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Zuldaer Leitung

Zrettag 24. Januar 1915.

Aus Gberhesien u. den heff. Remtern.

♦ Vöhl, 23. Ian. 1913. Der Gemeindevor­anschlag balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 16 500 Mark. Die nötigen Umlagen von 8388 Mark sind durch Zuschlag in Höhe von 225 Prozent auszubringen.

* Sindersfeld (Kr. Kirchhain), 22. Ian. 1913. Zu dem Neubau unserer Kirche wurden folgende An-

Dann verließen die Beiden die Stätte und stiegen nieder ins Tal. Als sie bei der Felsengalerie anlang­ten, kam unten zwischen den Felsen die Schaluppe heraus und legte sich vor Anker.

Es war am anderen Tage, als der Graf von Ta­rent und Baruch allein in einem Zimmer saßen. Haufen von Papieren und Schriftstücken lagen auf dem Tische vor den Beiden. Alle geschäftlichen An- geleaenhetten waren heute zwischen ihnen geregelt worden. Sinnend wiegte nun der alte Jsraelste den grauen Kopf.

„Es tut mir Weh in der Seele, daß der Herr wollen hinaus in die weite Welt", sagte er. „Die Landstraßen sind nicht sicher heutzutage, wenn auch ein Troß von Dienern den Herrn umgibt, leicht kann sich ereignen ein Unglück. Bleiben Sie, Herr Graf, es ist der Rat eines ehrlichen Mannes. Wollen der Herr nicht leben in der Stadt und nicht begegnen Personen, deren Anblick beleidigt Ihr Auge/so ist diese Insel geeignet —

Eine tiefe Röte stieg dem Edelmann ins Gesicht. „Unmöglich, Baruch, ich muh fort, je früher, desto bester ..."

„Hat mein Schwesterkind sie ermüdet mit wirren Reden?"

Ein seltsames Lächeln umspielte die Lippen des Gefragten. „Mich ermüdet?" entgegneie er, „ebenso wobl könntet Ihr fragen, ob ich müde sei, nach der Nacht die Sonne zu schauen. Ein seltenes Kleinod ist dieses Mädchen. Es führt ein fast geistiges Le­ben, ein Dasein, das von wenigen nur verstan­den würde draußen in der fremden, rauhen Welt. Hütet dieses wunderbare Geschöpf wohl, leicht möchte die Blüte verderben, würde sie verpflanzt von diesem Boden —"

Der Handelsmann zeigte ein Gesicht von Cnt- schlostenheit in diesem Momente. „Lea wird mit der Außenwelt in keine Berührung kouXien," entgegnete er fast finster, „sie muß erst Jahre älter werden, ehe ich ihr zuführe einen Gatten."

(Fortsetzung folgt.)

Farbe. Damit verlieren auch die Wagen oder Ab- teile 1. Klasse die seitherigen gelben Striche oder, roie die Eisenbahner sie nannten, ihre „Tressen".

O Aufstellung der Landbeschäler. Der Landwirts- schaftSminister hat sich mit der von dem ®eftüt§« direktor Dillenburg vorgeschlagenen Maßnahme em» verstanden erklärt, daß die Beschäler im Jahre 1913 versuchsweise schon am 1. Februar auf bte Stationen entsandt werden sollen. ES ist zu hoffen, daß die Züchter von dieser Maßnahme, die mit nicht uner­heblichen Kosten sür den Staat verknüpft ist, Gebrauch machen und die Stuten, die im Februar rossen, auch den Beschälern zutührern, damit der Andrang zu den Stationen im Frühjahr ein weniger großer wird.

2. Slatt.

, der fiulbcer Aetiendnraerei m Z»ld.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 23. Jan. 1913. Rund 100 000 Mark Zinsen, hat die hiesige städttsche Sparkasse bis Ende 1912 den gemachten Spareinlegern seit ihrem ä^jährigen Bestehen gutgeschrieben. Da letzt alle Einlagen vom Tage ab verzinst werden, dürfte die Zinsengutschrist für das laufende Jahr allein schon 60 OMMark erreichen. Der Kassenumsatz betrug im vorigen Jahre 2 Millionen, der Spareinlagenbestand fast 1400 000 Mark.

