2. Blatt.
»red der SulLaer 3ctieit'.reetret i« Seit«.
Fuldaer Leitung.
M 10.
Vienrtaz H Ianuar 1915.
j*j Verbotene Spiele.
Eine kleine Abendgesellschaft. Die Dame des Hauses hat die Lasel aufgehoben und der Herrenwelt den Rückzug in daS Rauchzimmer eröffn?». ^.er bc- hagltche Raum, dem das Aroma duftender Importen einen traulichen Reiz verleiht, sicht ferne bequemen Klubsessel nm den Spieltisch bald von einer Anzahl vergnüglicher Skatspieler besetzt. Dieses angenehme Bild satter Gemütlichkeit ist ober nich von langet Taue- Immer häufiger öffnet sich dte Salontur und vorüchtig lugende j^rauenaugen suchen mit fi.i.ch- tiaem Blick den Stand der Tinge zu erkunden. Bis schließlich die wieder erschaffene bunte Reche der Tafel im Herrenzimmer den Skat endgitl-ttg sprengt. Also' beschließt man ein gemeinsames Spiel.
Tippen" soll gespielt werden; cs ist denen, die es nicht kennen, am ehesten bcigebracht. Tippen aber zählt ohne jeden Zweifel zu den Hasardspielen. Tie Lastgebcrin ist deshalb ängstlich darauf bedacht, den Charakter des Spiels den indiskreten Blicken der dienenden Geister zu verhüllen. „Nicht wahr, Herr Doktor, das Tippen ist ein Glücksspiel?" sragt sie ihren Tischnachbarn, rind erhält darauf eine lächelnde Bestätigung ihres schwarzen Verdachts. 'Nunmehr ist der Eifer der Damenwelt erst recht entflammt. Etwas Unerlaubtes, was nicht herauskommt und schließlich noch etwas cinbringt: köstlich geradezu!
Ist denn aber das Glücksspiel in Wirklichkeit schlechtweg verboten, wie die landläufige Än- fchauung meint? Gewiß nicht. Wenn ich in meiner Häuslichkeit mit meinen Gästen zu unserem Pläsier Hazard spiele, so geht das Polizei und Gericht nicht das mindeste an. Die Furcht vor einer Entdeckung verrät also eine Gesetzesunkenntnis. Allerdings kann das Spielen auch unter Umständen Strasvorschristen auslosen Das ist, soweit der Spieler selbst in Betracht kommt, aber nur dann der Fall, wenn, wie das Gesetz sagt, „aus dem Glücksspiel ein Gewerbe gemacht wird". Spielt jemand gewerbsmäßig und läßt er sich dabei erwischen, dann harrt seiner freilich eine Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren.
Immer mutz es sich aber — eine Tatsache, die für das richtige Verständnis des Gesetzes nicht vergessen werden darf — um ein Glücksspiel handeln. Der gewerbsmäßige Skttt- oder Schachspieler kann sich also, wenn er nicht gerade betrügt, nimmermehr in des Gesetzes Maschen verfangen. Es gilt darum, sich über das Wesen des Glückspiels klar zil werden, will man das Gesetz verstehen.
Ergründen wir des Gesetzgebers Sinn und Willen, so gelangen wir zu der Feststellung, daß die Besonderheit des Glücksspiels darin besteht, daß der Ausfall des Spiels ganz oder doch wesentlich vom Zufall abhängt; man denke an das Mauscheln, das Tivolibillard, das Kümmelblättchen, die Kartenlotterie, an Meine Tante, Deine Tante, Vingt et un (auch 17 + 4 genannt) Roulette. Da wir zudem bereits festgestellt haben, daß nur die Gewerbsmäßigkeit straffällig macht, konstatieren wir als Folge davon, daß sich das Gericht um Glücksspiele, deren Gewinn keinen Bermögenswcrt darstellt, nicht kümmert. Ebenso werden Gewinste von ganz geringem Werte keine Bestrafung des Spielers nach sich ziehen können. Die richtige, von Vernunft und Billigkeit gesteckte Grenze ist dem freien Ermessen des Nich- ters zu finden Vorbehalten. Die allgemeinen gesellschaftlichen Anschauungen werden hier zusammen mit der Bildung und dem Vermögensstande des Einzelnen ;n einer treffenden Antwort führen.
