2. Blatt.
Druck der Huldaer IJclitnöniCeret in Hulda.
«. Fuldaer Zeitung. «•
Freitag 17. Januar 1913
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Stets vorrätig bei: Carl Pauly, Karlstr. 31 u. Buttermarkt
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X Zur Befreiung von der Angestrllten-Verficherung für die im Reichs-, Slaals- over Rommunalötenit beschäftigten Angestellten ist auf eine aus der Provinz £>annooec gegebene Anregung vom Rtimfter des Innern der Grundsatz aufgestellt worden, daß den auf Lebenszeit Angestellten die auf Zett und die auf Kündigung Angestellten für den Fall gleichzustellen sind, daß ihnen beim Abläufe der Dienstzeit oder im Kündtgungsfalle ein unbedingtes Recht auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenrente zum festgesetzten Mmdestbelrage msteht. Unter der Voraussetzung, daß den Angestellten diese Leistungen gewährleistet worden sind, sind sie von der Zwangsversicherung befreit.
(♦) Maskenball. Gestern abend trat der Vergnugungs- ausschuß des Turn- und Fechttlubs im Restaurant zur Allen Post zu einer Beratung für den am 1. Februar im Sladlsaat statlfindenden Maskenball zusammen. wuroe festgestellt, daß alle Aufführungsstücke, rote ®ameu« reizen, Indier- und Komikergruppe usw., von den ÄM- rotrkenden eifrig geübt werden. Maskenkarten sind dtese^ Jahr am Sonntag vorder, sowie am Tage be« Balle, im Vereinslokal zum RUler zu haben.
würze. Derartig oft verkommende Verfälschungen zeigens daß eine Kontrolle unbedingt notwendig ist.
Strafkammer. Ter 41 Jahre 'alte Bäcker- meister F. L. von biet und dessen früherer Haus- bursche L. W. von Poppenhausen waren angeklagt, gemeinschaftlich von dem Futterboden des Pferde. Händlers I. H. hier, mindestens 10—12 Zentner Heu und Hafer nacheinander gestohlen zu haben. Die Beweis, aufnahme ergab, daß derIungeW.vonL. unterPorspiege- lung unwahrerTatfachenveranlaßtwurde,die Diebstähle auszuführen. Das Gericht schloß sich dem Anträge des Ersten Staatsanwalts an und verurteilte L. unter Bewilligung mildernder Umstände wegen schweren Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis, der Junge L. W. wurde freigesprochen.
Museum. Im gestrigen Museumskonzert horten wir zwei junge Künstler, die hier zum ersten Male auftraten. Es waren die Pianistin Fräulein Sonnt) Epstein und der Violinist Herr Fritz Rothschild, beide aus Köln. Das sehr umfangreiche und vielgestaltige Programm wurde mit einer Sonate von Cesar Franck eröffnet. Es freut uns immer diesen genialen Komponisten, der in Deutschland fast nur durch sein groß- angelegtes Oratorium „Die Seligkeiten" bekannt ist, auch zuweilen in einem seiner anderen Werke zu hören. Die Sonate fand, wenn man von einer etwas zu freien Behandlung der Tempi absehen will, durch die beiden Künstler eine recht annehmbare Wiedergabe. Als Solostücke spielte Herr Rothschild u. a. das stets dankbare „Air" von Bach, das liebliche L-dur Adagio von Mozart, das feurige, czechtsche „Aus der Heimat" von Smetana, ferner Beethovens 6-dur - Romanze und als Bravourstück Carneval rasse von Wieniawsky. Wenn wir uns bei der Sonate auch nicht sehr für das Spiel des jungen Violinisten erwärmen konnten, so geschah es schon mehr bei seinen Solostücken. Er besitzt einen schönen edlen, wenn auch noch nicht ganz vollen Ton, eine sehr gute Technik und auch Tempera- ment. Nur müßte et sich eine ruhigere Haltung beim Spielen angewöhnen. Es genügt, wenn das Temperament beim Spiel zum Ausdruck kommt. Fräulein Sonnt) Epstein, die den Klavierpart zu sämtlichen Stücken, abgesehen davon, daß sie das Pedal manchmal