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Ziehungsliften der preußisch-süddeutschen Klcffen-Cotterie. — tzalbsährUch Taschenfahrplan.

40. Zahrgang.

Nr. 7

Erstes Blatt.

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wilden Agitation das schlimm st e Hindernis für die freiheitliche und wahrhaft fortschrittliche Ent­wicklung ist.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 9. Januar 1913.

Fortsetzung der Beratung der Jniervellation über den Wagenmanzet.

Abg. Frk>r v Gamp (Dtp.) ist der Meinung, daß die Kalamität den gewaltigen Umfang mcht hätte an»

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Illustrierte Sonntagszeitung

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zweifellos ein System vor, das Wahlresultat zu beein» Ruffeit. (Hört! Hört!» „„

Abg. Dr. Neumann-Hofer (Dp.): Jeder anständig fühlende Mann, jeher Deutsche muß über Vorgänge wie in Schwetz Schmerz anstatt Freude empfinden. Mir ist noch nicht vorgeiommen, daß bet einet Hauptwahl und der darausfolgenden Stichwahl die Behörden es fertig bekommen, das Gegenteil von dem zu proklamieren, was tatiächlich vorgekommen ist. Ich hoffe das auch niemals mehr zu erleben. Man macht immer dem Wahllom- misfar den Vorwurf; er würde richtiger an die Regie­rung gerichtet sein. Ihre heutige Erklärung genügt uns durchaus nicht: wir müssen sie dringend bitten, daß sie in der Zukunft aus die Auswahl dieser Männer die größte Sorgmlt verwendet. (Beifall.)

Abg. v. TrampozynSki -Pole): Jeder, der auf SRetn» kichkeit sieht, muß jür die Nesolution stimmen.

Die Resolution wird gegen die «Stimmen der Reichr- pariei angenommen. Es folgt die Beratung der Tenk- Ichrist über die

Beamtenoeganisation der RcichSpost- und Telegraphen- Verwaltung.

Abg. Ebert (Soz.)- Für die UntcTbeamten ist lange noch nicht genug geschehen. Die Befördeiungsvtrhält- ntffe müssen verbessert wurden. Befähigten Nnterbeamren muß es möglich-gemacht werden, sich "bis zu den höchsten Stollen ernpormarbeiten, mindestens bis zur mittitren Beamtenlarriere.

Das Haus vertagt sich.

Freitag: Kurze Anfragen, bann Weilerberalung.

Sie- ! U. mnt» Stel« Off. Exp.

Abg. Mumm wirtsch. Vgg.f: Zu gegen das Staalseisenbahnsystem bieten timen Vorgänge trotzdem leinen Anlaß, pellaiion sei nach den eingehenden Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause überhaupt noch wenig angezeigt gewesen. (Beifall rechts )

Präsident im Retchsbahnamt Wackerzavp: Selbst in den Komerenzen zwischen den Jnteresienten im Ruhr­revier und den Vertretern der ErienbahnvernmUung

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Freitag den JO. Januar j9jZ

nehmen können, wenn gleich im Anfang mit dem rich­tigen Geschick vorgegangen worden wäre. Ein Retchs- eisenbahugeietz würde nichts nützen, da die Mittel zum Bau von Bahren, sowie zu ihrer ($iWeiterung und zur vom Landtag

„Dämpfung" de: eigenen Agitation vorsah. freisinnige Dolkspartei, die bei der Hauptwahl null Mandate errungen hatten, reitete zwar nicht die

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krichemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Seiertage. üierfet- ISHrlicher Bezugspreis ohne vringeriohn und Bestellgeld in $ulba sowie auswärts f.50 Mark. •••• Rotütionsöruck und Verlag der z 1 Sulöaer fletienbrudterei in Zulda. Fernsprecher Nr. 9. ::

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K Der rote Preußerrtaa

Die sozialdemokratischen Parteitage werden lang­weilig. Erstens wegen der ewigen Wiederholungen in den Erörterungen und zweitens wegen der „Dämpfung" bei der Beschlußfassung. Nur keinen Krach! Die Meinungsverschiedenheiten werden nicht ausgetragen, sondern verkleistert. Nach dem pom­pösen Parteitag ist es noch so, wie vorher; waS ge­macht werden soll, wird nach wie vor von der Par­teileitung gemacht, die bald Vorstand, bald Landeskommission heißt.

