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Fuldaer Leitung

t

»erstelle zu Kleinlüder im Oberförsterei.Bezirk Großenlüder im Kreise Fulda übertragen. Auf Grunv allgemeiner Anordnung deS Finanzministers wurde dem Katasterzeichner Berke zu F u l d a die AmtS- brzeichnung .Kataster-Afststent" beigelegt. Der Re. glerungs-Baumeister des Eifenbahn-FacheS, Panzlaff wurde von Gemünden (Wohra' nach Jülich, und Werkstäiten.Vorsteher Keller von Göttingen nach Esch.

9 e ""setzt. Ju den Ruhestand versetzt wurden Ober-Bahnhofs-Borsteher Stuckardt in Treysa und Ober-Bahnaisistent Ullrich in E.chwege. - v.Eich. Horn, General der Infanterie, General.Inspekteur

Armee-Inspektion Saarbrücken, wurde unter Belassung tn diesen Stellungen zum General-Obersten belordert Exzellenz v. Eichhorn war bekanntlich bi, zum Herbst der kommandierend« General deS 18 Ar. mee otpä.

uud 'Arbeiter (OrtSverein Fulda) hielt am Sonntag rm vollbesetzten Stadtsaale sein 18. Stiftungsfest, ver- Kunden mit der Kaisergeburtstaasfeier und der

tohlene Werte und tauchten erst wieder auf in den Markten anderer Städte; hier wohnten die Juden in Küche und Keller, unter dem Dache hinter den Verkaufstischen, ohne Licht, ohne Luft, ohne Raum und dieses Viertel der Stadt durften sie nicht ver­lassen nach sechs Uhr abends und vor sechs Uhr mor- gens. Es war das Ghetto, die Judenstadt.

Der Graf trat in eines der besieren Häuser dieses Viertels Offenbar herrschte auch hier ein gewisser Wohlstand, denn das Hans war größer wie die an­deren, die Fenster waren breiter und höher, das Ver- kaufslokal war viel geräumiger als in den anderen Hausern. Im Laden erhob sich ein etwa sechzig- lahriger Mann und fragte den Eingetretenen um sein Begehr.

Dieser stutzte, kannte ihn kenn heute der alte Mann nicht?

Ein feiner Diamant, den Sie da tragen an der Hand", sagte der Inhaber des Ladens,ich würde zahlen dafür hundert Scudis, wenn auch der Profit wäre klein, aber es hat beauftragt mich ein Freund zu kaufen für ihn einen Diamant."

Graf von Tarent staunte immer mehr. Der Mann vor ihm mußte doch wissen, daß man ihn gestern zu Grabe getragen, und nun sprach er von gleichgültigen Dingen. Er schien nicht im geringsten überrascht, ihn, den Totgeglaubten, wieder lebend vor sich zu sehen.

Baruch, Du kennst mich doch zu. gut, nm zu wissen, daß mich keine Not zwingt, den Diamant zu verkaufen", entgegnete der Graf. Dabei wunderte er sich über sich selbst, denn er erkannte seine eigene Stimme nicht wieder, dieselbe klang heiser und rauh.

M 4.

vie»rtag 7. Januar 1913.

2. OlUH.

ürud der Suibcer Zebenemetti in $ni6«.

sicki in einem Testament Zusätze von ftemder Hand, so bleiben solche zwar bedeutungslos: indes machen sie das Testament doch nicht ungültig. Neben der eigenhändigen Niederschrift befiehlt das Gesetz als weiteres unumgängliches Moment die eigenhän­dige Unterschrift. Schon in dem Wort liegt eine jeden Zweifel bannende Auslegung darüber, wo sich der Name des Erblassers zu befinden hat: näm- sich direkt u u t e r der von ihm geschriebenen Willens­erklärung. Darum hat das Gericht einem Testa- mente mit vollem Rechte die Geltung abgesprochen, bei dem der Testierende die nicht uitterichriebene Aufi zeickmung seiner Wünsche in einem Briefumschläge verschlossen und nur darauf die Worte:Mein Testa- ment" und seinen Namen gesetzt hatte

