Fuldaer Leitung.
Mittwoch 8. Ianuar 1915.
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Ihr dauert mich,
(Fortfetzn 'g folgt.)
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Weber-Kassel (Baß) in liebenswürdiger und selbstloser Weise geboten wurden. Die Chöre lagen in der Hand des hiesigen Gesangvereins „Liedertafel', der sich diesmal an Treffsicherheit und Klangschönheit selber überbot. Was den Reiz deS Abends erhöhte, waren einige ergreifende Balladen unseres heimischen Dichters H. Winter, die von Frl. M. W oll stad t in künstlerischer Vollendung vorgetragen wurden. Da das Laus vollbesetzt war, wurde ein hoher Reinertrag erzielt.
mich seiner ganz deutlich. Ich sehe ihn noch ganz deutlich vor mir. Sonderbar, welche Aehnlichkeit Sie mit ihm haben, dieselben Züge, dieselben Gebärden, dieselben Augen."
Der Wirt wurde in diesem Augenblicke abgerufen ins Innere des Hauses und die Frau ging langsam zum Schänktische und dann hinaus in die Küche.
Von einer seltsamen Ahnung ersaht, stürzte der Graf vom Tische hinweg und trat vor den großen Spiegel, der in der anderen Ecke des Zimmers hing.
Wie von Geisterhand berührt, prallte er erschrocken zurück vor dem eigenen Anblicke.
Sein Haar war in einer Nacht vollkommen ergraut. Die Augen lagen tief in den Höhlen und hatten das Feuer der Jugend verloren. Tiefe Furchen waren in die Stirne gegraben. Er war seit gestern um vierzig Jahre älter geworden. Kein Sterblicher konnte ihn wieder erkennen.
Aufs Tiefste erschüttert, ging der Graf ziellos durch die Straßen. Nun war es ihm klar, warum er vom Juden Baruch, vom Weinhändler und von den Leuten auf der Straße nicht erkannt worden war, hatte er doch selbst zurückgcschreckt vor dem eigenen Anblick, als aus dem Spiegel sein heutiges Selbst ihm entgegenstarrte.
Ihm war zu Mute, als habe er an dem einen furchtbaren Tage wirklich vierzig Jahre durchlebt ein ganzes Leben, das unwiderruflich dahin war! —
Dahm! Hatte er nicht Frau und Kind oben in seinem Hause. Die Frau, welche ihm tausendfach geschworen, daß sie ihn lieben werde bis in den Tod?
Eine tiefe Trauer überkam den unglücklichen Mann, als er bedachte, mit welchem Schrecken sie auf ihn blicken würde, den Mann mit den ergrauten Haaren und den gealterten Zügen. Wie würde die zarte Frau den Schlag ertragen? ... Wie würde sein Zusammenleben mit ihr sich im Zukunft gestalten, nachdem ihm G'<t die Anmut der Jugend genommen in der einen Nacht? ■. . .
Er fühlte mehr Mitleid mit ihr, als mit sich selbst — dann überkam ihn ein schrecklicher Gedanke
Geschäfte mit dem Gro ... , .
meinen Lieben getrennt, zr. d sicherlich Ware ich nicht
lohn erreichte die Höhe von 3,40 Mk. allein in Frankfurt a. M., auf 3,20 Mk. steht er in Wiesbaden und Hanau. Fünf Städte hatten am 1. Dezember einen Ortslohn von 3 Mk., nämlich Kassel, Höchst, Homburg, Griesheim und Biebrich, während sich Marburg und Fulda mit 2,80 Mk. beznüateu. In Limburg beträgt der ortsübliche Lohn 2,60. Am niedrigsten ftcht er in Ejchwcge und Schmalkalden mit 2,50 Mark.
