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Fuldaer Leitung

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(Fortsetzung folgt.)

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pen zusammen, als sie die Trauerbotschaft hörten, und manchen davon habe ich die Hellen Tränen weinen sehen. Besonders ein Alter, der gewöhnlich im Por- tierhäuschen sitzt, geberdete sich wie ein Berzweifeln- der, er klagte so laut, als Wenn ihm sein.eigener Sohn gestorben wäre. Sehen • Sie,, das ist, der Unterschied zwischen vornehmen und geringen Leuten."

Graf Tarent starrte stumm vor sich hin, die Mei­nung des Alten tat'ihm wehe, denn er teilte nicht seine Ansicht und glaubte, den Charakter seiner Frau bester zu verstehen. Daß sie nicht die Leiche zu sehen verlangt hatte, schmerzte ihn, doch fand er es ent­schuldbar, der furcktbaren Gefahr der Ansteckung hal­ber. Wie, wenn sie den Keim der Krankheit in sich ausgenommen hätte. Er konnte den Gedanken gar nicht ertragen, daß sie dann möglicherweise der Krank­heit zum Opfer gefallen wäre, sie und dann das Kind--

schwinden.

„Habt Dank, lieber Mann, für die Nachricht, die Ihr mir gegeben", sagte er, ihm die Hand zum Ab­schiede reichend. „Ihr tragt ein gutes Herz in der Brust. Ich war ein Freund des Verstorbenen unb Eure. Erzählung ist mir nahe gegangen. Irdisches Gut besitze ich mehr als genug, darf ich Euch Geld 'anbieten?" . .

Er hielt dem Alten einige Goldstücke hin, die er in seiner Tasche vorfand.

„Behaltet Euer Geld, fremder Herr, ich besitze dieses Häuschen und ein paar Acker Land, das ist genug für die Bedürfnisse von zwei alten Leuten, bte; auf eine baldige Erlösung warten."

Dann wechselten die beiden Männer einen Hände­druck und Tarent schied von dem Manne, der gestern an seiner Seite die Sterbegebete gebetet.

In einer Schenke setzte er sich in eine Ecke und verzehrte seine erste Mahlzeit seit langen Stunden, dann ging er hinaus ins Weichbild der Stadt und legte sich endlich, einer tiefen Ermüdung folgend, im Schatten eines Baumes ins Weiche Gras. — ; V.

= Viermal versichert. Die verschiedenen Landes- verstcherungsanstalten im Deutschen Reiche haben letzten darauf aufmerksam gemacht, daß Angestellte mit einem Jahres-Arbeitsverdienst bis 2000 Mark nach wie vor Marken für die Alters, und Invasiven- Versicherung kleben müssen, sie mithin zwei 33er’ sicherungen angehören. Das ist aber noch nicht alles. Viele junge Leute 'beider Geschlechter bleiben auch nach wie vor in der Krankenversicherung und ferner in den gegen Unfall versicherungspflichtigen Betrieben bei der Berufsgenostenschaft. Sie können mithin viermal von Gesetzeswegen versichert werden, erfahren aber auch alle aus diesen Versicherungen ihnen zu- stelwnden Vorteile. Ta die Versicherten natürlich auch noch Staats, und Kommunalsteuer zu entrichten haben, so erwächst ihnen ein nicht unerheblicher Ee« samtaufwand.

* Msttclschullehrcrkmse werden auf Veranlassung des Herrn Kreisfchulinipcktors.Wulf von hier dem­

Aus dem Nachbargebiete.

]:[ Hünfeld, 8. Jan. 1913. Unsere Bischöfliche Lateinschule, an der neben der ernsten Arbeit auch die edle Musik gepflegt wird, veranstaltet am Sonntag den 12. d. M. im großen Saale des kathol. Vercinshauses eine musikalisch-theatralische Abend­