Ungezählte Fehler ab-r schafft schließlich die Ver- vssrchtnng der Ort. und Zeitana abe. Auch wes' betben Angaben müssen eigenhändig ge- schrieben sein. Ein Stempel genügt darum nicht, und auch die voroedruckte Ortsangabe auf Brief, fnbfen genügt nicht. Die Ortsangabe hat ein selbstverftändlichez Erfordernis, gegen das doch so baussg gessmdigt wird den Namen des Ortes an bem das T"stoment errichtet wuche, zu verraten. ÄuS of.er Gewob-b-it geschieht es oft, daß man den Awhnort mederschrecht, auch wenn der letzte W'lle dort nicht errichtet wurde. Ein derartiges Versehen nimmt dem Testament jedoch Wne Gültigkeit. Der reHe Wisse, der von einem Wifler in der Klinik zu in verfaßt, aber mit dem Wohnort F. datiert war

lm""m vom K.ammerg.'richte als ungültig er- klnrt werden. Regelmäßig macht mich ein Schreib- febl"r ,m Datum das Testament ungültig. Emweh- lenswert.und unter Umständen zwingend nötig ist e8 im übrigen. Ort- und Zeitangaben durch die Unter« f*rift tu decken: die Unterschrift hat also den Be- fXn^ fi5et Ort und Zeit räumsich nachzü-

Wenn es irg-nd tunlich ist. emvsseblt es sich end­lich, zur Testamentserrichtung fangen binzussehen nbnr doch die Unterschrift beglaubigen zu lassen Denn d,m st-chlgsser darf nicht vergessen, daß der Erbe die Echtheit des Testaments anzweifeln kann. L.

Th Bom eigenhänö .^n Testament. ..Wie tief Eigenart und Aberglaube in uns Wurzel ,-schlagen haben, dafür spricht neben manch a^eZm Mugenben Beweis auch unser Verhalten eine ber-dte Sprache wenn es gilt, unseren letzten Willen Üb r die irbische Habe niederzulegen Es ,st rl

W-h-ung. ba6 M-nsch-,??«, sgennutziger Sorge um bie Ihre» rmfnrnnJLtnrUx' £et ihrem Ableben die treusten und liebsten Pfleae^' iie opferwilligsten, verdienstreichsten Freunde zurück^ lassen, ohne ihrer bei all dem schuldigen Dank letzte willig gedacht zu haben. Äanie ie«r

. Der Grund hierfür ruht verhältnismäßig selten «/antbwer Gesinnung oder an Mn hte nC\ !niI) eingetretenen Ende.

SM! ^rl«siungssunb7, die wir begehen, wenn Abwbre?t$!lh9 bet Unfern für den Fall unseres Ablebens gedenken gründet sich vielmehr wohl meist auf die uns überwiegend innewohnende Scheu vor danken an unter Sterben. Wir wollen uns de» V gemahnen lassen. Zudem gesellt sich der weitverbreitete Aberglaube, daß die Testamentserrichtung der Vorbote eines nahen Todes ! rlieuich gibt es auch Sonderlinge, bie eine Vor- hebe für bie Errichtung von Testamenten bezeugen. t;0 erinnere ich mich eine Menschen, ber in seinem irariabemcben ein reichliches Tutzenb von Testamen- ten dersavt und auf ben Amtsgerichten seines jewei- Iigen -.Wohnortes sorgsam bebontert hatte. Nach fei« rTV » e niußte ich seiner Witwe eine dieser reich- ich vielen letzten Willenskiindgebungen ich glaube, war die dritte eröffnen lind beriefen" Ich wurde aber durch einen lebhaften Protest der trauern« oen Hinterbliebenen in meine: Amtshandlung jäh unterbrücbett. Denn die Erbin brach in eine heftige Beschimpfung ihres verschiedenen Mannes aus als sie auch ans meinem Munde nochmals vernahm was ihr bereits auf zwei anderen Amtsgerichten er» ??net wachen war. Sie sah in der emsigen Sarge lht,:s Mannes um seinen Nachlaß nur eine Vw- Hmtng ihrer Person, ein Verdacht, ben bie Tatsache Sf bekräftigte, daß bie gesamte Erbmasse 30 bt§ 40 Mark betrug unb durch Gerichts- und andere Kosten längst verschlungen war.

