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Zuldaer Zeitung

Lirhungrlisten der preußisch-süddeutschen XIassen-Lottrrie. halbjährlich Taschenfahrplan. rr

40. Jahrgang.

Dienstag den 2S. Januar 1913

Nr. 22

Zentrums

'llein in

Schatten tauchen auf.

Um diese Zeit war in Rom ein fremde? Prinz

füllung gehen.

Zentrum und

gewerblicher Mittelstnnd

~ wochm-veilage: "

Illustrierte Sonntagszdhmg

erschein« «SgNch ml« Ausnahme der Sonn- und Stitrfegt viertel- «ührlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda fomlt auswärts 1.50 Mark. Botafionsbrudt und Verlag der L s Zuldaer flctienbruAerti In Zu Ida. Zemsprecher Nr. 9. eS 2

t. ~ HTonats-Beitage! -

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ReichStagsabg. Irl hat kürzlich Tausenden von Handwerkern und Gewerbetreibenden auS der Seele S'prochen, als er die Reichsregierung aufforderte, end- von denewigen Erwägungen" zu praktischer . Arbeit überzugehen. ... _ .

Die Mittelstandspolitik ist ja rn den letzten Jahren vollständig ins Stocken geraten. Jedes Jahr brmgt die Zentrumsfraktion deS Reichstages eine Reche von Anträgen und Resolutionen zugunsten deS gewerb- liehen Mittelstandes ein, und eS ist nicht zu leugnen, Hatz durch das unausgesetzte Drängen deS Ze-" * schon manches erreicht worden ist. AI neuerer Zeit v e r s ch l e P P t die Reichsregrerung die gesetzliche Regelung einer Reche wichtiger Fragen für Handwerk und Gewerbe. DaS hat Abg. Irl mtt Rach, druck kritisiert, und daS ganze Handwerk hat Ursache, dem bayerischen Handwerksmeister dafür dankbar zu

keine Stunde länger.

Erleichtert und wie von einem schweren Alp be­freit, atmete er auf, als eines Tages der Befehl er­teilt wurde, die große Reisekutsche, welche seit Iah- ren nicht mehr benützt worden war, für den Baron von Meneville in Stand zu setzen. Meneville sollte nach Rom reisen, und es verlautete, daß er etliche Wochen dort verbleiben würde.

Als der Tag der Abreise kam und das Gepäck aufgeladen wurde, da fiel eS dem alten Manne auf, daß der eine Lederkoffer ungemein schwer war. Die­ser Koffer enchielt die gesamten Ersparnisse, welche Graf Tarent im Leben gemacht hatte. Es war eine sehr bedeutende Sumnie für die Begriffe jener Zett, und die Gräfin hatte dem Rate MenevilleS znge- stimmt, die Gelder beim weltbekannten Bankier Tar- loni in Rom nutzbringend anzulegen, statt dieselben in den Kellern der Burg ohne Nutznießung liegen zu lassen. Der Baron selbst wollte mit dem Bankhause das Geschäft vereinbaren und zugleich persönliche Bekanntschaften erneuern und anknüpfen, da um diese Zeit der ganze Adel des Landes zu den statt­findenden großen Kirchenfesten sich fort versammelte.

Ms der Wagen zum Schloßorte binauSroHte, da stand die junge Gräfin auf dem Balkor im ersten Swckwerke und winkte dem Scheidenden mit dem Weißen Spitzentuche Abschiedsgrüße zu. Der alte Diener aber freute sich und wünschte dem Schewen-

^^Einige liberale Blätter benützten diesen Anlaß, am sich über die Handwerkerpolitik des Zentrums lustig zu machen. In bet letzten Wahlagitation gingen auch liberale Agitatoren nut_ der Behauptung spazieren, das Zentrum habe für den gewerblichen Mittelstand nichts getan. DaS veranlaßt uns zu eini­gen Feststellungen: .

