• Aus Thüringen, 14. Jan. 1913. Die Gothaer Feuecveriicderungsbank au) Gegenseitigkeit roicd ihren Versicherten für das Jahr 1912 an HcbetfAuB <4 Prozent der cingezahllen Prämie gutütfgeroabten. — Ein E iendahnunc-lück ereignete sitz gestern mittag cnf dem Bahnhof Wutha, Irin Triebwagen,ug von Eisenach hatte nach seiner Ankunft m Wutha da^ NcberholungSglcis beiahren. Infolge falscher Werchen- stellung fuhr der Mltlagsgüterzug, der von E'senach kam und nach Gotha fahren wollte, mit voller Wucht auf den Triel wagen auf und zcrlrmmmerke thn. Der Triebwagentührer Gartner aus Gerstunaen wurde schwer verletz' und mußte tn das Krankenhaus em« ZJrt roeroen. Ta auch die Güter,uglokomot'oe sei wer beschädigt wurde, rst der Materialschaden cm be^heS#rid)8»«f t. T., 14. Jan. 1913. Auf An. wiunn es Vorstandes des Kreis. Kriegerverbandes des Odertaunu- - Kreises hat die Stadtverordneten. Perrnmmlung allen Veteranen von 1864, 1866 und 1870 71 mit einem Einkommen von weniger als 1200 die Gemeindesteuern erlassen.
* » Arolse«, 14. Jan. 1913. Im August v. I. wurde nn sog. Neuen Schlosse der Fürstin-Witwe Luise von Waldeck ein Embruchsdiebstahl unter auf. fallenden und geheimnisvollen Umständen ausaesührt. Ein Embrecher war anscheinend durch ein geöffnetes Fenster in das Schloss emgestiegen, hatte einen Schrank, in welchem viele seltene Wertstücke auf. bewahrt werden, au'gebrochen und einen Teil daraus gestohlen. Tieier Einbruchsdiebstahl erregte um so gröberes Au'sehen, als in der kritischen Zeit ein In- fanlerie-Doppeiposten vor dem Schlosse Wache gestanden und nichts bemerkt hatte. Jetzt ist es nun dem Kriminalbeamten Schaub gelungen, den mysteriösen Fall ausiul ären. Als Täter kommt ein Lakei der Fürstin, der leit dem Jahre 1911 >m Neuen Schlosse angeslellte Heinrich Traut aus Immighausen bei Corbach in Frage. Nach lagelangem hartnäckigen Leugnen wurde Traut derartig in die Enge getrieben daß ihm schließlich nichts and.res übrig blieb, als ein volles reumütiges Geständnis abzulegen.
ch. Friedberg, 14. Jan. 1913- Die Stadtver^al- tung hat durch ihren Gärtner ein mustergültiges Vogelschutz-Gehölz von erheblichem Um-äuge an- legen kaffen. Der Hain enthält u. a. etwa 200 Mna- bellendäume.
ch. Darmstadt, 14. Jan. 1913. Bei Rheinau wurde heule der Schüler Göttel von einem Krast. wagen überfahren und gelötet. Der Wagen lief dann gegen einen Baum, überschlug sich und begrub die beiden Führer unter sick; diese erlitten schwere Verl tzungen.
* Wiesbaden, 16. Jan. 1913. Gestern begann dor dem Schwurgericht die Verhandlung gegen die Eva Weimer ans Eisenach bei Limburg, die beschuldigt ist, ihren Bruder mit Hilfe ihres Geliebten Karst, der durch Selbstmord endete, durch eine Bombe im Schlaf vorsätzlich getötet zu haben. Eva Weimer wurde in der Landesheil- und Pflcgeanstalt Eichberg auf ihren Geisteszustand beobachtet, wo die Aerzte sie für geistig gesund erklärten. Nach zweitägiger Verhandlung bejahten heute die Geschworenen bei der Angeklagten nur die Frage der Beihilfe zum Totschlag und billigten mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Das Gericht erkannte demgemäß. Die Kosten des Verfahrens hat die Angeklagte zu tragen.
♦ Vom Eul'Ssclde, 14. Jan. 1913. Der preußische Eisenbahnminister war s. Zt. gebeten worden, den Bau einer (Li sen b abnn eben st recke von Groß.
