Fuldaer Leitung. •*
r. Statt.
vr»S der $e!baer Hctitntnicerci in $n!ba.
M 20.
Samstag 25. Ianuar 1915.
’) Wenn ich manchmal auf das Lyzeum der engl. Fräulein Hinweise, so geschieht das nicht deshalb, weil diese Anstalt besonders hervorgehoben werden soll, sondern weil ich sie besser kenne.
’) Der erfolgreiche Besuch der I. Klasse einer zehn- Vassigen höheren Mädchenschule berechtigt, selbstverständlich wenn das Abgangszeugnis wenignens genügend ist, a) zum Eintritt in das höhere, sowie in das Volks. schuUehrerinnen - Seminar; b) zum Eintritt in Turn-, Handarbeits-, Hauswirtschafts-, Zeichen- und Gewerbeschulen und in Kmdergürtnerinnen-Seminare; zum Eintritt in das Post- und Eisenbahnfach genügt der erfolgreiche Besuch der zweiten Klaffe.
Zur Aufklärung.
In dem .Notschrei' von Nr. 3 der .Fuldaer Zig.' führt der Einsender aus:
Die Mißstände in den beiden Fuldaer Lyzeen sollen lkltern die ebenso denken wie der Beriaffer des ®«if»ret8'. veranlassen, gemeinsam bei der Regierung 'Je der Bitte um Abstellung derselben vorn eilig zu «.ierU gestattet sich em Leser dieser Zeitung, der °"ch rn etwa d.e Verhälin sse wenigstens an der einen An»«" kennt, folgende Bemerkungen zu machen- es wirklich nötig, die Flucht in die Oeffenllich. . nehmen ? In den beiden Anstalten hat man doch m ctmricbtuna der Sprechstunden. Warum benäht man h.^??iese nicht? Das wäre doch das einfachste Mittel um Abhilse für die .Mißbräuche' zu schaffen. fcMft neiTen läßt man erneu ^Notschrei' in der Zeitung i« was doch sicherlich nicht dazu dient, besonders bei d-n Schülerinnen, die Zeitungen lesen, das Aniehen der Anstalt und der Lehrerinnen zu Heden.
Auch der Schreiber dieser Zeilen ist der Ansicht, daß wir gemnoe Mütter nötiger haben, als gelehrte Frauen. Daß die Lyzeen die letzteren beranzüchtet, kann niemand behaupten, der die hiesigen höheren Mädchenzchulen genauer kennt.
Sehen wir unS doch einmal das Tagewerk der Lyzerstin etwas genauer an. Sie geht nicht gegen 8 Uhr zur Schule, >ondern gegen 8*/e Uhr (bis ungeiähr zum 7 Februar). Der Unterricht dauert allerdings an manchen Tagen in einigen Klassen bis 1 Uhr. Aber die Schülerinnen, die bis zu diesem Zeitpunkt unterrichtet werden, Haven den Mittag frei.
Daß sie nicht immer einen Riesenhunger mit nach Hause bringen, daran ist dre Schule nicht tchuld. Zum Einnedmen des Frühstücks haben die Schülerinnen drei Pausen von 10 Minuten und eine größere von 20 Minuten zur Verfügung. Wenn also der Appelit übergangen wird, so kann man dafür die Schule nicht verantwortlich machen, die den Schülerinnen Zeit genug zum Fiühstuck läßt und ihnen sogar die Gelegenheit zum Milchtrinken gibt, wie ich es wenigstens um Institut der Engl Fränl. bemerkt habe. Aus den Satz: „allein mtj ganz selten steht dazu ein wirklich nahrhaftes r, ines Stück Biot zur Verfügung', kann ich nicht näher eingehen, da er mit verstümmelt zu fein scheint.
