Fuldaer Zeitung
Erschein» Mgttd) mtt kumahme der Sonn- und Seiertoge. ü'.ertet- tkhrNcher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda fomle auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsöru* und Verlag der 8 - Zuldaer flctienöruckerei in Zulda. Zernsprecher Nr. 9. ::
~ - wochm-veNage» s s | s s iTTonots-Beilage: 2 s Illustrierte Sonntagszeifung | Zuldaer SefchichtsblLtter s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Cotterie. — tzaldjShrllch TaschenfahrpllM. s
flnjefgfflt Ber Kaum edier ehtfpofflgen CMonencnc, ir mm brdt taflet 11 Ölte. Reklamen: Ker Raum einer Coloneheile, 74 mm breit, taflet 40 Pfg. B» Wteberholungen Rabatt $0r Offert- und Auskunft emdem 20 Df, eJtrk 3a Konkursfallen wirt der bewmiot, Rabatt blnteillg. CrfOllunpsort fOr da, entlegen oon Sorterungen Ist Zulda. Anjeigen-flnnabme Ms JO Uhr eormUtaes. “ u Sritzere Anzeigen erbitten wir ans tags vorher, n x
Nr. lS. Erstes Blatt.
I——............HIWI —w
Donnerstag den 23. Januar 1913.
40. Jahrgang.
Der Gras von Tarent.
[’S] Roman in 8 Bänden von F. Steinkirchner
»Ist Dein« Mutter wieder Jüdin geworden?" isragte der Graf.
„Niemals! Baruch bat und flehte, er drohte sie > verstoßen, alles vergeben». Sie blieb Christin und starb als solche. Als dre Mutter dem Ende nahe war, Hab sie mir die- Kreuz, das teuerste Andenken, das ich von chr hab«." Eie zog unter dem Kleid« eia kleine- goldenes Kreuz hervor und führt« e» an die Lippen. »Nach chrem Tode," fuhr das Mädchen fort, „nennte wich Baruch Lea, doch via ich getauft auf den Namen Maria und der alt« Mann, der mrr ein zärtlicher Baier ist wird einst die Augen schließen, ohne seinen sehnlichsten Wunsch, mich den Töchtern J-rael- ein. gereiht zu scheu, erfüllt zu ichrn?
t „Wie lange lebte Tein« Mutter hier auf dieser Ansei mit Dir?" fragte der Graf.
„Neun Jahre," lautete die Antwort. „Die ganz« Seit hindurch verließ sie diesen Matz nicht bi- der ngel de- Todes ihr die Hand auf» Haupt legte."
Fort und fort gossen sich die Wassermassen in un. geheuren Mengen hernieder, dazu heulte der Sturm, leuchteten die Blitze und knatterte der Donner. Drüben erlosch der letzte Feuerschein, das Dunkel der Nacht brach herein.
„Wann ist Dir die Mutter gestorben, Maria?" »Fünf Jahre sind seitdem gekommen und gegangen."
Er erschrak. „Und die fünf Jahre hindurch bist Du hier allein, Kind?" fragte er. „Du hast keine an- bete Gesellschaft, als die Deiner früheren Amme?
„Doch, Herr! Die Mutter besucht mich in der Nacht, oder ich komme zu der Stelle, wo sie begraben liegt. Dann sprechen wir zusammen wie tn vergangenen Tagöst, da sie lebte. Vater Baruch glaubt nicht daran und schilt mich der vermeintlichen Hirngespinste halber, aber ich weiß es besser. Er getraute nicht, mich aufs feste Land hinüber zu nehmen, er memt, ich Pasie nicht unter die Menschen nut meinen Ansichten und Phantasien, aber er liebt mich, wie em
Deutscher Reichstag,
Sitzung vom 22. Januar 1918.
■srtdftlent Dr. Kämpf erhält die Ermächtigung, dem Kaiser zu seinem Geburtstage die Glückwünsche des Hauses zu überbringen.