• Tie Untersuchung gegen bett Raubmörder Stet« nicket. Gestern morgen traf Kommissar Nasse au8 Wriezen und gleichzeitig aus Berlin mehrere Beamten deS Erkennungsdienstes der Kriminalpolizei mit Photo- graphischen Apparaten ausgerüstet hier ein. _ Es begann darauf eine genaue Durchsuchung de» Kalitzschen Gehöftes. lieber die beiden Morde in Schlesien an der Frau Krause in Peterkbrunn und an dem Heuhändler Knetig in Licgnitz ist Stemickel bisher noch nicht vernommen worden. Doch scheint e» außer allem Zweifel zu sein, daß auch diese beiden Raubmorde von Sternickel begangen worden sind.
* Em Falichmunfer. Wegen Falschmünzerei und FLIsclmng von Hundertmarkscheinen, wurde der Maler Adam vom Görl'tzer Schwuroericht iu drei Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sein Helfershelfer, der Gefangenenaufseher Ludwig bereits vor einigen Monaten mit zwei Jahren Gefängnis bestraft wor- den war.
• Cbfer de? Eissport». In Karlstadt (Sehern) brach der 6jährige Sohn eines Fabrikarbeiters auf dem Eise ein. Auch die Eltern und der später zu Hilfe eilende 8jäbr!ae Bruder ertranken.
* Im Kampf mit Wilderern. In den gräflich Für. sterchergschen Waldungen bei Hüsten fand am Samstag ein blutiger Zusammenstoß zwischen dem Förster Knaup und drei Wilderern statt. Als der Förster der Wilderer ansichtig wurde, legten diese auf ihn an. Der Beamte schoß darauf einen von ihnen nieder, der Hund ritz den zweiten zu Boden, der dritte konnte entfliehen.
* Mißglückter BefreiungSplan. Das Pariser „Jour- nal" veröffentlicht eine merkwürdige Geschichte, wonach es den 22 Mitschuldigen der Apachen Bonnot und Garnier, den Mitgliedern der berüchtigten Autobande die augenblicklich im Gefängn'S „be la ©ante" ihrer Aburteilung entgegensetzen, um ein Haar gelungen wäre, in der vergangenen Nacht sämtlich zu entweichen. Ein anderer Gefangener hatte den Plan gefaßt, die Autobanditen zu befreien und mit ihnen das Weite zu suchen, und zwar unter folgenden Umstanden: Der Vertraute der Bande Bonnot ist ein gewisser Marcel Ecker- len der vor einiger Zeit wegen Diebstcn's zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Er befand sich in dem Gefängnis „de la Santo" in der Zelle 23. Neben kieier Zelle hatte der Wäwer Bras seine Wohnung. Die Mauer zwischen beiden Zellen war nur durch eine hölzerne Luke durchbrochen, durch welche der Wärter den Gegangenen beobachten konnte. Als der Wärter von einem Urlaub zurückkehrte, fand er zu seinem Erstaunen in seinem Zimmer völlig- Unordnung vor und be- m-' ftc zu seinem Schrecken, daß ihm seine beiden Extra- Uniformen, sein Revolver nebst Patronen und 200 Frk». tn bar gestohlen worden waren Weiter sah er zu seinem Entsetzen, daß die Zelle 23 neben seinem Zimmer l- :r war und die hölzerne Luke zertrümmert war. Offenbar war der Gefangene durch die hölzerne Luke ent» kommen und hatte bann das Weite gesucht. Das gesamte Wärter personal wurde sofort zusammengerufen und begab sich auf die Suche nach dem entwichenen Gefangenen. Jnncrhalb des Gefängnisses begegnete man einem Wärter, der den anderen Wärtern fremd erschien. Er wurde gestellt, und es ergab sich, daß er der gesuchte Ecker- len war. Im Moment seiner Festnahme versuchte er sich zu erschießen. Der Schuß ging jedoch fehl, und er wurde in seine Zelle zurückgebracht. Auf Befragen erklärte er, daß er den Plan gefaßt hätte, die 22 Mit- glieder der Bonnoi-Bande gleichfalls au5 dem Gefängnis zu befreien, und dieser Plan wäre den Verbrechern um so eher gelungen, als sie in der Nacht nur fünf Wärter zu überwältigen gehabt hätten.
— Ober-Staaidauwalt (beim Inspirieren deS Ge- fäncmiffes): »Was bat Sie denn hierheraebracht?*— Sträfling: .Mein Schnupfen!" — Oberstaatsanwalt (erstaunt): „Was? Ihr Schnupfen?' — Sträfling: „Ja, >' hab’ an’ starken Schnupfen q’habt und wie i’ durch ’s Fenster g'stieg'n bin, hab' i' nießen müffen. Da d'rüder is der Herr aufg'wacht, hat mi’ g'fangen.. und so bin t’ berfomma !*
bodmigen nach Worbis in die Wege zu leiten. Diese Bahn sollte in erster Linie für die im Kreise Worbis febr lebhafte Kali-Industrie nutzbar gemäht werden. Der Minister hat nun den Antragstellern mitgeteilt, daß der Bau der vorgeschlagenen Strecke mit Rück« fickt auf die Notwendigkeit der Erbauung wichtigeren Strecken vorläusia unterbleiben müsse.