Davon, daß die Schülerinnen wirklich so abgemattet nach Hause kommen sollen, kann derjenige, der mittags beim Schluß des Unterrichts am Institut der (S.tgL Frl. vorbeigeot, nichts bemerken. Die Mädchen, die dann die Schule vetlasien, sehen gesund und munter au«. Und wenn auch, wie schon zugegeben, der Untetnd'.t wirklich fwei- ober dreimal in der Wache um 1 Uhr tu Ende ist, o haben die Schülerinnen, b<e davon betroffen werden, auch den ganzen Nachmittag frei, und können dann auch spazieren gehen. An den Tagen, an denen Nachmittags« unlerricht ist, wird um 21. lihr begonnen. In mancher Hinsicht ist die Verteilung der Stun en an den beiden Lyzeen günstiger als z. B. an der hiesigen Overrealschule, da in die Sttmdcn am Vormittag auch Turnen gelegt werden kann, was bei dir.er Amiatt nicht möglich ist, da sie leider feine eigene Turnhalle bat. Unter Den Vormittagsstunden sind auch totche rote Nadelarbeit und Zeichnen, die den Geist nicht w lehr anstrengen. Etwas aber scheint der Verfasser des .Notschreis ganz ,u übersehen, wodurch die beiden Lyzeen sä ntliche höheren und Votksschulen in Fulda übertreffen, nämlich daß sie Sckul- gebäuoe zur Verlügung haben, die in sanitärer Hinsicht auf der Höhe stehen So hat z. B das englische Fräu- leininftuut seit vorigem Jahre Warmwasserheizung eingerichtet, um die die anderen Schulen sie nur beneiden können.l)
Auch mit den vielen Abschriften ist es so schlimm U'cht, wie es von dem Verfasser des .Notschreis" dar- gestellt wird. Sie werden doch nur verlangt, wenn eine Arbeit ganz leichtsinnig geschrieben ist oder die Note .ungenügend' hat.
Dast vieles von dem, was im Lyzeum getrieben wird, für die Mädchen zu hoch ist, kann man, wenn man die Mädchenschulen kennt, wenigstens bestreiten. Gerade die neuen Lehrpläne sind von den bebeutenbften 'titoa« ?ogen, die im Mädchenschulwesen wirklich Erjahrung oben, gemacht worden. Die ganze Fachvresse und auch die bedeutendsten Tageszeitungen sind darin einig, daß gerade die neuen Lehrpläne den früheren gegenüber gewaltige Fortschritte aufwetsen. Freilich es allen recht zu machen, das ist sehr schwierig. Daß der Prozentsatz der Sitzengebliebenen etwas größer ist alS früher, das wag schon fein. Das kommr daher, daß aus dem Lyzeum in manchen Fächern etwas mehr geleistet wird als früher und auch geleistet werden muß; denn das Lyzeum hat manche neue Berechtigungen, die die alte Mädchenschule nicht hatteIch möchte den Artikel
vom 11. Januar 1913 in dieser Zeitung auch auf da? Lyzeum angewandt wissen, dem manche ungeeignete Elemente zugewiesen werden.
Im übrigen zeichnen sich die neuen Lehrpläne gerade durch ein vernünftiges Maß in den Anforderungen aus. Auch ist die Lyzeumsbildung nicht nur für diejenigen zugefibnitten, die studi-ren wollen, sondern sie gibt auch denjenigen, die nach erfolgreichem Besuch die letzte Klaffe verlassen, einen guten Abschluß.
Der Behauptung, daß in der Mathematik tt'iel verlangt wirb, widersprechen die Lehrer, die in diesem Fache unterrichten, ganz entschieden. Man sehe sich nur einmal das allgemeine Lehrziel an. Es wird hierin von den Schülerinnen nur Sicherheit und Gewandtheit im Rechnen verlangt und eine auf klares Verständnis gegründete Kenntnis in der E'ementarmaihematik erstrebt. Dieselben sollen ferner an folgerichtiges Denken und an kurze treffende Ausdrucksweife gewöhnt werden. Die Behauvkung, daß es nichr vereinzelt bafiebe, wenn von einer ganzen Kliffe nur 2 oder 3 Schülerinnen genügend in der Mathematik sind, wird von denen, die den Unter« richt in diesem Fach haben, als nickt den Tatsachen entsprechend bezeichnet. Der Einsender möge sich nur einmal genauer mit den Lehrvlänen in der Mathematik und vor allem mit den m thodischen Bemerkungen zu diesem Facke befassen und dann wird er sicherlick seine Ansichten über die Anforderungen in Mathematik am Lyzeum modifizieren. _
Auch die Vorwürfe, die gegen die Themate der deutschen Aufsätze ctbo' en werden, sind nickt berechtigt. Der Unterzeichnete, der gerade den Aufsatzbetrieb im Lyieum uns Oberlyzeum der Englischen Fräulein kennt, weiß genau, daß die Aufsätze au« dem deutschen Unterricht heraußwachsen; die Schülerinnen werden nickt Der« leitet, üb r Dinge zu schreiben, die sie nicht verstehen. Auch die Lehrer der hiesigen bßbeicn Knabenich>>'en bedanken sich ganz entschieden für eine Derartige Behauptung.