anwandte, wo es besser unterblieben wäre, recht ansprechend spielte, hatte als Solostücke nur solche von Chopin und Liszt gewählt. Da wir nun kürzlich einen der berufensten Interpreten dieser beiden geistesverwandten Meister, und zwar keinen geringeren als Raoul von Koczalski, an zwei Abenden hier hörten, so ist es für ein junges, noch nicht ausgerciftes Talent eben keine leichte Aufgabe, zu befriedigen. Doch waren ihre Darbietungen, wenn man den richttgen Maßstab anlegt, recht gute. Sie besitzt einen angenehmen weichen Anschlag und eine saubere Technik. Daß sie dem Stimmungsgehalt der Kompositionen noch nicht in Allem gerecht wurde, ist bei ihrer Jugend leicht begreiflich. So faßte sie das Liszl'tche „Soiree de Vienne“ mehr wie einen Lannerschen Walzer auf, als wie ein Werk des Kompontsten, von dem man sagt, seine Klaviermusik sei „Geist gewordene Virtuosität". Gut, technisch sowohl, wie in der Auffassung gefiel uns dagegen Chopin's h-moll-Scherzo. Sie gab, sowohl den frenetisch wilden Hauptsatz, als auch die lyrisch verträumte Stelle recht warm empfunden wieder. Die junge Künstlerin besitzt Talent, das ihr bei eifrigem Vorwärlsstreben gute Aussichten für die Zukunft eröffnet. — Uns sind Klagen laut geworden über die ungenügende Heizung des Saales.
(♦) Der Berein kath. deutscher Lehrerinnen, Bezirks- verein Fulda, wird am Mittwoch, den 22. Januar, nachmittags 3»/- Uhr, zwecks Beratung wichtiger Vereinsangelegenheiten zusammentreten.
Amt Geisa und Umgebung.
△ Spahl, 16. Jan. 1913. Die Exerzitien für Männer und Jünglinge nahmen den erwarteten glänzenden Verlauf. Die Teilnehmer entfalteten einen außerordentlichen Eifer beim Besuch der Vorträge sowohl, als auch im wiederholten Empfang de; hl. Kommunion. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt bei der gemeinsamen Erneuerung der Taufgelübde. Am Dienstag abend, dem Tage des ewigen Gebetes, fand eine stark besuchte Versammlung des Volksvereins statt. Nachdem Pfarrer Kraus in der Eröffnungsansprache die fegensreiche Tätigkeit des Volksvereins betont hatte, behandelte der Exerzitten- meifier, P. Fridolin Schumacher von Salmünster, in klarer und populärer Weise das Thema: „Die Sozialdemokratie, weit entfernt, Freundin des Volkes zu fein, erweist sich vielmehr als Feindin vor allem des Landwirts und des Arbeiters." Die Versammlung führte der schon starken Ortsgruppe des Volksvereins 27 neue Mitglieder zu.
△ Barsch, 16. Jan. 1913. Am gestrigen Abend fand hier die erste diesjährige Volksvereins-Versammlung statt, die von Männern und Jünglmgeu gut besucht war. Nachdem der Ortsfarrer übet die Parität gesprochen hatte, hielt Herr KuratuS Dicke- Bermbach einen Vortrag über das Jesuitengesetz. In vortrefflichen, mit gutem Humor gewürzten Ausführungen beleuchtete der Redner die schreiende Ungerechtigkeit, Schmach und Willkür des Jesuitengesetzes, sowie dessen neuerliche Verschärfung, welche so viele hochverdiente Männer zum schweren Nachteil für Kirche | und Staat von den Grenzen des Vaterlandes sernhätt und ihrem Wirken hemmende Fesseln anlegt. Die mit vielem Beifall aufgenommene Rede gipfelte in einem energischen Protest gegen das unheilvolle Gesetz, wie auch gegen die darin liegende unwürdige Behandlung des katholischen Volkes. Demgemäß beschloß die Versammlung, an unfern Reichstags-Adgeordnettn Herrn Mar quart eine Eingabe zu richten mit dem Ersuchen, bei einem demnächst zu erwartenden Antrag des Zentrums seine Stimme für die Aushebung dieses Gesetzes abzugeben, wie er dies früher bei Gelegenheit seiner Wahlrede in Barsch ausdrücklich versprochen habe.