Auf dem jüngsten Preußentage sollte die Frage der Taktik bei den nächsten Landtags- Wahlen angeblich gelöst werden. Es wurden riesig viele Reden geschwungen und eine Masse von Abänvernngsanträgen aufgehoben. Aber schließlich wurde „einstimmig" angenommen, was die Landes­kommission vorgeschlagen hatte; die AbanderungS- anträge wurden fast sämtlich zurückgezogen. In­zwischen war man sich nämlich allseitig darüber klar geworden, daß die vapierne Resolution nur ein Zierstück sei, und die L a n d e s k o m m i s s i o n selbst im kritischen Augenblick die Wahltaktik ge­mäß den örtlichen und persönlichen Verhältnisien regeln werde, ohne sich durch die Kreidestriche der Resolution beirren zu lasten.

Alles schon dagewesen! Auch für die Reichs­tagswahlen hatte man vor Jahresfrist Wohl stilisierte Bedingungen der Wahlhilfe aufgestellt. Als es zu den Stichwahlen kam, da schloß man mit den Freisinnnigen das berüchtigte Wahlbündnis, das in dem freundnachbarlichen Rettungseifer sogar das

r Berlin, 9. Jan. 1913. Der Kaiser Hörle heute die Vorträge des Kriegsminiftcrs und des Chefs deS Generalstabs.

Ans dem Reichstage. Die DerkehrSstockungen im Ruhrgebiete haben mit etwaigen vorbereitenden Maßnahmen zu einer Mobilmaibung nichts zu tun, das ist daS einzige positive und immerhin erfreuliche Re­sultat, da« bei der Fortsetzung der Verhandlung über den Wagenm angel zutage gekommen tst. Nach der präzisen und bündigen Erklärung, d:e der Präsident deS Reichkeisenbahn-AmleS, Wackerzapp, am Schluffe der Beratung auf erneute Anzapfungen von sozial­demokratischer Seite hin abgab, ist ein Zweifel hieran wohl nicht mehr gestattet. Im übrigen förderte die Debatte neues nicht mehr zutage. Hoffentlich ist es so und hoffentlich bleibt es nun auch so, wie der Herr Reichseisenbahn-Präsident behauptete, daß näm­lich der Verkehr int Ruhrgebiete bereits wieder in seine normalen Bahnen zurückgekehrt fei. Wenn die Eisenbahn-Debatte ohne jede Aufregung, um nicht zu sagen eintönig verlief, so ging es umso lebhhafter bei dem zweiten Verhandlungs-Gegenstande zu. Es han­delt sich dabei um eine von der WahlprüfungS-Kom« Mission vorgeschlagene Resolution, durch die der Reichs­kanzler ersucht wird, dem Wahl kam miss ar in Schwetz, der de, Feststellung deSGeiaml-Resultates eigenmächtig Berichtigungen beS Wahlresultates vor­genommen hatte, auf das Ungesetzliche seiner Hand- lungSwetse hinzudeuten. Unzweifelhaft hat, wie der Abg. Dr. Pfleger (Zentr.) als Mitglied der Wahl- prüfungS-Kommission des Näheren aussührt, der Wahlkommiffar sich gröbliche Verstöße gegen daS Wahlgesetz zuschulden kommen lasten. Aber das wäre ja genügend durch die Annahme der Resolution zum AuSdrnck gekommen und es wäre nicht nötig gewesen, daß der Abg. Gtadthagm (Eoz.) in feinet bekannten Manier die Verfehlungen eines einzelnen Beamten verallgemeinerte und in leidenschaftlicher Aufregung, in die er sich so gern und so leicht hineinredet, in den Saal bineivschrie: Hier hätten »wieder einmal" preußische Beamte daS Gesetz mit Füßen getreten. Eine recht verunglückte Verteidigung deS Wahlkom- mifsarS versucht der Adg. v. Oertzen (ReichSp.), indem er meint, der Wahlkommiflar habe »eigentlich* die Stimmen gar nicht für ungültig erklären wollen, son­dern er habe nur »eine rechnerische Berichtigung ein- treten lassen" wollen. Er erntet dafür wohlverdientes stürmisches Gelächter auf der Lmken, das ihn Minuten- lang am Reden verhindert. Erst entrüstet er sich darüber und sucht Schutz beim Präsidenten; als ihm alles nichts hilft, ruft er schließltch resigniert: »Wenn Sie lachen, ist mir daß ganz egal.* Schließlich wird die Resolution mit erdrückender Mehrheit angenom­men, nur daS kleme Häuflein der Reichsparteiler stimmt dagegen. Dann nimmt baS Haus noch die Besprechung der Denkschrift über die Beamten-Orga- nisation der Post- und Telegraphen - Verwaltung in Angriff, doch kommt Leute nur noch ein Redner, näm­lich der Abg. Ebert (Soz.) zu Worte, der die Arbetts« und LohnverhäUniffe der unteren Postbeamten kritisiert.