Es ist eine durch niemand zu bestreitende Tatsache, bah die gesamte Handwerkergesetzgebung erst durch daS Zentrum in Fluß gekom­men ist. Eben sind es 36 Jahre, daß baS.RerchS- tagSzentrum unter dem Dohnaelächter der Liberalen den sozialpolitischen Antrag Galen eingebracht hat. Dieser Antrag Galen fußte auf dem vom Zentrum stets hochgehaltenen Prinzip des wirtschaftlichen Jn- teresienauSgleichS. Weil das Zentrum jede einseitige gntercssenpolitik ablebnt, so stellte auch der Antrag ölen Forderungen für Arbeiter und Handwerker auf. Der Antrag Galen war die erste Initiative tut Reichstag zugunsten der Arbeiter und des Mit­telstandes. DaS Zentrum marschierte voran, und erst nach Jahren folgten andere Parteien, nicht zu reden von den Nationalliberalen und Freisinnigen, die die Mittelstandspoltik deS Zentrums mit allen Mit- teln zu durchkreuzen suchten.

Der Antrag Galen faßte das Nebel an der Wurzel und verlangte deshalb Schutz und Hebung des Hand­werkerstandes durch Einschränkung der Gewerbe- f r e i b e 11; daneben war verlangt die Regelung deS Verhältnisses der Lehrlinge und G e s e l l e n zu den Meistern, sowie Förderung der gewerblichen kor­porativen Verbände. Diese drei Kardinalforde­rungen sind in jahrelangem Kämpfen und Ringen zu einem guten Teil verwirklicht worden durch daS Handwerksgesetz von 1897 und spätere gesetzliche Maß- nahmen. Das Handwerkerickm^aesetz von 1897, das die Jnnunaen, Jnnungsverbänbe, JnnungSanSschüsie und vor allem die Handwerkskammern als gesetzliche Vertretung des Handwerks brachte, ist im wesentlichen ein Werk des Zentrums. Denn das Gesetz Lücken hat und wenn insbesondere die Gewerbefreiheit nicht weiter eingeschränkt werden konnte, so ist daS hauptsächlich Schuld der liberalen Par­teien, die an der Gewerbefreiheit überhaupt nicht rütteln lassen wollten. Die Nationalliberalen lehnten noch 1896 den kleinen Befähigungsnachweis ab. Der Freisinn bekämpfte ihn alszünftlerische Forderung" und stimmte gegen daS ganze Gesetz von 1897. Die Nationalliberolen waren auch stets gegen jede Be- kämvfung der Auswüchse im WarenhouSwesen. Wo daS Zentrum zum Schutze deS gewerblichen Mittel- tandeS den Hebel ansetzte, stieß eSaufdenWider- tandderNationalliberalenundFrei- innigen, die als richtige Schutztruppe des Groß-

Denttches Keich.

* Kaisers Geburtstag.

Im deutschen Reiche sowohl als auch tm Aus­lande wurde der Geburtstag Kaiser Wilhelms über­all festlich begangen. ZuBerlin wurde der Festtag eingelettet durch dasGroße Wecken". Alsdann mar­schierte die Reveille im Schlenderschritt durch die

Der Graf von Tarent.

37] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Zwefter Band.

1.

D«r Prinz von Indien. Einleitung.

Biele Monate waren vergangen seit den letztge­schilderten Ereignissen. Seit dem Tode ihres Man­nes lebte Gräfin Anita von Tarent zurückgezogen auf der Burg, und selten nur vermochte man sie außerhalb der Burgmauern zu erblicken. Daß Ba­ron Meneville bann an ihrer Seite gesehen wurde, eriegte im Anfang wenigstens keine besondere Auf­merksamkeit, war er doch der unzertrennliche Ge­fährte des Verstorbenen gewesen und hatte man bald erst 'ren, baß er gleich bie Verwaltung der sehr um­fangreichen Tateittschen Güter in die Hand genom­men hatte. In seiner Stellung war er berechtigt, fortwährend in der Burg aus- und einzugehen. Et- liche Lakaien schüttelten aber doch den Kopf und Nu- sterten sich Rebe unb Gegenrede zu. Der alte Ja­kob, derselbe, der seinen Herrn vor seinem Todes- gange gewarnt hatte, die Burg nicht zu verlasien, war es besonders, der die junge Witwe und den Freund des verstorbenen Grafen mit mißtrauischen Srgen heimlich beobachtete. Seme alten Augen sahen gut, gleich nach der Beerdigung des Burgherrn halte er mit Befremden bemerkt, wie Baron Mene­ville sich der Witwe gegenüber in einer Weise be- ' nahm, die in der ersten Tranerzett gänzlich unstatt­