müssen. Es ist versucht worden, mit Akkumulatoren zu arbeiten, die indes jetzt stark abgenutzt sind. Der Gasmotor ist an sich noch brauchbar, müßte aber, tote das bei jeder Maschine von Zeit zu Zeit der Fall tst, ausgebohrt werden. Bei einem Anschluß an das Elei- trizitätswerk sind die Kosten verschieden. Sollen Bogen­lampen angebracht werden, so stellt sich die Einrichtung auf rund 1000 Mk., bei Anbringung von 4 je lOOOteräigen Metallfadenlampen dagegen auf nur 836 Mk. Außer­dem würde durch letztere ein gleichmäßiges, ruhiges -uct-t erzielt, im Gegensatz zu den unruhigen Bogenlampen. Es ist mir jedoch zweifelhaft, ob für den Saal 4 Sant= Pen ausreichen werden. Die Kosten für die Anlage sollen dem Abschreibungsfonds der Stadtsaalkasse ent. nommcn werden. Stv. Dunkel spricht sich auch für den Anschluß aus und regt an, auch andere städtische Betriebe, wie das Schlachthaus, dem Elektrtzttatswerr anznschliehen. Der Ob e rbürg er m e ist e r : Es m für sämtliche städtische Gebäude Anschluß an das Elek- trizitätswerk vorgesehen und es haben deswegen bereit- Erwägungen stattgefunden. Stv. Trabert spricht sich für die Anbringung von Glühlampen aus, da sie rm Ge­gensatz zu den Bogenlampen keine Bedienung erfordern. Auch glaubt er, daß ein 4000 Kerzen starkes Licht aus- rcidüe. — Der Antrag wird darauf angenommen.

7. Eine Freigabe-Urkunde wird genehmigt. ,

8. Bewilligung der Kosten für eine technische Lehrerrn vom 1. Januar 1913 bis 31. März 1913. Stv. B o ll - m e r : Die technische Led-erin an der stadtpfarrlichen Schule, welche auch den Haushaltungsunterricht erteilt, ist so beschäftigt, daß sie weitere Stunden Nicht über­nehmen kann. Nun ist auch der Wunsch geäußert worden, daß die Vorteile des Haushaltungsunterrichts auch den Schülerinnen der dompfarrlichen und der evangelischen Schule zukomme. Für die Erteilung beS Unterrichts ist für die angegebene Zeit eine Dame gewonnen, die inngst das Lehrerinnenexamen bestand. Die Kosten belaufen sich auf 340 Mk. Die endgültige Regelung dieses Postens ist im neuen Etat vorgesehen. — Die Kosten werden bewilligt.

g. Interpellation Wohlgemuth: Beleuchtung des We­ges nach dem Frauenberg, der die Fortsetzung der Adal- bertstratze bildet. Stv. W o h I g e m u t h : Die in Frage kommende Wegestrecke ist morgens und abends boUig. finster. Zudem wird der Weg von einer großen Anzahl Personen begangen. Die Klosterkirche ist namentlich früh morgens und abends von Leuten stark besucht, deren Zeit arg bemessen ist. Ich habe mich selbst von der Berechtigung eingebrachter Klagen überzeugt und bitte den Magistrat, an dieser Stelle für etwas mehr Licht zu sorgen. Auffallend ist, daß die Polizei sich noch nicht dafür ins Zeug gelegt hat. Im Anschluß daran möchte ich Bitten, daß auch im oberen Teile des Klosterweges noch eine weitere Laterne angebracht werde. Stv. Weber schlägt vor, hier wie auch an an­deren Stellen elektrische Beleuchtung einzufützren, da dies doch billiger sei als eine Weiterführung des Gas­rohrstranges. Der Oberbürgermeister: Wir alle wünschen, daß die Wege in der Umgebung der Stadt möglichst beleuchtet werden; ob aber alle Wünsche erfüllt werden können, mag dahingestellt bleiben. Ein Weg znm Frauenberg ist sehr gut beleuchtet, und ich bin der Ansicht, daß dem dringendsten Bedürfnis abgeholfen ist. Die Anlegung von Gaslicht würde jedenfalls nicht billig sein und 4 bis 5000 Mk. erfordern. Was die Frage einer elektrischen Beleuchtung anbelangt, so kann ich Mit­teilen, daß beim Elektrizitätswerk bereits für bestimmte Strecken Kostenvoranschläge nachgesucht sind. Einen sol­chen werde ich auch bezüglich der in Frage stehenden Wegstrecke anfordern. — Die Versammlung beschließt darauf, die Interpellation dem Magistrat zur Erwägung anheimzugeben.

10. Ersatzwahl für die ausscheidenden Herren Ma-

flennt Ihr sie, Fremder?" fragte der Alte.

Der junge Mann schüttelte den Kopf zum Zeichen der. Verneinung.