* Staatssekretär von Jagow erklärte einem Mit- arbeit er deS „Berliner Lokalanzeigers* am Schluffe einer längeren Unterredung, der Staatssekretär des Aeußerm habe in Deutschland überhaupt kein Pro­gramm aufzustellen, da sich jederzeit neue Konstella­tionen eraeben können, die mm Einfchlaaen eines

haben elftere rnchls davon verlauten lasten, daß sie eine jo gewaltige Steigerung des Verkehrs voraitSgejefien haben. Die ' Satzungen vieler Jnteresienten iclbft sind weit zurückgeblieben hinter den tatsächlichen Zahlen. Der Wage'.imanget ist eben durch die ganz auflerorveniliche Vertehrrfleigerung vernriacht worden, und die Eisen» batnvctroaüung kann für die Verkehrsstockungen deshalb nicht veranlwoilftch gemacht werden. Unrichtig ist die Behauptung, daß das Reichseuenbahnamt keinen Em- fluß aus die preußische Eissenbahnverivaitung genommen hat. Wir haben mehrfach Anregungen bei den einzel- stnatlichen Verwaltungen gegeben. Sie sind zum Teil nach anfänglichem Widerstand befolgt worden. Seit Milt, Dezember sind die Verhältnisse im Ruhrrevier wieder norm d geworden. Die hier gegebenen wertvollen Anreaungeii werden nach Möglichkeit berücksichtigt werden.

Abg. Tittman» (Soz.): Herr Wacker,app hat vor der preußiichen Eijenbahnoerwaltung glatt kapituliert. Es ist obiektiv unwahr, wenn behauptet wird, daß die jetzige Kalamität jo plötzlich heieingebrochen ist, baß Vorbeugungsmaßregeln nicht nötig waren. Viele tausend Waggons wurden für eine eventuelle Mobilmachung zurückgehalten. Das preußffche System hat sich durchaus nicht bewährt. Die gan,e preußische EijenbahnpluS- macherer ist staatsrechtlich unzuläjsig.

Abg. Dr. Böttger (natl.): Der Einfluß des Reichs- eisenbohnamtes aus die preußische Berkehrspolitik ist nicht übenagenb. Es handelt sich nicht nur um eine preußische Angelegenheit, sondern um eine Reichssache, besonders nicht in militärpolitischer Hinsicht. Nicht minder be­denklich waren die sozialen Begleiterscheinungen des Wagenmangels. Selbstverständlich muß un Falle der Mobilmachung der Wagenpark zur Verfügung der Heeresverwaltung gestellt werden. Da würden auch die deutschen tiibetter juftimmen. Der Redner erörtert den Lohnausfall, der durch den Wagenmangel im westlichen Industriegebiet entstanden ist, und die vchädiguugen der Industrie. Die mangelhaften Zustände in den Bahn- anlagen, Gleisen, Rangiereinrichtungen, Bahnhüsen müssen beseitigt werden, die Nebenbahnen in größerem Maße zu Bollbahnen ausgebaut, neue Absuhrlimen aus dem Ruhrgebiet geschaffen werden ufro. Der Personen- verkehr muß vom Güterverkehr getrennt werden. Die Wasserstraßen müffeu zur Berkehrsentlastung herange- «m werden. Dte preußische Etsenbahnrerwaltung t vor riesigen Ausgaben von großer Verantwortung, die von Jahr zu Jahr wachsen. Wir ersuchen das Reichseiienbahnamt, mehr noch als bisher sür einen ausreichenden Wagenpark, für den Ausbau der Eisen- bahntinien und den Neubau an Bahnhöfen un Industrie- gebiete zu sorgen. ,, , ,

