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Fuldaer Leitung

Samstag 25. Januar 1915.

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Reklamen« und Anzekgentelk»

Erneuerung de; Teint;

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densbedingungen ausgesprochen. Aber der National, rat war ein Werkzeug deS friedensbedürftigen Mi­nisteriums. Draußen standen die Jungtürken und vernahmen zähneknirschend, daß Adnanope! prciSge- geöen werden soll. Noch ist die Antwort des Kabi­netts Kiamil auf die Note der Mächte den Botschaf­tern nicht überreicht und schon ist daS Kabinett selbst nicht mehr vorhanden. Die Jungtürken haben die Regierung weggefeat und selbst daS StaatSruder er- griffen. Ihre Stütze unter den Truppen sind die kurdischen Regimenter. Sie wollen die Türkei retten. Cb es gelingen wird — wer weiß cs? Die Aussich­ten sind so ungünstig wie möglich. Immerhin, der Versuch wird unternommen.

* Durch Abstürzen der Gcfriermasse wurde im Kalibergwerk Wendland in Wustrow bei Salzwedel (Prov. Sachsen) ein Bergmann auf der Stelle getötet; 15 andere erlitten schwere, zum Teil auch tödliche Verletzungen. — Bei dem Nie- dcrtcufen des Schachtes, besonders in feuchtem Erd­reich, wendet man heute ein Gefrierverfahren an, um das Erdreich um den Schachteingang wahrend der ersten Arbeiten festzumachen. Hat der Schacht dann eine gewisse Tiefe erreicht, so wird eine Beton- oder Holzverschalung angebracht, und man läßt dann das gefrorene Erdreich auftauen.

„Wem das Land gehört, der bestimmt die Religion", das von Protestanten aufgebracht wurde, in einer Weise geschildert, daß sie bei unkundigen Lesern Er­bitterung weckt, wenn sie von Kacholiken geübt wird, während dasselbe Vorgehen von proicstanuscher Seite als ganz harmlos erscheint.

Nehmen Sie

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3. Blatt.

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er mehrere Jahre nach seiner Befreiung wartete, ,

bis er zum ewigen Gedächtnis seiner Gefangenschaft ;

und seiner Errettung au? FeindcShand seine Ketten ■ in der Kirche allen sichtbar anbrachte, ist bei der konfessionellen Spannung der damaligen Zeit sehr erklärlich.

Der Nachfolger von Reitz in Herbstein, Pfarrer Konrad Laun, war auch noch katholisch (S. 45). Nach seinem Tode soll seit 1568, so berichtet ein Geschichts­schreiber, der am Anfänge des 17. Jahrhunderts lebte, Herbstein von einem „schweinischen und schlavp- : .fähigen Apostaten allmählich ins Schlechte verkehrt worden sein, indem man die Svuren des alten Ritus mit der Nichtigkeit LutberS übergoß". Diese AnS- drucksweise eines katholischen Geistlichen, der vor 300 Jahren mitten in der Zeit, da die Verbitterung zwi­schen Katholiken und Protestanten immer heftiger wurde, fiel, findet Zinn mit Recht „nicht gerade ge­schmackvoll" (S. 45); allein wie muß man über einen evangel. Pfarrer deS 20. Jahrhunderts urteilen, der, wie Zinn eS iS. 29) tut, den Augustiner. Schnabel von Alsfeld ob des Freimutes preist, mit dem er vor dem Landgrafen von Hessen den Papst als den römischen Baal und al? eine scheußliche Bestie be­zeichnete? Solche Ausdrücke echt „evangelischer" Liebe werden im 16. Jahrhundert Wohl auch auf den reformierten Konzilen rings um Herbstein oft ver­nommen worden sein, und sie werden auch ihr gutes Teil dazu beigrrtragen haben, daß schließlich die Herbsteiner glaubten, was sie so oft von ihren Nach­barn hörten, und auch gleich ihnen dem neuen Glau­ben sich zuwandten. Aber einen protestantischen Pfarrer, der als Protestant zu ihnen kam, haben sie im 16. Jahrhundert nie gehabt. Wohl war Pfarrer Valentin Eckhardt, der nach dem oben genannten Konrad Laun die Seelsorge in Herbstein versah, An­hänger LutberS, aber „die Tatsache, daß er in or­dentlicher Ehe lebte, mit feinem Eheweib zehn Kin­der zeugte und 1604 vom Fürstabt Balthasar von Dermbach abgesetzt und ins Elend gejagt wurde, weil er sich nicht von seinem Weibe trennen und zum katholischen Glauben und Ritus bequemen wollte" iS. 48), beweist durchaus nicht, daß er „bei seinem Aufzuge in Herbstein schon evangelisch war" (48 f). Im Gegenteil: da er 1604 Pfarrer in Herb­stein hatte bleiben können, wenn er seine Frau ent­lassen hätte, beweist, daß er die Priesterweihe von einem katholischen Bischöfe erhalten hatte. Dann ist es aber so gut wie sicher, daß er „bei seinem Aufzuge in Herbstein" noch katholisch war, und erst nachher zum Protestantismus abfiel. Dies mag um 1568 geschehen sein, so daß die Angabe Browers, die Zinn als falsch ablehnt, einstweilen noch zu Recht besteht. MeS, was dagegen vorgebracht wird, läßt sich mit der Behauptung des alten Jesuiten ganz gut ver­einigen.