„Um so besser, dann könnt Ihr ein unparteiisches Urteil leichter bilden. Das Kräftigste kommt näm­lich noch. Als der Geistliche unwillig sich empfahl und ich ihm folgte, da erteilte sie laute unb scharfe Befehle, daß niemand,' wer es auch sei, das Haus verlassen und dem toten Herrn folgen dürfte. Mes wegen der Gefahr der Ansteckung! Die Diener konn­ten das Gebot kaum glauben, aber augenblickliche Entlassung war angekündiat für die, welche zuwider- bandeln sollten. Die Gräfin sagte, es geschehe des Kindes halber, Inn, ich dächte mir aber meinen eige­nen Teil, und wie ich an den Mienen urteilen konnte, andere Leute auch. Man munkelte, das sic die Vor­sicht zu weit getrieben, — bis zur Herzlosigkeit."

Herr von Tarent zuckte zusammen, ihm war, als hätte er einen Schlag ins Gesicht empfangen.

„Und das Begräbnis?" fragte er.

„Es war das Begräbnis eines Bettlers," antwor­tete der Mann. „Mit knapper Not, daß ein rohge­zimmerter Sarg aufzutreiben war und ein Fuhrwerk. Der Geistliche ging hinter dem' Wagen her und ich

JV» 6.

vonnerrfag 9. Januar 1913

nie zu städtischen Wahlen Stellung genommen, rch werde es auch heute nicht tun. Wenn aber behauptet wird, im Magistrat seien ondj' ine Initiativen tut Interesse des Handwerks ergriffen worden, so mutz rch das ent- schieden abweisen. Wir beanspruchen für uns, daß rott immer das Handwerk zu fördern gewillt sind. Es rst stets erörtert worden, ob ein Unternehmen im Interesse des Handwerks liege. Andererseits mutz ich betonen, daß uns von Seiten der Handwerker selbst dre Forderung ihrer Bestrebungen oft schwer gemacht wird. Die Hand- werkerfreudigkeit wird "deshalb oft auf eine harte Probe gestellt, trotzdem ist sie vorhanden. Was die Uebernahme von Baumaterial aus dem Geschäfte eines MagrstratS- mitgliedes betrifft, so wird diese wohl deshalb erfolgt sein, weil er das beste Material hatte. Stv. Frlp: Wenn einzelne Handwerker auch wenig, rührig sind, dür­fen die anderen doch deswegen nicht vernachlässigt. wer­den. — Daraus schreitet man zur Wahl. Die ehemaligen Mitglieder werden wiedergewählt und zwar Stadtrat Kramer mit 21, Stadtrat Neitzert mit 25 und Stadtrat Reinhardt mit 25 Stimmen.

Schlutz der öffentlichen Sitzung halb 10- Uhr. ■>

■- Der Gras von Tarent.

11] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

„Alit dem Grafen Tarent wollt Ihr Geschäfte /machens" fragte er. „Da kommt Ihr zu spät, Frem­der, gestern morgen ftieg er gesund und munter von seiner Burg in den Bergen herunter, eine kurze Spanne Zeit und er war tot. Ich sah ihn zusam­menbrechen in der Kirche, die Ihr zwanzig Schritte -von hier stehen seht, geleitete ihn hinaus und hier an der Mauer dieses Hauses, zwei Schritte von dem Mecke, wo wir sitzen, stürzte er wieder zusammen. Ich trug ihn in mein Haus. Wir alten Leute, ich ,wb meine Frau haben ihn sterben sehe», es ging ganz merkwürdig schnell, sogar schneller, als die Pest sonst arbeitet. Er liegt in einer Gruft da drüben hinter dem Felsen."

Der Fremde schien bestürzt, wie es dem Besitzer des Häuschens vorkam. „Schade um den jungen Herrn," fuhr der Mann fort, „ach, das war ein feiner, junger Herr. Alles kannte ihn, jeder schaute ihm gern ins Gesicht. Er war nicht wie die anderen Edelleute und Patrizier, er war freundlich zu allen, und von seinem reichen Einkommen gab er mit offe­nen Händen. Niemals blieb eine Bitte bei ihm un- erhört. ..." -

„Unb feine Frau, wie ertrug sie den harten Schlag?" unterbrach der Zuhörer den redselig gewor- -deuen alten Mann.

