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Monats-Vellage:

Wochen-Veilager

Illustrierte Sunntcgszeitung

s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen islassen-Lotterie. — Halbjährlich Taschenfahrplan.

s -r

Dienstag den 21. Januar 1913

40. Jahrgang.

Erstes Blatt.

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Nr. 16

wallch mit Ausnahme der Sonn- und Sdertoge. ülerfet- iahdidier Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Sulöa fomit auswärts 1.50 mark. » Rofationsörudt und Verlag der - zuldaer flctienbrudeerei In Sulöa. Zernsprecher Nr. 9. :s

Fuldaer Zeiti

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CnthAA« Wieberholungtn Rabatt. $ür Offert- unb fiusbunftcruicm 20 Pf. extra. 3n

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g Die Modernisierung des Jesuiten­gesetzes.

In dieser Richtung sind Vorschläge aufgetauckt. Nicht auf unserer Seite; denn wir fordern Rechts­gleichheit, also Beseitigung des Ausnahmegesetzes. Aber verständige Protestanten haben erkannt, daß e8 in einem modernen Rechtsstaat doch aus die Dauer nicht angeht, unbescholtenen Bürgern die Ver- teidiaung ihrer Religion polizeiltch zu verbieten, während alle Gegner dieser Religion die vollste Freiheit des Redens und Agitierens haben.

Namentlich ist vorqeschlagen worden, die bundeS- rätlichen Verfolger maßregeln auf Probe zu suspendieren. Also den Jesuiten Versuchs« w ei,. Freiheit zu geben mit dem Boro.galt, daß die Verbote wieder in Kraft treten, falls sie sich der Störung des konfessionellen Friedens schuldig smachen.

Hätten unsere Jesuiten eine solche Probe zu scheuen? Wahrlich nicht, — wenn nur die Prüfung redlich veranstaltet und ihr Ergebnis gerecht beurteilt wird. Wenn!

Es hat schon einmal eine solche Probe stattgesunden, und zwar in recht ausgiebiger Weise während eines Vierteljahrhunderts. Von 1848 bis 1872 haben die Jesuiten in Preußen öffentlich gewirkt, und während dieser Zeit haben sie sich nichts zu schulden kommen lassen. Als die Kulturlämpser 1872 das Ausnahmegesetz wachten, konnien sie den ver­haßten Ordensleuten keine Verfehlungen nachweisen. Auch nicht Verstöße gegen den konseffionellen Frieden. Es lagen amtliche Anerkennungen vor, daß die Volks­missionen, Konferenzvorträge rc. nützlich gewirkt hätten auch für die Interessen des Staates.

Wenn man jetzt den Jesuiten die Freiheit wieder- gäbe, würden sie ebenso wirken, wie ihre Vorgänger von 1848 bis 1872. Die Kulturkämpfe! freilich be­haupten, sie würden so wirken, wie ihre Vorgänger zur Zeit der Gegenreformation. Das ist blanker Unsinn, denn die Verhältnisse sind jetzt ganz andere geworden, so daß auch beim besten oder schlechtesten Willen die Wiederholung der Arbeits­methode des 16. oder 17. Jahrhunderts einfach un« möglich wäre. Wollten die Jesuiten in den Gleisen von damals weiterfahren, so hätten sie doch gewiß in dem V erteljahrhundert bis 1872 einen Versuch in dieser Richtung gemacht, und in Holland, das in seiner konfessionellen Gliederung dem deutschen Reiche sehr ähnlich ist, hätten sie ja bis zum heutigen Tag reichlich Gelegenheit dazu. Aber nichts dergleichen! Darum kann man mit vollem Recht sagen: Die „Empfindungen" wegen der alten Geschichten und Legenden aus der Zeit der Gegenreformation haben keine Bedeutung mehr, die geforderte Probe ist bereits in dem neuzeitlichen Wirken der Jesuiten geliefert.

