iüÜL-^ Suldaer Zeitung»
Aus dem Nachbargebiete
ier über meinen
»ns Sberheffen u- den heff. Aemlern.
• Marburg, 12. Jan. 1913. Mit dem Bau des städtischen Eiswerkes wird in nächster Zeit be- gönnen werden, und cs sollen die Bau» und Mon« tagearbeitcn so gefördert werden, daß am 1. Mai mit der Erzeugung und dem Verkauf von Kunsteis
* Schlitz, 11. Jan. 1913. Einen dreisten Diebstahl ließ sich dieser Tage hier ein Italiener zuschulden kommen. Er betrat mit Frau und einem Kind den Laden des Bäckers Kalmbach, um einen Laib Brot zu kaufen. Zufällig war nur das Dienstmädchen des Bäckers anwesend. Es verließ nur auf einen Slttgenbltd den Laden, um ein größeres Geldstück zu wechseln, womit der Käufer bezahlen wollt«. In ihrer Abwesenheit plünderte der Italiener die Tageskasse des Bäckers völlig aus. Der Diebstahl wurde bald bemerkt, und cs gelang, den Dieb festzunehmen.
* Hersskld, 13. Jan. 1913. Die Verwirklichung des Projektes „Errichtung eines Haltepunktes
Zur KrWiWS her Knochen.
Zarte, schwächliche Kinder erstarken bald, wenn sie Scotts Lebertran-Emulsion eine Zeitlang regelmäßig bekommen. Weit schmackhafter und zuträglicher als gewöhnlicher Lebertran, wird sie meist gern genommen, ist leicht verdaulich, und ihre günstige Wirkung läßt nicht lange auf sich warten. Scotts Emulsion befördert den Ansatz festen Fleisches, sowie die Entwickelung kräftiger Muskel», ihr Einfluß auf den Knochenbau ist unver- kennbar. Infolge der allgemeinen Kräs» tiaung fangen die Kinder bald an, mehr Teilnahme und Lebenslust zu zeigen, und oft schon nach kurzer Zeit wird man sie freudig umher springen sehen.
Freilich muß es die echte SeottS Emulsion sein, die beim Einkauf ausdrücklich zu verlangen ist.
Der Graf von Tarent.
14] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner
„Mein Name ist Enrico von Tarent!"
Schweigen herrschte zwischen den beiden Männern. Große Tränen perlten in den Bart des alten Israeliten.' Nun trat er hinter dem Verkaufstische hervor, beugte sich tief vor dem Grafen und küßte sein Gewand.
„Bei dem Gott meiner Väter, es geschehen Wunder, die Toten erstehen wieder!" rief er laut und feierlich. „Hat Jehova einen Schleier gebreitet über die Sinne eines alten Mannes? Herr, Ihr seid nicht wieder zu erkennen, selbst die Stimme ist heiser geworden und rauh —"
„Wundern Euch graue Haare und die Zeichen des Alters bei einem Manne, der es hören mußte, wie die Nägel über ihn in den Sarg getrieben wurden?"
Isidor Baruch murmelte ein hebräisches Gebet.
„Nachdem ich den Sarg gesprengt," fuhr der Graf fort, „fand ich mich als Gefangener unter den Tdten. . . . Meine Voreltern waren um mich versammelt und hörten, wie ich zu Gott schrie um Erbarmen. . . » Ich wollte leben, ein Lebender unter Lebendigen, wollte mein junges schönes Weib Wiedersehen und küssen auf den roten Mund, wollte meinen Knaben, den Augapfel meines Lebens, herzen —. 2ne Bitte wurde mir erfüllt, gegen morgen fand ich einen Ausweg aus den Felsenhöhlen, den Kemer kennt und wls wiederum die Nach' kam, da sah ich mcm Wei«.
Der Händler blickte forschend auf ihn.
whet sie, Herr? Wie nahm sie den so schrecklich veränderten aus?" .. , ,,r.