Der Extemporaleerla^ gilt auch für die höheren Mädchenschulen. £);■ die Berufung hierauf gerade glücklich war, kann man bestreiten. Ich wage es kü n zu behau ten, daß die meinen Leute seine Bedeutmtg überhaupt nickt kennen Erwähnen mochte ick noch, daß vor ungetäbr 2 Monaten Nackrickten durch die Zeitungen gingen, nach denen seine Anwe rdung in Schlesien und Pmen auf d:e größten Schwierigkeiten gestoßen fei.
Zum Schluß möchte tch fragen, ob vielleicht der Einsender des .Notschreis' schon tinmal den Ver'uch gemacht hat, durch verlönliche Rücksprache mit den Lettern der be'den tn Fi aae 'ommenden Aniialhen eine günstigere Gestaltung des Stundenplanes oder AbsteUung der .Mißstände" zu erzielen. Der Umweg durch die Seimig scheint mir n cht der beste tu fein
Dann möchte ich glich nock - bedenken geben, daß die beiden Anstalten sich tn einem lieber gangsffcidrum befinden und, la sie viele Herr-n von den hiesigen Knabenschulen im Nebenamt« beschäftigen müssen, schon drkdalb nicht dre Stunden legen können, rote sie es gerne möchten.
Noch einmal erlaube ich mir, daraus hrnzuweisin, daß bie Sprechstunden,' besonders der Leiter der Anstalten, auch dazu da sind» berechtigte Wünsche vorzubringen. Leider wird diese Emrtckm.m von vielen Eltern nur dann benutzt, wenn die Frage brennend wird, ob der SvrößUng versetz' wird, nämlich gegen Ostern. In der übrigen Zeit hält sie der Lehrer gewöhnlich allein ab. St: sind aber dazu eingerichtet, um das Znsammcu- ivirken von Elternhaus und Schule zu fördern.
Ich dar! n:ch »erraten, daß das hiesig- Institut der Englischen Fräulein mit dem Plane um cht, eine gehobene Mädchenschule zu schaffen für die Kinder, denen die Ziele des Lyzeums zu hoch sind. Vielleicht wäre das etroas für die Eltern, die sich mit dem Lyzeum nicht befreunden tonnen. -r.
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Lokales.
Fulda, 25. Januar 1913.
# Verliehen wurde dem emerit. Pfarrer Jaffke zn Marburg der Note Adlerorden 4. Klaffe, dem Formermeister Weiß zu Ludwigshütte in Krs. Biedenkopf und dem Eisenbahnmaschinenputzer Neurolh zu Gerstungen das Allgemeine Ehrenzeichen, sowie dem Eisendahnmaschinenputzer Schäfer zu Gerstungen das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.
[] Versetzung. Herr Professor Marxhauseu von hier ist auf seinen Wunsch zum 1. April an das König!. Gymnasium in Hanau verletzt worden. An seine Stelle tritt mit dem neuen Schuljahr Herr Proseffor Schmidthenner vom Gymnasium in Hadamar.
Cacilia. Gestern sand in den geschmackvoll und paffend dekorierten Räumen der Harmonie der karnevalistische Abend der Cäctlia statt. Die aktiven und passiven Mitglieder des Vereins hatten sich in großer Zahl dazu eingefunden, und es entwickelte sich bei Glühwein und Kreppeln bald ein munteres Leben und Tretben. Musikalisch und darstellerisch besonders talentierte Mitglieder trugen durch Anfsührungen, die neben dem Humor auch enter künstlerischen Rote nicht entbehrten, viel zur Erheiterung bei.
— Die ersten Frühlingsbote» stad erwacht. Im Garten oer Villa Wal. heim zu Dteuenberg blüht früher als sonst im rauhen Flor Eranthis hiemalis,
Der Gras von Tarent.
25] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
, Wieder stieg in dem Gesicht des Grafen eine tiefe Röte auf. Er hatte ein Gefühl, als möchte er das Mädchen lieber tot sehen, als cs in den Armen eines anderen zu wist en. Er hielt es nicht für gut, bei dem Thema zu? bleiben.
„Sendet mir Briefe nach den Plätzen, die ich Euch genannt," begann er von neuem, „berichtet mir, tote es meinem Knaben ergeht. Uebertoacht ihn, überwacht seine Umgebung, lasset Euch nichts entgehen. Lallte dem Kinde etwas zustoßen, sendet mir einen Eilboten, ich toerbe dann Tag und Nacht reisen nach Hause. Uebertoacht auch jenes Paar" — er deutete nach der Richtung, too Burg Tarent sich befand — bestecht die Diener, um alles zu wissend Einen Mann empfehle ich Euch, Jakobo, den alten Portier, er Ht chir zugetan mit Leib und Leben, setzt Euch besonders mit ihm in Verbindung. Wüßte, er, daß ich am Leben bin, er würde zu mir eilen, ober er ist gebrechlich getoorden und nicht mehr Herr seiner Zunge. . . . Deshalb habe ich es für gut gehalten, ihn in Unkenntnis zu lassen. Baruch, Ihr seid ein scharssinniger Mensch, ich rechne boll und ganz auf Euch, Ihr werdet das Rechte treffen, wenn ich draußen in der Welt bin."
„Herr- Graf, es wird geschehen, toas möglich ist von meiner Seite. Ehe gewechselt hat der Tag dreimal werde ich haben die Diener der Burg Tarent in meinem Solde. Nehmt an Euch diese Papiere, edler Herr, streuet aus Geld tote Sand auf Euren Reisen, nimmer könnt Ihr erschöpfen, was Euer eigen ist, denn was bleibt in meiner Hand, totrö sich verdoppeln und verdreifachen in kurzer Zeit. Wollt ^hr segeln mit der „Catherine" morgen?"
i ^Ja und nun erzählet mir von dem <ranbe .
^Niemand weiß gefiaues, wie er ausbrach,' iag!e Baruch. „Die Leute sahen plötzlich Raum und Qualm aus dem Häuschen einer Witwe aufiictgen und gleich darauf schlugen lichte Flammen pmpor. > Man holte die Frau heraus, rber sie konnte nicht fa- j
. gen, wie das Unglück gekommen Ivar. Das Häuschen war ihr einziger Besitz, cs brannte nieder tote Stroh. Ein zweites fing Feuer, ein drittes, das Unglück vergrößerte sich, und die Stadtknechte, bereit Pflicht es ist, zu löschen, fernen nicht, benn es brannte bei den Juben im Ghetto. Die Feuereimer waren nicht vorhanden, bie großen Wafferfässcr v ctren nur halb voll, denn feitbem die schreckliche Krankheit gekommen war, hatte man dieselben nicht gestillt. Der Wind trug die Flammen weiter und weiter, die Hitze wurde bald unerträglich. Kranke verbrannten tit ihren Betten, Verstorbene, es ivaren bereit nicht wenige, konnten nicht aus den Häusern getragen werben. Jeder begann, an sich selber zu denken, denn mit jeder Minute wurde das Unglück großer. Biele hunderte Menschen drängten sich in den engen Gassen und Gängen, beladen mit Betten, mit Waren, mit Dingen, die notwendig sind zum Leben, und mit Sachen, die auch nichts wert sind. Llllcs verlor die Ruhe und Ueberlegung, niemand befahl, nicmanb hätte auch gehorcht."
Der Erzähler atmete tief auf; dann fuhr er fort: „Als ich mit meinen Leuten ankam, da waren hunderte von Häusern tn Flammen. Dächer stürzten, Mauern brachen, auf den Straßen lagen. Tote, Verwundete, niebergetreten vom großen Haufen. Frauen schrien nach ben Männern, Mütter nach ihren Kin- bern, wer etwas gerettet hatte, warf cs weg, um burchzukommen. Von einer Bekämpfung des Feuers könne keine Rebe mehr sein, ber Wind fachte die Flammen wieder aufs neue an. Alle flüchteten hinaus aufs freie Feld und da {tauben sie unb rangen bie Hände und klagten laut zu Gott. Bald war ich allein, denn von meinen Leuten hatte jeder nach Verwandten zu schauen. Erft in später Abendstunde, als bas Unwetter ausbrach, bet sand ich bieselben teicber."
