Fuldaer Zeitung
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Illustrierte Sonntagszeitung
Zieljungsliften der preußisch-süddeutschen Klaffen-Co tterie. — tzolbjShrlich Taschenfahrplan, s
Lrichemt »glich mit Ausnahme der Sonn- und Seierfage. viertel- lührlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda jotoie auswärts 1.50 mark. Rotationsdruck und Verlag der - - Zuldaer Actienbrudterei In Julba. ZemPrecher Nr. 9. ::
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Sulbacr Gefdlidltsblätter 9m lR?b?tt' Ofiert" und fiushinffcr.)dem 20 Pf. extra. 3n
3 Konh.rsMen uirb O.r kyUllj.te Robert »intW. CriEÜuncsort für Oas en"
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fir. 6. Erstes Blatt.
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Donnerstag den 9. Januar 1913»
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40. Zahrgang.
deutscher Reichstag.
Sitzung vom 8. Januar 1918.
Präsident Kämpf wünscht allen Mitgliedern bei Wiedereintritt in die parlamentarüdje Tätigtet! ein geleg. reies Neujahr und einen güniitgen Erfolg für die zemetmchaftdchen Arbeiten. Er teilt mit, daß für die Kundgebung der! Reichstages anläßlich des Ablebens des Lrinzregenten tiuttpolb von Bayern von dem neuen yrmzreqenten, den Prästdenten der beiden bayerüchen Kammern, lorote vom Staatsminister Dr. Frhr. v. Herting Danffagungen eingetroffen sind. Anläslich des Todes )e$ Staatsselietärsi des Aeußern, Dr. v. Krderlen-Wächier, )abe er im Namen des Reichstages der Schroe cr des verdtenitvoUen verstorbenen das herrliche Beileid über» mittel! und an der Bahre einen Kranz niederlegen taffen. Frein au v. Gemmingen habe dem Reichstag für feine Anteilnahme herzlichen Dank ausgelprochen.
Zur Ehrung des Verstorbenen erheben ffch die Abgg. von ihren Sitzen. Es folgt die Interpellation Albrecht und Grnoflen betr.
Wagenmangel auf den preußischen Staatseiiendabnen, die lautet: „Was gedenkt der Reichskanzler als ceta nrootfictier Leiter des Reichseisenbahnamtes zu tun, um gemäß Artikel 43 der Re chsveriaffung dafür Sorge zu tragen, daß die preu> ßischen Staatseisenbahnen |o mit Beiriebsmaterial uus- geiürtet werden, rote das Verkehrsbedürsnis es erheischt." Abg. König (Soz.iberust sich auf den Artikel 43 der Reichsverjassung und fragt an, warum die preußische E'.fenbahnnerwaltung ihre versaffungsmäßigen Verpflichtung nichts nachgekommen ist. Er verbreitet sich dann Über den Schaden, den die Arbeiter und die Industrie erlitten Haden und sieht als eigentlichen Grund des Nebels die Plußmacherei. .der preußtlchrn Eilendahnverwaltung, und die mangelnde Aussicht seitens des preußischen Landtags. Dies würde erst anders, wenn der Grund eines vernünftigen Wahlrechtes die Arbeiter auch im preußischen Landtag ein Wort mitzusprechen hätten.
Präsident des Reichseifenbahnamts Wackerzapp betont, daß die preußische Eisenbahnverwaltung ihrer Pflicht gegenüber dem Reiche nachgelommen sei. Die Berk-Hrsnot lei aus unvorhergesehene Verkedrssteigerung zurückzusüdren. Die Klagen der Jnierpellanten über dre ifohn- und Arbeitsverhältniffe der Eisenbahnbeamien muffe er vor das Abgeordnetenhaus verweisen.
