Fuldaer Leitung
Mittwoch 15. Januar 1915.
Hw. hier im werke
Aus dem NachbargebieLs.
, Hilders, 15. Ian. 1913. Am Sonntag finde» : Gasthaus „Hum Stern* eine grosse Hand« rveriamm 1 ung statt, in der die Herren
formation über irgendeine geschäftliche Angelegenheit. Da leien wir' Bureau für Auskunftserteilung m allen Rechtsangelegenheiten. Flugs tragen wir dort unsere Sache vor, holen uns Verhaltungsmatzregeln und verlasien das Bureau nach Zahlung einer Gebühr von drei Mark. Zu unserem Schmerze muffen wir aber durch einen in gleicher Sache später gegen uns angestrengten Prozeß erfahren, daß wie seinerzeit für unser Geld durchaus falsch instruiert worden waren Wie sich hinterher hcrausstellte, hatte sich der Inhaber der Auskunftsstelle beim Nachschlagen in einem Paragraphen versehen. Der gegen ihn darum auf Ersatz des uns entstandenen Schadens angestrengte Prozeß muß für uns mit einem Siege enden, denn unser Gegner bat eine Fahrlässigkeit auf dem Gewiffen, für die ihn das Gesetz büßen heißt, weil er vertraglich mit uns verbunden war. Aus dem gleichen Gesichtsvu'ikte haftet uns z. B. auch der Arzt für eine fahrlässige, falsche Behandlung. Natürlich aber beschränkt sich die Haftung für Fahrlässigkeit auf Ratschläge, die in Erfüllilng vertraglicher Verbindlichkeit erteilt wurden. Bittet jemand also abends am Stammtisch seinen Rechtsanwalt um irgendeinen Rechtsrat. obne jedoch dafür ein Honorar -il zahlen oder ein Vertragsverhältnis hinsichtlich dieser Sache anbahnan zu wollen, so ist die erhaltene Antwort eben auch unverbindlich und kann deshalb Schadenersgtiansvrüche nur stützen, wenn sie nach- weislich wider besseres Wissen erteilt war.
Wie wir stben, ist nach alledem .nicht nur guter Rat teuer; es kann vielmehr auch ein schlechter Rat recht teuer werden.
Hosbäckermeister Simm er aus Fulda und Syndikus Thanheiser auS Kassel über die Vorteile der Innungen und Handwerkskammern für das Handwerk sprechen werden. Alle selbständigen Handwerker und alteren Gesellen von Hilders und Umgegend haben zu der Versammlung Zutritt.
. Der Gras von Tarent.
16] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Staunend hörte der Graf den Aufzählungen des Handelsmannes zu. „Baruch, Eure Hand reicht weit", sagte er lächelnd, „wer Euch sieht in Eurem kleinen Laden, möchte wohl glauben, Ihr hättet an nianchem Tage nicht genügend zu effeu. Die befördert Ihr alle diese Waren?"
„Acht wohlbemannte Schiffe, die mein Eigentum sind, schwimmen auf den Meeren", entgegnete der Jsraelite stolz, „dieselben lausen an in den besuchtesten Häfen, wo meine Agenten nach meiner Weisung für meine Rechnung kaufen und verkaufen."
„Und warum gebt Ihr Euer erbärmliches Dasein im Ghetto nicht auf, nachdem Ihr solchen Wohlstand besitzt? In einem anderen Lande könntet Ihr eine große Existenz führen, nicht überall sind die Juden so bedrückt, wie hier."
Baruch wiegte sinnend den grauen Kopf. „Herr, ich bin alt und grau geworden unb all die Lieben, die ich einst besessen, liegen begraben an der Stelle, wo die Christen ihre Verbrecher töten — am^Gal- genstein. . . Diese Toten halten mich fest. Dann bedenket, Herr, der Baruch ist geboren im Ghetto, er kennt jeden Stein auf der Straße, jeden Strauch, der wächst zwischen dem Gemäuer. Wer im Ghetto leidet Sorge und Not, der kommt zum Baruch in sein kleines Haus, denn unsere Lait V'rtö scharf, und sie wissen, daß ich habe gehandelt nut Gluck und daß der Herr gesegnet hat mich mit Besitz. Soll ich die Armen verlassen? Ich bin zu alt, um noch zu wandern."