Der Ertrag der Studien des gegenwärtigen evan­gelischen Pfarrers von Herbstein über die Einfüh­rung des Luthertums in diesem Städtchen während de? 16. Jahrhunderts ist also bei weitem nicht so reich, wie e§ dem scheinen möchte, der die Aufstel­lungen Zinns nicht näher prüft. Um so merkwür­diger ist, daß seine Schrift im ganzen Vogelsberg, wie e$ heißt, als vorzügliche Lektüre für Schule und Haus verbreitet wird,' davon sollte, abgesehen von allem andern, doch schon der Ton abhalten, mit dem in der , Schrift alles Katholische behandelt wird, auf das die Rede kommt. So schämt sich ihr Verfasser nicht, die Worte, „das Volk, so im Finstern wandelt, sichet ein großes Licht, und über die da wohnen im finstern Land, scheint es helle" die der Prophet Jsaias vom Erscheinen der christlichen Wahrheit unter den Heiden gesagt hat, auf die Katholiken vor 400 Jahren und das Auftreten Luthers anzuwcnden ' CS. 18). Geradezu blasphemisch ist dabei die Gegen­überstellung des Heilandes und Luthers: „Was in JesuS, dem Zimmermannssohn von Nazareth, sich erfüllte, das erlebte die Welt zum zweiten Mal durch . den deutschen Bauernsohn und Mönch von Witten- I berg Dr. Martin Luther." Wenn Zinn S. 48 erzählt, daß 1604 der protestantische Pfarrer Eckhardt von Herbstein abgefetzt wurde, sagt er, er sei „ins Elend gejagt" worden Wo er aber berichtet, daß ein ka­tholischer Geistlicher abgefetzt worden fei, heißt es nun, er habe „abgedankt und das Pfarrgut seinem Nachfolger übergeben". (S. 27.) Natürlich ganz j freiwillig! So wird die Anwendung des Rechtes: ■

Entschlußfähigkeit beschicken war. DaS Schwankende und Unsichere in seiner Politik sah manchmal höchst beängstigend aus. Aber schließlich kam doch die Sache zum guten Ende. In dem Schicksalsjahr 1813 fand der König den rechten Weg und die begeisterte Hilfe seines Volkes, sodaß sich das Vaterland aus der Er­niedrigung und Sklaverei wieder erheben konnte. —> Vor vier und mehr Jahren wurde vielfach bekrittelt, daß der gegenwärtige Kaiser, tm Gegensatz zu seinem Urgroßvater, zu impulsiv in seinen Entschlüssen und Handlungen fei. Diese Klagen sind inzwischen der- stummt. Bei einem Rückblick auf die ersten zwölf Jahre des vorigen Jahrhunderts wollen wir uns hebet darüber freuen, daß die Aufgaben dieses Jahr­hunderts nicht unter der Unschlüssigkeit ju leiden ha­ben, sondern einen willenssrischen, tatkräftigen Letter auf dem Throne finden.