Abg. Dr. Bell < Zentr): Bet der Bedeutung, die die Wagenlalamikät für unser ganzes Verkehrsroelen hat. wird man auch in diesem Hause auf den Umsang der Kalamität und ihre Schäden, sowie auf Vie Abhilfe- mittel näher eingehen müssen. Bei der f. Zt. stattgefundenen Besprechung des Ministers der öffentlichen Arbeiten müßte man neben de > Grubenbesitzern auch Vertreter der Kaufleute, foroe der Beamten und Arbeiterschaft hinzuziehen. Die in Aussicht gestellte Befferung trat im Dezember 1912 keineswegs ein und der Wagenmangel bat noch bis zum 27. Dezember gedauert. Die Eileiibahn trägt insosern Schuld, daß auch sie, rote d:e gesamte andere Industrie es doch eingesehen hat, voraussehen konnte, zudem hat man schon die Ralamttä! im Dezember 1908 genau die nämlichen Argumente angeführt und in den 7 Jahren ZrotlchenzeU wäre doch Zeit genug gewesen, den Betrieb den Anforderungen von Handel und Wandel arrzupassen. Die Betriebsausgaben sind nicht in dem Verhältnisse der Einnahmen gestiegen, und diese Spariamkeit hat sich jetzt bitter gerächt. Auch beliebt nicht nur bet den Beamten, jonbern auch in Sachverständigenkreijen bie Auffassung, daß das Perjonal nicht ausreicht. Der Gelchastskreis der einzelnen Eisenbahndirektionen müßte weiter begrenzt werden. Auf die Dauer wird man um die völlige Trennung des Personen- und Güterverkehrs Nicht herumkommen. Ich empfehle daher die vollständige Trennung des Güter» und Personenverkehrs, speziell für den Ruhrbezirk eine Vermehrung des Wagen- und Lokomotivbeliandes, eine Beschleunigung des Wagenumlaujs, den Bau von Wagen mit größerem Ladegewicht und die beschleunigte Durchführung der geplanten Gleis- und Bahnho'fsanla «en. Ferner möchte ich in Erwägung ziehen, eine gleichmäßigere Beriorgung der einzelnen Zechen und eine zweckentsprechende, durchgreifende Ausgestaltung der Guterwagengemeinschaft und möglichste Vereinheitlichung des Verfahrens im Wege der Verständigung zwischen den Bundesstaaten und Eisenbahnverwaltungen.
Abg. Schwabach (ntlb.): Die großen Verkehrsstockungen sind auch auf die unzulänglichen baulichen Anlagen zurückzuführen. Da diese Kalamität schon monatelang anhäit, sind schwere soziale Schäden sür Industrie und Landwirtschaft, auch für weite Schichten bet Arbeiterschaft, die Folge. Die Erneuerung des Be» ttiebSmaterialS erfolgt in einem viel zu langsamen Tempo. Die preußische Verwaltung verfährt nach einem gewissen elftem, ohne auf die Bedürsnisse des Lebens Rücksicht zu nehmen. Die Leistungsfähigkeit der baulichen Anlagen ist zu gering. Dadurch kommt der ganze Betrieb zu Zetten aus Rand und Band. Die mbuftrieUen Kreise muffen bei Neuanlagen gehört werden. Die Ausstattung unserer Eisenbahnen mit Betriebsmitteln hat seit Jahren zu,-bedenken Anlaß gegeben. Die jetzige preußische Etsenbahnfinanzpolttik führt zu schweren Schädigungen de» StaatsoermögenS und des öffentlichen Wohles. Wir wünschen, daß Zuständen, wie sie jetzt herrschen, vor» gebeugt wird.
Abg. Graf Könitz (kons.): Auch wir bedauern die Kalamität, unter bet auch die Arbeiter erheblich ,u Inden haben; aber kein Land der Wckt ist so mit Eiien- babnmaterial versorgt, wie wir in Preußen Die Verwaltung trifft keine Schuld. Man sollte die Eisenbahn dadurch entlasten, daß man die Güter mehr als bisher auf dem Wasserwege befördert.
Abg. Dove (Vp.s: So unschuldig, wie der Präsident des Reichseiienbahnamtes meint, ist der preußische Eisen- bahnminister an den heutigen Zuständen nicht. Der Herr Präsident meint, die Schuld trage der niederttach. tige Verkehr. (Heiterkeit.) Es geht eben bei der Eisenbahn so wie bet jedem staatlichen Gebäude. Wenn es lenig tst, hat es nicht Platz genug für alles, was hinein wll. Es fehlt das richtige Augenmaß. Der Redner fordert em Reichseisenbahngesetz.
Das Haus vertagt sich.
Donnerstag 1 Uhr: Weiterbetatutig, Wghlprüfunaen Kvnkurrenzklaujel. '
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Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 8. Januar 1913.
. Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet bie Sitzung, ttwem er allen ein glückliches neue» Jahr wünscht. 28ei» *ct macht er davon Mrtt-iltmg, daß er dem Prinzregen- ten von ffVlhPTTI SH TT» * - * *-----xf I
des Hauses und dem Prinzen August zur Geburt eines Sohnes die Glückwünsche zum Ausdruck gebracht hat.
Das Haus ehrt das Andenken des während der Weih» nachisferien verstorbenen Abg. Wilckens (k.) in der Üblichen Weise.
Einbringung des Etats.
Finanzminister Dr. Lentze: Bei der Aufstellung des Etats für 1911 bot die wirtschaftliche Lage folgendes Bild: Die Landwirtschaft harte gegen das Vorjahr eine befriedigende Ernte gehabt; Schisfahrt, Handel und In- dustrie litten noch unter dem Rückgänge des Jahres 1907. Hinzu kam trotz einer Besserung und einer lac. sentlichen Zunahme der Ausfuhr in allen Industrien bie Ungewißheit über die Erneuerung des Stahlwerks. Verbandes und des KohlensyndikatS. Beim Staatshaushalt litten unter dem Rückgänge der Konjunktur besonders Eisenbahnen, Bergwerke und Steuern. Infolge ber notwendig gewordenen Erhöhungen von Besoldungen und Penstonen um 200 Mill. Mk. hat der Staatshaushalt m den letzten Jahren trotz Erschließung neuer Ein- nabniequcnen zum Teil mit erheblichen Fehlbeträgen abgeschlossen. Notwendigerweise mutzten die Verwaltungsausgaben auf 23,4 Mill, erhöht werden, und e5 l$l0V^rJEjr01?schlag für 1911 mit einem Fehlbeträge von 29,9 Mill, av und sah gleichzeitig eine Ueberweisuna eme^ 2!uegietcWonbS von 32% Mill. Mk. vor. Dank des Aufschwungs von Handel und Industrie schwellten die Einnahmen jedoch in die Höhe, und der Staats- ha u s h a l t für 19 11 schloß sogar mit einem Heber» f ä u tz von 7,3 Mill. Mk. und jah gleichzeitig eine Zu» fuhwrng an den Ausgleichssonds von 152,3 Mill. Mk. vor
Diese 7L Mill. Mk. können zur außerordentlichen ^e^ung der Staatsschulden verwendet werden, die damit ?°ch?0lahnger Unterbrechung saus den Rechnungsüber, schuf,en des «taatshaushaltes) aufgenommen ist. Das Ergebnis für 1912 scheint sich noch günstiger zu ia cS 6if, einen Reinüberschutz von
19 MHI. Mk. und eine Uebcripeifung an den Ausgleichs» fonds von etwa 150 Mill. Mk. bedeutet. Hieraus müf. fen allerdings umgefäumt die Mittel für die Verkehrs- stockungen der Eisenbahn bereit gestellt werden .Die Re. gterung hat Ihnen, um eine zu große Verzögerung zu ?sc™c‘ben' c.lncn,9tod)trag§etat vorgelegt, woraus einer- die .klosten für Bahnerweiterungen und Vergütun- gen an oas Eisenbahnpersonal, andererseits eine Unter*
.. ‘ »^CQinten. in KrankheitS-
besonderen .-t-rn Sl,«gaben
m„f1rsCrt 8- 3i- zu einer Erhöhung ber
Be,oldung bie Mittel fehlen, aber auch bie letzte Bcsol- oihsfr^r f^Un6- Cr,t 3S9 abgeschlossen ist, so waren alS 19191 .ttTL.^We6 Unterstützungsbedürfnis für !912 bte UnterstutzungsfondS um 3 Mill. Mk. erhöht.
Eme gleiche Erhöhung wird im Nachtragsetat 1912 und im Etat 1913 geforbert. Trotz der schlechten Ernten im Getreide- und Weinbau sind die Ausnchten für 1913 bald^E^"^" H'^^cht günstig. Besonders, wenn noch wÄ» Entspannung der politischen Lage eintritt. ES MmLnk-r 4 ^"'r.'^^ahre 1913 den Etat ohne Zu- abzu astietzen. Da jedoch die VerwaliungS. ausgaben große Steigerung erfahren haben, müssen die Steuer zuschlage unbedingt beibehalten 'll!d)r.i,'t "?ic Schuldentilgung in Preußen noch runaI1ettobrpnIan(i11^ mu6 unbedingt eine Aend§ S ; 1913 wird der voraussichtliche Be»
des AuSglelchssondS 375 Mill. M. betragen Die vta»rSc^.Ul^.au,t9,9 Millard. Mk. eingeschätzt worden Mk. So frtnw . ro 330 °Mll'
SamStag: Beratung des Etats.