Wenn nun noch eine Probezeit verlangt wird' so kommt es darauf hinaus, daß die Jesuiten der jeroeiligen Regierung auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert werden sollen. Die gegenwärtigen Verfolgungsmaßregeln würden in ein Damoklesschwert verwandelt, das über den Köpfen der Patres hinge. Wenn einmal ein kulturkämpferisches Ministerium an's Ruder tommt oder die Minister aus Angst vor dem Evangelischen Bunde und sonstigen Romhaffern schwach werden, so wird unter irgend einem zufällig gefundenen oder künstlich geschaffenen Vorwande eine Störung des konfessionellen Friedens behauptet und die Verfolgung wieder in Gang gesetzt Eme solche Abhängigkeit von den seindseligen Agitatoren und von den "Launen der jeweiligen Minister rönnen sich weder die Patres noch das katholische Volk gefallen lassen.

Wenn überhaupt von einer Probe die Rede sein soll, so wäre die erste Vorbedingung richterliche Prüfung aus Grund klarer Bestimmungen sür die Tatbestands- und die Rechtsfrage.

ver Graf von Tarent.

Bl] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchuer.

„Mädchen, Du kennst mich kaum, und offenbar Kältst Du mich für einen anderen."

„Einen anderen? Wie sollte ich? Habe ich doch seit langen Jahren keinen Mann gekannt außer Va­ter Baruch und die vertrauten Diener. Auf Euch habe ich gewartet, und nun, da Ihr gekommen seid, hin ich glücklich, o, so glücklich!"

Im höchsten Grunde betroffen, war Tarent eine Weile sprachlos. Sollte er das Mädchen, das hart­näckig an seinen Ideen festhielt, aus seinen Illusio­nen reißen und ihm bekannt geben, daß er bereits vermählt sei, wenn auch an eine Unwürdige? Ein brennender Schmerz durchzuckte chn bei diesem Ge­danken, daß dieses liebliche Wesen sich dann von ihm wenden mochte mit Gram im Herzen. Nein, das konnte er nicht, nicht jetzt . . . Einen Tag mehr oder zwei, und er würde diese Zauberinsel verlassen, viel­leicht würde er sie dann doch nie Wiedersehen im ganzen Leben.

„Du holdes Kind, ich fürchte doch, Du täuschest Dich wie konntest Du auch meiner warten, meiner, den 'Du nie gekannt vorher? Wisse,, auf meinem Haupte liegt der Reif des Alters, und ich bin wenig mehr geeignet, das Wohlgefallen eines Mädchens zu erregen."

„Herr, Euer Kommen war mir gekündet durch die Mutter. Auf Euch habe ich lange, lange geharrt, nun da Ihr gekommen, ist alles gut. Euer Haar ist gebleicht — aber ich bin ja blind und kann nicht sehen."

Npn lächelte sie heiter.

,^ch werde wieder fortgehen von hter, liebes Kind," sagte er ernst.

Traurig senkte sie den Kopf.

Stillschweigen trat ein. Er hätte aufschreien mö­gen vor Glück und Lust, aber die Pflicht gebot an­ders.

Der gegenwärtige ,vorbeug ende" Charakter des Verfolgungsgesetzes müßte so geändert werden, daß nur eine gerichtliche „Verurteilung" wegen eines Verstoßes gegen einen bestimmten Paragraphen die Rechtsbeschränkungen herbeiführen könnte, und zwar nur für den Schuldigen selbst, nicht sür besten undefchollenen Siandeegenossen.

Wenn man nun an die Fertigstellung eine? solchen Paragraphen zum Schutz des konfessionellen Friedens ginge, so würde sich freilich die sehr interessante Frage vordrängen: Sollen nur die katholischen Ordensleute zur Schonung des konfessionellen Friedens angehalten werden, oder nicht auch die Herren vom Evangelischen Bunde, die den Kampf gegen den .atholizismus gewerbsmäßig betreiben ?