* Kaltensundheim, 16. Jan. 1913. Zu dem Grund- stücks-Verkauf der den Geschwistern Nöll in Alchen« hausen gehörigen Wüstung „Niederhof" hatten sich viele Käufer eingefunden. Für 2056,81 Ar Artland, Leede, Wiese und Bach wurden rund 21,000 Mk. geboten, doch wurde die Genehmigung des Kaufes Vorbehalten.
* Weilar, 16. Jan. 1913. Der Landwirt- schaftliche Verein in Stadtlengsfeld, Wetlar und Urnshausen hält am Sonntag nachmittag hier eine Versammlung in der Jacod'schen Gastwirtschaft ab, in der Direktor Dr. Lanobeck-Biarksuhl einen Vortrag über: „Die wichtigsten Krankheiten des Getreides und der Kartoffeln" halten wird.
MöSWDOZ braucht nicht auszufallen, meine Herren, wenn Sie sich an gewöhnen , Wybert-Tabletten bei sich zu führen und bei belegter Stimme oder rauhem Hals davon zu nehmen. <Es gibt kein besseres Mittel, um die Stimme sofort klar und frisch zu machen > Dies ist der Inhalt zahlloser Zeugnisse über die in ihrer Wirkung unerreichten Wybert-Tabletten, die in allen Apotheken 1 Mark pro Schachtel kosten.
Am Oberheffen u- den heff. Aemtern.
* Marburg, 16. Jan. 1913. Der Direktor des Kgl. Gymnasiums und Vorsitzende der Kgl. Wrffen- schastlichen Prüfungskommission zu Marburg, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. A l y, ist g e st o r b e n Er war einer der bekanntesten und energischsten Vorkämpfer des humanistischen Gymnasiums. — Ein Korpsstudent von hier, der sich mit einigen Freunden mehrere Tage in Frankfurt aufhielt, geriet auch in eme Bar. Als er in seinem Hotel ankam, bemerkte er, daß ihm zwei wertvolle Brillantringe fehlten.
Lokales.
Fulda, 17. Januar 1913.
(♦) Eine Stadiverordnetmsitzung findet am Montag, 20. Januar 1913 abends 7l/a Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Berichtes über die Vermattung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten, gemäß § 66 der Städtordnung seitens des Magistrats. 2. Herstellung eines zweiten Zement- rohrkanals in der Borgiasstraße (Fritz). 3. Nachstandserklärung and Löschungsurkunde (Singer). Für die geheime Sitzung sieht eine formelle Zustimmung zu einer Grundstücksveräußerung an.
H- Verliehen wurde dem Oberzahlm elfter Schor- mann bet dem 2. Batl. des Jnf.-Regts. Nr. 83 der Kronenorden 4. Klaffe; ferner die Erlaubnis zur Anlegung des Rttlerkreuzes 2. Klaffe des Großh. Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Hauptmann Frhr. Schenck zu Schwetns- berg im Jnf.-Regt. Nr. 83, des Komturkreuzes J. Klasse des Herzogl. Sachfen-Ernestinischen Haus- prdens dem Generalmajor z. D. Che lins, Kommandanten des Truppenübungsplatzes Ohrdruf, des Komturkreuzes 2. Klaffe desselben Ordens dem Major vonBrandenstein im Generalsiabe des 11. Armee« korps und des Rttterkreuzes 2. Klasse desselben Ordens dem Oberleutnant Uhde im 2. Kurhestsichen Feldartillerie-Regiment Nr. 47 in Fntv a.
# Personalien. Die Rechtskandidaten Buch- Holtz aus Kassel und Weishaupt aus Marburg wurden zu Gerichtsreferendarcn im Oberlandes- gerichtsbezirk Kassel ernannt.
