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Fuldaer Zeitun

Eiefjungsllfttn der preußisch-sULdeutschen Klaffen-Lotterie. — tzaldjShrlich Taschenfahrplan, s

Erstes Blatt.

fir. 21

Montag den 27. Januar 1913

40. Jahrgang.

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& Zu Kaisers Geburtstag

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Der Gras von Tarent

Morgen, sende ich

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Lrichetnt tSgNch mit flusnabmt der Sonn- and Zeienage. viertel, iührlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsörudi und Verlag der 8 - 5uibar flctienbrudtertl In Zulda. Zemsprecher Nr. 9. s s

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empfindlichen Verzögerung. Sollte nun das Frie- denswerk, an dem der Kaiser und seine Räte so aus­dauernd mitgearbeitet haben, in den letzten Stunden noch zu Schanden werden durch den Ausbruch von Leidenschaften? Sollte Kaiser Wilhelnk, nachdem er nabejii 25 Jahre die anfänglich verbreitete Nach­richt über seine kriegerische Natur durch seine stetige Friedenspolitik glänzend widerlegt hatte, gerade im Jahre seines Silberjubiläums gezwungen werden, das wohlverwahrte Schwert aus der Scheide zu ziehen und in die schwankende Wagschale Europas xu werfen? 0

“ “ Monats-Veilage: z z

Fuldaer Seschrchtsblatter

Abg. Rtchtarsky (Ztr.-): Die Darstellung und Auf. wsiung der Sozialdemokratie von einer schlechten Be­handlung der Arbeiter und Dienstboten auf dem Lande ist durchaus falsch, da jeder Bauer froh ist, wenn er durch gute Behandlung einen guten, braven Dienst­boten halten kann. Die Größe der Dienstbotenkalamität ^"er»all Stcrnickcl gezeigt. Außer Gesundheit und MUitartauglichkeit der Landarbeiter sind auch die reit. Schsen und moralischen Verhältnisse auf dem Lande weit besser als in der Stadt und vielfach herrschen zwischen den Dienstboten und den Bauernfamilien gute patriarchalische Verhältnisse. Die Arbeit ist leichter und verkürzt und die Löhne sind besser geworden Die

Dieselben Leute sollten „den Mann mit dem Felleisen", in einer anderen Zeit und unter ganz an-

und der Konkurrenzfähigkeit des deutschen Volkes dem Weltmarkt.

Dienstag: Kurze Anfragen, Fortsetzung.

z z wochen-Veilage: z z

Illustrierte Sonntagszeitung

Der Reiter war Baron von Mencville.

, In diesem Augenblicke kam ein junger Mann ein feuriges Pferd unter sich, am Hafendamme ge- ntten. Der Weg war durch Fässer und Kisten, । lycuciyen , in einer anoeren ;-$ctt und unte tnelcge zur Verladung bereit lagen, ziemlich gesperrt oeren Verhältnissen wieder sehen. — — nnd wenig Raum war vorhanden für die Bewegun-

„Habt Dank, Baruch, nehmt die Versicherung mit Euch, daß ich Euch hochschätze," sagte er leise mit be­wegter Stimme. „Grüßet von mir das Mädchen mit den blinden Augen —"

Er schwieg plötzlich, der Hebräer schien etwas er- staunt auf ihn zu schauen. Nun klirrte die Anker- kette, die schweren Segel lösten sich, der Kapitän trat auf die Briicke.

Baruch ging. Die Wehmut hatte ihn so über­mannt,, daß er nicht mehr zu sprechen vermochte. Die Laufbrücke wurde eingeholt, das Schiff stieß vom Ufer.

Auf dem Verdecke stand der junge Edelmann mit den grauen Haaren und den gramdurchfurchten Zü­gen und blickte zurück nach der Heimatstadt.

Der Mond trat hinter den Wolken hervor und beleuchtete mit seinem bleichen Scheine den Fels­kegel, auf dem die Burg seiner Väter stand, unter deren Dache sein Knabe schstef und das schone, ehe- brecherische Weib, befien Mund er so oft geküßt. Dann wandte sich sein Blick zu den Konturen der Felsen, die seitwärts weit draußen aufstiegen im Meere. Seine Hand griff nach dem Halse, einen blinkenden Gegenstand holte er aus der Umhüllung hervor, den er nun zum Munde führte und küßte.

