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2. Blatt.

vrock der xuldaer Ictientniceret in $nlba.

Lokales.

Fulda, 20. Januar 1913.

Konzert des Mannergesangvereins „Winfridia".

Das diesjährige Hauptkonzert unseres beliebten Männerchors „Winfridia", das gestern zum Besten . der Errichtung eines Sturmiusdenkmals tm Stadtsaale stattfand, bot eine mit Sorgfalt und Ge- schmack gewählte Bortragsfolge, die wie immer glan­zend durchaeführt wurde. Der über hundert Mtt- olieder starke Chor hat auch im verflogenen Jahre unter der bewährten und verständnisvotten Leitung seines Dirigenten, des kgl. Musikdirektors Herrn Gottft Leber, nicht gerastet, sondern mit Elfer und Eingebung an seiner Vervollkommnung weiter ge­arbeitet Das Stimmenmaterial des Chores ist durchweg sehr gut. Den Prächtigen, sonoren Bässen halten die schönste Klangfülle besitzenden Tenore, die gestern das h mit der größten Leichtigkeit fangen, die Wage. Dieser Ausgleich der Stimmen ist ein beson­derer Vorzug der Winfridia; denn bei den meisten Männerchören ist die Besetzung des Tenors im Ver­hältnis zum Baß zu schwach.

Der Verein hatte sich keine leichte, ober für die Zuhörer sehr interessante Aufgabe gestellt. Beson- ocrs der Schlußchor „Sturmerwachen" von Mathieu Ni'umann bietet eine Menge Klippen, an denen we­niger gutgeschulte Sänger scheitern würden. Der Chor, der an die Sicherheit der einzelnen Stimmen die höchsten Ansprüche stellt, ist eine jener. Komvo- sitionen. die den Männerchor als einen der schönsten künstlerischen Ausdrucksmittel bewertet und mit ihm impresiionistisch malt und schildert. Dieses Werk mit seinen großen Schwierigkeiten so tadellos zu Ge­hör zu bringen, wie es gestern die Winfridia getan, war eine Kraftprobe, auf die der Dirigent und Ch*r stolz sein können. Eine ebenso feine, wie den musi­kalischen Inhalt erschöpfende Wiedergabe fand Slbt’S „Dineta". Wenn auch die Abt'schen Lieder ihrer süßlichen Lyrik wegen dem heutigen Geschmacke nickt mehr zusagen, so stehen doch seine Chorwerke, wie „Vineta", auf einer höheren Stufe und sind ihrer fließenden Melodie wegen sehr geschätzt. Besonders klangschön kam das „Salve Regina", das der Chor mit' andächtigem Ausdruck und fein ausgefeilter Dynamik sang, zur Geltung. Ferner waren hoch zu bewertende chorische Leistungen der Choral „Näher mein Gott zu Dir" von Mason und das vom Diri­genten der Winfridia in ebenso wirkungsvoller als kontravunktisch vollendete- Weise für Männerckor be­arbeitete Sckubevtlied „An die Musik". Echten Männerckor-Stil zeigten die beiden Lieder „Absihicd vom Walde" von Klauer, das mit prächtiger Abrun- bitng borgetrawn wurde, und das muntere „Der Käser und die Blume" von Weit. Bei letzterem er­zielten die launigen Pointen, die sehr wirkungsvoll zum Ausdruck kamen, großen Heiterkeitserfalg., Bei sämtlichen Ebören machte sich die Leichtigkeit der Tonaebuna, die Reinheit der Intonation, die deut­liche Aussvracke und worauf der Dirigent besonders btnaearbeitet batte, ein verfeinerter Cborklang be­merkbar. der aerobe bei einem Männerchor besonders angenehm embhmben wird.

Als Solistin trat Fräulein Helene Hebe­streit, Lehrerin an der hiesigen Musikschule, auf. Sie fang mit einer Mezzosopranstimme von ange­nehmster Klanokarbe und mit seelenvollem Vortrag einige gut gewählte Lieder. Nach dem ihr besonders gut lieaenden „lieber allen Givseln" folgte eine hier zum ersten Male gehörte Komvosition von G. Leber „Ebbe und Flut". Die Vertonung schließt sich innig an die Tertworte an und ist. der Dichtung entsvve- chend im ersten Teile dramatisch bewegt, int zweiten Teile von echter Lvrik durchdrungen. Das Ganze zeichnet lick durch Klarheit her Komvosition und eine ungesucht schöne und geschmackvolle Melodik aus. Dann fang sie frisch belebt Jensens entzückendes „Murmelndes Lüftcken" und da? dttsiiae reizvolle Wieaenlied von Tauberi, das ihr stürmischen Beifall eintrug.