- Aus dem Staatshaushaltsetat.
der preußische Staatshaushaltsetat am Wechnachtsabcnd im Auszug bereits veröffentlicht wo^ench, mterefsieren nunmehr Angaben über die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben des neuen Etats für 1913, der eben im preußischen M- geordnetenhaus zur Verteilung gelangt ist. Diese Ausgaben belaufen ,ich im Etat des Ministeriums des Innern auf 4 86-, 789 Mk. Hiervon finden u. a. Verwendung 17 000 Mk. zur Unterhaltung eines Laboratoriums zum Zweck der Mainwassernnter- suchung m W, e s b a d e n. Der Etat für Handel und gabert C 945 Mk. außerordentliche Aus-
Dcr Eisenbahnetat weist 12820Ö 000 Mk außerordentliche Ausgaben auf. Im Eisenbahndi- reckionsbezirk zu Kassel sind eingesetzt als -rftc Raten 50000 Mk. für Bahnhof Salzkotten, 50 000 Mk. für Bahnhof Zrmmersrode, 100 000 Mk. für Personenbahnhof Göttingen, 50000 Mk. für Bahn- bof Ihringshausen, ebenfalls je 50 000 Mk. sür die Bahnhofe Beiseförth, Schlierbach und Grifte; 100 WO Mark endlich für die Erweiterung der Hauptwerk» statte Paderborn.
Die einmaligen Ausgaben im KultuSetat belaufen sich auf 20 893 028 Mk. sieht unter den einmaligen außerordentlichen Ausgaben für die Universität Marburg 114 800 Mark als letzte Rate für bauliche Beränderungen und Bcrbefferungen der medizinischen Klinik vor. Ferner sind vorgesehen 50 650 Mk. für den Ankauf des HauSgrundsiücks TentschhauSstratze 11 als Dienstwohnung des Direktors der rvrauenklinik, 15 000 Mk. als zweite Slate für den Neubau der Pspchiatrischen Ausnahmestatiort und die Poliklinik, 45 000 Mk. für die baldige Erweiterung des chemischen Instituts, 150 000 Mk. als freite Rate für den Neubau des Physikalischen Instituts und 26 600 Mk. für die Erweiterung der Hörsäle des Zoologischen Instituts. Für Neubau eines ~ier?udjtinftihtt§ in Halle werden gefordert 100 000 Mark.
Im Etat bev Forstverwaltung sind ein- gcstellt 300 000 Mk. zur versuchsweisen Beschaffung von .Infthäusern für Arbeiter. Im Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung find eingestellt 500 000 Mark für den Neubau eines Dienstgebäudes für das Landwirtschaftsministerium,. 30 000 Mk. zur Forde- rrung der Land- und Forstwirtschaft im E i ch s - felde, 100 000 Mark für das Tirektorialgebaude rer landwirtschaftlichen Akademie in Bonn-Poppels- dors. Im Etat der B a u v e r w a l t u n g sind eingestellt 100 000 Mk. zur Fortführung der Main- tan-OnsY» f f » - ' ' -r
Der Etat des Ministeriums der Justizverwaltung sieht unter einmaligen außewrdentlicken Ausgaben für den Um- und Erweiterungsbau oes AmtsgerichtSgebäudcs und den Umbau, deS Gesang- niffes in Langenselbold eine erste Rate von 65 000 Mk vor.
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Veutjcher «eich.
*♦ Berlin, 8. Jan. 1913. Der Kaiser wohnte heute dem Scharfschießen einer Abteilung des 1. Gardefeldartillerieregiments in der Gegend von Falkenrehde bei. — Die Kronprinzessin ist mit ihren Söhnen, den Prinzen Wilhelm und Louis Ferdinand, zu längerem Aufenthalt in Partenkirchen eingetroffen. — Der frühere preußische Minister von Schön st edt beging heute seinen 80. Geburtstag.