Präsident DeS Reichseisenbahnamtes Wackerzapp er­klärt, daß die Verkehrsstockungen un rheinisch-westsäl,scheu Kohlengebiete mit der politischen Lage weder in der Ursache noch in der Wirkung irgend etwas zu tun hatten. Es sind damals keine Wagen sür eine drohende Mobil­machung .zurückgehalten worden, dafür ist in ganz anderer Weise gesorgt auch war die Sperrung de« linksrheinischen Verkehrs ourch derartige Gründe nicht veranlaßt. Die mtgegenstehenoen Behauptungen sind vollständig au5 der Buh gegriffen. Ebensowenig ist die Behauptung richtig, i daß un Fall, des wirklichen Ausbruches eines Krieges untere Mobilmachung durch jene Stockungen irgendwie in Frage gestellt worden wäre. Die Störungen haben nut in der Zu- und Abführung der Güterzuge bestanden, eine Schwierigkeit, die im Kriegsfälle infolge der dann eintretenden ganz anderen BetrtebSweis, ohne weiteres von selbst geschwunden wäre.

Damit schließt dte Besprechung. « folgen Wahlprüfungen.

Die Wahlen der Abgg. Schwabach (Natl.) und Werr (Zentr.) werden ohne Debatte sür gültig erklärt.

Es folgt dte Beratung einer Resolution der Wahl- prüfungSkominiffton betr. die ReichStagSwahl in Echwetz. Der Reichskanzler wird darm ersucht, den Wahlkommiffar in Echwetz auf daS Ungesetzliche seiner Handlungsweise eigenmächtiger Berichtignngen deS Wahl- resuttate« h,nzuwe»sen.

Geheimer RegiernngSrat Dr. Lewald: Die Regierung hat Ermittelungen angestellt über da« Verhakten deS WahlrommiflarS. @« ist ihm eröffnet worden, daß fein Verhalten weder in den gesetzlichen noch in den regle- mentanjrbtn Bestimmungen eine Unterlage findet. ES ist daher bezüglich dieser Resolution bereit« vor Jahre», fttst daS Erforderliche getan worden.

Abg. v. Oertzen (Rp.): Er wollte nur eine rrchnerlsch, Berichtigung emtreten lassen. (Heiterkeit.) Mala fideS kann man ihm mcht vorwrrsen.

Abg. Stadthagen (Soz.i: ES kann nicht scharf genug gegen solche Leute vorgegangen werden. ®e sind alle Erfordernisse gegeben, um wegen Wahlfälschung und Urlundensät'chuvg einznjchreuen. ES ist Vflichl der Regierung, die EiaatSanwaltschasl zum Einschreiten ayf- iufotbern. Es kann mcht so roettergehen, daß sich Leute immetfort g gen das Seietz aujlehnen und sich bann hinter tote AmtSkigenschaft verschanzen.

Vizepräsident Dr. Krause: Ich tann nicht zulasten, baß Sie die Beamten ais Austehner gegen das Gesetz oezeichnen.

«bg. Stadihagen: Ich wende mich nur gegen die­jenigen Beamten, öie sich gegen das Gesetz amlehnen. In Schwetz «ft eigentlich Herr v. Saß-JaworSkt gewählt worden.

«bg. Dr. Pfleger (Ztr.): Auch ich bin der Ansicht, . vag nach dem voruegenden Material eigenllich v. Saß- Laworski gewählt robtoen ist. Es kann sich höchstens fragen, ob der Wahttommisfar fadrlSisig oder Mit Ab- ucht jo peoanbelt hat. Die Wahrheit scheint aber doch *° <u liegen, daß er fahrlässig den Irrtum begangen hat »nd zu 6em saljchen Ergebnis gelommen ist. Wir treten oem Beschluß der Kommission bei und hoffen, daß in outunft derartige Dmae unterbleiben werden. Ai« Iten»

neuen Weges zwingen können. Er halte auch nichts von Aeußerungen über das, was werden kann und i)a§, was werden soll. Er glaube in Rom mit dem Prinzip der stillen Arbeit nicht schlecht as» ähren zu sein und werde auch in Berlin daran fest falten.

