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2. Blatt.

Vrock ber tfnlbaet <icileabr»(ierei in Kolba.

totales.

Fulda, 23. Januar 1913.

# Verliehen wurde dem Pfarrer Römhild in Steinau der Rote Adlerorden 4. Klaffe, dem Lehrer a. D. Heere zu Kassel der Adler der Inhaber des Hausordens Von Hohenzollern, dem Kaufmann Hei- mann und dem Stadtkämmerer Hufnagel Von Steinau das Verdienstkreuz in Silber, dem Bürgermeister Faust zu Geismar bei ^lantenfcerg und dem Kran­kenpfleger Weide zu Treisbach bei Marburg das All­gemeine Ehrenzeichen.

-T- GeschichtsVcrein. Die durch einen traurigen Fall in letzter Zeit im Fuldaer Land wieder aktuell gewordene Zigeunerfrage bildete gestern abend im Geschichtsverein den Stoff zu einem Vortrage des Herrn Rentners Dr. Siemens. Der Redner führte über das Zigeunerunwesen in den altfuldi- schen Landen folgende Gedanken aus: Die Zigeuner treten nachweislich zuerst im 9. Jahrhundert, in Deutschland seit dem 15. Jahrhundert auf. Die äl­teste Urkunde über ihr Auftreten im Fuldaer Lande stammt aus dem Jahre 1722, eine Strafverordnung, die ein scharfes Vorgehen der Behörden gegen das schädliche und liederliche Treiben dieser „Gauner" ankündigte. Doch trotz aller drakonischen Maß­regeln, war doch sogar für den dritten Betretungs­fall die Todesstrafe festgesetzt, wollte diese Landplage nicht verschwinden, sei es, weil die Verordnungen in der Praxis nicht scharf genug dnrchgeführt wurden, oder weil sie nicht überall erlassen wurden, obwohl für die Anzeige von Straftaten der Zigeuner Beloh­nungen ausgesetzt waren. In den folgenden Jah­ren erließ Fürstabt Wolf v. Dalberg neue Verord­nungen, die erkennen lassen, daß Unsicherheit und Diebereien mehr und mehr zunahmen. Auch geht daraus hervor, in wie starkem Maße das ganze Land durch die Wilddiebe mitgenommen wurde. Ordnung gab es trotzdem nicht, auch dann nicht, als sein Nach­folger Amand v. Buseck umfangreich: Poenalsank- tionen geaen „Zigeuner, Wilddiebe und Bettelgesin­del" erließ. Stets wird in den Verordnungen dar­über Klage geführt, daß die Beamten die Vorschriften nicht anwendeten. Schuld daran dürfte jedoch die große Unklarheit in den Parag-aphenhcmfen gewesen sein, infolgedessen die mit ihrer Ausübung Betrauten die Dinge ihren Gang laufen ließen. Alle früheren Verordnungen wurden nach der Unterzeichnung des Preßburger Friedens 1763 kurz und verschärft wie­derholt. Doch auch dies fruchtete nichts, so daß das folgende Jahr zwei neue Mandate sah. Die Zeit gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhun­derts bedeutet den Höhepunkt in dem Auftreten der „Gauner- und Zigeunerhorde". In Verordnungen der folgenden Jahre gegen das Bandenunwesen fehlt das Wort Zigeuner, dagegen nahm in den Kriegs­jahren das Vagabundenunwesen allgemein zu. Eine zu jener Zeit herausgegebene „Vagabundenlistc" in Buchform enthält auch ein Wörterbuch der Gauner­sprache, das zum großen Teil mit jüdisch-hebräischen Wörtern durchsetzt ist, ein Beweis dafür, daß die Juden stark unter den anfgefiihrten 1189 Vagabun­den vertreten waren. Eine Lösimq der Zigeuner- frcge hat jene Zeit trotz der schärfsten. Maßnahmen ebensowenia herhcigeführt wie die späteren Jahre. Was der Jetztzeit gelingen wird, bleibt abzuwarten. •— Anschließend an den Vortrag erwähnte der Refe­rent noch ein altes Fuldaer Haus, das unter dem Namen „zum großen Chnstoph" in einer alten Ur­kunde von Gangolf Hartung vom Jahre 1625 bei Gelegenheit eines Umbaues erwähnt wird. Dasselbe lag unter dem jetzigen Gymnasium und ist das Haus Schulstraße 22. — Herr Prof. Dr. Leimbach stattete dem Vortragenden fiir seine Ausführungen den Dank der Versammlung ah. Aus der Aussprache dürfte die Feststellung des Herrn Prof. Dr. Haas von In­teresse sein, daß die ortsübliche Bezeichnung Lin- semer (richtiger Lezemer) für herumziehende Must- kanten dem Jenisch, d. i. der Gaunersprache ent­stammt. In dieser bedeutet Lethsem Geige und Lethsame Musik.