Mährend dieses Gesprächs testen die beiden einen steil ansteigenden Pfad gehandelt,, der .aufwärts führte und "schließlich oben ins Freie endete. ~>ben anqelangt, bemerkte der Graf mit Staunen, daß er nach keiner Sette hm das Meer erblicken konnte, ov- woh! sein Ohr deutlich das Brausen und Donnern
Das Renkespiel iu der Republik.
Ein siebenjähriges „Staatsoberhaupt" soll von dem franz. Kongreß am 17. d. M. gewählt werden. Auf die Wahlbewegung ist nun der Schatten des ungluck;eligen ■— Drehfus gefallen. Wie ist das möglich. Trey- fus und seine „Affäre" waren doch seit zzahren schon erledigt und anscheinend begraben? Ja, in em er „Republik", namentlich in einer freimaurerischen, sind wunderlichere Verwickelungen, Kabalen und Ueberraschungen möglich, als in einer Monarchie.
Oberstleutnant du Paky de Clam war s. Zt. für die Schuld des angeblichen-Verräters Drcyfus in hervorragender Weise eingetreten. Als die Freunde des Drehfus siegten, wurde du Paty aus dem Heere entfernt. Zur Zeit der Marokkokrisis bot nun der entlassene Oberst angesichts der Kriegsgefahr dem Vaterlands seine Dienste wieder an. Der damalige Kricgsminister Messimy dachte, für den Ernstfall müsse man alle Kräfte zusammennehmen, und versprach die Gewährung des Gesuches. Messimy kam nicht mehr dazu. Ter jetzige Kriegsminister Millerand glaubt das Versprechen seines Vorgängers ein» lösen zu sollen, und stellte Herrn du Path de Clam in die Landwehr wieder ein.
Im Grunde eine ganz einfache Sache. Wenn sie bei uns zu Lande passiert wäre, so würden auch die parteipolitischen oder prozessualen Gegner des Man- nes sagen: Wenn er fechten will fürs Vaterland, so laßt ihn fechten! In Frankreich aber löste der Vorgang einen wahren Sturm aus. Die Drey- fusards, die Drahtzieher der Logen und ihre Mitläufer, welche die radikale Partei und durch dieselbe die Republik beherrschen, entbrannten vor Wut über die Rehabilitation eines Anhängers ihres Drehfus, und Herr C o m b e s, der berüchtigte Vater des Kulturkampfes, stellte sich an die Spitze dieser Bewegung, weil er die Möglichkeit erkannte, mittels dieses auf» gebauschten Zwischenfalls die Wahl P o i n e a r S's zum Präsidenten der Republik zu vereiteln.
War denn Voincars beteiligt an der Wiedercin- stellung des Obersten du Paty? Durchaus nicht. Der Ministerpräsident Poinears hatte von der Absicht des Krieasministers Millerand vorher keine Kenntnis: der letztere bandelte selbständig, da er die Sache als eine innere Angelegenheit seines Ressorts, als eine militärische Maßnahme ohne politische Bedeutung betrachtete. Als der Skandal ausbrach, ließ Herr Poincarö seinen Kollegen Millerand schleunigst fassen, rückte soaar recht demonstrativ von ihm ab. Wes Händewaschen wird ihm aber nicht helfen. Herr Combes rechnet darauf, daß immer etwas hängen bleibt. Die Radikalen sollen mißtrauisch werden. Wenn unter dem Ministerpräsidenten Poincars schon ein solcher „Affront" gegen die herrschende Clique sich ereignen kann, was für Ueberraschungen kann dann erst der Staatspräsident Pooincars'„n n s" bereiten? Zugleich erinnert man daran, daß Poin- carz schon in der Sache der Wahlreform seine eigenen Weae gegangen und frevelhafter Weise mehr auf seine Ueberreuqunqen, als auf den Vorteil der herrschsüchtigen Partei geachtet hat. Und wie verdächtig ist es, daß Poincars wegen seiner ausgeprägten Persönlichkeit sogar bei den Rechtsparteien in der Kammer Sympathien findet. Ein Mann, der zur Annäherung und Sammlung der Parteien beitragen könnte, darf nicht Naatsoberhauvt in Frankreich werden, denn die Radikalen wollen ibr Berfolgungs- und Schr-ckensregiment unentwegt sortsetzen!
