättermel­dungen geben neuerdings die Kosten bereits auf 120 bis 150 Millionen Mark pro Jahr an. Es ist uns aber unerfindlich, wie für solch enorme Mehrforde­rungen eine Deckung gefchaffen werden kann, was doch nach der feierlichen Verpflichtung der Re­gierung sowohl tote des Reichstags, daß keine Aus­gabe mehr ohne Deckung gemacht werden soll, unbe­dingt erforderlich ist.

'Die neuen Besitz st euern sind in ihren Grundzügen im Reichsschatzamt fertig gestellt. Dem­nächst werden sie den Bundesregierungen zur Be­gutachtung zugehen und noch im Laufe des nächsten Monats dem Bundesrat zur Beschlutzfasiung vorge- leat werden. In erster Linie kommt eine Ber - m ö g c n s z u w a ch s st e u e r in Betracht. Bei dem bekannten Widerstande der größeren Bundesregie­rungen gegen diese Besitzsteuer ist es allerdings nicht

Die Beratung beS Etats fortgesetzt.

Abg. Ernst (fortschr. Vp.)

stern als pensionsfähige Zulage voll angerechnet werden.

Abg. Vufch (Ztr.): Die Fälle mehren sich, in denen Förster von Wilderern erschossen wurden. Für die Hin- terbliefiencn dieser im Dienst des Vaterlandes gefallenen Beamten wird noch nicht genügend geforgt. Im In­teresse der Landwirtschaft müssen die Kaninchen abge- fchossen werden.

Landwirtschaftsminister v. Schorlemer: Die land­wirtschaftliche Verwaltung ist gern bereit, die Bezüge der Förfter aufbeffern und allen berechtigten Wünschen der Förster Rechnung zu tragen. Die eiatsmäßige Anstel­lung der Forstsekretäre und die Sorge für ihre Woh- nungSbcrbältniffe zeigt, daß sie tut, was in ihren Kräf­ten sieht.

'Ilog. Jmbusch (Rentr.) nimmt sich besonders der Wünsche der Walda, beiter an.

Nach weiterer Debatte wird der Etat der Forstver­waltung angenommen.

Es folgt die Beratung des Etats der Seehandlung, der debattenlos erledigt wird.

Freitag: Etat des Ministeriums des Innern.

Schluß nach yxll Uhr.

** Berlin, 30. Jan. 1913. Die Fleischenquete, kommiffion trat am Donnerstag unter dem Vor­sitz des Staatssekretärs Delbrück zu ihrer dritten Sitzung zufammen. Die Verhandlungen, zu denen rund 40 Sachverständige erschienen waren, wurden vertraulich geführt.

Der Reichstag hat gestern mit großer Mehr« heit - em ersten Beamten des Reiches, Herrn v. Bethmann ein Mißtrauensvotum erteilt. Das ist da? Ergebnis der Polendeba te. Schon vor Be- ginn der Sitzung war der Sitzungssaal dickt gefüllt, nur auf der Reck en des Hauses macken sich merk­liche Lücken bemerkbar. Die Tribünen dagegen waren nur schwach besetzt, obwohl mit der Abstimmung ein Ereignis zur Tatsache geworden ist, das seit der Be­gründung deS Reiches einzig dasteht. Die Regrerung demonstrierte durch Fernbleiben, die Regierungsbanke waren völlig leer. Das Ergebnis der Abstimmung wurde mit grober Spannung erwartet, obwohl es bet den gegenwärtigen Mehrheils Verhältnissen "ickt zweifel­haft sein konnte. Es bedeutet eine große Mehrheit für den Antrag aus Mißbilligung der Zwangs­enteignung gegen die Polen, nahe zu eine Drei» vier leime dr heit, da auch die Fortschrittliche Volkspartei sich ausdrücklich gegen die Zwangsent- eignung und die gante preuß'sche Polenpolitik aus- gesprochen hat, wenn sie auch aus »Diplomatie" der Abstimmung über den formellen Antrag sich enthielt. Recknet man aber die 43 Stimmenthaltungen zu den 213 Stimmen für den Antrag, so ergibt sich ein Summenveidältnis von 256 : 97. Das betagt genug für die Beurteilung, die die P^leupolittk und ins­besondere die Zwangsenteignung gegen polnilcke Gutsbesitzer im Reichstage findet: eine Verurteilung, wie sie kaum schärfer ausgesprochen werden konnte. Tas HauZ nahm das Ergebnis der Abstimmung mit gelassener Ruhe entgegen, nur die polnischen Abge­ordneten gaben ihrer Befriedigung durch eine lebhafte Beifallskundgebung Ausdruck. Unmittelbare poli­tische Folgen wird die Kundgebung des Reichs- tages gegen den Reichskanzler aller Voraussicht nach nicht haben. Leben wir doch nicht in einem parla­mentarisch regierten Staate, in welchem eine Ab­stimmung wie die gestrige den foiorttgen Rücktritt der Regierung zur Folge haben müßte. Etwas anderes aber ist es, ob bte Regierung sich nach Der unzweideutigen Kundgebung des R ichstages gegen die Polenpolittk nun doch endlich einmal die Frage vorlegen sollte, ob sie eine Politik weiterführen will, die von der überwiegenden Mehrheit des R ichstages und damit des dcmschen Bottes verurteilt ist und die zudem völlig veriehtt ist. Jedenialls fann Herr o. Bethmann sich nicht beklagen, er hat nur geerntet, waS er und seine Vorgänger geiäet haben.