er quittiert, aber der kleine bleiche Knabe mit den großen, träumerisch blickenden Augen, das Kind sei­nes unvergeßlichen Herrn, hielt ihn fest.

Einmal hatte der alte Diener Der Gräfin eine Andeutung gemacht, ob eS nun nicht an der Zeit wäre, für einen dem Range des Verstorbenen ent­sprechenden Metallsarg Sorge zu tragen, doch da hat- ten die Augen grünlich geschimmert vor Zorn. Sie verbot dem alten Manne, sich in Dinge zu mischen, die nicht seines Amtes seien, sonst sei seines Bleibens

Die vollste Sympathie des Volkes gewann aber der Prinz, als er eines Abends anSfuhr und vor einem der Tore Roms an einem brennenden Hause vorüberkam. Die Flammen schlugen aus allen Stockwerken, der Dachstuhl brannte bereits, als plötz­lich an einem bet Fenster des Hauses ein Kind um Hilfe flehte. Allez zögerte, in bas Haus einjubrtn- gen, eS war fast gewister Tod. Auf dem freien Platze kniete die Mutter deS Kindes unb betete laut zu Gott, er möge ihrem Kinde Hilfe und Rettung bringen. In diesem Augenblick erschien der Pttnz auf der Drandstätte, und kaum hatte er vernommen, um waS es sich handle, als er sich auf der Stelle an- schickte, dem unglücklichen Kinde Beistand zu bringen.

Eine ganze Schar Kavaliere, welche mit ihm einen Ausflug in die Ruinen unternommen hatten, beschworen ihn, von dem Vorhaben abzustehen. Ein jeder prophezeite ihm den sicheren Tob, ohne baß der Verlust seines Lebens dem Kinde etwas nützen würde.

Der Prinz wehrte die Mahner ab.Ich bin mft dem Tode besser bekannt, als Sie begreifen können, meine Herren", sagte er ernst.Ich habe früher schon gelebt, unb bin gestorben, unb trotzdem bin ich zu einem neuen Leben erwacht. Der Tod hat für mich keine Schrecken, er ist mein Freund!"

Während der Prinz diese seltsamen Worte sprach, welche den um ihn Versammelten Scheu und Schau­der einslößten, nahm er den kostbaren Mantel, den er um die Schultern hängen hatte, und tauchte den­selben in einen bis an den Rand mit Wasser gefüll­ten Wasserkübel. Dann schlang er das triefende Kleidungsstück um sich, schlug den Kragen hoch em- por, daß Gesicht und Haare vollkommen bann ver- schwanden, unb ging auf das Haus zu. 9 °ten? losem Schweigen hatte die Volksmenge gelauscht unb dem Beginnen des Prinzen zuqesehen. Hatte keiner den Mut gehabt, das eigene Leben miss zu setzen, um so mehr verstanden sie Die heroische Tat des Fremden zu schätzen. Alles w y zurück, ihm b?- Eingang ins Haus frei zu geben.

(Fortsetzung folgt.)