Die zweite Beratung des
Etat» de» Reichsamts de» Innern
wird fortgesetzt. Zunächst wird über die Resolutio- nett, die zum Teil noch aus dem vorigen Jahre starn. men, abgestimmt. ES liegen zunächst 53 Resolutionen zur Abstimmung vor, von denen die meisten, soweit sie von den bürgerlichen Parteien beantragt sind, angenommen werden. Abgelehnt werden nur einige von den Sozialdemokraten und Polen beantragte Resolutionen, die für den Achtstundentag, den Ausbau deS Arbeiter. sckwtzeS in der Großindustrie, in den Zink» und Eisenhütten, auf Einführung eines Reichsberggesetzes, Einsetzung einer Reichsbehörde zur Untersuchung von Berg, bauunfällen, eine cbligatorische Viehversicherung usw. hinzielen. In mehrfacher Hinsicht find indessen die die gleichen Gegenstände betreffenden Resolutionen der bür» gerüchen Parteien angenommen worden. Bei der Abstimmung über die Resolution der Polen auf Förderung von Versuchen mit künstlichem Regen bleibt die Abstimmung zweifelhaft. ES muß Hammelsprung statt, finden. Dafür stimmen 171 und dagegen 153 Abgeord. inete. Die Resolution ist somit angenommen. In der »-eiteren Abstimmung wird die Resolution auf Verbot der Naturverschandelung durch Plakat- und Bretterrcklame angenommen. Abgelehnt werden die Re. £ lut jenen betreffend daS Verbot der Schaustellung von ngehörigen fremder Rassen, bett, ein ReichSamt für die deutsche Sprache und betr. die Verwendung nicht- deutscher GescbäftSbezeichnungen. Angenommen werden Resolutionen de» Zentrums betr. Vorlegung eine» Gesetzentwurfs Über Schutz und Ausbau deS KoalitionS- rechtes, Regelung der Arbeitszeit in der Großeisenindu» strie. besondere Beamten für die Baukontrolle, Verordnungen zum Schutze der Bauarbeiter, einheitliche reich», gesetzliche Regelung de» Bergrechtes, Regelung der Ver- hälinisse der Pridatbeamten und technischen Angestellten betr. Koalitionsfreiheit, StandeSvertretung, Ein. schränkung der Konkurrenzklausel, wirksamerer Schutz der in Betrieben der straßenbahnbeschäftigten Personen in Bezug auf Arbeitszeit, Sonntagsruhe, Strafbeschrän- htng usw., ReichStheatergeseh, Trustgesetz usw.
Sodann wird die Resolution der Konservativen betr. Berbot de» Streikposten stehen» in namentlicher Abstimmung mit 282 gegen 52 Stimmen bei Stimm. mtHaltungen abgelehnt.
Hierauf wird
di« Beratung über den Etat
fortgesetzt unb zwar beim Titel Beitrag für die Zentral- stelle für Volkswohlfahrt.
Wbg. Schulz-Erfurt (Soz.): Unsere Jugendbewegung schikaniert man, die bürgerliche aber fordert man auf jede Weise, die darf auch Politik treiben. Man erzieht die Jugend geradezu zum Chauvinismus. Schuld an diesem Vorgehen trägt in erster Linie die Zentralstelle für Volkkwchlfahrt. Die Unterstützung der Zentralstelle als Vorkämpferin der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie lehnen wir ab.
_ Abg. Prinz Schönaich-Caralath (natL) verteidigt di« Tätigkeit der Zentralstelle für Volkswohlfahrt. Die Sozialdemokratie soll sich doch nicht Wundern, wenn die bürgerliche Gesellschaft ihrerseits eine Jugendbewegung in» Leben ruft Die bürgerliche Gesellschaft muß dafür sorgen, daß gegenüber dem sozialdemokratischen Kampfe der Jugend Vaterlandsliebe und patriotischer Sinn erhalten bleibe. Die Soldatenspielerei wird auch von vielen Seiten der bürgerlichen Gesellschaft verurteilt, aber ein gewisser militärischer Sinn mutz un» erhalten bleiben.
Abg, Pieper (Z.) erklärt, daß er selbst al» Vorstands- mitgied und Referent in der Zentralstelle eine besondere Bekämpfung der Sozialdemokratie niemals geftinden habe. Eine gelegentliche Bemerkung gegen die Sozial- denwkratie sei selbstverständlich gefallen. Die bürgerliche Jugendbewegung schließe sich keiner bestimmten politi- schon Partei an, sondern sei entweder auf konfessionellem Boden, oder humanitärem Boden entstanden. Jedenfalls könne die Regierung Zuschüsse nur einer fflewe» »geben, die auf dem Boden der bestehenden Gesell- ordnvng stehe.