Das Konzert berfchafftc uns auch wieder einmal, den feit Jahren entbehrten Genuß, ein gutes Streichguartett zu hören. Das Solostrerch- quartett der sürstl. Hofkapelle aus Sondershausen, bestehend aus den Herren Blümer, Merbach, Rau­schenbach und Schilling, Mtätiatc den ihm voraus- gegangenen guten Ruf auf's beste. Die hier Herren zeigten sich als feinempfindende Musiker, die ihre Instrumente technisch vollendet beherrschten und deren Zusammen- und Jneinandersprielen von nicht

Ein Reise-Abenteurer.

Ein wahres Erlebnis von Marie Scheller.

Mein schöner Herbstferienaufenthalt am goldenen Rheinstrom, im Hause der liebenswürdigen, immer netteren Verwandten, war leider viel zu früh für mich zu Ende gegangen. Ich hatte, um denselben auf das Aeußerste zu verlängern, noch den eigentlichen Regetag auf das Drängen meiner liebenswürdigen Gastgeber daran gegeben und mich entschlossen, was sonst gar nicht meine Passion ist, den Nachtzug zu benutzen, um bte Heimat zu erreichen, in der ich am anderen ^Morgen unwiderruflich meine Lektionen an etner höheren Töchterschule wieder aufnehmen mußte.

ßtn ttefer Seufzer entrang sich meiner Brust, Wenn ich cm cte mich erwartende Tätigkeit dachte und art bte Fessel, bte sie mir wieder anlegen würbe »ach diesen Tagen goldener, schrankenloser Freiheit. Doch was half es, der Wandervogel mußte eben wieder in den altgewohnten Käfig.

Tie letzten freien Stunden wurden aber noch nach Kräften in Gesellschaft der Freunde genossen, oft­mals klangen die grünen Römer, gefüllt mit dem edlen Rheingold aneinander, und mancher Toast wurde auf eine glückliche Wiederkehr „mit den Schwalben im nächsten Jahre" ausgebracht.__ Jetzt

stand ich im Kreise meiner Freunde abschiednehmend vor dem dampfenden Zuge, der mich aus demselben entführen sollte. ,H>ier herein, liebe Esse!", rief die Stimme meines Onkels, indem er auf ein Frauen- Abteil 2. Klaffe deutete, in welchem nur eine Dame in tiefer Trauer sah. „Ich glaube,, hier bist Tu am besten aufgehoben und kannst Dich gettrost dem Schlummergott in die Arme werfen;, wenn die hei­mischen Penaten winken, wirst Tu schon erwachen. Doch nun Gott befohlen."

„Adieu, Else! Glückliche Reise! Auf frohes Wie­dersehen!" rief es durcheinander, während ich ein­stieg und der Zug sich in Bewegung setzte., i. Auf meinen abendlichen Gruß hatte die Dame in Trauer, deren Gesicht unter einem dichten Krepp- föleier verborgen war, nur unmerklich mit dem Kopf genickt, sie schien von meiner Anwesenheit keine zNotiz nehmen zu wollen, denn ihr. Blick weilte un.

«*■ Zuldaer Zeitung.

zu übertreffender Prägnanz war. Sie spielten zuerst das wegen des häufig darin verwendeten Pizzikato als Harsenquartett bezeichnete Es dur’duartett op. 74 von Beethoven mit musikalischer Akuratessc und klangschöner Tongebung. Später spielten sie noch zwei Sätze ous dem "beliebten Srreichgnartett in G«moll von Haydn, die frisch quellende Heiterkeit und den sonnigen Humor dieses Meisters, der ja der Vater des modernen Ouartettstiles ist, mit voller Empfin­dung zum Ausdruck brinqenb. Als Solostücke spielte Herr Kammervirtuos Schilling die reizende Träume­rei von Schumann, durch die sich Frohes und Schwer­mütiges in buntem Wechsel hinzieht, sowie ein mun­teres. graziöses Scherzo von Göns. Er hatte in bei­den Stücken Gelegenheit, feine prächtige Kantilene und brillante Technik zur Geltung zu,bringen. Hof- konzertmeister Plümer fpielte die Faust-Fantasie von Guvnod-Sarafrte mit einer, die großen technischen Schwierigkeiten dieses Bravourstückes spielend über­windenden Sicherheit. Ter lebhafte Beifall zwang ihm noch eine Zugabe ab.