„Seine Frau, die junge Gräfin? Ich weiß nicht, b^as ich Euch auf diese Frage antworten soll, Frem­der. Ich möchte nicht gern etwas Unrechtes sagen über eine junge vornehme Frau, die vielleicht anders denkt und empfindet, als ein simpler Manu, rote rch ctn. Aber das tut ihrer Ehre nicht weh, wenn tch -Nge, daß der geistliche Herr unb ich unangenehm errascht waren. Erst sollte ich die Totengräber be­stellen, bann besann sich der hochwürdige Herr und rorderte mich auf, mit ihm zu gehen hinauf in bte unb die Trauerkunde zu überbringen- Ttc

In erster Linie kämen solche in Frage, die an der Spitze von Handwerkerorganisationen stehen. Leider haben diese einen ablehnenden Bescheid gegeben. Wir bitten daher, die bisherigen Magistratsrnitglieder wiederzuwäh­len. Sodann komme ich noch auf einige Punkte zu sprechen. Bei Gelegenheit der Rechnungsprüfungen hat sich seiner Zeit ergeben, daß man sich in einem Falle vertragsmäßig verpflichtet hatte, bestimmte Fabrikate nur von der Firma eines Magistratsmitgliedes zu ent­nehmen. Das hat in manchen Kreisen Mißstimmung hervorgerufen und dürfte leicht zu Mißtrauen Anlaß geben. Jedenfalls dienen solche Vorfälle nicht dazu, daS Ansehen eines Ehrenpostens zu heben. Ich habe deshalb folgenden Antrag vorzubringen: Der Magistrat wird ersucht, zum Vorsitzenden von Baukommissionen nur solche Herren zu bestimmen, die weder als Unternehmer noch als Lieferanten für irgend welche Bauarbeiten in Frage kommen. — lieber den Antrag konnte, weil er außerhalb der Tagesordnung stand, nicht verhandelt werden. Der Oberbürgermeister: Ich habe noch

2. Blatt.

,r«ck der Sulbaet Actienrnwerei in Stilb«.

| war ber einzige Leibtragenbe. Was sagen Sic da- ] zu? Am Friedhöfe erwartete uns ein junger Herr, ein Freunb des Verstorbenen, den ich ost im Leben mit ihm zusammen gesehen und der sperrte die große Familiengruft auf. Die Träger trugen den Sarg hin­unter u. gingen augenblicklich ihre Wege, wie es nun einmal bei diesen Leuten, deren Arbeit so viel ver­langt, Sitte geworden ist. Der hochwürdige Herr segnete den Sarg ein und verrichtete ein Gebet. Sein Freund stand bei der Beerdigung star/, er zuckte mit keiner Wimper und als wir gingen, da sperrte er die Gruft ab und ging in entgrgengesetzter Richtung da­von. Was sagt Ihr dazu?"

Graf. Tarent blickte unmutig, seine Lippen waren zusammengepreßt. Das alles erschien ihm so seltsam, so außerordentlich, so ganz anders, als er gedacht unb gefühlt, unb mit der entschwundenen Form ber Ju­gend begannen nun mich die Illusionen langsam zu

zta-werordneten-versammlung.

-i- Fulda, 9. Jan. 1913.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver- irnnrnlung nahmen 29 Mitglieder des Kollegium» test. tiÄirat war durch die Herren Oberburgermeuter Antoni und Stadtrat Müller vertreten. Den Vor­sitz führte der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher ^Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden einige Ein- -Jy, verlesen, u. a. auch eine Einladung seitens des Km-gvcreinS „Winsridia" zu emem Konzert zum m-u-n des Sturmiusdenkmals. Stv. Adam fragt an,

,5 um die Vorlage betreffs der Kanalgebuhrenord- bestellt sei, worauf der Oberbürgermerster erwidert, sie mit dem Etat der Versammlung vorgelegt werde. Si nn wird in die Beratung eingetreten.