Ein Schatten fällt augenblicklich auf die Mo­narchie inBahern. Seit 26 Jahren trägt dort ein unheilbarer Geisteskranker den Namen des Kö­nigs, während etr ^egent die Geschäfte der Krone führt, ohne die Würb» und den Titel des Königs zu haben. Auch bei dem jüngsten Wechsel der Regent­schaft hat sich noch kein gangbarer Weg zur Erlösung

daß an der Spitze des großen Gemeinwesens eine hohe und hehre, tüchtige und treue Persönlichkeit steht, die im Glanze des GotteSgnadentums die Kraft uno die Hoffnung der Nation verkörpert.

ES gibt keinen Familienvater, der alle Wünsche der ©einigen erfüllen und alles Ungemach von fei­nem Hause abwenden könnte; denn auf dieser Erde ist und bleibt allez unvollkommen. Aber wenn der Vater seinen Geburtstag oder sein NamenSfest hat, dann rechnet man ihm nicht vor, waS noch mangelt, sondern in froher Dankbarkeit erinnert man sich an all das Gute und Schöne, was unter seiner sorgen­den Hand erblüht ist. Und am Abend des Famiuen- fefteS ist die einzig vernünftige Moral: Wir wollen allzumal nach besten Kräften dem Vater helfen, daß es im nächsten Jahre noch besser wird!

Von einer Sachverständigen.

Ich glaube, ich kann ein wenig zu dem Glücke sehr vieler Frauen beitragen, wenn ich Ihren Lesern em kleines .Schönheitsgeheimnis’' verrate, daS die natür­lichen Schrecken herannahenden Alters zu einem großen Teile auihebk. . . „ , ...

Meine Ansicht ist, daß öS nur em einziges Mittel gibt, wenn die GestchtshaM durch Witterungseinfluiie oder unverständige Behandlung verblabl, runzlig mit häßlich wird. Die dünne Hülle des häßlichen äußeren Teints muß entfernt werden, damit dem jungen schönen Teint, der sich darunter befindet, Gelegenheit gegeben wird, an die Oberfläche zu dringen, und damit er.„atmen" tann. Ich habe gefunden, daß dies in vielen Fällen durch etwaS aut et halbftarkeS Clemmil bewirkt wird, wie cs in jeder Apotheke erhältlich ist, und das man mehrere Nächt- in derselben Weise auflegt wie Golocream. Un­gefähr fünfunddreißig Gramm genügen. Es scheint die leblose Haut m winzigen, mikroskopüch kleinen ^.eitchen zu abiorbteren, nach und nach die gesunde, schöne Haut, die darunter liegt, bloSzulegen. Ich kenne Frauen, tue diese Methode seit Jahren regelmäßig auwenden, und deren Teint von wunderbarer F-Uche ist.

Meine Kenntnis dieser eimachen Methode ist von großem Nutzen für mich gewesen, denn rote die meisten Frauen haße ich, alt zu werden oder vielmehr alt aus­zusehen.

vermischtes.

* Ter älteste deutsche Offizier und der älteste deutsche Mllitärarzt wohnen beide in Stuttgart. Am 21. Januar vollendete der älteste noch lebende deutsche Ofifzier, Generalmajor a. D. von Ringler, Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Kl., sein 96. Lebens­jahr in ziemlicher Frisch- des Geistes und Körpers. Im gleichen Lebensjahr steht der älteste deutsche Militärarzt, der frühere Regimentsarzt Dr. Karl Wölfsing.

* Ein Schüler von seinem Kameraden erstochen. Im Pfälzischen Oberbexbach versetzte während etneS Streites der elfjährige Volksschüler einem Mit­schüler einen Messerstich, der die Lunge traf. Ter bedauernswerte Junge ist auf dem Transport ins Krankenhaus gestorben.

wochen-Rundschau.

s:j Fulda, 24. Januar 1913.

Der deutsche Reichstag fuhr emsig in der Be- eatung des Reichshaushattsetats fort, ebenso das Vreustische Abgeordnetenhaus tu der Bera- .„nn hpd Staatshaushaltsetats. Die Vortragstournee des ^elsässischen Reichstagsabgeorbneeir Wetterle durch , mebrere 'französische Stabte hat in allen nationalen । QreHen lebhafte Mißbilligung hervorgerufen. Em wartiaeä Auftreten in dem uns nach wie vor fernd- selia gesinnten Nachbarreiche ist mit der Stellung deutschen Reichstagsabgeordneten unvereinbar. MMerles Versuch, im elsaß-lothringischen Landtag

Auftreten zu verteidigen, schlug völlig daneben. .