o Der Gewerbeverein Fulda hielt am Mittwoch seine Generalversammlung ab. Die Tättgkett des Vereins war im verflossenen Jahre lehr rege. Jn-- befonbere hat der Verein es sich angelegen fern lassen, «ir ßebung und Förderung des ®eroerbe|tanbe§ nach Kräften mtUuarbeiten. So wird die seit 2 Jahren erstrebte Reform des Submisfionswesens bei der Stadt Fulda tn raaer Kürze abgeschlossen werden tonnen, ^m Ver- leinslokal soll em Fragekasten angebracht werden, der von Handwerkern tn Fragen gewerblicher Art benutzt 'werden tonn. Die Anträgen werden, soweit es mog- lich ist, in den Monatsversammlungen beantwortet. tDie Rechnungsablage ergab einen Kafsenbettand Won 939,03 Mk., die Einnahmen betrugen 448,37 Mk., die Aufgaben 378,68 Mk. Es konnten 69,69 Mk. kdet Kasse zugeführt werden. Der Verein zählt 96 sMitalieder. Der bisherige Vorstand wurde wieder- gewählt und zwar tote Herrn: Trabert Vorsitzender, Schnarr, Kassierer, ferner Breitenborn, Traut, Fuchs, Flesichmann, Bolender, Herrmann und Bolst. Von einer Festlichkeit wird mit Rücksicht auf die weniger günstige Lage des Gewerbes abgesehen. Jedoch tft für den Sommer eine Studienreise nach Hersfeld vor-
Die Nahrungsmittelkontrolle in der Provinz Hessen-Nassau. Bekauntttch beschäftigt sich die Reichsregierung mit der Vorbereitung einer Reform nuferer Nahrungsmittelgesetzgebung. Das aus bem -jähre 1879 herrührende Nahrungsmittelgesetz befriedigt heute nicht mehr, weder die Produzenten noch die Konsumenten. U. a. soll der § 5 des Nahrungs- mittelgesetzes dahin erweitert werden, daß der Bundes- rat ober eme andere Stelle die Befugnis erhält, rechtsverbindliche Festsetzungen über Zu- sammensetzung, Beschaffenheit und Beur- teilung der einzelnen Lebensmittel zu er- fassen. Auch soll ernte Bestimmung in das Nahrungs- mittelgesetz auf genommen werden, wonach irreführende Bezeichnungen im Nahrungsmitteloerkehr verboten sind. Daß eme solche Reform auch für untere Provinz von Bedeutung ist, ersieht man daraus, daß nach der letzten statist.scheu Ausnahme im Reg.- Bez. Kassel 34 Personen und im Reg.-Bez. Wiesbaden 148 Personen wegen Verfälschung von
vom Winde, der wie am Morgen vom Meere her brauste.
Baruch faltete das Fernrohr zusammen, fern Gesicht war kummervoll und traurig. Nun erblickte er den Grafen.
„Geruht haben der Herr unter meinem Dache", sagte er, „und ich ordnete an, Sie nicht zu wecken, denn glücklich ist der Schlummernde, der vergißt die Leiden des Lebens. Doch freut sich mein Herz, Sie in diesem Augenblick hier zu sehen. Der Gott unserer Väter hat gelegt schwer seine Hand auf das Volk, das er hat ausgewählt, er hat gesendet die Krankheit, zu nehmen das Leben, und nun sendet er Feuer, zu vertilgen deren Hütten und Häuser . , ."
,„Jch verstehe Euch nicht, Baruch, das Feuer scheint in der Hafengegend zu sein, keine Israeliten wohnen dort."
„Euch täuscht der Rauch, edler Herr, sehet durch dieses Glas und Ihr werdet die Wahrheit erkennen — daß Ghetto steht in Flammen l"
Ter Graf nahm das Glas und erkannte bald, daß Baruch Recht hatte. Der Herd des Feuers befand sick> in den engen Gassen ohne Lust und Licht, wo die Juden zusammengepfercht wohnten in meist hölzernen Häuser.
Auf Ihr Leute, hmunter zur Schaluppe, dte uns" wird bringen zu unsere Last, zu Helsen in der Rot" kommandierte Baruch. „Jammere und schreie nicht' Magd Mhrrha, der Herr werb Dich wieder sehen laßen den Sohn, den Du hast geboren und wenn er verliest das wenige tm Feuer, das er hat besessen, wird es ihm ersetzen wieder der Baruchs Vorwärts, Leute, kein Gesurre und Gesumme und kein Wehklagen, Was ich habe versprochen der Mhrrha, welche hat genährt meiner Schwester Ktnd das verspricht der Baruch Euch allen. Schlecht sind dte Zetten, gering ist der Gewinn, tot tft Handel und Wandel, aber geben will ich nut offener yand, daß Ihr nicht sollt murren gegen Gott, den penn, der fein Voll schlägt!"