Bethmamt gegen Dethmaun. Am 4. Dezember vorigen Jahres jagte Herr von Bethmann Hollweg bekanntlich zur Verteidigung des odiosen Bundesrats- beschtuffes:

Meine Herren, daß Sie als Glieder Ihrer Kirch, die Beseitigung des Jesuitcngejetzes herbeif bnen, wer wollte Ihnen das verdenken; aber neben den 24 Millionen Katholiken leben 40 Millionen Evan gell > che in Deutschland, beide Sö ne eines Volles und in allen Schickungen des nationalen Lebens auj Gedeih und Ver­derb zuiammengcschmiedet. lLebhafter Beifall. Meine Hcnen! Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß sich das evangelische Volksempfinden von jeher gegen die Tätigkeit der Jesuiieu heftig gekehrt hat. (Sehr richtig!) Das ist eine Tatsacke, die Sie weser durch Gründe, noch durch Dialekt'! wegleugnen können. Sie können in bteler Talsacke auch nicht ein Phantom oder eine Jdeosynlrasie der Evangelischen erblicken.

Am 7. März 1911 erklärte derselbe Herr von Bethmann Hollweg gegenüber dem Drängen deS Evangelischen Bundes nach einer scharfen Stellung­nahme der Regierung gegen die bekannten katholisch» kirchlichen Erlasse (nach dem Bericht des »Tag'. Nr. 122):

Rein um deswegen aber Verwahrung einzulegen, weil er protestantischen Empflndiingcn zuwideriäujt, wäre konfessionelle Gssühlspolitik, die niemals Aufgabe deS Staates {ein kann.

Damit hat der Reichskanzler über seine Rede vom 4. Dezember selbst das treffendste Urteil gesprochen.

4- liebst die TyphnSepidemie im ersten Eisenbahn, bataiflon in Hanau wird der sozialdemokialische Abgeordnete Hoch dem Reichskanzler folgende An­frage vorlegen:

„Ist es zutreffend, daß die Typhusepivemie im ersten Bataillon des Eilenbahnrcgiments in Hanau durch Unlauberkeit in der Baiaillonskuche entstanden ist, und daß eS 21/« Wochen gedauert hat, bis die Militärärzte die Art der Erkrankungen jeftgestellt haben? Kann der Herr Reichskanzler bestätigen, daß alles gejchehen ist, um die Uebeitiagung der Epidemie auf weitere Kreise zu verhindern?"

0 Auf eine Anfrage des Abg. Werner (Hersfeld) über eine Bewegung in den Kreisen der m i t l e r e n Post- und Telegraphenbeamten ist jetzt beim Reichskanzler folgende Antwort eingegangen:

e „ES ist dem Herrn Reichskanzler bet umt, das unter einem Teil der mittleren Retchspost» und Telegraphen­beamten eine Bewegung im Gange ist, die eine verschie­den artioe Behandlung der aus dem Zivil- und der aus dem Militäranwärterstande hervo«gegangenen Beamten der Assistentenklasie in Bezug aus ihre Be;örSerungs< und Bejoldungsverhältmsse erstrebt. Eine Aende- rung der Pecsonalordnung der Reichspost- und Tele gtaphengerroaliung ist weder in vieler noch in einer anderen Richtung beabsicktigt."

■u- Für ungültig erklärte die Wahlprüstmgskom. miffion des ReichstVes die Wahl des Abg. Dr. Becker (fraktionslos). Dr. Becker war in Bingen-Alzeh ?egen den freisinnigen Pfarrer Korell mit einer Mehr- eit von nur 2 Stimmen gewählt worden. — Wie wir erfahren, wird im Plenum des Reichstags über die Ungültigkeitserklärung dieser Wahl namentliche Ab- stimmung beantragt werden.

)( Der konservative Parteitag der Provinz Han­nover erklärt cs für die Hauptaufgabe aller Ord- nungSparteien, den Kampf gegen die Sozial- bemDfratte mit schärfstem Nachdruck auf bei ganzen Linie von neuem wieder aufzunchrnen^ Die in bedrohlicher Weise zunehmende Macht der Sozial- demckratie sollte, so heißt es in der zur Annahme gelangten Entschließung, den Nationallibe- l i s m u § vor allem auch in Hannover wieder an die Seite der konservativen Parteien zurückführen, zu erneutem Wetteifer in der Verteidigung der Monar. chie, des Vaterlandes und der Jntereffen der bürget- lichen Gesellschaft. Die taktifchen Bündniffe des Frei- sinnS und eines Teiles der Nationalliberalen mit der Sozialdemokratie würden im Endergebnis nut die So- zialdcrr okratie, nicht aber den Liberalismus zur Herr­schaft bringen.