UnterstaotSsekretär Richter: Die Zentralsialle ist keine staatliche, sondern eine private Anstalt. Im Beirat sitzen Mitglieder aller bürgerlichen Parteien.
Abg. Bruckhoff (Hip.): Da die Sozialdemokratie un- fern Jugend un8 abspenstig machen will, müssen wir uns wehrem Wir wenden uns gegen die sozialdemokratische Jugendbewegung, weil sie systematisch darauf hinarbei- tet, die nationale Einheit zu zerstören.
Abg. Davidsohn (Soz.) verweigert für solche Zwecke Geld aus Reichsmitteln.
Abg. Dr. Bell (Zentr.): Die Debatte hat ein erfreuliches Ergebnis gehabt. Es hat sich hier ein Feld gegeigt, auf dem alle bürgerlichen Parteien sich zusammen» schließen gegen die Sozialdemokratie. Selbstverständlich kann man mit denen zusammenarbeiten, die gemeinsam ein Hau» bauen wollen, nicht aber mit solchen, die ein Gebäude Niederreißen wollen. Die sozialdemokratische Jugendbewegung ist eine parteipolitische Organisation; ihre Leitsätze und die Heufeerungen ihres verstorbenen Führers Singer bestätigen da».
Es folgt oer Titel .Belastung de» Reiche» au» den auf Grund der Reichsversicherungsordnung zu gewährenden Leistungen". Die Leistungen der ReichSversiche» rm.gSordnung kosten dem Reiche 57 120 000 Mk. Eine Resolution der Budgetkommission fordert neue Berechnungen über die Kosten der Hinterbliebenenversorgung. Sollte sich ergeben, daß höhere Renten gezahlt werden können, so soll dem Reichstag schleunigst eine neue Vorlage gemacht werden.
Abg. M-lkenbuhr (Soz) sucht mit reichem Zahlen, material nachzuweisen, daß dre Renten ganz unzuläng. lich find. Man sammelt gewaltige Kapitalien an. Unsere Witwen und Waisen werden auf diese Weise einmal Die reichsten Leute der Welt fein. Aber hungern und verhungern werden sie dabei.
Ministerialdirektor Caspar: Di« Berechmmgen de» Abg. Molkenbuhr treffen nicht zu. Die Witwenrenten sind im letzten Jahre von 92 im ersten, auf 1800 im letzten Vierteljahre gestiegen. Hierzu kommt noch, datz der Anspruch der Rente noch im Zeitraum von zwei Jahren nachträglich geltend gemacht werden kann. Im vorigen Iah« sind außerdem angemeldet worden 400 Witwenrenten und 14 000 Waisenrenten.
Abg. Grthein (Vp.) weist die Angriffe de» Professor» Bernhardt in feiner Schrift:" Unerwünschte Folgen der Sozialpolitik" auf die Wirkungen unserer sozialpolitischen Gesetzgebungen zurück.
Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Bernhardsch« Schrift ist bereit» durch einen Vortrag de» Präsidenten des ReichSvcrsicherungSamt» und auch durch die Literatur widerleg: worden. Auch ein Antrag des Abg. Pieper beschäftigt sich mit der Darin gegebenen Anregung und verlangt, daß die Regierung die Wirkung unserer fo- zialpolitifchen Versicherung eingehend studiere. Ich kann versichern, dafe wir nicht stillgestanden find hin. sichltich de» ScbutzeS von Leben und Gesundheit unserer Versicherten. Ich werde die auf diesem Gebiete gelten» den Bestimmungen demnächst zusammenfassen lassen.
Abg. GieSbeet» (Zentr.) bittet im Hinblick auf die Unzulänglichkeit der Wahrscheinlichkeitswerte der Insa, liden und Hinterbliebeneiwerficherung, die auf einer Statistik von 1882 beruhen, gern ätz dem ZentrumSkom» mifsionrontrage, diese einer neuen Prüfung zu unterziehen. Im $ntereffe der deutschen Arbeiterversicherumg mutz den Unrichtigkeiten de» Herrn Prof. Bernhard entgegen gearbeitet werden. Prof. Bernhard macht mit einer Klique von Scharfmachern Front gegen unsere Arbeiterschutzgesetzgebung, auch i m AuSlande. Dieser Strömung müssen wir auf die Finger sehen. (Beifall im Zentrum.)