„Unb kam von keiner Seite Hilfe? Sammelten sich nicht bie Bürger der Stadt, um in geschlossenen Rei'-cn einzugreifen?" fragte ber Gras.
Isidor Baruch lächelte traurig. „Herr, sie kamen nicht, feber fürchtete sich, im Gedränge mit Kranken ttt Berührung zu lommen oder mit solchen, bie von
ein seltenes zur Familie ber Ranunculaceae gehöriges Pflänzchen. Ter genannte Garten dürfte unseres Wissens roobl bie einzige Fundstelle fein, wo baS reizenbe Pflänzchen mit feinen goldgelben keck auf einem Stengel liegenden Blüten hier zu Lanve noch vorkommt.
* Für vierzfeiäbriae Dienstzeit. Im Jahre 1912 wurden in Seffen-Naffau an 17 weibliche Dienstboten für vierzigjährige Dienstzeit in derselben Familie golvene Dienfibotenkreuze nebst Diplomen unb an 15 Hebammen nack vierzigjähriger Tätigkeit in ihrem Berufe golbene Broschen verlieben.
[] Organisation ber Kriminalpolizei auf dem Lande. ES schweben bei ben zuständigen Stellen Erwägungen über eine durchgreifende Neuregelung der Kriminal« Polizei auf dem Lande. Es bat sich, rote auch der Fall des Raubmörders Sternickel beroeift, immer mehr herauSgestellt, daß die gegenroärtigcn Organisationen des Kriminaipoltzeirocsens auf dem Lande modernen Anforderunaen nickt mehr genügen. Bei bet beabsichtigten Neuorganisation sollen bie Einrichtungen der städlffcken Kriminalpolizei, soweit es möglich ist, auf bie Verhältnisse bes Landes übertragen werden.
Strafkammer. (Fortsetzung.) Der C «reiner F. von hter war wezen Erpressungsversuchs angekliigt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß ber Ocffentlichkeit statt. DaS Gericht verurteilte F., dem Anträge dcS Staatsanwalts gemäß, zu einer G'sängntsstrafe von 6 Monaten; wegen Ungebühr vor Gericht — er hatte einen Zeugen mit einem Tier« namen tituliert — wurde gegen ben Angeklagten eine fofor* iu verbüßende Haftfira>e von zwei Tagen verhäng . — Di beiden Gebrüder A. von Melsungen emroenbeten im Juni 1911 von einem Karufsell- n j en auf dem Bahnhof Neithor eine Leinenoecke, meutere starke Stricke und zwei Radlapseln. Nach langem Suchen gelang es, einen bet Tater, ben 20« jährigen Schlosser H. A., zu verhallen, während fern Bruder noch nicht gefaßt werden konnte. Die Verhandlung wurde bis zur Festnahme deS zweiten Angeklagten vertagt. — Die Berufung des Gastwirts W. H. von hier gegen das Schöffengerichts« urteil vom 12. November wurde verwerten. — Die 19jähr-ge Berkäu'cnn I H. von hier, die roä« rend der beiden letzten Kutsaisous bis August 1912 als Filialleiterin eines Fuldaer Geschäfts in Bud Salzschlirf tätig war, ist angeklagt, fortgesetzt Waren und bares Geld, insgesamt für über 800 Mk, sich unrecktmäßig an geeignet, über deren l’erbkib uiitidj« tige Angaben gemacht und falsche Euuragungen in die Geschäftsbücher vollzogen zu haben Zu der um« frmgteitbcn Verhandlung sind 30 Zeugen und ein , a boerftd öuet geladen Eine Zeugin von Berlin- Friedenau übte an ihrer Ladung seitens 6er Staats- anwaltschast Sr.tii und erhielt deswegen einen Tadel. Dch Verhandlung ergab, van die Angeklagte während ihrer Läfigkeit in Bad Salzschlirf weit über ihre Verhäckniffe gelebt hat unb für Chotolaven unb Kleidungsstücke groß» Beträge aut'roanbte.