♦ Tiefenort, 23. Jan. 1913. Wegen Bedroh­ung des Geschirrhalters K. von hier wurde der Stallschweizer St. in Hetzeberg bei Tiefenort zu drei Wochen Gefängnis verurteilt.

* Urnshausen, 23. Jan. 1913. Für ein dieser Tage hier abgehaltenes großes Hochzeitsfest wurden 1 Ochse, 4 Schweine, 20 Hühner. 10 Gänse und 15 Hasen geschlachtet. Für den Durst wurde durch 1 Hektoliter Wein, ö Hektoliter Bier und 30 Liter Branntwein gesorgt. An der Feier nahmen nahezu 100 Personen teil.

Der Gras von Tarent.

i24] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner. ' „Du gewaltiger Gott — was soll werden zwischen jihr und mir?"

j Gleich darauf fiel eine Sternschnuppe vom Fir- Mamente. Er sah das Meteor leuchtend durch die jLuft fallen und schwinden.

i Im selben Augenblick erscholl wiederum die Stim­me des Sängers der Stacht laut und jubelnd — die Nachtigall sang im Tamarindenbaume ihr Lied der Freude und der Liebe.

Tarent legte sich auf sein Lager und schlief ein. j Unten zwischen den Bäumen und Sträuchern be­wegte sich im Dunkel ein Schatten. Der Schatten schien zu schweben, geräuschlos bewegte er sich nach einer bestimmten Richtung. Der bleiche Mond be­leuchtete die weiße Gestalt — es war Maria, die, nach der Art der Blinden, vor sich hinstaerend ihren Weg wandelte. Sie wandelte durch das Tal, neben ihr gurgelte das Wasser, das sich neben ihrem Pfade hinschlängclte.

Eine Gruppe von Bäumen tauchte auf, die ihren Schatten wetthin warfen int Mondenscheine. Das Mädchen wandelte der Baumgruppe zu und als es eingetreten war unter das schützende Blätterdach, da ließ es sich nieder auf den Grund, küßte die Erde und schlang dabei den Arm um ein kleines hölzernes Kreuz, das auf einem kleinen Hügel angebracht war.

Der Hügel war ein Grab.

Auf dem Grabe blühten Vergißmeinnicht, Jas­min und Rhodadendron. Maria pflückte eine der Blumen und steckte sich diese ins Haar, dann küßte sie das Grab ein zweites und ein drittes Mal.

„Habe Dank, Mutter," flüsterte die Blinde, „er, den Du mir verheißen, ist gekommen, und seine Lip­pen haben meinen Mund geküßt ... Er wird fort« gehen von hier, aber sein Herz bleibt zurück . . . Stehet ihm bei, Mutter, er ist ein trauernder Mann , K Ich bin glücklich, so glücklich, glücklich . . .!'

Nun konnte er deutlich das große Segel erkennen, das Fahrzeug steuerte direkt auf die Branoüng zu, kein anderes Boot hätte das gewagt.

Ihm wurde unsäglich Weh ums Herz, das Kom­men der Leute bedeutete sein Gehen von der Insel. Die Geschäfte, die er mit Baruch hatte, würden bchld erledigt sein, für sein Bleiben war dann kein Vor- wand mehr. Er mußte fort, hinaus in die Fremde, mußte alles zurücklassen, was ihm teuer war und blieb. Sein Herz krampfte sich zusammen.

„Maria, Du Holde, Liebe — wirst Du meiner nicht vergessen, wenn ich fern von Dir weile?" fragte er angstvoll.

Erschreckt wandte sie das Gesicht zu ihm auf.