lichn Barmherzigkeit, und da sie für ihre ein»«» fßetfon ungemein bedürfnislos und einfach warf so US;.er?ie Genugtuung, ihre gebefrohe Hand für ""le gute Zwecke stets offen halten zu können, religiöser Pfl.chterfüllung, zwang die ehrwürdige Greisin den alten, aber durch stete Arbeit an gestählten Körper auch noch in ihren letzten Lebensiahren mit eiserner Willenskraft zum regelmäßigen Besuch der heiligen Blesse. Sie hatte Lebensjahrzehnt angetreten, als """ sehr häufig auf dem Frauenberg sah.

iL Dte Knegerkameiadschaft Fulda hatte ihre An- bänger am Sonntag zu einer Weihnachtsfeier in dem ®tefel schm Theaterfaale eingeladen. Die Eröffnungs- anfprache hielt der Vorsitzende Herr Lieblein, bei bet er der 25 jährigen RegierungSzeit unseres Kaisers gedachte. Em Männerquartett unter Leitung des uder fang einige schöne Weihnachtslieder, unö Prologe aus Kindermund klangen frisch durch den Saal. Auch das einaktige Genrebild mit Gesang -wieget« Weihnachten*, fand vielen Bestall. Eine

.//- Rhöuklub. Der zum 23. Male ausgeführte DreikönigS-AuSflug führte gestern gegen 50 Teilnehmer auf der Milseburg zusammen. Bei klarem, mild em Wettet, wie man eS im März nicht besser wünschen könnte, boten die teil« von Bieberstein, teils von BerSfetd über die Wafferknppe anSgesührten Wan­derungen einen herrlichen Genuß. Im Hotel Milse- bürg vereinigte ein einfache» Mahl die Gäste und hielt fie in froher Stimmung auch ein Tänzchen sollte nicht fehlen bi» zum Abendzug zusammen.

88 8« Fleischteuerung. Sine Denkschrift deS Deutschen Fleischetvetbande», bie dem Deutschen Handels« und Gewetbekammettag wegen der Vieh- und Fleischteuerung zugegangen ist, bringt die Be- Achtung zum Ausdruck, daß der Bezug ausländischen Fleische- durch die Stadtverwaltungen zu einer dauernden Einrichtung werden könnte, wodurch daS Fleischergewerbe seht empfindlich geschädigt werden müßte. GS stehe sogar zu befürchten, daß bann nicht nur bie Fleischer, sondern auch bie übrigen NahrungSmittelgewerbe von dieser Maßregel ungünstig beeinflußt würden. Nu» hat auch bet Vorstand der Handwerkskammer für ben Regierungsbezirk Raffel au biefet Frage Stellung genommen und folgende Entschließung gefaßt:

.Die Handwerkskammer zu Staffel stellt fest, daß an der zurzeit herrschenden anhaltenden Fleischteuerung dem Fleischergewerd« eine Schuld nicht beizumessen ist; si< bedauert daher die von der Regierung emgeleüeten Maßnahmen zur Linderung der Fleischteuerung, die die Stadtverwaltungen ,u Trägern der Fleisch Versorgung machen und diesen die Lebensmittelversorgung der Be­völkerung in die Hand geben will. Die Handwerks- kämmet erblickt hierin einen unberechtigten Eingriff der Kommunen in daS freie Erwerbs- und Bestimmungsrecht ihrer Bürger und einen verfehlten AuSweg, die Folgen etnfeUiger Zoll- und Wirtschaftspolitik zu mildern, um