, _ »Ich fand sie als eine Unwürdige — sie selbst wh mich nicht!" „ . ,
Der Hebräer murmelte einen gräßlichen V hatte diesen Mann stets geliebt und geschätzt wie taie" Sohn, die junge Gräfin hatte er me leiden gemocht.
mehr, warum ich zu Euch komme. Ich Reisen gehen und brauche einen, der Knaben wacht und mente Reichtümer verwaltet. Ihr seid der Mann. Ich wiederhole. Hunderte von solchen Säcken — et deutete auf die zwei, welche er mitgebracht — will ich Euch schaffen und Ihr könnt das Metall unterbringen im Handel Wir beide wollen den Gewinn teilen. Ihr gebt mir Kreditbriese an die großen Geldhäuser der Länder, die ich zu bereise« gedenke. Willigt Ihr ein, dann will ich Euch zu
Der Mann, welcher so viel gelitten, hob die Sand wie sinn Schwure. „Weil ich eine andere Rache haben wollte. Eine Rache des Augenblicks genügte mir nicht, war ich epi Betrogener seit Jahren, so sollen die Ehrlosen auch Jahre hindurch leiden. Das Geheimnis, daß ich zum Leben zurückgekehrt bin, soll den Beiden verborgen bleiben, ich gedenke fürs erste in die Ferne sii sichen."
„Und Sie wollen lassen die Schuldigen im Besitze der reichen Besitzungen?"
Graf Tarent lächelte müde. „Was liegt mir an Geld und Gut? — Erinnert Ihr Euch der alten VolkSsage, ein Graf Tarent habe ungeheure Reichtü- mer, die er aus dem Lande der Ungläubigen in jungen Jahren mitgebracht, in seinen alten -ragen ver- qrabcn? Ihr wißt doch, daß man dre Burg Tarent eben deshalb die „Schatzburg" und die Grafen Tarent die „Schatzgrafen" genannt hat? Ich war der letzte, an diesen fabelhaften Schatz zu glauben, ich dachte darüber tote über ein Ammenmärchen, aber m drcfer Schreckensnacht bot sich mir derselbe von selbst dar. ... Die Auffindung solcher Reichtümer ist ein Grund mehr, warum ich ;u Euch komme. Ich will auf weite
Ami Geisa und Umgebung.
* Geisa, 11. Jan. 1913. Der Hauptvoranschlag des Großherzogtums Sachsen für die nächste dreijährige Finanzpertode ist den Landtagsabgeordneten zugegangen. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 14 240 089 Mk. ab.
♦ Kaltennordheim, 11. Jan. 1913. Am 19. Januar tagt hier die Generalversammlung des R h o n- turnbezirks. Die Tagesordnung verzeichnet eine Reihe wichtiger Punkte.
* Weilar, 12. Januar 1913. Bauunternehmer Kümpel-Vacha bat dre von ihm in der Konkursmasie der Firma Görwitz u. Co. in Weilar erstandene Älumrniumsabrik dem vormaligen Mitbegründer der Firma Gotwitz u. Co., Rudolf Görwttz, verpachtet.
• Gerstungen, 12. Jan. 1913. Die junge Frau des Gutspächters S. aus Lauchröden hat sich auf ihrem Gefährt nach Gerstungen begeben. Auf dem Heimwege scheuten die Rappen, sodaß der Kutscher die Gewalt über die Tiere verlor. Frau S. toollte sich durch Abspringen in Sicherheit, bringen, kam jedoch so unglücklich zu Fall, daß sie besinnungslos vom Platze getragen werden mutzte. Sie hatte sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen.
△ Marburg, 11. Jan. 1913. Unter dem Vorsitze d:s Landrats v. Löwenstein sand hier heute eine Sitzung des Kreistags sür den Kreis Marburg statt. Bei der Feststellung des Landwegebau- et a tS wurde daraus hingewiesen, datz durch das nasse Wetter des letzten Herbstes, besonders aber durch die Automobile, die Landwege in eine sehr schlechte Verfassung geraten seien und die diesmal eingestellten 92 000 Mk. für Unterhaltung der Landwege im nächsten Jahre kaum ausreichen würden. Die genannte Summe wurde bewilligt und zugleich der Kreisaus- schuh angewiesen, 5000 Mk. nachzubewilligen. Es soll in Zukunft anstatt der Chaussierung mehr aus die Anlage von Kleinpflaster gesehen werden. Ferner beschloß der Kreistag die Errichtung einet Landkrankenkasse für den Umfang des Kreifes und drückte zugleich den Wunsch aus, datz die verpche- rungspflichtigen Dienstboten in der Stadt Marburg der Ortskrankenkasse zugewiesen werden. Die KreiS- Kommunalkassenrechniing für 1911, die mit 348 867 Mark veranschlagt war, schloß ab mit einer Einnahme von 380 554 Mk. und einer Ausgabe von 356 644 Mark; es verbleibt also ein Ueberschuß von 23 909 Mark.