Bei Abschluß des Berichtes dauerten dte Zeugenvernehmungen noch fort. Das Urieil dürfte erst heute Abend gefällt werden.
— Das PiimanerzeugmS Durfte bisher in Anstalten mit Jahreskursen nach anderthalbjährigem Besuch ber Oberjekunda nur dann ausgestellt werden, wenn der Schüler abgehen wollte und das Zeugnis für den von ihm erwählten Beruf nötig hatte. Jetzt verfügte der Kultusminister unter dem 11. Dez. 1912, daß das Zeugnis dem abgehenden Schüler auszustellen ist, ohne ö3B es eines Nachweises über die beabsichtigte Verwendung bedarf; ebenso ist es auch mit dem Ern« jährigen- und dem Obervrimanerzeugnis zu Haltern Dabei wird aber ausdrücklich betont, daß das Zeugnis nur dann zuerkannt werden darf, wenn die Unterlagen der Versetzung wirklich gegeben sind, ohne Rücksicht auf ben späteren Berus des Schülers.
□ Saateustaud. Bei der durch das Königl. Preuß. Statistifche Lanoesamt zuletzt erfolgten Saatenstands- Ausnahme wurden für sämtliche Fruchtarten bessere Durchschnitts-Noten im Regierungs - Bezir e als im Staate erre cht. Nur der Stand btS Klees ist etwas geringer als der Durchschnitt.
Eh. Kriegsspiel. Aus Anlaß des Kaiser-Geburtstages oeranfialten die beiden Jugendvereine der Tom- und Stadtpfarrei am Sonntag ein größeres Kriegsspiel. Es wird sich voraussichtlich zwischen Haimbach, Sickels und Johannesberg entwickeln. Abends findet daun am Kaiserornkmal eine Ovation und ein Zapfenstreich statt.
X Fußballsport. Der bekannte Kaffeler Fußballverein wird morgen nachmittag V-3 Uhr mit feiner ersten Mannschaft gegen die gleiche des Fuldaer Fußvallvereins Vas fällige Kretsoerbandsspiel au; dem Sportplätze der Bleiche austragen. Der K. F. B. gehört mit dem B. f. B. Marburg und Sport Kaffe! zu den jsührenden Vereinen des heffifchen Kreises.
einem Krankenbette kamen. Man ließ den Stadtteil der Inden brennen. Zuletzt griff das Feuer über in die Hasengegenb. Als die Nacht hereingebrochen, lagen Tausenbe von Männern, Frauen unb Kindern, Juben unb arme Christen, draußen obdachlos auf dem Felde.
In ber Nacht ließ ich und andere von uns Juben, betten Gott Besitz gegeben, Brot unb Fleisch an lausen in ber Stabt, soviel zn erhalte» toar, unb zu allen Preisen, bie verlangt würben. Wir säuerten zusammen Gelb, benn viele Tage werden vergehen, baß bie Hungrigen gespeist werden müssen. Herr Gras, auch für Sie habe ich einen Beitrag gezeichnet, ohne den Namen bes Gebers zu nennen, wie Sie mir befohlen. Ich habe Sorge, Ihnen bie Summe zu nennen, bie-- srlbe möchte höher sein, als Ihr erwartet
„Nennt die Summe, keinesfalls wirb dieselbe mir zu hoch sein."
„Tausend Dukaten," sagte dcr^Fubg zaghaft, einen scheuen Blick auf ben Gbefmanif^mÄ^nb.
Tarent staunte, bann lächelte er verächtlich. „Was siebenten taufend Dukaten für mich, was nützen bie- felben, gegenüber so großem Elenb. Gebt bas Fünf- zigfache und lasset nicht wissen, von wem die Gabe kommt."
Dem alten Israeliten wurden die Augen feucht. „Gnädiger Herr, Ihr seid ein echter Edelmann", sagte er. „Gott muß Euch noch glücklich werde» lassen in diesem Leben."
Die beiden Männer hatten nicht gehört, baß bie Türe sich geöffnet hatte und bie Blinbe cingetieten toar. Sie hatte bie letzten Wone des Grafen gehört und zuckte leise zusammen.
„So wollt Ihr morgen schon scheiden, edler Herr?" fragte sie mit zitternder Stimme.