* Aus Anlaß der Dreibunderneuerung hat Kai­ser Franz Joseph dem Unterstaatssekretär im Deut­schen Auswärtigen Amt Dr. Z i m m e r m a nn den Orden der Eisernen Krone 1. Klasse und dem Diri­genten der Politischen Abteilung Geh. Legationsrat von Stumm daS Großkreuz des Franz-Josephs- Ordens verliehen. Eine hohe Auszeichnung irai, tote bit „Pol. Kort." meldet, dem verstorbenen Staats- fefcetät von Kiderlen-Wächter zugedacht.

(♦) Eine schwere Entgleisung naaelt die .Kölnisch, DolkSztg/ fest. In Nr. 1 der .Deutschen Kolonial- zeituug^ deS amtlichen Organs Mr Deutschen Kolonial­gesellschaft, findet fick nämlich in einer von dem Hauptmann a. D. C. von Perbandt gezeichneten Besprechung folgender Satz:

„ES ist erfreulich hier zu lonfhtieren, wie sozial­demokratische Minierarbeit noch n‘d)t oorgebruugen ist bis zum Kern des veulschen Volkes, und hoffen kann man deshalb, baß es so bleiben wird, selbst wenn rote und schwarze Internationale mit vereinten Kräften in dieser Arbeit foitfabien, Untere sich zur Mit­arbeit beim Tot»ngräb»rgeschäst<m„Germanias Grab" auch noch di« Männer mit den Schaujechüten (b. h. den Jesuiten) herbeizitieken möchte!"

ES bedarf kemes Wortes, um zu zeigen, welch schwere Beleivigung der deutschen Katholiken in diesem Satze enthalten ist, der von einem hoffnungslos ver­bohrten Fanatismus zeugt und den Tatsachen gerade auch bezüglich der von ganz anderen Niänneru als dem Herrn Hauptmann a. D. von Perbandt aner­kannten wahrhaft nationalen Wirksamkeit der deutschen Jesuiten über See Hohn spricht. Wir büren wohl mit Bestimmtheit erwarte»-, daß die Deutsche Kolonial« gesellschaft, deren Stellung und Ansehen dir Duldung solcher Ausschreitungen des konscffionellen Haffes von selbst verbietet, dieselbe auch in diesem Falle, bei wohl nur der Ausmerksamkeit der Schriftteitung ihrer Zeitschrift entgangen ist, entschieden mißbilligen und für bt» Zukunft verhüten wird.

Ehre, aber doch einige Dutzend Mandate von des Umsturzes Gnaden.

Zu einem ähnlichen Geschäft wird es auch bei den Landtagswahlen kommen. Die Freisinnigen schöpfen neuen Mut; denn auf dem roten Preußen­tage ist ja förmlich und feierlich festgestellt worden, daß die ungünftig klingende Resolution nur eine theoretische Regel aufstellen, und die Praxis schon für die gehörigen Ausnahmen sorgen werde. So wurde ja schon das prächtigste Wahlbündnis für die Provinz Schlesien in Aussicht gestellt: „Es ist durchaus nach unserer Resolution möglich, wenn uns die Fortschrittler ein Mandat in Breslau und Görlitz in Aussicht stellen, sie dafür in ganz Schlesien zu unterstützen." Mein Liebchen, was willst du noch mehr'.

Das Zusammengehen der Fortschrittler unb ber Sozialbemokraten kann um so weniger überraschen, als biefe beiben Parteien neuerdings im Kultur- kampseifer, in ber Feinbschaft gegen ben Ka­tholizismus und im Haffe gegen bas Zentrum sich innerlich annähern. Die alte Parole „ficht Aus- nahmegefetz!" soll jetzt zu Ungunsten ber Jesuiten sogar von bet sozialdemokratischen Partei aufgegeben werden. Für uns ist bte Todfeindschaft bet Umsturz­partei höchst ehrenvoll; was die fortschrittliche Schleppenträgerin benft ttttb tut, ist höchst gleich- giltia.

