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Zuldaer Leitung

Donnerstag 16. Ianuar 1915.

«MM«

Hand und umschloß sie nut fernen beiden Händen, als wolle er der Blinden dadurch fern Mitgefühl er- weisen. Sw fühlte den sanften Druck der nervigen Männerhande, und eine kleine Blutwelle.stieg ut ihrem bleichen Gesichte empor bis unter die Haar- toUSanid) bemerkte die Verlegenheit der Blinden, die den Umgang mit fremden Männern nicht ge­

lter mit dem Polizeihunde nahmen die Ermittelungen nach den Langfingern auf. Der Hund nahm auch di« Spur auf und verfolgte sie bis nach Heidelbach, doch konnten die Täter nicht ermittelt werden.

* Fritzlar, 15. Jan. 1913. Unter dem Vorsitz des Bundesvorsitzenden. Straßenmeisters Bachmann hier, tagte hier der Abgeordnetentag des Eder-Elb e- Emstal-Sängcrbundes, dem 14 Vereine angehören. ES wurde beschlossen, das diesjährige Dundesfest in Fritzlar abzuhalten und zwar in Ver­bindung mit dem 25jährigen Jubiläum des hiesigen Gesangvereins Liederkranz. Als Festtage sind der 25 und 26. Mai in Aussicht genommen. Am 19. d M wird im Stadtpark hier der Abqeordnetentag des Kreiskriegerverbandes Fritzlar abae- halten werden.

Aus Oberhessen u. den heff. Remtern.

* Marburg, 15. Jan. 1913. Beim Rodeln am Schlotzberg stürzte gestern abend ein junges Mäd- chen mit dem Schlitten und brach den Arm. Die Ver­unglückte wurde in die Klinik gebracht. Der ^Ge­sangverein Liedertafel begeht vom 5.8. Juli sein fünfzigjähriges Jubiläum, verbunden mit Volks, fest auf dem Juxplatz. Das Landgericht verwarf gestern die Berufung eines von: Schöffengericht zu 20 Mark Geldstrafe verurteilten Autobefitzers, der in der Bahnhofstraße die Straßenbahn angerannt hatte.

* Kirchhain, 15 Jan. 1913. Der erste diesjäh­rige Markt war mit 149 Stück Großvieh und 12 Kälbern befahren.- Der Handel war flott und bsieb fast kein Uebechand. Zum Schweinemarkt waren über 400 Tiere aufgefahren. Auch hier war lcb--

qer kostbar wie im Schlöße Tarent. Kostbare Tep­piche hinderten den Eintritt des Sonnenlichtes und [ verbreiteten heimisch trautes Dunkel.

Kostbare Bilder und Statuetten waren an den Wänden angebracht, Möbel aus kostbarem Holz ge­schnitzt und in fremden Ländern angeferttgt, füllten die Räume. An den Wänden entlang liefen Otto­manen mit üppigen Kissen, zur Ruhe emladend. Schwere venetianische Spiegel reichten vom Pftafond nieder fast bis zum Boden, seltsame und kostbare Waffen aus aller Herren Länder hingen umher, auf den Tischen standen kostbare Vasen, gefertigt ouS Malachit »nd dem nicht weniger feinen Lapislazuli, von den Decken hingen fein ziselierte Ampeln und Leuchter hernieder, alles, toaS sich mit Geld schaffen laßt, war hier angebracht und bereinigt.

Run öffnete sich die Türe und herein trat die Blinde, auf goldener Platte einen altertümsich ge­formten Pokal tragend, der bis zum Rande gefüllt war mit Dein. . .

Dem Gaste dieses einsamen HauseS zum Will­kommen!" sagte das Mädchen leise, in der Mitte deS Raumes stehen bleibend.

Der Graf trat hinzu und den goldenen Becher er­greifend, sagte er:Ich trinke auf.ba8 Wohl der schönsten Jungfrau, die mein Auge je gesehen!

Langsam und verräterisch stieg tiefe, purpurne Rote ibr ins Gesicht bei diesen Worten. Der Graf leerte den Pokal zur Hälfte und gab ihn zuruck tn bie Hand der Geberin. Sie berührte mit den Lippen unbewußt an derselben Stelle das Gefäß, an der der Gast getrunken hatte «nd nippte von dem Weine.