„Geliebter Herr, denkt Ihr so gering von mir?" „Nein, ich denke nicht gering von Dir, aber die Zeit bringt vieles zustande. Du weißt nicht, wer ich bin, kennst weder meinen Namen, noch meinen Stand. Ich sagte Dir, daß ‘‘in Weib zwischen uns steht und unserem Glücke. Das Weib ist die Mutter meines Kindes, Sic ist eine Sünderin und hat sich belastet mit Schande, aber ich bin gebunden daran, wenn ich auch für tot gelte."

„Für tot?"

„Ja, nur Baruch weiß um das Geheimnis. Mädchen, willst Du meiner warten, wenn auch viele Jahre--"

Sie unterbrach ihn in seiner Rede, indem sie sich hasttg cmporrichtete. Feierlich streckte sie nun die Hand zum Schwur empor gen Himmel.

„Wer immer Ihr seid, geliebter Herr, ob Edel­mann, ob Fürst, ob Bettler, das ist mir alles gleich. Euer Mund hat meinen Mund geküßt und mein Herz habe ich an Euch gegeben für immer. . . . Mag kommen, was will, so lange Atem in mir ist, werde ich Eurer harren und warten. . . . Ich schwöre es beim Andenken meiner Mutter. . . ."

Nun kniete er nieder vor ihr und küßte den Saum ih'es Kleides Der Mann, über den so btel Gram und Kummer gekommen war in letzter Zeit, weinte laut.

Die Blinde hörte das Schluchzen des Mannes, und sie beugte sich und küßte fein Haar«

12.

Der Abschied.

Die Nacht war vergangen, ein neuer Tag hatte begonnen. Maria zeigte dem geliebten Manne alle ihre Lieblingsplätze, am Morgen begann sie mit dem WittschastShofe und er sah, wie das Geflügel ihr ent­gegen lief. Wiederum kamen die Vögel von den Bäu­men und flogen ihr auf die Schultern, Arme und Hände, und kaum konnte sie sich deren erwehren. Still lächelnd, reichte sie dem flüggen Volke Bro­samen, und des Streitens und Zankens unter dem kleinen Volke war nicht eher ein Ende, als bis nichts mehr zu verteilen war.

Die beiden gingen Seite an Seite umher, von einem Ende der Insel zum anderen, sie toanbeften alle Wege, alle Pfade.

Aber heute küßten sie einander nicht und sprachen nicht von ihrer Liebe, aber jedes trug das Geheimnis verborgen in der Brust. Sie geleitete ihn auch zum Grabe der Mutter, und als die beiden in Gegenwart des Todes schweigend standen, da schüttelte der Wind leise an den Rosen- und Rhododendronblüten und sie lösten sich und freien auf die glücklich Liebenden wie Schnee.

Dann schritten sie wieder hinauf zur Stelle, wo sie sich gestern gesunden. Sie setzten sich wieder auf dieselbe Stelle, wo kaum Platz für zwei, er schlang wieder den Arm um sie, sie lehnte das Haupt ihm an die Schulter, eines fühlte des anderen Atem, jedes fühlte das Beben und Bangen im Herzen, das Hoffen und Sehnen der Liebe.

Plötzlich zuckte Tarent zusammen, seine Augen hatten draußen auf dem Meere ein Boot bemerkt, das sich schnell der Insel näherte.

„Was ist Euch, lieber Herr," fragte die Blinde.

Er preßte sie dichter an sich. „Das Boot, — ich sehe cs kommen, Maria, ich glaube, es sind Baruch und seine Leute."

Tas Mädchen wurde um einen Schein bleicher.