Vk AuS dem Abgeoldnetklihaufe. Das preußtiche Abteorbneienhaus nahm ebenso wie der Reichstag Mittwoch ferne Beratungen wieder auf. Derhaltnis« mäßig schwach war da?'Haus besetzt, aber die An- wesendm folgten mit Auimeikiamkelt der Rede des FinanzministerS Lentze, der mit einem Rückblick und AuSbUck aus die Einnahmen und Ausgaben PreußenS den Etat einbrachte. Was der Finanzminister in feiner zweistündigen Rede darlegte, war erfreulich, wenn man auch im Hause weniger gern davon hörte, daß die Regierung auf bie Sieuerzuschlage nicht verzichten zu können glaubt. Em ernstes Kapitel schni'l der Finanzmimstec an, al? er aus dir Lchuldennlgung zu iprechen kam. Während im Reiche seit der Reich», finanzresorm lehr strenge und durchgreifende StEulben» tilgrmgsvorschrMen beheben, nach denen eine lat'Sch- liche Abtragung der Schuld erfolgt, kann in Preußen hiervon kaum die Rede fern. Unier stürmischer Heiterkeit deS Hanfes wieS der Finanzminister darauf hin, daß die Äblragung der Schuld in Preußen nicht weniger als 931 Jahre erfordern wird, wenn keine anderen Dkaßnahmen getroffen werden. Mit Beifall nahm daS HauS auch die Mitteilung entgegen, daß seinem Wunsche gemäß die Jugendpflege auch auf ‘ weibliche Geschlecht ausgedehnt wird, und daß die dt.:gictung bereit ist, noch nreitere '-Wittel nötigenfalls einzustellen. — DaS Äbgeordneien- hauS wwd am Eamstqg in die Generaldebatte des ElatZ emtreten, die voraussi btlich drei Tage in Anspruch nehmen wird. Bom Zentrum wird Abg. Graf Praschma sprechen. Man hofft den Etat in der Haupisache bis zum Eintritt bet Osterferien in zweiter Lesung sertigzusiellen und die dritte Lesung in der ersten Aprtlhalsty vorzunehmen. Nach Schluß der Generaldebatte des Eta:§, voraussichtlich am 15. ». MiS., will das Haus in du zweue Lesung btt Etenergeseye eintteten.
+ Tak Herrenhans wird am 29. Januar zu einer Sitzung znsammemreien. BIS zum 1. Febntar gedenkt das HauS alsdann zu beraten da» Waflergesetz, das Schleppmonopol-Gesetz, das niederrheinifche Gnt- wässerungs»Gesetz, daS Rawa-Gesetz, daS FortvildungS- fchul-Gesetz uns kleine Vorlage».
Keine neue Mililär-Dottage. Die Meldung der ,Post', daß dem Reichstage voraussichtlich noch im Laufe dieses Monates eine neue Militär-Vorlaae zugehen werde, die in nmsasiender Weise die bestehen- den Lücken auSsüllen ,oll, ist durchaus unrichtig. Es wird otehtiebr nur einNaStragS-Stat zur Verstärkung der Luftflotte vorgelegt werden.
= Dar neue Eisenbahn - Auleihegesetz enthält eme Forderung zur Herstellung einer VerbmdungSbahn in H an au «Oft.
+ Zolltthölmngeu? Die .Landeszeitung" ffit bstde Mectleubnrg wollte bekanntlich von bestunterrichieter Seite erfahren haben, daß die vom Retchsamte deS Innern tnsgenommenen Vorbereitunssen für die neuen Hanbelkveriräze eine rund Sprozenitge Erdötzung der Zollsätze brachten. Die .Deutsche $age#$tg/ erklärt diese Meldung sür völlig unrichtig. Im Rei-dSamte deS Innern könnten die neuen Handelsverträge Überhaupt nicht vorbereitet werben, sondern höchstens der neue Zolltarif. Damit wäre man allerdings beschäftigt, aber noch lange nicht soweit, nm vorläufige Be- schlüste Über die Hobe der Zollsätze zu fassen.