Aba. Becker-Arnsberg (Zentr.): Die Broschüre de» Prof. Birnhard kommt zu falschen Schlüssen; selbstverständlich hat jedermann da» Recht, den Verlust seiner Arbeitsfähigkeit so hoch al» möglich einzuschätzen. Bernhard würde sie für sich wahrscheinlich höher einschätzen, al» wir e» tun. E» ist aber nicht berechtigt, der deutschen Arbeiterschaft ganz allgemein Rentensucht vorzuwerfen. Selbst eir Teil der Industrie, die nicht unter der Herrschaft vor beftimmten Gewaltmenschen steht, würde mit dieser Tendenzbroschüre nicht einverstanden sein.
Der Titel wird bewilligt und bte Kommission-reso- lution angenommen.
Deittrveratung Donnerstag. Der Präsident stellt eine Abendsitzung in Aussicht.
M
Vater fein Kind. Aber bald werde ich diese Stätt« verlassen —"
,^8ald? Wohin willst Du beim gehen?"
„Mit Euch werde ich gehen, Herr! Die Mutter hat e» mir gesagt, Ihr würdet bald zurückkehren zu mir, um mich zu holen und ich sollt« Euch folgen. . . ."
Tarent erschrak.
„Sonderbares Wesen, ich fürcht«, Du täuschest Dich," sagte er. „Fast bi» ich der Meinung DeineS Pflegevaters und glaube, daß wirre Bilder sich Dei- ne- Geistes bemächtigt hoben. Zwischen mir und Dir besteht eine Schranke."
„Ich weiß, Ihr seid «in großer Herr, wenn Ihr auch gekommen seid m der Kleidung eine» Geringe», ich aber bin nur ein unbedeutende- Mädchen."
„ES ist nicht da- — etwa- andere- steht zwischen Dir und mir."
Die Blinde löste ihre Hand au- der seinen unb erhob sich. Im Zwielicht, zwischen Abend und Nacht, konnte er erkennen, wie sich in ihre» lieblichen Zügen plötzlich ein« ungeheure Angst auSdrückte, als sie vor ihm stand und auf ihn starrte, als könnten die blinden Augen ihm auf den Grund des Herzen- schauen.
„ES ist nicht das? Was sonst, Herr?"
Er kämpfte mit sich, der Anblick des wundersamen Wesen» mit dem unverkennbaren Ausdruck« der tiefften Angst, erschütterte ihn. Er konnte «S nicht über sich gewinnen, ihr die Wahrheit zu sage» Er hatte ein Gefühl, als hindere ihn eine unsichtbare Macht. _ .
Er antwortete auf die Frage nicht und schwieg.
Nun glaubte er einen leisen, schluchzenden Ton aus ihrem Munde zu hören. Er konnte erkennen, wie sie erbebte vor Qual und die beiden Sande aus« Herz drückte. Dann kamen die Worte, die ihn der- wirrten, betäubten: _ . „
„Herr, findet Ihr keinen Gefallen an mir? Liebt Ihr — mich — nicht?"
Nun war eS vorüber, mit aller Willenskraft, bte Kraft des Denkens, die kalte Vernunft schwand tote ein Atom — ein Sehnen nach Liebe und Liebesglück überkam den starken Mann — lein Herr häm
merte, die Pulse klopften — er breitete die Arme au» und zog die Herrliche an sich und sie ließ es geschehen und schlang jubelnd, lachend und weinend zugleich, die Arme um seinen Nacken “ bann fanben sich bie Lippen und küßten sich —,
„Maria, Du Liebliche, ich Rebe Dich, ich liebe Dich!" tief er laut.
Schulter an Schulter saßen zwei glückliche Men. Ksinder auf dem Felsgestein, sie sprachen kein« ie, die Hände lagen vereint ineinander.
Da» abziehende Gewitter sandte den letzten Blitz hernieder. Beim fahlen Schein« desselben sah Tarent drüben» über dem MeereSarm, das Schloß seiner Batet, in dem eine andere lebte, eine andere, deren Lippen er einst geküßt hatte —.
„Gott hn Himmel, füge alles zum Besten!" betete er leise. —
Sie saßen noch lange wortlos in dem Reinen Fel. senraume. Der Sturm hatte sich verzogen, bie My- tiaben von goldenen Sternen erglänzten am tief, blauen Firmament, bet bleiche Schein de» Monde- drang in die Höhle, unten wogte das nimmer rastend« Meer auf und nieder.