vor dem Johannestor" an der Heesfeld—Treywer Bahn ist nunmehr in greifbare Räbe gerückt. In den nächsten Tagen wird die Ausschreibung der erforderlichen Arbeiten erfolgen. Der Haltepunkt wird unmittelbar hinter dem alten Bezirkskommando zu liegen kommen. Falls nicht unvorbergesehene Zwischenfalle eintreten, wird die Eröffnung des Haltepunktes der die amtliche Bezeichnung „Hers- seid« Bad' führen wird, am 1. Juli d. IS. er- folgen. — Die städtische Sparkafse -rziclte tm Jahre 1911 einen Reingewinn von 55 025,56 Mark. Die Gesamt-Einnadme betrug tm genannten Jahre 4774431,48 Mark, die Gesamt-Ausgabe 4652 719,32 Martz.
♦ Büdingen, 11. Jan. 1913. Die mit dem 2o. Wandertag deutscher Gebirgs- und Wanderveicine hier zugleich abgehaltcne Ausstellung brachte einen R-inüberschuß von rund 1300 Mk. Der größte Teil dieser Summe soll als Grundstock zra Bau eines Aussichtsturmes im Psaffenwald ver- wendet werden.
** Hanau, 11. Jan. 1913. Heute vormittag traf hier der G e n e r a t i n s p e k t e u r der Verkehrstruppen, General Frhr. v. Lynker in der Kaserne des Eisen- bahnregiments behufs Information, insbesondere über die Typbuserkrankungen ein. Die KrankheiiSzustände sind seit gestern dieselben geblieben. — Heute vormittag ist die feierliche Eröffnung der 1. Allgemeinen Geflügelausstellung des Geflügel,uchtvereins Kesselstadt durch den Protektor Landrat Frhrn. Laut erfolgt. Die Ausstellung ist mit über 300 Nummern Vesckückt.
* Corvach, 10. Jan. 1913. Die Po st v e rb i n d u n. gen von hier nach dem Eisenberger Kreise und nach Medebach (Westfalen) werden voraussichtlich demnächst durch Automobilverbindungen ersetzt werden.
gelegener Stunde an einen Ort führen, wo Ihr das Gold, von dem ich spreche, mit Händen greifen könnt!"
„Sa§ ist viel Vertrauen, Herr Graf, das Ihr einem verachteten Juden entgegenbringt", sagte der JSraglit, den Kops wiegend. „Ich schwöre beim Gott meiner Väter, der Baruch wird nicht mißbrauchen dieses Vertrauen und er wird verdoppeln in kurzer Zeit jedes Goldstück, das Ihr legt in seine Hände. Wisset, Herr, daß ich in der Tat Verbindungen habe in den großen Geldmärkten und daß Dutzende von Ageilten meine*- Weisung harren. Auch hat mich der Gott Israels mit Besitz gesegnet, den ich nicht zeige jedem, denn wenig Recht hat der Jude und leicht nimmt man ihm, was er nennt das seine, besonders, wenn sind die Großen des Landes in Nöten. Kennt Ihr die Schreckensinsel, der kein Fahrzeug sich nahen kann ohne höchste Gefahr und die deshalb ze- bet Schiffer meidet?"
„Die Schreckensinsel zwei Stunden west draußen im Meere? Natürlich weiß ich davon — es fft em Felsengebilde ohne Baum und Strauch und fast unnahbar, umgeben von äußerst gesährlichen Wirbeln und Strömungen. In meiner Knabenzeit wäre ich und ein anderer, dessen Namen ich nicht nennen mag, dort mit knapper Not dem Tode verfallen.