Wie steht's nun aber mit der Strafbarkeit dessen, der, ohne selbst zu spielen, Glücksspiele hält, sich also darauf beschränkt, anderen zunr Betriebe des Glücksspieles einen Apparat unter Ausbedingung irgendeiner besttmmten Vergütung zur Verfügung zu stellen? _ Solcher Betätigung gegenüber greift nur die Strafvorschrist ein, die dem, der unbefugt auf einem öffentlichen Wege, einer Straße, einem öffentlichen Platze oder an einem öffentlichen Versammlungsorte Glücksspiele hält, bis zu 150 Mark Geldstrafe oder Haft verheißt. Der Croupier darf mithin nicht als gewerbsmähiger Glücksspieler im Sinne des Gesetzes bestraft werden, wenn er nicht gleichzeitig als Mttspieler an den von Zufallsentscheidungen abhängigen Gewinn- und Verlustchaneen beteiligt ist.
Die scheu spähenden Blicke auf die Gäste, auf die Bediensteten und auf den Wirt sind dagegen überall dort nur allzu gerechtfertigt, wo sich die Spiele- eilt öffentliches Lokal zur Stätte ihrer Tätigkeit erkoren haben. Sie selbst können zwar, gesetzt den Fall, daß ihrem Spiel das Moment der Gewerbsmäßigkeit fehlt, ebensowenig strafrechtlich belangt werden, als wenn sie zu Hanse spielen. Die Angst vor der Entdeckung ist aber doch insofern nicht unbegründet, als die Gäste den Gastwirt, der das Hasard dul-
2362,74 Mk., 259 Mk. mehr als im Vorjahre. Tie Schrebergarten brachten eine Einnahme von 1022,90 Mark, die Ausgaben für die Schrebergarten betrugen 1369,28 Mk., mithin eine Mehrausgabe von 346,25 Marl. Bei der V o r st a n d s w a b l wurden die ous- scheidcnden Herren Lehrer Agricola, Lehrer Andrs und Lokomotivsübrer a. T. Schwabe wiedergewahlt. Für das freiwillig ausgeschiedene Vorstandsmttglied Gutbcrlet wurde Herr M. Mollenhauer in den Vorstand gewählt. Einen mit großem Interesse verfolgten Vortrag hielt Herr Kunstgärtner Dreitenborn. Er sprach über das Verfahren der Bodenlockeru.ng und Bodenaufschließung mit dem Erplosionsstoff „Rampe r i t C", das m der Landwirtschaft, Gartenbau und Obstpflanzung große Umwälzungen hervorzubringen versvreche. Tie Tiefkuliur ist nämlich in Per Landwirtschaft die Hauptsache, der Boden mutz krümelig und locker sein, um das Wasser leicht aufzunehmen und das überftüsiige Waller auch wieder verdunsten zu lasten. In vorzüglicher Weise werde dies durch die Anwendung des neuen Erplosionsftoffes erreicht, der ungefährlich und leicht zu handhaben sei. Bei der Sprenaung des Bodens werde der Boden auseinan- dcrgerissen jedoch so, daß die untrnchtbare Erde nicht nach oben komme. Auch viele Erdschädlinge werden bei der Exvlosion vernichtet. Zwecks Anstellung, von Versuchen wird man sich mit bet landwirtschaftlichen Winterschule und dem landwirtschaftl. Kreisverein in Verbindung setzen. Herr Agrieola zeigte einen im Keller gezogenen hübschen Blumenkohl, der unentwickelt dorthin gekommen war. Er empfahl sehr diese Zucht. Es wurden 3 neue Mitglieder ausgenommen und 70 Blumenstöcke verlost.