Die Winfridio" hat mit ihrem gestrigen, wohl- vorbereitetcn und glänzend durchgeführten Konzert, ihren vielen schönen Erfolgen, auf die sie zurück­blicken kann, einen neuen und nicht den geringsten hinzugefügt. Der Verein steht jetzt auf solcher Hohe, daß er den Männerchören größerer Städte ebenbür­tig" zur Seite steht und ruhig den Wettstreit mit ihnen aufnehmen kann.

a. Zum evangelischen Pfarrer in der durch den Tod des Pfarrers Hattendorf erledigten Stelle wurde vom 1. Mai ab Herr Pfarrer Weber aus Wächtersbach (Kr. Gelnhausen) ernannt.

# Verliehen wurde dem Sparkassen-Rendanten Schwarz in Schmalkalden und dem Gerichtsvollzieher Wiegand in Schlüchtern das Verdienstkreuz in Gold, dem'Kanzleiinspektor, Kanzleisekretär Plamp in Hanau das Verdienstkreuz in Silber.

# Personalien. Dem Oekonomiekommisfar Bur- Henne in Homberg wurde der Charakter als Oeko- nomierat, dem Landmefser Dr. Overbeck in Hersseld der Charakter als königlicher Oberlandmesser, dem Rechtsanwalt Wolff in Marburg der Charakter als Jostizrat, den Kanzleigehilfen Kohl in Meisungen und Müller in Hersfeld die Unwiderruflichkeit der An­stellung verliehen. Dem Rcgierunosrat Dr. jur. Kusenberg in Kassel ift die Entlassung ans dem Staatsdienste mit Pension unter Verleihung des Roten Adlerordens 4. Klasse erteilt worden. Der ordentliche Professor Dr. Leonhard Sckultze zu Kiel ist in g cicher Eigenschaft in die philosophische Fakultät der Universität zu Marburg versetzt worden.

-y- Verhaftet. Wegen Vergehens gegen die Kon­kursordnung und wegen MemeidverdachteZ wurde am Samstag in einem fünfstündigen Vorverhör vor dem Untersuchungsrichter des Amtsgerichts Fulda der Bäckermeister F. L. von hier vernommen, der vor ungefähr Via Jahren in Konkurs geriet. Vor Er­öffnung des Konkurses soll L. zahlreiche Waren bei­seite geschafft und hierüber unter Eid falsche Angaben gemacht haben. Mit Rücksicht daraus, daß L. erst am Freitag von der Strafkammer Fulda wegen schweren Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis ver­urteilt worden ist, und zur Sicherheit seiner eigenen Person ist L. sofort verhaftet und in das Unter- suchungSgetängnis überführt worden. In seiner Zelle soll er häufig den wilden Mann spielen.

X Der Revolverheld Müller wurde heute mor­gen von einem Gendarmen zü einem Augenscheins- termin nach Gersfeld gebracht,

D Steuererklärung. Es fei nochmals daran er­innert, daß bis heute übend die Steuererklärungen für 1913 in Händen des Vorsitzenden der Veran­lagungskommission sein müssen. Wer bis dahin eine Erklärung nicht abgegeben hat, verliert das Recht der Reklamation gegen die Veranlagung und hat einen Zuschlag von 5 Prozent zur Einkommensteuer zu gewärtigen.

Ob* Anmeldung neuer Fern sprech-Anschlnffe. Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprech - Anschlüsse, deren Herstellung in der Zeit vom 1. April bis Ende Juli "gewünscht wird, spätestens bis zum 1. März bei der Fernsprech-Ver­mittelungs-Anstalt angemeldet fein müssen, an welche die Sprechstelle angeschloffen werden soll.