** Die Maul- mb Klauenseuche herrscht zurzeit im Regierungsbezirk Kassel nur im Kreise Fritzlar, wo eine Gemeinde mit einem Gehöft davon befallen ist. Der Regierungsbezirk Wiesbaden ist nach _roie vor seuchensrer. Ueberhaupt ist die Seuche in sämtlichen preußischen Provinzen schon seit längerer Zeit stark im Abnehmen begriffen.
X Militärische Huudertiahrfeier 1913 Auf Befehl des Kaisers wird am 'Montag. den 10. März in allen militärischen Standorten Preußens eine große militärische Hundertjahrfeier der Wiedererhebnng Preußens stattfinden. Die Feier besteht in Niederlegung von Kränzen, in Festgottesbiensten und in Paraden der Militär- und Kriegervereine.
— Gegen die Schatzgräber, die auch wiederholt das Fuldaer Land mit ihren Schwindeleien beim- suchten, richtet sich die ,Nordd. Allg. Ztg.', indem sie schreibt:
Kürzlich ging die Nachricht durch die Presse, daß es der Potrzei in Madrid gelungen sei. eine Arbeitsstelle der sogenannten „spanischen Schatzaräberschwindler" zu ermitteln, wo diese ihre Schwindlerdriefe anfertigen. Ertundioungen an Ort und Stelle haben ergeben, daß die Nachricht zutrifft, und daß bei der Aushebung des Schwmdlernestes zahlreiche Mittäter verhaftet worden sind. Gleichwohl hat damit die Fortführung des groß- angelegten Schwindeluntei nehmens nicht unterdrückt werden können. Der Schatzgräberschwindel steht eiet« mehr nach wie vor in Blüte, wie die noch immer vielen Personen in Deutschland aus Spanien zugehenden Schatzgräberbriese zeigen. In diesen Briefen, die sich regelmäßig nut geringen Abweichungen wiederholen, werden die Empfänger, häufig als angebliche Verwandte des Brief, chieibers ‘ober seines AuitragaeberS, gebeten, einen Betrag von einigen tausend Peseten einzusenden oder persönlich zu überbringen, damit ein geheimnisvoller Koffer, worin mehrere hunderttausend Peseten versteckt sind, ewgelöst werden kann. Als Belohnung soll dem. Briefempfänger ein Anteil an diesem Vermögen überlassen werden. Erst im vergangenen Monat ist ein Fall bekannt geworden, wo auf diese Weise einem deutschen Handwerksmeister über 6000 Mk. abgeschwindelt worden sind. Allen, denen aus Spanien Briese mit dem in Rede stehenden Inhalt zugehen, kann nur dringend geraten werden, sich in keiner Weise auf die verführerischen Anerbietungen einzulaffen.
der ES von Dr. Dr.
& Fritzlar, 7. Jan. 1913. Am verflosienen Sonntag sand hier zum Besten der neuen Domorgel ein Wohltätigkeitskonzert statt, das Dank Mitwirkung auswärtiger Kräfte glänzend verlief, waren künstlerisch hochstehende Leistungen, die Frl. Paula Weber-Kaffel (Sopran), Profeffor Weber - Kaffel (Cello) und Rechtsanwalt
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Actiensntrerei fit Hulda.
= Anzeigen —
fhft \i der Itg." m sicherem Erfolg
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*Der alte Mann schau überrascht auf?
— wie wenn sie zurückschaudern sollte vor dem Greise? , , ,
Wäre er nicht unglücklicher, als wenn er tausendmal dieselbe Todesqual wieder erleiden müßte, die er durchlebt? — «— '
Der Graf zauderte nun, was er tun solle in den nächsten Stunden, plan- und ziellos wanderte er durch die Straßen der öden Stadt. Zum Priester, der ihn beerdigt, konnte er später gehen, am Nachmittag, am Abend, vielleicht morgen, erst mußte er mit sich selbst einig werden, die Gedanken an das neue Selbst gewöhnen, auch fühlte er ein dringendes Bedürfnis nach Ruhe nach aw den ungeheuren Erregungen. Durch da- Tor gehend, welches er am gestrigen Morgen als junger Mann passiert hatte, gewahrte er vor einem kleinen Häuschen mit einem Strohdachs einen alten Mann, der vor feiner Tür auf der steinernen Bank im Schatten faß.