an alle noch jetzt hinzutretsnds Bezieher der .Fuldaer Zeitungfi — Um Einsendung der Destellquftturtg wird gebeten. In Fulda nehmen dis ZritungS- trägerinnen Beftellüngen entgegen.
liefern wir nach den spannenden Roman
Schöffengericht. Der 37 jährige, oft vorbestrafte Tagelöhner ’Ji. V. aus Kleinsassen, zuletzt in Schlüchtern in Arbeit, wird wegen Bettelns zu drei Wochen Hast verurteilt. Die Untersuchungshaft fett dem 31. Dezember 1912 kommt in Anrechnung. — Ein Bauunternevmer hier, hatte einen Holzschuppen errichtet, ohne vorher die baupolizeiliche Genehmigung eingeholt zu haben. Gegen einen polizeilichen Siral- briehfi den er deswegen erhielt beantragt« er gerichtliche Entschclvnng. Im heutigen Termin wurde von einem Sachverständigen bc£nn6ei, daß in dieiem Falle Nicht von einer baulichen Anlage die Rede lein lönnte. DaS Gericht schloß sich dem Anträge des AmlsanrnoNS an unb erkannte aut .tzreilprechltua.
□ Ausbau des Viehversicherungswesens, liebet den wetteren Ausbau des öffentlichen Viehversiche- rungswekens schweben gegenwärtig bei den Provinzial- und DezirkSverbänden Erwägungen. Die Vieh- Versicherung soll dergcslellt ausgebaut werden, daß die bestehenden, vielfach wenig leistungsfähigen örtlichen Viehversicherungen zu größeren Versicherr'ngs- odcr Rückvctsicherungsverbänden, deren Träger die Kreise und Provinzeir sein sollen, zusammengeschlossen werden Um für die VersichernngSabschlüste statistische Unterlagen zu gewinnen, finden augenblicklich umfangreiche Erhebungen bei den bereits bestehenden Viehversicherungen statt.
§ Tie Tutr.gemctr.be Fulda hielt am Samstag abend im Restaurant der „Alten Post" ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Schnädter, warf einen kurzen Rückblick auf das ver- swssene BeteinSjaht, Herr Ttrtnwatt Kohler erstattete den Turnbcricht, aus dem zu ersehen war, daß die turnerische Tätigkeit eine reckst rege war. Dann wurde in eine Besprechung über den am Fastuachlswnntag abzuhaltcnden Maskenball eingetveten. Die zu Grunde gelegte Idee eines Trachtenfestes fand allseitigen Beifall.
♦ Acrzlliche Sachverständige des Obervcrsiche- rnnMrntes. DaS Obervcrsichcrungsamt in Kassel hat für den Umfang des Bezirkes deS Ober-Der- sicherungsamtes als ärztliche Sachverständige fol-
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bete, durch ihr Treiben strafbar machen und darum seitens der Wirte, denen diese Strafbestimmung natürlich allgemein geläufig ist, einer recht lieblosen Behandlung gewärtig fein dürfen. DaS Gesetz bedroht nämlich mit Geldstrafe bis 1500 Mark schlechthin alle Inhaber eines öffentlichen Versammlungsortes, die Klückssviele gestatten oder die zur Verheimlichung solcher Spiele Mitwirken. Tie Ileberlassung seiner Privaträume mag den Wirt, wie der GesctzeS- sinn lehrt, gleichfalls nicht vor Strafe zu sichern^ solange auch diese' Zimmer den fpielfreudigin Gästen allgemein zugänglich sind. Also kein Glücksspiel in öffentlichen Lokalen! Spielklubs, die ihre Räumlichkeiten ausfchließlich einem individuell bestimmten Personenkreise öffnen, trifft die gedachte Strafvorschrist indessen nicht.
£ofa!e$.
Fulda, 14. Januar 1913.