biläumsfeier von 10 VneinSmitgliedera ab Nach rin- Enden Musikvorträgen begrüßte Herr Schreiner R i e d el die erschienenen Gäste, darunter Herrn Land- tagSabaeordneten Drinnenberg, und brachte bann rin Ratfcrb°d9 aus. Sehr gut paßte hierauf ein lebendes Bild, das eine Huldigung der Arbeiter an den Kaiser darstellte. Die Festrede hatte das Zentralvorstands. Mitglied Wilhelm aus Frankfurt übernommen. Er pries die Segnungen deS Friedens für das Er- werbsleben. In der langen Friedenszeit sei die so- ztale Versicherungsgesetzgeburm zum Segen der Arbei- ter gefördert worden. Der Redner warf dann einen Rückblick auf die Entwickelung des Verbandes deutscher Eisenbahnhandwerker und -Arbeiter, der ein wich­tiges Glied in der Arbeiterorganisation sei. Die An-

>e an die Jubilate hielt Herr Brockmeier. Alle erhielten als Festgabe einen schönen Regulator. Ihre Namen sind: Lackierer Karl Kircher, Sattler Aug Haag, Dorschlosser Heil, Schlosser Konrad Will, Vorschlofler Heinrich Stanger, Hobler Joseph Ludwig, Schlosser Ludwig Klinke!, Schlosser goseph Herzig, Handarbeiter Adam Balzer und

chreiner Wilhelm Kümmel. Die Aufführungen deS Kraft, und SportklubsGermania" fanden ge­bührende Würdigung und gerechte Bewunderung. Nun kamen noch einige TheaterstückeDie letzte Rri- tung" undDer Pechpeter", die beifällig aufgenom- men wurden.

Lokales.

Fulda, 7. Januar 1913.

f*) Eine Siadlverordnktensitznnq findet am Mitt­woch. 8. Januar 1913, abends 71/» Uhr, mit folgen- ber Tagesordnung statt: 1. Fluchtlinienplanentwur' betr. der Jokannisstraße (Adam). 2. Fluchtlinien- planeniwurf betr. des Stadtteiles, der begrenzt wird von den Straßen:Am Frauenberg, dem Klosterweg, der Adalbertstraße, der Niesigerstraße, ber Oberbeff. Eisenbahn und der Leipzigerstraße" (Jestädt). 3. F uchtlimenplan betr. ber Projekt. Parallelstraße zur Eltsabethstraße (Adam). 4. Fluchtlinienplanentwur betr. des Stadtteils, der begrenzt wird von ben Straßen: Schildeckstraße, Ebelzelletweg, Krätzbach und der Frankfurterstraße (Adam). 5. Umgestaltung der Allgemeinen Krankenversicherungskasse in eine All- gemeine Ortskrankenkasse (Sauer). 6. Anschluß des Stadlsaales an das Elektrizitätswerk und Bewilligung der Kosten <Keil). 7. Freigabe - Urkunde (Singet). 8. oewilligung ber Kosten für eine technische Lehrerin vom 1. Januar 1913 bis 31. März 1913 (Vollmer). 9. Interpellation Wohlgemuth: Beleuchtung bes Weges nach dem Frauenberg, ber bie Fortsetzung bet Adalbertstraße bildet. 10. Ersatzwahl für die aus- scheidenden Herren Magistratsmitgliedet Kramet, Neitzert, Reinhardt. In geheimer Sitzung werden folgende Punkte beraten: 11. Grundstücks tausch hinter den Löhern (Kircher.) 12. Veräußerung eines Gelände- streifens an ber Niesigerstraße (Weber). 13. Führung (Speried)t$flteiteS roe8ett gerichtlicher Auflassung