„Diese Insel ist mein Reich", sagte der Israelit swlz. „Die starren, schroffen Felscnwände außen verraten nicht, daß eine Zufahrt existiert und daß im Innern der Insel ein verborgenes Paradies sich befindet. Dort aus jener Insel bin ich König, dort berge ich weine Besitztümer, dort liegen, Waren gespeichert, bereit Wert, wäre es bekannt, mich für mein Leben fürchten laffen würbe. Ha, ha! Der Morb eines Juden kostet ja nur eine Geldstrafe. .. . Dort- hin muß auch das Gold gebracht werden, von dem Ihr sprecht, denn hier im Ghetto wäre es nicht tätlich, abzuladen große Geldsummen. Wenige Getreuen wissen um mein Geheimnis und diese sind einge- schtvoren aus die Thora. Wir Juden hallen zusam- men und keiner verrät den andern. Edler Herr, indem Ich Euch dies onvertraue, habe ick Vertrauen für
„Der Buhle war der Mann, dcn ich geschätzt und geliebt hatte von Kindheit an," fuhr der Graf weiter. ,^Jch war ihm Bruder und Freund gewesen alle Tage!"
Zinn wußte Baruch, wer gemeint war. Graf Tarent und Baron Meneville waren als unzettrenn- liche Freunde weit und breit bekannt.
„Warum habt Ihr das schändliche Paar nicht getötet, Herr Gras?"
Vertrauen gegeben. Wann und wo wollt Ihr die Schätze in meine Hand legen?"
In diesem Augenblick ertönt dte Klingel. Der Gras flüstert dem Händler einige Wotte ins Ohr und dieser nickte bejahend.
Der Graf trat hinaus auf die Straße. Baruch geleitete ihn hinaus. „Also Ihr kommt um zwölf Uhr an die bezeichnete Stelle," sagte der Graf, chm die Hand reichend.
Der Israelit ergriff nicht die Hand. „Herr, vergesset nicht, datz ich nur bin em verachteter ^ude, sagte er laut und setzte leise hinzu: „Ich werde^ Mit meinen Leuten zur rechten Zeit am rechten Platze fein!"
Lokales.
Fulda, 13. Januar 1913.
# Personalien. Ernannt wurde Getichtsasseffor c^unghaus zum Amtsrichter in Frankfurt. Der Stellenanwärter Bäprmann zum Gerichtsvollzieher in Wächtersbach, Postsekretät Fennct m Kassel zum Oberpostsekretär, die Lanvespraktikanlen Ziegler, Dubmsson, Kippenberg und Kaiser zu Sekretären bei der Landesversichetungsanfialt Heffm-Nassau. Etats- mäßig angestellt wurden die Postaffistenten -dto|iu8 in Kassel und Ftohneberg in Hanau. Der Regie- rungsrat Dr. Bunk in Oppeln wurde der Regierung in Kassel zur weiteren dienstlichen Verwendung über, mieten. Postdirektor Retzlaff wurde von Sangers- hausen nach Kassel versetzt. Verliehen wurde dem Revierförster Mittnacht in Hundelshausen der Rote Adlerorden 4. Klasse, dem Regierungsbaumeister Maiut die Stelle eines Vorstands eines Eisendahn- berriebsamtes unter Belassung in seiner gegcnwär- tigen Beschäftigung als Vorstand bet Sauabteilung »u Kassel. Ernannt wurden zum Eisenbahnjetretär der GÜlervorstehet Fey in Kassel und der Rechlsan- walt Bindewald bet dem Amtsgericht zu KatlShaien zum Kgl. Notar des Oberlandesgerichtsbezttks Kassel mit der Anweisung seines Wohnsitzes in Katlshasen.
(♦). Sie EeburtsiagZseier der Garnison wird auch in diesem Jahre in der üblichen Weise begangen. Am 26 Januar 7 Uh: abends findet großer Zapfenstreich statt. Gr nimmt seinen Weg durch die Arüllcriestraße, Witlichstraße, Leipzigetitrake, Paulustot, Pauluspromenade, Friedtickstraßc, Markt» straße, Buirermartt, Schwernemartt, Peterstor, Rhabanusstraße, Bahnhofftcaße, Lindenstratze nach dem Regimenlshaus. Von dort erfolgt nach Abspielen dreier Musikstücke und des großen Zapsenstrelches bet Rückmarsch ohne Musik nach der Kaserne. Am 27. Januar ist von 7,15 Uhr ab großes Wecken durch das Trompeletkorps unter Führung des Leut- rmr ts Aichmayr. Um 10 Uhr vormittags beginnt der Gottesdienst der katholischen und evangelischen Militärgemeinde. Der Gotlesvlenst der israelitischen Manmchas'en findet bereits am 25. Januar, vor- miliags 81/» Uhr, in der Synagoge statt. Im An- schluß an dcn Gottesdienst der tat olftchcn und evan- geltswcn Mannschaiieu ist Paradeauffiellung und Parademarsch des Regiments auf dem Domplatz. Wählend des Hochs aus den Kai,n feuert die dritte Batterie zu vier Geichützev im Schloßgatten 101 Ehrenschüsse ab. Am nachmittag nimmt das Ofsi- ziertorps an dem Festessen der Bürgerschaft im Stadtioat teil.