1 Fluchtlinienplanentwnrf bctr. der Johannisstratze. Einern früheren Beschlüsse gemäß soll an dieser Straße

4 «Tiefer breites Vorgartenband frei bleiben. Gegen Festlegung ist seitens eines Grundstücksinhabers Einspruch erhoben. Der Magistrat schlägt deshalb vor, den Beschluß rückgängig zu machen; die Versammlung beschließt demgemäß, und genehmigt den vorliegenden E"'" Fluchtlinienplanentwurf bctr. des Stadtteils, der begrenzt wird von den Straßen: „Am Frauenberg, dem Klosterweg, der Adalbertstrasie, der Niesigerstrahe, der Oberhrssischrn Eisenbahn und der Leipzigerstraße." Auch die für diesen Gebietsteil von der Fluchtlinienplan­kommission und dem Magistrat vorgelegten Entwürfe werden genehmigt. Die Wegener-Trabert'sche Firma hatte für eine parallel zur oberhcssischen Eisenbahnlinie zu bauende Verbindungsstraße zwischen Riesiger- und Leipzigerstratze eine geschlossene Bauordnung beantragt, während sich der Magistrat für eine offene erklärte. Letzterer stimmen auch die Stadtverordneten bei.

3. Flnchtlinicnplancntwurf bctr. der projektierten Pa- rallelstraße zur Elisabethstrahe. Ein diesbezüglicher Ent­wurf wurde früher bereits vorgelegt, jedoch zurückgestellt, weil man sich nicht klar darüber war, welche Strecke in Frage komme. Es handelt sich um eine Verbindungs­straße vom Eichsfeld zum Lichtweg, nicht bis zur Ge­markungsgrenze von Haras. Es sollen 5 Meter breite Vorgärten genommen werden SW. Fritz meint, dah eine Beschlußfassung im Sinne des letzteren Punktes keinen Wert hätte, da gesetzlich nur 3 Meter^ breites Gartenvorland gefordert würde. Der Oberbürger­meister erwidert, daß diese Vorschrift nur eine mini­sterielle Verfügung sei; werde gegen einen Fluchtlinien­planentwurf kein Einspruch erhoben, dann sei er eben bindend. Auch dieser Entwurf wird angenommen, nach­dem noch einige Stadtverordnete den Vorzug möglichst tiefer Vorgärten hervorgehoben hatten.

4. Fluchtlinienplanentwurf bctr. des Stadtteils, der begrenzt wird von den Straßen: Schildeckstraße, Edel« zellerweg, Krätzbach und der Frankfurterstraße wird nach den vorgelegten Entwürfen genehmigt. Für die Straße „Im Kessel" ist ein 4 Dieter breites Vorgartenland be­antragt.

5. Umgestaltung der Allgemeinen Kraistenversiche- rungskasse in eine Allgemeine Ortskrankenkasse. Stv. Sauer: Die Allgemeine Krankenversicherungskasse der Stadt Fulda mutz gemäh den Bestimmungen der ReichsversiLerungsordnung umgestaltet werden. Der Oberverwaltungsausschutz fordert, datz eine diesen Be­stimmungen entsprechende Regelung durch Beschlutz der Stadtverordneten bis zum 15. Januar zu erfolgen habe und empfiehlt die Umwandlung in eine Allgemeine Orts­krankenkasse. Es liegen hierzu noch zwei Eingaben vor, die eine vom Vorstande der Allgemeinen Krankenversiche­rungskasse, der sich dem Vorschläge des Oberverwaltungs- ausfchusses anschließt, die andere dockt Landrat Frhr. v. Doernberg. Der Oberbürgermeister erläu­tert, daß es sich in Stadt und Kreis Fulda um drei Krankenkassen handle: eine Ortskrankenkasse der Stadt Fulda, in die sämtliche Mitglieder der allgemeinen Be- triebskrankenkassen ausgenommen werden, eine Orts- krankenkasse für den Kreis Fulda und eine Landkranken- kasse für den Kreis Fulda für ländliche Dienstboten, wie sie vom Kreistag beschlossen sei. Letztere komme für die Stadt nicht in Frage, wenn eine allgemeine Ortskrankenkasse geschaffen würde unb die Dienstboten sich bei dieser versicherten. Würden wir eine Ortskran­kenkasse für die Stadt Fulda behalten, so mühten wir der Landkrankenkasse für den Kreis Fulda beitreten; unser Reservefonds ginge damit in diese Kasse über und die abgeschlossenen Verträge mit Aerzten, Apothekern u. s. w. würden dadurch illusorisch. Ferner kann ich mit« teilen, daß der Bezirksausschuß die Familienver- ficherung bei der Allgemeinen Krankenversicherungs- ' taffe vom 1. Januar 1913 ab genehmigt hat. Die Umgestaltung der Allgemeinen Krankenversicherungskasse ist lediglich eine Aenderung des Firmenschildes. — Die Versammlung beschließt sodann dem Magistratsantrage gemäß.