□um Nachfolger des zum Staatssekretär des Aus- wärnaen Amtes beförderten Gesandten o. Jaaow wurde der Gesandte in Darmstadt, Freiherr v. I e- „if a nach Rom berufen. Der neue Botschafter ist ein Verwandter des feit feinem Rücktritt ebenfalls in Rom wohnenden ehemaligen Reichskanzlers Fürst v. ^^Am letzten Dienstag ist im Aster von 71 Jahren ber frühere Staatssekretär des Reichsmarineamts, Admiral v. Hollmann, plötzlich verschieden. Ihm hat die deutsche Flotte viel zu verdanken; die Aner- kennung für seine großen Verdienste ist ihm auch nicht versagt geblieben. Der Verstorbene galt als ein guter Freund des Kaisers.

In dieser Woche hat auch die Fortschritt­liche Volkspartei zum ersten Male einen Preußentag veranstaltet. Er galt in erster Linie einer Stellungnahme zu den bevorstehenden Land­tagswahlen. Nach den ausdaiternden Bemühungen in der Fortschrittspresse, um die Gunst der Sozialde­mokratie sich für die kommenocn Wahlen zu sichern, mutet es eigentümlich an, wie auf dem Fortschritt­lichen Preußentag zu dieser den Fortschrittsleuten auf der Seele brennenden Frage Stellung genommen worden ist. Man warf sich stolz in die Brust und lehnte es mit einer großartigen Geste ab, durch das von der Sozialdemokratie ausgestellte kaudtmsche Joch zu kriechen, vermied es dann aber sorgfältig, m der Resolution die Stellung zur Sozialdemokratie auch nur mit einem Wörtchen zu erwähnen.

Frankreich hat seinen neuen Präsidenten be­kommen; nach langwierigem uitb heißem Wahlkampf tritt der bisherige 'Ministerpräsident Poincarß an die erste Stelle der Republik. Der neue Präsident ist mit Hilfe der Rechten gegen die Radikal-Sozialisten gewählt worden. Seine Wahl bedeutet einen Sieg des flachen Landes über den Großstadt-Radikalis­mus. In der inneren Politik Frankreichs wird Poincarß seinen Einfluß >n einer mäßigen Gegen­wirkung gegen die radikalen Elemente geltend zu ma« chen suchen; ob ihm dies gelingen wird, steht noch dahin, denn bekanntlich sind die polttischen Steigun­gen des Präsidenten in Frankreich für die Politik der Ministerien nicht entscherdend. Aber Poincarß steht, was persönliche Begabung und politische Interessen anbelangt, unbestritten weit über manchem feiner - Vorgänger, er ist in der Vollkraft der Jahre und so darf man wohl einige Hoffnungen auf ihn setzen. Insbesondere erwarten die Katholiken, daß nun für die Kirche wieder etwas günstigere Tage in Frank­reich kommen. Bis zur Widerherstellung des frühe­ren Freundschaftsverhältnisses zwischen Vatikan und französischer Regierung ist der Weg freilich noch weit. Aber es ist schon viel gewonnen, wenn Frankreich einmal seinen systematisch im Stillen und in der Oef- fentlichleit betriebenen Kampf gegen die katholische Kirche einstellt. Und das dürfen die Kacholiken von dem neuen Präsidenten hoffen. Die Neigungen Poin- carßs liegen aber wohl mehr auf dem Felde der äußeren Politik. Ob er Dabei eine mehr dekorative oder aktive Rolle spielen wird, bleibt abzuwatten. PoincarS besitzt hervorragende repräsentative Eigen­schaften, mit denen er seinen Landsleuten sehr impo­niert, nicht so allgemein fteilich im Auslande. Aber man darf auch hier hoffen, daß Poincarz seine maß- volle Besonnenheit nicht verlieren wird. So hat auch Deutschland nicht den geringsten Anlaß, seiner Wahl unfreundlich gegenüber zu treten.

Auf dem Balkan bereiten sich anscheinend ernste Dinge vor. Am Donnerstag gabs eine Re­volte. Tags zuvor hatte der Nationalrat sich für die Annahme der von den Mächten empfohlenen Frie-

Unpolttifdfe Seltläufe.