Während die Männer die Felsentteppe htnunter- ftiegen,. Worte der Anerkennung und des Lobes über
Der Gras von Tarent.
18] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner'
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Das Ghetto in Flammen
Als Graf Tarent erwachte, waren viele Stunden vergangen, denn die Sonne stand bereits int Zenith. Er sprang auf, unzufrieden mit sich selbst, und blickte umher.
Er war allein. Auch im Korridor ließ sich keine Seele blicken, als er hinausschritt, Totenstille herrschte im Haust. Er trat hinaus ins Freie, nirgends ein menschliches Wesen. Er blickte empor, die Luft schien ihm mit einem seltsamen Rauch gefüllt, den er sich nicht zu erklären vermochte.
Nun folgte der Graf dem Pfade, den er gekommen war diesen Morgen und nach wenigen Minuten glaubte er menschliche Stimmen zu hören. Um eme Ecke bieaend, sah er eine Gruppe Menschen, die durch eine Leimung in den Felsen, welche eine Art Auslug bildete, schauten. Die Leute schienen aufgeregt und redeten lebhaft, eine ältere Frau die er bisher noch nicht erblickt hatte, hatte thr Gesicht verhüllt und weinte laut. Neben dieser Frau stand dte Bünde und mit stillen fünften Worten suchte sie dte Klagende zu beruhigen. Baruch schaute durch em Fernrohr in der Richtung nach der Stadt. Etwas Außerordentliches mußte vorgefallen sein, das erkannte der Graf Tarent auf den ersten Blick. .
Er trat der Gruppe näher und sah mtt Entsetzen, daß über der Stadt an Vielen Stellen dichte, sch - Rauchwolken und dazwischen Helle Feuergaroen auf- ftiegen. Dieselben schienen sich zu bertitelfolttg jede Minute, dichter und dichter wurden Dte Raucy- föulen und dunkelrot wie beim Schetden des Tages leuchtete der glühende Sonnenball.
Ein Teil der Stadt stand in Flammen!
Die Feuersäulen züngelten hungrig von Dach zu Dach, gierig fraß das verheerende Element, genährt
den Versprach des Brotherrn unter sich austauschend, wandte sich der alte Israelit an den Grafen.
„Edler Herr, ich sehe, Ihr macht Euch bereit zur Fahri, aber Ihr werdet Horen die Bitte eines alten Mannes und bleiben an diesem Orte, zu schützen das Kleinod das mir hat gelassen Gott von allen Lieben, die ich habe besessen. Mhrrha, die Magd, war chre Amme in vergangenen Tagen und eine Gefahrttn bis zur Stunde, nun schreiet ihr Herz nach dem
Sohne tm Ghetto, in der Gefahr. Lea hangt an
ihr tote das Kind an der Mutter, und wenn auch
Ihr ginget, würde sie fein allein, ganz allein.
„Tie anderen Männer, meine Knechte, sind in derselben Lage, zwei haben Weib und Kind, der eine hat zu schauen aus für seinen Vater, der geworden ist brestbast und schwach, die anderen haben zu sorgen für Brüder und Schwestern und für das wenige, was sic nennen ihren Besitz. Ich alter Mann aber muß ausschauen für alle, die da im Ghetto sind hat doch der Herr gegeben mir und wenigen anderen Reichtum, zu'teilen mit den Söhnen und Töchtern Israels in der Stunde der Not. Ehe herein brüht die Nacht, wird sein große Not in Israel und der Baruch wird verteilen Brot an die Hungernden, inert wollt Ihr erfüllen meine Bitte und bleiben bet meinem Kinde? Die Natur hat versagt Lea das Licht der Augen, doch kennt sie jeden Weg und Steg utu Wirb sein keine Last für den edlen Herrn, >jch komme zurück, vielleicht in der Nacht, vielleicht morgen, tote da will Gott der Herr! Wollen Sie?
„Ja, ich werde bleiben, da Ihr es so wünscht", entgegnete der Herr von Tarent. „Baruch, vergeßt nicht, wenn Ihr' gebt reichlich an die Durstigen, gebt doppelt so viel für mich, ohne meiner zu erwähnen. Gebet mit vollen Händen, denn die Allmacht hat auch mir viel gegeben."