# Personalien. Ernannt wurden LanbgerichtSrat Dr. schwarze aus Frankfurt zum Landgerichts- Direktor, die Gerichts-Referendare Dr. Titz, Dr. Iber, Hartung und Waldhausen zu Gerichts - Assessoren, AmtsgenchtS-Sekretär Nolle in Weyhers »um Stell- mrtreter des Amtsanwalts daselbst, Stellenanwärter Kirschner zum Girichtsvollzieher in Schlüchtern, Regierungs-Zivilsupernumerar Schweißet zum Kreis- fetretär bet dem Landratsamte in Gersfeld. Re- gierungs-Kanzlei-Jnspektor Franke bei ber König!. Re- ßterunq zu Lüneburg wurde an die Königl. Regierung tn Kassel tn gleicher Amtseigenschast verletzt. Dem Forster a. D. Curth in Kassel - Wilhelmshöhe wurde nach Genehmigung der Wiederanstellung im Staats- dtenste vom 1. Februar 1913 ab probeweise bie Für- irn:"i ............Wi» iijnaju. 11 __

neter Karl Arnd, feierte das Zentrum als den ein- ztgen ruhenben Pol in ber Erscheinungen Flucht und widmete ihm sein GlaS. Herr Fabrikbesitzer Ri­chard Schmitt sprach im Namen des M- N- dem Vorstände ben Dank aus für die Leitung der Gefell- fchast und für das vorzügliche Arrangement der yeu- ttgen Festfeter. Diese Worte fanden in einem Hoch auf den Vorstand freudigen Widerhall. Herr Dom- kapttular 6 erb en er gab dem Zirkel der Gesell- fchastM. N. eine neue Deutung. Hinweisend auf bie Verdienste des M N. für Kirche unb Vaterland rtef er aus:MachtS nach". Auf daß es immer so bl«be, brachte er dem M. N. rin Hoch. In überaus launigen Worten gedachte Herr Dorn-Musikdirektor Rubfam bet Damen unb feierte fie mit einem kräftigen Hoch, worauf Herr Professor B o n d e t a u Derrn Rubfam als dem SängerFrauenlob" ein Hoch widmete. Musikvorträge der Arttlleriekapelle und launige Lieder ließen die gehobene Stimmung, die am Abend herrschend war, nicht untergehen.

i Die älteste Bewohnerin FuldaS, die verwitwete Frau Staatskassierer AgneS Weidemann, ged. Krisch, .ist am Sonntag abend im Alter von 94 Jahren hier gestorben. Die Verstorbene zeichnete ein ganz außerordentlicher Wohltätigkeitsfinn au8. Jahr- »ebnte lang war sie die hochverdiente Kassiererin ber Lioba-Konferenz des St. Elisabethvereins. Herzens« fache war ihr allzeit die Ausübung der Werke christ-

Baruch, Ihr habt doch nicht getrunken diesen Morgen?" 1

Der Israelit lächelte schlau.Wenn man will I,aIten das ©einige zusammen, muß man haben ein klares Hirn in diesen schweren Tagen. Hebet meine Lrppen ist diesen Morgen gekommen nur Wasser, fremder Herr ..."

Fremdet Herr! Wie sonderbar! Derselbe Händ­ler hatte seit Jahren ihm alle Geschäfte besorgt vor wenigen Tagen noch hatte er ihm ein Angebot auf feine Ernte in den Orangenhainen gemacht.

Der junge Mann fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Er konnte sich das alles nicht erklären. Wenn bet sonst so scharfsinnige Händler ihn in seinen Fetzen nicht erkannte, wie gut war es dann, daß er nicht gleich hinaufgegangen war zur Burg ---.

Am Ende hätte chn vielleicht auch die eigene Frau nickft erkannt. Bei dem Gedanken mußte er im Stillen lächeln.

Nun fühlte er fast Aerger mit dem Israeliten und er wandte sich zur Türe, um zu gehen.