Baruch lieft die Beiden allein, er ging hinaus und begegnete den Männern, welche eben unter der Last, die fie trugen, herangekeucht kamen.

Die Blinde setzte sich auf ein Tabouret neben den East und schien auf ihn zu schauen mit den starren, dunkelblauen Augen, hilflos, vertrauend, demütig. Eine unendliche Wehmut überkam den starken rJiann, der so viel erlebt in den letzten Tagen. Sem eigenes Leid veraesiend, bückte er sich nieder, zu der Bünden und drückte ihr den Kuß des Mitleids aus die Stirne. .

Run ereignete sich etwas Sonderbares. Schwei­gend erhob stch die Blinde und betastete den Gast

Biederstein. , , . ,. .

i. Stu minSdenkmal. Schon lange besteht der Plan, hier ein Denkmal zu Ehren des hl. SturmmS, der als der Gründer Fulda's anzusesten ist, zu errtch- ten. Leider konnte an die Verwirklichung des Ge- dankens noch nicht herangetreten werden, da die Mittel fehlen. BiS jetzt ist für da? Denkmal ein Fonds von rund 25 000 Mark angesammelt. All- jährlich erhält derselbe ans der Etadtkafle eine Ver­stärkung, doch werden noch manche Jahre vergehen bis der Fonds eine solche Höhe erreicht hot, daß die Errichtung des Ehrenmonumentes in greifbare Nahe gerückt ist, es sei denn, der Fonds würde einmal außerordentlich aufgefüllt. Vielleicht findet sich ein Guttäter, der zu dem Fonds einen namhaften Betrag beisteuert: er würde sich hierdurch ein bleibendes An­denken sichern. Es sollte uns freuen, wenn diese Zeilen bewirkten, daß mancher Leser der Sache sein näheres Juterefle zuwendet. Sehr zu begrüßen ist es, daß der Männergesangverern Winfridia sich in den Dienst dieser Ehrensache Fuldas stellt. Der Ver­ein veranstaltet am kommenden Sonntag im großen Stadtsaale ein Konzert, dessen Erträgnis dem Denk- rnalsfonds zugewendet werden soll. Wer macht es nach? Aus das Programm der Veranstaltung ist schon an anderer Stelle unserer Zeitung näher ein­gegangen. DaS Konzert wird sicherlich allen Be-

suchern einen reichen Genuß bereiten. Darum darf kein Gesang- und Musikfreund und kein Gönner de» SturminsdenkmalS der Veranstaltung der Wlnsnoia fern bleiben. , . .

E Ter Cbemeiftertag deS Verbände? der Bäcker- Innungen Mitteldeutschlands sand gestern hier statt Vertreten waren 35 Innungen. Die Verhandlungen betrafen meistens interne Angelegenheiten; u. wurde auch über die wöchentliche Arbeitszeit der G j und über das Mühlensyndikat beraten.

-i- Voruntersuchung. Unterer gestrigen über die Vernehmung der 13 Zeugen tn der Straftache gegen den Paul Wilhelm Müller wegen veriucht n Totschlags ist noch nachzutragen, daß fast bei der Gegenüberstellung Muller als den Taler wiedererkannien. , . m;.,.

-t- Desinfektion bei ansteckenden Krankheiten. Viel- fach kommt eS noch vor, daß bei ansteckendenKrank- Hecken nicht rechtzeitig genug Anzeige erstattet wird wodurch die gesetzlich vorgeschriebene Desinfektion verzögert und die Gefahr einer Verrchleppung der Krankheit erhöht wird. Demgegenüber weist der Herr Landrat darauf hin, daß von etwa vorkommenden ansteckenden Krankheits- »nd Todesfällen sofort An -e ge bei den Bürg rmeisterämtern zu erstatten ist, damit die DeSinfettion bald nach dem Tode oder der Genesung deS Erkrankten durch den amtlichen De. - infeklor erfolgen kann. Falls kein Arzt zur Behand­lung hinzugezogen wird, ist der Familienvorstand des (£rftantten unter Vermeidung von Strafe zur An­zeige verpflichtet.

Lea, laß uns eintreten ins Haus und reiche den Willkommentrunk dem hohen Gaste, der es nicht verschmäht, sich niederzulassen und sich aus­zuruhen im Hause deS verachteten Juden , sAe er. Einen stolzen Namen träat der Herr, Mädchen, edleS Blut fließt in ihm, und er gehört zu den G ßen des Landes. Ich 1

vermischter.