# P-rftneliw. Verlieben wurde dem Regierung?- rat St ocke in Kassel unter Belassung beim Kslleaium der Gen-raftommifitsn daselbst eine etatSmSßwe Rats- still,, dem Heksrwmieksmmiffar Bnrhemte in Hom. beta der Charakter «l» OrkonomietUt. dem Land- meffer Dt. Overbeck in HetZfeld der Chatafter a!S Kgl. Obetlanamefier. Der Landmeffer Heinemann ist von Spetialkomyiiffion I Mattzuta «n Spczial- ksmmifflvn III da'elbft verfitzt. Der RechtSkändidat Frbr. v. Riedetel zu Eisenbach wurde mm Gericht?« Neterrndar im OberlandeSgertchtSbezirk Kaffe! ernannt.
tß Serliehrn wurde der Rote Adlerorden vierter Klaffe dem Hauptmann v. Tfchndi im Fe!d«Är!.- Regiment Nr. 47, ter Kwuenorden zweiter Klaffe dem Oberst und Kommandeur der 41. Feldarkillettc- Brtgade Neugebauer, der Ktonenorden vierter Klaffe dem Oberzahlmeifler Volckmann beim Feld« artillerie-Regimeut Nr. 47, dem GeneratkomM'.ssionS« zei-vner Hanswerg in Kassel das Vcrdienstkreiiz in Gold.
-j- Schiedsgericht. Die vier Schiedsmannsbezirks unserer Stadt wurden im versloffenen Jahre in zusammen 183 Fällen in Anspruch genommen. Hiervon wurden 54 durch Vergleich erledigt. Im Jahre 1911 stellten sich die Ziffern auf 170 bezw. 44.
eh. BetriköS« und ffttN.-rbezähllmg. Nach dem Vorbild« der Betriebs- und Gewerbezarlung in den Jahren 1835 unb 1907 ist fut dieses Jahr eine weitere geplant. Diese bringt mlosern eine Neuerung, als baß auch Erhebungen Über die Benutzung landwirtschaftlicher Maschinen vorgenommen werden sollen. Man will durch diese Statistik Unterlagen für die Bcurteilnng der Betrieb«- und Arteiter- vcrdältniffe in bestimmten Gebieien gewinnen.
T. Ehrengabe. Der landwirtschaftl che KreiSvercin Fulda und die Züchtetvereinigung für Simm ntaler Rindvieh im Streife Fulda h iben, entsprechend den Gesinnungen und Wünschen be§ geschiedenen Land« rat?, jetzigen OberregterunaSrares Herrn Springorum in WieSdadcn, von bet Abstattung de? Dankes durch eine öffentliche Feier Abstand genommen. Beide Körperschaften haben jedoch den Gefühlen be$ DankcS für die außerordentlichen Verdienste, die sich der ®e» schieden« nm die Landwirlfchait deS Kreffcs Futda erworben hat, dadurch Ausdruck verliehen, daß sie eine Rdreffe m Form einer höchst kunstvoll gehalienen Lebermappe unter gleichzeitiger Ernennung zum Ebrenmitglirde überreichten. Die Abreffe enthalt daS Monogramm des Herrn OberregierungSrateS, daS Etattschtsß, eine Reihe landwirtschaftlicher Embleme, sowie seine Randverzterungen au? verschiedenen land- wiri!cha0lichen Kulrtupffanren in Form von Relief?.