Straße Unter den Linden. Der Kaiser erschien am Fenster seines Arbeitszimmers, vom Publikum leb­haft begrüßt. Die Feier im Schlosse begann mit einem Festgottesdienst in der Schloßkapelle. Hier ent­wickelte sich ein glänzendes Bild. Die Botschafter und die andern Chefs der akkreditierten Missionen, die Bevollmächtigten zum Bundesrat, die General- feldmarfchälle und die anderen Mitglieder der hohen Generalität, die Ritter vom Schwarzen Adler, die Kommandeure der Garde und Deputationen der in Berlin und Potsdam garnifonierenben Leibregimen- ter nahmen an dem Gottesdienst teil. Vom Reichs­tag und vom Landtag waren bie Präsidenten an­wesend. Außerdem sah man Deputationen der Uni­versitäten und der C nstlichkeit. Reichskanzler von Bethmann Sollweg, der sehr früh erschienen war, unterhielt sich lange mit sorgenvoller Miene mit den verschiedensten Botschaftern, am meisten jedoch mit dem englischen Botschafter Sir Gosck.n. Diese Unter­redung wurde allgemein bemerkt. Kurz nach 10.15 Uhr erschienen unter großem Vortritt der Kaiser und die Mitgli^er der kaiserlichen Familie. Da die Kai­serin den Festlichkeiten fern blieb, führte der Kaiser die Kronprinzessin. Die Festpredigt hielt der Ober- Hofprediger Dr. Dryander. Nach Beendigung beS Gottesdienstes fand im Weißen Saal die Gratu- l a t i o n s e o n r statt, während im Lustgarten das Salntschießen der Leibbatterie ertönte. ES fälgte um 12.15 Uhr die Paroleausgabe im Zeughaus, zu der sich der Kaiser mit dem Kronprinzen und den übrigen Prinzen zu Fuß begab. Das Publikum be­grüßte den Kaiser mit lauten Hochrufen. Abends um 6 Uhr war Galatafel im Schloß, im Anschluß daran Galavorstellung im Opernhaus.

Der Kaiser hat anläßlich seines Geburtstages den Kronprinzen zum Oberst befördert. Ferner verlieh der Kaiser eine Reche von Auszeichnungen.

Der Reichstag feierte den Geburtstag des Kaisers durch ein Festessen im ReichStagSgebcmde. Präsident Dr. Kämpf sprach den Kaisertoast. Auch das Abgeordnetenhaus veranstaltete ein Festmahl,' auf dem Präsident Gras Schwerin im Kaisertoast d"S kommenden 25jährigen Regierungs­jubiläums des Kaisers gedachte.

eilt war. Er war ein bejahrter Herr mit feinsten Umgangsformen, dessen Wiege in Indien gestanden haben sollte. Er mußte ungeheuer reich fein, denn et verausgabte das Geld mit vollen Händen, und von seinen Schätzen und Reichtümern erzählte man sich Wunderdinge. Auf seinen Reisen war er an allen europäischen Höfen mit offenen Atmen empfangen worden. Wo immer er auftauchte, erregte er immen- fes Aufsehen. Der frembe Prinz sprach französisch so gut, daß man ihn in Paris für einen Franzosen gehalten hatte, das Italienische beherrschte er so voll­kommen, baß bie Römer glaubten, einen ans ihrer Mitte zu hören. Wer er war, woher er kam, wußte niemonb.

Aber auch nicht ein Sterblicher hatte biefen Mann je lachen gesehen, immer blickte er ernst, schwermütig, wie ein Mann, der fein Leben lang schweres Leid ertragen.

Das Sonderbarste aber war an ihm, daß er sei­nem Aussehen nach sechzig Lebensjahre zählen mochte, seine Bewegungen zeigten aber die Kraft unb Elastizität ber Jugend. Dieser Mann mit den grauen Haaren und den gefurchten Zügen zeigte nur im Gesichte die Merkmale ber alten Taae. Keiner schwang sich leichter unb gewandter in den Sattel, keiner vermochte es ihm cn Ausdauer bei den Stra­pazen ber Jagd gleichzutun, bei oerschiedenen Ge­legenheiten hatte er znbem Proben von gewaltiger Körperkraft gezeigt, welch keiner von ben Jüngeren nachahmen konnte. Die Sage erzählte, biefer Sohn des Orients besitzt das Elixier ber immerwährenden Jugend. Er nannte sichPrinz von Indien", ohne einen Namen beizufügen. Der Tftel galt allgemein als ein Inkognito.