Herr Poincarä erregt keineswegs unser Wohlgefallen, da er durch sein vordringliches und überqe- schästigeS Verhalten in der hohen Politik den Eindruck der Eitelkeit und Streberei machte. Aber unter den republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaft ragt er doch hervor als dis einzige P e r- f ö n l i ch k e i t, von der man vielleicht einen wirklichen Gebrauch der seither vernachlässigten und säst vergessenen Rechte des Staatsoberhauptes erwarten könnte. Er batte auch bisher gute Aussichten. Jetzt gerät er freilich in eine Zwickmühle. Er wird auf der Linken Stimmen verlieren, weil unter seiner Ministervräsidentschaft „so etwas" passiert ist. Und auf der Rechten werden ihm vielleicht Stimmen verloren gehen, weil er sich so schnell und gründlich von Millerand losgesaat batte.
Die alte Drevfus-Angelegenheit hat nun die Republik schon um einen Krieqsrninrster gebracht, der nach dem Urteil aller Kenner in seinem Fache sehr Tüchtiges leistete, obschon er kein Militär war. Vielleicht kostet die Geschichte dem Lande noch einen Staatspräsidenten, der Verhältnis m ä ß i g die besten Aussichten eröffnet hätte. Ein wahrhaft gemeinschädliches Ränkespiel!
In Paris zerbricht man sich z. Z. den Kopf über die Frage, warum denn Millerand gerade jetzt,
2. Blatt.
Druck 6er $el6aer Xctieitftncerti in 5»lda.
rt Bon guten und schlechten Ratschlagen.
Guter Rat war zu allen Zeiten teuer. Heutigentags ober ist er goldeswert. Denn die Gegenwart hat auch hierin die Preise in die Höhe getrieben. Ter allerorten geführte unerbittliche Kampf um bie eigene Existenz gestattet uns weniger denn je, in Behaglichkeit unsere Gedanken sich um bie Interessen der Mitmenschen ranken zn-kaff-n. Unb unser guter Wille, ■ Su helfen unb zu raten, wird messt überwuchert von ber harten Notwenbigkeit eines Ausgehens in ben eigenen Sorgen. Darum bürfen wir einem wortkargen Freunb in ber Regel größeres Veutrauen schenken, als einem zungenfertigen Ratgeber. Gibt es boch nur allzu viele Menschen, die in falscher Freundlichkeit ihren Mangel an Zeit und Lust zu einem Vertiefen in unsere Nöte durch Schnelligkeit und Wortreichtum bei ihren Auskünften wettzuma- chen suchen. Aber auch wohl durchdachte, von herzlicher Fürsorge diktierte Ratschläge werden für den, der ihnen folgt, natürlich nicht immer zum guten Ende führen. So kommt es denn, daß wir als Ratgeber statt des verdienten Dankes bisweilen Verdruß unb Vorwürfe ernten.