0 Die ,nr Beseitigung be? Warenmangels ange- kündigten Forderungen sind jetzt m Form emeS Nach- tragSetats für 1912 dem Äbgeordnetenhause zuxe- gangen. Darin werden 60 Millionen verlangt .zur Ausgestaltung der Bahnanlagen auS Anlaß der bestehenden BelriebSschwierigkeüm". Die wesentlichsten Um- und Neubauten sind bereits längere Zeit bekannt. Für die Unterstützung an Beamte, an die infolge der WagenmangelS erhöhte Anforderungen gestellt worden sind, wird ein einmaliger außerordentlicher Zuschuß in Höhe von 2094000 Mark verlangt.
e. Hebet di» Ergebnisse der Verpachtung der Domäne«. Vorwerke ist dem Abgeordnetenhause eine Uedersicht zugegangen. Bei den 1912 sreigewordenen Vorwerken betrug der neue Pachtzins m ganz Preuß.n 185,794 Mark mehr als vorher; bei den 1913 sreiwerdenden beträgt die Mehreinnahme an Pacht im ganzen 164,448 Mark.
♦♦ Eine Abänderung des IesuitengesetzeS erörtert Prof. Hans Delbrück im Januarheft ferner Preußischen Jahrbücher. Er meint, das Zentrum fei im Reichstag auch bei der jetzigen Parteikonstellation so stark, daß die Negierung auf seine Wünsche Rücksicht nehmen müsse und schreibt weiter:
In parlamenialischrn Kreisen erwägt man, rote ich hör«, ob man abermals, statt da» gante Jesuiiengesetz auiznheben, roaS nach den jüngsten Vorgängen als aufl« geschloffen gilt, wieder ein Stück ausdrechen könnte, lo bah das Zentrum seinen Willen hat, der protestantische Teil deS deutschen Volkes sich aber nicht beunruhigt zu iühlen braucht. DaS Verbot von Niederlassungen des Ordens von Reichsroegen aufzuheben und leluittldie ErziehungSanstallen zuzulassen, ist mcht angängig, aber bte Hindernisse, die der Tätigkeit deS einzelnen Jesuiten in den Weg gelegt sind, können beseitigt werden.-
Wir möchten dazu bemerken, daß diesen Zustaad berbeisübren nicht ein <&‘=vl cmi dem f Uten
ausbrechen, sondern das Gesetz nach seinem Wort- laut und dem Willen der Gesetzgeber anwenden hieße. Die „Münch. Ztg." bemerkt zu Delbrücks Worte«:
^Besicht diese Möglichkeit, so wird sie wohl auch zur Durchführung kommen. Wenn aber für den ein- seinen Jesuiten der Äei frei ist, bann wird man das Wetterbestehen deS Jesuiten-tesetzeS nicht begreifen können. Man sollte endlich ganze Shbeit machen."
< Ein jungliberales Blatt über seinen roten Freund. Der hannoversche Courier' schreibt:
»Auch der Riesenerfolg der letzten Wabl hat der Sottaldemokraiie im Jahre 1912 keine Etlöiu g von chrer llnsritchibarkett und dem Uebergerotdit der radikalen Fahrung gebracht. Reden halten, das ist alles. Aber für den Fortschritt leisteten die roten Hundertzehn nichts, retn gar nichts.^
(Sin solches »Romphment* aus dem Herzen eines Freundes ist den Noten jedenfalls noch rrctit zu Gesichte gekommen.
\ Sich wehren. In der letzten Nummer des ,Augusttnus-Blattes^ war nach Zeiruugsmeldungen darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Gothaer Hoskalender in feinet Statistik der Parteien des Reichstags hinter dem Worte Zentrum die merkwür» mge Nebenbezeichnung .(klerikal)* gesetzt bat. Ein Reichstagsabgeordneter, welcher d ese Notiz im /llugustinusbkatl' gelesen hatte, schrieb darauf an die Redaktion des Hofkalenders, setzte ihr auseinander, weshalb diese Nebenbezeichnung durchaus unangebracht sei, und bar, die Bezeichnung in Zukunft wegzulassen. In ihrer Anlwort teilte bte Redaktion nut, daß die gleiche Bezeichnung der Zentrumssraklion schon seit Jahren sich so im Hoskalender befinde, sie habe aber auS der nächsten Auslage das Wort Ilenkal" ge> strichen. — Allem Anscheine nach hatte bisher noff niemand die Bezeichnung beanstandet.
W BMmskM.