Mit deren Kommen hatte ihr beiderseitiges Glück vorläufig ein Ende. Jedes hatte dieselbe Empfin­dung, aber Beide schwiegen.

klärt der Pfarrer: er werde niemanden wegen seiner Zugehörigkeit zum Sozialdemokratischen Verein be­lästigen, wenn 1. die Sozialdemokratie und ihre Presse es unterließen, die Wahrhetten des katholischen Glau­bens zu leugnen und zu verspotten: 2. die Mitglieder des Wahlvereins sich jeder Hetze gegen die Katholiken enthielten und diese bei Erfüllung ihrer religiösen Pflichten nicht mehr belästtgten. Wenn cs der So­zialdemokratie aufrichtig um den Frieden in der Ge­meinde zu tun fei, habe sie es also in der Hand. Wer das Wirken und Wesen der Sozialdemokratie kennt, wird leider Voraussagen müssen, daß hier wie­der tauben Ohren gepredigt wurde, denn die Religion ist bei den Genossen alles andere als Privatsache.

* Hombressen b. Hofgeismar, 23. Jan. 1913. Auf unaufgeklärte Weise entstand gestern in der Gast­wirtschaft von Nachtigall Feuer. DaS Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nachtigall, der erst kürzlich die Wirtschaft übernommen hatte, soll nicht versichert haben.

* Kassel, 23. Jan. 1913. Die städtischen Park- lichtsviele werven ihre Pforten schließen. Die Unterbilanz beträgt über 320000 Mark.

-x- Eschwege (Werra), 22. Jan. 1913. Zwecks Feststellung der Schädlichkeit der End laugen au8 den Kaliwerken in die Werra und Weser ist in Bremen eine Wasseruniersuchungsstelle eingerichtet worden, der täglich Wasserproben eingesandt werden. Neuerdings ist die Errichtung einer neuen Chlor- kaliumsabrik durch die Gewerkschaft „Felsenfest" zu Hüpstedt (Kr. Worbis) mit einer täglichen Ver- arbeitungssähigleit von mindestens 50 Doppelwaggons Kalirohsalzen geplant. Auch diese Fabrik will thre Endlaugen in die Werra ableiten. Der Bezirksaus­schuß in Erfurt genehmigte den Bau und wies die erhobenen Einsprüche zurück. Der Landwirtschasts- Minister versagte jedoch feine Zustimmung, weil der Bezirksausschuß in Kassel zuständig sei. Aus Veranlassung des Letzteren fand am Samslag hier auf dem Landratsamte Termin zur mündlichen Be­sprechung der gegen die geplante Ableitung der Kali- adwässer in die Werra erhobenen Einsprüche statt. Es hatten Einsprüche erhoben: Der Senat der Stadt Kremen, der Magistrat der Stadt Eschwege, die Regierungspräsidenten in Hildesheim und Kassel, der Kreis Eschwege, der Forstfiskus, die Eschweger Leder- und Tuchindustrie, die Wasch- und Bade­anstalten der Werra und Weser, sowie der Fischerei- verein Eschwege. Sämtliche Vertreter dieser Körper­schaften äußerten sich über die großen Schäden in­folge der Versalzung und Verunreinigung der Werra bezw. Weser. Die Vertreter waren einstimmig der Ansicht, daß durch gesetzliche Mittel eine weitere Ver­salzung und Verunreinigung der Werra und Weser und dadurch eine schwere Schädigung vieler Interessen zu Gunsten eines einzelnen Industriezweiges verhindert werden muß.

* Ans Thüringen, 23. Jan. 1913. Der Zusam­menbruch des Bankvereins in Kranichfeld hat ein zweites Opfer gefordert. Nachdem sich der ehe­malige Bankdirektor erschossen hat, machte jetzt auch der ehemalige Kassierer seinem Leben ein Ende. — In Coburg wurde die Leiche eines unbekannten Mannes aus der Jtz gezogen. — Für die Bürgermei­sterstelle in Triptis sind von 13 Personen die Herren Bloßei-Dermbach, Kirsten-Irchwitz und Jahreis-Zeven zur engeren Wahl gestellt worden. — Seit Wochen wurden viele Bewohner von Greiz durch anonyme Schmähbriefe schwer beleidigt. Nun ist es endlich gelungen, den gemeinen Briefschreiber zu entdecken, der darauf Selbstmord verübte.