N. Berlin, 23. Januar 1913.

tNockidrnck ni*t aeftotM.>

Abergläubische Leute halten die 13 für eine Un- glückszahl. Darunter befinden sich sehr viele „Auf­geklärte", die an Gottes Offenbarung nicht mehr glauben wollen, aber von törichten Ammenmärchen sich beherrschen lassen. Nach diesem Aberglauben mußte das Jahr 1913 ein Unglücksjahr werden. Vorläufig sieht es noch nicht danach aus. Im Gegen- ml, der hochpolitische Himmel Härt sich auf, und der Friede scheint wieder einmal gesichert zu sein. Und tote war es denn mit der letzwergangenen 13? War bas Jahr 1813 voll Unglück? Nur für den „gro­ßen" Napoleon Bonaparte. Für die übrige Welt toar es ein Jahr der Erlösung und Beglückung; denn 1813 wurde die Macht dieses neuzeitlichen Attila ge- brochen. Das war ein schweres Stück Arbeit für un- ftre Vorfahren, aber Segen war der Preis von Blut und Schweiß.

Darum schätze ich 1918 nicht als Angst- ober kraueriahr ein, sondern als Gedenk- und Fest- jahr. Wir haben noch viel zu feiern in den kom- wenden Monaten: das Hundertjahr-Jubiläum der Volkserhebung und der Befteiungsschlachi von Leip- ?ig, dazu das ©itberjubtläum des regierenden Kai­ers und Königs.

Die Einleitung zu den völkischen Familienfesten olldet am 27. Januar der Geburtstag des Kaisers. Da rufen alle braven Staatsbürger dem Staatsober, hcupt ein herzliches und kräftiges Vivat zu.

Ten Volksversührern und Hetzern zum Trotz! Leider sind Kräfte genug an der Arbeit, um den Leu. ten die patriotischen und monarchischen Gefühle aus den, Herzen zu treiben. Wer am Geburtstag des Hisers seiner Verehrung und Liebe Ausdruck gibt, ben sucht man als knechtseligen Schwächling oder als eigennützigen Streber hinzustellen. Aber wie heißt J* in dem Liede? „Siebe des freien Manns!" Wer och so recht fühlt als vollberechtigtes Mitglied der Boßen Bolkssarnilie, der richtet Auge und Herz in J^er Liebe auf den angestammten Familienva- kr, auf das berufene Oberhaupt des Staates und welches. Das ist ihm kein drückender Dienst und fS111 spekulatives Geschäft, sondern eine Freude. ZA alte Hosschulde in Jmmermanns Oberhof sagt:

König ist uns zum Plaisier gesetzet! In der *at| sollen und wollen uns treuen darüber,

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aus dieser Wirrnis zeigen wollen. Der Fehler steckt in dem alten Hausgesetz, das die Ausschaltung eines zweifellos und rettungslos regierungsunsähigen An- wätterS auf den Thron nicht vorgesehen hat. Will : man auf dem Wege der modernen Gesetzgebung diese i Lücke auSfüllen, so gerät man in die Gefahr, die Thronfolge von deS Landtags Gnaden abhängig zu machen, während sie doch cur aber G o 11 e s Gnade sein soll. Dir müssen c5 den berufenen Män- । nem in Bayern überlassen, ob und wie sie diese Frage lösen können und wollen. So bedauerlich dieser : Unglücksfall ist, so spricht er doch, nicht gegen ba6 monarchische Prinzip. Wir sehen ja, daß trotz der schweren Prüfung die Regierung des bayerischen Staates ihren geregelten Gang behält. —

Es gibt zurzeit nicht bloß republikanische Phrasen­helden sondern auch sog. A n t i m i I i t a r t ft e n, und bte wollen uns glauben machen, die Monarchie sei eine sriebenSgefährliche Einrichtung, da die Könige und die Prinzen sich mtt Vorliebe dem Heerwesen widmeten. Dagegen braucht man nur kurz zu sagen: DaS monarchische Deuffchland hat feit mehr als 40 Jahren Frieden gehalten, und von diesen 40 l Friedenssahren fallen 25 auf die Regierung eines Monarchen, den die Welt von Anfang an als im­pulsiv und milttaristtsch betrachtet?. Die Tüchtigkeit deS deutschen Heerwesens ist gerade eine Stütze der I monarchischen Friedenspolitik. Und int übrigen gibt - es gegenüber den vielfachen Versuchungen, die an die j Sprösslinge der höchsten Herrschaften herantreten, ! keine bess°re Schulung der Selbstbeherrschung und der ' Arbeitsamkeit, als die Teilnahme am Militärdienst.