Der Graf erkannte in ihm sofort den silberhaarigen Mann wieder, der ihn in der Kirche gestern mor-» gen in seinen Armen aufgefangen und aus dessen Hause er in einem Sarge hinausgetragen wurde.
Zögernd blieb Graf Tarent stehen, bann faßte er einen Entfchluß und nahm Neben dem Alten
* Dönges, 7. Jan. 1913. Dem weimarischen Land, tage ist, wie gemeldet, eine Vorlage zugegangen, die zur Anbringung eines zweiten Schachtes, zur Errich- tung einer eigenen Fabrik und zur Herstellung einer elektrischen Zentrale für die Gewerkschaft Dönges eine Zubuße von 1000 000 Mk. fordert. Etwaig, Bedenken bezüglich der Leistungsfähigkeit des Bergbaureservefonds, dem die Verzinsung und Amortisation auch dieser Million angesonnen wird, werden im Dekret durch die nachfolgenden Ausführungen zerstreut. Der Fonds wies aus der Rechnung für 1911 einen Vorrat von 255 730,33 Mk. auf. An jährlichen Einnahmen treten dazu nach Maßgabe der Einnahmen des letzten Jahres an Ausbauten rund 75 000 Mk., sowie bis 1. Juli 1914 4 Proz. Zinsen der auf den Kaufpreis von 3 000 000 Mk. an Heiligenroda geleisteten Zahlungen mit 120000 Mk. jährlich. Die Gesamtjahreseinnahme betrögt mithin rund 195 000 Mk., wobei die eigenen Aktivzinsen des Fonds selbst nicht veranschlagt sind.
* Tiefenort, 7. Jan. 1913- In der Nacht zum Samstag trieben verwegene Einbrecher hier ihr Unwesen. Sie stiegen zunächst in das Gemeinde- Verwaltungsgebäude cin£ erbrachen in den Geschäftszimmern zwei verschlossene Schubladen und hießen aus einer derselben 65 Mark mitgehen. Sämtliche Schränke und Kästen wurden geöffnet und durchwühlt und der Inhalt teilweise auf den Boden entleert. Dann stiegen sie mittels einer Leiter durch ein Fenster in die Wohnung des Herrn Rektor Dell. Hier wurden sie durch ein Geräusch aus dem Schlafzimmer überrascht und machten sich aus dem Staube.. Ter am nächsten Morgen herbeigeholte Polizeihund „Dora" des Schutzmanns Schramm von Eisenach verfolgte die Fährte bis in die Kammer eines bei einem hiesigen Landwirt in Diensten stehenden Knechts, den er sofort nach Gegenüberstellung verbellte. Der Täter hat bis jetzt ein Geständnis nicht abgeleg! und wurde, da auch genügend anderes Be- wcismaterial vorhanden ist, dem Amtsgerichtsgefängnis Vacha zugeführt. Seine Mitschuldigen sind auch bereits ermittelt.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 7. Jan. 1913. Die F e l d g e s ch w o r e- n ert in den Gemeinden des Großherzogtums sind mit den gesetzlich festgelegtcn Gebührensätzen nicht zufrieden. Da gar manche Gemeinden geeignete Personen für das Amt von Feldgeschworenen nicht gewinnen konnten, sind bereits in einer Anzahl von Orten die Bezüge der Feldgeschworenen durch Ortsstatute neu geregelt worden. Die Staatsregierung hat nun selbst die unzureichende Bezahlung erkannt und deshalb die Bezirksdirektionen ersucht, den Gemeinden anheimzugeben, keine derartigen Ortsstatute mehr zu erlassen, da dem Landtage ein 'Landesgesetz über die Vergütung der Feldgeschworenen unterbreitet werden soll.