Es war ein kleines, goldenes Kreuz.

Das Schiff begann auf den Wogen auf und nie­der zu tanzen, die Segel blähren sich, die Gewässer zischten, gurgelten und schäumten —

An den Mast gelehnt, stand der bleiche Mann, der vor wenigen Tagen als ein Verstorbener in seine Gruft gelegt worden . . . Jung an Jahren, das Herz voll Bitterkeit, den Sinn umdüstert durch Niedertracht und Verrat, an eine einzige füge Hoffnung sich klam­mernd, — ein Mann ohne Namen, ohne Stand, un­erkannt und unbekannt einer neuen Zeit, einem neuen Leben entgegen eilend,

Ade, ade! — —

Folge mir, Leser, in diese neue Zeit, — Du wirst dem Manne, der jetzt scheidet, wieder begegnen und

P <"itge sein eines Dramas ohne gleichen.

^Fortsetzung folgt.)

. .,~ic Umwälzung in Konstantinopel hätte auch nicht gerade vor diesem Festtage einzutreten brau- ZA! Fur dw Verwegenheit der Jungtürken und die Schwaaftichkeit der Altturken trägt freilich die deutsche Politik keinerlei Verantwortung,- aber es ist eine un­angenehme Ueberraschung, die ein Wölkchen an dem heiteren Himmel der Feststimmung bilden will. Denn wenn unser Volk seinen Monarchen feiern will, so gelten die ersten Gedanken und Gefühle dem Frie-i denskaiser, deffen Umsicht und Macht zur Er- A"ung d:s kostbarsten Erdengutes, zur Abwehr des schrecklichen Kriegsübels in entscheidender Weise bei- tragt. Vor wenigen Tagen noch dachten wir, den sicheren Abschluß der gefährlichen Wirren am 27 Januar ftohaernut begehen zu können. Plötzlich jedoch mo- 9 cti \n bie Friedens-Frühlingsnacht. Die

26] Roman in 8 Bänden von F. Steinkirchner. ^-E^ent konnte nicht sprechen. Ihm war, als et .^idenaus dem Paradiese. Schulter an Ä t£rt, " btc beiden, Hand in Hand. Heiliger

Fnede herrschte an der Stelle. Leise raschelten die Blatter, und tmGrase zirpte die unermüdliche Grille » , "^"Aesichts der Maiestät des Todes sage ich Dir Lebewohl, Du Einzige, Liebe!" sagte e? traurig

r-eibt Dir, oh?e Dich ist das Leben schal und ode für mich. ... Qn frembe Pän= hn* ?te«-e Ä' ,^n ®ann ohne Namen. . . Sei be­dankt für Deine Siebe, Du Herrliche, Du hast mein H rz und meinen Sinn aufs neue verjüngt und in ^Hoffnung zu neuem Leben, neuer Zukunft ein- Moßt Mit Deinem Namen auf ben Äppen werde $ nad)t8 «»1 Ruhe gehen wenn ich erwache am Jorgen, fenbe ich Du tm Geiste meinen Gruß Ein F«und und Bruder scheidet heute von Dir 'denn Gott will es so fügt es aber die Hand des Schicksals °aß ich befreit bin von unwürdiger Fessel in komrnen- ven Tagen, dann, Maria, fofift Tu mein Weib sein. Cch schwöre, es."

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 25. Januar 1913.

Die Beratung des Etats des Reichsamtes deS Innern Hird fortgesetzt. Zunächst wird über Kapitel Absatz von Kalisalzen abgestimmt. — Die Kommissions- refolution betr. Vorlage einer Novelle zum Kaligefetz wird einstimmig angenommen. Mit knapper Majorität auch der Antrag BehrenS auf Erhöhung der Propaganda- ionds von 900 000 auf 1 Million Mark. In dieser ver­änderten Form wird daS ganze Kapitel bewilligt.