Sozialdemokratischer Terrorismus. Das Ge- bahren der sozialdemokratischen Metallarbeit.wer- Händler gegen christlich organisierte Mitarbeiter treibt immer widerlichere Blüten. Bei der Firma Vonze- let in Hilden bei Düsseldorf verlangten die Mitglie­der des sozialdemokratischen Metallarbeiterverbandes die Entlassung von zwei christlich or- ganisierten Arbeitern und traten, als die Firma dieser Forderung nicht nachkam, in den Streik. Von den christlichen Arbeitern wird ein vernünftiger Mensch selbstverständlich nicht verlangen können, daß sie sich von den Genosien widerstandslos von den Arbeitsstellen verdrängen lasten. Sie taten deshalb das in diesem Falle einzig mögliche, und schickten die zur Feit verfügbaren arbeitslosen Verbandskollegen in den Betrieb hinein. Sie schuldeten das in diesem Falle ihrer Selb^achtung. - Die Genosien aber er­lauben stch jetzt die Frechheit, imVorwärts vom 10. Januar und in anderen roten Blatt n dem christlichen Metallarbeiterverband "Arbeiwwilligen- berniittelung nach einem bestreikten Betrieb vorzi - werfen. Diese Heuchler!

* eint spät entdeckte Mordtat. Bor sieben Jah­ren, am 3. Oktober 1905, fuhr der Dienstknecht Otto Hirsch, der bei dem Landwirt, Otto Juergen m Hei- llgendo-f bei Braunschweig m Stellung war, mit noch vier Knechten nach Fallersleben tnbte Zucker» fabrik, um Rüben abzuladen. Hirsch hatte, gerade Geburtstag und gab für seine Kollegen Bier um Schnaps zum besten. Auf der Rückfahrt kam es zu einem Wortwechsel, in dessen Verlaus de - Knecht des einen Wagens namens Otto Holland den Knecht Hirsch, der den zweiten Wagen lenkte, vom Vagen zog und ihn durch einen Messerstich in die schlafe tötete. Die übrigen Knechte, die den Vorgang ge­sehen hatten, gaben sich untereinander d°s Verspre­chen, über die Tat zu schweigen. Sieben Aah-e hat das Geheimnis des Mordes unter den Beteiligten ae-uht Sie hatten dem Gemeindevorsteher erzählt, daß der Knecht Hirsch vom Fuhrwerk gestürzt und vermutlich überfahren worden sei. Die -.eiche wur daraus ohne jede Untersuchung zur Beerdigung ftei- aegeben. Durch Zufall erfuhr der Gemeindevorsteher Schmidt dieser Tage durch Gespräche von Holiarstei- tent daß der Tod Hirschs nicht durch Ueberfabren erfolgt ist. Nachdem der Gemeindevorsteher fich mit der Gendarmerie in Verbindung -ttfttzt batte wurden die Totenfrau und der Dienstknecht Willh Baricheen verhört. Diese gaben zu, daß Hirsch von dem letzt in dem Orte Lamme bei Braunschweig wohnenden Dienstknecht Otto Holland in der erwähnten Weise getötet worden ist. Die Staatsanwaltschaft bat so­fort die notwendigen Schritte zur Verhaftung des Täters ergriffen.