* Vacha, 7. Jan. 1913. Am.letzten Samstag wurde die neubegründete S ä uH li n g sb e r a- tungsstelle hier eröffnet. Medizinalrat Dr. Lö- ber hielt eine Ansprache, in welcher er auf den segensreichen Zweck und Wert der Beratungsstelle hinwies. Shon bei dieser ersten Beratung zeigte sich, welchen Segen zu stiften die Veranstaltung im Stande ist. Die Beratung findet an jedem ersten Samstage des Monats im Krankenhause, vormittags 9 Uhr, statt und geschieht kostenfrei.
* Aus der Vorderrhön, 7. Jan. 1913. Eine schöne Sitte ist bedroht, verdrängt zu werden. Zum ver- flossenen Weihnachtsfeste wurde im Eisenacher Oberland statt des schönen Wsihnachtsbaumes ein vom Drechsler ausgearbeitetes Gestell bemerkt, das ein falsch geleiteter Schönheitssinn für den grünen Tannenbaum auf den Weihnachtstisch brachte. Gegen dieses Machwerk, das drehbar ist, und mit mehreren nach oben kleiner werdenden Platten zum Aufstellen der hölzernen Figuren und Kerzenhalter versehen ist, ist mit allen Mitteln Front zu machen.
* Ostheim, 7. Jan. 1913. In der letzten Ge- meinderatssitzung wurde die Wahl der Vorsitzenden und der Ausschußmitglieder vorgenommen. Als 1. Gemeinderatsvorfitzender wurde Genßler und als 2. Benkert neugewählt. Sodann erfolgten die Wahlen zu den verschiedenen Ausschüssen.
zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. — Eine Schlägerei, die sich Ostermontag vor. Js. in Pilgerzell ctbfpielte, wurde gestern endgültig gerichtlich erledigt, nachdem in dieser Sache bereits ein Verhandlungstermin und auch ein Augenscheinstermin stattgefunden hatten. Der 20 jährige Arbeiter H. B., der 21jährige Fabrikarbeiter R. M., der 21jährige Arbeiter L. H. und bet gleichalterige Rottenarbeiter I. Sch. fanulich von Pilgerzell, werden beschuldigt, den Fabrilarbeiter E. Sch. von Pilgerzell gemein- schaftlich geschlagen und mit einem Holzscheit mißhandelt zu haben. Sämtliche Angeklagte leugneten gestern hartnäckig. Durch fünf Zeugen rourbe jebod) bewiesen, daß nur einer der Angeklagten ohne Schuld sei. Tas Gericht schloß sich dem Anträge des Amtsanwalts an und verurteilte H. B-, R. M., L. H. mit Rücksicht darauf, daß diese noch nicht vorbestraft waren, zu je 20 Mark Geldstrafe, während I. Sch. sreigejprochen wurde.
§ Von der Staatsanwaltschaft gefucht wird der Anstaltszoglina Otto Reichenberger aus Jena. R. war zuletzt in der Erziehungsanstalt in Sannerz im Kreise Schlüchtern untergebracht und hat sich dort des Vergehens gegen § 122 de? Str.-G.-B. schuldig gemacht. Ter jugendliche Taugenichts ist im Juli vorigen Jahres von der hiesigen Strafkammer wegen Diebstahls bestraft worden.
iß.- Nachtschwärmer haben vergangene Nacht wieder ihrem Mutwillen die Zügel schießen lassen. In der Kurfürstenstraße wurde auf eine Strecke von ungefähr 20 Meter die Holzumzäunung umgriffen.. Sogar die in die Erde eingerammten Pfähle mußten der Zerstörungssucht weichen.
8. Einkommensteuer Veranlagung. Jeder Steuerpflichtige mit einem Einkommen von über 3000 Mk. hat bis zum 20. Januar eine Steuererklärung über fein Jahreseinkommen schriftlich oder mündlich an die Veranlagungskommifsion zu geben. Hierzu ist jeder verpflichtet, auch wenn ihm eine besondere Aufforderung oder ein Formular uicht zugegangeu ist. Wer die angegebene Frist versäumt, hat neben der im Verwattungs- und Rechtsmittelverfahren festgestellten Steuer einen Zuschlag von 5 Prozent zu entrichten.