* » Bei Titel „Behörden für die Untersuchung von See­unfällen" hält

Abg. Schumann (Soz.) die Reform der SeemannS- ordnung außerstande, die miserablen Zustände in der Seeschiffahrt zu beseitigen. Er knüpft an die Titanic- Katastrophe an und meint, es scheine, als solle auf dem Gebiet der Seeschiffahrt mit der Sozialpolitik überhaupt völlig Halt gemacht werden.

Direktor int Reichsamt des Innern v. Jonqiriöres: Der Vorredner irrt, daß bezüglich der Seeschiffahrt im Ausbau der Sozialpolitik eine Pause eintreten soll. Der Entwurf eines neuen Seeunsallgesetzes ist im Reichsamt des Innern bereits ausgearbeitet. Die Konferenz über die Titanic-Katastrophe hat eine Reihe positiver Ergeb- mffe gezeitigt, besonders über die Haltung bei der be­vorstehenden internationalen Regelung der Sache Klar­heit geschaffen.

Abg. Dr. Heckfcher (Bp.) hält die Behauptung des Abg. Schumann für leichtfertig. Von feiten der deut- scheu Seeberufsgenossenschaft und den Reedereien ge­schehe alles Mögliche zur Sicherheit des Publikums. , Abg. Gras Westarp (kons.): Aus einer Katastophe darf man nicht Schlüsse auf die Sicherheit der Seeichifs- fahrt ziehen. Die Aufsichtsbehörden tuen ihre ernste Pflicht. Wir wollen unsere Seeleute davor bewahren, daß ihr Leben und ihre Sicherheit in die Hände der sozialdemokratischen Gewerkschaften gegeben wird.

, Abg. Schumann lSoz.): Dr. Heckfcher stand früher selbst auf dem Standpunkt, daß in der Seeschiffahrt Sieles oberfaul fei (Abg. Dr. Heckfcher: Niemals! Bemeijen Sie das doch!)

ES folgt Kapitel „Statistifches Amt".

Abg. Bender (Soz.) wünscht statistische Erhebungen .über die Arbeitszeit in den Fuhrwerksbetrieben und er« örtert breit die Einzelforderungen der im TrcmSport- gewerbe beschäftigten Arbeiter.

. Abg. Mendorf (Vp.) verlangt eine Statistik über den ; ^fch-n Viehbestand, da in manchen Bundesstaaten der Viehbestand zuruckgegangen fei.

E'n Kommissar erwidert, daß außer den großen Viehzahiungen iedes Jahr besondere beschlossen seren.

Abg. Spiegel <Soz ) beschwert sich über die unnötige ■ Eonntagsarbeit tn Elsen- und Hüttenbetrieben und for- bfrt. ber etwaigen Erhebungen über diese Verhältnisse die Gewerkschaften hinzuzuziehen.

t .Abg. Feldmann (Soz.) erörtert die Arbeitsverhält- mife ber Steinarbeiter und fordert darüber statistische Erhebungen. ' 1 1 ;

GS folgt das Kapitel „Gesundheitsamt".

Abg. Kopier (Soz.) schildert die Verhältnisse im

Abg. Astor (Ztr.): In der Reform des Hebammen- Wesens geschieht feit 20 Jahren nichts. Trotz der Er- klarung deS Staatssekretärs Dr. Delbrück, daß die Ant-

-bcrLne-^unbielen Regierungen zum Teil schon , Lm.r?«et^§9re|"ubheilsamt bearbeitet würden, ist inzwischen gelchehen. -;m Hinblick auf den fortwährenden K e! ^»gischer Maßnahmen,

gegen die Säuglings, und Wochnerinnensterblichkeit. beut frei gewollten Geburtenrückgang muß mit der

Aufklärung die Vertiefung der religiösen e .ö7$»Ul!n8f in Hand gehen. Vor allen Dingen ist eine Vertiefung rn der Ausbildung der Hebammen zu erstreben und der 9 monatliche Kursus auf iy2 bis bitte, die dem Reichstage borlregenden Petitionen um gesetz­geberische Maßnahmen der Regierung zur BerücksiÄ-

^s^Erwe-sen und die verbündeten Regierungen, selbst endlich etwas Durchgreifendes schaffen zu wollen 1

GS 'st notwendig tm Interesse der Wehrmacht des Reichei i

gen eines Pferdes Graf Tarent hatte ihn kommen sehen und wandte sich rasch beiseite,während er die Kopfbedeckung tief über die Stirne zog. Der Reiter )ah nicht auf ihn, er blickte auf den alten Israeliten, den er Wohl kannte.