Man sieht, daß die weitere Erörterung über den erwähnten Vorschlag sehr klärend wirken kann. Darum möchten wir wünschen, daß die Urheber ihren Geda„.en„ weiter verfolgen.

Deutsches Reich.

*♦ Berlin, 20. Jan. 1913. Die Blätter melden, Prinz reg ent Ludwig von Bayern werde in nicht zu ferner Zeit einen Besuch am Berliner Hof abstatten. Nach Ablauf der Landestrauer gedenkt der Regent einige größere Städte und Kreise Bayerns zu besuchen. — Der neue Staatssekretär des Aus­wärtigen Amts, v. I a g o w, wird am Mittwoch, nachdem tr dem Papst am Montag seinen Abschieds­besuch gemacht hat, von Rom aus die Heimreise an­treten und am nächsten Freitag die Amtsgeschäfte in der Wilhelmstraße übernehmen. — Heute vormittag fand im historischen Exerzierhaus in Potsdam die erste diesjährige Rekrutenbesichtigung der Garde durch den Kaiser statt. — Dem Abgeordneten« hause ist eine Denkschrift über die Verwendung deS Fonds zur Förderung der inneren Kolonisa­tion in den Provinzen Ostpreußen und Pommern und dem Regierungsbezirk Frankfurt a. O. für daS Etatsjahr 1911 zugegangen. Die Erfolge werden im allgemeinen als günstig geschildert. — Das Besitz- festigungsgesetz, das vom preußischen Landtag im vorigen Jahre verabschiedet worden ist, wird am 1 April d. I. in Kraft treten.

+ Mehrere Anträge sind dem Reichstage vor­gelegt worden. Ein Antrag Baffermann verlangt Erhöhung der Anforderung für die Seemannsheime im Ausland im nächstjährigen Etat. Abg. Graf von Posadowsky will den Betrag für Arbeitsnachweise im nächstjährigen Etat angemeffen erhöbt sehen. Abg. Paasche ersucht den Reichskanzler, möglichst bald eine Kommission aus Weinbau- und Reblaus-Sachverstän­digen, besonders aus den mit Reblaus verseuchten Gebieten, einzuberufen, welche die einlaufenden Be­schwerden der Winzer über die Ausführung des Red- lausgesetzeS zu sammeln, zu prüfen und geeignete Vorschläge zur Beseitigung der Mißstände zu machen hat. — Im Abgeordnetenhause beantragt die nationalliberale Fraktion, die Staatsregierung zu er­suchen, den in den Etat eingestellten Betrag von 30000 Mark zur ..Förderung der Bestrebungen zur Fürsorge sür die gefährdete oder verwahrloste Jugend* wesentlich zu erhöhen.

s. Tie Budgetkammission des Abgeordnetenhauses erörterte und bewilligte den Rest des Extraordinariums des landwirtschaftlichen Etats. H eraus trat die Kom­mission in die Beratung des Etats der Gestülsverwal« tung ein. Die Denkschrift betreffend die Verlegung des Grädcher Aollblulgestüts nach Straussurt wurde ein­gehend erörtert.

* Eine Aussöhnung zwischen Hoheuzoüern und Cumberland? Aus Karlsruhe wtrd der ,Voff. Ztg/ gemeldet: Prinz Adalbert von Preußen, der erst vor einigen Wochen in Karlsruhe war, ist wieder dort eingetroffen. Gleichzeitig ist auch Prinz Ernst

„Du bist jung, kaum bist Du eingetreten in den Frühling des Lebens, ich bin ein gealterter Mann — die Zetten der Liebe liegen hinter mir, ich fühle, alS hätte ich gelebt seit einem Jahrhundert."

Run schüttelte die Blinde ungläubig den Kopf, wie ein Kind, das an seiner Meinung festhält.