Vermischtes.
* ffine militärische U bnng mit Flugapparaten ro;rb dorn 2J. d. Mts. ab im Regierungsbezirk Magdeburg veranstaltet. 33 Offiziere, 10 Unteroffniere und 114 Mannschaften nehmen daran teil. Die Hebungen, bei denen zwanzig Flugapparate verwandt werden, finden bei Genthin, Zieiar, Barg bei Magdeburg und Wolmirstedt statt. Die Leitung der Hebung liegt in den Händen der Jnspektton der Militärluft« und Kraftfahrzeuge in Berlin-Schöneberg.
* Durch einen Starkstrom wurde in der lieber» landzentrale Belgard (Pommern) ein Arbeiter getötet
♦ Einbruch in ein Schloß des bayerischen Regenten. Der,Budapesli Hirlap' meldet, daß Embrecher aus dem Sarvarer Schlosse des Prinzregcnten Ludwig von Bayern wertvolle Antiquitäten und Schmuck- gegenstände geraubt haben.
— Gewissenhaft. „Was! Sie haben den Kerl wieder lau'en lassen? Das war ja der gesuchte 'JJliUionen^efrauhant!" — Ortspolizist: „Ja, i' hab' in der Zelle a* Fümerl liegen lassen; andern Tag? hat's no' dagelegen, und da hab’ i’ mir denkt, der is ehrl'ch, den darf ma’ net da herin behalten."
— Die perfekte Köchin. Mizi hat schon längere Zeit die Kochicknlc besucht. Da begegnet ihr Lilly und fragt: „Du, Mizi, verstehst du schon recht viel vom Kochen? Weißt du etwa gar, roa n die Mckch siedel?"' — Mizi (sehr aufgebracht): „Aber nein! Gewiß weiß ich es; das riecht man ja!"
Literarisches.
Das Januarheft von Paul Kellers Monaisblättern „Tie Bergstadt" (VerlagSanstaN Dr. Ed. Rose in Neu- rode, Breslau und Leipzig) ist noch reichhaltiger und mannigfaltiger als seine Vorgänger. Der warm empfundenen Neujahrsbetrachtung des Herausgebers reiht sich eine Plauderei „Von Geselligkeit und Gesellschaften" von Peter Rosegger an. Eine spannend literarisch wert- volle Novelle bietet Jassy Torrund mit ihren „Auf- gestoßenen Toren". Paul Kellers Roman „Tie Insel der Einsamen" fesselt den Leser immer mehr, je weiter er fortschreitet. Einen poetischen Blütenstrauß haben Lorenz Krapp, Max Geißler, Franz Faßbinder, Alice Hacker, Maria Grosse u. a. in. beigesteuert. Von grö- - ..L,—- - H l B| Hl | ! im r- -
tzeren illustrierten Beiträgen sind hervorzuheben: „AuSsteibende Betriebe" von Urff, „DaS entschwundene 52itn" von Eugenie Benisch-Darlang, „Weibnachts- und Neusahrsgebräuche bei den Südslawen" von Ivo v. Tobr- zav.Ski und „Wojwode Pelar Mrkonjitsch" von SektionS- chef Hörmann in Sarajewo. Vielseitig ist auch der litc- rarisch-künstlerische Teil. Fünf Kunstbeilagen, zwei far- big? und drei in Tondruck, nach hervorragenden Genial, den, StaMenmgen und Zeichnungen bilden einen schönen Schmuck de« auch sonst künstlerisch reich anSaestatteten Heftes (Einzelpreis 1 Mk., vierteljährlich nur 2,50 Mk.).
Letzte Nachrichten.
W. Berlin, 14. Jan. 1913. Von der Budget- kommifsion des Reichstages wurde einstimmig io!« gende Resolution des Zentrums angenommen: Unverzüglich Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, der durch die sogenannte Valorisation herbergeführten künstlichen Verteuerung des Kaffees entgeaenzuwirken.