Forstbeamten ein.

Abg. Dr. Sckröder-Kassel , . .

kommen der Förster als unzulänglich.

Abg. Wölfl-Metternich (Ztr.): Der Staat ist den Wünschen der Forstbeamten entgegen gekommen, aber ein dunkler Punkt ist noch der Wohnungsmangel für die verheirateten Forstarbeiter. Mit der geplanten Abnahme der Dienstländer sollte man sehr vorsichtig sein. Ver­schiedene Förster haben dieses Land sehr nötig. Ein Teil der Einkünfte aus dem Dienstlandc sollte den För-

Oberlandeöforstmeister Wesener verzichtet auf weitere Auseinandersetzung, da sonst die Verhandlungen mit dem Zweckverband gestört würden.

Auf eine Anregung des Abg. Wulfert-Meher (kons.), die Regierung möge der hannoverischen Siedlungsgeftll- schäft mit der Urbarmachung von Oedländereien eine Preisermäßigung zubilligen, fagt, ein Rcgierungsver- treter wohlwollende Erwägung dieser Frage zu.

Auf einen Antrag des Abg. Schröder- Kassel (natl.) werden eine Reihe von Petitionen zu diesem Etat an die Budgetkommission zuriickverwiesen.

Die Weiteratung wird auf 71/- Uhr vertagt.

Schluß 4’/- Uhr.

ausgeschlossen, daß bte Erbanfallsteuer wie­derum ernsthaft erwogen werden wird.

In parlamentarischen Kreisen rechnet man da­mit, daß die Desitzsteueworlage dem Reichstage noch vor Ostern zugchen wird, obwohl ihre Verabschie­dung noch in diesem Tagungsabschnitt wohl kaum möglich sein wird. Noch vor der Besitzsteuervorlage wird veraussichtlich dem Reichstage die neue Wehrvorlage unterbreitet "werden, da ihre Be­ratung im Bundesrat möglichst beschleunigt werden soll, sodaß spätestens bis Ende Februar die neue Mi­litärvorlage dem Reichstage vorliegcn wird. Bei der voraussichtlichen außerordentlichen Höhe der Neu- sorderungen ist es verständlich, daß man mit ern­sten innerpolitischen Verwickelungen rechnet und die Möglichkeit einer nicht allzu fernen Reichstagsauflösung nicht von der Hand weist.

Wir können den kommenden Erergntsien ruhig entgegenseben, tun aber gut, uns für alle Fälle be­reit zu halten.

Meneville errötete leicht. „Monseigneur irren, der Ring ist kein Erbstück in meiner Familie aber sicherlich ist er hunderte von Jahren alt, es ist mir ein teueres Geschenk."

„Ein Geschenk —1 wahrscheinlich von einer Dame?"