-L Ti« Grneralverfammlung dcS Gartrnbauvet- «ms eröffnete gestern der Vorsitzende, Herr Lehrrr a. D. Sell mit den besten Wünschen für den Verein im neuen^ Jahre unb gedachte bes verstorbenen Mitgliedes Hahner-Künzell. Ter Schriftführer, Herr Leiner Anbrs, erstattete bann ben Jahiesb«- r i ch t, ber sich diesmal über iy2 Jahre erstteafie. Danach war bas Vereinsjahr reich an Arbeit, aber auch reich an Errfolgcn. Es würben 67 Mitglieder neu ausgenommen, die Zahl der Schrebergärtrön um 56 vermehrt, sodaß ihre Zahl jetzt 113 beträgt. Die Monatsversammlungen waren im Durchschnitt von 80 Mitgliedern besucht. In den Wintermonaten nahmen auch die Schüler der landwirtschaftlichen Win- tcrschule an den Sitzungen teil. Es wurden 23 arö- ßcre und fiemeie Vorträge gehalten und 1419 Murn enstocke ui'^itgeltlich anSgelost. Der Verein verlor zwei MA Keder durch b:n Tod. Den Rechenschaftsbericht erstattete Herr Kassierer Rcid- ho.rdt. Danach betrugen die Einnahmen 3088,37 Mk., die Ausgaben 3064,25 Mk., sodaß ein Bestand von 21,12 Mk. verbleibt. Das Vercinsvcrmsgen beträgt
Der Graf von Tarent.
15] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
„Soll Dir verdorren die Zunge im Munde, Nathan," schnatibte ihn Baruch an, „weil Du machst ein Geseires für nichts. Wenn die Ware ist schwer auf Deiner Schulter, dann wisse, daß es Erz ist, der Baruch wird verlieren Geld bei dem Geschäft, das ct hat abgeschlossen mit diesem Herrn, der nicht gehört zu unsere Sait. . . . Zwei Prozent Silber hält das Erz und fünf Prozent Kupfer, Waih geschrien, der Baruch ist ein geschlagener Mann. . . . Und bin ich nicht der Herr und Tu der Knecht, Nathan? Habe ich nicht eine offene Hand immer und gebe reichlich Zahlung an Euch, wenn auch die Zeit ist hart? In die Ruder, Leute, der Wind erhebt sich, der Gott unserer Väter wird geben uns eine glückliche Fahrt!"
Das Schiff tanzte hinaus auf den Wogen, zuerst gckirieben von den Rnderschlagen. dann, als der nächste Windstoß die Leinwand blähte, fenkte sich die Spitze des Fahrzeugs tief nieder in das Wasser und zerteilte die Wogen in schneller Fahrt.
Die amphithcatralisch gebaute Stadt trat- mehr und mehr zurück, je mehr die Schaluppe hinaus zog auf den Wogen, die Konturen der Türme wurden kleiner. Ter Graf faß auf einem Haufen zusam- menaerollter Segelstücke, neben ihm lehnte an der Schissswand der alte Israelit.
Eine halbe Stunde mochte die Fahrt gedauert haben, da traten die Felsenriffe der Schreckensinsel nähet imd näher. Ter Wind begann in diesem Augenblicke umzuschlagen und das Meer begann un» *uhig zu werden. Dazwischen tauchten vor den fcnriffen weif" Nebel auf, kommend und schwindend, ^we weitere Viertelstunde und das erste Grauen
Tages zeigte vereinzelte Felsblöcke, die aus dem ^~?fcr schauten, und von der Ferne vernahm das Mi den Donner der Brandung, die an die Wände der Insel schlug
Nun befand sich das Boot in der Brandung, mit Entsetzen sah Graf Tarent eine ungeheuere schwarze Felsenmasse vor seinem Auge, fast über ihm auf« tauchen, er wandte sich, den Steuermann zu warnen vor der schrecklichen Gefahr — hoch auf schoß daS Boot, dann nieder in einen Abgrund, wenige Sekunden noch und das Fahrzeug mußte zerschellen an der ungeheuren Felsenwand.
In der nächsten Sekunde schwamm die Schaluppe in ruhigem Wasser. Graf Tarent sah nicht die Hand vor den Augen, ringsum war plötzlich die schwarze Nacht, das Toben unb Tosen ber Brandung klang nur mehr gedämpft wie aus weiter Ferne.