6. Anschluß des Stadtsaales an das Elektrizitätswerk und Bewilligung der Kosten. Stv. Keil: Der Strom« verbrauch im Stadtsaale stellt sich wegen verschiedener Mängel am Betriebsmotor auf 1 Mk. pro Kilowatt­stunde. Es wird daher vorgeschlagen, das Gebäude an das Elektrizitätswerk anzuschließen. Die Kosten be­laufen sich auf etwa 900 Mk. Der Erlös aus dem Verkauf des Gasmotors und anderer Gegenstände soll dem Abschreibungsfonds zugeteilt werden. Der Ober­bürgermeister: Die elektrische Anlage im Stadt- sagle ist nicht so weit ausgebaut, als es hätte geschehen

gistratsmitglieder Kramer, Neitzert, Reinhardt. Stv. Fritz: Ich habe in der vorigen Sitzung darauf hinge­wiesen, daß es angebracht wäre, wenn im Magistrat auch ein Mitglied aus dem Handwerkerstände vertreten sei. Fulda ist die einzige Stadt im Regierungsbezirk Kassel, die keinen Handwerker im Magistrat aufweisen kann. Wenngleich der Herr Oberbürgermeister und auch die bei­den Beigeordneten warme Förderer de? Handwerks sind, so stehen die übrigen Mitglieder des Magistrats doch dem Handwerk im allgemeinen fern. Es ist deshalb aus­geschlossen, datz vom Magistrat selbst eine Initiative im Interesse des Handwerks ergriffen werde. Mag auch hier in Fulda keine große Auswahl an geeigneten Persönlich­keiten vorhanden sein, so gibt es deren doch genügend.

Lokales.

Fulda, 9. Januar 1913.

# Personalien. Der Rang der Räte vierter Klasse wurde verliehen den Postbirektoren Retzlass in Kassel und Schacht in Hersfeld.

# Verliehen wurde dem Regierungsrat a. D. Dr. Kusenberg zu Kassel und dem Reviersörster a. D. Mittnacht zu Witzenhausen der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Zollsekrelär Schaaf zu Kassel der Kronenorden 4. Klasse, dem Lehrer Trusheim zu Marburg der Adler der Inhaber des Hausordens von H enzollern, dem Gerichtsvollzieher a. D. Wiegand zu Wächtersbach da? Verdienstkreuz in Gold, dem Kanzteünspeklor a. D., Kanzleisekretär Plamp zu Hanau das Verdienstkreuz in Silber. — Dem Direktor der Kreissparkasse, Stadtrat Wichmann in Eschwege, wurde die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Fürstlich Waldeckschen Verdienstkr uzes erteilt.

W. Pfarrer Johann Peter Ferdinand t- In der Nacht vom 2. aus den 3. ds. Mts. starb plötzlich zu Aachen der Pfarrer Johann Peter Ferdinand an der St. Nikolanskirche daselbst. Am Morgen hatte er noch das hl. Meßopfer dargebracht. Der Verstorbene war anfangs der 60er Jahre, wie noch mehrere in der Kölner Erzdiözese lebende Priester, Zögling des damaligen Fuldaer Knabenseminars. R. I. P.

** Es war mal wieder nichts mit der angeblichen Verhaftung des Zigeuners Wilhelm Ebender. Der ,Frankfurtex Generalanzeiger', der über die Ver­haftung eines Landstreichers in Drais bei Mainz einen langen Bericht gebracht hatte, muß sich selbst dahin berichtigen, daß der verhaftete Landstreicher nicht der langgesuchte Zigeuner Wilhelm Ebender, sondern ein harmloser Bursche gewesen ist.

nächst abgehalten. Sie beginnen am 11. Januar. Als Dozenten sind gewonnen: 1. für Psychologie und Pädagogik: Kreisschulinspektor Wulf-Fulda;