„Warum wollt Ihr mich täuschen, Herr?" klagte sie leise. „Ihr seit um wenigs älter an Jahren, als ich, Kraft und Stärke sind vereint in Euch, unb lange Jahre werden kommen und gehen, ehe Ihr kennen lernt die Schwäche des Alters. Die Kündigung lau­tete: „Er trägt die Zeichen des Alters, aber er ist jung, er säte Siebe und erntete Verrat, tiefes Weh bedrückt sein Herz . . ."

„Woher wißt Ihr das?" fragte er fast rauh.

Von der Mutter."

„Wo ist sie?"

„Sie schläft."

„Sie schläft? wie soll ich das verstehen?"

Traurig senkte die Blinde den Kopf. „Sie schläft im Grabe."

Er wagte keine Frage mehr. Also deshalb diese wirren, geheimnisvollen Reden ... Er erinnerte sich, wie ihm die eigene Mutter erschienen war in der Swnde der wildesten Verzweiflung. Stand dieses Mädchen in geistiger Verbindung mit der Mutter, dann war es nicht an ihm, seinen Glauben zu stören.

Sttllschweigen trat ein. Sie legte nun den ala- basterweißen Arm unter den Kopf unb 'm Grase ausgestreckt, schloß sie bie Augen Das Mädchen glich dem Engel, der, zur Erbe geschickt, einen schuld­losen Menschen zu finden, ermüdet von erfolglosem Suchen zuiammenaesunken war, um auszucuhen.

Graf Tarent wagte nicht, sich zu bewegen, er glaubte, das Mädchen schlafe. Sern Blick h,ng an chr mit Zärtlichkeit, der starke Mann suhlte, daß er mcht viel länger ausharren könne in ferner Selbstverleug­nung. Er fühlte, wie die Liebe zu chr wuchs rn fer­nem Innern zu jeder Sekunde. . . . G- meinte, dre Holde umfaffen u. küffen zu muffen, nm sie nie, nrm- mer zu lassen, eine unendliche Sehnsucht überkam ibn. hei ihr $u bleiben. Ihm war, als müsse er nie-

von Cumberland dort angenommen. Da der badische Thronfolger Prinz Max mit der älteftcn Tochter des Herzogs von Cumberland vermählt ist, wird das Zusammentreffen der Prinzen in badischen Kreisen als Zeichen einer bevorstehenden Aussöhnung der beiden Fürstenhäuser gebeutet.

* Eine Verlobung int tzohmzolleruhause. Prinzessin Viktoria Margarethe von Preußen, die emzige Tochter des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, hat sich heute mit dem Prinzen Heinrich 33 von Reuß verlobt. Die Brant tst 23 Jahre alt, der Bräutigam, Botschaftssekretär bei der deutschen Bot- chaft tn Tokio und Leutnant ä, la suite der Armee, 34 Jahre.

)( Der Wagenmangel im Ruhrrevier behoben. Unter Aufbietung aller möglichen Maßregeln der Eisen­bahndirektion ist cs gelungen, dem Wagenmangel so­weit c juhelfen, daß er nur noch in ganz geringem Umfange vorhanden ist, so daß die Zechen ihre För­derungen weiter steigern konnten. Der Verkehr weist gegen die Vorwoche eine erhebliche Zunahme auf. Im arbeitstägigen Durchschnitt wurden im Ruhr­revier in der letzten Woche 31286 Wagen gestellt, am Mittwoch wurde die Rekordzahl von über 32000 Wagen gestellt.

* Die Einwohnerzahl der preußischen Landkreise ist der amtlichen statistischen Korrespondenz zufolge int Jahre 1911 zurückgegangen, indem sie nach der Personenstand'aufnahme für 1912 21 441 000 betrug, gegen 27 586 000 nach der Auf­nahme für 1911. Die Abnahme beträgt also rund 145 000 Personen. Der Kopfanteil der direkten K r e i s st e u e r n ist, zum Teil infolge dieses Bevöl­kerungsrückganges von 3,16 auf 3,29 Mk., der in­direkten Steuern von 0,73 auf 0,81 Mk. gestiegen.