Glücklicherweise hat das Gesetz bafür gesorgt, daß sich solchem Ungemach wenigstens nicht auch noch materielle Nachteile für uns hinzugesellen können. Denn der Berater ist zum Ersatz b e § Schabens, ber aus ber Befolgung seines Rats ober seiner Empfehlung entspringt, nach bem gegenwärtig geltenbcn Rechte nicht verpflichtet. Besucht uns also beispielsweise ein Freunb unb erklärt uns: „Ich inöckste mir ben Acker hier kaufen; was mein ft bu zu bem Boden?", so kann er, durch unser eifriges Zureden zum Kaufabschlüsse getrieben, von uns nun ob unseres Rats nicht etwa vor Gericht Rechenschaft für getäuschte Erwartungen verlangen.
Ratschläoe mögen uns also unter Umständen moralisch verpflichten, vom Standpunkt des geschriebe- nen Rechts sind sie aber stets unverbindlich. Stets? Nun ja, solange anständige Menschen in Frage kommen. Denn das Gesetz hat hier natürlich nicht etwa Lug und Trug der Ratgeber einen Freibrief ausstellen wollen. Vielmehr verwahrt sich ber Richter ausdrücklich gegen solche Annahme. Darum erklärt er uns für h aftba r, wenn unsere Erteilung von Ratschlägen eine unerlaubte Handlung einfchließt. Unerlaubt aber ist selbstverständlich jeder Rat, den wir aus freien Stücken ober auf Anfrage jemandem erteilen in bem Bewußtsein, ihm bamit etwas Nachteiliges, Schädliches zu empfehlen. Hierin wider besseres Wissen handelnd, haben wir für unser Tun um seiner Siftnnwidrigkeit willen bie Verurteilung zum Ersätze bc5 bem anderen entstandenen Schadens zu gewärtigen. Der Umfang dieser unterer Haftung richtet sich nach ber Größe des Verlustes, der bcift Kläger durch Befolgung unterer unmoralischen Ratschläge erwachsen ist.
Aber nicht nur bie böswilligen Zungen, sondern auch die gedankenlosen Schwätzer fsollen nach der Rechtsprechung unter Umständen bie Streng.» des Gesetzes "spüren. Einige Richtersprüche haben nämlich bie Beklagten auch dann schon verurteilt, wenn sie ihre Ratschläge ans Behauptunaen stützten, bereit Richtigkeit ihnen tatsächlich gar nicht bekannt war, ober wenn sie Tatsachen für sich ins Feld führten, um beren Bestehen sie selbst faktisch nichts ober nichts Genaues wußten. Solche Urteile sinb nur mit Bestall zu begrüßen, weil sie ber weitverbreiteten Unsitte steuern, vorschnell unb gebankenlos über bas Wohl und Wehe anberer in tiefeinschneidenden Lebensfragen mitzureden. Das Verantwortlichkeitsgefühl für jegliches unnütze Wort zu stärken, erscheint eben vielfach recht vonnöten. ,
Noch höher zu spannen sind schließlich bie An- fprüche gegenüber Leuten, die uns in Erfüllung einer sie mit uns verbindenden V e r t r a g s p fl i ch t Rat und Auskunft geben. Sie werden uns auch dann haftbar, wenn ber unrichtige Rat einen Mangel an sorgfältiger, gewissenhafter Prüfung verrät, wenn also ber Ratgeber fahrlässig zu Werke gegangen ist. iHerzu ein Beispiel. Wir bebürfen einer In
der Brandung vernahm. Die Natur hatte hier in bizarrer Laune eth seltsames Bild geschaffen. Auf der Seeseite fliegen die Feste »wände schroff empor zu beträchtlichen Höhen, drinnen auf ber Landseite fielen dieselben ab unb bildeten ein Plateau, das sich nach bet Mitte zu fort und fort senkte, bis umgeben von bem Kranze ber Felsen, ein herrliches Tal sich bem Auge barbot. Grüne Wiesen zeigten sich, ein kleiner Bach schlängelte sich hinburch, dann folgten, als bie beiden weiterschritten, Sträucher, Bäume, Blumen unb Blüten. Von ber Ferne sah bie Insel aus wie ein unwirtlicher Haufen von Felsen, nur geeignet, ben Möven ein Unterkommen zu geben, hier, jedem menschlichen Auge entrückt, befand sich ein kleines Paradies. Die Pinie strebte kerzengerade zum Himmel, die Korkeichen neigten sich am Ufer des murmelnden Baches, vor rauhen Winden durch bie Felsen geschützt, trug ber Orangenbaum schwere, goldgelbe Frucht, unb die Granatäpfel unb Aprikosen hingen nieder von fchwerbelabeiien Zweigen. Das Veilchen blühte in bescheibenen Farben, Rosenbüsche verbreiteten köstliche Düfte, in Gruppen vereint ftanben bie Lilien, und bie Bienen neigten sich in bie Kelche ber bleichen Blume, um ben süßen Staub zu rauben. Anemonen schauten neugierig ans bem Grase, gewaltige Magnolienbüsche wucherten empor, unb ber zähe, dunkle Epheu rankte an ben Stämmen ber Bäume, unb in ber blauen Lust schaukelte bie Fächerpalme ihre Blätter auf und nieber.