Das Jntercffanteste am roten Preußetttag wat baS offene Eingestänbnis, daß auch mit allen Wahl- fünffen die schwatzblaue Mehrheit im Mge- orbnetenhause nicht beseitigt werden kön­ne. Man verzichtet also von vornherein darauf, auch nut jene» Gleichgewicht bet rechten unb ber link-n Seite, bas im Reichstag besteht, im preußi- fchen Parlament zu erreichen. Nun, dann können wi« fn in voller Ruhe abwarten, was bei dem ver­schämten oder offenen Wahlbündnis der Freisinni­gen und bet Sozialdemokraten herauskommt.

Adet wenn keine radikale Mehrheit zu etteichen ift, wie soll dann die angeblich so heiß erwünschte Mnführung des Reichstagswahlrechts in Preußen durchgedrückt werben. Durch autzetpatlamen- t a r i f ch e Einwirkung, würbe auf dem roten Preu- ßcntag erklärt. Solche Drohungen mit der Stra- ßenpolitik fördern natürlich nicht den angegebe­nen Zweck, sondern dienen vielmehr dazu, die maß­gebenden Faktoren im Herrenhause, in der Regie- rung und am Hofe erst recht mißtrauisch zu machen gegen eine Reform, die ben preußischen Staat viel­leicht ber Gnabe bet Umsturzpartei ausliefern könnte.

Es zeigt sich hier wieberum, daß die Sozia l- bemofrati* in ihrer SerftörunaSfudbt und ihrer

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Beittfdies Reich.

--- Eine neue Militärvorlage in Sicht?

Die Meldung der „Post", dem Reichstage werde in allernächster Zeit eine neue große MilitärvorlaZe vorgelegt werden, hat in der Presse naturgemäß großes Aufsehen und vielsach auch Befremden erregt. Nahezu die gesamte Presse steht der Nachricht ungläu­big gegenüber; das mildeste Urteil über die Vorlage ift, daß sie jedenfalls übertrieben und sehr verfrüht fei. Daß ein militärischer Nachtragsetat sich bereits seit längerer Zeit in Vorbereitung befindet, ist kein Ge­heimnis und allgemein ist bekannt, daß in diesem fraglichen Nachtragsetat Forderungen für unser Luft­schiffwesen enthalten sind. Als die „Post" vor meh­reren Wochen ebenfalls mit der Nachricht eines bevor­stehenden großen militärischen Nachtragsetats vor die Ocfsentlichkeii trat, erfuhr sie ein amtliches Dementi, in dem gleichzeitig auf den Gegenstand des mili- tärifdwn Nachtragsetats, das Lustflottengcsetz, hinge­wiesen wurde. ist nicht gut annehmbar, daß in diesen wenigen Wochen diese Sachlage sich in dem Maße verändert hätte, wie die neueste Meldung der „Post" glauben machen will. Gänzlich unrichtig ist jedenfalls die Bchauptung, daß man beabsichtige, neue Kavallcricdivisioncn aufzustcllen und ein neues Armeekorps zu bilden. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings die Möglichkeit, daß in dem zu erwar­tenden militärischen Nachtragsetat außer den Lust­schifforderungen noch einige kleinere Forde­rungen enthalten fein werden, über die jedoch zur Zeit noch nichts Bestimmtes mitgeteilt werden kann. Uebrigens ist die Vorlage dem Bundesrat noch gar nicht vorgelegt worden, sodaß alle Mitteilungen über dieselbe mit großer Vorsicht aufzunehmen sind, lieber die Große und Höhe der Nachforderungen wird auch dann erst ein einigermaßen sicheres Urteil gefällt werden können, wenn die Frage der Bcsitzsteuer ent« schieden sein wird.

Die unaufhörlichen militärischen Nachforderungen scheinen unS jedoch sehr danach angetan zu sein, in weite Kreise der Bevölkerung Beunruhigung und Un­zufriedenheit zu tragen, zumal bei der gegenwärtigen Lage unserer auswärtigen Politik der Gedanke nahe liegt, unsere militärffche Stärke reiche für den Notfall nicht aus. Wir hoffen, daß die amtliche Richtig- ftcKung der von der „Post" gebrachten Aufsehen er­regenden Meldung nicht lange auf sich warten lasten wird.