Der Steuermann hatte int rechten Augenblick das Steuer herumgerisien und die Schaluppe bog in eine Bucht ein. Für einige Minuten schwamm das Fahrzeug langsam mit ber hier stillen Strömung dahin, dann kam plötzlich ein grauer Schatten, als nahe das Licht des Tages, und um eine Ecke biegend, landete das Fahrzeug in einer Grotte, von der Stufen herab zum Waffer führten.
Hoch oben war der Blaue Himmel und die Sonne trat in diesem Augenblicke hervor unb, sandte ihre ersten Strahlen nieder, die Erde zu befruchicn und zu erwärmen.
7.
Die Zaubcrinsel.
Während dir Schaluppe verankert und die Manner die schweren Taue an die in den Felsen eingelassenen eisernen Ringe banden, stieg Isidor Baruch als erster aus dem Fahrzeuge, trat einige Stufen der Streintreppe empor unb zog bann ehrerbietig die turbanartige Kopfbedeckung.
„Willkommen, Herr, willkommen auf meinem Grund und Boden!" sagte er. „Gesegnet sei Euer Eingang zu dieser Stätte, gesegnet Euer Ausgang! Was immer Ihr sehen werdet, ist Geheimnis und nur wenigen Söhnen meines Glaubens bekannt."
Ter Herr von Tarent folgte den'. Boranschreften- brn. Mit tiefem Interesse betrachtete er den gewaltigen Grottenraum, in dem er sich befand. Unten.
lag das Waffer still, von keinem Winde und keiner Stomung getrieben. Der Eingang zu bet Einfahrt burch bie riefenhaficn Felfenmassen war von ber Natur hergestellt unb von ber furchtbaren Brandung vor Spähcraugen geschützt für ewige Zeiten. Jebcs Fahrzeug, dessen Lenker nicht bie Stelle kannte, wo bie Einfahrt hinter einem vorspringenden Felsen möglich war, mußte unfehlbar braußen in ber toben» ben Brandung an den Felsenwänden zu Atomen zerschmettert werden. Je hoher der Graf stieg, um so mehr sah er mit Staunen, daß Galerien an beiden Seiten in das Gestein geschlagen waren, die Raum boten für ungeheure Mengen von Waren. Ms er auf der letzten Treppenstufe sich befand, unb der Weg in eine, der Galerien einmünbetc, da zeigte Baruch dem Gaste mit Stolz die Kaufmannsguter, welche hier kunstgerecht verpackt in vollständiger Trockenheit in langen Reihen aufgestapelt lagen.
„Gnädiger Herr, verzeihet einem alten Manne, wenn er Euch ermüdet durch unnütze Rede", sagte Baruch, mit innerer Genugtuung auf die endlosen Reihen Guter deutend. Hier liegen Ballen von Samt unb Brokat, Gold- und Silberstickereien aus Frankreich. Hier ist eine Ladung von süßen, getrockneten Früchten von den Gestaden Syriens, wenige Zelt noch, und die Ware wird sein im Markte, unb ber Gaumen ber Besitzenben wirb sich baran ergötzen. Hier besinbet sich eine Senbung Ware aus dem Lanbe Hollanb, bie mir gesendet hat ein Geschäfts- frennb in Amsterdam. Es ist schneeweißes Linnen, bann Tabake au5 Virginia und Liköre der besten Art, die keiner bereiten kann in unserem Lande. Hier in dieser Ecke liegt teuere? Gut, feines Porzellan aus Meißen in Sachsen, bie Ware würbe bezahlen hundert Prozent Zoll."
Er schwieg erschreckt über seine Offenherzigkeit.
„Ihr seib Schmuggler", entgegnete ber Graf strenge, „ich warne Euch, werbet Ihr von ben Zollwächtern ertappt, möchte es leicht an Euren Kragen gehen."