— Tie Landwirtschaftskammer in Kaffel veranstaltet in der Zett vom 20. bis 22. Januar 1913 im Lese- mufcitm zu Kassel einen Vortrags kur sus für praktische Landwirte. Der Eintrittspreis für den ganzen Kursus beträgt 10 Mark, für jeden einzelnen Tag vier 'Mark. Die Vorträge dauern von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags und von 21/» bis 31/» Uhr nachmittags. Alsdann schließt sich eine Besprechung an. Es sind folgende Vorträge vorgesehen: 1. Tag: „Neuere Erfahrungen im intensiven Weidebelriebe" (Tomänenpächter Schneider- Hof Kleeberg), „Züchtungsziele und Haltuugszwecke in der Rindviehzucht" (Dr. Wilsdorf-Berlin). 2. Tag: „Gründüngung mit besonderer Berücksichtigung der schweren Böden" (Prof. Dr. Gisevins-Greßen), „Die Fleischverforgung Deutschlands durch die deutsche Viehzucht und die daraus der Landwirtschaft er« wachsenden Aufgaben" (Oekonomieral Vurckbardt- Berlin). 3. Tag: „Die Ergebnisse neuerer Untersuchungen auf dem Gebiete der Scbweinesütterung" (Pros. Dr. Lehmann-Göttingen), „Neuere Erfahrungen bei den Sortenanbauversuchen mit Getreide, Kartoffeln und Futterrüben" (Geh. Hofrat Profeffor Dr. Eoler-Jena).
rm. Ortslohn und Reichsverficheruugsordauug. Der ortsübliche Tagelvhn oder Ortslohn fpielt in der Reichsversicherungsordnung eine ziemlich bedeutende Rolle. So kann für alle drei Versichcrungsarten der Reichsversicherungsordnung unter Umständen der Ortslohn als die Grundlage der Beitragsentrichtunz gelten. In der Krankenversicherung werden bei den nicht ständig Beschäftigten die Beiträge und Leistungen überhaupt auf der Grundlage des Ortslohnes berechnet, das gleiche ist hinsichtlich der Hausgewerbetreibenden der Fall. In der Unfallversicherung werden die Mitgliederbeiträge nach dem Entgelt, das die Berstchetten in den Betrieben verdient haben, mindestens ab et nach dem Ortslohn für Erwachsene über 21 Jahre, sowie nach dem Gefahrentarife umgelegt. Die Reute, die der Unfallverletzte erhält, wird an Hand des berechneten Jahresarbeitsverdienstes berechnet (bet völliger Erwerbsunfähigkeit zwei Drittel deS Jahresarbeitsveidienstes). Erreicht dieser Jahresarbeitsverdienst nicht das Dreihundert- fache des Ortslohnes für Erwachsene über 21 Jahre, so gilt dieses Dreihundertsache als Arbeitsverdienst. So stützen sich eine ganze Reihe schwerwiegender Punkte der Reichsversicherungsordnung auf den ortsüblichen Tagelohn. Für Hessen-Nassau gilt nach dem Stande vom 1. Dezember 1912 für erwachsene männliche Arbeiter in den Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern folgendes: Der Orts
Lokales.
Fulda, 8. Januar 1913.
— Die Zigeuner Wilhelm und Hermann Ebender verhaftet?