In der republikanischen Staatsverfassung bildet der Zwiespalt zwischen dem zivilisttschen Präsidenten und der militärischen Organisation des Landes einen schwachen Punkt. Die notwendige und nützliche E i n- Ijeit wird gesichert, wenn das Staatsoberhaupt zu­gleich der Oberseldherr ist, nicht nur dem Namen ' nach, sondern in der Wirklichkeit feines Wollens und Könnens. Das Heer ist ja das Volk in Waffen. Es gibt nur ein Oberhaupt deS Volks, ob das letztere gerade bewaffnet oder unbewaffnet ist. —

Rückblicke verhelfen oft zum richtigen Einblick. Wenn wir die Nöten und Schwierigkeiten betrachten, die unsere Vorfahren vor 100 Jahren bedrückten, so sonnen wir dem Himmel danken für das bessere Los, das uns beschteden ist, und dürfen trotz aller Mängel , der Gegenwart doch frohe Feste feiern.

Wie man unter dem Deckmantel der Wissenschaft den konfessionellen Frie­de» stört.

n.

Unter den Katholiken Herbsteins geht die Sage, daß ihr Städtchen im 16. Iah-Hundert im Unter­schied von den Nachbarorten Den Glauben der Väter stets treu bewahrt habe, da der stamme Pfarrer Retz den Prolestanftsmus fernzuhalten wusste. Er sei deshalb eines Tages vor. den Toren Herbsteins von verkappten Reitern unter Führung eines ge­wissen Johann Leiniger aufgehoben und nach Ul­richstein geschleppt worden, von dort aber in wun­derbarer '®rfe wieder entkommen. Zum Danke dafür habe er die Ketten, in die er geschlagen war, in der Kirche von Herbstein ausgehängt, und dort könne man sie jetzt noch sehen.

Die Herbsteiner Katholiken haben trotz Zinns gegenteiliger Meinung einstweilen noch keinen Grund, ihre Ansicht aufzugeben. Der neueste Ge­schichtschreiber ihrer Gemeinde behauptet allerdings, im Jahre 1548 „hätten die Bürger Herbsteins öf­fentlich ihren Ucbertritt zum Luthertum erklärt" (S. 43) und einen protestantischen Pfarrer berufen. Aber der Beweis dafür? In einer Schrift, die 1549 ver­öffentlicht wurde, wird gesagt, die Hessen wollten so wenig vom Luthertum ablassen, dass sogar ein Flecken, der bis dahin immer katholische Geistliche ge­habt hatte, gerade jetzt einen neugläubigen Prediger habe kommen lassen. Leider sagt uns aber der Mann, von dem diese Schrift hrrrührt, gar nicht, daß der Flecken, von dem er redet, Herbstein war! Nach dem, was Zinn selber erzählt, waren die Orte rund um Herbstein nicht hessisch, sondern riedesclisch ober schlitzisch. — Damit fällt aber auch alles, was der Verfasser der Geschichte der „Reformation und Gegenreformation in Herbstein" von dem Fürstabt von Fulda sagt, der der „evangelisch gesinnten Stadt Herbstein . . . zum Trotz 1550 wieder einen katho­lischen Pfarrer von Herbstein ernannt und den von der Gemeinde berufenen protestantischen Prediger abgesetzt haben soll" (53).