tS Kanalbeiträge. Nachdem durch Urteil des Ober- oerwaltungsgerichtS das der Heranziehung zu Kanal­kostenbeiträgen zugrunde liegende Ortsrecht für un« giltig erklärt worden ist, mußte ein glimpflicher Aus­weg auS der nicht erfreulichen Lage gesucht werden. Von den Hausbesitzern sollte der vierte Teil der Bau­summe von 1526 OOO M., das sind 381 500 M., er­hoben werden. Davon sind bereits 290 456 M. ein­gezahlt worden. Es kamen nun drei Wege in Frage, wie die Kosten der Kanalisation zu decken wären: 1. Von Erhebung von Beiträgen wird abgesehen und die Kanalbaukoften durch Steuer uschläge gedeckt.

□ In eigener Schlinge.

Humoreske.

„Das soll ein Hauptspaß werden," sagte sich Herr Müller, indem er sich zum Aufbruch in seinem Ge­schäft rüstete „Anna wird sich nicht wenig ärgern, wenn ich ib> beweise, daß sie von keiner der Schwä­chen chres Geschlechtes frei ist." Dabei schnitt Herr Müller sorgfältig eine Notiz aus der Zeitung, eine ganz nebensächliche Notiz, deren Inhalt eine bedeu­tungsvolle Börsennachcicbt bildete, w-e er mit einem flüchtigen Blick darauf bemerkte. Dan» steckte er die Zeitung in die Tasche und begab sich schmunzelnd auf den Heimweg.

Herr Müller hatte nämlich irgendwo gelesen, daß eine Frau, die eine Zeitung in die Hand bekommt, in der zufällig ein Stück fehlt, nicht eher Ruhe habe, als bis sie das fehlende Stück gefunden und ihre Neu. gierde befriedigt habe. Dies wollte Herr Müller bei seiner Frau praktisch erproben und zu diesem Zwecke hatte er die Zeitung in der geschilderten Weise prä­pariert.

Nach Hause gekommen, begrüßte er sein Weibchen ganz besonders zärtlich, in der Hoffnung auf seinen zu ertvartenden Triumph. Und richtig, kaum war das Abendbrot vorüber, bemächtigte sich auch schon Frau Anna der wie gewöhnlich sorglos auf den Tisch geworfenen Zeitung und war alsbald eifrig in die Lektüre vertieft.

Nach Art ihrer Mitschwestern begann sie mit dem Roman, las dann Standesamtsnachnchten, nachher die Anzeigen und endlich den lokalen Teil.

Nicht lange, so zeigte sich auf Frau Annas Gesicht ein ärgerlicher Ausdruck, denn sie war an tue -ucke gekommen, die Herrn Müllers Taschenmesser her- vorgebracht hatte. Dieser rieb sich nut diabolischer Freude dis Hände unter dem Tisch, vermochte aber nichtsdestoweniger dem argwöhnischen Buck semer besseren Hälfte mit dem Ausdruck der unschuldigsten .Unwissenheit zu begegnen. .