Die Großmächte und der Friede.
Die VermittelungSaftion der Großmächte wird kein leichtes Stück Arbeit sein, zumal dir Jnteresien der Großmächte in Einzelfragen wohl nicht so gleich- artig fein dürften, wie ihr Wille zum Frieden im Allgemeinen. Aus dem Wespennest der Schwierigkeiten. die noch zu lösen sind, brauchen nur genannt zu sein: ?ldrianopel, die Inseln des ägäischen Meeres, Albanien, der Rumänisch-Bulgarisch: Konflirt und nicht zuletzt die Frage der Lebensfähigkeit der Türkei selbst. Gerade dieser letzte Punkt bietet zu Bedenken über die Vermittlmigsaftion der Großmächte Anlaß. Es wird großer Selbstbescheidung und Uncigennittzig- leit auf Seiten aller Großmächte bedürfen, wenn ihre Friedensaktien von Erfolg gekrönt sein und nicht de« Anfang unübersehbarer Verwickelungen bilden soll Tie Liquidation der Türkei beginnt erst und die Auf täumungSarbeiten, von denen der tote Herr v. Kider- len sprach, dürften doch noch manchen Staub auf- wirbeln.
Eine zuversichtliche Stimmung über die Vrrmtb telnng der Großmächte herrscht in Oesterreich. Dai „Wiener Fremdenblatt" betont in der Angelegenheit des Friedensschlusses: „So sehr man mich in durch, sichtiger agitatorischer Absicht Notizen über angeblich' Unstimmigkeiten »wischen den Großmächten laneierei
Aurkand.
** Boykott deutscher Waren. Der Verwaltungsrat der Prager städtischen Elektrizitäts- werke hat in seiner Sitzung vom 4. Januar eine Kundgebung beschlossen, in der erklärt wird, daß der Derwaltungsrat auf der Durchführung des Voykott- erlaffes gegen deutsche Waren beharren müsse, umsomehr als auch eine große Anzahl von Installateuren sich hierfür ausgesprochen haben.
_** Im französischen Ministerrat unterzeichnete P'-äsident Fallitzres einen Erlaß, durch den das Parlament für den 17. b; M. als Nationalversammlung zur W a h l d e s P r ä s i d e n t e n der Republik nach Versailles einbernsen wird
** Italienische Niederlage bei Denghafi. Wie die „Sabah" erfährt, wurden die Italiener, als sie am 1. Januar einen Ausfall aus Benghasi unternahmen, von Arabern angegriffen und mußten sich mit einem Verlust von 280 Mann an Toten und Verwundeten zurückziehen. Die Araber hatten 5 Tote und 25 Verwundete.
A König Alfons von Spanien reist nach Paris. Als der sranzösisch-svanische Marokkovertrag unter- zeichnet wurde, sprach man von einem Besuche deS Königs von Spanien bei dem Präsidenten der Republik. Familientraner verhinderte sodann die Reist und jetzt wird angekündigt, daß der König erst nach der Dahl des neuen Präsidenten nach Paris kommen wird. König Alfons wird also der erste Monarch sein, der den netten Präsidenten der französischen Republik besuchen wird.
** Das Befinden Lord HardingeS, des Bizekö» nigs von Indien, auf den vor zwei Wochen ein Attentat verübt wurde, bat sich in den letzten^ Tagen gebessert. Haedinge unternahm mehr""c S^a' gänge. Es ist zu hoffen, daß der Bizeköuig am 27. Januar wiederhergestellt ist, sodäß er die Gesetz- gebimqsversammlung, die alsdann stattfindet, eröffnen könnte.
China besinnt sich auf sich selbst und oeht den DolkSschäden mit der ganten Strenge deS Gesetze- nuletbe. Die Versolauig der Opiumraucher und der Opiumhandler wird in den Provinzen Honan und Kwaolung mit ansierordentl-chem Nachdruck fort- gesetzt. Mehrere Bürger, die das Verkanfsverbot übertreten hatten, wurden zutn Tode verurteilt und enthauptet — Dieses Urteil bat zu Protesten bei der Nationalversammlung ge ührt. Die Derurteilunq erscheint dem Volke um!o unentschuldbarer, als von feiten der Verwaltungen beider Provinzen die Absicht besteht, sich bat Monopol deS OpmmS anzneignen.