„Baruch das ist ein Paradies im Verborgenen", sagte ber Graf, welcher stch vor Staunen kaum zu fassen wußte, nimmer hätte ich geglaubt, daß zwischen diesen Felsen solches Leben und solche Schätze ber Natur sich befinben. Ich bin einst mit bem Boote hier an bet Schreckensinsel verunglückt mit einem Gefährten, unb ein Fischer, welcher eine kleine Hütte am fanbiaen Ufer bewohnte, fanb uns Knaben leblos am Straube liegen. Er trocknete unsere Kleider, erquickte uns mit Speise unb Trank, nachdem er uns zum Bewußtsein gebracht -— vergehens suche ich bie Stell: mit bem Auge."
saß, umgeben ringsum von RoKnbüschcn unb Magnolien. Es war ein Mädchen von vielleicht siebzehn Jahren.
Das Mädchen war von wunderbarer Schönheit. Das Gesicht war oval, die Haut weiß wie Alabaster, eine hohe Stirn, überdeckt mit reichen, braunschwarzen Haaren, welche in langen Wellen niederfielen über bie Schultern bis zum Gürtel. Die feingeformte 9?afe war kaum merklich leicht gebogen, bie Lippen kirschrot. Tie Augen waren bunfelblau, überschattet von hohen Brauen, unb wie bas Mädchen nun nach ber Richtung schaute, woher die Stimmen ber Männer kamen, ba zeigte sich ein seltsamer, starrer Ausdruck in diesen großen Augen. Der Kopf ruhte auf einem zierlichen Nacken, ber Hals schien so zart unb weiß, daß man glauben konnte, das warm pulsierenbe Blut in ben Adern zu erkennen.
Die Hande waren klein unb schneeig weiß, die Schultern gerundet, ber zarte Busen war keusch bedeckt mit einer weißen Spitzenkrause, über dem Ausschnitt der bunteiroten Samtrobe, in ber sie gekleidet war. Ein goldgestickter schmaler Gürtel schlang sich um bie überaus zarte Taille, unten am Saume der Samtrobe schauten überaus kleine, fein geformte Füße hervor, gekleidet in weißseidene Schuhe, welche, wie der Gürtel, Goldstickereien zeigten.
Sie ließ bie Brotkrumen fallen, mit denen sie bisher eine Schar Vögel, welche rings um sie her flatterten und kreischten, gefüttert hatte, unb stand von ihrem Sitze auf unb lauschte nach der Richtung, woher bie Schritte unb Stimmen der Männer tarnen. Als sie etwas vornüber gebeugt horchte, öffnete sich ihr Mund etwas und tadellose Reihen kleiner, Perlen- gleicher Zähne wurden sichtbar.
Dann ging sie einige Schritte vorwärts.