„Der edle Herr sind sehr gütig", sagte Baruch, sich verneigend vor seinem Gaste. Er stand bereits .atü der Fclstreppe, da wandte er sich nochmals um.
Graf, das Gold, das wir gebracht diesen Morgen', eß liegt sicher verwahrt in bei; Kellern unter
meldete es sofort der Kriminalpolizei. Eine in der Nacht vorgenommene Durchsuchung der Wohnung der beiden Bardamen, die des Diebstahls verdächtig waren, blieb erfolglos. .
» Kirchhain, 16. Jan. 1913. Bekanntlich findet in diesem Jahre hier der Hessische Feuerwehrtag statt, mit welchem eine größere Festlichkeit ver- bunben ist. Das Kommando der hiesigen Wehr hat beschlossen, dem Zentralvorstand zur Abhallung des Festes die Tage vom 12. bis 14. ’uli vortwcblaaen.
* Neustadt, 16. Jan. 1913. Das von den Architekten Tauber und Eichelberg in Marburg ausgestellte Projekt über den Anbau einer zwecklaffigen Schule mit einer Lehrer- und zwei Lehrerinnen- Wohnungen an die im Jahre 1891 neuerbaute vier- klassige Schule ist genehmigt worden. Die Kosten belaufen sich auf 51 200 Mk., worin je 3500 Mk. für eine Niederdruck-Dampfheizung und eme komplette Braustbadanlage enthalten sind. Für diese beiden Posten gibt die Regierung leider keinen Ltaatsbau- beitrag, sondern sie will nur ein Drittel von den übrigen tatsächlich entstandenen Baukosten als Zuschuß geben. Hiernach würde sich der Staatsbettrag auf höchstens 14 666 Mk. stellen, ein Betrag, der sich im Verhältnis zu den großen Opfern, welche dre Stadt für die öffentliche Volksschule bringt, als recht gering erweist. .
* Aus dem Eddertal, 16. Jan. 1913. Dte Folgen des übermäßigen Alkoholgenusies brachten eme» Abends einen Arbeiter in große Lebensgefahr. In seinem Rausche hatte er sich auf Geleise tm Bahnhof Viermünden gelegt, die jeden Augenbttck etn ein- fahrender Zug berühren mußte. Mit knapper Not war es noch gelungen, ihn in Sicherheit, zu bringen.
O Mardorf, 15. Januar 1913. Hier taub am Mowag die dritte Volksvereinsversammlung statt, in der Volksverem-sekrelär Gotthardt-Frankinri einen sehr interessanten Vortrag hielt. —.Wie kürzlich in der ,Fuld. Ztg/ zu lesen war, fand tn verschiedenen Orten bei der letzten guten Witterung noch Aussaat statt; es wurde in Frage geftellt ob der Erfolg auch den Mühen entspräche. Auch hier wurde kürzlich noch gesät, vor zwei Jahren geschah dtes noch I hier am 15. Januar. Damals reifte dte fpite du§- saat fast gleichzeitig mit der früheren und auch der Ertrag war gut. .
♦ Fritzlar, 16. Jan. 1913. Bürgermeister Hesse m Ermetheis wurde zum dritter,. Male auf die Dauer von acht Jahren wiederaewählt.