ch. Höchst a. M., 22. Jan. 1913. Der Schiffs- und Eisenbahnverkehr gewinnt sür die Stadt eine von Jahr zu Jahr erhöhte Bedeutung. Auf dem Bahnhofe verkehrten im letzten Jahre täglich 241 Schnell-, Eil- und Personenzüge, 64 Güterzüge und 30 Lokomotivzüas. Zum Versand kamen 22418 Tonnen Stückgut; 20483 Tonnen gtnaen ein und 2124 Tonnen wurden umgeladen. 144 807 Tonnen Wagenladungen im Versand standen 314288 Tonnen im Empfang gegenüber. — WaS den Schiffsverkehr betrifft, so passierten 20 138 Schiffe die Stadt. Die Gesamt­ladungen zu Berg betrugen 2052 009 Tonnen und die zu" Tal 413681 Tonnen.

* Bad Nauheim, 23. Jan. 1913. Das Ehepaar Alibürgermeister Schmidt in Oppershausen feiert am 30. Januar I. I. seine diamantene Hochzeit.

* Mainz, 23. Jan. 1913. Zu dem Diebstahl des Mainzer Kaiserbechers, über den wir gestern schon berichteten, werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Die Diebe hatten ein Loch in die Mauer des städtischen Museums gebrochen und waren so ins Innere eingedrungen. Das Museum wird seit zwei Jahren restauriert und ist deshalb mit einem Bau­zaun umgeben. Durch diesen und die stürmische Nacht

f totales.

------------ Fulda, 24. Januar 1913.

wurde das allgemeine Ehrenzeichen hem Kirchenkassinmeister Hellwig zu Dillich, Streid Homberg, dem Schmiedemeister Schreiber zu Marjoß Kreis Schlüchtern und dem Auszügler Althainz zu Langenstein, Kreis Kirchhain, und das Verdienst- freuz in Silber dem Bürovorsteher Go edel in Kassel.

* Personalien. Dem Kreistierarzt Oelerich in Neuß ist die Kommiffarische Verwaltung der DepartementStterarztftelle in Kassel übertragen. — GerichtSaffessor Achter wurde von Gladenbach nach Marburg und Regierungslandmefler Becker von der Spttialkommission in Witzenhausen zum 1. April an die Spezialkommission in Eschwege versetzt.

Keflamationen auf Zurückstellung oder Be- frerung von der Aushebung zum Militärdienst müssen spätestens im Musterungstermin gestellt werden. Anträge, bte im Aushebungstermin angebracht sind, werden nur bann berücksichtigt, wenn die Veran­lassung zur Reklamation nach Beendigung des Musterungsgeschästs eintrat. Dies gilt auch dann, wenn zwei Brüder gleichzeitig dienen müssen.

----- Stiftung einer Kirche. Der Landesaus­schuß des Regierungsbezirks Kassel beschloß, so mel­det das Kasseler Tageblatt, aus Anlaß des Reqie- rungsjubiläums des Kaisers für die kommunalstan« dische Landesheilanstalt Marburg eine Kirche zu stiften. Als Kostenbettag ist die Summe von rund 50 000 Mk. vorgesehen tonten.

* Neuer Bezirkskonservator. Der Landcsausschuß hat das Entlassungsgesuch des Bezirkskonservators der Denkmäler im Regierungsbezirk, von Drach, zum 1. Cftobet 1913 angenommen und an seine Stelle de» Regierungsbaumeister Dr. Holtmeyer in Magdeburg zu wählen beschlossen.