»war der Moment, wo die Männer um die Tarnshecke bogen und ihrer ansichtig wurden, denn hätte das Mädchen die Worte: „Baruch, sagt mir, wer ist sie — wie kommt sie hierher an biete Stelle 1—“
ö (Fortsetzung folgt.)
einige Tage vor ber Wahl, bas Versprechen seines Vorgängers eingelöst hat. Es taucht sogar der Verbucht auf, bie Gegner Poioncars's hätten bett "riegs- miniftcr hinterlistig verleitet zu der Maßnahme, bamjf sie aus bem Zwischenfall gegen Pom- car6 Kapital schlagen könnten. Ach, wte neblich geht es boch zu in einer Repnblik, wo ,'Jvethett, Gleichheit unb Brüberlichkeit" recht groß unb fett auf bem Papier steht.
totales.
Fulda, 15. Januar 1913.
qz Heber bie Teilnahme weiss. Vereine an Sei- chenbeaänanisien ober anderen kirchlichen Feiern hat bas Generalvikariat folqenbe Bestimmungen getroffen: 1 Bei Beerbigungsfeiern gehen bem Prozes- siionskreuz voran bie weltlichen Vereine mit ihren Fahnen, unb zwar eröffnet ber Kriegerverein, insofern er statutengemäß an einer Beerdigung tetl- nimmt, selbst mit seiner Fahne ben Trauerzug. 2. Nach ben weltlichen Vereinen folgt bas Prozefftons- krettz, bann bie Schulen, sowie bie kirchlichen Vereine mit ihren Fahnen, wofern dieselben religiöse Embleme' tragen und bie kirchliche Weihe empfangen haben, unb zwar in ber durch das Herkommen bereits feftgelegten Reihenfolge. Wo kirchliche Vereine seither der Leiche folgten, mag diese Gewohnheit beibehalten werden. Hierauf folgen bie Ministranten, Kirchenbiener unb bic bienfttuenben Geistlichen, bie unmittelbar bem Sarge vorangehen. Der Leiche folgen bie leibtragenben Angehörigen mit ben übrigen Teilnehmern. 3. Die rituellen Gebete it. Gesänge dürfen durch bie bie Trauerparabe etwa begleitende Musik nicht gestört werden. Daher müssen rechtzeitig vor dem Leichenbegängnis zwischen dem Pfarrer bezw. dessen Vertreter und den Vorständen der Vereine bestimmte Zeitabschnitte, während welcher die Musik spielen kann, feftgelegt werden. 4. Am Grabe sollen etwaige militärische Ehren erst eintre- ten, nachdem die kirchliche Feier beendigt ist. 5. Bet bem Gottesbienst für ben Verstorbenen tu ber Kirche haben ber Krieaerverein unb die übrtaen weltlichen Vereine weder für bie Mitglieber noch für ihre Fahne noch für die Waffen einen besonderen Platz zu beanfvruchen; auch sollen die kirchlich nicht geweihten Fahnen in ber Kirche nicht feierlich getragen werben. Gegen die Aufstellung berieten und bic Waffen in ber Nähe des Einganges (im Innern) ber Kircbe ist nichts tu erinnern. Diese Bestimmungen haben auch Geltung, wenn der Kriegerveretn oder andere Vereine in eorvöre an anderen Gottes- biensten ober kirchlichen 'Prozessionen tetlnehmen, wobei im befonbern an die kirchliche Vorschrift erinnert wirb, daß Fahnen ohne religiöse Embleme, die hie kirchliche Weibe nicht erhalten haben, bet kirchlichen Feiern und Prozessionen nicht getragen werden dürfen.
△ Ein Jubilar der Arbeit. Der Achienbreber Johann Herzia von Weiterbera, ber in bet hiesigen Eisenbabn-tzauptwerkstätte beschäftigt ist, begeht heute sein 40sähriaes Arbeitsjubiläum. Sowohl von ber Direktion, sowie auch von seinen Kollegen wurden ihm Ebrunam i'i'ell. ...