Die wir bereits durch Extrablatt veröffentlichten, teilt ein Depcsch-nbüro (Juta) mit, daß m ^.ndwigs- finfon oirr 90tnfiriact ^iticuncY tRein^cubt
Lbotte wurde der im Verdachte der Mittäterschaft an Är Ermordung eines Gendarmeriewachtmeisters und eines Försters m Hessen ftehe. Ob> sichotefe Nachricht bcwahrhntet, ist noch recht zweifelhaft die hiesige Untersuchungsbehörde weiß von einer Ver- baftung des gesuchten Zigeuners Hermann Ebender ebenso'wenig etwas, wie von einer H-estnahme seine» Bruders Wilhelm Ebender, die nach Blattermeldun- in Drais bei Mainz erfolgt fern soll. Man will die beiden lang gesuchten Kumpane in luugster Zett wiederholt, zuletzt im Westerwald und in vanau gesehen haben, mußte aber die schmerzliche Entdeckung machen, daß man sich geirrt hatte, und dw ausge- setzte Belohnung einstwetten noch nicht-ausgezahlt werden kann.
Platz.
„Ich sehe, an Eurer Tür hängt ein Trauerflor, lieber Freund," fgate er, „hat die Krankheit auch bei Euch Einzug gehalten?"
„Ja, der einzige Soh-i, gestern morgen hat mau ihn begraben. E» ■<' Per Bursche mit drcurnd- zwanzig " B"Mvon Kraft und Gesund
heit. Jn^milpam jr J m war et tot, der Herr hab' ihn selig, ich. und .ne Frau sind nun allem.
„Ihr dauert miep, ,ann, auch ich habe Frau und Kind und bange b; (h, Latte ich nicht dringende Geschäfte mit dem Grc. . ick, hätte mrch nicht von
noch fünfzig Lebensjahre vor sich hätte. Morgens verließ er die Burg in den Bergen und kam zur Stadt, die Leute sagen, er hätte ein krankes Weib gefunden und wollte ihm Hilfe bringest. Ich glaube, dies wird wahr fein, denn es sieht ihm so recht gleich. Kaum war er eine Stunde in den Straßen, da befiel ihn die Seuche. . . . Ich ernannte seinen Zustand auf der Stelle, als er hier eintrat und ein Glas Wein forderte ... Ich rief meiner Frau, ihm nicht nahe zu kommen, denn jedem ist das Leben lieb und gegen den Tod schützt sich jeder, so lange er kann. Er sich totenbleich aus, der Helle Angstschweiß rann ihm über das Gesicht und die Augen waren blrttunterlaufen. Er taumelte hier hinaus und kurz darauf brach er auf offener Straße zusammen. Ein alter Mann brachte ihn in sein Haus. Zwei Stunden später war et tot. Nachmittags schon wurde er begraben, ist das nicht eine schnelle Fahrt? Ah, es ist ein Jammer, ein so seines, junges, nobles Blut . . . eine offene Hand, die reichlich gab für die Firmen. Er liegt jetzt in feiner Gruft und ich fürchte, in der Burg oben wird die Trauer nicht groß sein um ihn . . . der Teufel traue den .Weibern, die Frau, die er zurückgelassen, sitzt nun im Reichtum und kann nun offen tun, was ihr beliebt. . .
Der Graf hatte die Lippen zusammengepreßt, doch durfte er sich nicht verraten.
„Wollt Ihr eine Frau hinter ihrem Rücken ver- nnglimpfen?" fragte er scharf.
Der Wirt erfchrak.
„Beileibe nicht, aber die Leute reden viel und man hört manches, was man nicht zu wissen begehrt hat, besonders in einem Geschäfte, wie dem meinigen. Die Frau ist unter dem Volke nicht beliebt, sie hat so ihre eigenen Dege, womit ich aber nichts Böses meine. Sie ist jung und schön und der Verstorbene soll sie sehr geliebt haben: merkwürdig, da fällt mir etwas auf, je länger ich Sie betrachte. Ich habe den alten Grafen Tarent gekannt, der vor fünfundzwanzig Jahren oder noch länger gestorben ist. Ich war ein junger Bursche damals und erinnere
r> Katholischer KirchenbairBerein Fulda. Wie im An-einen teil mitaeteilt ist, findet Donnerstag, dcn 9 £ Mts., nachmittags 5 Uhr in bet „Harmonie" bie -ädrliche Generalvcrsammttivg bes Katholischen Kirchenban-Vereins Fulda statt, worauf wir auch an bieser Stelle aufmerftant machen. Zahlreiches Erscheinen ber Mitalieber ist brinaend erwünscht.