Abg. Hoffmann (Soz.): Wenn wir Fälle von Miß. Handlungen und Beweise von der Rechtlosigkeit der länd- lichen Arbeiter vorführen, so bestreiten Sie immer die Richtigkeit, oder Sie stellen sich so, als wären das nur vereinzelte Fälle. Wir können Ihnen noch einen ganzen Raufen solcher vereinzelter Fälle vorführen. Redner schloß mit dem pathetischen Rus: Wenn Sie darüber lachen, so gehören Sie an den Schandpfahl der Geschichte. (Vizepräsident Dr. K ra u je erteilt ihm für diesen Aus- druck einen Ordnungsruf.)

Abg. Kreth (kons.): Ein ländlicher Arbeitgeber, der seine Leute mißhandelt, wäre außerordentlich dumm.

übrigen mögen die Sozialdemokraten vor ihrer eigenen Tür kehren. Ich erinnere an die Sklaverei in den Konsumvereinen und frage Sie, wer den ArbeitS- willigen die Knochen zerschlägt und zu welcher Partei die Messerstecher gehören?

Abg. Hoffmann (Soz.): Wie kann man die Ange- stellten eines Konsumvereins mit dem Gesinde auf dem Lande vergleichen. Schaffen Sie die Gesindeordnung und die übrigen traurigen Verhältnisse ab, sonst sind Sie mitverantwortlich. 1 1

. Abg. v. Gcschcr (kons.) befürwortet eine Erhöhung de-, Fonds zur Kultivierung von Oedländereien.

Abg. T-iirncau (Ztr.) spricht seine Genugtuung dar- über aus, daß der LandwirtschaftSminifter allen Gebie­ten des Etats große Sorge zugewandt habe und daß man neben dem schon vorhandenen allgemeinen Fonds noch^ besondere Staatsmittel in Höhe von 30 000 Mark 10 mhre lang zu gunffen des Eichsseldes auSzuwerfen gedenke. 1

Ser Rest des LandwirfschaftSetatS wird dcbattelos erleoigt.

Es folgt die Beratung des GestütsetntS. Dis Aus- spräche drehte sich in der Hauptsache um die von der Regierung geforderte V e r l e g u n g des Vollbluigestüts ® t°*3..!^ uach Strautzfurt. Die Kommission hat «L äDn $1CrI-ur tnt Etat gestrichen. Das Haus schloß stch der Kommission an. u

Uni eine mildere Handhabung der Körorduung bat ®rn°f v. Donnersmarck (Ztr.) und der Abg. BrorS (Ztr.) erkannte vte Forderung der rheinischen Pferdezucht durch den jetzigen Oberlandstallmeister dank- bar au. '

„;Jra^’rtftÄ2T'{cr Frhr. b. Schorlemer stellte cHandhabung der Körorduung in Aussicht.

Mittwoch: Fortsetzung, Domänenetat und Forstetat.

. In der Taverne „zum golbeueu Schlüssel" hatte Jett einiger Zeit ein Fremder gewohnt, der seiner Schweigsamkeit und Abgeschlossenheit halber den Wtrtsleulen besonders aufgefallen war. Einen Na­men hatte er nicht genannt. Als der Fremde heute abreifte, wunderten sich bie Leute in ber Taverne ntcht wenig, wie viel Gepäck er aufs Schiff zu ver­bringen hatte. Ohne Gepäck war er zum erftenmale ins Haus gekommen, aber jedesmal, so oft er in den fpöteren Tagen ausging, kam er mit einem vollen Felleisen nach Hanse. Die Wirtsleute kümmerten sich aber nicht viel um den seltsamen Mann, sie nann­ten ihn kurzweg „den Mann mit den Felleisen". Er hatte stets reichlich bezahlt und mehr als genügend Trinkgelder gegeben, fo baß es ben Wirtsleuten or­dentlich leib tat, als ber schweigsame Mann heute plötzlich abreifte.