W Dktlm, 14. Jan. 1913. Ter Kultusminister I bat die Regierungspräsidenten benachrichtigt, daß am 7. und 8 März an der Künigl. Lanvesturnaiistalt in Spandau eine Konferenz von Bezirks- und Kreisjugendpflegern abgehalten wird, zu der freie Hin- und Rückfahrt und eine Beihilfe von täglich 6 Mk. für 6ie sonst entstehenden Kosten gewählt werden. — Vom 10. bis 19. April wird ebenda ein Kursus abgeh. Iten für Perionen, die alS Jugendpfleger in Aussicht genommen sind. Auch dafür gibt es freie Hm- und Rückfahrt und eine Beihilfe von 6 Mk. für den Tag.
W. Metz, 14. Jan. 1913. Von den in der Angelegenheit deS Vizewachtmeisters Naumann veihaiieten sechs Perionen sind drei vom Gerichte wieder in Freiheit geletzt worden. Der Zustand Naumanns ist sehr bebentlt*.
H Zürich, 15. Jan. 1913. Der Erzherzog Franz Ferdinand ist von Wien kommend hier eingetroffen. Er fuhr mit dem Engadin-Expreß nach London weiter.
W. Toulon, 14. Jan. 1913. Die zur Untersuchung der Explosion im Reffeiraum des Kriegsschiffes „Masiena* eingesetzte Kommifsion hat sestgestellt, daß bte Abnutzung des Röhrenwerkes die Uriache der Explosion sein dürste. Es wird notwendig fein, das Röhrenwerk vollständig auszuwechseln.
W. Paris, 14. Jan. 1913. Aus Cherbourg wird gemeldet: „Bei den Geschwader-Manöver» im Aermel-Kanal stieß der Schleppdampfer „Mouslon" mit dem Torpedoboot-Zerstörer „Dubois" zu lammen. Der Torpedoboot-Zerstörer erlitt ein Leck und mußte ins Dock geschleppt werden."
W. Madrid, 14. Jan. 1913. Der König unterzeichnete heute ein Dekret betr. die Ernennung Calbe- lons, ehemaligen liberalen Ministers, zum Botschafter beim Vatikan.
* Madrid, 14 Jan. 1913. Die nach dem heutigen Minrsterrat unter dem Vorsitz des Königs aus- gegebene Note besagt, daß die Regierung, durch Mauros Kundgebungen unbeeinflußt, an der unab- geichwächten Durchführung des liberalen Programms auf sozialem, religiösem und pädagogischem Gebiete sesthalte.
W. Petersburg, 14. Jan. 1913. Die Blätter- Meldung von einem Schlagantall, den Groß« sürst Nikolai Nikolajewitsch erlitten haben sollte, ist falsch. Der Großsürst litt vor einiger Zeit an einer leichten Bronchitis, ist aber jetzt genesen.
♦ New-Nock, 14. Jan. 1913. Der hiesigen Tele- funkenstatlon gelang es, mit der Station Nauen in Brandenburg in Verbindung zu treten.
W. Washington, 14. Jan. 1913. Staatssekretär Root hat im Senat einen Gesetzentwurf eingebracht, die Panamabill dahin abzuänvern, daß aus der Vorlage die Bestimmung beseitigt wird, durch die die amerikanischen Küstenfahrzeuge von der Zahlung von Abgaben befreit werden sollen. Dadurch würde, rote man erwartet, die ganze Frage von neuem mit England zu erörtern fein. Root wird den Gesetzentwurf am 21. Januar begründen.
V Sacramcnto, 14. Jan. 1918. Drei Gesetzentwürfe über daL Verbot bcS Landerwerbs durch Ausländer in Kalifornien, die das Bürgerrecht nicht erwerben können, wurden gestern bei dem Parlament Kaliforniens eingebracht. — Dies war eine der Fragen, die intet der Präsidentschaft Roosevelts eine gewisse Reibung zwischen Japan gnd Amerika verursachten. Ein Gcsihcntwurs dehnt diesen Grundsatz auf Körperschaften aus, in: denen sich die Mehrzahl der Aktien in Händen von Ausländern befindet.
Born Balkan.
dt Berlin, 15. Jan. 1913. Die Meldung des Reuterschen Bureaus von der Aufhebung der Friedenskonferenz und der Beendigung des Waffenstillstandes, bestätigt sich nid)! Wie dem Londoner Korrespondenten des „Deutschen Telegraphen" mitgeicilt wird, hat der Führer der türkischen Delegierten, Neschid Pascha, der „Exchange Tele
graph Comp." mstgeteilt, daß ihm von diesem beabsichtigten Schritt der Balkandelegierten nichts bekannt sei. Er erklärt vielmehr, daß kein Abbruch der Verhandlungen eintreten würde. Wie her „Deutsche Telegraph" in Berliner wohltnfornncrtcn Kreisen erfährt, ist di- Meldung des Reut. Bur. dahin zu reduzieren, daß die Balkandelegierten in Erwägung gezogen hatten, daß die Kollcktivnote der Mächte, deren Ueberreichung neuerdings eine Verzögerung erfahren dürfte, von der Türkei abgelehnt werden sollte.