! „Lieber Oskar," sagte plötzlich Frau Muller, die Leitung beiseite legend, „ich mache nur auf eine

Zuldaer Zeitung ♦ ***

Wollte man die für Verzinsung, Amortisation und laufende Betriebskosten jährlich notwendigen 104000 Mark auf die direkten Steuern schlagen, so würden sich indeffen, wie der Herr Oberbürgermeister schon in seinem Verwaltungsbericht mitteilte, diese um 30 bis 40 Prozent erhöhen. Das erscheint aber nicht ratsam, und auch der Bezirksausschuß würde sicherlich seine Genehmigung versagen. 2. Das einfachste wäre die Erhebung von Beiträgen, da etwa ’/« der Kanal­beiträge bereits eingezahlt sind. Der Magistrat wäre bereit gewesen, den minderbemittelten, im Rückstände befindlichen Hausbesitzern die Zahlung in Jahres­raten zu bewilligen. Es ist aber hierbei zu berück­sichtigen, daß viele Hausbesitzer nur unter Vorbehalt gezahlt haben, also eine Herauszaklung der Beiträge in Möglichkeit gezogen hätten. 3. Als bester Aus­weg erschien die Deckung der Kanalbaukosten durch Erhebung von Kanalbenutzungsgebühren. Wie im ersten Fälle müssen auch hier die bereits eingezahlten 290456 M. den Hausbesitzern wieder zurückgczahlt werden, ebenso müssen ihnen aus Billigkeitsgründen etwa 23000 M. Zinsen erstattet wrEs wären dann künftig insgesamt an Zinie ') Abträgen 73 200 M. jährlich aufzubringen. .e seitherigen Gebührensätze für die Benutzung ocr Kanalisation müßten hiernach um rund V* erhöht werden und zwar der Satz von 1,5 Proz. auf etwa 1,90 Proz., von 2 auf 2,50, von 2,5 auf 3,20, von 3 auf 3,75, von 3,375 auf 4,30 und von 3,75 Proz. auf 5 Proz. Der Magistrat hält, wie wir erfahren, den letzten Vorschlag für den geeignetsten.

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liefern wir nach den spannenden Roma«

„Zer Gras von Tarent"

an alle noch jetzt hinzutretende Bezieher der »Fuldaer Zeitung'. — Um Einsen­dung der Bestellquittung wird gebeten. In Fulda nehmen di« Zeitungs- trägermnen Bestellungen entgegen.

'S? Von der Post. Am Montag, dem Kaisers­geburtstag, sind die Schalter hier an der Post wie an Sonntagen, also vorm. von 8—9 und von 12—1 Uhr geöffnet. In der Stadt findet eine ein­malige Brief«, Paket- und Geldbestellung statt. Mit Rücksicht auf den vorhergehenden Sonntag werden auch die umliegenden Landorte einmal bestellt.

— Amtsbezeichnungen. Zufolge einer ministeriellen Verfügung ist den Landmessern der König!. General- Kommissionen nach Ablegung der zweiten Slaatsprü« jung die Amtsbezeichnung Regierungs-Landmesser ver­liehen worden. Durch einen gleichen Erlaß erhalten die Zeichner die Amtsbezeichnung VermessungS-Assi­stent, die Hilsszeichner die Amtsbezeichnung Bermes« sungs-Diätar.

ES Diebstahl? Ein Zigarrenkanfmann von hier erhielt am Dienstag ein Postpaket mit besserer Ware und stellte es auf die Theke. Als er abends das Pa­ket auspacken wollte, war es verschwunden. Ob eS aus Versehen oder absichtlich mitgenommen wurde, steht nicht genau fest. — Auf Sem Martr fmo gestern einer Händlerin aus dem Korb ein Pfund Butter und einem Bauersmann auf dem Wege von der Löhersgasse bis zum Muttcrhause der barmherzigen Schwestern vier Pfund Butter vom Wagen gestohlen worden.