Wollen der Herr nicht kaufen oder verkaufen?" tagte Baruch enttäuscht,wenn ber erste Kunde geht am Morgen, ohne zu tun Geschäft, ist verdorben der ganze Tag."

Der junge Mann hatte bie Türklinke in ber Hand nun schaut- er noch einmal forschend in das Gesicht des alten Mannes.

Baruch, ich habe Euch immer als ernsten Mann gekannt, sagt, habt Ihr Euch einen unziemlichen Spaß erlaubt, indem Ihr mich nicht erkennen ge­wollt?"

Kopsschüttelnd blickte der Jsraelite auf den Kun­den.Wie sollte ich armer, verachteter Jude mir erlauben, Spaß zu machen mit einem Herrn Kava- lier ein solcher seid Ihr, Herr, wenn eS Euch auch beliebt, zu tragen heute am Körper zerrissene Kleidung. Nein, der Baruch hat ein gutes Ge­dächtnis und vergißt nicht leicht ein Gesicht, das er gesehen auch nur ein einziges Mal."

Seltsam bewegt verließ Graf Tarent den Laden. Das war allez so wunderbar unb unerklärlich.

Der Handelsmann zeigte ein erstauntes Gesicht. »Äch Euch kennen, Herr?" fragte derselbe.Wie wll ich? Der Baruch ist ein armer Mann, aber er kennt alle die Herren Kavaliere und die Kavaliere kennen ihn, denn ich nehme nicht mehr als den üb- "chen Ans und eine Provision."

^er Herr von Tarent wußte sich kaum zu fassen. SÜt Mann kannte ihn nicht? Wollte er sich einen i-Vaß mij ihm erlauben?

Die katholische Männergesellschaft M- N. be- gtng am gestrigen Dreikönigstage ihr 46jähriges Be- stehen. Morgens um 10 Uhr fand in ber Nonnen- k'rche unter sehr zahlreicher Beteiligung ber Mit-

Hotz' I Verlosung beschlob ben ersten Teil beg^ebr umfana! AMWL-ch EL-MsM ln den ststklch geschmückten Sälen der Har- ö h u, H,

monte zusammen. Der Vorsitzende der Gesellschaft I Wt ,?isessb«chn-Hanbwerker

M. N-, Herr Amtsgerichtsrat unb Landtagsabg. Rhiel, feierte in markanten Worten die Träger der höchsten Autorität in Kirche und Staat. In unserer heutigen Zeit, so führte Redner aus, geht man darauf aus, den Begriff Autorität zu verdunkeln. Uns Katho­liken ist der Schutz der rechten Autorität Gewissens- fache. Da geziemt es sich, daß die Gesellschaft M. N. zuerst ihre Blicke richtet jenseits der B.rge nach Rom, woselbst Papst PiuS X- mit starker Hand das Schisflein Petri regiert. Ihm, unserem hl. Vater, geloben wir aufs neue unverbrüchliche Treue; in Siebe schlagen ihm unsere Herzen entgegen. Ver­ehrungsvoll unb bankbaren Herzens erheben wir aber auch unsere Augen zu Kaiser Wilhelm, dem von Gott gesetzten Regenten. In besonderer Liebe schla­gen ihm unsere Herzen entgegen, ber unS während feiner fast 25jährigen RegierungSzeit den Frieden er« i ttoe halten und damit Deusschland hohen wirtschaftlichen rebi Aufschwung unb großes Ansehen verschafft hat. Red- | ety net wies dabei hin auf bie gegenwärtigen politischen Verwickelungen auf dem Balkan unb die große Zeit vor 100 Jahren. Wie damals, so würde auch heute, wenn die drohenden Gewitterwolken sich entladen sollten, Deutschland wie rin Manu an der Seite deS Kaisers stehen zum Schutze der Ehre unb ber Frei- heft unseres Vaterlandes. Dem hl. Vater in Rom und unserem Kaiser Wilhelm galt sein Hoch. Herr Lehrer Burchard feierte den Episkopat und Kle- ms als die Stützen der Kirche, die mit dem Funda- ment in Rom verbunden sind. Er verlieh der Liebe und Dankbarkeit der Gesellschaft M. N. gegen den jetzigen Oberhirten der Diözese, ben Bischof nach bem Herzen Gottes, Dr. JosephuS DaminianuS Schmitt, bas hochgeschätzte Ehrenmitglied des M« Nv beredten Ausdruck. In bas Vivat auf ben Hoch- würdigsten Herrn stimmte die Festversammlung he- geistert ein. Der dritte Redner, Herr II. Beigeord- neter Karl Arnd, feierte das "