Vom Tal herauf aus den Zweigen der Tamarinde erfiang der erste Sang der Nachtigall.
Preußischer Landtag.
"", p. Abgeordnetenhaus.
Sitzung vorn 22. Januar 1918.
Dl« zweite Beratung des Landwirtschaftsetat» wird beim TU«! Ministergehalt fortge>etzl.
«dg. Heine (noiL) begrübt bte Mehrforverungen im Landw rtschaftsetat.ist gegenAashedung oderAdschwächung des § 12, de- FleilchbeschaugefetzeS und für eine Verminderung der Zuckersteuer.
Abg. Johannffen (freitonf.) ist gegen Aushebung der Futterrnttlelzölle und Abänderung des 8 12 deS Fleisch, beschaugesetzes.
Abg. Dr. Pachnicke (VolkSp.) ist für Hebung der Mebzucht und verlangt Ermäßigung ober Aushebung der Futtermittelzölle.
Landwirt! chaftSminister Freiherr v. Schorlemer: Durch die Maßnahmen der Etaatsregierung zur Eileich« lerung der Fleischeinsuhr find die Fleisch preise zum großen Teil zum Stillstand gekommen unb tn einer Reihe von Städten zurückgegangen. Eine Au», behnung der Erleichterungen der Fleischeinfuhr di» zum 1. April 1914 habe ich nicht zugesagt. Eine bauernde Besserung erwarten wir nur von der Vermehrung derinlänbischenFleischproduktion. Langiritzige Verträge bet Stähle mit ben landwirtschaftlichen Genossenschaften würben zur Erzielung von normalen unb stabilen Preisen beitragen. Eine Hebung bet heimischen Viehzucht mutz auch burch die Bekämpfung her Seuchen gefördert werden. Die Beseitigung der Futtermittelzöll« liegt nicht im landwirtschaftlichen Interesse. Eine Ermäßigung dieser Zölle würde lediglich dem Handel zugute kommen. Ich werde stet- im Jnterefie unserer Landwirtschaft an unserer bewährten Wirtschaftspolitik sesthalten. (Lebh Beifall recht».)
Abg. Seiner« iSoz.) tritt für eine Förderung de» ländlichen Fortbildungsschulwesens ein. Wer die Forderung de» ZentrumSredner», bte Religion in btefe Schulen auszunehmen, müsse er zurückweisen. Die Aushebung der Maßnahmen zur Minberung der Fleisch, not zum 1. April bflrfe nicht stattfinden. Die Futter» miltelzölle müsien nnbebingt beseitigt werden.
Abg. Jantz (!.): Die Verschuldung de» länd» lichen Grundbesitze» hat an sich noch keine all- zu bedenkliche Höhe erreicht, aber sehr ungünstig wirkt die Verschuldung, die beim Besitzwechsel im Erbgang entsteht. Wir haben e» bereit» mit einem vollständigen Verschwinden be» alten, langangesessenen fflau. ernstande» zu tun. An der Verschuldung haben alle Parteien ein Interesse. Grund und Boden sind Eigentum der ganzen Nation. (Sehr richtig b. d. Soz.) Die Kämpfe aller Völker geben um den Besitz von Bo- den. In Preußen müssen sährlich 120 Besitzer ihren Be. sitz veräußern. Durch eine Amortisation mit Staat». Hilfe würde mindesten» der zehnte Teil zu retten fein. Die Regierung sollte alle» tun, um die ländlichen Be» fitzer an der Scholle festzuhalten. (Beifall rechts.)