a Neue viehsruchcnpolizeiliche Anordnung. Der Regierungspräsident ordnet an, daß alles in den Stabten Fuld a, Hanau und Kirchhain an den Viehmartttagcn und an den drei vorhergehenden Tagen mit der Eisenbahn ankommende Klauenvieh bei der Entladung amtstierärztlich zu untersuchen ist. ' Es darf vorher nicht von der Entladestelle entfernt werden. Der Kreistierarzt oder sein amtlich bestellter Vertreter ist rechtzeitig von der Ankunft des Viehs zu benachrichtigen.
X Zum Oderbimbachet Kirchenraub. Wenn bis jetzt über die Persönlichkeit des seiner Zeit bei Gersfeld verhafteten Revolverhelden, insbesondere übet dessen Beteiligung bei dem Obcrbimbacher Kirchcn- raitb nichts nn die Oessentlichkeit drang, so scheint doch die Untersuchung Licht in die Sache gebracht zu haben, denn in einer Bekanntmachung des Regie- rungsgerichtsblattcs betreffs Verfolgung der Täter bringt dc: Regierungspräsident zur Kenntnis, datz der Houpttäter bei dem Kirchcnraub und Revolverheld jener bei Gersfeld festgenommene und in daS Amtsgerichtsgcfängnis in Fulda cingelicfertc angebliche Müllcr ist. . „
= Einberufung von ProvinsiaUaudtagen. Der .Reichsanzeiger' teilt mit, daß der Provinziallandtag der Provinz Hessen-Nassau auf den 26. Februar und der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Kassel auf den 24. Februar einb’tufen ist.
a. Entwässerungs-Genossenschaft Frttda-Horas. Laut dem im Amtsblatt der König!. Regierung zu Kassel veröffentlichten Statut werden die (Stgentumer der dem Meliorationsgebiet angchörenden Grundstücke in den Gemarkungen Fulda und Horas zu einer Genossenschaft vereinigt, um den Ertrag dieser Grumdstucre nack Maßgabe des Meliorationsplanes des -öauraks Schüngel von hier durch Entwässerung mittels Rohren zu verbessern. Die Genossenschaft führt den Namen: .Entwässerungs-Genossenschaft Fulda-Horas" und ha. ihren Sitz in Fulda. Die Kosten der Herstellung und Unterhaltung der gemeinschaftlichen Anlagen werden von der Genossetlschast getragen. '
lagen werden unter Leitung des von dem Vorpeyer auf Beschluß des Vorstandes anzunehmenbcn Ge-
nossenschastStechnikerS auSgeführt und unterhalten. Dieser hat auch das Bauprogramm auszustellen, die besonderen Pläne auSzuarbcssen, die für die Verdingung erforderlichen Unterlagen zu beschaffen, überhaupt alle für da? zweckmäßige Jnemandergreifen bet Arbeiten vorzunehmenden Maßnahmen anzuregen und vorzubereiten. DaS Verhältnis, nach welchem die einzelnen Genossen zu den GenossenschastSlasten beizutracien baden, richtet sich nach dem für die einzelnen Genossen aus bett Anlagen erwachsenden Vorteil. Dieser entspricht zur Zeit dem Flächeninhalt der zur Genossenschaft gehörenden Grundstücke, daher auch die Lasten nach Maßgabe deS Fläckentaumes der beteiligten Grundstücke auizubringen sind. Dte Beittagsliste ist 4 Wochen lang zur Einsicht der Genossen beim Vorsteher auszulegen. Jedem Genossen steht es frei, mit der Behauptung, daß die aus dem Eenoffenschaftsunternehmen er- wachsenden Vorteile nicht allen Grundstücken in gleichem Maße zucute kommen, zu verlangen, daß die Höhe seines Beitrags dem wirklichen Vorteile seiner Grundstücke entsprechend festgesetzt werd,. Solche Anträge sind beim Vorstande anzubringen, gegen dessen Entscheidung binnen zwei Wochen Beschwerde an die Aufsichtsbehörde zulässig ist. Im Falle einer Parzellierung sind die Lallen nach dem BeteiligiM'S- maßstabe auf die Trennllücke zu verteilen. Bei Abstimmungen hat jeder beitragspflichtige Genosse mm« bestens eine Stimme, im übrigen richtet sich das StimmverhästniS nach dem Verhältnis der Teilnahme an den Lasten, und zwar in t.<r Weise, daß |ür jede angefangenen 25 Aar eine Stimme gerechnet wird. Jeder Genosse kann fein Stimmrecht durch einen anderen, mit schriftlicher Vollmacht versehenen Genossen ausübe». Die genossenschaftlichen Anlagen werden nach Fertigstellung in regelmäßige Schau genommen, die jährlich tm Frühjahr und H" bst stattzufinden bat.