I Operetten«Abend. Einen recht heitern Abend verschaffte gestern die Artilleriekapelle im Bürgervereinssaale den sehr zahlreichen Besuchern ihres vierten Abonnementskonzertes. Bei der Zu­sammensetzung des Programms halte eine glückliche Hand gewaltet, und eine Perlenkette einschmeichelnd, ster Operelten-Melodien, deren Schlußglied die große Revue von Feträs bildete, erfreute den stattlichen Kreis der Zuhörer. Das Publikum erkannte eS dankbar an, daß alle Nummern in pointenreichem Vortrage vom Orchester rargeboten wurden. Manche Zugaben waren der Lohn. Besonders eindrucksvoll spielte die Kapelle die Auslese aus der japanischen Operette »The Geisha", die sehr ansprechende Fantasie „International" von Necke und dm Melodienkranz aus Werken Waldteufels.

Ans dem Nachbargebiete.

rg Neuhof, 21. Jan. 1913 Eine musikalisch­theatralische Abendunterhaltung veranstaltete am Sonntag der hiesige kathol. Jünglingsverein. Schon ein Blick auf das Programm ließ einen genuß- reichen Abend erwarten. Wie der Präses des Ver­eins, Herr Kaplan Fiege, in seiner Begrüßungsan. spräche hervorhob, sollte die Veranstaltung mit Rück- sicht auf den bevorstehenden Geburtstag unseres Kaisers ein patriotisches Gepräge tragen. Er führte dann in überzeugender Weise aus, wie tm christlichen Jünglingsverein die Pflege der Religion und der wahren Vaterlandsliebe nicht bloß einträchtig Hand in Hand gehen, sondern wie auch die Religion die Voraussetzung und Grundlage für die Betätigung echter Vaterlandsliebe und Königstreue ist. Hieraus ergibt sich, wie Kirche und Staat immerdar ein leb­haftes Interesse an der Förderung der konfesiionellen Jugendfürsorge haben müssen. Dte konfessionellen Jugendvereine erziehen die Jugendlichen nicht bloß zu sittlich-religiös gefestigten Gliedern der Kirche, sondern auch zu treu ergebenen Söhnen des Staates, denen die Achtung auch der weltlichen Autorität hei­lig ist. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unfern Landesherrn schloß der Redner seine An­sprache. Eine besondere Weihe erhielt die Feier durch die musikalischen Darbietungen der Kapelle des dompfarrlichen Jünglingsvereins zu Fulda unter der bewährten Leitung des Herrn Bioneck. Den Mittel­punkt des Programms bildete die Aufführung des Körnerschen Trauerfpiels „Zrinh". Stellt dieses Stück schon an erwachsene und erprobte Spieler nicht geringe Anforderungen, so ist es für Jünglinge min­destens doppelt schwer, einer solchen Aufgabe in be­friedigender Weise sich zu entledigen. Und doch zeig­ten die Mitwirkenden großes Verständnis für die lebenswahre und eindrucksvolle Durchführung ihrer Rollen. Ungeteilter Beifall war darum auch die An­erkennung für ihre vorzüglichen Leistungen. Neben dem Ernste kam auch der Humor zur Geltung in der urkomischen Duoszene: „Leutnant Stramm und sein Bursche Lamm". Unser Jünglingsverein hat, wie Herr Dechant Bermoser in seinen Schlußworten dankend anerkannte, an diesem Tage wieder einen schönen Beweis seiner Leistungsfähigkeit erbracht. Vorstand und Mitglieder des Vereins können darum zu tatkräftiger Weiterarbeit nur dringend aufgemun­tert werden. Dazu ist aber unbedingt erforderlich, daß alle wahren Jugendfteunde und insbesondere auch die Eltern stets ein reges Verständnis für die Ziele der christl. Jugendpflege haben. „Jugend­pflege ist ernste Arbeit, aber auch lohnende Arbeit!"

d. Ans dem Vogelsberg, 22. Jan. 1913. Eine hier herrschende Unsitte ist das sogm. Freuden« schießen bei Hochzeiten, das häufig Unfälle zur Folge hat. Sie forderte auch dieses Jahr ihr Opfer, indem sich der Bräutigam am Vorabend seiner Hoch­zeit mit einem Revolver bei Abgabe eines „Freuden- schuffeS" die Hand durchschoß. Statt der Braut nahm ihn das Krankenhaus auf, und die Hochzeits­gäste kamen um den Hochzeitsschmaus. Es wäre Pflicht der Polizeibehörden, dafür ernstlich Sorge zu tragen, daß die ja berechtigte Hochzeitsfreude sich auf eine minder gefährliche Weise äußerte und daß gegen die „Freudenschießerei" energisch vorgrgangen würde.