Abg. Graf Spee: Die landwirtschaftlichen Verbände find den Städten auf» Möglichste entgegengekommen, so hat die Landwirtschaftskammer von Westfalen bte Schweine unter 50 Mk. zu liefern, den Großstädten angeboten, ohne daß diese darauf eingegangen find E» ist unerhört, dafe man in den maßgebenden Kreisen der Großstädte so wenig Verständnis für die Produkttonskosten der Landwirtschaft hat. Die Landwirtschaft wird durch die Wirkungen der Industrie an. dauernd schwer geschädigt. Auch die Belastung der Land, wirffchast auf steuerlichem Gebiete ist zum größten Teil auf Jndustrieeinwtrkungen zurückzuführen. Trotzdem ist die Landwirtschaft bei der meischteuerungSaktion bis an bie äußersten Grenzen beS Möglichen gegangen, während die Stegiernug versagt hat. Mit der steuerlichen Belastung des Grundbesitzes, die die Haupt, schuld an der Kreditnot trägt, muß Halt gemacht werden. Am schlimmsten wirkt die Steuer nach dem gern einen Wert, die auf ganz willkürlichen Schätzungen be» ruht. E» muß eine andere Bonitierung de» Grund und DodenS erfolgen. Die Bodenreformer besorgen mit ihren Bestrebungen nur die Geschäfte der Sozialdemo, kratt-, darum möge der Minister nicht achtlos daran vorübergehen. E» muß endlich einmal offen auSgespro- chrn werden, dafe die fflobenreformer nicht» al» sozial» demokratische Ziele verfolgen. Videant consule»! (Bei. fall hn Zentrum.)
DcnnerSiag: Weiterberatung.
„Äotmn, Maria, Du Traute, die Nacht ist her- eingebrochen," sagte er. „Latz uns zurückkehre» nach dem Hause. ..."
Sie erhob sich mft ihm, beide fliegen nieder zum Tale und keiner sprach ein Wort. Bor dem Hause angelangt, blieb Tarent Plötzlich stehen.
„Maria, unsere Herzen haben sich gefunden," sagt« er „wir haben einander geküßt. Wifie deshalb, ehe ich eintrete in Dein Haus, daß eine Unwürdige meinen Namen trägt. So lange sie lebt, können wir nimmer vereint feilt."
„Tretet ein, Herr," entgegnete sie mtt zitternder Stimme.
Die Blinde neigte demütig das Haupt. „Habt Dank für die Wahrheit, vertrauet auf Maria, toi* sie
Deutsches Reich.
[t Berlin, 22. Jan. 1918. Der Kaiser hielt am Dienstag abend im Rittersaals des Königlichen Schloffes bie diesjährige Defiliercour für die Herren vom Militär. — Der Soifer hat nach Berliner Blättern ein sehr herzliches Handschreiben an ben bisherigen Generalinspekleur der Verkehrstruppen, General der Infanterie Frhrn. v. Lyncker gerichtet, in dem er ihm ieinc volle Anerkennung jür die außerordentlichen Verdienste ausspricht, die er sich in seiner Stellung als Jnspetteur um daS gesamte Ver« kehrsroesen erworben hat. Frhr. v. Lyncker ist gleich- zellig K la suite deS LuftschifferbataillonS Nr. 2 gestellt worden, das erst vor einem Jahr gegründet wurde. Man wird gerade auS dieser Ehrung deS General- ersehe» können, daß seine Verdienste um die neuzeitlich« Entwickelung deS Verkehrswesen- in der Armee besonders gewürdigt werden. —« Wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, gelang es am 27. Nov. v. I. einer Patrouille der 7. Rameelreitet* tompagnie der Süd westafrikanisch en Schutz- truppe unter Führung de» Hauptmanns Mansfeld, dir Buschleute, von denen am 26. Cept. der Reiter Müller der 9. Kompagnie in den Dünen bei Hunirob ermordet worden war, aufzufinden. Bei der Verfolgung wurde di« Patrouille zweimal im Busch beschossen, ohne Verlust« zu erleiden. Bei einem zweiten Zusammenstoß am 29. Nov. ist der Mörder des Gefreiten Müller gefallen. Die übrigen Mitglieder der an dem Morde beteiligten vandl wurde» sofort gefangen genommen. — Im /Berliner Tageblatt' wird der „staatsmännisch« Typus" deS Herrn B ass ermann recht unfreundlich gezeichnet, und zwar alS der deS politischen Klein« bürgers, dem die heilsame Doppelfurcht vor dem Schutzmann« und vor der Soztaldemolratie anerzogen worben sei, und der recht gern an der väterliche« Hand des jeweiligen Herrn Reichskanzlers, wenn'- erlaubt fei, ein tuschen mitregieren möchte. Das Netteste an dieser unfreundlichen Kennzeichnung ist, daß der Versafier b«8 betreffenden Aussatzes vor nicht allzu langer Zeit unter dem Kommando des Herrn Bassermann stand.