X Kmheffm im preußischen Eifenbahnetat. Im Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. sind, soweit Kurhessen in Betracht kommt, folgende Drittel bercitgeftent worden: Für die Erweiterung des Bahn- Hofes Fulda, fernere Rate, 300000 Mark, für die Herstellung von zwei Ueberholungsaeleisen auf dem Haltepunkt Kerzell, erste Rate, 60000 Mark, und für die Erweiterung des Bahnhofes Schlüchtern, fernere Rate, 100000 Mark.
= Zugverfpötnngen waren gestern wegen des an« haltenden Schneefalles an der Tagesordnung. So traf der morgens 8.06 llht fällige V-Zug von Frank- furt erst gegen VslO Uhr hier ein; auch die anderen Züge batten Verspätungen bis zu einet Stunde,
D Von der Eisenbahn. Einen ruhigen Gang der Schnel^ugtoagen bezweckt eine durchgreifende Anordnung der Eisenbahnvertoaltung für alle preußisch- hessischen . und die Reichs-Eisenbahnen. Nach einem Erlaß des Ministers sind die zweiachsigen Drehgestelle amerikanischer Bauart für neue I)-Zugwagcn auch künftig mit dreifachen Spiralfcdersähen auszu- lüsteu. Die Drehgestelle amerikanischer Bauart Jur neue Abteilwagen erhalten zweifache Spiralfedersätze. An den Drehgestellen der vorhandenen O-Zugwagen werden die dreifachen Sätze eingebaut, wenn ein Ersatz der Federn erforderlich ist. Bei sämtlichen Abteilwagen werden die dreifachen Sätze bei der nächsten Untersuchung der Wagen in zweifache trage« ändert.
<? Futzballsport. Bei dem Verbandsspiel zwischen Botutsia-Fulda und „Eintracht"-Kassel stellte sich daS Resultat auf unentschieden mit 2:2. — Die „Alte Herten-Mannschaft" des Fuldaer FnßballvereinS spielte in Alsfeld gegen dte 1. Mannschaft deS dortigen Fußballklubs und gewann mit 14: 1.
• Die ebrmaligen 83er von Fulda und Umgegend werden zu einer am Sonntag, den 19 Januar int Gatt- hauS zur Traube stattfindenden Besprechung zwecks Teilnahme an dem Regimentsjubiläum etngeladen. (Siehe Inserat.)
begonnen werben kann. — In der Wagenhalle bet Straßenbahn stürzte eine tm Bau befindliche 6—7 Meter hohe Mauer ein, glücklicher Weise jedoch ohne daß jemand verletzt worden wäre. — Tas König!. Provinzial-Schulkollegimn hat genehmigt, baß das Lyzeum den Namen Elisabethschule führt.
* Argenstein (St. Marburg), 11. Jan. 1913. Bet der Bütgermeisterwahl wurde der Landwirt Wenz mit 6 Stimmen gewählt, 5 Stimmen fielen aus H. Kütber.