Ter Gast erhob sich und ging der Eingetretenen entgegen. Baruch raffte seine Schreibereien zusammen unb verließ den Raum, ohne bie geringste Ahnung zu haben, daß bie bcibeit so vertraut geworden.
„Ja — es muß fein", entgegnete er bedeutungsvoll. „Längeres Weilen wurde mir nicht Glück, son- bern sein."
Aus dem Nachbargebiete.
)( Hunseld, 24. Jan. 1913. Von beteiligter Seu» wird uns geschrieben: Als wir vergangener Tag« eine Schlittenpartie unternahmen, uns durch daS Dorf R. fuhren, stürzten plötzlich, wie auf ein ge« gedeneS Zeicken, 6 bis 8 Dorsvurjchen unter lautem Gebrüll auf unser Pferd ein, |o daß es scheuen mußte. Nur unter Ausbietung aller Kräfte gelang es unS, das Pferd wieder zur Ruhe zu dringen. Wenn der Schlitten dort an der Wegekurve gegen bie Basalt« lanbfteine geflogen wäre, hätte die Ungezogenheit nur zn leicht ein größeres Unglück im Gefolge haben können. Es wäre ztt wünicken, daß die Behörde auch gegen eine derartige Gefährdung des öffentlichen Verkehrs energisch vorgeht. Der Bürgermeiner, dein ich Den Fall berichtete, meinte trocken, „er könne doch die Jonge nct angebeng*. Das braucht er auch nichts aber er vergibt sich auch nichf , wenn er Den einen ooer andern Burschen einmal . ar Rede stellt und ihnen vorhält, daß sie biete Ungezogenheit lasset» müssen
* Hanau, 24. Jan. 1913. In der gestrigen Stadtverordneten srtzung fvurde die Ein» richtung einer Handelsvor schule für Knaben und die Errichtung eines Verkäuferinnenkursus sreiwilligen Charakters beschlossen. Den ständigen städtischen Arbeitern wurde eine Teue- rungszulage bewilligt unb den Notstandsarbei- fern ein Wochen lohn von 19,20 Mark. Die Ordnung über die Kosten dec Entwässerung der Stabt Hanau wurde genehmigt. Von den Ge« santtkcsten mit 331918 Mark gehen an S traßcnent« Wässerungskosten 1852 676 Mark ab, so daß bie Grunbstückscntwässerungskosten 3 479 242 Mark be« tragen. Hierauf sind bereits 113 811 Mark erstattet. Die Verzinsung unb Tilgung des Restrapitals mit 3 36a 431 Mark erfordert jährlich 174 666 Mark, Dazu kommen noch bie Betriebs- unb Unterhaltungskosten, bie im Jahre 1912 auf 91150 Mark veranschlagt finb, so baß augenblicklich insgesamt rund 265 000 Mark zu decken sinb. Die Stabtkasse soll nun nach bem neuen Statut vorweg einen festen Betrag von 15 000 Mark leisten. Der Rest bes Ge- samtbebarfs soll zu brei Fünftel burch Beiträge unb zu zwei Fünftel durch Kanalbenutzungsgcbühren aufgebracht werben. Das bebeutct, baß 159 000 Mark durch Beiträge unb 106 000 Mark burch Benutzungsgebühren aufgebracht werden müffen. Der Beitrag ist wie früher nach dem gemeinen Wert bemessen. Gebührenfrei bleiben künftig Wohnungen mit einem Jahrcsmicttoert bis zu 300 Mark. Beschlossen wurde ferner ber Austritt der Stabt Hanau ans bem Deutschen ©täbtetag, da ihre Interessen im preußischen Städtetag genügend gewahrt seien. —‘ Einen schweren Tobsuchtsanfall erlitt gestern abend ein Küfer. Der Mann mußte gefesselt unb nach bem Lanbkrankenhause verbracht werben. Er ist verheiratet unb Vater Von vier Kinbcrn.