Daß Reitz (ober Retz, wie man sich in Herbstein erzählte) von protestantischen Reitern gefangen ge­nommen worden bald aber wieder entkommen sei, will auch Zinn, wie es scheint, nicht crnsttich in Ab­rede stellen. „Man" (d. h. die protestantischen Nach­barn von Herbstein) „ließ Macht vor Recht ergehen und entfernte durch einen kühnen Handstreich den von Fulda den Herbsteinern in Mißachtung ihres er­klärten Uebertritts zum Luthertum auf genötigt en ka­tholischen Priester Reitz heimlich auf das damals den Riedeseln vom Landgrafen verpfändete Schloß Ul- richstem". (S. 53.) Was von dem „erklärten lieber« tritt" und dem „aufgenötigten" Priester zu halten ist wffsen wir schon. Nach Zinns Ansicht, mit der man ganz einverstanden sein kann, entfloh entweder Reitz aus Ulrichstein, da er nicht sorgsam genug ver­wahrt war, ober er würbe frei gelassen, da die Leute, die gegen ihn borgegangen waren, eine Anklage auf Lanofnedensbruch fürchteten. Die erste dieser Mei­nungen wird Wohl die richtige fein, da Reitz nach dem Jesuiten Brower 1558 die Ketten, mit denen er aefessest war, in der Herbsteiner Kirche aufbängte. Gerade der Umstand, daß die „paar alten Ketten", die sich „noch in einem Glaskasten in der Herbsteiner Stadtkirche" befinden, „gar keine Hand- und Fuss­schellen sind" (S. 44), spricht dafür, dass sich Rech ziemlich leicht feiner Fesseln entledigen konnte. Daß

Kraft ausgeht. Und hat er trotz alledem den Wagen in flotten Gang gebracht, so geht seine Wahlperiode zu Ende, und nun muss er entweder feine Kraft auf Die schwierige Wiederwahl verbrauchen ober er muß die Saat seines Schweißes verlassen, ehe sie reif ge­worden ist. Nein, die Wahl ist häßlich, der Wechsel ist schädlich. Viel besser ist bte erbliche Würde, denn dadurch wird ermöglicht: 1. die zweckmäßige Erziehung beS künftigen Staatsoberhauptes; 2. die Hinaushebung der regierenden Persönlichkeit über das Parteigetriebe; 8. die Stabilität, die bau» erhafte Wirksamkeit, bie nicht durch Zufälle oder künstlich hcrbeigeführte Schwierigkeiten, sondern nur durch bie höhere Gewalt des Todes abgebrochen wer­den kann.

Die Monarchie und die verfassungsmäßige Volks» bertretung ift und bleibt auch für unsere Zeit noch die beste Staatsform. Da alles auf dieser West un- vollkommen ift, so bleibt auch ihr Ergebnis gelegene sich hinter den Wünschen und Hoffnungen zurück. Nicht jeder König ist ein Genie oder ein Riese an Willenskraft. In den furchtbar schwierigen Zetten vor hunbert Jahren saß auf dem preußischen Thron

ren jeweilig den tüchtigsten Mann zum Staatsober­haupt auf eine gewisse Zett berufen soll. Aber was wirb auS dem glänzenben G'ankcn bei bet Ver­wirklichung? Ein Ränkespiel von Agitatoren, ein wirrer und wilder Kampf der Parteien! Gar keine Sicherheit, baß wirklich bet Würdigste und Tüchtigste berufen wird. Und kommt aus diesem Hexenkessel der Wahlumtriebe wirklich mal eine kraftvolle Per­sönlichkeit heraus, so hat sie doch so viel Blei an den Händen und Füßen, baß sie schwerlich etwas Großes schaffen kann. Die bei bet Wahl unterlegenen Per- sonen und Parteien sind ärgerlich, mißgünsttg und widerborstig. Die republikanische Verfassung bringt eine gewisse Angst vor einem starken und kühnen Staatsoberhaupt mit sich. Es heißt alsbald: der Mann will den Diktator spielen, er will uns um unsere Freiheit bringen! Der Vorwärtsstrebende Staatswagen wird mit so viel Bremsen und Hinder­nissen belastet, baß dem Kutscher bald die Lust und

Für bie Republik wirb jetzt viel Reklame ge- \ macht. Wie stehtS denn mtt diesem Modeartikel? Bor einiger Zeit haben sie in den Bereinigten Staa­ten von Nordamerika einen wilden Wahlkampf ge­habt wegen des neuen Staatsoberhauptes für die nächsten vier Jahre. Und soeben ist in PariS-Ber- sailleS eine Wahlschlacht geschlagen worden, au» der Herr Poincars als Präsident der Republik für die nächsten sieben Jahre hervorging. Wenn man mtt geschlossenen Augen die Sache rein theoretisch be» trachtet, so steckt etwas Verführerisches in dem Ge­danken, daß die Nation selbst durch besondere Wahl» männer ober burch ihre Abgeordneten und Senat»«