Dieser merkwürdige Mann war nach Rom ge­kommen mir einer ungeheuren Gefolgschaft und Dutzenden von Equipagen von solcher Pracht, wie man sie früher nie geschaut. Seine Pferde rivali­sierten mit denen der besten Marställ: Europas. Der ganze Adel in Rom drängte sich um ihn, die Fenster seines Palais waren fast jeden Abend glänzend be­leuchtet, denn Fest reihte sich an Fest. Hunderte von Armen kamen täglich an seine Tür, und gespeist und ^tränkt und reich beschenkt verlie'en sie ihn wieder.

daß alle Kräfte zusammenwirken sollten: Reich, ©taa*, höhere unb niedere Kommunalbehörven, Spar- unb BersicherungSkafsen, Genossenschaften und Vereine. Bei dem vorliegenden preußischen Entwurf muß man den guten Willen dankbar anerkennen. Sein Hauptziel ist, bie Herstellung kleiner Wohnungen zu fördern, bie in gesundheitlicher, sittlicher uno so­zialer Hinsicht einwandfrei sind. Wern gute Wohnungen ausreichend vorhanden sind, so tann man bie Beseitigung ber schlechten Wohnungen energisch betreiben. Dieser Seitgebante ist richtig, unb ebenso richtig ist der weitere Gesichtspunkt, daß nicht ein großes Allbulmittel zu finden ist, sondern bte Ab­hilfe mit verschiedenen kleinen Mitteln, in einer vielseitigen Kleinarbeit zu suchen ist. Bei der Beurteilung der einzelnen Mittel wird allerdings die scharfe Kritik einsetzen, und sie wird auch auf die Ergänzung deS vorliegenden Rezeptes dränge«» ES sind nämlich in dem preußischen Entwürfe einige hochwichtige Gesichtspunkte außer Betracht gelassen. Go vermissen wir bei den Vorschlägen zur Förderung deS Wohnungsbaues hauptsächlich Maßnahmen zur Erleichterung de» Baukredits. Der Realkredit ist vielfach von entscheidender Bedeutung. Der bau- lustige Unternehmer kann verhältnismäßig leicht die erste Hypothek erhalten, aber die zweite nur sehr schwer, nach vielen Weiterungen und oft erst unt.r großen Opfern. Darum haben e nige kühne Ge­meindeverwaltungen schon die Sorge für die zweiten Hypotheken in die Hand genommen. Könnte und sollte nicht auch dieser Zweig der kommunalen WodnungSfürsorge in dem Staatsgesetz Regelung und Förderung finden? Oder will man daS dem Reich überlasten?