Baruch lächelte schlau. „DaS hat gute Dege", meinte er, „bie meisten stehen in meinem Solde und
gende Aerzte gewählt: Regierung?- unb Geh. Mebi- zinalrat Dr. Nockwitz, SanitASrat Dr. Knierim, Dr. Alsberg imb Dr. Jörns, sämtlich in Kassel. Diese Wahl hat Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1916.
(*) Ehemalige 14Ser waren am Sonntag aus Fulde und Umgegend zahlreich zu dxr einberuicnen Ver- samnilung bei dem Kameraden Albert Stark im Gast- Hau? zum Hftsch erschienen. Des dieser Gelegenheit »urderi dir'Ereignisse aü? den Dienstjahren wiever mal ausgesrischt, w daß sich eine sehr heilere Stimmung entfaltete. Ferner wurde verschiedenes bezüglich des Zwecke? der geplanten Vereinigung besprochen, jedoch aUrrseii? Wit Rücksicht auf bie große Zahl der infolge verspäteter Emiädung nicht erschienenen Kameraden bie endgültige Erledigung der Angelegenheit für eine spälere Zwamwenkunft vcrfckwben, die am Sonntag,den 16. Febräar bei dem Kdmeraden Albert Stark statt« finden soll. ______
dem Uachbargeb'rets.
C. Vorbereitung ber Jungtiere ;um Werdegang.
Vielfach ist es noch unbekannt, wie man Fohlen und Rinder tat bem WeibegaNg behandeln soll. Das Fohlen, welches nicht unter einem Jahre alt sein soll, wenn es zur Weide geht, muß vdrher auf dieselbe vorbereitet werden und zwar durch Abhärtcn und durch enffprechendes Füttern. — Es ist nicht angängig, daß daS Fohlen ba§ ganze Jahr int warmen, dunstig, feuchten Stalle bleibt, da eS dadurch sehr verweichlicht und in vielen Fallen schon abgchärt ist. wenn es zur Weide kommt. Wo dies der Fall ist, Braucht sich niemand zu wundern, wenn sein Fohlen zwei bis drei Wochen nach dem Auftrieb bei dem meistens nicht warmen Wetter zu Anfang Mai an Druse oder gar an Lungenentzündung erkrankt. Also heraus mit dem Fohlen aus dem Kuhftalle in irgend einen, gegen Zugluft und Frost geschützten Raum, wo eS sich auch etwas bewegen kann unb nicht stets mit Ketten an ber Krippe angebunden sicht. Bewegung verschafft man dem Fohlen ferner, indem man cs auf dem Tummelplatz laufen läßt oder an der Hand führt. Auch kann man es beim Fahren an eins der alten Pferde binden. Ein auf diese Weise an Bewegung unb frische Luft gewöhntes Fohlen wirb dann, wenn es zur Weide kommt, den Uebergang leicht überstehen und von Krankheiten verschönt bleiben.
Tas Fohlen muß, wenn es zur Weide soll, auch gut gefüttert, d. h. mit Hafer. Häcksel, Heu und frischem Waffer, nicht mit Kleie, Melasse oder sonst einem Weichfutter aufgeschwemmt fein. 7—8 Pfund . Hafer täglich in ben letzten 3—4 Monaten vor bem Auftrieb ist bie billigste unb zweckmäßigste Borberei- tung. Ein so gefüttertes Foblen wirb auch, wenn cs zur Weibe kommt, sein Fleisch nickst gleich verlieren. weil cs da? Grasen erst lernen muß. Der größte Fehler, ber vieffach gemacht wirb, besteht barin baß bie Fohlen im ersten Jabw überhaupt nicht zur Weibe kommen, weil man annimmt, baß sic m schwach seien. Alle, welche baruach handeln, wachen einen großen Fehler: denn im ersten Jabro bekommt das Folsten wahrend der Dcibezeit taalich noch 2 Pstmd H-ster mit Häcksel aemismt. und die ersten 14 Tage täglich fine Ration Heu. Da? altere Foblen. welches zum erstenmal zur Weide kommt, mich ebenk^lls da? Grasen noch lernen, unb ba e? außer seiner Ration Heu bie ersten 14 Tage nichts bekommt, so fällt es schnell ab unb Bolt dies auch nicht wieber Bei Dagegen wird em Foblen. welches im ersten Jahre auf ber Weide war, dieselbe im zweiten unb dritten Jahr" sehr leicht annehmcn und Mion bleiben. Knm Schluß fei davor qewgritt, die Tiere an bie Tafche un aeirohnfn. b. h. mit Brot unb Zucker zu füttern, ba sie sich dadurch leicht allerlei Untugenden ange- wölmen.