D Die Ebender-Jagd im Elsaß. Nach einer uns zugestellten Meldung haben sich die gesuchten Gebrüder Ebender in ihre Heimat Oberelsaß zurückgezogen. Kürzlich erschien Wilhelm E. beim Bürgermeister in Orschweiler und bettelte diesen um Zigarrenstummel an. Als kurz darauf Gendarmen von Rappolts- weiler per Automobil erschienen, war Ebender bereits verschwunden. Späterhin wurde er an der Station St. Pitt gesehen, doch auch hier kamen die telephonisch herbeigerusenen Gendarmen zu spät. Einige Tage darauf wurde E. von einem Gastwirt aus Kestenholz erkannt. Indes war der Gesuchte auch hier wieder verschwunden, als Kriminalbeamte von Colmar ein» trafen. Verschiedentlich soll E. in Begleitung eines zweiten Zigeuners gesehen worden fein, mit dem et die Kleider wechselt. An der Station Herlisheim schrieb E. eine Postkarte an die Polizeibehörde in Colmar, baß der gesuchte Mörser E. sich z. Qt in Baden aufhalte. 80

J*J Strafkammer. Eine diebische Elster ist die drst 18jährige M. G. von H. Im Jahre 1911 war sie bei dem Kaufmann S. Str. tn Salzschlirf und spä­ter bei dessen Schwager dort als Dienstmädchen in Stellung, und entwendete dort an barem (Selbe ins­gesamt etwa 400 Mk., ferner größere Mengen Choco- lade, Zucker, Kerzen, Kattenspiele, Ansichtskarten eine Unterhose, 2 Paar Strümpfe, 6 Taschentücher und verschiedene andere Sachen. Das Geld brachte sie ihrer Mutter nach H. Diese stellte das Geld auf den Namen der Tochter Minna auf die Darlehnskafse in H- Einen Teil der gestohlenen Chokolade brachte die Diebin zu ihrer ebenfalls in Salzschlirf dienen- den Schwester M. Das gestohlene Geld ist zurück­erstattet worden. Der Staatsanwalt beantragte ge­gen die jugendliche Diebin sechs Monate Gefängnis, gegen deren Schwester M. wegen Hehlerei zwei Wo­chen und gegen die Mutter ebenfalls wegen Hehlerei vier Wochen Gefängnis. Das Urteil lautete gegen Minna G. unter Bewilligung mildernder Umstände aus vier Monate ©efängniS, gegen Mathilde G. we­gen Hehlerei auf 5 Tage Gefängnis: die Mitange­klagte Mutter wurde freigesprochen, da bei ihr die Hehlerei nicht erwiesen war.

, A Vom Museum. Die beiden Herren Kunstglaser Leinweber und Glasermeister Röder dahier haben sich freiwillig der großen Blühe unterzogen, das hier im Museum befindliche schadhafte Glasbild „Die büßende Magdalena" kostenlos ordnungsmäßig wieder instand zu setzen und im Oberlicht des Eingangs zum Mrpeum anzubringen. Der Magistrat hat den genannten Herren für ihr Interesse an der Museums­sache den besten Dank ausgesprochen.

X Von der Eisenbahn. Nachdem die Klassenbeteich- ;tmng durch die neu eingeführten Emailschilder sich ■gut bewährt hat, wird nach und nach mit dem ein­heitlichen Anstrich der Maschinen, Packwagen, Personenwagen u. s. w. begonnen. Die seitherigen braunen und grauen Anstriche der 3. bezw. 4. Klasse- roagen fallen weg. Alles erhält eine einheitliche grüne

Aus dem Nachdarg eblete.

x Magdlos, 23. Jan. 1913. Als am Sonntag der hiesige Kriegerverein die Vorfeier zum Kaisers- geburtstag im Saale des Gastwirts Jahn beging, drang gegen 11 Uhr ein junger Mann von hier, mit Revolver, Dolch und Schlagring aus- gerüstet, in den Saal und fing an, bte L ute mit seinen Waffen zu bedrohen. Er hatte jedoch nicht mit der Energie und Disziplin deS hiesigen Krieger­vereins gerechnet. Denn alsbald hatten einige kräftige Fäuste den gemeingefährlichen Gesellen gefaßt und an die Luft befördert.