Dolli-Jubiläum. Die anläßlich ber 200jährigen Jubelfeier ber Grabeskirche bes bl Bonifatius von Herrn Professor Dr. Richter gehaltene Festprebigt t|t soeben unter bem Titel „Die Domkirche zu Fu'ba" im Druck erschienen. Der Erlös aus bem Perkauf des Schristchens, bas mit zwei Bildern geschmückt ist und nur 25 Pfennige kostet, t’t für die »wecke bcs Bonisatiusvereins bestimmt. Tie Trägerinnen ber,Fuldaer Zeitung' werben ba? Schrift- chen, bas jebem Diözesanen eine liebe unb wertvolle Erinnerung sein wird, in ben nächsten Tagen in Fulba anbieten. Wir wünschen der kleinen Monographie, die uns hier ber tiefgr indige Kunsthistoriker in populär-wissenschaftlicher. Form bietet, weiteste Verbreitung.
::: Vortrag im Naturheilverein. Im Ballhaus hielt gestern abend auf Veranlassung des Naturheilpereins Lehrer Kirsten-Weißenfels einen Vortrag iiber „Skrofulose und Rhachitis". Er besprach zunächst die Ursachen und Erscheinungsformen der beiden Krankheiten. Im zweiten Teil erläuterte Redner die Behandlung nach den Grundsätzen der naturgemäßen Lebens- und Heilweise. Von den Anwcndungsformen des Naturheilverfahrens kommen vor allem in Betracht: Warme Bäder mit darauffolgenden kühlen Waschungen, Packungen, Dampfbäder, Licht-, Lust- und Sonnenbäder, obst- und gemüsereiche Diät, insbesondere Bevorzugung von nährsalzreicher Nahrung. Sonnenbäder sind sehr wirksam und heilkräftig: sie müssen indes unter Beachtung besoichercr.Borsichtsregeln genommen werden. — Der interessante und lehrreiche Vortrag brachte eine Fülle wervollcr Anregungen und Ratschläge. Der Verein gewann 4 Mitglieder. — In der Pause wies der Vorsitzende auf den für kommenden Sonntag borg;febenen Ausflug nach Marbach und die am 20. Januar tagende Hauptinr- fammlung hin.
1*1 Schöffengericht. Der 60 Jahre alte Tagelöhner P. H., wiederholt vorbestraft, erhält wegen Bettelns 14 Tage Haft, auf welche bie Unter- fuchungshaft in Anrechnung kommt. — Die gleiche Strafe trifft ben vorbestraften, 56 Jahre alten Schlosfergesellen H., zuletzt in Schlüchtern. — Der 17jährige Bauzeichner K. von M. wirb wegen unbefugten Waffengebrauchs zu 5 Mark Gelbstrafe verurteilt. Der Angeklagte legte einen auf seinen Namen ausgestellten Jagdschein vor, ben bas Gericht einzog, um ihn bem Lanbratsarnt zu überweisen, ba ein Ver«
Der Gras von Tarent.
10] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner' „Vielleicht — möglicherweise — sagt, habt Ihr
Mch schon früher gesehen, kürzlich erst — besinnt
Der Gastgeber und die Frau schauten überrascht auf ihn, beide betrachteten ihn sorgfältig, dann schüttelten sie ihre Köpfe.
„Wenn Ihr es nicht ungütig nehmt, Herr," Meinte die Frau, „wir kleinen Leute erinnern uns picht, Sie jemals gesehen zu haben."
Gras Tarent traute nicht den eigenen Sinnen. Die Unruhe in ihm wuchs.