Haftes Geschäft bei guten Preisen. Der Markt war |

J-m. E S" I Stadtverordnetensitzung wurde das Pen- sionsgehalt des Stadtdieners Beyer auf 800 Ml. st - erstellt Es wurde beschlosien, sieme EiSbahn auf der hierzu vorzüglich geeigneten städtischen vJW au' Kosten der Stadt anzulegen und für die Benutz­ung von Erwachsenen ein Eintrittsgeld zu erheben. Als wichtigster Punkt stand die G r u n b u n g e t n er Rektoratsschule der Stadt Frankenberg zur Verhandlung. Die Notwendigkeit und Nuylichkett einer höheren städtischen Schule sand angehende Be­gründung und einmütige Zustimmung der Vettamm- hing. Eine Rektoratsschule wird bei einem Besticke ! von etwa 80 Kinder keine nennenswerte Belastung des städtischen Etats verursachen. Die Stadtverord- neten beschlosien denn auch einstimmig die Errichtung einer städtischen Rektoratsschule und ersuchten den Magistrat, sofort die Eigen Schritte einzuletten damit zu Beginn des Osterkuffus die neue Schule ins Leben treten kann. Sodann stand eme für die wirtschaftliche Hebung unseres Gemeinwesens wich­tige Verkchrsfrage zur Verhandlung. Bekanntlich stnd Automobilpostverbindungen zwi­schen den Orten Eorbach-Medebach-Jrankenberg und FrankenbergFrankenau-Löhlbach-Hama- Gemünden mit täglich rweimafiger Hm- und Ruck- fahrt gevlant. Die Postverwaltung übernimmt die Kosten der Autoverbindungen auf eigene Rechnung, verlangt aber von den interessierten Gemeinden die Zeichnung eines Garant,efondS. Der auf die Stadt Frankenberg entfallende Anteil an diesem> ^4, bei dem zu erwartenden Verkehr voraussichtlich ga. nicht angegriffen wird beträgt bei der erftermabnten Verbindung 200 Mark, bet letzterer ca. 000 Mk. pro Kahr. Die Versammlung ist mit berget Artung ber Beiträge einverstanden, ebenso mit der Errichtung eines AutomobilschuvvenS, für welchen bereits em I Terrain hei ber Teichrnnhle vorgesehen ist. Ein wet- 7ere§ Proiekt, Rosen tb alG emunden Frankenberg, ist nach Erklärung des Biiroer- I meisters in Vorbereitung und hat ebenfalls Aus acht

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 15. Ion. 1913. Die Eis er nie hat heute morgen auf der Werra begonnen. Die Ets- decke hat eine Starke von ca. 10 Zentimeter.

Aus der Vorderrhön, 15. Jan. 1913. Zu un­serer Notiz übet den künstlichen Weihnachtsbaum rottQ un8 folgendes geschrieben: »Der Einsender jenes Ar­tikels regt sich gewaltig darüber auf, daß einzelne Personen sich nach künstlerischen Vorlagen eine Weih­

nachts-Pyramide mit drehbaren Etagen geschnitzt, haben; bei Betreffende fürchtet, dadurch könnte der Weihnachtsbaun verdrängt roeroen. Die Aufregung deS Schreibers dürfte jedoch unnötig sein. Hätte er sich so ein .Machwerk" einmal näher a rgesehen, bann hätte er gesunden, daß dieses Ding eine Heidenarbeit kostet, und er hätte sich bann freuen müssen, daß un­sere einfachen Leute sich so sehr für Dilettantenkunst interessieren. Diese Pyramiden sind nämlich nach künstlerischen Vorlagen der Firma May & Widmetet in München angefertigt, welche solche Vorlagen schon feit 25 Jahren auf ber ganzen Erde vertreibt, nicht bloß in ber Vorberrhön. Es ist daher jedenfalls viel bester, die Leute beschäftigen sich in ihren Mußestun. den mit einer solchen nützlichen und anregenden Ar­beit, als daß sie sonst Unnützes treiben. Auch fällt es niemandem ein, durch solche Arbeiten den Weih­nachtsbaum zu verdrängen, der übrigens durchaus nicht überall im deutschen Vaterlande auf dem Weih­nachtstische zu finden ist. Es gibt auch deute noch Gegenden, wo außer in ber Kirche m keinem Hause ein Weihnachtsbaum vorhanden ist. Die Sitte des Weihnachtsbaumes ist norddeutsch und ist allmählich in die südlicheren Gegenden Deutschlands vorgedrun­gen. Darum keine unnötige Aufregung!" (Trotzdem bleibt zu Recht bestehen, daß ein derart gekünstelter Baum kein Christbaum ist und zn unserer Vor"ellung vom deutschen Weihnachtsfeste nicht paffen will. Die Red.)

auf Verwirklichung.

Fronbaul'"'. 15. Jan. 1913. Bei einet hier in einem 600 Morgen großen Jagdarundstuck abge­haltenen Treibfagd, welche bet ^nstem -w- terwetter vor sich ging, wurde em Hase zur Strecke gebracht. . .

* Biermünden, 15. Jan. 1913 Der fahrige Sohn des Gastwirts Lücke batte, als die Mutter den Kaffee eben auf den Tisch gestellt und an den nahen Knchenschtank getreten.war, di? Kanne an sich her- engewgen und aus ber Ausgußrohre geirnnken. Die Speiseröhre unb das Innere waren derart ver- hrannt, daß das Kind unter gräßlichen Schmerzen schon nach einigen Stunden starb.