„Sie haben das Richtige getroffen, Hoheit, von einer Dame."

Er streifte den Ring vom Finger unb reichte den­selben dem Prinzen zur Besichftgung dar. Dieser nahm und prüfte ihn anscheinend mit großem Jn- tereffe.

Der Ring war ihm nur zu wohl bekannt. Er hatte sich vererbt von Vater auf Sohn seit vielen Generationen. In der Mitte war in Gold gefaßt ein blutig rot schimmernder schwarzer Diamant, rings um den Stein waren in das Gold die Worte graviert: „Treu und wahr!" Es war der Wahl- sprnch, den die Grafen von Tarent im Wappen führten..

„Ein hübsches Juwel",, sagte der Prinz sinkend, indem er den Ring an den Eigentümer zurückgab, „die einqegrabcnc Devise ist kaum mehr leseftich, aber meine Augen sind scharf wie in den Tagen meiner ersten Jugend. Hoffentlich wird die Dame, welche Ihnen dieses Geschenk gemacht, treu und wahr sein."

Meneville br:ifie bewifen auf und fühlte sich un­angenehm berührt. Er wußte am besten, wie treu und wahr die Dam- im Leben gehandelt. Er fühlte sich um eine Antwort verlegen.

„Hoheit belieben "mmer in dunklen, rätselhaften Aeußerunoen sich auszulaffen", entgegnete er zö­gernd. „Wer kann für die Treue und Wahrheit in der Siebe einet Frau einstehen? Weiber sind Rätsel sür den stärksten 'Kann, und jeder tut am besten, dieselben mr als Spielzeug zu nehmen. Mein Prinz, Ihr Haar ist grau, Sic haben ein langes Leben hinter sich, und kennen den Orient und Occi- dent, Ihre Wiege stand vielleicht am heiligen Ganges oder am Bosporus, der Umgang mit den Völkern dieser Erde hat Ihre Erfahrung getätigt und gereift,

so f-agc ich Sie, glauben Sie bei den Frauen an Wahrheit und Treue?"

Tiefes Stillschweigen trat ein, der Prinz schien mit dem Blicke in weite Fernen zu schweifen, dann sagte er in rauhem, heiserem Tone:

" „Ich habe einmal geliebt int Leben — und sie erwies sich als falsch und treulos! — Aber trotzdem glaube ich an Treue und Wahrheit, wie ich an Gott glaube!"

„Da bin ich anderer Meinung: ich glaube an keinen Gott, meine Religion ist die bequemste und glaubt an nichts, was übe-natürlid? fit. Was ich nicht beweisen kann, das c riskiert nicht für mich!"

„Der Beweis wird kommen — gedenken Sie meiner Worte, Baron, Gott läßt sich nicht ungestraft leugnen . .

Laut und feierlich hatte der Prinz von Indien die Worte gesprochen.

Der Baron zuckte die Schultern. „Warten wir die Beweise ab", sagte er gleichmütig, „vorerst bleibe ich bei meiner Ansicht, wenn ich auch aus den Mienen der verehrten Umutzenden meine Verurteilung klar und deutlich hecouslese. Ich glaub» an die Freuden des Lebens, ich glaube an den Genuß, und hiermit endet mein Glaubensbekenntnis. De' Tod kommt nur allzu frühe, und mit dem Tode ist alles aus, alles! Ein Tor, der nickt am Becher gdrunfen hotte, als er schäumend den Lippen kredenzt wurde . .

Die Umsitzenden schüttelten die Köpfe bei der Aeußerung des Gottesleugners, nicht einer unter allen teilte seine Ansichten.

„Das nt ja schlimmer als heidnisch", sagte Fürst Colonna, „die Heiden, welche von unserer hemgcn Religion nie gehört, fühlen sogar das Bedürfnis nach einem Zdeal, das über den Menschen steht, sie beten, deshalb die Sonne an ober den Mond, odc». bilden selbst geschnitzte Bilder, die sie verehren; das beweist, daß auch der auf niedrigster Stufe stehende instinktiv nach einer allgewaltigen Kraft forscht, die über uns thront."

(Fortsetzung folgt.)