* Aus der Rhön, 22. Jan. 1913. Heute herrschten in der Rhön heftige Schneewehen. DaS Thermo­meter verzeichnet —3 Grad R. Die Schneehöhe auf dem Kreuzberg beträgt 50 Ztm.

* Eschwege, 22. Jan. 1913. Der Ziegeleivorar- beitcr Mengel aus Harmuthsachsen, der bei einer Schlägerei einen Hieb mit einem Spaten auf den Kopf erhalten hatte, so daß die Schädeldecke gespalten wurde, ist biet im Landkrankenhause gestorben.

* Aus Thüringen, 22. Jan. 1913. Das Hotel zum Waldjcklößchen in Friedrichroda wurde zwangsweise für 51000 Mark verkauft. — Die Spar­kasse ‘in Greiz hat bisher 1715 Heimsparbüchsen ansgegeben. Diesen wurden im abgelaufenen Jahre 67 811 Mark entnommen gegen 62304 Mark im Vorjahre. — In der Nacht zum Sonntag wurde auf der Chaussee zwischen Münchenbernsdorf und. Neuen­sorga der Gcjchirrfüdrer Fsicher aus Zwötzen von seinem Wagen überfahren und getötet. Das Geschirr kam in Münchenbernsdorf führerlos an. — Der Ge­meinderat zu Bad Berka wählte eine Kommission, die eine Herabsetzung der Fleijchpreise anstreben soll. — In Altenburg fanden beim Spielen Kinder in einem Kanateinfall gegen 40 einzelne falsche Mark­stücke.

* Ans Frauken, 22. Jan. 1913. Als Mittäter an dem Raubmord Hellmann in Ebelsbach ist der ledige 22jährige Eisendreher Güßner von Wanvsbeck verhaftet worden. Währens Güßner in seiner Zelle

runde, und die dadurch hervorgerufene Szene be­reitete der sehr animierten Feier ein vorschnelles Ende. Der Arrangeur des Soupers, ein angesehener und bekannter Kausmann namens M. wird sich das Intermezzo wohl als Warnung dienen lasse«, denn auch er soll eine ebenso hübsche wie energische Frau besitzen, die bis letzt sicher noch keine Ahnung von den noblen Paffionen ihres Gemahls hatte."

Herr Müller ließ die Zeitung sinken und starrte nichts weniger als geistreich auf seine Frau Er fühlte sich schuldlos. Er hatte an dem gewissen Abend einen etwas länger dauernden Skat in seiner Stamm- kneipe gedroschen.

Daß er es aber auch verabsäumen mußte, dte an- dere Seite des herausgeschniistenen Zertungsstuckcs zu lesen. , ,

Nun mußte er Erklärungen machen, und er be­gann zu erklären und das Stubenmädchen erzählte der Köchin, daß Herr Müller noch immer erklärte, als sie des anderen Morgens das Frühstück seö-

man jedoch Frau Müller die nächste Woche in einem neuen Kleid ausgehen sah, gar nicht zu reden von einem Märchentraum von Hut, so kann man annchmen, daß Herrn Müllers Erklärungen angenommen wurden und ein zufriedenstellender Ausgleich zustande gekommen ist.

— Ein modernes Babel im Justizpalast in Paris: nicht weniger als 53 Dolmetscher und vereidigte Uebcrsetzer sind dort angestellt. Sie sprechen fol- aende Sprachen: deutsch, spanisch, katatonisch,. gali­zisch, englisch, italienisch, portugiesisch, rumänisch, rusiisch, serbisch, tschechisch, polnisch, bulgarisch, ser­bisch, kroatisch, flovenisch, altflovenisch, ungarisch, neu-' und altgriechisch, armenisch, holländisch, flä- misch, dänisch, schwedisch, lateinisch, holländisch, he­bräisch usw. wk-

— Erziehung. Mutter: „Fntzchen, komm' brav mit!" — Fritzcken: „Nee!" — Mutter: „Wie heißt e8?" — Fritzchen: „Nein!" — „Mutter: „So ist's artig!"