k. Aus der Rh-n, 23. Jan. 1913. In Nr. 28 der Germania^ war folgender Abschnitt zu lesen:

In einem Teile des Bayernlandes ist noch hie und da die Unsitte der .Licht- oder Cpinnstuben" zu treffen. Dabei handelt eS sich bekanntlich um Häuser, in denen die Mädchen zur Arbeit an Winkertagen zusammen- kommen. Hierzu finden sich die Burschen ein — zur „geselligen Unterhaltung'. Leider ist schon feit langem bte Tatsache zu verzeichnen, daß bei diesen Zusammen­künften der jungen Leute beiderlei Geschlechts sehr bedenk­liche Unsitten emgenffen sind. Im Lause der Zeiten waren diese .©pinnftuben* wegen ihrer Auswüchse schon wtederholt verboten und eingeschränkt. Neuerdings wird über bie „©ptnnftubcn" berRhön und bie.Lichtstuben" des Frankenwaldes von Volks- und Jugendfreunden wieder ernsthaft Klage geführt. Einem fränkischen Blatte ging dieser Tage eine Zuschrift zu. die seststellt, daß an diesen Zusammenkünften sogar bie — sonntagSschulpflich- tige Jugend teilnimmt. (!) Im Interesse der Sittlichkeit auf dem Lande, bte sich nicht immer in anfsteigenber Linie bewegt, wirb es darum gut fei«, wenn die Auf- sichtsbehörden diesen „Spinn- und Lichtstuben" wiederum mehr Aufmerksamkeit schenken.

Es trifft dies auch für den preußischen Teil der Rhön vollstärtdig zu, ja, man ist hier noch weiter gegangen, als es anscheinend in Bayern der Fall ist, indem man hier die Arbeit beiseite läßt und oft den größten Teil der »Verlängerung des Abends" der „geselligen Unterhaltung" widmet. Im Interesse der Jugendpflege und der Sittlichkeit auf dem Lande wäre es darum wohl von großem Nutzen, wenn auch die preußischen Polizeibehörden gegen diese? Treiben energisch vorgehen würden.

* Offenbach, 22. Jan. 1913. Einen Beerdi- gungsskandal verursachte der sozialdemokratische Wahlverein im benachbarten Obertshausen. Infolge der fortwährenden Schmähungen und Spöttereien, denen katholische Geistliche bei Beerdigungen durch sozialdemokratische Reden und sonstige Dcmonstra- ttoneit ausgesetzt sind, verlangen die Geistlichen mit Recht das Fernbleiben von offiziellen sozialdemokrati­schen Vereinen mit Fahnen und Musik. In Oberts­hausen starb dieser Tage ein Genosse, der aber vor seinem Tode sich versehen ließ und gleichzeitig vor dem Pfarrer die Erklärung abgab, daß er aus der sozial- demokratischen Partei und deren Vereinen austrete. Da aber der Verstorbene ein Parteisührer war, be­fürchtete das Pfarramt mit Recht, daß die sozialdemo­kratische Partei eine besondere Kundgebung plane. Das Kreisamt hiervckn benachrichtigt, entsandte einen Gendarmen zur Aufrechterhaltung "der Ordnung und verbot die offizielle Teilnahme der roten Vereine mit Musik. An dieses Verbot störten sich natürlich die Sozialdemokraten nicht. Der Geistliche sah sich durch das herausfordernde Verhalten genötigt, dem Leichen» zug fern zu bleiben und die Einsegnung am Grab« später vorzunehmen. Gegen die bett. Vereine wurde ein Verfahren eingeleitet. Das sozialdemokratische Abendblatt benutzt den Anlaß zur neuen Schmähung der Religion und ihres Vertreters. Es spricht von „abergläubischen Jenseitsgedanken", von „gewaltsa- mem Abpressen" der Einwilligung des Toten zu des­sen Abmeldung aus dem sozialdemokratischen Verein. Der Pfarrer erflärt darauf, daß der Verstorbene ohne jede Beeinflussung aus der Partei ausgeschieden sei und seine Frau nach dem Tode sich protokollarisch vor dem Ortsbürgermeister die Beteiligung des Wahlver­eins verbat. Gegenüber den sonstigen Angriffen er»