Ihren 80. Geburtstag feiert beute m geistiger unb kö'verlicher Frische bie Schuhmachermeisterswitwe Katharina Werner.
Hk. Ein reichhaltiges Adressenmaterkgl aus Rußlands Industrie unb Handel liegt kurze Zeit zur Einsicht, nähme auf der Handelskammer zu Hanau aus. Interessenten kann bie Sammlung auf je einen Tag
„Um bie Hütte des Fischers zu sehen, müßten der Herr Graf dott auf bie Felsen an ber Ostseite klettern. Unterhalb ber Felsen befindet sich ber Strand, wenige hundert Ellen lang. DaS Wasser ist dott seicht und gestattet bem leichten Kahne Zufahri, aber bie Felsen versperren jeden Weg ins Innere ber Insel."
„Eine verzauberte Insel", sagte Graf Tarent, mit größtem Interesse um sich blickend, „m bicfeni verborgenen Paradies könnte man leben und glücklich fein, ohne von ber rauhen Wirklichkeit des Ledens berührt zu werden. Nichts fehlt hier wie bie der- zauberte Prinzessin —"
Die beiden Männer bogen um eine Taxushecke, und bas Ange schaute auf ein elegantes Wohnhaus, das versteckt unter bem Blätterbache einer Gruppe von Kastanien balag, zur Seite ein Wirtfchaftsae- bätthe, int H'ntergmnd ein massiver nieberer Turm.
Der Grat war plötzlich staunend fiebert geblieben.
Was er hier sah, hatte et nimmer zu schauen erwartet an biefer Stelle.
Grenzenlose Ueberraschung, Bewunderung, offenes'Staunen brückten sich aus, als er auf das seltsame Bild schaute.
Unb in ber Tat, es war ein Bild ber Anmut unb Lieblichkeit ohne Gleichen, schön wie ber anbrechenbe Morgen, gebadet in ben ersten golbenen Sonnenstrahlen. — ~
Psyche und VenuS vereinteiner Form, rein, keusch, gleich bem Engel bes Lichtes. —
Hart preßte Graf Tarent ben Arm seines Be-
' „Baruch, sage mir, wer ist sie — wie kommt sie hierher an biese Stelle--"
Der Angeredete schwieg, nut tiefer Zärtlichkeit, aber kummervoll unb unendlich traurig zugleich, blickte er auf bas Zanberbilb.--- —
8.
Die Bewohnerin ber Zauberinsel.
Beim Klange ber Stimme bes fremden Mannes kam Bewegung in bie Gestalt, welche vor bem Hause
übersandt werben. Zur Deckung der Unkosten wird für bie Einsichtnahme 1 Mk. pro Firma erhoben.
-i-. Voruntersuchung. In ber Strafsache gegen den Revolverhelden Paul Wilhelm Müller, Der tm Dezember v. J§. hier, in Gersfeld unb Altenfeld auf Schutzleute und Privatpersonen schoß, fand heute vor dem Untersuchungsrichter hier beim Amtsgericht ein Vernehmungstermin statt. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Es waren 13 Zeugen geladen, vielfach Bahnbeamte, unter diesen auch der Bahnvorstand von Wiesen. Müller, ber 26 Jahre alt ti*. und aus Seelow stammt, wurde den Zeugen gegenübergestellt und bann sofort wieder ins Untersuchungsgefängnis abgefübrt.
rt Schöffengericht. Ein Kalkbrennereibentzer und Landwirt aus dem Kreise Fulda sollle sich wegen Steuerhinterziehung verantworten, weil er m feiner Steuer^ klärung vom April 1911 unrichtige und unvollständige Angaben über fein Kapual- vermögen gemacht hatte. Die gestrige Verhandlung vermochte über ben Sachverhalt kein klares Bild zu schaffen, sovaß die Angelegenheit vertagt werden mußte. - Ter Landwirt I. Kl II von Mittelrobe war deS Jagdvergehens angetlagt. In dieser Sache war gestern der zweite Termin, außerdem hatte ein Augenschkintermin stattgefunden. Auch die gestrige Beweisaufnahme erbrachte nicht das ctforber« litfje Belastungsmaterial. Tas Gericht schloß sich dem Anträge des Amtsauwalts aut Freisprechung an.