„Verdammter Jude, aus dem Wege'" herrschte er ihn an, zugleich erhob er brohenb bie Reitpeitsche.

Der Sitte der Zeit entsprechend, verbeugte sich der Hebräer und trat vom Wege zurück, sich zwischen dr; Gepäckstücke drängend. Unter dem Turban sandte er dem Davonfprengenden einen bösen Blick nach und ern Fluch kam über seine Lippen.

$er Gras war wenige Schritte entfernt gestanden unb batte ben ^organg genau gesehen. Zeigte aber oer Lttick, den der Händler dem Davoneilenden nach landte, Zorn und Haß, so war es anders mit Graf £?ren*- i totenbleich stand er da, ein Beben schien mn"C-rl°^e/uJtaGestalt zu erschüttern, eine bä momsche Glut leuchtete ans seinen Augen, die ner ^ßenj^ng« hatten sich - ballt zur Faust h-pffen ” toe^c ' ’1' toCrtn t’- 'r uns wieder treffen murmelte er

■ So mag mancher mit Besorgnis fragen. w>et ■ bei ruhiger Erwägung brauchen wir uns doch die Stimmung nicht trüben zu lassen. Das Wölkchen, das da im Sitbosten aufgetaucht ist, kann sich ver­ziehen, ohne sich zu einem verheerenden Gewitter auszuwachsen. Die friebensfreunblichen Mächte ha­ben schon eine Reihe von bedenklichen Zwischenfällen und unangenehmen Rückschlägen mit Klugheit und Geduld überwunden. Warum nicht auch dieses letzte Aufflackern des schwer geprüften mohainmebanischen Selbstbewußtseins? Vorläufig hat man ben Kampf mu dem Schwerte noch nicht wieder aufgenom- men, sondern nur den Kampf mit ber Zunge Es wirb weiter verhandelt; auch die neue tur-

Regierung will offenbar mehr diplomatisch, als foloatisch vorgehen. _ Also dürfen wir hoffen, baß die leit 25 Jahren bewährte Friedenspolitik nuferes Kai­sers auch in der gegenwärtigen Krisis ihre Kunst und Kraft bewährt.

Sollte es wider Erwarten anders kommen fo tröstet uns ein Doppeltes: Erstens das gute Ge- w t f 1 e n, das reine Bewußtsein, daß auf Deutschland auct; mcht der Schatten einer Schuld an dem 58er« gangnis fällt. Zweitens bie Gewißheit der vollen Bereitschaft des deutschen Reiches, und dafür smd wir an dem Festtage dem Monarchen ganz be­sonders dankbar, da er mit der steten Sorge für den Frieden bie ebenso stetige, gewissenhafte und sach­kundige sorge für die deutsch: Wehrmacht verbun­den hat.

Ter plötzliche Rückschlag in den Friedensverhand- lungen macht auch dem gewöhnlichen Mann klar daß der Monarch nicht bloß des Thrones Glanz und die Wonne feiner Würde genießt, sondern auch rastlos arbeiten, mühsam wiegen, mit immer neuen Schwie­rigkeiten sich abfinben muß und gleich allen anderen Erdenbewohnern, oft noch schwerer, als bie gewöhn­lichen Sterblichen,, bie Sorgen, Lasten und Gefahren auf seinen Schultern und seinem Herzen fühlt Die Krone schmückt und — drückt. Wir wollen uns freuen über den Glanz und den Segen, der von der Krone ausgeht, aber wir wollen auch dankbar sein für den Fleiß und Schweiß der königlichen Hand, die in der dornigen Arbeit für das Bolkswohl und den Frieden nicht rasten darf.

Der erste Geburtstagswunsch sei ber, daß dem Kaiser die weitere Erhaltung des Friedens in Europa gelingen möge. Und der zweite Wunsch sei, daß dem Friedenskaiser auch in der inneren Politik die Sicherung des Friedens unter den K l a s- s c n, den Parteien und den Bekenntnissen befchieben sei.