O Neue Formulare sind vom 1. Januar ab zu den Quittungen über Invaliden-, Alters-, Kranken-, und Witwen-Renten eingeführt worden. Quittungen, zu denen alte Formulare be­

ausgesetzt auf dem auf ihrem Schoß liegenden Pracht, vollen Kranz ans den köstlichsten gelben Rosen, ein Meisterwerk gärtnerische Bindekunst, der mit feinem Duft die ganze Abteilung erfüllte. Nach einem Blick der Teilnahme auf die augenscheinlich tief Unglück­liche überließ ich sie ihrem Schmerz und machte mir in meiner Ecke aus meinem Plaid ein Schlafplätzchen zurecht. Mein Handgepäck bestand außer diesem und der Schirmhülle nur in einer kleinen Reisetasche, der ich meine ganz besondere Fürsorge widmete, denn sie enthielt den Restbetrag einer mir vom Onkel auS- aezahlten kleinen Erbschaft, für meine Verhältnisse eine ganz respektable Summe. Noch erregt von den zuletzt verlebten Kunden war bei mir erst lange nicht an ein Entschlummern zu denken, aber — war es die Wirkung des reichlich genoffcnen Weines oder der betäubende Dust der gelben Rosen — die Müdig­keit machte doch nach und nach ihr Recht geltend, und ich schloß die Augen.

Eine kurze Weile mochte ich wohl geschlafen, als der Schein einer Laterne mein Gesicht traf und da? rasche Aufreißen der Dagentüre mich wieder- ermun­terte. Zn meiner Verwunderung bestiegen den Raum in rascher Folge zwei Herren, und die Türe wurde wieder zugeschlagen. Ich richtete mich em­por und sagte in einem Tone, dem man den Unwil­len über das unberechtigte Einsteigen anhörte:

„Meine Herren, steigen Sie sofort wieder au5, dies hier ist eine Frauenabteilung."

Da aber keiner der Herren Miene machte, den Wagen wieder zu verlaffen, noch ein Wort der Ent­schuldigung hören ließ, zog ich das Fenster herab und rief nach dem Schaffner, um die unverschämten Ein- bringlinge entfernen zu lassen. Doch mein Ruf ver­hallte ungehört, nur der schrille Ton der Lokomotive antwortete, und die Fahrt ging weiter. Die Dame in Trauer hatte nur einen Moment den Kopf er­hoben und die Herren eines kurzen Blickes getimt« bigt, bann war sie sogleich wieder in ihre frühere Teilnahmslosigkeit zurückversunken. Mir aber wat bei einer solchen Rücksichtslosigkeit Damen gegen­über aller Schlaf verflogen, und ich wartete nur mit Ungeduld auf die Ankunft in der nächsten Station, wo ich Beschwerde führen und sofort einen andern

nutzt worden sind, werden von den Renten-Zahlstellen nickt m-hr angenommen.

)( Der laÜ). Meister- und Männerverein hielt gestern nachmittag im Vereinslokal, Gasthaus zur „Hinterburg", seine ordentliche Generalversammlung ab. Sehr zahlreich waren die Mitglieder erschienen, was auch der Obermeister, Herr Anton Neidert, mit Freuden feststellte. Rege Tätigkeit hat im Verein nach dem Jahresbericht int verflossenen Jahre geherrscht. Vier Generalversammlungen fanden statt. In vie­len Sitzungen mußte der Vorstand eine Menge An­gelegenheiten erledigen. Die Abschiedsfeier unseres Herrn Präses bei seiner Versetzung noch Vacha, die kirchliche und weltliche Feier des 42. Stiftungsfestes, sowie die Wechnachtsfeier vollzogen sich in würdiger Weise. Auch beteiligte sich der Verein mit der Fahne wie üblich an den kirchlichen Veranstaltungen sowie an den Fahnenweihen des evangelischen Männerver­eins, des Arbeiter-Fortbildungsvereins und an der 25- jährigen Jubelfeier des St. Josephsvereins. Mehrere im Verein gehaltene Vorträge förderten die Weiter­bildung. Die Familienausflüge und Spaziergänge in die Rhön befriedigten die zahlreichen Teilnehmer vollkommen. Durch den Tod verlor der Verein drei Mitglieder. Unserem Hochw. Herrn Bischof wurde am 13. Dez. v. I. der in einer gut besuchten Mit­gliederversammlung ausgesprochene wärmste Dank für das entschiedene Vorgehen betreffend die Aufhebung des Jesuitengefetzes schriftlich unterbreitet. Der Ober­meister schloß seinen von der Versammlung mit gro­ßem Jntereffe entgegengenommenen Jahresbericht mit dem Wunsche, daß der kath. Meister- und Männerver­ein wachsen, blühen und gedeihen möge. Der von dem

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Jet Gras oon Tarent" an allp noch jetzt hinzutretende Bezieher der »Fuldaer Zeitung'. — Um Einsen­dung der Bestellquittung wird gebeten.