geschützt gelang den Einbrechern ihr Werk. E' Polizeihund nahm die Spur nur dis kurz vor be1“ Gebäude auf, die weiteren Spuren waren durch de" Regen verwischt. Der Pokal ist etwa 40 Zentimeter hcch und hat einen Kun'wert von etwa 7000 Mark- während der Materialwert von 60—100 Mark ist. Er ist nach alten Zeichnungen des Malers Holbein von der Mainzer Firma Gastell verfertigt ut d von dieser der Stadt gestiftet.

• Wiesbaden, 23. Januar 1912. Der Briefträger Sooft von hier hatte einen Betrag von 50 Mark, den er zur Ablieferung erhalten hatte, für sich behalten und erst ein Vierteljahr später eingetragen. Weiter behielt er 35 und 150 Mark, fälschte die Quittungen und unterdrückte 2 Briefe und eine Postkarte. Wegen Urkundenfälschung, Unterschlagung und Untreue im Amte vor die Geschworenen gestellt, legte er em Ge­ständnis ab. Unter Zubilligung mt beruhet Umstände wurde er zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt.

• Limburg, 23. Jan. 1913. Im Eisenwerk in Staffel mochte ein Former aus und geriet mit dem Fuße in flüssiges Eisen.

♦ Vom Eichsseld, 23. Jan. 1913. Der 16jährige Sohn des Landwirts Goldmann in Seeburg (Kreis Duderstabt) trug einen scharf geladenen Revolver in der Hosentasche, um damit bei der Hochzeit von Ver­wandten Freudenschüsse abgeben zu können. Dieser schon oft gerügte Unfug hatte schlimme Fol- gen. Der Revolver entlud sich in der Tasche und zer­schoß dem Jüngling die Schlagader des rechten Ober­schenkels. — Der K r e i s t a g des Kreises Worbis sprach im Prinzip seine Bereitwilligkeit aus, daß der Kreis Worbis sich an der U e b e r l a n d z e n t r a l e „Südharz", G. m. b. H., in Bleicherode mit einer Anteilsumme von höchstens 50 000 M. beteilige. Eine Kommission wurde gewählt, die einen mit der lieber, londzentrale abzuschließenden Vertrag ausarbeiten soll. — Ueber die Besetzung des erledigten hiesigen königlichen Landratsamts beschloß der Kreis- tag, auf sein Vorschlagsrecht zu verzichten, sofern der komissarische Landrat, Regierungs-Assessor Bock von Wülfingen zum Landrat des Kreises Worbis ernannt wird.

* Aus Franken, 23. Jan. 1913. Die zweistöckige Scheune des Landwirts Schlauber in Sommerau ist plötzlich eingestürzt. Der Besitzer, welcher zufäl­lig aus dem Stalle kam, wurde von herabstürzenden Ziegeln am Kopfe erheblich verletzt und entging nur mit knapper Not dem Tode. — Der vor einiger Zeit verhaftete, aber wegen Selbstmordversuchs im Krankenhause in Alzenau untergebrachte Fahr­radmarder Kleemann ist nachts aus dem Kranken­hause entflohen. — In verschiedenen Orten des Be­zirks Marktheidenfeld grassiert eine Schwei- nekrankheit, an der gewöhnlich die Tiere verenden. Die Ursache der Krankheit ist noch nicht aufgeklärt. Einem Landwirt verendeten Schweine im Wette von über 1000 Mark in kurzer Zeit. — Die Erd- und Maurerarbeiten für die Böschungsmauer nebst Trep­penanlage und Gebäude am Brückendamm in Bad Kifsingen erhielt Baumeister Schick bei einem Angebot von 26 641,7 Mark.