. Ties beklagenswert ist es dagegen, daß seder Taa eine beträchtliche Zahl von Testamenten schasst die m vernünftiger, wohlüberlegter Weise des Verbliche- neu letzten Willen bekunden, uie aber wegen eines Verstoßes gegen die vorgeschriebene Form ungültig |inb. Wie viel Not, Jammer und Unrecht könnte hier vermieden werden. Dabei spricht das Gesetz ge- rade bei diesem Kapitel eine einfache, gemeinverständ­licheSprache. Auch sind es nur wenige, fast selbst- derstandliche Formerfordernisse, deren Erfüllung ver­langt wird.

Ein Testament kann in ordentlicher Form errichtet werden durch eine unter Angabe des Ortes und Tlwrs eigenhändig geschriebene unb unterschriebene Erklärung.

In diesem bündigen Satze gipfelt aller Weisheit letzter Schluß. Darum erscheint er einet kurzen Be­trachtung wohl wert.

Besonders tief eingenistete Mißbräuche, die in der Praxis, immer wieder dazu sichren, daß dem Testa­ment die Gültigkeit abgesprochen werden muß, sollen dabei aufgedeckt werden.

Das Gerippe, um das sich die weiteren, erforder­lichen Merkmale angliedern, ist eine eigenhän­diggeschriebene Erklärung. 'Wenn bei Gesetzgeber cme solche heischt, schließt er damit jede mechanliche oder etwa mittels Schreibmaschine ange­fertigte Herstellung des Schriftstückes ans. Ein der­art verfaßtes Testament ist unbedingt ungültig. Ob em mit geführter Hand geschriebener letzte Wille den gesetzlichen Ansprüchen, die eigenhändige Schrift for­dern noch genügt, richtet sich nach dem Gepräge des speziellen Falles. Dem Reichsgericht gilt solche Nie- derschrrft dann als nichtig, wenn die Hand des Erb-

b0N unter der Herrschaft und Leitung des sie führenden stand. Blieb aber die Hand des Testie- renden m der von ihm gewollten Bewegung frei und ermoaMte ein an&erer nur durch seine Unterstützung

° /E begrifflich ein eigenhändiges Testament gegeben fern.

Sprache der Abfassung tut nichts zur Sache: «Nb I-de lote Sprache fordert hier den gieren Respekt des Gerichts. Auch gegen Steno- graphie oder Blindenschrift wird man keine prinzi-

Bedenken zu äußern berechtigt sein, sofern «ShS CimDQnbM Finden

Der Graf von Tarent.

f] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner k,61 .8uftanbe, m dem er sich befand, konnte er unmöglich daran denken, hinauf ru aeben rur ®urg. Er galt als gestorben und man hatte ihn gefieim begraben; trat er ohne Vorbereitung vor feine Lieben, w konnte er statt Freud- Schrecken bringen. Zuerst mußte er sich Kleidung verschaffen, dann wollte er den Priester aussuchen, der an seinem Sarge die Sterbegebete gebetet. Diesem wollte er sich vertrauen, ihm das Unglaubliche mitteilen daß er von ben Toten wieder erstanden war. Der (Seifte ^konnte dann hmaufgehen zur Burg unb der Gräfin das Unglaubliche vorsichtig beibringen. Erst bann, wenn die junge zarte Frau genügend vorbe­reitet war, bann konnte er es wagen, versönlick -u erscheinen und das Haus der Trauer in eines der Freude zu verwandeln. Ach, wie sehnte er sich nach dem Augenblicke, da er Frau und Kind wieder in feine Arme schließen konnte!