W. Berlin, 14. Jan. 1913. Die Ueberreichung der Kollektivnote der 'Mächte in Konstantinopel wiid sich noch einige Sage verzögern, Es sind nämlich von einigen Mächten Aenderungen des Textes vorgeschlagen worden, d e man durchweg als Milderungen bezeichnen kann.
W Paris, 14. Jan. 1913. Dsc Belgrader „Temps"-Korrespondent meldet, er erfahre aus sicherer Quelle, daß Serbien die angekündigte E r k l ä- r u n g betr. die Zurückziehung feiner Truppen aus den an der adricttischen Küste besetzten Gebieten nicht abgeben werde. Nachdem die serbische Regierung den geringen Eindruck festgestellt habe, welche die von dem Reutcrschcn Bureau verbreitete Nachricht in Oesterreich-Ungarrn hervor- gerufen habe, ziehe sie es vor, behufs Beschwichtigung der Erregung in Serbien ihren ursprünglichen Entschluß zurückzuziehen und auf jede Erklärung betr. die Räumung der Häfen und des albanischen Gebietes zu verzichten.
W Wien, 14. Jan. 1913. Die „Politische Korrespondenz" erhält von russischer Seite aus Petersburg eine Mitteilung, wonach in maßgebenden russischen Kreisen trotz der bisherigen Haltung der Pforte die Fortsetzung des Krieges für ebenso unwahrscheinlich gehalten wird, wie die Annahme, daß durch die rumänisch-bulgarische Frage ein neuer Abschnitt der Balkankrise eröffnet werden könnte. Die Mächte betreiben, so heißt es in der Mitteilung, ihre Aufgabe, Frieden zu stiften, mit einer Aufrichtigkeit und einer Eindringlichkeit, von denen man sich die Ueberwindung der letzten Widerstände versprechen darf. Bei einer Auffassung der allgemeinen Lage, die auf eine günstige Entwickelung in jeder Hinsicht hoffe, wäre für die russische Regierung kein Beweggrund zur Erweiterung ihrer militärischen Vorkehrungen vorhanden. Hinsichtlich der Armee seien weder Verfügungen getroffen noch in Erwägung gezogen worden, welche den Rahmen des gegenwärtigen Zustandes überschreiten.
dt Wien, 15. Jan. 1913. Tschawid Pascha, der frühere türkische Finanzminister, der vor der Verfolgung des Großwesirs ins Ausland flüchten mußte, äußerte einem Wiener Berichterstatter gegenüber: „Wenn sich jetzt in der Türkei ein Mnisterwechsel vollzieht, so folgt darauf zweifellos die Militärdiktatur mit Mahmud Schefket Pascha an der Svihe, b:r den Krieg mit allen Mitteln fortsetzen wird.
dt Wien, 15. Jan. 1913. Während Frankreich und England den Vorschlag Rußlands ur terstiitzten, der Pforte eine Kollektivnote der Groß' nächte zu Überreichen, schlossen sich Deutschland und O e st er r reich erst an diesen Schritt ar, als die Gefahr eines Konfliktes zwischen Dreib trb und Triple-Entente im Wachsen war. Dem Einfluß Deutschlands und Oesterreichs allein ist es z tzuschrei- ben, daß aus der Kollektivnote jede Androhung von Gewaltmaßregeln f o r t g e b l i e b e n ist und daß die Note in sebr freundschaftlichem Tone, gehalten wurde. Sie emvsieblt der Türkei freiwillig'. Aus- liekerung von AdriaNovel und berührt die Friste der ägäiichen Inseln nur in allgemeinen Wendun ien.
" W. Belgrad, 15. Jan. 1913. In Djakowc kam es am Sonntag zu einer Revolte. Bewaffnete Albaner btemgen in die Stadt ein und es entspann sich ein heftiger Kampf, wobei ein serbischer Beamter erschlagen wurde. Schließlich vertrieben die serbischen Truppen die Albaner, die sich ins Gebi ße zurückzogen.
-r. dvettervoranssnste
für Donnerstag, den 16. Januar 1913:
Meist hübe, Kraft, trocken.
Temperatur tz ö ch ft e feit gestern mittag 12 Uhri 4-1» Celliirs; niedrigste: —9" SelftuS.
Barometerstand. Heute mittag 12 Uhr: 736 mm, gestern 739 mm.
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