2. für Deutsch: Prof. Dr. Haas-Fulda; 3. für katho­lische Religion: Prof. Dr. Schreiber, Regens des Bischöfl. PriesterseminarS; 4. für Geschichte: Prof. Dr. Lübeck-Fulda; 5. für Erdkunde: Oberlehrer Dr. Köhnen-Fulda. Die Kurse sind je zweistündig und finden an den Mittwoch- und Samstag - Nach­mittagen statt. Mittwochs: Deutsch und Geschichte. Samstags: Pädagogik, Religion und Erdkunde. Die Kosten für die Teilnehmer betragen im Halbjahr 1. für allgemeine Unkosten 5 Mk., 2. für jede belegte Wocbenstunde 10 Mk. <

§§ Hohe Holzpreise werden aus den Versteigerungen int Walde für gute Bau- und Schneidehölzer an­gelegt, weil man die Aussichten des Holrmarktes und der diesjährigen Bautätigkeit im Regierungsbezirk Kassel günstig einschätzt. Die größeren Rundholz­verkäufe im Bezirk gehen denn auch bei sehr großer Saufbeteiligung vor sich, und die forstamtlichen Taxen werden durchweg erheblich überzahlt. Einen bedeutenden Rundholzverkauf hielt die Oberförsterei Marjoß (Kreis Schlüchtern) ab, die 2100 Festmeter Bau« und Schwellenhölzer, 4100 Raummeter Gruben- und Brennhölzer und 2500 Stück Fichtenstangen zum Verstrich brachte und dabei folgende Preise erlöste: Buchenlanghölzer der Taxtklasse A 13.56—30.50 Mk. für das Festmeter je nach Länge und Stärke, Buchen­nutzhölzer der Taxklasse B 11.80—20.50 Mk., Buchen­schwellenhölzer 12.59 Mk., Eichenschwellenhölzer 27.71 Mark, schwaches Eichenholz für Wagner 14.50 Mk., schwaches Birkenholz für Wagner 15.50 Mk. Hain- duchen-Nutzscheite erzielten 12.10 Mk., Rotbuchen- Nutzschelte 7.37 Mk., Birken-Nutzscheite 7.50 Mk. Nadel-Grubenholz wurde mit 3 60Mk., Buchen» Brennholz mit 5.40 Mk. für das Raummeter bezahlt, i Die Brennholzpreise sind über 20 Proz. gegen’ das Vorjahr gestiegen. F chtenstangen für landwirt­schaftliche Zwecke erlösten 25, 60 und 90 Psg. für das Stück.

+ Förderung der Kaninchenzucht. Der Landwirt-! fchastsminister hat neuerdings durch einen Rund- erlaß an sämtliche Landwirtschaftkammern Grundsätze für die Förderung ber Kaninchenzucht aufgestellt und die Landwirtschaftskammern ersucht, innerhalb drei Jahre darüber zu berichten, welche Kaninchenrassen als die für den Kammerbezirk geeignetsten erkannt sind.

k Ein hessen-nassauisches Wörterbuch. Neben dem rheinischen Wörterbuch, das bereits eine halbe Million Zettel aufweist, und den für Bayern und Württemberg in Arbeit befindlichen Wörterbüchern wird jetzt durch den Marburger Universitätsprofessor und Bearbeiter des Sprachatlasses des deutschen Rei­ches, Dr. W r e d e, im Auftrage der kgl. preußischen Akademie der Wissenschaften ein hessen-nassauisches Wörterbuch geschaffen werden. Das Wörterbuch wird außer der Preußischen Provinz auch noch die hessische Provinz Oberhessen und den Kreis Wetzlar der • Rheinprovinz umfassen. Ein Grundstock von 25000 Wörtern steht Prof. Wrede und seinen Mitarbeitern bereits zur Verfügung. Es wurde vereinbart, von der Forderung einer streng wissenschaftlichen Um­schrift bei den auszugebenden Fragebogen abzusehen, da die Erfahrungen bei andern Arbeiten ähnlicher Art dagegen sprächen und auch der Sprachatlas ge­nügende Anhaltspunfte liefern könne.