■ ' Die Wirtsleute beobachteten den Fremden schweigend.
j ' „Ist keine Abnahme der schrecklichen Krankheit bemerkbar in der Stadt", fragte er in gleichgültigem Töne, um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.
„Die Seuche wütet stärker denn je", klagte der Wirt. „Wenn nur die heiße Zeit vorüber wäre, dann möchte es wohl bester werden. Aber jetzt hat man Mühe, Fuhrleute genug aufzufindcn, dis Toten hinauszuschaffen. Die Leute sterben fo schnell und fallen um, ohne je im Leben krank gewesen zu sein, zum Beispiel gestern der junge Graf von Tarent — was ist Ihnen, haben Sie ihn gekannt?"
Der Graf hatte bei der Erwähnung seines Namens unwillkürlich eine Gebärde der Ueberraschung getan.
„Nein, ich habe ihn nicht gekannt", entgegnete « gespannt, was er über sich selbst aus dem MuNoe dieses Mannes hören würde.
v „Ah, man sieht wohl, daß Sie ein Fremder sind, penn hier unb 'zehn Meilen in der Rund: kannte ihn wohl jedes Kind. Ein seiner junger Herr, groß und schlank gewachsen urt!« breite Schultern . . - Merkwürdig, im Wüchse unb in der Gestalt sah er genau so aus, wie Sie, aber seine Angcn blitzten vor Fusendlust und man hätte glauben s.ttlcn, daß er
Ans Gberheffen u- -en Hess. Aemtern.
* Kirchhain, 7. Jan. 1913. Der Autoomnibus, der den Verkehr von hier mit Kirtorf und Ehringshausen vermittelt, erlitt am Samstag zwischen hier und Niederklein einen Achsenbruch. — Bei der am Freitag in Lehrbach abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung der Autogenossenschast wurde die von Kirchhain beantragte Uebernahme des Verkehrs auf der Strecke Kirchhain—Rauschenberg—Gemünden abgelehnt. Infolge dieses Beschlusses haben eine größere Anzahl hiesiger Mitglieder ihren Austritt aus der Genossenschaft an« gemeldet.
* Ockershausen, 7. Jan. 1913. Hier starb der frühere Gemeindegänsehirt Lorey, ein weit und brett bekanntes Original., Die Passanten der Gistel- bcrgerstraße erfreute er, als er noch Hirte war, oft durch die Töne feines Hornes, wofür ihm der klingende Lohn selten ausblieb.
* Ebsdors, 7- Jan. 1913. Mit der Verkoppelung unserer Gemeinde dürfte es jetzt Ernst werden, denn wie man hört, sind die diesbezüglichen Anträge genehmigt worden. \
* Amöneburg, 7. Jan. 1913. Bei der hier abgehaltenen Treibjagd wurden 94 Hasen erlegt. Das Jagdresultat war durch den starken Nebel, der manchmal die Fernsicht stark beeinträchtigte, ungünstig be- eiüslußt.
sehen seitens der betr. Ortspolizeibehörde bei Ausstellung des Jagdscheines an ben jugendlichen Angeklagten angenommen wird. — Bei einer im August vorigen Jahres abgehaltenen Revision der Drogerien in bet Stadt Fulda wurden in einer Drogerie verschiedene Artikel wie Höllenstein, Zinksalbe mit bem Ausdruck Zink-Toilette«Creme, Chinatinktur, Zahn« wehtropfen rc. angetroffen, bie zum Verkauf in Drogerien nicht freigegeben sind. Der betr. Inhaber der Drogerie erhielt einen polizeilichen Strafbefehl Über 15 Mark, wogegen er gerichtliche Entscheidung beantragte. Das Gericht hielt indes ba» Strafmaß aufrecht. — Der wiederholt wegen Diebstahls vorbestrafte Tüncher unb Maler Lenzer, zurzeit in Kre- selb in Hast, entwendete einem Sattlermeister hier im September zwei Bürsten. L. wird deswegen