In Fulda nehmen die Zeitungs- trügeeinnen Bestellungen entgegen.

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Kassierer, Herrn Oberpostschaffner Lammeier, erstat­tete Bericht bewies, daß die Kaffe in geordneten Ver­hältnissen und in guten Händen sich befindet. In den Vorstand wurden hinzugewählt die Herren Vermes- fungsbeamter Floribert Grünkorn und Buchhalter Jo­seph Molleuhauer. Die Vereinsabende sollen vom 1. November bis 1. April abends um 5 Uhr abgehal­ten werden. An der am 19. Februar d. I. stattfin- denden großen öffentlichen Handwerkerversammlung wird der Verein in corpore teilnehmen.

a. Erne Meisterprüfungs-Kommission für das Gold« und Silberschmlede-Gewerbe ist vom Regierungspräsi­denten in Kaffel auf den 1. Februar 1913 für den südlichen Teil des Regierungs-Bezirkes mit dem Sitze in Hanau errichtet worden Vorsitzender der Prüfungs- Kommission ist Direktor Geißler von der gewerblichen Fortbildungsschule in Hanau.

— Rangerhöhnng der Tierärzte. In der Sitzung des Vereins beamteter Tierärzte Preußens wurde vom Ministerium für Landwirtschaft eine Verordnung bekannt gegeben, wonach die bisherigen Departe­ments-Tierärzte zu Regierungs- und Veterinär- raten und die Kreistierärzte zu Beamten der fünften Rangklasse ernannt werden.

** Nangverleihung. Nach einer Verfügung des Kaisers werden von jetzt an die bei den Oberpost­direktionen angestellten Oberposträte allgemein den Rang als Oberregierungsräte erhalten.

j* Fußballfport. Die hessischen Kreisspiele, welche statisanden, roureen als Gesellschaftsspiele m ^getragen. Borussia verlor gegen Sport-Kassel mit 1:3, tzertules- Kassel gegen Eintracht-Kassel mit 0:1.

2Iu$ Sem Nachbargebiete.

• Gersfeld, 18. Jan. 1913. Im Jahre 1913 werden in Gersfeld folgende Märkte abgehalten: Am 3. Febr. (Fastnachtsmarkt) und 2. April (Öfter» markt) Kram- und Schweinemarkt; 30. April Schweine- —Maaaw rn1 "whwjmwu uwiinawMtimwww Wagen besteigen wollte. — Aber Minute um Minute verging, der Zug raste weiter, die beiden Herren fchauten bald nach mir, halb nach der Dame in Trauer hin unb schienen heimliche Blicke des Ein- verständnisses auszutauschen. Eine entsetzliche Angst beschlich mich, ich hielt bie Tasche mit meinem kleinen Vermögen fest in ber Hand, benn in bet unheimlichen Gesellschaft tauchten vor meinem Geiste alle gehörten unb gelesenen Erlebnisse von nächtlichen Ueberfäl- len im Eisenbahnwagen auf. In Gedanken sah ich mich schon beraubt, ermordet.

Der kalte Angstschweiß trat mir auf die Stirn, ich verwünschte meine Vergnügungssucht, die mich in diesen Nachtzug gebracht, und eine Sehnsucht er­faßte mich nach meinem stillen Heim, ja selbst nach dem Schauplatz meiner täglichen, nickt immer leich­ten Tätigkest, dem Schulzimmer. — Bei all den Ge­danken, bie wie ein Mühlrad in meinem Kopfe krei­sten, verwandte ich aber kein Auge von meinen Rei­segefährten, nicht die leiseste Bewegung entging mir. — Da — des einen Hand fuhr suchend in die Rock­tasche.

Großer Gott! Wollte er die Mordwaffe hervor- ziehen oder das mit Chloroform getränkte Tuch, das oft gebrauchte Betäubungsmittel? — Ich wollte um Hilfe schreien, aber so sehr ich mich mühte, ich brachte keinen Ton aus ber Kehle. Sollte ich die Notleine ziehen?