In ber gegenwärtigen Zeit, unter dem Eindruck des verschärfenden Bundesratsbeschlusses zum Je­suitengesetz, steht natürlich die Sorge um den kon­fessionellen Frieden tm Vordergrund. Wir em­pfinden es schmerzlich, baß ber Bundesrat und die Regierung sich mehr von den „Empfindungen" des Evangelischen Bundes, als von ben Bedürfnissen und gerechten Forderungen des katholischen Volksteils lei­ten lassen. Aber was bie zeitigen Minister verfehlen, legen wir nicht der Krone zur Last; vielmehr ver­ehren wir die religiöse Gesinnung des Kaisers, die sich so oft in erhebender Weise bekundet hat, und hal­ten an dem Vertrauen fest, baß von ber höheren Warte des Thrones aus zur rechten Zeit das erlö- ftnde Wort gesprochen und dem inneren Frieden die Pforte geöffnet wird. Wenn wir für Gerechtig­keit und Parität nach unseren besten Kräften eintreten, so fühlen wir uns nicht im Gegensatz, son­dern vielmehr im Einklang mit dem Friedenskaiser, auf dessen Wirken und Walten des Himmels Segen immer ruhen möge.

Stillschweigen trat ein. Hand in Hand, wie alück- «che Kinder, gingen sie von der Stelle.

Am, nächsten Morgen verließ Gras von Tarent 2? Insel. Er hatte sein Lieb nicht wieder gesehen ^iaria hatte chr Wort wahr gemacht, das sie gespro­ßen hatte am Grabe: „Lasset uns hier an dieser stelle scheiden!"

r, ^nd doch! Als das Boot bk Brandung hinter R batte, blickte ber Graf zurück nach ben gewaltigen oufenmäuern. Hoch oben sah er einen weißen Schat- r- es war Maria, bie an ber Stelle stand, wo die xerzen der beiden sich gefunden. Regungslos schaute ™ über das weite Meer, das ihr Teuerstes forttrug seinen Wogen. Seine Seele jubelte, als er sie j??1 letztenrnale sah. Dann stieg eine Nebelwolke u"b baS Mädchen und die Felsen entschwanden Ange.

.»Wenn Ihr meiner bedürfet, Herr Graf, bedenket, **11 mein Haus nicht mehr sieht," mahnte Baruch.

Preußischer Lauvtag»

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 25. Januar 1913.

Dor Eintritt in die Tagesordnung wird ein Schrei- l ben des Staatsanwalts in Clede bekannt gegeben, wo­nach das Verfahren wegeir Meineids gegen den Abg. Underberg (Ztt.) eingestellt ist.

Die zweite Beratung des Landwirtschaftsetats wird fortgesetzt.

Abg. Human« (Ztr.): Zur Steuerung der Fleisch­teuerung muß man auch den Viehbestand in futterarmen I Jahren wie 1911 erhalten und vermehren und zwar durch großzügige Mittel, wie namentlich auch der Her­gabe von billigen MeliorationSdarlehen zur Verbesserung und Vermehrung unserer Gras- und Wei­denländereien. Besonders steht der Wassermangel in den höher gelegenen Dörfern einer intensiven Gestal, tung der Viehzucht hindernd im Wege. Die staatlichen Unterstützungen sind vielfach unzureichend und sollten ein Drittel der aufgewendeten Kosten betragen.

Abg. Seiner! (Soz.) wünscht Rechtsauskunftsstellen für die Landarbeiter.

Abg. Dr. König-Krefeld (Ztr.): Die Einrichtung von Rechtsauskunftsstellen für die ländliche Be- völkerung und zwar die unentgeltliche Auskunftertei- lung an minderbemittelte Kreise tut dringend not. Am richtigsten scheint mir die Nutzbarmachung der bereits in den Städten in großer Zahl bestehenden unentgeltlichen Rechtsauskunftsstellen auch für die ländliche Bevölkerung insbesondere für bestimmte Stunden und Tage (Markt, tage usw.) Namentlich sind mit den landw. Verhältnissen vertraute Persönlichkeiten für diese Stellen zu gewinnen. Das Landwirtschaftsministeriuin muß zu diesem Zwecke eine bestimmte Summe in feinem Etat auswerfen, be- sonders, da kleine Mittel hier gut wirken. Deutsch­lands Wohlfahrt hängt mit ab von dem Blühen und Gebe,Heu unserer Landwirtschaft. (Beifall.)