Minute mal einen Sprung zu Frau Schultze neben­an, ich bin gleich wieder zurück."

Herr Müller war entzückt über die gelungene List, und als seine Frau nach einer kurzen Zeit mit einer Zeitung in der Hand zurückkehrte, und sich bald dar­auf mit derselben ins Schlafzimmer begab, wollte er sich fast ausschütten vor Lachen über seine großartige Frauenkenntnis.

„Famoser Witz", murmelte er, vergnügt, „na, Anna wird Augen machen, wenn ich ihr das er­kläre."

Er rauchte noch seine Zigarre zik Ende, und wollte eben auch sein Schlafzimmer aufsuchen, als seine Frau mit Hut und Mantel zum Ausgehen gerüstet wieder im Zimmer erschien.

Als Herr Müller ihr Antlitz sah, fuhr chm ein un­bestimmter Schrecken tit die Glieder.

„Wo — wo gehst Du denn jetzt noch hin?" fragte er erstaunt. _

„Wohin ich gehe, fragst Du?" rief Frau Anna mit zornbebender Stimme, indem sie dicht an ihn herantrat, daß er einen Schritt zurückprallte. „Du willst wissen, wohin ich gehe, Du falsches, ungetreues, sittenloses, schändliches Ungeheuer? Ich gehe heim zu meiner Mama!"

„Wa — was fällt Dir denn ein? Was ist denn geschehen?"

„Haba! er fragt noch — diese Unverschämtheit geht dock zu weit. Da — da sieb her", schrie die er­boste Frau, indem sie auf eine Stelle in der Zeitimg wies, die sie ihm dann ins Gesicht warf,, „hast Du es nicht herausoeschnitten, um es vor mir zu ver­bergen? O, ich arme betrogene Frau, verkauft zu sein an solchen Wüstling." Und schluchzend siel Fran Müller auf einen Stuhl.

Müller sah, worauf ihre Fmger gedeutet hatten und las: „Eine unliebsame Unterbrechung fand ein intimes kleines Souper, das eine Anzahl Verehrer nach der gestrigen Vorstellung in einem Spezmlita- tenthcater‘den daselbst engagierten ersten Künstlerin­nen gab. Die Gattin eines Teilnehmers erschien nämlich ganz plötzlich und unerwartet bei der Tafel-

JVs 18.

Donnerstag 23. 3atmor 1915

Mroz, erteilt Die Genehmigung zur Verwendung von 942 Ml. Stammvermögensgelbern zur Errichtung eines I Volks- und Schulbades durch die Gemeinde H err« ' 5aufen wird unter der Bedingung erteilt, daß ^a» i Kapital mit 2 Proz. Wied-- ang-sammelt wird. Das

Ortsstatut der Gemeinde Wiesen selb, jetr. MS

:üfung choftS- L Dis tamm«

Amt Geisa tmö Umgebung.

-R- Geisa 22. Jan. 1913. Der Hofjuwelier LomS Koch in Franksurt a. M., dessen Vater vor vielen Jahren Arzt in Geisa war, hat der hiesigen schule sirr die Schüler-Bibliothek 60 Bücher rm Werte von 150 Mark und eine Anzahl Lehrmittel sm den physikalischen Unterricht in gleichem Werte ae .^em..