,** Eine entschiedene Absage an den EvaugcUichcn Bund. Die,Angsburger Postzeitung' ist in der Sage, ein Flugblatt hervorragender Protestanten zu veröffentl.chen, das sich gegen den evangelischen Bund richtet. Darin wird vor allem geklagt,

der evangelische Bund betreibe nur einseitig den Kampf gegen Rom, er stelle sich in b n Dienst der libe- ralen Partei, verkenne in ungerechter Weise an der katholischen Kirche das Gute und Gemeinsame nach dem Grundsätze „Sieber rot als schwarz" und taffe die Haupt­sache außer acht, nämlich die Bekämpfung des Un­glaubens und des Freidenkertums und deZ Liberalis­mus in der eigenen evangelischen Kirche. Aus diesem Grunde fordern die Unterzeichneten auf, den evangelischen Bund, der den Radikalismus unterstütze, zu verlaffen und sich darauf zu verlegen, , den positiven Aufbau schrift- und belenninismäßigen evangelischen Christentums zum Heile unseres deutschen Volkes" zu betätigen.

Unterzeichnet sind Pastoren, Doktoren, Aerzte, Bankbeamte, Rittergutsbesitzer, kurz angesehene Prote­stanten aus allen Ständen und aus dem ganzen Reiche.

)( Ein fortschrittlicher Preußentag ist gestern in Berlin abgehalten worden. Einen breiten Raum nahmen die Besprechungen Über die finanzielle Lage der Partei ein. Es wurden mehrere Beschlüsse gefaßt, um sie aufzubessern. Dann sprach Abg. Wiemer über die Reichspolitik. Er erklärte u. a., eine Ver­mögenszuwachssteuer werde die Fraktion schwerlich als eine Erfüllung des Versprechens auf Einführung einer allgemeinen Besitzsteuer ansehen können. Mit den ÜJlationalliberalen empfahl er für den Landtags­wahlkampf eine Regelung herbeizuführen. Die sozial- • demokratische Wahltaktik verurteilte er, die sozialdemo­kratische Zumutung, die Fortschrittler hätten sich schriftlich zu einer bestimmten Taktik im Parlament zu verpflichten, wies er namens der fortschrittlichen Volkspartei zurück.

* Wie man im Auslände Sozialpolitik treibt, ist aus einem Rundschreiben einer ungarts chen Firma ersichtlich, die von nhren deutschen Lieferanten ver­langt, zwecks Stärkung des von ihr gegründeten Hilfs­fonds für Angestellte sich einen Abzug von 3 pro IA WIMM

berknien vor ihr unb sagen: „Komm an mein Herz, Du Süße, Liebliche, sei mein, mein für immer!" Er fühlte, wie bie Siebe in ihm aufflammte, bie kühle Denkkraft lähmenb, ben Verstand betäubend; der Ge­danke, von ihr scheiden zu müssen unb sie vielleicht nimmer wieder sehen zu sollen, bereitete ihm jetzt Entsetzen.

Ah, jene andere, die ihn betrogen hatte nm sein Lebensglück, sie stand zwischen ihr unb ihm! Seine Stirn furchte sich, bie Hände ballten sich zur Faust.

„£err, warum sprecht Ihr nicht?" fragte bas Mäbchen plötzlich. „Zürnet Ihr mir?"

„Zürnen? Dir?" antwortete er gepreßt. „Die sollte ich? Ich glaubte, Du schliefest, so schwieg ich, Dich nicht zu stören."

„Ich fürchte, Ihr langweilt Euch in ber Nähe eines unwissenden Mädchens, wie ich bin. Verzeihet mir, ich kenne nicht bie Wege ber Welt unb weiß nichts von ber Art bet großen Damen. Ich bin eine Waise, Vater Baruch hat mich von der Außenwelt ab- gefenbert. Ich kenne keinen anderen Umgang,, als mft Myrrha, meiner früheren Amme, und den Vö­geln auf ben Bäumen,

„Ich preise den Baruch für seine Klugheit," mur­melte Graf Tarent.