_ Er erhob sich und ging die Straßen entlang Alle Läden waren verschlossen, Handel und Wandel hatte aufgehört. Nun ging der Graf ins Judenviertel. Die Söhne Israels hatten die Buden offen. Alles war hier zu haben in diesen schmutzigen, engen Höhlen, neue und getragene Kleider,. Waffen' Ketten und Spannen, alte Stieseln, Feven, aber auch ge­prägtes Gold und Silber aus aller Herren Länder: hinter den schmutzigen Verkaufstischen wurden Wech> fei geschrieben und unterridjnet, welche in Amster­dam und London gerne honoriert wurden; hier wurden Kontratte entworfen über ganze Schiffs­ladungen Früchte und Getreide: Kapitäne und Schiffsmeister erstatteten hier oft ihre Berichte; alte Männer, angetan mit langen Kaftanen, studierten beim Scheine einer trüben Oellampe den wöchent­lichen Bankzettel von Frankfurt, Rotterdam, London und Venedig; diese selben Juden, welche ihren bandel über Meere und Länder ausbreiteten, kauften «ebrauchte Tiegel und Töpfe, nichts war zu klein, so ange es brauchbar war; hier verschwanden auch ge-

Der Graf schritt writer im Ghetto, betrat wieder ein Veikausslokal und kam daraus vollkommen neu gekleidet. Nun schritt er, tief in Gedanken, durch die Straßen. ES fiel ihm auf, daß gleich bem Js- raeliten Baruch ihn keiner der Bekannten zu erken­nen schien. Wie sonderbar war er denn über Nacht ein anderer Mann geworden? Selbst solche, denen er Wohltat erwiesen, grüßten chn nicht, sie schauten ihm inS Auge und gebärdeten sich, als hät­ten sie ihn nie gesehen. Eine merkwürdige Un­ruhe überkam ihn.

Da stand die Schenke, wo er am vergangenen Morgen eingetreten war und dem Wirte unb dessen Ftau solche Furcht eingeflößt hatte durch sein Aus-, sehen.

Er fühlte sich müde Und matt nach der enssetz- lichen Nacht und bedurfte dringend der Stärkung. Das Lokal bettetend, fetzte er sich in eine Ecke und verlangte rin Glas Wein. Er war ber einzige Gast in der Stube.

Der Wirt unb bie Wirtin setzten sich zu ihm und klagten über die furchtbaren Zeiten. Keines von ben beiden gab auch nur mit einer Miene Andeu­tung, daß er wieder erkannt fei.

Ter Herr sind wohl ein Fremder?" fragte der Wirt, und als der Gast gespannt auf das, was wohl folgen würde, bejahend mit dem Kopse nickte, da ftihr er fort:Ah. eine schreckliche Zeit, früher, da hatte man nicht Zimmer genug, um alle Reisenden unterzubringen, nun ist bar alles anders geworden. In meinem Hause hat kein Fremder mehr übernach­tet fest Wochen, weder Herr noch Knecht, die Zimmer und Stallungen stehen teer, Gott weiß, wohin das führen soll. Ihr seid der erste Fremde, den ich in dieser Stadt sehe feit langer Zeit, unb wenn Ihr in Geschäften gekommen feib, bann wird der Profit nicht groß sein, das mögt Ihr mir wohl glauben. Alle Haustüren fast sind aboesperrt. bie Handels» iuben unb Bazare sind g-scblsssen, einer meidet den anderen, seit die schreckliche Krankheit hier eingezogen ist in unserer Stadt. Wollt Ihr hier in meinem Hause übernachten, Herr?"

(Fortsetzung folgt.)