Bis der Zug stand und Hilfe kam, konnte längst alles vorüber sein. Oder sollte ich die Türe auf­reißen und hinausspringen in die rabenschwarze Nacht, um vielleicht mit zerschmetterten Gliedern lie­gen zu bleiben?

Blitzschnell jagten meine Gedanken, meine Finger streckten sich schon nach dem Türgriff, der entsetzliche Mensch mußte ja gefunden haben, was er in der Tasche gesucht, seine Hand zog sich aus derselben zu­rück; ich stieß einen leichten Schrei aus, doch Gott sei Dank, die Hand war leer, der rechte Augenblick zu dem beabsichtigten Attentat mochte wohl noch nicht gekommen sein.

Wie im Fieber raste das Blut durch meine Adern, während mir die Zähne vor Frost klapperten. Ick

Xe }5.

Montag 20. Januar 1915.

markt; 21. Mai (Psingstmarkt) Kram-, Schweine- und Zuchtviehmarkt ber Rinvviehzuch'genossensckast Gers­feld (Simmentaler Reinzucht); 28. Mai und 11. Juni Schweinemärkte; 13. August (Kornschneidmarkt! Kram-, Schweine- und Rindviehmarkt; 17. Sept. Schweine­markt; 29. Oft. und 17. Dez. Kram- und Schweine­markt.

* Hersa (Kr. Hersfeld!, 18; Jan. 1913. Auf dem Schachte Herfa stürzte gestern morgen der Bergmann Joh. Göttlich aus Heimboldshausen 400 Meter tief in den Schacht und war sofort tot.

* Bad Orb, 19. Jan. 1913. Das hiesige Schöffen­gericht verurteilte den Wirt 21. F, der einen Ge­richtsvollzieher beleidigt und an bei Ausführung fernes dienstlichen Auftrages zu hindern gesucht hatte, so daß dieser polizeiliche Hilfe herbeiholen, mußte, unter Zubilligung mildernder Umstände zu 300 Mk. Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis.

* Hanau, 18. Jan. 1913. Das Anwesen Stein- beimerstraße 26a (Große Krone) ist zum Preise von 63 000 Mar! in den Besitz der katholischen Ge­meinde übergegangen, welche in demselben ein Ver­ein s h a u s "einzurichten beabsichtigt. — Der Kreis­tag des Landkreises Hanau hatte gestern eine um­fangreiche Tagesordnung zu erledigen. Na'' ver­schiedenen Wahlen wurde die Kreisspartaifen« Rechnung für das Rechnungsjahr 1911 in Ein­nahme auf 5 497843.36 Mk., in Ausgabe aus 5256035.22 Mk., der Sollbestand auf 241808.14 Mk. fcftgefteUt, die Einnahmereste betragen 12683 Mk., der Reservefonds stellt sich auf 208908.15 Mk. Der Wegebauetat für das Rechnungsjahr 1913 wurde auf 84000 Mt. festgestellt. Sodann wurden zu den ersten Vorarbeiten für das Projekt einer elektrischere Ueberlandzentrale 2000 Mk. bewilligt. Der Kreistag genehmigte zum Schluß die Errichtung einer Landkrankenkasse für Den Landkreis Hanau.

* Frankfurt, 19. Jan. 1913. Am Park Louisa im Stadlwalde wurde bte Leiche eines 35jahrigen. Kauf­manns aus Dietz ausgefunden, der sich erschossen hatte. In einem Briefe, den der Lebensmüde einem befreundeien Herrn vorher geschrieben hatte, befanden sich 200 Mark für die Begräbniskosten. — Nach der Mitteilung des Statistifchen Amtes ist die Volks« zahl für den Stadtkreis Frankfurt am 1. Januar 1913 mit rund 43b,000 anztinehmeu.

* Sontra, 18. Jan. 1913. Beim Standesamt hier wurden int Vorjahre 1912 68 Geburten ange- ntelbet gegen 64 im Vorjahre und zwar 35 männ­liche und 33 weibliche. Es waren 16 (11) Eheschlie­ßungen, sowie 32 (29 Sterbefälle zu verzeichnen.

* Hainbach, 18. Jai. 1913. Ein Landwirt wollte in seiner Scheune Stroh vom Gerüst herabwerfen, glitt hierbei aus und zog sich durch den Fall schwere Verletzungen zu. — Ein anderer Einwohner hatte am Arme ein Pickelche n, das er anfangs nicht beachtete. Es entstand aber eine Blutvergif­tung, bie ihn in Lebensgefahr brachte.