„Was sagtet Ihr?"

Nun war er etwas verlegen. „Ich dachte, Baruch handle Ung, bie Taube gegen die Habichte zu schützen. .... Mätzchen, Du bist schön, schön über alle Be­griffe, wärest Du draußen in bet Welt, alle Män­neraugen möchten betounbernb unb verlangend nach Dir schauen. Möchtest Du hinaus in die weite Welt?"

Sinnend wiegte sie den Kopf. „Früher habe ich oft gewünscht, von hier fort zu kommen, aber bas ist vorbei — ganz vorbei!"

„Darum?"

„Weil Ihr gekommen seid, nun habe sch keinen Wunsch mehr." Sie sagte es naiv unb ohne zu erröten.

Mille gefallen zu lassen. Der Vorstand des deutschen Handelsiages hat em derartiges Ansinnen soeben als ungehörig bezeichnet, so daß es angezeigt erscheine, es abzuieynen.

— Wieder ein liberaler Steuerdefraudant. In Dortmund wird bie Steuerhinterziehung eines Großkaufmamies, ber auch Stadtverordneter ist, in der Bürgerschaft lebhaft besprochen. Die Steuerbe­hörde stellte auf Grund einer Prüfung der Bücher fest, daß der Betreffende seit etwa 10 Jahren sein teuerpflichtiges Einkommen zu niedrig angegeben )atte. Im Einverständnis mit ben maßgebenden Äellen wurde von einer Strafanzeige abgesehen, da der Kaufmann sich bereit erklärte, einen Betrag von 18 000 Mark an die Stadtkasse nachzuzahlen. Es han­delt sich um ein Mitglied der nationalliberalen Frak­tion des Stadtverordnetenkollegiums. Er ist Mit­glied ber gemischten Steuerkommission unb städtischer Lieferant.

** Die Schulaussicht in Hinterpommern. Der „Germania" wird geschrieben: Dem auf bie Pfarr- teile in Bernsdorf berufenen Pfarrer Wernicke ist die Ortsschulinspektion über bie Schule feine; Pa- rochie Bernsdorf übertragen worden — berichtete das amtliche Schulblatt 1912 Nr. 18 für den Regierungs­bezirk Köslin itnterm 7. September 1912. Dieser evangelische Pfarrer ist seit August 1912 in Bernsdorf. Der katholische Pfarrer ist einen Monat früher nach Bernsdorf gekommen;; in seiner Parochie sind 6 katholische Schulen, ihm ist die Orts- chulinspektion über die Schulen seiner Pfarrei noch nicht übertragen. — Der Lokalvikar von Groß- Tuchen hat in seinem Seelsorgsbezirk eine katho­lische Schule. Er waltet dort bereits ein Jahr seines Amtes,, ist aber noch nicht Ortsschulinspektor. In ber Pfarrei Damsdorf bestehen zwei katholische Schulen. Der dortige Pfarrer ist schon 1910 auf die Pfarrei berufen, auch er ist noch nicht Orts­chulinspektor. Daaegen sind 7 protestantische Pastoren im Kreisschulinspektionsbezirk I des des Kreises Bütow mit ber Kreisschulinspektion be­traut. Zwei Herren sollen, wie verlautet, bie ihnen angebotene Schulaufsicht abgelehnt haben. Bei der vorjährigen Kreislehrerkonferenz am 17. Dezember 1912 waren auch 5 Ortsschulinspektoren — natür­lich evangelisch — anwesend. Der amtliche „Bütower Anzeiger" schreibt unterm 28. September 1912 Nr. 229:

Den meisten Ellern gereicht es zur Verudigung, wenn sie wiffen, baß der Geistliche bei der Erziebung ihrer Kinder durch die Schulen mitzureden hat. Des­halb muß auch an der geistlichen Ortsschulinspellion, besonders auf dem Lande, soweit es irgend möglich ist,

festaehnlten werden.