» Dermbach, 22. Jan. 1913. I« der Sitzung de, NeairkSausschusses des 4. Verwaltungsbezirkes, die hier stattfand, wurde dem Metzger Karl Ziegler in Geisa die nachgesuchte Konzession zum Betriebe einer £]!>■ mirHtfiafi erteilt Desgleichen wird die Konzession dem M-V lMreck in Ti efenort unter der Voraus- fpfeuna erteilt daß der Gemeinderat auch die Bedürfnis» L hinsichtlich der Gastwirtschaft bejaht. W-i «hin wird dem Oberkellner Hornung in snIda die Er.aub. „;a ,um Betriebe der Gastwirtschaft »Zum Enge, n G e?sa «tettt Auch dem Gesuch des B. Rauch m Birr um Konzession zum Betrieb- ber &cnuinbe{cqenle wirb ftir die Dauer des Pachtverhaltniftes stattgegeb-n Desgleichen dem Gesuche des F. Erb in Fohlritz. DaS OrtSstatut der Gemeinde S t a d t l e ng sf e l d, betr. die Ausführung des Stadtbauplanes und die Aiucgung der Straßen, Plätze nebst Kanalisation, soll vorbeha.tticy der von dem Referenten vorgeschlagencn Abandernngen -iur Bestätigung empfohlen werden. Das GegiH der evangelischen Schulgemeinde in Geisa um Aebernahme der gesamten ber Gemeinbe entstandenen Lehrerstell- vertreiimgskosten auf bie Staatskasse wirb au8 den m dem Unterstützungsgesuch angegebenen Gründen befür­wortet. Auf das Gesuch der Schulgemeinde D'-dors um Unterstützung zu den Kosten des Umbaues d-r Schu.- aborte beschließt der Bezirksausschuß. be'mStaatsmm. stcrium eine Unterstützung m Hohe von L00 Mk zu be­fürworten. Der Nachtrag zmn Ortsstatut ber Fortbil- dungsschule in Dermbach wirb zur Bestätigung em­pfohlen. Die Gewährung einer Vergütung an bie Steuer- schätzer in Spahl wirb als nicht zulchstg erklärt und ber betreffende Gemeinberatsbeschluß.aufgehoben, lieber die Wicderbeiziehung der vom Bezirksausschuß s. Zt. beanstandeten, im Jahre 1910 aus der Gemembekal e in Dorndorf gezahlten ^uschuftesvon 100 Mk. zur Bullenhaltung sollen weitere Ermittlungen ang-ftell w-rden» auch darüber, wozu die dem Bullenhalter int %ibre 1911 neu bewilligten 200 Mk. Verwendung ge- fundcn baben. Dem Bezirksdirektor wird die Ermack> tianna erteilt, in dringenden Fallen Unterstützungen an» der Kaltennordheimer Amtsarmenkafte zu be­willigen. Die Genehmigung zur Aufnahme eines Dar- lebns von 15 000 Mk. durch die Stadtgemeinde Vacha -»ur Bestreitung der Kosten ber Wasscrleiings-rweit^ rung wird unter Festsetzung einer Tilgungsrente von 2

SLabenlaufen ber Gänse. Enten unb Hübner, wirb zur Bestätigung empfohlen. Zu dem abgeschloftencn Vertrag Über ben Verkauf ber der Gemeinde Unterdreiz» bach ßt hörigen Fiicherei-Gerechtsame an die Gcwer», schafr „Sachsen-Weimar" daselbst wird die Zustimmung unter ber Bedingung erteilt, daß der Kaufpreis von 20000 Mk. zum Stammvermögen der Gemeinbe angewgl wi'b. Zu ber B-solbungsregelung ber Bürgermeister ber größeren Orte des Bezirks wirb eine Kommii gon eingesetzt, welche die Angelegenheit prüfen und dem Be« zirksauSschutz Vorschläge unterbreiten ivll. Vorher tei­len noch bie Gemeinben unb auch bie Bürgermeister ge­hört werden. Auf die Beschwerde des Ob-ramisricht-r« Dr. Waltersdorf in Ostheim wird bie Erhebung be» WasserzivseS auf Grunb eines Regulativsals sig bezw. als richtig erklärt, im übrigen sollen zunacyfr di- in dem Tarif festgesetzten ^atze einei

■ unterzogen werden. Der ausgestellte plan der Gemeinde Dorndorf wird gen. Genehmigung zur Verwendung von 700 w.k. vermögenSgeldem durch die Gemeinde Wenigentaft