Abg. Human (Ztr.) weist auf die Versandung der Ems infolge der zunehmenden Entwaldung des Teuto­burger Waldes hin.

Abg. v. Flottwell (freikcms.) wünscht, daß die Nach, richten über die Wetterkarten namentlich auf dem Lande eme schnellere Verbreitung finden.

Abg. Geißler (Ztr.) bedauert, daß die ausländischen Arbeiter in den Wintermonaten der Landwirtschaft ent­zogen werden, iirdem sie dann über die Grenze zurück­geschoben werden.

Em Regierungskommissar: Es ist bedauerlich, daß rntr die ausländischen Arbeiter angewiesen sind. Von der Regierung wird darauf Bedacht genommen, daß der Zuzug stch in geordneter Weise vollzieht.

"Sendet mir bann Botschaft nach bem Schiffe hier" — er beutete nach einer Handelsbrigg, an deren Bord eifrig gearbeitet wurde. Ballen, Fässer und alle Ar­ten Gepäckstücke tn den Bauch des Schiffes verschwin- . oen zu lasten — „es ist die „Catherine", welche Euch heute abend an Bord nehmen wird. Ich werde öfters am Tage hierher kommen, denn -'ch bin mit ' bem Kapitän Wohl bekannt, unb wenn Ihr erlaubt, : sE ich mich auch abends ein, um Euch, edler Herr. Lebewohl zu sagen."

$ntereffe betrachtete Graf Tarent das statt- I hege Schiff, das ihn nach Cadiz bringen sollte.

„Ich glaube nicht, daß ich Eurer noch bedarf, Baruch meine Vorbereitungen zur Abreise sind teil- i teeife schon getroffen. Freuen soll es mich aber, ; Euch alten Freund nochmals die Hand drücken zu können, ehe tch scheide."

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Itaoln TnSminAL6™ c fx' ReJ’atl ttntkMp. erfühvnpsort für bas € n- JttaBea »an m 5u.6a flnietgen-Hnnahme bis 10 Ufjr oormi'.tc8s.

•• oroyerc tui)tigch ctbitten wir uns tggs vorher. ~ ix

Als der Abend zu Ende sich neigte und die Schat­ten der Nacht sich senkten über Berg unb Tal, Was­ser und Land, da betrat Graf Tarent den Bord des Schiffes, das ihn an bie Küste Spaniens bringen sollte. Der Patron der Brigg empfing ihn mit tiefer Verbeugung, offenbar hatte Baruch ihm mitgeteilt, daß der geheimnisvolle Pastagier ein Mann von hoher Bedeutung sei.

Als die Befehle ergingen, das Schiff klar zu machen, als die Ketten rasselten und der Anker sich hob, da beugte sich Baruch tief vor bem Scheiden­den, den er liebte, wie einen Sohn. Er batte schon feit einer Stunde auf bem Schiffe verweilt, um den Abschied von ihm nicht zu versäumen.

A »Ter Gott der Christen und der Juden fd mit ebnen, Herr Graf, leben Sie Wohl!" sagte er laut schluchzend. Der Jsraelite wollte ihm den ~ au'nf des Rockes küssen, der Herr von Tarent wehrt-, e.he ab und reichte ihm die Rechte. Tie Hände bei " den umschlossen sich und die zwei Männer blickte zum letzten Male u die Augen st"— lange •' si.

L LLL! 5*? «SiSiPS. gegen den Bauernstand und damit noch mehr zur Ver. • ^sthrschetnlichkeit

'/JcStcruti8.?e5 £q0c der Bauern und ist alles andere als o'reundfchaft des Bauernstandes. Der Bauer wird aus Rcligwn, Vaterlandsliebe und Selbsterhaltung stets Gegner der, Sozialdemokratie sein. (Beifall.) I

. Aög. Leincrt (Soz.): Schlechte Behandlung, unzu- i reichende Lohne und schlechte Wohnungen sind trotz alle- dem dre Ursache der Leutenot auf dem Lande. Vor I auem muß den Landarbeitern das Koalitionsrecht gc- ■ wahrt werden. u