» Holzhamen, 15. Jan. 1913 In der Lehrerwoh. nuttg ber hiesigen Schule brach Feuer auS bas jedoch kurz nach dem Entstehen durch das beherzte Eingreifen einiger Feuerwehrmänner gelöscht werden konnte. Immerhin ist an Möbeln ein beträchtlicher Schaden entstanden.

Wabern, 15. Jan. 1913. Der Grunderwerb für die BahnhofZerweiterung, ber diesmal mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden war, ist nun­mehr beendet, die Aufbesserungen sind gtohtenterlS erfolgt Die Verwaltting hat den Grundbesitzern durchweg recht hohe Preise bezahlt. Nun kommt aber die Kehrseite der Medaille: die Lewe suchen für dte abgegebenen und teuer verlausten Grund,tucke Er,atz und begegnen Forderungen, tote sie bisher hier nicht üblich waren; man rechnet nach den Preisen die die Bahn gab unb glaubt, an betn Vorteil auch profitie­ren zu können. Es wird nun Wohl euttge Zett dau­ern bis die Grundstücks-Mettverhaltnisse wieder auf ein'normales Maß zurückgeführt sind. Ein gutes Geschäft hat die Gemeinde in der Wertzuwachssteuer gemacht, es sind ihr ganz erhebliche Beträge zugefal- len, was natürlich der Allgemeinheit wieder sehr zu statten kommt. , .

« Schrecksbach, 15. Jan. 1913. Ein Ein. bruchsdiebstahl ist ut vorgestriger Nacht tm Keller des Fräuleins Helmschwerdt hier verübt wor­den. Tie Einbrecher haben die Blewerbtndungen aus den Kellerfenstern herausgemeißelt, die Fenster­wirbel zurückgebreht unb sind bann in bett Keller etn- gestiegen. Mehrere Flaschen Wein, Eingemachtes, frisches Obst unb Konserven fielen ben Einbrechern in die Hände. Der Ottsgendarm und der Poltzeidre-

Lokales.

Fulda, 16. Januar 1913.

* «erflehe« wurde dem Bezirks-Lchornsteinfeger- ««her uub Kreisbranbmetster Aug. Fiedler in ftilnfelb des Vetdiensikrem in Silber.!

* A Wieder nicht der Richtige. Wie schon kurz ge- «telbet wurde gestern in dem Dorfe Goßfelden etn Mann'verhaftet, ber bringenb verdächtig erschien, ber «eaen des Mordes bei Kämmerzell schon lange ge- hicbte Zigeuner Wilhelm Ebender zu sein. Der Be- Essende hatte vor einigen Wochen beim Landwitt Stenberg m Goßfelden gearbeitet und sich dann ent- lernt Um dieselbe Zett tauchte das Gerücht auf, Lfc sich Ebender in den Lahnbergen umhertreibe. Der Beschreibung nach mußte der Verdächtige mit dem Knecht der sich Peter Wintrich nannte, identisch sein, «lz der letztere gestern wieder bei Isenberg vor- k^ach, lud er ihn zu Tische ein unb benachrichtigte ben Kenbarmerie-Wachstmeister Reddighausen auS Cölbe der dann auch bald in Ziv'lkleidung erschien und fich mit Isenberg über allerhand geschäftliche fachen unterhielt. Bei der Gelegenheit wurde der verdächtige Monn plötzlich überwältigt und dann ge« feffelt nach Marburg inS LandgerickttSgefängnis ge­bracht Wie man hört, soll man ihm auch Waffen abgenommen haben. Wenn auch die Aehnlichk-tt mit Ebender, Größe, Statur und verkrüppelte Hand I bafür sprach, so hotte man doch, wie sich herausstellte, wieder nicht den richtigen Ebenher gefaßt. Es han­delt sich vielmehr um einen zigeunerhaft aussehenden Mann, der vor einigen Wochen schon einmal von der Marburger Polizei vorgeführt wurde. Er trieb sich bt der Marburger Gegend bettelnd umher unb bot auch eine angeblich von ihm gemachte Erfmcning, die ihm patentiert sei, zum Verkaufe an. Ob Wmt- rich sein richtiger Name ist, wird bezweifelt. Er wurde beute einstweilen, jedenfalls wegen seines ziellosen Umhettreibens, in Hast behalten.