s In der Bubgetkommifsion be» Reichstage» tourte auch am Mittwoch über bie Wohnungsfrage ver» hanbelt. ES würbe eine ZentrumSresotution angenommen, ben Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage zu Beginn seiner nächsten Tagung eine Vorlage zu machen, nach welcher baS Reich in Verbindung mit ben einzelstaatlichen Regierungen unter gewissen Bedingungen bie Bürgschaften übernehmen wirb für die zwelten H y< potheken der Kleinwohnungsbauten gemeinnütziger Baugesellschaften in dem Bereiche von 50 bi» 90 Proz. de» Gesamtwertes von Boden- und Bauwerk. Staatssekretär Delbrück erklärte noch einmal, dafe bi« Woh» nungSfrage eigentlich Sache der Einzelstaaten sei, b« allein Organe besäßen, mit ben Kommunen in Verkehr zu treten. Er habe bie Hoffnung, so führte er weiter au», baß in Preußen bie Sache in Ordnung kommen unb ein Gesetz vorgelegt werben würbe. Einer Petitton unterer Staats- unb Reichsbeamten auf Gewährung einer TeueruegSzulage trat bet Reichsschahsekretär entgegen. Ihre Berücksichtigung bedeute di« Vorwegnahme einer BesolbungSerhöhung, die jetzt nicht borgenenimen werben könne. Die Petition wurde all Material überwiesen. Im wetteren Verlaufe der Sitzung erklärte Staatssekretär LiSco, nachdem der Entwurf der ReichSstrafprezefeorbnung vom Reichstage nicht berat» Schiedet worden fei, solle zuerst bie Strafrechts» rage gelöst werden. Ende beS Sommer» 1918 werde iie Kommission ben Entwurf be» Strafgesetzbuche» beendet haben. Der Entwurf werbe bann an ben Bundesrat und etwa 1916 an ben Reichstag gelangen, lieber bie eventuelle Abänderung bei Spionagegesetze» schwebten Erwägungen. >
* ttin« neu« Militärvorlage. Dem Reichstage rott» außer den erwähnten Forderungen für Zwecke der Luftschiffahrt noch «in« Militärvorlage zugehen, und zwar noch in dieser Saison. Was sie enthalten wird/ läßt sich mit Sicherheit noch nicht sagen. Dst
Euch vertraut. Unser Geschick steht geschfieben tn ben Sternen."
Nachdem sie bie Worte gesprochen, griff sie nach seiner Hand unb vereint betraten die Beiden Ha- Hau-, >
Ms hätte das Mädchen nicht bte schreckliche Eröffnung vernommen, so blieb dessen Benehmen da» gleiche gegen ihn.
Zum zweiten Male an diesem Tage bereitete ihm da-Mädchen daS Mahl. Diesmal nahm es an seine, Seite Platz, al» «r «S ehtlub. Das rätselhafte Wesen, besten Züge wie verklärt schienen beim Schein« ber großen Astrallampe, aß diesmal von denselben Speisen, bie «r aß, und trank vom selben Becher, end bem er trank. latent schaute mit träumerischen «m gen auf die Gefährtin. Er sah fttlles Glück sich t» ihren Zügen widerspiegeln, er selbst fühlte sich unsäglich wohl in ihrer Nahe und mit Schrecken gedacht« er, baß dieses paradiesische Sein morgen schon drei, leicht ein End« nehm«.
Er lebte ein neues Leben, sein frühere- Sein toat
9®ine Stunde später geleitete Maria den Gast zS seinem Zimmer.
An ber Schwelle blieb sie stehen.
„Schlafet wohl, lieber Herr, Gott gebe Euch Friebe unb Ruhe in Euer Herz!"
Schtoeigenb beugte er sich nieber zu rhr und Tu31 sie auf bie Stirne. . ,
„Gute Nacht, Maria, mem Lieb — eht Bügel wache über Dir!" .
Zwei für einander bestimmte Personen trennten sich dann, sie wandelte mit ktfen
hinaus, er trat an bas offene Fenster und backte gram- voll hinaus in die Nacht.
Feierliche Sülle herrschte draußen nach dem Sturme, der blaue Himmel schaute nieder Mr Erde, Millionen von Sternen erglänzten. Leise raschelten die Blätter der Bäume und Straucher unter bem schwachen Hauche ber Lüste.
Er stand wortlos und bückte tratimensch. Ems stumme Klage entrang sich seiner Seele. (F, f.)