---- Die Schwmgerichtsperiodm im Landgerichtsbezirk Hanau. Das Oberlandrsgericht zu Kassel hat für das Geschäftsjahr 1913 im Landgerichtsbezirk Hanau drei Schwurgerichtsperioden angelegt, und zwar sind deren Anfangstermine auf ben 17. Februar, 16. Ium und 13. Oktober an beraumt.
(*) Die Bereinigung ehemaliger 81er hielt am Sonntag eine gut besuchte Vierteljahrsverfammlung in Giesels Saal ab. Da immer noch viele Kameraden der Vereinigung fernstehen, dürf e für diese der Beschluß von Jmereffe sein, daß nur noch bis zum 31. Januar d. Js. beitreienbe Mitglieder unentgeltlich in die Mitgliederliste eingetragen werden. Von da bis zum 30. April beträgt das Eintrittsgeld 50 Psg. und ber Beitrag zu ben Untosten ebenfalls 50 Pfg. Nach diesem Zeiipunit erhöht sich ber Beitrag zu ben Untosten auf 1,00 Alk., während das Eintrittsgeld 50Pig. bleibt. Ferner wurde beschlossen, daß die Fuldaer Vereiniguua, die mit ihren nahezu 600 Mitgliedern wohl bie stärkste aller bestehenben Vereinigungen fein bürste, sich auch an ber Jubiläumsspende für bas Regiment beteiligt, unb zwar sollen nur freiwillige Beiträge erhoben werben. An« melbungen, wenn möglich fchriftlich, wolle man bei ben bekannten Marken-VerkauMellen abfleben.
□ Sturmius-Konzert. Das für das Winf iNdi a - Konzert am kommcnd.-n Sonntag gewonnene Streichquartett ber fürstlichen Hofkapelle in Sondershausen ist eine Kammermusikvereinigung ersten Ranges, dem ein guter Ruf vorangeht. Der Primgeiger, Herr Hofkonzert- meister Plümer, bei selbst in bedeutenden Mnsik- städten, wie Dresden, Leipzig, Hannover und Chemnitz, bedeutende Erfolge errungen hat, wird als Violinvirtuose mit der berühmten Faust-Fantasie von G. Sarasate auftreten. Aus den zahlreichen Kritiken seien folgende Sätze hervorgehoben: „Die sorgfältige Technik des Solisten zeigte sich in hellem Lichte bei der Faust-Fantasie von Sarasate, die Beifallsstürme erregte." „Hofkonzertmeister Plümer meisterte mit spielender Souveränität und Eleganz die halsbrecherischen Schrote- rigkeiten." „Herr Plümer besitzt alle Gaben, die ihn zu einem echten Künstler stempeln: eine bewunderns- werte Technik, musikalisches Feingefühl." Auch der Cellist des Quartetts, Herr Kammervirtuos Schilling, ber am Sonntag ebenfalls als Solist auftritt, ist ein tüchtiger Künstler, was schon aus seiner Er- uennung zum Kammervirtuosen hervorgeht. Er wird hier „Träumerei" von Schumann und „Scherzo" vpn Goens vortragen, lieber die Gefangssolistin Fräulein H e b e st r e i t, die seit Oktober hier an der Musikschule tätig ist, schreibt Hofkapellmeister Professor C. Schweder: „Fraulein Hebestreit besitzt eine vortrefflich geschulte Stimme von edler Klangschönheit unb guter Ausgiebigkeit. Auch ist ihr Vortrag verständnisvoll und künstlerisch vornehm." Die Solificnsrage ist also aufs beste gelöst. Es werden schon die Jnstrumentalvorträge und Sololieder einen großen Kunstgenuß bieten.