a. DaS Ergebnis bet Wahl ber Vertrauens- ttnb Ersatzmänner für bie Angestellten Versicherung im Land- bezirk deS Kreise« Fulda ist nunmehr endgültig fest- gestellt. Es find berufen a) von den Arbeitgebern ÄS Vertrauensmänner Becker, Bergafleffor und bevollmächtigter Betriebsleiter der Gewerkschaft Neuhof zu Neuhof, Kersten, Oberamtmann und Domänenpächter zu Maberzell, Hotelbesitzer Wüst« holen in Bad Salzschlirf; als erste Ersatz- männer: Warnstedt, kaufmännischer Leiter der Gewerkschaft Neuhof zu Neuhof, Klostermann, Oberamtmann und Domänrnpächter zu Johannisberg, Drogist Henrich zu Bad Salzschlirf; als zweite Ersatzmänner: Apotheker Melde zu Großen' Ifiber, Domänenpächter Kirchhof zu Weihershof, Gutsbesitzer Souchay zu Künzell; b) von den Arbeitnehmern wurden gewählt als Ver­trauensmänner Buchhalter EhlerS m Neuhof, Betriebsführer Bornschein in Neuhof, Chemiker Schumann in Neuhof; als erste Ersatzmänner: Handlungsgehilfe Baumann in Eichenzell, Maschinenmeister Lellau in Neuhof, Bautechniker Weber in Neuhof; als zweite Ersatzmänner: E- 'dient Bodendorf in Neuhof, Reisender Brann in Rothemann und Oberlehrer Streicher aus Schloß

Der Graf von Tarent. |

37] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Baruch beantwortete ber Frage nicht unb näher ftfitb näher schritt bie jugendliche Gestalt in bei roten Samtrobe ben beiben Männern entgegen. Dem Grasen fiel es auf, daß bas Mädchen hoch aufgerich­tet ging, die Augen starr inS Leere gerichtet.

iPapa, bist Du es?" fragte bie Gestalt mit tori­scher, melobischer Stimme.

;Ja, Lea, Herzenskind, ich bin", antwortete der alte Israelit mit zärtlicher Stimme.5>ch bringe einen Gast mit mir, Lea, der zum ersten Male hier ist und hoffentlich eine Zeit lang hier unter unserem Dache bleiben wirb. Gib Myrrah, ber Magd, Auf­trag, das Beste zu tun, was Küche unb Keller ver­mag, der Herr ist von hohem Stande unb eine große Ehre ist es für mich alten Mann, daß er wird ein» treten unter mein bescheidenes Dach . . ."

Willkommen sei der Herr", anttoortete das junge Mädchen,btrtmal willkommen!" Es lehnte nun ben Kopf an d-e Schultern Baruchs, ber bas herrliche Geschöpf an sich gezogen unb ben Arm um besten Schultern gezogen hatte. ,

Graf Tarent verbeugte sich schweigenb vor der sieblichen Gestalt, bie sich nun von dem alten Manne losmachte unb ihm die kleine, schmale < Hand zum Gruße darstreckte. Mit Verwunderung sah Graf Tarent, daß sie die Hand hilflos vor sich hinstreckte sn einer Richtung, in der er nicht stand und einen Schritt nach ber Seite machenb, beeilte et sich, die- ^^Wiederum'beffelbe starre Blick, ber in die mb- lose Ferne schaute und das Bild ber Person des Be- suchers nicht zu sehen schien!

1 Der Händler schien die Verwund rung 'm Ge. tote seines Gastes zu bemerken, leise b.ruhtte e.

W° WIW mit r--. dE Stink mein.; Schwester", bat er nun nut MnndnStt ime,vor ihren Augen ist es Nacht, ste f ' & Ein tiefes Erbarmen ubettam den Grafen mW imwillkürlich griff er noch einmal b» kleine »arte