'Wir können diese Ausführungen nur billigen, vermissen aber in ber Praxis sehr die Rücksicht auf unser katholisches Empfinden. Gleiches Recht für alle!

----- Detmold, 20. Jan. 1913. Die beute vorge- nommenen lippischen Landtags-Neuwahlen in der dritten Klasse brachten nur in drei von sieben Kreisen eine endgültige Entscheidung. , Die Volks­partei behauptete zwei Mandate, die Sozialdemokratie eines. In den vier andern Kreisen sind die Volks- parteiler in Stichwahl mit den Sozialdemokaten gedrängt. .

** Rudolstadt, 20. Jan. 1913. Staatsnnmster Frhr. v. d. Recke eröffnete heute den Landtag von Schwarzburg-Rudolstadt mit einer Rede, in der er neben einem neuen Beamtenbesoldungsgesetz die Einbringung eines Wahlgesetzes ankündigte, auf Grund dessen die 24 Abgeordneten künftig zur Hälfte aus Berufsständen, zur Hälfte aus allgememen Wahlen hervorgehen sollen.

±= Straßburg, 20. Jan. 1913. Der WettolS- heimer Schulstreik beschäftigte dieser Tage dre Strafkammer des Kolmarer Landgerichts. Es han-

Der Graf begriff, daß dieses reine, vollkommen unerfahrene, vom rauhen Leben unberührte Wesen mit einem anderen Maßstabe gemessen werden müsse, als andere.

Vorsichttg wich er dem Thema ans unb sagte:

„Wollen wir nicht einen Gang durch Dein Zau­berreich antreten, Du verwunschene Prinzessin? ES ist schwüler hier unter ben Bäumen, als draußen."

Sofort erhob sich bie Blinde. „Kommet, Euer Wunsch ist mir ein Befehl."

Sie tastete nach feiner Hand Mrd hielt sie fest. Dann gingen bie Beiden fort von ber Baumgruppe unb betraten das offene Tal. Sie schmiegte sich so dicht an chn, daß er wiederum ihren Atem fühlte.

„Wie kommt es, Mädchen, daß Du so einsam lebst auf dieser Insel?" fragte der Herr von Tarent.

„Herr, das ist eine lange Geschichte. Wie mir Myrrha mitteilte, war meine Mutter die Schwester Baruchs, schön wie der Morgen im Sonnenstrahl. Sie war Jüdin, unb ihre Glaubensgenossen schätzten sie hoch. Einst begegnete ihr ein Edelmann, ein jun­ger, stattlicher Herr, unb sein Auge ruhte urit Wohl­gefallen auf chr, de • Tochter Israels. Er sand Mtt- tel und Wege, mit ihr in Verkehr zu treten, dre Ber- ben lernten'sich lieben unb trafen sich hemrlrch, denn ben Töchtern des Ghettos ist es strenge untersagt, chr Herz wegzugeben an einen Mann der nicht ge zur jüdischen Gemeinde. Meine Mutter uber^ntt das Gebot, sie folgte dem Herzen, nicht dem Der- stände. Der Mann gelobte ihr, sie zn ^"em-eibe zu machen, wenn sie den judrschen Glaubenwechicln wolle mit der Religion der Christen Erne Judrn zu ehelichen, gestattet nicht der Brauch, gestattet auch nicht das Geset,. Die Mutter schwankte anfangs, endlich willigte sie ein, denn ihr Her; war weggege- ben, und sein Wunsch war rhc Gefetz.

De- Dunstkreis in den Lüsten ward dichter und dichter," der Abend begann sich zu nahen. Dre Wollen kamen' näher und näher.

(Fortsetzung folgt.)'