Hk Von der Eisenbahn. In den Monaten Feb­ruar und März pflegt alljährlich ein gesteigerter Güterverkehr einzutreten, der besonders die bedeck­ten Güterwagen sehr in Anspruch nimmt. In der Hauptsache kommen Düngemittel und landwirt­schaftliche Erzeugnisse in Frage. Da die Wirtschafts­lage anhaltend günstig ist, rechnet die Eisenbahnver­waltung für die Monate Februar und März 1913 mit sehr starken Anforderungen an bedeckten Wagen. Die Verkehrtreibenden werden daher zum eigenen Vorteil und zum Vorteil der Gesamtheit dringend gebeten, sich den frühzeitigen Bezug ihres Frühjahrs­bedarfs angelegen sein zu lassen, das Ladegewicht der Wagen auszunutzen und die Wagen möglichst schnell zu behandeln. Hierbei wird noch besonders darauf hingewiesen, daß bei Ausnutzung des Ladegewichts der Güterwagen von 15 und mehr Tonnen Ladegewicht ein Frachtnachlgß gewährt wird.

junge Gräfin war gar nicht so sehr erschrocken, als der Geistliche ihr die Unglücksbotschaft ins Haus brachte. Ich stand daneben und wunderte mich darüber. Zu­erst wollte sie es gar nicht glauben, dann aber, als ihr alles bekannt gegeben wurde, auch die kleinsten Umstände, da mußte sie wohl begreifen, datz kein Zweifel mehr möglich war. Die Augen dieser Frau, Fremder, ich sage Euch, wenn Ihr "sie nicht kennt, sic ist schön, wie ein Bild, — wurden dann ganz starr, aber weinen konnte sie nicht. Nicht eine Träne! Ich glaubte schon, sie gehöre zu den Naturen, die einen Unglücksfall stumm ertragen ohne Klage und Jammer,"aber dann erschien es mir sonderbar, und auch der geistliche Herr war überrascht, wie ich ihm vom Gesichte herunterlesen konnte, als die Gräfin abwehrend vor uns die Hände hob und laut und voll Entsetzen ausrief:

, „Die Krankheit — ich fürchte mich vor der Krank­heit! Kommen Sie mir nickt nahe!"

„Seht, Fremder, das hat mir wehe getan, die Frau dachte zuerst an sich, sie fürchtete die Ansteckung, da wir von der Leiche kamen. Es hat mir das Herz im Leibe umgcdreht. Die schöne Frau fürchtet für ihr Leben, aber ich habe kein Wort des Bedauerns über den Hingang ihres Mannes gehört aus ihrem Munde, ist das nicht sonderbar? Ich bin nur ein dummer Mann und schaute dem! geistlichen Herrn ins Gesicht, und es kam mir vor, als ob auch er rot geworden sei vor Aerger und Zorn. Als er dann fragte wegen der Anordnungen zu einer schnellen Be­stattung, dä fuhr sie mit der Hand ein vaar Mal über die Stirn und besann sich eine Weile, dann sagte sie, man solle dir Leiche in der Erbgrust vorläufig in aller Stille besetzen, eine offizielle Leichenfeier könne stattfinden in einer späteren Zeit. . . . Dabei wich sie immer Wester von uns zurück, dann griff sie nach einem kleinen Fläschchen, das auf einer ver­goldeten Konsole stand und daran roch sie. Sind das nicht merkwürdige Geschöpfe, die vornehmen Frauen? Greift nach dem Riechsalz, statt dah sie an die Bahre des Toten eilt. . . . Die Lakaien geberbeten sich an­ders", fuhr der Alte fort, „sie stellten sich in Grup-

Gewerbegericht. Im Jahre 1912 sind bei dem Gewerbegericht Fulda (zuständig für die Stadt­gemeinde Fulda und die Landgemeinde Kohlhaus) im ganzen 54 Klagen anhängig geworden, und zwar 51 seitens der Ilrbeitnehmer und 3 seitens der Ar­beitgeber. Hiervon wurden 26 durch Vergleich, 6 durch Verzicht im Sinne des Paragraphen 306 der Zivilprozeßordnung, 3 durch Anerkennungs-, 3 durch Versäumnisurteil "unb 16 durch andere Endurteile erledigt. — Bei 26 Klagesachen bewegte sich der Wert "des Streitobjektes bis zu 20 Mk., bei 14 von 20—50 Mk., bei 6 von 50—100 Mk., bei 6 über 100 Mk. und bei 2 Klagesachen konnte der Wert bes Streitobjektes nicht festgestellt werden. — Das Ge­werbegericht Fulda besteht 20 Jahre: die erste Sitz­ung fand am 30. Mai 1892 statt. Bis zum 31. De­zember 1912 wurden insgesamt 1129 Sitzungen ab­gehalten, in denen 1585' Klagesachen erledigt worden