sEDanich, Ihr habt hier ein seltenes Kleinod ge- borgen", sagte erTas Mädchen ist von berücken­der Schönheit und würbe die Augen aller ans sich ziehen, wäre sie auch umgeben von den Wnften ihres Geschlechtes. . . So hat die Insel doch ihre verzauberte Prinzestin, und dem Marchenb.lbe fehlt nun nichts mehr, al?" Er vollendete seine Rede nicht. Er war im Begriffe gewesen, anzuspielen auf den Ritter, der, wie in der Fabel, die verzauberte Prinzestin aus dem Banne erlöst, doch ein unbe- stimmte? Gefühl veranlaßte ihn, plötzlich die Rede "^Schweigend schritt Baruch voran, dem Gaste den Weg weifend. Hatte schon draußen der forafalttg gepflegte Garten mit den tausend Blumen und Blu­ten die Ausmerksamkett des Herrn von Tarent er­regt, so wuchs sein Staunen ins llngemestene, al? er ins Haus eintretend, um sich blickte, ^r Korridor war mit Marmorfliesen belegt, weiche Gewebe dar­über gebreitet, ließen den Tritt des Fußes ungestört. In die Zimmer schreitend, sah der Graf überall einen Luxus und eine Entfaltung von Pracht, nicht weni-

2. Blatt.

bei Snlbaer 21ctten6r«f.erei in

Handel und Industrie.

Berlin, 15. Januar 1913. Die Börse zeigte wieder größere Zuversicht unb sie schloß zu gut 'c> . haupteten Kursen. Montanpaviere waren, nachdem anfangs Abgabedruck vorherrschte, tm Verläufe wieder fester. Elekirowerte waren weniger gut gestalten uns bis 1 Prozent niedriger. Sebhaft gestaltete sich wieder das Geschält in Schiffahrtsaktien, wobei Paketfahrt- aktien im Mittelpunkt standen. Von Bahnen waren Kanada durch die flauen Newyorker Meldungen ge- drückt, später aber erholt. Am Bankenmarkt brachten Deutsche Bank eine anfängliche Einbuße wieder ein. Russenbanken waren um Bruchteile schwacher. Der Kastaindustriemarft hatte überwiegend schwache Hal­tung. Der Privatdiskont erhöhte sich aus 45 s Prozcm.

mit den schmalen, Weißen Händen. Zuerst berührte sic ihm die Hände, dann tasteten ihre Fmger den Armen entlang zu ben Schultern, dem Gesicme. Jede ihrer Berührungen war zart, elsenhaft, istm war zu Mute, als befinde er sich unter dem Tinsluste eines überirdischen, wesenlosen Schattens.

Nun nahm sie wieder Platz zu seinen Füßen und die lichtlosen Augen schienen in weite Fernen zu schauen.

Mutter, Du bist mir erschienen int Schlafe und kündetest mir sein Kommen", murmelte sie letze.

Nun schwieg sie. Er fühlte sich seltsam berührt durch die Motte, die sein Ohr ver.nommen. Dte Blinde blieb nun füll, auch er fand keine Motte. Eine unendlich wohltuende Ruhe überkam chn Gefühl seliger Befriedigung. Durch das geossiete Fenster hotte er das Säuseln des Windes, das Plät­schern und Riffeln des Baches, sein Ohr hotte die jubelnden Töne der gefieberten Sanger, welche fiw des goldenen Sonnenschein? freuten, ht den Zwergen der Baume. .

Er dachte zurück an eine Andere, die er etnst so sehr geliebt, er verglich sie mit diesem Wei en beide so unaussprechfich schön und doch f° versch>eden wie ber Tag unb bie Nacht. . . Eine Ermubrtng iber- kam ihn nach ber langen, abenteuerlichen 7 acht, langsam sank ihm ber Kovf tn bte we'ch-n Polstcr- ST

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einer der Schatten wies bfnimtcr r .^wettend, ihm einen zornigen, Wrfunte"

verschwand er in be -tefe « « lichter ss v

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wae be§ Schlafenden hotte, erhob es sich leise von sttnem Sitze näherte sich unhörbar dem Gaste und küßte sein Gewand.

Sann ging cS hinaus. (Forts, folgt.)

.. gehört zu beit ®ro- ph ues «unu« nenne Dir nicht ben Namen, Lea denn unerkannt will bleiben der Herr, und keiner von den Knechten soll wtzsen, woher er kommt unb wohin er lenkt seine Schritte. Eile Dich, ~ea, tntb bereite bas Hausf"

Sie verbeugte sich unb schritt voran. Staunend blickte ber Graf der dahin schwebenden graziösen Ge»