Beim Rinde iff es mit dem Füttern nmae« kehrt: Hier kann viel gespart werden. Das Rind, welReS zur Weide soll, darf nicht unter 10 Monaten alt sein. Da es tm Dinier Kraftfutter bekommen bat. muß es allmählich dellen entwöhnt werden und darf etwa 5—6 Wochen vor Beginn des Weidcgan- ges nur mit Rüben oder Schnitzel, besonders aber mit Heu und gutem Stroh gefüttert werden, damit es sich an voluminöfes Futter gewöhnt. Solche Tiere, die schon eine Weideperiode durchgemacht haben unb im Fruhjabr wieder aufaetrieben werben sollen, bedürfen im Winter des Kraftfutters überbaubt nicht, ihnen muß aber recht viel Heu und gutes Stroh gegeben werben. Minbestens 3—4 Wochen vor bem Auftrieb sind bie Tiere täglich mit klarem, frischem Wasser zu tränken. Ter oberste Grundsatz bei Weidebetrieb muß bei Rindern fein: rnagcr zur Weibe, fett von bei Weibe.
halten geschlossen bie Augen, wenn ich gebe einen Wink, baß sie nicht sehen sollen. Hier biesc zwcihun- bert Fäfler köstlichen Weines —"
„Daruchleben, wohin sollen wir i Bringen bie Erze?" fragte ber vorderste der Männer, die mit den Bündeln auf der Schulter die Felsenireppe her- ausgekeucht käme».
„Jtzig, was hast Du mich erschreckt", entgegnete Baruch, „wohin anders soll kommen das Erz, als in den Turm hinter dem Hause. Du kennst doch den Platz?"
„Wenn es ist Erz, BaruchlcBen, warum kann es nicht lagern hier, wo doch sind die feinsten Waren?"
„Warum deutelst Du an den Worten des Baruch, Sohn einer Magd", zischte der Brotherr. „Gebe ich nicht fast doppelte Zahlung, Du Knecht? Geht, Ihr Manner, und tuet bie Pflicht, unb nachher könnt Ihr ruhen, und will geben Euch koschere Speisen und einen Becher Wein, wenn es auch nicht ist bedungen für die geringe Arbeit."
Dem Befehle gehorchend, schleppten bie Männer ihre Last wefter, Mb waren sie. in eine bei Galetten ehtbiegenb, bem Auge entschwunden.
„Wird nicht einet von diesen Leuten jemals Eure Geheimniffe verraten?" fragte Graf Tarent.
„Wir Juden halten zusammen", entgegnete ber Besitzet bet Insel. „Ob Herr obrr Knechfi ob Frau, ober Magd, mir sind von einem Stamme und steoen zusammen, damit keiner falle. Die Leute find ein» gefchworen auf die Thora, und wer den schwur brach-, würde sein verflucht in Zett und? Ewuft'n. Der Verräter würde auSgestoßen fern au» der Ge- metnbe, unb sein Leben wäre geachtet meid.) bem cinetz Hundes. Das hier sind Fckgranatbetten und werden teuer bezahlt in den deutschen Landen Hier diese drei-ehn Ballcn enthalten kostbare Teppiche, gewoben von Frauen int Perserlande, unb hier liegt eine Labung feinster Seide, bestimmt für den Markt in Konstantinopel.
(Fortsetzung folgt.)