• Kirchham, 12. Jan. 1913. In einem Nachbar, boefe soll man einer großen Wilddieberei auf die Spur gekommen sein. Die Sache rohb noch em gerichtliches Nachspiel haben. — In der letzten Sitzung der Sladtverprdneten wurde der Gewährung einer Enschädigung an einen Einwohner zugestimmt, dessen Kuh aus der siädlischen Weide einen Schaden erlitten hat. Sodann wurde das Ortsstatut über die Dienstreisen städtsscher Beamten und das Ortsstalut über di« polizeiliche Reinigung der Straßen festgesetzt. Zu Beginn der Sitzung wurde der neugewähtt« Stadtverordnete Althainz eingesüyrt und ver- pflichtet. _ .
# Ziegenhain, 12. Jan. 1913. Herr Kreisarzt Dr. S t ö llz in g, der zum 1. Februar nach Wernigerode versetzt war, hat seine Versetzung rückgängig gemacht und bleibt biet.
* Aus dem Kreise Ziegenhain, 12. Jan. 1913. Das Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen ist 21 Personen in Anerkennung ihrer während einer 25jährigen Zugehörigkeit zur Ortsfeuerwehr geleisteten Dienste verliehen und in feierlicher Weife durch den Landrat und Kammer- Herrn v. Schwertzell in Ziegenhain ausgehändigt worden.
[;] Neustadt, 11. Jan. 1913. Im Gegensätze zu Meldungen von hohen Holzpreisen in „Niederhessen kann man von hier das Gegenteil berichten. Bet der letzten Holzversteigerung am Freitage kamen 4 Raummeter Buchenscheitholz auf 18 9)11. und Eichenscheit auf 12 Mk. Es find dies Preife, welche seit Jahren nicht da waren. Die Kauflust war ge- rina da infolge des milden Vorwinters die Holzvyr- | rate'noch nicht zusammengeschmolzen sind. Auch forgt 1 der „chronische" Geldmangel dafür, baß überall nicht über ben notwendigsten Bedarf hinausgegangen Wird. Aehnlich sind die Verhältnisse bei Bauholzversteige- tungert, da von den Maurern und, Zimmerleuten über Mangel an Aufträgen geklagt wird.
* Geismar, 12. Jan. 1913. Dem nach 34iahriger Dienstzeit wegen vorgerückten Alters aus dem Amte scheidenden Bürgermeister Faust ist das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber verliehen worden. Dte Auszeichnung wurde ihm am Mittwoch durch Landrat Dr Stapenhorst vor versammelter Gerneiickevertre- tung mit Worten der Anerkennung überreicht Diese galten nicht allein der langjährigen pflichttreuen Ausübung des Bürgermeisteramtes, sondern auch den Verdiensten um das Vaterland, die sich der Gefeierte als Mitkämpfer im Feldzuge 1870/71 erworben. - Die Bestätigung des neu gewählten Bürgermeisters Landwirt S ei b e l erfolgte am selben Tage durch den Landrat. _________________
Reklamen- und Anzeigenteil.
Es war etwa zwffchen drei und vier Uhr morgens. Die Fläche des Meeres kräuselte sich unter dem Anstoße des Morgenwindes, weiße Schaumkronen zeigten sich. Eine kleme Schaluppe schaukelte absests vom Hasen in entern geschützten Winkel auf und nieder. Ein einziger Mann befand sich darm, besorgt blickte er nach ben Sternen, bte ihm die Zen anzeigten. Er begann die Stricke «m gerefften Segel zu lösen, dann schaute er nach den ^eiLengeftechten in denen die Ricker hingen. Sein Gesicht druckte ängstliche Spannung und Erwartung aus. ,
„Ephraim und Isaak, nehmt die Ruder: ttt der ersten Reihe, Salomon und Jtztg ^er zwmt«i. Legt die Bündel nieder und Du, J^kob, trage bte- selben unter das Sinrm^ich und vetteile g ch das Gewicht. . . . Sieben Bündel sind S doch Jawo. r>äble genau1 Nun kommen bte anderen rat neun Bündeln Verstaut die Ware gut, denn schwer tst sie an Gewicht, wenn auch der Wert ist flermg- . . Gegen zehn Männer standen nun tm Schiffe.
„Wie haißt? Gering fall fein der Wert der Ware? ließ sich einer der Männer vernehmen, „Gold auS te? Münz könnte nicht drucken fchwerer auf bte Schultet. (Fortsetzung folgt.)