-s- Vergebliches Bemühen. Einer gewissen Presie ist eS höchst unangenehm, wenn sie sehen muß, daß Katholiken unb positive Protestanten in ihren An» ichten über sehr viele unb wichtige Dinge überein- ttmmen. Das eifrige Bestreben biefer Presie geht icshalb bahin, nach Möglichkeit Hader unb Zwie- tracht zwischen den beiben Konfestwnen zu erregen. Keine Gelegenheit, unb ist sie noch so sehr bei ben Haaren herbeigezoaen, läßt man ba vorubcrgehen. So hat baS Berl. Tageblatt vor einiger Zeit zu mel- ben gewußt, daß ber mit Zentrumshilfe in Namslau- Brieg gewählte konservative ReichStagsabg. ®r. Oertel bas Zentrum als ein nottvenbiges Nebel bezeichnet habe; in Zentrumskreisen sei man darüber sehr erregt unb man brohe Herrn Oertel bereits, ihn mit betn Verlust ber 2300 Zentrumsstimmen zu stra­fen. Chefredakteur Dr. Oertel hat aber in seinem Blatte in berDeutschen Tageszeitung" bie Melbung be§ Berl. Tagebl. alsbald alsglatte Erfin- b u n g" bezeichnet. Neuerdings wiederholt bas Berl. Tagebl. (Nr. 48) seine Behauptung. Es beruft sich habet auf bas Katholische Deutschland", ein Quer­treiber-Wochenblättchen, bas in katholischen Kreisen nut durch seinen famosen Redakteur, ben 21jährigen Schneibirgesellen Sammel bekannt tst, in liberalen, kitchenfeinblichen Blättern allerdings sehr oft gegen bie bentfchen Katholiken zitiert wirb. Einen schlech­teren Kronzeugen hätte baS Berl. Tagebl. wirklich nicht finben können. DasKatholische Deutschland" hat in katholischen Kreisen nicht ben geringsten Ein- fiuß unb gibt bie hort herrschende Stimmung durch- aus unzutreffend unb falsch toieber. Wir glauben ja gerne, baß c5 nicht nur bem Berl. Tagebl., sonbern auch bem Katholischen Deutschlanb" Vergnügen be- reiten würbe, wenn es ihm gelingen würbe, Ber. stirnmung zwischen Zentrum unb Konservativen an- zurichten. Aber ber gemeinsame Traum, ben bas iLbisch-liberaleWeltblatt" unb baS tm Verborgenen kbtnbe unb als einzig unb allein echt katholisch sich anpreisenbe Wochenblä/lchen haben, wirb nicht in Er-

* Berlin, 26. Jan. 1913. Der Kaiser stiftete für bie bieienigen Fliegcrofftziere, bie bas Feldpiloten- examen bestanden haben und bie miliiärische Prüfung mit Erfolg erfüllten, ein besonbereS Abzeichen. Nach einer Meldung auS Stuttgart ill ber deutsche Kronprinz zum württembergischenOberst befördert worden.

v Der Entwurf eine? preußischen WobnungSzesthe ist infolge der Reichstagsverhandlung überraschend schnell an das TageSltckt gekommen. Er soll erst tm Herbst bem nengewShlten Abgeordnetenhaus!! zugeheiw Die frühzeitige Veröffentlichung ist aber sehr gut; denn es handelt sich nm eine ungeheuer verwickelte und schwierige Angelegenheit, die von allen Sach­kundigen unb namentlich von allen beteiligten Kräften im kommunalen, genoffenschastlichen unb privatwirt- schaftlichen Leben auf baS grünblichste geprüft und begutachtet werden muß. Vor 9 Jahren ist der An­lauf zu einer jo!dien Gesetzgebung im Sande stecken geblieben; bie Uebelstände im Wohnungswesen ftnb inzwischen nicht geringer, sonbern vor allem natürlich in den Großstädten viel größer unb empfindlicher geworben, wie daS bei bem gesteigertenZug in bie Stabt" nicht anders zu erwarten war. Ein frä'hger Eingriff ist unbedingt notwendig. Ob ber Staat oder das Reich die Klinke ber Gesetzgebung in bie Hand nehmen, ist bem hrlfsbebürftigcn Bürger ganz gleichg Itia. Für Kompetenzstreitigkeiten und Eifer­süchteleien ber verschiedenen Instanzen hat et keinen Sinn. Er denkt in seinem gesunden Menschenverstände,

kapitals unb ber Großinbnstric bie Interessen bes Frechanbcls vertraten.

Außer bem Hanbwerkerschutzgesetz ist eine ganze Reihe von Gesetzen entstauben, bte auf Zentrums­anträgen beruhen unb an beten Zustandekommen bie ZcntrnmSfraktton bes Reichstages ben hervorragend­sten Anteil genommen hat. So bas Gesetz zur Be­kämpfung bes unlauteren Wettbewerbes, Zri- rürfbrängung ber W a n b e t a u kt i o n en unb W a- r e n l ag e r sowie ber Abzahlungsgeschäfte, Sicherung ber Bauhanbwerkerforberungen,' Rege­lung bes Submissionswesens usw. Für ben Detailhandel war insbesondere wichtig et* Ln- tiag Trimbom von 1909, ber eine systematische Ge­werbeförderung zugunsten deS Detailhandels Es fei noch auf die unausgesetzten Bemühungen des Zentrums hingewiesen, daß bte finanziellen Mittel beS Staates auch bem gewerblichen Genossen­schaftswesen zugeführt werben.