' zum Grundcrwerb für neu gebaute «trahen wird unter , der Bedingung erteilt, bay da» Kapital nut 3 Proz. trie­bet angesammelt wirb, x-cm Dr. Steer m V o f e t $• häufen wird gestattet, ein Sanatorium für keuch. buste..kranke Personen einzurichten. Zu der uuentg-lt. lichen Abtretung bcS Bauplatzes zur Errichtung e.nel

. Dienünu bnaebäudes an die Preutz. Eiseichahnverwaltuna

beständig weint, bleibt Kalbert kalt. — Ber Main­aschaff soll eine Zementwarenjabrik größeren Stil, errichtet roetben. Die Fabrikation dürste hauptsächlich in der Herstellung von Zementröhren, Trottoirplacten, Randsteinen u. a. bestehen. — Aus Antrag des kalh. Frauenbundes beschloß der Magistrat in Würzburg, den Schiebetanz, der ein Auswuchs des amerilanische» Two Sreep ist, aus Gründen der Woh anständigleit nach den Beispielen von Aiünchen und Bamberg bei allen offenllichen Tanzveranstaltungen zu verbieten.

Thüringer Kacholikentag.

X Jena, 21. Jan. 1913. Die Katholiken ber Thür. Diaspora haben das Bedürfnis, sich jährlich einmal zufarnmenzufinden, um dadurch einen festeren Zusammenschluß herbeizusühren und sich mit neuem Glaubensmute zu erfüllen. Die starke Industrie Thü- ringens aber hat uns jedes Jahr neuen Zuzug von Glaubensbrüdern gebracht, sodaß auch unsere Katho- likentage von Jahr zu Jahr gewachsen sind. AuS diesem Grunde hat man vor Jahresfrist eine Orga­nisation geschaffen, die einer guten Förderung und weiteren Ausgestaltung unserer beliebten Katholiken­tage dienen soll. Diese Organisation besitzen wir nun« mehr im Zentralkomitee mit dem Sitz in Jena und dem Ausschuß, dem die SeelsorgSgeistlichen und kath. Vereine Thüringens angehören. Durch diele Orga­nisation ruhen unsere Veranstaltungen aus sicherer Basis da die Vorbereitungen in den Händen des Zen­tral- und Lokalkomitees liegen. Aber auch Fchler und Mängel, die sich bei einer Veranstaltung heraus, stellten, werden beseittgt und zugleich neue Id«n unb neue Pläne besprochen und Praktisch durchgefuhtt. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist endlich auch die finanzielle Fundierung uns«« Organisation, da nunmehr ein Reservefonds geschaffen ist, aus dem der sestgebenden Gemeinde Zuschüsse geleistet werden kon- mn Unter dem Vorsitze des Herrn Pfarrers Ley fand am Sonntag in Jena die Ausschuß- itzung statt, die statutengemäß 'm Monat Ja­nuar gehalten werden soll. Neben dm Nachbargeist­lichen waren die Delegierten der angeschlosienen Ver. eine vertreten. Die Gegenstände Mr Beratung waren von weittragender Bedeutung. Dre Statuten wur­den erweitert bezw. umgearbeitet und emegroße Zahl von Anträgen durchberaten und zur Abstimmung ge* bracht. Besonders interessant war der Bericht des Herrn Pfarrers Erb über den Katholikentag rn Apolda/Obwohl Apolda sehr schwer mü der Bahn m erreichen ist, so sei doch die Beteiligung von allen S<I« WÜ-lz 8T«6 »-W-I-N. Di. »-MV T--.M» habe einen erhebenden Verlauf genommen. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Diskusswn an, m der noch verschiedene Richtlinien und praktische Winke für die künftigen Tagungen gegeben wurden Zum Schlüsse gab der Vorsitzende bekannt, daß der diesjährige thüringische Katholikentag anfangs Juni in Jena gelegentlich der Fahnenweihe des hiesigen kathol. Arbeitervereins slaiftlnden wird.