Nahrungsmitteln rechtskräftig verurteilt würben. Unter den Verurteilten waren 54 weibliche Personen. Vorbestraft waren von den Verurteilten im Reg.- Bez. Kassel 8 und im Reg.-Bez. W esdaden 38 Personen. An erster Stelle steht vielfach die Milch- Wässerung, dann die Behandlung von Fleisch mit gesuudheltsschädltchen Konservierungsmitteln. Gelb gefärbte Nudeln werden oft als Eiernudeln seil- gehalten. Brot wird mit außergewöhnlich hohen Prozentsätzen fremder Mehle hergesteUt, manchmal findet man Mutterkorn darin. Wurst werd mit Mehl und bergt. aufgefüUt. Beim Katao werden ost Kalaoschalen verwendet. Nicht selten wird der entölte Kakao mit Zucker, Mehl oder Dextrin verfälscht. Butter rotrb melsach mit höherem Wassergehalt auf den Markt gebracht. Zulässig sind bei ungesalzener Butler bis zu 18, bei gesalzener bis zu 16 Gewtchts- tette vom Hundert. Honig ist ost mit Zuckersyrup verfälscht. Beliebt ist auch die Verfälschung bet Ge-
Hohenlohe Reismehl als Zusatz zur Kinder» milch hervorragend he» j wählt Bef Magen- u Oarmerkrankunger der \ s Säuglinge mit gutem Erfolge ärztl. verordnet — d
* Dorndorf, 16. Jan. 1913. Der Gemeinderat wählte feinen bisherigen Vorsitzenden, Gastwirt G. Träger, einstimmig wieder und als defien Stellvertreter Zimmermeister 9)1. Teichmüller. In den Schulvorstand wurden gewäh-t: Gastwirt Träger, K. Niebergall, H Albrecht, M. Sinn 3.; in die Fi- nanzkommission: G. Träger, F. Fischer, M. Teichmüller, K Niebergall: in die Ban- und Flurkommission: H. Albrecht, H. Jßleib, G. Sauerbrei, M. Sinn 3.; in di? Einguartierungskommission: G. Trager M. Teichmüller, M. Sinn 3.; in die Wasserkom- mis'sion: G. Träger, M. Teichmüller, K. Niebergall, N He'-mann: in die Kommission für elektrisches Licht: G Tröger Albrecht, A. Hermann, M. Teichmüller, i — Am Sonntag hielt der Rhon-Werra-San- 5 gerbund hier seine Generalversammlung ab. Als Bundesvorstand wurden wieder gewählt Lehrer Floel- Torndorf, Lehrer Safi-Oberzella und H. Klmzmg- ^iefenort Das Bundesfängerfest soll am 8. Junr ht Tiefenort abgehalten werden. Der dorttge Gesangverein feiert zugleich sein 50jähriges Jubiläum.
dem Turme, ich habe es gewogen und das Gewicht beträgt nicht weniger als —--"
„Geht, Mann, wir können das später besprechen, nun drängt die Zeit und Eure Leute warten im Schisse."
Baruch wandte sich an das Mädchen, das mit den lichtleeren Augen nach der Richtung starrte, in der Mhrrha verschwunden war, und küßte es auf die Stirne.
„Lea, Licht meiner Augen, ich lasse Dich zurück unter dem Schutze dieses Herrn, vertraue ihm, tote Du vertrauest mir."
Die Blinde legte dem alten Manne die schmale weiße >and auf die Schulter. „Gehe in Frieden, Vater, mein Herz kennt kein Mißtrau a. Ich habe die Stimme der Mutter gehört: Er ist reines Sinnes, ohne Arg und ohne Falsch, ihm kannst -lat trauen. Wenn er gegangen ist und wiederkommt in späterer Zett, bsttn sei fei» Pfad Dein Pfad, fern Wille Dein —"
„Mädchen, was führst Du wieder für wirre Reden?" sagte Baruch mit scharfer Stimme, „Traume sind Schäume, wie oft soll ichs Dir wieder jagen.
Betroffen hatte der Graf die seltsamen Worte der Blinden gehört. Zum zweiten Male —am Morgen, ehe er in Schlaf verfallen, - nun, da alle von ihr schieden. ,
Er trat dicht an den alten Handelsmann heran. „Geht, Baruch, Baruch, ich werde über sie wachen, tote der Bruder über die Schwester.
Der andere neigte zum Dank den grauen Kopf und stieg nieder zum Wasser, wo dte ~ewte seiner harrten. _ , ,
Wenige Ruderschläge und d,e Schaluppe^ verschwand unter den finsteren Wölbungen der ,^fen um die Ausfahrt zu gewinnen nach dem freien Meere.
(Fortsetzung folgt.)
Mlit Jubel begrüßen
die Kinder Scotts Emulsion, schmeckt sie doch so gut und süß. Die Wirkung dieses bewährten Stärkungsmittels läßt sich oft schon nach wenigen Löffeln beobachten, mdem die Kleinen wieder die richtige Eßlust be- kommen, sichtlich erstarken, munterer und lebenslustiger werden als je.
Man muß aber bei Scotts Emulsion bleiben und sich keine bet jetzt so häufigen Nachahmungen aufieben lassen.