* . Frankfurt, 24. Jan. 1913. Ter Frankfurter Automobil-Klub wird in Geir ein; chaft mit dem Frank, surlcr Verein für Luftschiffahrt und dem General- Kommando des 18. Armeekorps voraussicktlich im April unter gleichzeitiger Beteiligung von Fliegern e:ni Ballon-Verfolgung großen Stiles veranstalten — Die VereivlKUvg der Holzhandler (OrtSgruppi Frankfurt des rheinisch-westsäl. Holzhändler-Verban. beS) hat ihren Kunden mitgeteilt, baß sie sich insolg. der Erhöhung der Grundholzpresse und aller Unkosser veranlaßt sehe, eineMrsiohimg der Holzpreise eintretet zu lassen. --- Der Großkaufmann Staudt, der an Dienstag zwischen zwei Trambahnwagcn geriet unb überfahren wurde, ist gestern nachmittag den erhaltenen Verletzungen erlegen. — Die Schüler - Anmeldungen für Die höheren Schulen und die Mittelfchul-n waren fo groß, daß über 300 Schulkinder zurückge. wiesen roetoeu mußten. Die Eltern der nicht aurge- nommenen Kinder bereiten einen Protest vor und wollen sich in einer gemeinsamen Eingabe an die Regierung in Wiesbaden und Raffel wenden. Damit diesen Zuständen ein Ende bereitet wird. — Der Neubau des Polizei-Präsidiums, der im Rohbau fertig ist, enthalt außer den nötigen Wohn- unb Nebenräumen etwa 900 Zimmer für Burozroecke Vor dem Sommer 1914 dürfte der Monumentalbau wohl kaum bezogen werden können.
(— Kassel, 23. Jan. 1913. In Ergänzung des telegraphischen Berichtes ber Fulbcter Zeitung über die Einweihung des neuen Krankenhauses bei Genossenschaft ber barmh. Schwestern vom hl. Bin- eenz von Paul in Fulda sei noch Folgendes gemeldet. Die Eintoechung sand programmäßig am 22. Januar morgens 1411 Uhr statt. Eine große Reihe Einladungen war zu derselben ergangen. Dementsprechend toar auch die Beteiligung, zumteil auch von auswärts, eine große. Von 10 Uhr ab brachten
Starr und stumm stand sie und blickte wie trmmu verloren vor sich hin. „Wollet Ihr mir eine Bitte erfüllen?" fragte sie plötzlich mit leiser Stimme.
„Tausendmal."
,„Kommt zum Grabe ber Mutter um bie mitternächtige Stunde."
„Ich toerbe kommen, Liebe."
In diesem Augenblicke trat der Jsraelite wieder ein, und wenige Augenblicke darauf begaben sich bie Drei zum Mahle ins Speisezimmer.
In dunkler Nacht ging Graf Tarent dem Grabe zu, wo Marias Mutter den ewigen Schlaf schlief. Als er unter die Baumgrupp: trat, erhob sich vom Grabe eine weiße Gestalt.
Sie ging dem nächtlichen Besucher entgegen unb legte ihre Hand auf seinen Arm. „Lasset uns scheiben hier an ber Stelle, bie mir heilig ist", bat sie, mit ihm an bes Grobes Rand herantretenb. „Mein Herz liegt vor Euch, Ihr könnt darin lesen, wir in einem offenen Buche. Ich liebe Euch unaussprechlich, lieber Herr, unb werbe Euch lieben bis an mein Lebeusenbc- Schatten meiner Mutter, ich bitte Dich, geleite ihn in die Ferne und schütze ihn! Stimm Den Gram, ber an seiner Seele nagt, von ihm unb lasse ihn glücklich werben!"
Das Mäbchen hatte bie Bitte gesprochen mit gefalteten Hünben. Nun löste sic das goldene Kreuz vcrn Halse unb reichte es bem Manne. „Nehmet, Herr, cs ist bas liebste und beste, was Maria bisher besessen," sagte sie nun laut anfschluchzenb. „Das Kreuz soll Euch an mich erinnern, es soll Euch, lieber Herr, ein Talisman sein. Gedenket meiner unb vergesset mich nicht branßcn im Leben ber große« Welt. Wenn Ihr wiebcrkehrt, ob in Monaten tbcr in Jahren, hier an dieser Stelle werdet Ihr mich sin- ben. . . . Ich warte auf Euch, so lange Atem ist in mir."
Laut weinend bot sie ihm bann die keuschen Lippen zum freiwilligen Kusse bar.
(Fortsetzung folgt.)