* Herleshausen, 18. Jan. 1913. Hier unb in verschiedenen Orten der Umgegend treten . häufig Kinderkrankheiten auf, bie aber glücklicher­weise bis jetzt zu töblichem Ausgange nur in einem Falle geführt haben. In Nesselröden unb besonders im nahen Unhausen tritt ber Scharlach ziemlich stark auf. In ber bärtigen Schule fehlten dieser Tage nicht weniger als die Hälfte der Schulkinder. Hier ist auch ein achtjähriges Mädchen an Diphtheritis verstorben.

♦ Gießen, 18. Jan. 1913. In Bettenhausen verwundete bei Familicnzwistigkciten ein Sohn fernen Vater durch Messerstiche derart, daß der alte Mann in die hiesige chirurgische Klinik gebracht werden mußte. m

* AuS Thüringen, 19. Jan. 1913. Nach Mel- düngen aus Wien hat sich der ehemalige Bürger­meister Scherff von Rranidjfelb erschossen und dadurch seinem irdischen Richter entzogen. — I" Orlamünde sind die Hintergebäude der Gleits- mannffchen Zigarrenfabrik mit wertvollem Tabak bis auf das Wohnhaus niedergebrannt. — In Langenberg (Reuß) wurde aus dem Mühlgraben die Leiche des Soldaten Köhler ans Neugommla ge­zogen, der seit einer Woche aus feiner Garnison Gew verschwunden ist. Am Kopf wurden eine An- zahl Wunden entdeckt, die anscheinend von Schlägen berrühren, die mit großer Gewalt geführt worden sind, sodaß ein Mord nicht ausgeschlossen ist. — Die Abschaffung sämtlich.! Ziehhunde bestimmt in Erfurt eine Polizeiverordnung, die mit dem 1. April d. Js. in Kraft tritt. — Der Gemeinderat ber Residenzstadt Weimar hat das Gehalt des Oberbürgermeisters von 8000 auf 10000 Mk. erhöht.

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sah hinüber zu der Dame in Trauer; wie eine in Schmerz versteinerte Niobe saß sie da. War es mög­lich, daß man so unbesorgt um sein Leben bleiben konnte? . Ich war es nicht, mir war es noch ein köstliches'Gut und trotz aller Plackereien lag es noch in verlockender Schöne vor mir, wert, genossen zu werben. Ich war ja noch so jung unb was hoffte unb ersehnte sich bie Jugend nicht alles von dem Leben!

Die Spannung meiner Nerven wurde immer größer, ich fing an, leise zu weinen. Doch sah ich recht? — Tauchten nicht dort Lichter auf, die eine nahe Station verkündeten? So nahe das Ziel vor Augen und schließlich doch noch ein Ende mit Schre­cken! Atemlos sah ich wieder nach den beiden Rei­senden, sie rührten sich nicht. Die Lichter kamen näher und näher, jetzt fuhr der Zug donnernd in die Bahnhofshalle ein — ich war gerettet. — Die Wa- gdttüre wurde geöffnet, die Dame in Trauer stieg ans; ihr nach sprangen die beiden Herren. Eme Minute, und der eine der Herren hatte die Dame er­reicht, und ich sah zu meiner Verwunderung, wie er derselben die Hand auf die Schulter legte, wahrend der andere zu mir zurücktrat und mit leiser stimme

sagte: .

„Mein Fräulein, danken Sie Gott, haß wir zu Ihnen in den Wagen gestiegen sind, die -^ame in Trauer ist ein schon lange von uns gesuchter schwerer Verbrecher!"

Er grüßte und verschwand unter ber Menge. Doch ehe der Zug aus der Halle wieder hinausfuhr sah ich die beiden Reisenden noch auf einen Augenblick, sie hatten die schwarze Dame in der Mitte, buh an ihrem Arm hing nicht mehr der prachwolle Kranz, sondern eine schwere Fessel.

Mir aber war es, als wäre diese von meinem Herzen abaefallen, so frei und leicht fühlte uh mich wieder seitdem die unheimliche Reifegefellschast mich verlaffen, und mit einem Gefühl unendlicher ^reude begrüßte ich meine liebe alte Heimat; sie kam nur vor wie neugefchenkt. Niemals aber, das gelobe ich mir. fahre ich wieder allein in einem Nachtzug.