Da aber bas Wirtschaftsleben immer neue For­men annimmt unb alle Gesetze erst praktisch erprobt werben müssen, hat bas Zentrum nie unterlassen, sofort neue Anträge zu stellen, wenn sie sich als not- wenbig erwiesen haben. Gleich nach Zusammentritt bes neuen Reichstages brachte bte Zentrumsfraktion im Reichstage ben großen Antrag Dr. Schäbler n. Genoffen zur Erhaltung unb Färbernng bes HanbwerkerstanbeS ein. Er verlangt bie enbliche Mgrenzung von Fabrik unb Handwerk, Her­anziehung der Fabrikbeitriebe mit handwerksmäßig ausgebildeten Arbeitern zu den Kosten der gewerbli­chen Ausbildung, Verbot ber Ausübung bc5 selbstän­digen Gewerbebetriebes durch Minderjährige, Verbot bei Wanberlager unb Wanderauktionen, besseren Schutz der Gewerbetreibenben unb bes Publikums gegenüber den Abzahlungsgeschäften, wirksamen Schutz bet Hanbwerkerforberrtngen bei Konkursen usw. Eine Reihe dieser Anträge vertritt auch bie Interesse des kaufmännischen MittelstaabeS. Für denselben fordert der genannte Antrag weiters Maßnahmen gegen den heimlichen Warenhandel unb bie Beamten- unb Offizierswarenhäuscr; ferner ist beantragt die Sicherung einer stärkeren Vertretung des Kleinhandels in ben HanbelSkammern unb bie Vornahme von Erhebungen über bte Lage bes kauf­männischen MittelstanbeS auf bem Laube unb in Stäbten unter Anhörung ber verschiebenen Jttteres- sentengruppen.

Wir glauben bantit ben Nachweis erbracht zu ha­ben, daß das Zentrum schon fett 1877 bahnbrechenb zum Schutze beS gewerblichen MittelstanbeS vorange- ganqen ist. Mer nicht nur im Reichstage, sonbern auch in ben Sanbtagcn ber Einzelstaaten hat baS Zen­trum zugunsten bes gewerblichen Mtttelstanbes eine rege Tätigkeit entfaltet. Unb bie Liberalen? Wir haben bereits mitgeteilt, baß bie Nationalliberalen unb ber Freisinn im Reichstage ben heftigsten Wibcr- stanb gegen bte Reform ber gewerblichen Gesetz­gebung geleistet haben. Die Nationalliberalen wür­ben erst burch bte Macht ber Verhältnisse gezwungen, wenigstens einigermaßen mitzutun an bem großen so­zialen Gesetzgebungswerk.

Auf bie nettere parlamentarische Tätigkeit beS Zentrums zu Gunsten bes Mittelstanbes kommen wir noch zurück.

haft war.

Sodann verlegte sich der Alte aufs Spionieren.

Da fah er eim§ Abends, wie ber Baron bte lurge ^teneT a6er treute ncy uno rounjajte uem

Witwe hinter fchützenbem Buschwerke tn feinen ttr- einen gewaltsamen Tob auf ber Landstraße men htät unb küßte. durch Räuberhanb.

Jakob war starr, der Verstorbene war ja, wie 2.

man im Volksmunde sagte, kaum kalt geworden.

Das Schlinrmste ahnte et aber nicht, er glaubte an fine qUäu frühe SBetbunfl, bct8 toot tilcd. ^>eine , 9

Stellung M Hause war thm zuwider, gerne hatte etngetreffen. bem em sagenhafter Ruhm vorauSge,